Essen – Sa., 24.01.2026, 14:00

Rot-Weiss Essen vs TSV Havelse 4:1

Stadion an der Hafenstraße, 15.777 Zuschauer, 3.Liga
Pflichtsieg! Mehr auch nicht. Sollte man meinen. Tatsächlich barg das Spiel gegen den vermeintlich kleinen Gegner eine ganze Menge Blamagepotential. Der TSV aus der kleinen Hannoveraner Nachbarstadt Garbsen hatte in den letzten Spielen nämlich besser gepunktet als der glorreiche RWE und kam nach einem deutlich Sieg gegen die starke Hoffenheimer Reserve, unterstützt von handgezählten 57 Anhängern, mit breiter Brust an die legendäre Hafenstraße. Und die Niedersachsen machten in der ersten halben Stunde auch den deutlich besseren Eindruck und gingen engagiert in die Zweikämpfe. Die Gäste spielten sich immer wieder in den rot-weissen Sechzehner und hatten nach etwas mehr als einer halben Stunde eine richtig gute Chance, aber Golz klärte gegen den frei vor ihm auftauchenden Havelser Stürmer. Die bis dahin einzig brauchbare Möglichkeit für die Roten hatte Marek Janssen. Der statistisch beste RWE-Stürmer hatte nach dem Spiel in München aufbegehrt und Ansprüche gestellt und durfte nun tatsächlich von Beginn an ran. Sein Schuss aufs kurze Eck nach einem schnellen Konter, war eine gute Idee, wurde aber vom TSV-Keeper noch soeben entschärft. Zehn Minuten vor der Pause lief es besser, als der lange Emsländer eine Mizuta-Ecke mit dem rechten Ohr zur Führung einnickte. Und nur zwei Minuten rechtfertigte er seinen Startelf-Einsatz endgültig, als nach einem genialen Steilpass von Müsel den Gäste-Schnapper umkurvte und zum zweiten Treffer einschob. Der Spielverlauf war damit ein wenig auf den Kopf gestellt, aber unmittelbar nach diesem Tor hatte der TSV die Chance zum Anschluss, den Brumme vereitelte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte klingelte es dann aber doch hinter Golz. Ein Freistoß von der Strafraumgrenze fand ins Ziel, nachdem sich die Taktik, die Mauer in der Mitte zu teilen, um dem Golz freie Sicht auf den Schützen zu lassen, als kontraproduktiv herausstellte. Einigermaßen logisch, denn so hat der Schütze ja freie Auswahl.
Die Gäste versuchten nach dem Seitenwechsel direkt wieder Akzente zu setzen, dieses gelang aber einem Spieler in Rot und Weiss und dieser hieß erneut Marek Janssen als Torschütze nach einem Konter über die rechte Seite. Damit schien erstmal Ruhe im Karton zu sein, aber keine fünf Minuten später wurde Hofmann nach einem rüden Foul mit glatter roter Karte des Feldes verwiesen. Zwar traf er seinen Gegenspieler mit einer Grätsche hart, aber weder mit gestrecktem Bein noch mit offener Sohle. Die Entscheidung des Referees war meines Erachtens zu hart, zumal er sich nicht sicher schien, wie sein Blickkontakt mit dem knapp 40 Meter entfernt stehenden Assistenten verriet. Die Befürchtung, dass die Roten nun hinten reingedrängt wurden, bestätigte sich aber nicht. Stattdessen spielten sie weiter mit, von der Havelser Dominanz der ersten halben Stunde war eh nicht mehr viel übrig. Müsel machte dann Mitte der zweiten Hälfte nach technisch starker Vorarbeit von Mizuta alles klar. Ein paar Minuten vor Schluss wurde der aufs Abstellgleis geratene Arslan eingewechselt und mit Standing Ovations empfangen. Das tat dem sensiblen Spielmacher sichtlich gut und wenn es nach mir geht, sollte der Mann behalten werden und seine Chance bekommen – der feine Techniker könnte noch wichtig werden. In der Nachspielzeit musste Golz noch einmal in höchster Not im Eins gegen Eins klären und auch die Latte stellte sich einem weiterem Gäste-Treffer in den Weg. Die gelb-rote Karte für einen Havelser Verteidiger Sekunden vor Schluss war nur noch eine Randnotiz. Mit diesem Sieg und dem von Publikum und Spieler ersehnten Einsatz von Dreifach-Torschütze Janssen haben sich die Wogen nun erst einmal geglättet. Die Haltbarkeit dieses Zustands bleibt abzuwarten und mit der SV Wehen aus der hessischen Landeshauptstadt reist am kommenden Wochenende eine weitere harte Nuss in den Essener Norden.

