Brühl – Sa., 29.08.2026, 18:30

FC Viktoria 1911 Gruhlwerk vs SC Brühl 06/45 2:1

Sportplatz Brühl-Heide, 450 Zuschauer, Kreisliga A Rhein/Erft
Ein Spiel hatte der Fußball-Tag noch zu bieten. Ich weiß gar nicht, wann ich in Deutschland zuletzt mal drei Spiele an einem Tag gesehen habe. In Brühl bei Köln, vorrangig bekannt durch den Freizeitpark ‚Phantasialand‘ wurde um Kreisliga-Punkte gekämpft. Nicht klar war uns vorher, dass sich dabei um ein Lokal-Derby handelte, sodass sich eine recht ordentliche Zuschauerkulisse bildete. Befeuert wurde der Reiz der Partie dadurch, dass sich beide Clubs in den vergangenen Jahrzehnten lediglich ein einziges Mal im Pokal über den Weg liefen. Während die Viktoria nämlich so eine Art ewiger B-Ligist ist, oder war, denn im Sommer gelang der Aufstieg, ist der SC Brühl eher an höhere Ligen gewöhnt, spielte lange Jahre in Ober- und Landesliga eher vor ein paar Spielzeiten der Niedergang bis in die A-Liga einsetzte, aus der sich der Verein nochmal für eine Saison befreien konnte, aber im Sommer wieder den Gang hinab auf Kreisebene antreten musste. Daher traten die Gäste favorisiert an, wurden dieser Rolle aber selten gerecht. Spätestens im Nieselregen des zweiten Durchgangs hatten sie dem Kampfeswillen der Gastgeber nicht mehr viel entgegenzusetzen, was die Viktoria getreu ihres Vereinsnamens in der Schlussminute zum Sieg nutzte. Der zweite Teil des Vereinsnamens bezieht sich auf eine frühere Kohlefabrik, welche die vor Ort gewonnene Braunkohle in Briketts formte. Deren Mitarbeiter gründeten diesen Verein, um ihre Fußballleidenschaft im geregelten Spielbetrieb ausleben zu können.

Wiesbaden – Sa., 29.08.2026, 14:00

SV Wehen Wiesbaden vs Rot-Weiss Essen 0:0

Arena Wiesbaden, 4.229 Zuschauer, 3.Liga
Von Helmut Schön sein Sportpark zum unmittelbar angrenzenden Gäste-Eingang der Blech-Arena des SV Wehen waren es nur 50 Meter Fußweg. In der Theorie. Die Ordnungsbehörden waren aber verstrahlt genug, das Tor dorthin „aus Sicherheitsgründen“ verschlossen zu halten. Stattdessen musste die vielleicht 20 Rot-Weissen, die das Jugendspiel geschaut hatten, um das Stadion herumlaufen und damit an der Heimkurve vorbei. Wer sich so eine hirnverbrannte Grütze ausdenkt, kämmt sich morgens auch mit dem Vorschlaghammer. Naja, die Wehener Szene ist nicht für Problemverhalten bekannt und Konfliktpotential gibt es zwischen den beiden Vereinen eh nicht. Sollte für die Wehen-Ultras die Idee hinter dem Besuch des Jugendspiels gewesen sein, sich auf das Spiel der ersten Mannschaft einzustimmen, ging das schief. Als die Mannschaften einliefen, waren in der Kurve noch nicht einmal die Schwenkfahnen verteilt, geschweige denn ausgerollt. Vielleicht war man auch mit dem Saisonstart bei zwei Niederlagen und sieben Gegentoren nicht ganz einverstanden, da der Verein ja großspurig den Aufstieg als Ziel ausgerufen hatte. Aus dem Pott waren 1.500 Rot-Weisse angereist. Besondere optische Aktionen blieben aus, der Support war aber über 90 Minuten laut und ansprechend. Ich hatte einen Platz auf der Geraden im Heimbereich eingenommen, da ich den Gästebereich in Wiesbaden nicht mag. Die Bande der Gastgeber habe ich genau einmal bewusst vernommen, als der RWE-Capo seine Leute mal eine Minute verschnaufen ließ. Natürlich hinkt aber auch das Kräfteverhältnis, da der aktive Anhang des SV Wehen ja nur um die 100 Leute umfasst.
Gegen eine zwar kurzfristig noch durch erfahrene Leute verstärkte aber insgesamt verunsicherte Gastgeber-Mannschaft übernahmen die Roten sofort die Spielkontrolle. Der RWE erarbeitete sich im ersten Durchgang einige Möglichkeiten, bis auf ein Beinahe-Eigentor war aber der richtige Hundertprozenter nicht dabei, respektive wurde die finale Entscheidung im Strafraum falsch getroffen. Bis auf einen Distanzschuss waren die Gastgeber überhaupt nicht zu sehen, der Deutsche Meister von 1955 hatte alles im Griff. Das sollte sich in Hälfte zwei ändern. Zunächst machten die Roten weiter wie zuvor, leider auch genauso harmlos im Abschluss. Nach einer Stunde Spielzeit wurde die Partie dann eine andere. Die Gastgeber waren nun wacher und mutiger, wirkten frischer und kreierten Chancen. Diese wurden auch immer gefährlicher und schlussendlich konnten sich die Rot-Weissen bei ihrem Schlussmann Golz bedanken, der den Punkt dann mehrfach festhielt. So geht die Punkteteilung letztlich wohl in Ordnung. Mit mehr Kreativität und Effektivität im ersten Durchgang wäre ein Sieg sicher möglich gewesen, aber die Mannschaft ist vom Prädikat ‚Top-Team‘ noch weit entfernt. Noch 41 Punkte bis zum Klassenerhalt!

