Würzburg – So., 19.07.2026, 15:00

ETSV Würzburg vs ASV Rimpar 0:2

ETSV-Sportanlage, 120 Zuschauer, Bezirksliga Unterfranken West
Würzburg ist außerhalb von Nordrhein-Westfalen eine der Städte, in denen ich am häufigsten ein Fußballspiel besucht habe. Das liegt an der strategisch günstigen Lage, denn beinahe jede Heimreise aus Bayern führt an der Stadt am Main vorbei. So bot sich auch heute auf dem Weg zurück in den Ruhrpott eine passende Gelegenheit. Die betagte Anlage des ETSV war das Ziel. Üblicherweise liegen die Sportanlagen von Eisenbahner-Sportvereinen unmittelbar neben oder gar auf einem Bahngelände. Das ist in Würzburg nicht der Fall, raubt der Spielstätte aber keinen Millimeter seines Charmes. Darüber, was dem Rasenspielfeld in jüngerer Zeit passiert sein mag, kann man nur spekulieren. Ich habe jedenfalls selten einen Naturrasenplatz gesehen, der weniger zum Bespielen taugte. Die Verletztungsgefahr lauerte hier hinter jedem Halm, sodass es beinahe einem Wunder glich, dass alle Akteure das Spiel unversehrt beenden durften. Ein ordentliches Spiel aufzuziehen war ein Ding der Unmöglichkeit, so dass die Darbietung in keiner Sekunde der Spielklasse angemessenes Niveau erreichte. So blieben die Highlights die Anlage selbst und der Panorama-Blick auf die Festung Marienberg.

Eching – Sa., 18.07.2026, 18:30

TSV Eching vs FC Türk Sport Garching 0:2

Willi-Widhopf-Stadion, 90 Zuschauer, Testspiel
Den Tagesabschluss bildete diese Partie im Münchener Speckgürtel. Das Angebot an Fußball-Veranstaltungen am Samstag-Abend war begrenzt, so dass ich meine Testspiel-Aversion mal beiseiteschob und das fröhliche Gebolze zwischen dem gastgebenden Kreis- und dem besuchenden Bezirksligisten im beschaulichen Willi-Widhopf-Stadion mit meiner Gegenwart beehrte. Ehrlicherweise sei gesagt, dass ein pünktliches Erreichen nach einem Unwetter-bedingten Beinahe-Stillstand auf der Autobahn, kombiniert mit dem Wunsch, erst noch das Fahrzeug an der Unterkunft abzustellen, für uns nicht möglich war. Angesichts des unbedeutenden Spiels war mir das aber auch herzlich egal. Das Stadion wirkt mit einer überdachten Sitztribüne und einer ungedeckten Stehgeraden mit ein paar Klappsitzen auf der Gegenseite für den TSV etwas überdimensioniert, aber der Verein absolvierte einige Spielzeiten in der ‚Bayernliga‘, wenn diese auch schon ein paar Dekaden zurückliegen. Heuer war der TSV den Gästen aus dem nahen Garching weitestgehend ebenbürtig. Im Strafraum war der klassenhöhere Verein aber präsenter und konsequenter, sodass dieser letztlich verdient siegte. Bei frisch gezapftem Gerstensaft aus dem Vereinsheim bildete dieses Spiel einen gelungenen Tagesausklang.