Berg en Dal-Groesbeek – Di., 20.01.2026, 18:45

SV De Treffers vs NEC 1:2

Sportpark Zuid, 4.000 Zuschauer, KNVB-Beker Achtelfinale
Im Fußball wiederholt sich Geschichte von Zeit zu Zeit – vor zwölf Jahren habe ich dieselbe Spielpaarung im niederländischen Pokalwettbewerb schon einmal gesehen. Eigentlich hätte das heutige Spiel bereits vor Wochenfrist stattfinden soll, aber nach dem Wintereinbruch war der Naturrasen des Hauptplatzes im ‚Sportpark Zuid‘ nicht bespielbar. Grundsätzlich handelte es sich um ein echtes Derby, der ‚Sportpark Zuid‘ liegt gerade mal sechs Kilometer von der Stadtgrenze Nijmegens entfernt. Die Szene der Gastgeber hatte eine kleine Choreo im Gepäck. Vor ihrer ‚Tribüne‘ im beinahe überfüllten, kleinen Stadion wurde ein großes Banner aufgezogen, auf dem klargestellt wurde, dass sich ihnen auf dem Weg zum Pokalsieg gefälligst niemand in den Weg zu stellen hat.  Die Hoffnungen der Gastgeber, dem letzten verbliebenen Teilnehmer des Wettbewerbes, der nicht der ersten oder zweiten Liga angehört. Die Hoffnung auf eine Überraschung wurde vor ausverkauftem Haus früh gedämpft, denn nach nicht einmal vier Minuten nutzte der NEC die erste große Chance direkt zur Führung. Die Gäste kontrollierten danach die Partie, verwerteten aber ihre Chancen nicht. Der Drittligist wurde durch schnelle Konter immer wieder gefährlich und traf nach einem solchen kurz nach dem Seitenwechsel zum Ausgleich. Wer weiß wie der Kick geendet hätte, wenn dem Keeper von De Treffers nicht zehn Minuten später ein Schuss vom Sechzehner über die Handschuhe ins Tor gerutscht wäre. Zwar hatten die Gastgeber noch zwei, drei gute Gelegenheiten, aber insgesamt spielte sich der Favorit letztlich unspektakulär ins Viertelfinale.