Wiesbaden – Sa., 29.08.2026, 11:00

SV Wehen Wiesbaden U19 vs Hamburger SV U19 2:4

Helmut-Schön-Sportpark, 400 Zuschauer, U19-DFB-Pokal 2.Runde
Den Auftakt in einen fußballreichen Tag machte die U19-DFB-Pokal-Partie zwischen dem SV Wehen und dem HSV. Angesetzt wurde die Partie im schönen Stadion des ‚Helmut-Schön-Sportpark‘ unmittelbar angrenzend an den nicht ganz so schönen Wellblechpalast der Profi-Mannschaft des SV Wehen. Auch wenn beinahe die gesamte Autobesatzung in diesem Stadion schon ein Spiel gesehen hatte, einigten wir uns auf den Besuch, da es ja prinzipiell ein nettes Warm-up vor dem anschließenden Spiel des glorreichen RWE bildete. Vor vielen Jahren hatte ich dort schon einmal den tatsächlichen Heimverein SV Wiesbaden spielen sehen, aber das Stadion ist ansehnlich genug, dass man auch noch ein weiteres Mal aufschlagen kann. Zugegeben zweifelte ich dann doch noch an der Entscheidung, aber als mich einen Tag vor dem Spiel ein ortsansässiger alter Bekannter unserer Bewegung kontaktierte, den ich lang nicht getroffen hatte, und der seine Anwesenheit bei diesem Spiel ankündigte, erfuhr dieser Spielbesuch eine deutliche Wertsteigerung. So wurde die Veranstaltung zur Nebensache und natürlich komplett verlabert. Überraschend hatte sich die aktive Szene des SV Wehen eingefunden, um den Nachwuchs zu unterstützen. Die Jungs und Mädels zogen das auch beinahe über die gesamte Spielzeit durch, das hat grundsätzlich meinen Respekt. Für den HSV zeigten sich drei Gestalten optisch erkennbar am Rande einer Kurve. Getreu dem Motto ihrer Zaunfahne waren diese aber vornehmlich mit dem Verzehr hopfenhaltiger Getränke beschäftigt. Ihre Mannschaft benötigte auch keine Unterstützung und stellt die Zeichen mit einer überlegenen Vorstellung und daraus resultierender Drei-Tore-Führung bereits zum Seitenwechsel auf Sieg. Diese Führung stellte sich dann jedoch schnell als trügerisch heraus, denn in den ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff verkürzten die Gastgeber auf ein Tor Unterschied. Der Ausgleich war danach in einem offenen Schlagabtausch durchaus möglich, die Norddeutschen machten aber wenige Minuten vor dem Ende alles klar.

