FC Germania Metternich vs SG Eintracht Mendig/Bell 0:2
Stadion in der Kaul, 300 Zuschauer, Rheinlandpokal 3.Runde
Der zweite Spielbesuch des Tages fand im Koblenzer Stadtteil Metternich statt. Zwei Rheinlandligisten traten im Pokal gegeneinander an, immerhin sechstklassiges Niveau. So war das Spiel vor recht ordentlicher Kulisse auch ganz gut anzusehen. Weitestgehend war es auch ein Duell auf Augenhöhe, nur vor dem Tor zeigte sich ein Qualitätsunterschied zu Gunsten der Gäste, welche dann auch folgerichtig in die nächste Runde einzigen. Das Stadion in der Kaul hat seinen Namen mehr als verdient, denn der Platz liegt tatsächlich in einer Kuhle. Auf der Hauptseite erheben sich einige in den Hang gebaute Stufen. Für eine in der Stadt gelegene Anlage ist es hier schon recht kuschelig. Natürlich traf man einige Angehörige der Bewegung, das bleibt ja nicht aus, bei Anstoßzeiten, zu denen sonst niemand mehr parallel anstößt. Neben Fohlen-Supporter Nobbi war das OFC-Fan Thomas, den ich einen gefühlte Dekade nicht mehr getroffen hatte und der mich auch erst auf den dritten Blick erkannte. Man wird halt nicht jünger.
Tief im Westerwald, wo die Dorfvereine nicht mehr genügend Spieler finden und die deshalb gebildeten Spielgemeinschaften sperrige Namen erhalten, trafen sich zwei dieser Konstrukte, um einen Achtelfinal-Teilnehmer im Rheinlandpokal auszuspielen. Ich mag es, Fußball auf solchen idyllisch gelegenen Dorf-Sportplätzen zu schauen, das entspannt mich ungemein. Es sei denn es regnet Bindfäden. Und das tat es zunächst. Die Anreise war eine Katastrophe, so dass ich trotz eines für mich untypisch ordentlichen Zeitpuffers so gerade eben zum Anpfiff eintraf. Glücklicherweise sollte sich das Wetter im Laufe des Spiels deutlich bessern. Obwohl zwei Bezirksligisten gegeneinander antraten, zeigte sich ein ungleiches Duell. Die Gäste waren deutlich überlegen und nutzten dieses Ungleichgewicht auch gnadenlos aus. Bereits zur Halbzeit war die Sache gegessen und der offensichtliche Plan der Gastgeber, in der zweiten Spielhälfte Schadensbegrenzung zu betreiben, schlug auch fehl.
Am Finaltag der Amateure spielten Rot-Weiß Koblenz und der VfB Linz den Rheinlandpokalsieger der Saison 2020/21 aus, damit der Verband fristgerecht einen DFB-Pokal-Teilnehmer melden konnte. Die Umstände dieser Veranstaltung waren ziemlicher Nonsens. Rot-Weiß Koblenz wurde als einziger Regionalligist des Verbandes gesetzt, der Gegner unter den im Pokal verbliebenen und an einer Final-Teilnahme interessierten Vereinen ausgelost. Das Losglück hatte der VfB Linz. Koblenz stand als Regionalligist und laufendem Spielbetrieb topfit bereit, während die Linzer quasi von der Couch aus zum Endspiel antraten. Der trainierte Regionalligist besiegte den untrainierten Bezirksligisten dementsprechend deutlich. Unabhängig von diesem Finale entschied der Verband nach Rücksprache mit den Vereinen, den Pokal dennoch regulär auszuspielen. Nur mit einer DFB-Pokal-Teilnahme wird der Sieger nun leider nicht belohnt werden können. Dieses Duell zweier Bezirksligisten war das letzte Spiel aus Runde zwei. Die Gastgeber waren das überlegene Team und siegten letztlich verdient, wenn auch etwas zu hoch. Im kleinen Stadion traf ich Daniel, der ebenfalls in Essen wohnt. Klassischer Fall von mangelhafter Kommunikation, sonst hätte man zusammen anreisen können. Der Tormann der Gastgeber plagt sich mit einer etwas unvorteilhaften Figur. Unabhängig davon zeigte er aber eine blitzsaubere Leistung. Nicht das erst Mal, dass man einen etwas unförmigen Torwart zu sehen bekam, der sein Handwerk versteht. Der sportlich trainierte Schnapper des Gäste-Teams, sah dagegen bei einigen Toren nicht ganz so glücklich aus. So ist das halt – der eine hat keine gute Figur, der andere macht keine gute Figur.