München – Sa., 17.01.2026, 14:00

TSV München von 1860 vs Rot-Weiss Essen 1:1

Stadion an der Grünwalder Straße, 15.000 Zuschauer, 3.Liga
Zu fünft entschieden wir uns, mit der Bahn nach München zu reisen. Eigentlich mag ich das Auswärtsspiel in München gar nicht mehr so und hätte wohl verzichtet, wenn wir nicht die Gruppenfahrt hinbekommen hätten. Das Stadion, so kultig wie es ist, und die flache ungedeckte Gästekurve sind einfach nicht attraktiv. Die Stimmung ist auch immer Schrott, eben wegen den baulichen Gegebenheiten, aber auch weil dieser Kick beim RWE-Anhang völlig überschätzt ist und sich viele ‚ungeübte‘ Auswärtsfahrer im Away-Sektor einfinden. Dass es dazu noch in der kalten Jahreszeit nach ‚Minga‘ ging, hätte eigentlich eine Absage an die Tour zur Folge haben müssen. Die Abreise wurde dann auch noch komplizierter als gewünscht. Da aktuell die Bahnstrecke zwischen Essen und Duisburg aufgrund eines Brücken-Neubaus gesperrt ist, sollte die Fahrt in der unaussprechlichen Stadt nördlich von Essen beginnen. Zum Glück fiel Teilnehmern der Reisegruppe auf, dass dieser Halt vom täglich verkehrenden ICE 525 in den vergangenen Tagen nicht angefahren wurde. Eigentlich völlig nachvollziehbar, was will man auch in Arbeitslosenkirchen, da hatte ich ausnahmsweise mal volles Verständnis für die Bahn. Wir entschieden wir uns dann, erst in Düsseldorf zuzusteigen. Die Hinfahrt verlief bis auf einen im Weg stehenden, liegengebliebenen Güterzug reibungslos, so dass wir mit erträglichen 20 Minuten Verspätung eintrafen. Nach einer Mittagsmahlzeit in einem bahnhofsnahen Brauhaus fuhren wir mit der U-Bahn rauf auf Giesings Höhen. Die Löwen gingen stark ersatzgeschwächt in die Partie und hatten elf Ausfälle zu beklagen. Der glorreiche RWE musste dagegen ‚nur‘ die Sechser-Achse Gjasula/Moustier ersetzen. Die 15.000 im ausverkauften Sechz’ger Stadion, darunter 1.500 Rot-Weisse, bekamen dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wenig Erwärmendes zu sehen.
Eine gern genutzte Formulierung ist ja, dass sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe neutralisieren. Man kann es aber auch so sehen, dass es nur deshalb eine ausgeglichene Partie war, weil beide Teams wenig auf die Reihe bekamen. Der Boden war sicherlich nicht im besten Zustand, aber diese Mischung aus Sicherheitszuspielen und Fehlpässen hatte damit nur wenig zu tun. Dass die Gastgeber mit der nicht eingespielten Formation so ihre Mühe hatten, kann ich ja nachvollziehen. Warum der RWE in bester Ausgangslage aber derart verhalten und uninspiriert auftrat, bleibt rätselhaft. Das Gebolze war im ersten Durchgang schwer verdaulich und mit lediglich einer Torraumszene hüben wie drüben auch einigermaßen langweilig. Es ist sicher auch