Neufraunhofen – Sa., 18.07.2026, 15:30

SV Neufraunhofen vs TSV Neustadt/Donau 4:3

Waldstadion, 180 Zuschauer, Bezirksliga Niederbayern West
Neufraunhofen liegt im Niederbayrischen Hügelland, wo zwischen viel Wiese und Wald ab und an auch mal eine Ortschaft auftaucht. Groß ist der Ort nicht, man muss schon hart bremsen, wenn man das Ortseingangsschild passiert hat, sonst ist man auch direkt wieder rausgefahren. Die schöne, gepflegte Anlage des lokalen Sportvereins liegt einige hundert Meter außerhalb der namensgebenden Ortschaft der Gemeinde zwischen Wäldern und Feldern. Ein schöner Ort, um Fußball zu schauen, Abzug in der B-Note gab es jedoch für das schmale Catering, denn außer Wurstsemmeln wurde dem hungrigen Besucher nichts Bissfestes präsentiert. Reichhaltig, abwechslungsreich und schmackhaft war dagegen das sportliche Angebot. Es wogte hin und her und bei wechselnden Führungen waren die Gäste gegen Ende der Partie dem Sieg nahe. Diesen schnappten sich aber doch noch die Platzherren mit zwei Treffern in der Nachspielzeit.

Kirchanschöring – Sa., 18.07.2026, 11:30

SV Kirchanschöring vs SpVgg Landshut 1:2

Stadion an der Laufener Straße, 590 Zuschauer, Oberliga Bayern Süd
Tief im Südost-Zipfel der Republik liegt die Gemeinde Kirchanschöring, die sich immerhin über Oberliga-Fußball freuen darf und dieses schon seit mehr als zehn Jahren. Nach der abgelaufenen Spielzeit erreichte der Verein sogar die Relegation zur Regionalliga, scheiterte aber knapp. Die Spielvereinigung aus Landshut hat nach mehreren Jahren erst im Sommer den Weg zurück in die Oberliga gefunden. Am ersten Spieltag fanden beinahe 600 Zuschauer den Weg ins kleine Stadion, darunter auch einige Gäste von der Isar, optisch erkennbar war aber nur ein halbes Dutzend hinter einem kleinen Lappen am Stankett. Akustisch kam von den paar Versprengten aber überhaupt nichts. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen kam der Neuling dann immer besser in die Partie. Die ‚Spiele‘ belohnte sich für ihren ordentlichen Auftritt nach etwas mehr als einer Stunde mit dem Führungstreffer, den die Gastgeber eine Viertelstunde vor dem Ende wieder egalisierten. Als sich alle schon mit dem Remis arrangiert zu haben schienen, ertönte in der Nachspielzeit noch ein berechtigter Elfmeterpfiff, der den Landshutern den späten Sieg ermöglichte. Insgesamt war die Veranstaltung etwas Sponsoren-überladen, aber halbwegs ansehnlicher Fußball lässt sich ohne finanzielle Unterstützung halt nicht auf die Beine stellen. Auch nicht auf dem Dorf.