Stadion im. Zdzislawa Krzyszkowiaka, 999 Zuschauer, IV liga Kujawsko-Pomorska
Weiter ging es zum sogenannten ‚Zielspiel‘ der Tour. Zawisza Bydgoszcz wurde nach einer bewegten und nicht immer glücklichen Geschichte vor fünf Jahren von den eigenen Anhängern in einer Neugründung aus der Taufe gehoben. Natürlich musste der Verein ganz unten in der B-Klasa anfangen. In den ersten drei Jahren gelang jeweils der Aufstieg in die nächste Spielklasse, lediglich in der fünften Liga reichte es im letzten Jahr nur zu einem Mittelfeldplatz. In dieser Saison wurde ein neuer Angriff in Richtung Liga 4 gestartet und in diesem heutigen, letzten Saisonspiel sollte der finale Schritt gemacht werden. Die Heimspiele trägt der Verein seit dieser Saison wieder im großen Stadion aus. Obwohl es sich um ein Mehrzweckstadion handelt, gefällt mir das große Rund sehr gut. Die Blöcke der Kurven sind in der oberen Hälfte baulich voneinander getrennt, so dass die Bude durchaus einen eigenen Charakter hat. Die Liga war nach einer Einfachrunde geteilt worden und die ersten sieben Teams spielten danach den Aufsteiger unter sich aus. Zawisza spielte eine starke Runde und war mit gerade einmal zwei Niederlagen aus 29 Spielen Tabellenführer. Der Tabellenzweite Wloclawia Wloclawek machte das aber nicht viel schlechter und lag mit dem besseren Torverhältnis zwei Punkte hinter Zawisza. Beide Clubs absolvierten heute zeitgleich die letzten Partien der Saison, beide daheim. Zawisza hatte den Letzten der Gruppe zu Gast und so war es eigentlich nur noch Formsache, den Aufstieg unter Dach und Fach zu bringen. Aber mit diesen Pflichtsiegen ist das ja so eine Sache – wer kann das besser nachempfinden als ein RWE-Anhänger. Zawisza zeigte sich spielbestimmend, aber dennoch nicht gut aufgelegt. Die Truppe wirkte im Wunsch nach dem Erfolg irgendwie verkrampft, was viele Fehlpässe zur Folge hatte, da half auch die starke Unterstützung der eigenen Kibice nichts. Der Club kann ja noch immer auf eine starke Fanszene zählen. Gut 250 Mann gaben trotz großer Hitze Vollgas und auch der Zaun war unfassbar stabil beflaggt. Das alles konnte aber den Führungstreffer der Gäste nach zwanzig Minuten nicht verhindern, gleichzeitig der Pausenstand. Nach dem Wiederanpfiff nahm Zawisza sofort wieder das Heft in die Hand aber schon nach wenigen Minuten erzielten erneut die Gäste-Akteure den nächsten Treffer. Das war nun natürlich ein Brett, aber es sickerte durch, dass der Verfolger, der mit einem eigenen Sieg vorbeigezogen wäre, ebenfalls daheim zurück lag. Die Gastgeber gaben auch nicht auf, sondern versuchten es weiter und schafften den Anschluss. Nun war natürlich Feuer in der Hütte und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Zawisza-Szene brachte eine schöne, ausgedehnte Pyro-Aktion. Fünf Minuten vor Schluss schafften die Gastgeber dann auch noch den absolut verdienten Ausgleich und da das Ergebnis in Wloclawek bis zum Schluss Bestand hatte, konnte die Party nun starten.