immer einfach, von außen kluge Sprüche zu klopfen, aber auf der anderen Seite ist man ja auch nicht vollkommen ahnungslos und hat Augen im Kopf. Nach meiner bescheidenen Meinung war es offensichtlich, dass man zur Halbzeit schon Veränderungen hätte vornehmen können, das geschah aber nicht. Der Kick war in Hälfte zwei ein Spiegelbild der ersten Halbzeit, aber Trainer Koschinat hielt dennoch weiter an der Startelf fest. Es wurde erst nach gut einer Stunde Spielzeit auch lediglich eine Auswechslung vorgenommen, Obuz kam für Neuzugang Schmidt. Das änderte aber rein gar nichts am weiteren Verlauf und erst nach der 80.Minute wurde erneut gewechselt. Marek Janssen kam ins Spiel und war nur eine Minute später direkt an einer wichtigen Szene beteiligt. Nach einem geblockten Mizuta-Schuss lederte Obuz die Kirsche aus zwölf Metern nochmal auf das Münchner Tor, Janssen hielt den Flunken rein und es stand 1:0 für den Deutschen Meister von 1955. Zwei eingewechselte Spieler besorgten die Führung.
Warum sich das Team danach darauf beschränkte nur noch die eigene Hälfte zu verteidigen und jegliche Offensivbemühungen zu vernachlässigen, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass so etwas oft bestraft wird und so kam es auch. Bouebari verpennte eine Situation aus der dann eine Ecke resultierte und diese führte in der Schlussminute zum Ausgleich. Über das gesamte Spiel gesehen zwar völlig in Ordnung, aber ärgerlich und unnötig. Kurz danach war Schluss und für die Löwen fühlte es sich wohl an wie ein gewonnener Punkt, für die Roten wie eine Niederlage, so war es auch in den Gesichtern abzulesen. Über die Personalpolitik des Trainers entbrannte daraufhin eine Diskussion, der ich mich nicht ganz entziehen kann. Das aber ohne hier ins Detail zu gehen, das würde den Rahmen sprengen. Ich persönlich befinde mich eh in einer Luxussituation, denn egal wie die Saison zu Ende geht – mal mutig vorausgesetzt, dass sich der RWE von der Abstiegsregion fernhalten kann – wird es für mich wohl okay sein. Einen Aufstieg würde ich mitnehmen, allerdings eher für das Erlebnis, als für die Sehnsucht nach Zweitliga-Fußball. Zu genervt bin ich vom VAR, das möchte ich mir auf meinen eigenen Verein bezogen eigentlich ersparen, solange die Dritte Liga noch VAR-frei ist, habe ich wenig Verlangen nach einer höheren Liga. Attraktive wie unattraktive Gegner gibt es in beiden Klassen, mein Wunsch, mich mit meinem Verein durch ganz Deutschland bewegen zu können, wird ja schon bedient. Es ist eh noch zu früh, um eine echte Tendenz ablesen zu können. Die Aufgabe am kommenden Wochenende gegen den vermeintlichen Zwerg aus Havelse, der an den vergangenen Spieltagen aber respektable Ergebnisse erzielte, wird erst einmal schwer genug.