Ried im Innkreis – Fr., 17.07.2026, 17:00

SV Ried vs Rot-Weiss Essen 3:0

Innviertel-Arena, 1.500 Zuschauer, Testspiel
Rot-Weiss Essen international! Nach dem Ausflug nach Edinburgh im letzten Jahr wurde erneut ein Testspiel bei einem ausländischen Gastgeber ausgetragen. Der Hintergrund war dieses Mal aber kein historischer, sondern die räumliche Nähe zum diesjährigen Trainingslager im Niederbayrischen, dessen Abschluss diese Partie bildete. Grund genug, eine kleine Tour drumherum zu basteln und als Headquarter wurde Passau auserwählt. Am Spieltag beförderte uns der Schienen-Regionalverkehr in den Innkreis, wobei der zweite Teil der Strecke mit einen mehr als 30 Lenze zählenden Dieseltriebwagen absolviert wurde, der mich vor dem geistigen Auge in meine Modellbahn-Ära im Kindesalter zeitreisen ließ. Der von der anreisenden rot-weissen Ultra-Szene ausgerufene Treffpunkt stellte sich als unmittelbar benachbart zur Rieder Szene-Kneipe heraus. Das gefiel den Dorf-Wachtmeistern nicht so gut und stattdessen wurde ein außerhalb des Ortskernes gelegener Biergarten zugewiesen. Vor eineinhalb Dekaden war ich schon einmal zu Besuch beim SV Ried und nach meinem Erachten hat sich an dem kleinen ziemlich gesichtslosen Stadion nicht viel bis rein gar nichts verändert. Es ist halt so ne kleine funktionale Arena ohne besondere Merkmale, für einen kleinen Verein wie den SV Ried passt das schon. Ried ist nicht Edinburgh. Die Zugkraft des letztjährigen Events, der im Spektrum der rot-weissen Testspiele in naher Zukunft wohl schwer zu überbieten sein dürfte, hatte der Kick heuer natürlich bei Weitem nicht.
Besonders war es natürlich dennoch, dem eigenen Verein über die Landesgrenze zu folgen zu dürfen und insgesamt waren etwa 350 bis 400 Leute dieser Verlockung erlegen. Auch einige befreundete Anhänger aus dem violetten Teil Wiens hatten den Weg quer durch ihr Land auf sich genommen. Optisch wurde nichts geboten außer etwas reduzierter Zaunbeflaggung. Gut die Hälfte der RWE-Gemeinde nahm den Gäste-Steher ein und supportete aktiv, der Rest verteilte sich auf die Hintertor-Sitzer und die Haupttribüne. Die Rieder Fanszene war unorganisiert anwesend und verzichtete auf jedwede optische und akustische Unterstützung, wenn man von ein paar Anfeindungen gegen Ende des Spiels absieht. Einen großen Leistungsunterschied hätte ich zwischen einem durchschnittlichen österreichischen Bundesligisten und einem ambitionierten deutschen Drittligisten nicht erwartet. Und dennoch entwickelte sich der Kick zu einer recht einseitigen Geschichte, keine Ahnung ob das an einer kompletten Fehleinschätzung meinerseits oder an schweren Trainingslager-Beinen der Roten lag. Im ersten Durchgang ging es jedenfalls fast ausschließlich in Richtung Gäste-Tor und die 1:0-Halbzeit-Führung war bei mehr als einem halben Dutzend dicker Chancen für die Gastgeber inklusive zweier Lattentreffer so verdient wie zu niedrig. Der zweite Durchgang verlief etwas ausgeglichener, aber weiter mit Vorteilen für die Platzherren. Während der glorreiche RWE aber keine seiner wenigen Möglichkeiten nutzte, trafen die Rieder doppelt und bescherten dem Spiel ein gerechtes Ergebnis. Eine genauere Analyse bleibt von meiner Seite allerdings offen, da die Partie mit fortschreitendem Verlauf irgendwie immer mehr im Rieder Bier versank…