Stadion OSiR w Kalisz, 2.028 Zuschauer, Baraze o udzial w I lidze
11:45 Uhr am Samstag – eine ungewöhnliche Anstoßzeit, aber mir war’s recht. Nach einer Pleite zu Beginn der 90er Jahre und einem sportlichen Rückzug in den frühen Jahren des neuen Jahrtausends wurde der Kaliski Klub Sportowy vor 15 Jahren neu gegründet und begann in der untersten Liga von vorn. Alle paar Jahre ging es dann eine Etage höher und nachdem der Verein erst im letzten Jahr drittklassiges Niveau erreicht hatte, klopfte er nun bereits wieder eine Liga höher an. Möglich wurde das trotz eines lediglich fünften Platzes durch die Relegation, in der die Teams auf den Plätzen drei bis sechs einen dritten Aufsteiger ausspielen. Die Ungerechtigkeit solcher Playoff-Konstellationen zeigte sich darin, dass nun der Fünfte gegen den Sechsten der Abschlusstabelle um einen Platz in der zweiten Liga spielte. Da der in der Liga-Tabelle jeweils besser platzierte Club Heimrecht genoss, fand dieses finale Spiel in Kalisz statt. Der KKS hate eine gut aufgestellte Fanszene, die autonom agiert, also keinen Fanclub-Status bei einem größeren Verein erfährt. Bei guten Spielen wie heute kommen gut 100 aktive Leute zusammen. Anders sieht das beim heutigen Gegner Skra aus, der in Czestochowa klar im Schatten des Lokalrivalen Rakow steht und über gar keine Szene verfügt. Der Gäste-Käfig wurde für die paar angereisten Gestalten, bestehend aus zwei nervtötend kreischenden Olgas und einer Hand voll Schönwetter-Fans, nicht mal aufgeschlossen. Unwissend, wie viel Zuschauer im recht großen und ansehnlichen Stadion zugelassen waren, war die Kulisse mit mehr 2.000 Zuschauern recht beachtlich und hinsichtlich der Bedeutung des Spieles doch enttäuschend. Optisch wurde vom KKS-Block unter dem Tribünendach im Oberrang leider nichts geboten, aber das Team wurde bis zum Abpfiff dauerhaft supportet. KKS legte los wie die Feuerwehr und hatte früh die Riesen-Chance zur Führung. Wie man den Kopfball freistehend aus drei Metern Entfernung nicht versenken konnte, wird das Geheimnis des Schützen bleiben. Kurz danach fiel nach einem Eckball aus dem Getümmel das unglückliche Eigentor zur schon zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaften Gäste-Führung. Die Gastgeber ließen sich nicht beeindrucken und drückten weiter, aber beste Chancen blieben ungenutzt. Kein anderes Bild nach dem Wechsel. Skar war nur auf Konter aus oder konnte gar nicht anders und ein ebensolcher stellte das Spiel nach etwas mehr als einer Stunde endgültig auf den Kopf. Dennoch blieb KKS dominant aber ein weiterer Konter bedeutete zehn Minuten vor Schluss den endgültigen K.O. für die Gastgeber. Skra, der Club, den in der zweiten Liga niemand braucht, ging als Tabellensechster(!) hoch. Relegation abschaffen! Absurderweise endeten alle drei Spiele der kurzen Runde mit Auswärtssiegen. Grund, die Köpfe hängen zu lassen, hatte das Gastgeber-Team als Aufsteiger nach dieser tollen Saison aber sicher nicht.
KP Starogard Gdanski vs OKS Swit Skolwin Szczein 0:2
Stadion Miejski im. Kazimierza Deyny, 90 Zuschauer, III liga grupa II
Es ging noch mal nach Polen rüber, dieses Mal durch die Luft gen Gdansk. Die Flüge wurden erst kurzfristig am Montag für einen noch erstaunlich moderaten Preis gebucht. Hätte ich allerdings geahnt, dass sich in der Relegation zum Aufstieg in Liga 2 die wenig wahrscheinliche Konstellation ergab, dass Kalisz im Finale ein Heimspiel haben würde, hätte ich wohl das Auto gewählt. Denn auch trotz der Flüge wurde es noch genug Fahrerei mit dem Miet-Vehiculum. Den Auftakt machte aber erst einmal dieser Viertliga-Kick in Starogard Gdanski, oder Preußisch Stargard, wie es früher hieß. Mit diesem Spiel war sicherlich kein Reißer zu erwarten, aber es passte einfach in den Zeitplan und lag am Weg. Knapp wurde es aufgrund des verspäteten Abfluges dennoch – den Anstoß konnte ich nicht sehen, aber nach dem Aussteigen aus dem Fahrzeug zumindest hören. Nicht einmal hundert Zuschauer – unter denen sich natürlich noch ein bekanntes Gesicht fand – hatten sich her bequemt, obwohl Starograd eine ganz passable Saison spielte. Zu einigen Spielen werden die Gastgeber auch mal von einer etwa zwanzigköpfigen Gruppe unterstützt. Heute waren von diesen nur drei Teenager zugegen, die nach zwanzig Minuten ihre kleine Fahne vom Zaun nahmen und von dannen zogen. Konnte ihnen niemand verübeln, denn die Gäste aus Szczecin hatten trotz eines zweiten Tabellenplatzes keine Chance mehr auf den Aufstieg und so gab es einen glanzlosen Sommer-Kick zu sehen. Im Stadion ist alles auf den Namensgeber Kazimierz Deyny ausgerichtet, den vielleicht berühmtesten Sohn dieser Stadt. Der äußerst torgefährliche Mittelfeldspieler, der 97 mal für die Nationalmannschaft und in den 60ern und 70ern mehr als eine Dekade für Legia spielte, auf dem Höhepunkt seiner Karriere das Trikot von Manchester City trug und zum Ende seiner Karriere in den Vereinigten Staaten kickte, verlor mit gerade mal 42 Jahren sein Leben bei einem Verkehrsunfall in seiner Wahlheimat. Das Andenken an diesen außergewöhnlichen Fußballer, der sogar Tag und Nacht im Stadion sitzt, wird hier jedenfalls ehrenvoll bewahrt.