Düsseldorf – Mi., 26.08.2026, 19:00

DSV 04 Lierenfeld vs BV 04 Düsseldorf 0:1

Ernst-Poensgen-Kampfbahn, 50 Zuschauer, Kreispokal Düsseldorf 1.Runde
Wenn man beim Betreten der Sportanlage keinen Eintritt abgenommen bekommt, weiß man, dass man weit unten in der Ligen-Pyramide angekommen ist. Genau genommen ganz unten. Zum Erstrunden-Duell im Düsseldorfer Kreispokal begrüßte der C-Ligist DSV 04 aus Lierenfeld den A-Ligisten BV 04 aus dem Stadtteil Golzheim. Nicht nur die Namen, auch die Clubwappen und sogar die Karrieren der ersten Mannschaften beider Vereine ähneln sich. Aus der Landesliga, noch im letzten Jahrtausend, ging es über die Bezirksliga hinab bis auf Kreisebene und dort bis auf die unterste Sohle. Während der BV 04 den Totalabsturz inzwischen überwunden hat, schicken sich die Lierenfelder an, genau das zu tun. Nach zwei Spieltagen steht das Team mit weißer Weste und deutlichem Torverhältnis ohne Gegentor an der Tabellenspitze. Das erste Pflichtspiel-Gegentor der Saison ließ aber nicht lang auf sich warten, denn die Gäste gingen früh in Führung. Es sollte das Tor des Tages bleiben, denn der DSV legte den völlig unnötigen Respekt schnell ab und spielte ebenbürtig mit, vergab aber beste Möglichkeiten. Ich tue mich ja relativ schwer mit Spielbesuchen auf Kreis-Ebene. Der Grund für den heutigen Ausflug war die schöne und nicht zu oft bespielte ‚Ernst-Poensgen-Kampfbahn‘, denn meist nutzt der DSV 04 den benachbarten Kunstrasen. Zudem wollen die milden Sommerabende noch bestmöglich genutzt werden – die dunkle, klamme Jahreszeit kommt noch früh genug und dann machen solche Aktionen keinen Spaß. Da die Vereinsgastronomie von einem Griechen geführt wird, war ein fetter Gyros-Teller quasi obligatorisch.