Dublin – Fr., 03.07.2026, 20:00

Shelbourne FC vs Dundalk FC 2:1

Tolka Park, 4.032 Zuschauer, Premier Division
Wenn im Sommer der Ball in den meisten europäischen Ligen ruht, reduzieren sich mögliche Reiseziele auf nur wenige Länder. Sofern man Pflichtspiele bevorzugt, denn Testspiele ohne rot-weisse Beteiligung konsumiere ich nur in Ausnahmefällen. Fehlender Wettbewerbs-Charakter und so… kann ich einfach nicht viel mit anfangen. Zum Glück lassen sich einige Fußballverbände auch von Welt- und Europameisterschaften nicht beeindrucken und ihre Kirmes-Ligen fröhlich weiterlaufen. Die grüne Insel in Europas Westen ist gut erreichbar, von Essen aus ist man in Dublin beinahe schneller als in Köln. Mit dem Auto nach Unterrath, eine Station mit der S-Bahn ins Terminal, 45 Minuten vor Abflug dort zu sein reicht dabei völlig aus, die online abrufbaren Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen muss man natürlich im Auge behalten. Pünktlicher Abflug, überpünktliche Ankunft. Mit dem Linien-Bus zur Unterkunft, die auf halbem Wege zur City lag. Beutel abgelegt, wieder in den Bus und etwas mehr als vier Stunden nach dem Verschließen der Wohnungstür stand das erste Pint Guinness vor mir. Neues gibt es in Dublin ja nicht mehr zu entdecken, aber ein ausgiebiger Rundgang war trotzdem wie immer Pflicht. Ich mag die Stadt, auch wenn diese in der Sommer-Periode arg überlaufen ist.
Nach Stärkung mit einem guten Stew mahnte König Fußball dann zum Aufbruch. Zur Auswahl standen die St.Patricks Athletics und der Shelbourne FC. Obwohl der ‚Richmond Park‘ der ‚Pats‘ für mich ein noch unbesuchter Spielort war, geriet dieser ins Hintertreffen. Mit der Entfernung des Daches über dem ‚Shed End‘ vor einigen Jahren, wurde mir dieser zu gewöhnlich und ich zog den Besuch des ‚Tolka Park‘ der ‚Shels‘ vor. In diesem Stadion-Fossil, in dem die Fußballzeit irgendwie stehen geblieben ist, hatte ich vor mehr als 30 Jahren während eines Urlaubs bereits ein Spiel gesehen, zusammen mit meinem ehrenwerten Vater. Damals war das Fußballreisen noch nicht so plattgelatscht wie heute und wir wurden wie exotische Gäste empfangen, man freute sich über unser Interesse. Im Vergleich hat sich das Stadion während dieser relativ langen Zeitspanne kaum verändert. Lediglich die überdachte Tribüne mit Namen ‚Drumcondra Stand‘ hinter dem westlich gelegenen Tor gab es damals noch nicht, diese wurde um die Jahrtausendwende errichtet und belegt nicht einmal die halbe Breite des Spielfeldes, da ein fremdes Grundstück einen größeren Ausbau verhindert. Ansonsten hat sich kaum was getan, bis auf dass sicherlich mal ein paar Sitze ausgetauscht wurden. Die ganze Bude ist völlig zusammengeschustert und die Korrosion hat sich auch ihr Season Ticket auf Lebenszeit gesichert. Im Bauche des gedrungenen Main Stand befindet sich eine wundervolle Ballerbude, die mich ein wenig an die Kneipe im alten ‚Georg-Melches-Stadion erinnerte. Auch von der Gesprächs-Lautstärke her, man schreit sich offenbar gern an.
Die aus verschiedenen Gruppierungen bestehenden Ultras der Shels haben ihren Platz auf dem ‚Riverside Stand‘, der Gegentribüne, deren Name natürlich vom dahinter fließenden ‚Tolka River‘ herrührt. Dort stehen sie aber noch nicht lange, bis vor wenigen Jahren war der ‚Drumcondra Stand‘ ihr Standort, ehe dieser für Renovierungsarbeiten zeitweise gesperrt wurde und ein Umzug nötig war. Optisch macht die Gruppe ganz gut was her, akustisch krankt es aber am britischen Problem, weder sonderlich kreativ noch konstant zu supporten. Aus Dundalk waren gut 350 Leute angereist, darunter etwa zwei Dutzend Mann hinter einem ‚Ultras Dundalk‘-Banner. Von dort war ebenfalls nicht viel zu hören. Auch wenn sich die Zuschauerzahlen verbessert haben und Ultra-Gruppierungen gegründet wurden, bleibt Irland noch ein Support-Entwicklungsland. Die Gäste gingen schon nach wenigen Minuten in Führung. Die Hausherren nahmen die Situation umgehend an, gaben Gas und erspielten sich Möglichkeiten, den Gäste aus dem Nordosten der Republik eröffneten sich aber auch einige gute Konterchancen. Ein Doppelschlag kurz vor der Pause drehte die Partie dann verdient zugunsten der Shels. Der zweite Durchgang blieb auf schwachem Niveau spannend. Die Gastgeber agierten nicht mehr ganz so zielstrebig und mussten sich in der Schlussphase gegen wütend am Ausgleich arbeitende Gäste wehren, was letztlich auch gelang. Den Abend schloss ich mit zwei Getränken in einem wunderschönen Pub im benachbarten Viertel. Ich liebe die Pub-Kultur auf den britischen Inseln, dort wird die gute, alte Kneipe noch geschätzt. Begibt man sich an eine belebte Kreuzung, kann man im besten Falle an jeder Ecke einen Pub vorfinden. In Essen gibt es dagegen im gesamten Stadtgebiet beinahe nur noch vier brauchbare Kneipen.