Dortmund – Di., 13.01.2026, 20:30

BV Borussia Dortmund 09 vs SV Werder Bremen 3:0

Westfalenstadion, 81.365 Zuschauer, Bundesliga
Da die Dauerkarten des Arbeitgebers bei Spielen an Wochentagen selten für die Kundenpflege benötigt werden, griff ich mir die Dinger und reiste mit gleichgesinnten Bekannten an den Westfalendamm. Freilich nicht mit der Erwartung, dass der SV Werder irgendetwas Zählbares von dort mitnehmen würde, auch wenn sich die Norddeutschen in den letzten Jahren beim übermächtig scheinenden Gegner meist mehr als achtbar schlugen. Da die Zeit vor der Abfahrt knapper wurde, als gewollt, vergaß ich in dem Brass meine Kamera mitzunehmen. Und da mein Smartphone nicht mit einer guten Kamera-Linse gesegnet ist, kann ich diese Zeilen nur mit ein paar verwaschenen Fotos unterfüttern, auch wenn ein mit besserem Equipment ausgestatteter Mitreisender mit ein paar Fotos aushelfen konnte. Der BVB startet schwungvoll, aber dieser Schwung hielt nur drei Minuten. Dann tauchte plötzlich Njinmah vor dem Dortmunder Sechzehner auf und hatte nur noch einen Schwarz-Gelben vor sich, bemerkte aber den frei mitgelaufenen Grüll nicht und suchte erfolglos selber den Abschluss. Was für eine Chance, die da leichtfertig abgeschenkt wurde. Nach zehn Minuten wurden die Gastgeber das erste Mal gefährlich, aber die schicke Kombination auf halblinks wurde auf Kosten einer Ecke geklärt. Diese durfte Kapitän Schlotterbeck dann annähernd unbedrängt aus kurzer Distanz eigentlich aus dem Nichts zur Führung einköpfen. Keine zehn Minuten später setzte sich erneut Njinmah durch und lupfte die Kugel aus kurzer Distanz frei vor BVB-Schlussmann Kobel diesem humorlos an die Brust. Schnell isser ja, der Chancentod von der Weser, trifft halt nur nix. Ist es eventuell unbekannterweise ein Bruder des RWE-Stürmers Safi?
Die Bremer waren nicht gut und zeigten viele Fehler im Aufbauspiel. Der BVB präsentierte sich aber beinahe noch schlechter und bekam ja kaum was auf die Reihe, änderte aber nix an der schmeichelhaften Pausenführung. Dass die Gastgeber mit Pfiffen in die Kabine verabschiedet wurden, sprach Bände. Viel änderte sich nach dem Seitenwechsel nicht, wir sahen ein Fehlpass-Festival par excellence. Zu dem beschissenen Spiel gesellte sich beschissene Stimmung. Der Away-Bereich war ausverkauft, der SVW wurde wie üblich zahlreich begleitet. Der Gäste-Anhang rief das Potential aber bei Weitem nicht ab. Die Südtribüne war auch nicht viel besser unterwegs und bekam die ganzen Köpfe nicht animiert. Das war eines der stimmungsschwächsten Spiele, die ich im Westfalenstadion gesehen habe. Die Grün-Weißen nahmen zwar weiter weitestgehend gleichwertig am Spiel teil, Torraumszenen wurden aber nicht mehr kreiert, Die Dortmunder machten es nicht viel besser und kontrollierten die Partie so pomadig, wie man es sich nur vorstellen kann. Hatte ich noch das Gefühl, dass es noch die glückliche Situation zum Ausgleich geben kann, war es eine Viertelstunde vor dem Ende damit vorbei. Der BVB bekam zu viel Platz und Sabitzer traf von der Strafraumkante zur Vorentscheidung. Endgültig alles klar machte Guirassy alles klar, nachdem Bellingham einen Ballverlust in der Werder-Abwehr erzwang und dem Guineer die Murmel vor die Füße sprang. Bereits den zweiten Treffer hatten viele BVB-Anhänger als Signal zum Aufbruch bewertet und nun wurde es noch leerer. Offiziell wieder ausverkauft, sah man so oder sehr viele Lücken auf den Tribünen, das war heute ein ganz schwacher Auftritt auf dem Rasen und den Rängen. Und wenn es in Bremen nicht eine Initialzündung gibt, wird der Verein in dieser Spielzeit noch große Probleme bekommen. Einmal mehr zeigte sich, dass der Kader wild zusammengesucht wurde, da passt nicht viel zusammen, was ein übles Bild auf Kaderplaner und sportliche Leitung wirft.