Essen – So., 23.08.2026, 18:00

Rot-Weiss Essen vs FC St.Pauli 2:0

Stadion an der Hafenstraße, 18.800 Zuschauer, DFB-Pokal 1.Runde
Sankt Pauli im Pokal. Kein Traumlos. Natürlich um Längen besser, als Gegner der Kategorie Hoffenheim oder Paderborn, aber dafür anstrengend, zumindest was das Fan-Klientel angeht. Klagen auf hohem Niveau, grundsätzlich hat der RWE bei den DFB-Pokal-Teilnahmen der letzten Jahre nie Los-Pech erlebt, wenn man mal vom Spiel gegen den Leipziger Filialbetrieb des Energydrink-Herstellers aus Fuschl am See absieht. Ich befürchtete jedenfalls, dass sich die Kurven verbal und optisch an Peinlichkeiten überboten, doch glücklicherweise rissen sich beide Seiten weitestgehend am Riemen, wohl auch aufgrund vorheriger ‚Verhaltensanweisungen‘ der führenden Gruppen. In dieser waren sich die Gäste allerdings nicht zu schade, von der ‚Faschoverseuchten‘ Essener Kurve zu sprechen. Natürlich gibt es in der Westkurve einzelne Personen mit rechtsextremer Einstellung, vermutlich gar kleinere Gruppen. Wie in fast jeder deutschen Kurve. Unter tausenden Besuchern. Ein ganzes Publikum darauf zu reduzieren ist nicht nur polemisch und heuchlerisch, sondern auch brandstiftend. Der RWE-Anhang ließ sich davon nicht groß provozieren. Und auch in der braunen – ich finde ja diese Vereinsfarbe bei genau diesem Club so eine herrliche Satire – Kurve ist ja nicht jeder Anwesende linksextrem. Klar gibt es darunter genug Personen dieser Ausrichtung, natürlich insbesondere bei ‚Ultra Sankt Pauli‘. Aber auch bei Sankt Pauli hegt eben nicht jedes Kurvenmitglied extreme Denkweisen. Politischer Extremismus, egal ob rechts oder links, ist einfach scheiße – so und nicht anders!
Dennoch traurig, dass sich der gesamte Block instrumentalisieren ließ. Auf ein „Nazis raus!“ Richtung Essener Publikum, was man mit viel Wohlwollen noch als allgemeinen Aufruf werten konnte, folgte ein hüpfendes „Nie, nie, nie wieder Deutschland“, an dem die ganze Blockbesatzung teilnahm. Wat woll’n se denn stattdessen, was ist die Alternative? Zurück in die Weimarer Republik oder gar die Lehnsherrschaft? Wenn, dann wäre der Ruf nach einem ‚anderen‘ Deutschland angemessen. Aber die dargebotene Parole war nichts anderes als billiger Antifa-Populismus und der gescheiterte Versuch, das Heim-Publikum zu provozieren, welches den rebellischen Mist einfach mit RWE-Gesängen übertönte. Zudem erfreut sich sicher auch ein angemessener Teil des Pauli-Anhangs an den doch recht üppigen Sozialleistungen, die unser ach so fieser Staat für sozial (und geistig?) Benachteiligte bereitstellt. Die Westkurve eröffnete mit einer simplen aber effektiven Choreo, welche die Kurve oberhalb des fetten Banners am Zaun mit der Aufschrift ‚Oldschool Fußball Hafenstraße‘ mit roten und weißen Pappen in die Clubfarben teilte. Dann wurde per Blockbanner ein Fan ausgebreitet, der einen klassischen RWE-Pokal-Schal aus den 90ern präsentierte, und dieser langsam nach unten gereicht. Leider wurden die Pappen im oberen Bereich zu früh gelüftet, daher gibt es deutlich Abzüge in der Ausführung.
Ein erstes Spruchband wurde auch bald gezeigt. „Awareness ist, wenn USP Kinder fickt“ nahm Bezug auf einen Arbeitskreis von Ultras Sankt Pauli, der damit befasst ist, die Kurve in einen sicheren Raum zu verwandeln, nachdem vor ein paar Jahren sexuelle Übergriffe erwachsener Kurvenmitglieder gegenüber Minderjährigen bekannt wurden. Eigentlich zeitlich etwas überholt, aber das Thema ist ja dennoch irgendwie immer aktuell. Der Gästeanhang ging nicht darauf ein und ansonsten hielt sich der Spruchband-Terror in Grenzen. Einigkeit bestand nur bei der konzentrierten Protest-Aktion gegen den Videobeweis. USP wurde von einigen befreundeten Gruppen unterstützt. ‚Schickeria München‘, Infamous Youth‘ aus Bremen, ‚Ultras Hapoel‘ aus Tel Aviv und ‚Ultras Inferno‘ von Standard Liege hatten Überhänger über dem USP-Banner platziert, der dadurch selbst kaum noch in Erscheinung trat. Die Stimmung aus dem Gästeblock hätte ich brachialer erwartet. Offenbar ist man aber nur bei den politischen Parolen laut. Ansonsten schallerte nur der simple „Sankt Pauli“-Schlachtruf vernünftig, der Rest war viel selbstverliebtes Geträller. Auch nach dem Zwei-Tore-Rückstand wurde die Sangesstrategie nicht geändert, eher untauglich um die leblose Mannschaft noch mal für eine Schlussoffensive wachzurütteln. Die ‚Westkurve‘ war gut aufgelegt und bei den großen Spielen steigt ja mindestens die Gegentribüne bei den Gassenhauern immer gut mit ein. Da ich da aber selbst mittendrin bin, fällt es mir immer schwer, die Wirkung zu beurteilen, denke aber, es war ordentlich. Nach wie vor verhindern die offenen Ecken eine wirklich brutale Lautstärke. Ich bin von der Optik geschlossener Stadien selten begeistert, aber der Stimmung in Essen kann das nur gut tun. Im Herbst sollen die Arbeiten ja endlich beginnen.
Die Roten waren direkt gut drin im Spiel und ließen den Kiez-Kickern wenig Raum zur Entfaltung. So verlagerte sich das Spielgeschehen öfter in die von den Gästen verwaltete Hälfte, gefährlich wurde es aber nur auf der anderen Seite, wenn das Team vom Millerntor dort mal auftauchte. Allen voran der Niederländer Kaars hätte den Führungstreffer erzielen müssen, schaffte es aber die Kirsche, etwas in Rücklage geraten, aus dreieinhalb Metern über das leere Tor zu chippen. Dann kam auch die gute Seite des Spiels zu ersten Chancen. Jansen scheiterte aber erst am Außennetz und dann frei vor dem FCSP-Schlussmann genau an diesem. Die Gäste kamen auch zu weiteren brandgefährlichen Situationen, hatten aber das Visier nicht richtig justiert. Jansen dann aber endlich schon, als er zehn Minuten vor der Pause nach einer No-Look-Flanke von Obuz sträflich frei gelassen zur Führung einnickte und die Hafenstraße im Jubel versinken ließ. Und noch keine zehn Minuten waren in Durchgang zwei gespielt, als Hofmann dann genau schaute, wohin er flanken wollte und Telalovic volley mit der Innenseite die Führung technisch anspruchsvoll verdoppelte. Die Hamburger kamen danach überhaupt nicht mehr zu zwingenden Aktionen, die rot-weisse Defensive stand deutlich sicherer und viel besser zugeordnet als im ersten Durchgang, der RWE war dem dritten Treffer näher als die Gäste ihrem ersten. So ging die Partie recht unaufgeregt zu Ende, weil der RWE clever und konzentriert verteidigte. Und ohne überheblich zu sein – ich habe diesen Sieg so dermaßen für möglich gehalten, dass ich ihn nicht als totale Sensation empfinde.