Viersen – So., 21.06.2026, 15:00

1.FC Viersen 05 vs SG Hackenberg 2:3

Stadion Am Hohen Busch, 500 Zuschauer, Relegation Klassenerhalt Bezirksliga Niederrhein
Bei meinem ersten Besuch am Hohen Busch, trat noch der Deutsche Meister von 1955 gegen den 1.FC Viersen an. Anfang der 90er Jahre war das in der Oberliga Nordrhein, damals dritte Ebene im Lande. Seitdem ist viel Zeit vergangen, der Verein rutschte ab bis in die Bezirksliga und heute drohte der Abstieg in die Kreisliga A. Ein schleichender Niedergang. Für größere Aufgaben könnte dagegen das ‚Stadion Am Hohen Busch‘ herhalten, welches nach dem benachbarten Höhenzug benannt ist. Prunkstück der Mehrzweck-Anlage ist die stattliche Sitztribüne, welche nach kürzlich erfolgter Generalüberholung 1.200 Personen Platz bietet. Umschlossen werden Laufbahn und Spielfeld von begrünten Rängen und dichtem Baumbestand. Die Gäste aus dem Remscheider Stadtteil Lennep wurden von einer Busladung Fans unterstützt, die beflügelt vom Bierkonsum ordentlich supporteten. Bei mehr als hochsommerlichen Temperaturen machte der 1.FC 05 das Spiel und erspielte sich Chancen, konnte daraus aber nicht mehr als einen Abseitstreffer ernten. Die Gäste gingen dagegen nach einer halben Stunde mit der ersten Torchance in Führung. Das erschwerte die Aufgabe für die Niederrheiner nach der 1:0-Hinspielniederlage nun deutlich. Mutig kamen die Gastgeber aus der Kabine und blieben dominant. Der Ausgleich fünf Minuten nach Wiederanpfiff ließ Hoffnung keimen, doch eiskalte Hackenberger gingen 20 Minuten vor dem Ende erneut in Führung. Die Hausherren gaben nicht auf und kamen zehn Minuten vor Schluss wieder zum Ausgleich. Der Kick stand nun auf Messers Schneide, die Viersener erarbeiteten sich gute Möglichkeiten und drückten auf Treffer Nummer drei, welcher eine Verlängerung bedeutet hätte. Aber die Gäste aus dem Bergischen konnten sich immer wieder befreien und machten mit ihrer dritten Führung in dieser Partie kurz vor Schluss alles klar. Der 1.FC Viersen stieg damit erstmals in der Vereinsgeschichte in die Kreisliga ab, während die Gäste zusammen mit ihren Anhängern den Klassenerhalt feiern durften.

Dortmund – Do., 18.06.2026, 19:00

FC Hellweg Lütgendortmund vs FC Merkur 07 3:0 (Abbr.)