Verona – Sa., 11.01.2026, 18:00

Hellas Verona FC vs SS Lazio 0:1

Stadio Marcantoni Bentegodi, 22.029 Zuschauer, Serie A
Und gebracht hat es auch nix. Zwar war die Idee mit dem nahe zum ‚Stadio Marcantonio Bentegodi‘ gelegenen, ausgewählten Hotel sicher eine gute, allerdings reichte der durch die zeitraubenden Situationen beim Spiel in Mantova zu sehr zusammengeschmolzene Zeitpuffer letztlich nicht aus und die ersten drei Spielminuten fanden noch ohne uns statt. Nun denn, es war nicht der erste Besuch im alten WM-Ground von 1990, daher wurde die ‚Berufsehre‘ nicht zu sehr beschmutzt. Im ‚Settore Ospiti‘ zu unserer Rechten hatten sich 2.142 Rechte breit gemacht. Kleiner Kalauer, denn die politische Ausrichtung der als ‚faschistisch‘ verrufenen, vor einigen Jahren aufgelösten ‚Irriducibili‘ (ganz so unbeugsam waren die ‚Unbeugsamen‘ also wohl doch nicht) dürfte vermutlich auch unter dem neuen Namen ‚Ultras Lazio‘ tendenziell noch in dieselbe Richtung gehen. In der gegenüberliegenden Kurve sieht es rund um die ‚Hellas Army‘ bekanntermaßen ideologisch nicht viel besser aus. Aber zurück zu den Fakten. Optisch gab der Gästeblock ein schönes Bild ab, die Mitgereisten hatten Ihren Bereich schön beflaggt. Während am Geländer des Oberranges Banner mit den Namen diverser Stadtteile Roms befestigt worden waren, wurde im Unterrang das Vereinswappen zentral platziert, welches von Wappen einiger ‚Rioni‘ – ‚Regionen‘ kommt dieser administrativen Einteilung in der Übersetzung am nächsten – der Stadt Rom flankiert wurde. Unterstrichen wurde dieses von einem Banner mit der Aufschrift „Tutto Roma e qui per te“, übersetzt: „Ganz Rom ist für Dich da! Als Intro gab es ein schönes Meer aus großen Schwenkfahnen zu sehen, die zum einem wild verteilt im Steh-Block, aber auch aufgereiht entlang der Balustrade des darüber liegenden Sitzplatzbereiches eingesetzt wurden. Das sah gut aus, wurde aber leider in dem Moment beendet, als ich die Kamera aus dem Halfter gezogen hatte und bereit zum Schuss war.
Auf der anderen Seite gab es über die gesamte Breite der Heim-Kurve ebenfalls ein fettes Fahnenmeer zu sehen, welches aber aufgrund der Weitläufigkeit dieser alten Betonschüssel und der diesigen Witterung mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen war. Was den 22.000 dann im Anschluss geboten wurde, war teilweise eine Gefahr für das Augenlicht. Ich hatte beim Spiel der mit Schlusslicht Pisa punktgleichen ‚Gialloblu‘ gegen die Gäste aus dem Tabellenmittelfeld kein Spektakel erwartet, aber ein derart zerfahrenes Spiel dann auch wieder nicht. Viel lief nicht zusammen und wenn sich doch mal irgendwer dem Tor näherte, war derjenige jederzeit in der Lage die entsprechende Situation wieder selbst zu entschärfen. Eigentlich war nicht daran zu denken, dass ein Tor fallen sollte, aber der Däne Nelsson in Diensten der Gastgeber fälschte eine flache Hereingabe höchst unglücklich ins eigene Tor ab. Nur so konnte in diesem Spiel ein Treffer fallen und dieser reichte den Hauptstädtern zum Sieg, was von der Gästekurve, die bis auf die Viertelstunde nach der Pause einen guten Auftritt zeigte, entsprechend gefeiert wurde. Über Verona verdunkeln sich dagegen die Wolken, allerdings ist der Zug bei nur vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer noch lange nicht abgefahren. Apropos Zug. Von Bologna brachte uns der Billig-Ire am folgenden Tag nach Köln. Da das Auto in Düsseldorf-Unterrath stand, war ein Bahn-Transfer notwendig und dass dieser beinahe doppelt so viel Zeit in Anspruch nahm, wie der Flug zuvor, spricht eine deutliche Sprache über den Zustand der Schienendienstleister.