Oberhausen – Sa., 22.08.2026, 17:45

VfR 08 Oberhausen vs FC Sterkrade 72 0:3

Sportplatz Tiroler Straße, 169 Zuschauer, Kreisliga A Oberhausen/Bottrop
War es verspätete Trauma-Bewältigung, die mich zu dieser Platzanlage trieb? An der Tiroler Straße ist mir nämlich eine der dämlichsten Aktionen meiner schillernden, aktiven Karriere unterlaufen. Es war irgendein sinnloses Sommerturnier, noch zu A-Jugend-Zeiten. Der Untergrund war damals natürlich noch kein Kunstgras, sondern schwarze Asche. Mit dem VfB Borbeck, der kurz darauf mit Grün-Weiß Schönebeck zur SG Schönebeck fusionierte, bekannt durch die erfolgreiche Damen-Abteilung, war meine Gurkentruppe unter anderem mit dem ETB Schwarz-Weiß in einer Gruppe, damals eines der stärksten A-Jugend-Teams des Niederrhein-Verbandes. Durch zwei Niederlagen bereits ausgeschieden, fand ich es im letzten Spiel gegen den ETB beim Stand von 0:6 (oder so ähnlich) eine gute Idee, noch eine Todesgrätsche anzusetzen, traf weder Ball noch Gegner und zog mir stattdessen am linken Knie eine fiese Schürfwunde in der Größe eines 5-Mark-Stückes zu. Wer vor 1999 geboren wurde, dürfte wissen, was für ein Oschi der Fünfer war. Als ich nächsten Morgen beim Aufstehen das vom Wundsekret am Knie festgeklebte Bettlaken von der Matratze zog, war es an der Zeit für den Doc. Der stellte mir in Aussicht das Knie auszubürsten, anderenfalls bliebe es verfärbt. Welche Entscheidung ich traf, dürfte klar sein. Seitdem ziert meinen ansonsten makellosen Astralkörper am linken Knie eine tief purpurfarbene Narbe. 
Es gibt in der näheren Umgebung zwar kaum Fußballplätze, die ich nicht selber bespielt habe. Davon habe ich aber einige bis heute nicht für einen Spielbesuch in der Beobachterrolle mit meiner Anwesenheit beehrt. Viel Brauchbares ist natürlich nicht mehr übrig, aber die Anlage das VfR 08, der mit einigen Grafitti und Planen Identität verliehen wurde, kann man an einem lauschigen frühen Abend ruhig mal bereisen. Die Anfahrt erfolgte entspannt mit dem Rad. Das Spiel zeigte durchschnittliches Kreisliga-Niveau, soweit meine Expertise ausreicht, das zu beurteilen. Während es für die Rasensportler in der Vorwoche trotz dreier Gegentore noch für einen Punkt reichte, bedeutete dieselbe Gegentoranzahl heute eine verdiente Niederlage. Nach ausgeglichener Anfangsphase nahmen die Gäste Fahrt auf. Bis auf wenige Situationen hatten die Sterkrader die Nummer im Griff und fuhren einen sicheren Sieg ein, zieren damit für den Augenblick die Spitze der noch jungen Tabelle. Die Partie verlief ruhig, so ruhig, dass sich die Gastgeber kaum gegen die Niederlage wehrten. Ein gut gelaunter, unaufgeregter Schiri hatte jede Situation im Griff und löste jede aufkommende Aufregung mit einem lockeren Spruch umgehend auf.