Stadion im Sportzentrum am Prischoss, 250 Zuschauer, Regionalliga Südwest
Mit den RWE-Gesellen Krösus und Marco steuerte ich das unterfränkische Alzenau an. Obwohl Alzenau, unmittelbar an der Grenze zu Hessen liegend, dem Freistaat Bayern angehört, nimmt der FC Bayern des Nordens am Spielbetrieb der Regionalliga Südwest teil. Beziehungsweise nahm, denn der Abstieg war auch schon vor diesem letzten Saisonspiel gegen die Saarländer besiegelt. Allerdings wird der Club auf Oberliga-Ebene der Hessenliga zugeteilt werden. Keine Ahnung, warum das so ist. Die Gäste aus Elversberg wurden der Favoritenrolle erwartungsgemäß gerecht und siegten begleitet von etwa zwei Dutzend Anhängern standesgemäß und verdient. 250 Zuschauer waren zugelassen un das Spiel war natürlich fürchterlich mit Angehörigen der Bewegung überladen, aber wie heißt es dann immer so schön – man ist ja selber Teil davon. Bayern Alzenau verfügt über zwei unmittelbar nebeneinander liegende Spielstätten. Das kleine reine Fußballstadion ist sicherlich die schönere der beiden Anlagen und reicht für den Anspruch des Vereins mehr als aus.
Eigentlich hatten wir reichlich Zeit und genau dieses sichere Gefühl hatte zur Folge, dass es am Ende knapper wurde, als nötig. Etwa 20 Minuten vor Spielbeginn standen wir vor dem Stadion, um dann feststellen zu dürfen, dass der Ticketverkauf nur online stattgefunden hatte. Corona-Vorsichtsmaßnahmen! Kontaktreduzierung! In Polen! Als wir noch rätselten, wie wir reinkommen, ging plötzlich ein Tor auf und da die kleine Ordnerin, die das Tor geöffnet hatte, völlig neben der Spur war, konnten wir unbehelligt einmarschieren… ähm sorry… rein marschieren… kleiner Scherz. Man muss auch mal Glück haben. Auf dem engen Platz hinter der Haupttribüne wurden dann munter ohne Abstand und Masken Getränke und Kielbasa verkauft. Soviel zu den Vorsichtsmaßnahmen. Nicht ganz 1.000 Zuschauer hatten sich eingefunden. Odra hatte noch eine kleine Chance auf einen Platz in der Aufstiegsrelegation. Die Gäste aus Tychy schmiedeten das heißere Eisen und waren fett im Geschäft um einen direkten Aufstiegsplatz. Eine Busladung Gäste-Kibice durfte auch anreisen und sich dann einfach im Heimbereich mit Getränken eindecken, um dann den Weg an das andere Ende der Tribüne anzutreten. Der Sektor Goscie blieb verschlossen. Auch wenn es keine Feindschaft zwischen Odra und Tychy gibt, so gibt es eben auch keine Freundschaft. Dennoch ließ die Odra-Szene dies alles ohne Widerstand gestehen. Das ist doch nicht Polen. Also man muss sich mal eine vergleichbare Situation in Deutschland vorstellen. Wenn z.B. in Kaiserslautern eine Busladung Regensburger durch den Heimbereich zu ihrem Platz latschen würde, gäb es auch ohne große Rivalität ordentlich Senge und das ohne Wenn und Aber. Der Odra-Capo konnte knapp 100 Leute um sich versammeln. Mehr als den zwischenzeitlichen Ausgleich konnten diese aber nicht herbeisupporten. Zu stark zeigten sich die Gäste, die am Ende aber zu hoch gewannen. Das Stadion wurde in den 30er Jahren für 25.000 Zuschauer erbaut. Wie die Haupttribüne sollte auch die Gegenseite mit einer neuen Tribüne versehen werden. Mittlerweile hat die Stadt aber beschlossen, komplett neu zu bauen. 2024 soll das neue Stadion fertig sein, aber man muss kein Prophet sein, um das für unwahrscheinlich zu halten.