Sportplatz Blumenkamp, 105 Zuschauer, Relegation Kreisliga C/Kreisliga B Dortmund
Nun wird es an Rhein und Ruhr langsam dünne bei den Pflichtspiel-Terminen, daher muss man auch mal Kompromisse schließen und sich irgendeinen Hafer ansehen, wenn ein Fußballspiel gewünscht ist. Na ja, es ging ja um was, denn aufgrund einer Ligen-Reform im Kreis Dortmund gibt aus auf Kreis-Ebene haufenweise Absteiger, einige davon werden notwendiger Weise über eine etwas umständlich angelegte Relegation bestimmt. So standen sich heute zwei Tabellen-Achte aus B-Ligen gegenüber. Der Sieger aus dieser Partie hatte den Klassenerhalt sicher, während es für den Verlierer in die nächste Ausscheidungsrunde gehen würde. Gespielt wurde auf neutralem Boden. Bezirksligist Westfalia Huckarde stellte seine Platzanlage am Bahndamm zur Verfügung, die kürzlich um eine kleine Sitztribüne ergänzt worden war. Die Anlage ist sehr gepflegt und mittels Graffiti und anderen Accessoires wird deutlich unterstrichen, welcher Club hier seine Heimat hat. Das Catering war auch top organisiert, es wurde sogar ein Sparmenü bestehend aus Manta-Schale und Getränk angeboten. Das Restaurant zur goldenen Schwalbe lässt grüßen. Sportlich war es kein Leckerbissen. Die Mannen vom Hellweg, die natürlich kein Betriebssport-Team der Baumarkt-Kette sind, sondern sich auf die historische Handelsstraße beziehen, welche durch Dortmund führte, waren  das deutlich überlegene Team.
Das erste Ausrufezeichen setzten dennoch die Jungs vom kleinsten Planeten unseres Sonnensystems mit einem kapitalen Lattenkracher. Zwischen Minute 20 und 30 wurde die Partie allerdings in wilden zehn Minuten vorentschieden. Begünstigt durch eine missglückte Fuß-Abwehr des Merkur-Schlussmannes erzielten die Hellweg-Recken den ersten Treffer. Kirsche Nummer zwei wurde per Hacke erzielt und beim dritten Tor unterstützte ein Merkur-Verteidiger den Gegner, der die Murmel aus spitzem Winkel kurios in die eigenen Maschen schob. Bis zum Pausenpfiff beruhigte sich die Partie, wenn man von den lautstarken Zwischenrufen des Merkur-Trainers absieht, offensichtlich auch das einzige Mitglied seiner Mannschaft, dem der drohende Abstieg nahe ging. Recht ausgeglichen begann die zweite Spielhälfte. Und dann kam Tolga. In der achten Minute von Hälfte zwei bekam dieser wegen Meckerns die erste Gelbe Karte des Spiels gezeigt. So recht einverstanden war Tolga mit der Entscheidung aber nicht und verabreichte dem unaufgeregt leitenden Referee eine erfrischende Ohrfeige. Dieser tat das einzig richtige und brach den bis dahin völlig friedlich verlaufenen Bums kurzerhand ab. Große Aufregung blieb aus. Sämtliche Spieler nahmen die Entscheidung sachlich hin, Tolga fand sich offenbar weiterhin gut und grinste sich eins, der Merkur-Trainer blieb lange im Beisein eines Spielers auf der Bank sitzen und wirkte völlig konsterniert.
Mit dieser Aktion wurden einstudierte und ja nicht ganz weltfremde Vorurteile, dass Spieler mit Migrationshintergrund undiszipliniert und unbeherrscht sind, vollumfänglich bedient. Tolga erwies diesen Mitbürgern einen Bärendienst, denn es ist ja nicht die Mehrheit, sondern nur ein geringer Personenkreis, der sich nicht im Griff hat. Pikante Randnote ist, dass vor 14 Jahren schon einmal eine Partie zwischen diesen beiden Vereinen aufgrund einer angeblichen(?) Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter, deren Umstände nie ganz aufgeklärt wurden, abgebrochen wurde. Und natürlich stehen beide Fehlverhalten in keinerlei Sinnzusammenhang. Dass aber auch vor nur drei Jahren des Verhaltens eines Merkur-Akteures Grund für einen Abbruch war, wirft dann insgesamt kein gutes Licht auf diesen Verein, der aber immerhin in einer unmittelbar erfolgten, selbstkritischen Stellungnahme eine Aufarbeitung des aktuellen Falls ankündigte. Die einbestellte Polizei-Streife zeigte sich übrigens in Top-Form und dermaßen desorientiert, dass sich der Delinquent unbemerkt von der Anlage entfernen konnte. Auf der anderen Seite war aber die Bestellung der Staatsmacht aufgrund einer Allerwelts-Tätlichkeit, die natürlich nicht verharmlost werden soll, auch mindestens zwei Nummern zu groß.