Sonsbeck – Mi., 19.08.2026, 18:00

SV Sonsbeck vs Rot-Weiss Essen 2:7 n.V.

Willy-Lemkens-Sportpark, 1.200 Zuschauer, Niederrheinpokal 1.Runde
In die rot-weisse Pokalwoche ging es mit der durchaus anspruchsvollen Aufgabe in Sonsbeck. Auf tiefem, schwer bespielbarem Geläuf ist ein Verbandspokalspiel nie nur ein Schaulaufen. Dabei kam der RWE gut in die Partie, machte Druck und erzielte früh den Führungstreffer. Der Schwung verflachte dann etwas, weil der Oberligist besser ins Spiel kam und der Spielaufbau bei den Roten immer unsauberer geriet. Das alles blieb mir bis hierhin verborgen und beruht auf Augenzeugenberichten. Zwar traf ich vom Arbeitsplatz aus, den unteren Niederrhein querend, früh an der Wetterschutz weitestgehend vermissen lassenden Anlage ein. Da es aber schüttete, als hätte Teutates persönlich den Himmel geöffnet, verweilte ich zunächst noch im Fahrzeug, trollte mich dann einige Minuten nach Anpfiff aufs Gelände, suchte dort aber wiederum Schutz vor dem Wetter ohne dabei eine Sicht auf das Spielfeld zu erlangen. Erst als der Regen einige Minuten vor dem Seitenwechsel nachließ, traute ich mich mal aus meinem Versteck hervor. Rechtzeitig um den zweiten Treffer für den RWE zu erleben. Potocnik staubte einen Abpraller in bester Stürmer-Manier ab. Alles schien nach Plan zu laufen. Die Wortwahl lässt es erahnen – es kam erst einmal anders. Das hätte nicht sein müssen, denn der RWE hatte nach Wiederanpfiff Einschuss-Chancen im Minuten-Takt. Und wenn nicht Abiama den Hundertprozenter zu Tor Nummer Drei und damit die wahrscheinliche Spielentscheidung ungenutzt liegen gelassen hätte, wäre das nun Folgende natürlich nicht geschehen.
Aus dem Nichts erzielten die Hausherren im Gegenzug den Anschluss und plötzlich lag Spannung und Anspannung in der Luft. Nach einer guten Stunde Spielzeit leistete sich Alonso einen Blackout, köpfte im eigenen Strafraum eine eigentlich harmlose Freistoß-Flanke zentral vor das Tor, wo sich ein Heim-Akteur bedankte und plötzlich stand es 2:2. Obuz hätte zuvor eigentlich schon wieder den alten Abstand herstellen können, aber am Ertrag gemessen, war die Angriffsleistung der Mannschaft heute desaströs. Auch in der Schlussphase blieben zahlreiche Chancen ungenutzt. Woran hat et jelegen? Der zweite Anzug sitzt nicht recht. Aus der Anfangsformation des letzten Meisterschaftsspiels standen lediglich Telalovic und Abiama von Beginn auf dem Platz. Ansonsten durften sich die Backups beweisen, die noch immer keine besonderen Akzente setzen können und auch Abiama erlebte eher einen gebrauchten Tag. Beide Gegentreffer fielen nach ruhenden Bällen aus dem Halbfeld. Ein Deja-Vu zum Spiel in Saarbrücken und die Antwort auf die Schlussfrage des Berichtes vom Spiel gegen Havelse – die Probleme sind nicht behoben. Es gibt Abstimmungsdefizite bei der Verteidigung eben jener Freistoß-Flanken. Und dennoch provozierte man durch ungeschicktes Verhalten genau davon zu viele. Gegen Havelse gab es diese Situationen nicht, daher trat diese Schwäche nicht ans Tageslicht. Das ist jedenfalls die größte Baustelle, an der dringend gefeilt werden muss. Ich hoffe, das geht schneller als beim Straßenbau.
Die Roten fingen sich aber schnell, das Oberwasser, welches der Außenseiter durch den Ausgleich kurzzeitig fühlte, passte sich schnell wieder dem aktuellen Rhein-Pegelstand an. Bei weiterhin räudigen Bedingungen sähte der RWE weiter genug Chancen, um das Spiel klar zu entscheiden, die Ernte blieb jedoch aus. Was keiner in Rot und Weiss wollte, folgte also nun – die Verlängerung. Es musste nun doch das große Besteck her und nach und nach wurden Leistungsträger eingewechselt. Das verfehlte die Wirkung nicht, zumal bei den Gastgebern die Beine schwerer wurden. Pesch und Jansen raubten dem wacker kämpfenden Oberligisten dann mit einem Doppelschlag den Glauben an die Sensation, danach schlug es noch drei weitere Male durch eben genannte Akteure ein und das Ergebnis spiegelt prinzipielle sogar die Spielanteile der regulären 90 Minuten wieder. Es fehlt im Angriff an der Konsequenz, das zeigte sich ja – wenn auch mit anderem Personal – ebenfalls im Spiel am vergangenen Wochenende schon. Heute regelten letztlich individuelle Überlegenheit und bessere konditionelle Voraussetzungen. Was die Stimmung angeht, bleibt die Lage noch analog zur Vorsaison. Lediglich die ‚Freaks‘ supporten aktiv, den anderen großen Gruppen ist der Anlass im Verbandspokal gegen unterklassige Clubs nicht groß genug.

Menden/Sauerland – So., 16.08.2026, 15:00

BSV Menden vs RSV Meinerzhagen 1:1

Huckenohlstadion, 130 Zuschauer, Landesliga Westfalen Staffel 2
Das ‚Huckenohlstadion‘ in Menden erfuhr vor wenigen Jahren eine umfassende Modernisierung, was einen neuerlichen Besuch durchaus rechtfertigte. Der Hauptseite wurden die oberen Reihen genommen, die verbliebenen Stufen grundlegend erneuert. Im zentralen Bereich wurde ein schickes Dach aus Holzelementen und Segeltuch installiert. Darunter und auch einige Meter rechts und links darüber hinaus findet man nun bunte Sitzschalen in wilder Smarties-Mischung. An der Gegenseite wurde dagegen ein Tribünen-Genozid verübt. Die gesamte Gerade wurde bis auf einen kleinen Abschnitt ihrer Stufen beraubt, der Wall begrünt. Im Gesamteindruck bleibt das Stadion aber eine schöne Spielstätte. Nicht ganz so schön war das, was die 22 Aktiven den Zuschauern boten, mit Landesliga-Niveau hatte das wenig zu tun. Die erste Halbzeit konnte man mit zusammengekniffenen Augen noch ertragen, das Fehlpassfestival in Abschnitt zwei war allerdings ganz schwere Kost. Zumindest gab es je ein Tor hüben und drüben zu sehen, was aber den Gesamteindruck nicht verbessern konnte.