Mantova – So., 11.01.2026, 15:00

Mantova 1911 vs Palermo FC 1:1

Stadio Danilo Martelli, 8.549 Zuschauer, Serie B
Kurz war die Nacht. Die erste reguläre Metro beförderte uns zum Aeropuerto und der Rainer von dort nach Bologna. Ein Mietwagen war fortan an das Fortbewegungsmittel und mautfrei brachte uns dieses nach Mantova in die Po-Ebene. Der örtliche Fußballverein wurde in den vergangenen Jahren von einigen Krisen geschüttelt. Zwei Insolvenzen und daraus folgende Neugründungen wurden durchlebt und zur vorherigen Saison gelang dann endlich die Rückkehr in die Serie B. Aktuell schrillen aber bereits wieder die Alarmglocken, denn die Mannschaft rangiert auf einem Abstiegsplatz und wartete seit fünf Spielen auf einen Sieg. Da waren die Palermitani auf einem Relegationsplatz in Lauerstellung hinter den direkten Aufstiegsrängen schon in einer komfortableren Position. Das Stadion von Mantova beherbergt eine alte Radrennbahn, die aber schon lange nicht mehr genutzt wird. Während die Gäste in der schmalen Ostkurve untergebracht werden, welche nicht gerade optimale Bedingungen für lautstarken Support bietet, wurden den ‚Ultras Mantova‘ schon vor mehr als zwanzig Jahren eine Stahlrohrkonstruktion direkt hinter dem Tor auf die Laufbahn gestellt. Die Heim-Kurve lieferte dann während der gesamten Partie eine erstklassige, lautstarke Vorstellung ab. Aber auch die 936 Rosa-Neri im Settore Ospiti waren gut unterwegs, nur halt aufgrund der undankbaren Blockstruktur akustisch ein wenig benachteiligt.
Früh gingen die Gäste in Führung, der Freude wurde aber durch den fröhlich mit dem Fähnchen wedelnden Linienrichter Einhalt geboten. Die Überprüfung offenbarte aber eine Fehlentscheidung, so dass ein etwas verspäteter Gäste-Jubel zu bestaunen war. Früh gab es auch eine Auswechslung. Die traf aber keinen Spieler, sondern den Schiedsrichter, der aufgrund einer Verletzung durch den vierten Offiziellen ersetzt wurde. Beide beschriebene Situationen kosteten wertvolle Zeit, was sich später noch rächen sollte. Palermo behielt eigentlich während der ganzen Spielzeit die Kontrolle über die Partie und die Gastgeber kamen im gegnerischen Sechzehner überhaupt nicht in zwingende Situationen. In der Schlussphase machte sich Hektik breit, was Filippo Inzaghi, ehemaliger Stürmer-Star von Juve und Milan, heute Trainer in Palermo, die Erlaubnis kostete, weiter an der Partie teilzunehmen. Die Sizilianer hatten einige gute Chancen vergeben, um die Führung auszubauen und für klare Verhältnisse zu sorgen. Dennoch sah nichts danach aus, dass der Sieg noch in Gefahr geraten könnte, wäre da nicht die letzte Minute der fünfminütigen Nachspielzeit gewesen, in welcher Hausherren noch einen Punkt retten konnten. Den Ausgleichstreffer nahmen wir leider nur von außerhalb war, da wir uns kurz nach Ende der regulären Spielzeit entschieden hatten, das Stadion zu verlassen, um das Abendspiel pünktlich erreichen zu können. Die Strafe folgte im wahrsten Sinne auf dem Fuße. Oder mit dem Fuße.

Valencia – Sa., 10.01.2026, 21:00

Valencia CF vs Elche CF 1:1

Stadio Mestalla, 44.949 Zuschauer, Primera Division
Im August 2007 wurde der Bau eines neuen Stadions in Valencia begonnen. ‚Nou Mestalla‘ wurde es genannt und sollte das alte ‚Mestalla‘ des Valencia Club de Futbol ersetzen, welches innenstadtnah eingebettet zwischen Wohn-, Geschäfts und Verwaltungsgebäuden liegt. ‚Filetstück‘ nennt man solche Grundstücke ja gern und daher handelt es sicherlich um begehrten Baugrund, was vor circa hundert Jahren noch keiner erahnen konnte, als die erste Spielstätte an diesem Ort errichtet wurde. Nebenbei nagt am alten Stadion trotz diverser Ausbaustufen und Sanierungen der Zahn der Zeit und auch die Ausstattung entspricht nicht dem Anspruch, dem ein ambitionierter Verein heutzutage an sein Stadion stellt, so dass der Wunsch nach einer neuen Spielstätte entstand. Da es aber nicht gelang, den Verkauf des alten Stadions zu realisieren, aus dem der Bau der neuen Spielstätte finanziert werden sollte, mussten die Arbeiten am Neubau nach zwei Jahren eingestellt werden, der Rohbau war zu diesem Zeitpunkt errichtet. Seitdem gammelte das Teil an seinem Standort im Nordwesten der Stadt vor sich hin und drohte zur Bauruine zu verkommen. Zu Beginn des vergangenen Jahres kam dann plötzlich wieder Bewegung in die Geschichte und der Bau wieder wieder aufgenommen und dieser wird seitdem auch konsequent fortgeführt. Bis Mitte 2027 soll das ‚Nou Mestalla‘ nun fertig werden und das alte ‚Mestalla‘ ist daher massiv vom Aussterben bedroht. Grund genug, diesem tollen Stadion mit den megasteilen Rängen noch einmal einen Besuch abzustatten. Für mich persönlich gehört dieser Fußball-Tempel zu den schönsten Stadien Europas, wenn nicht sogar der ganzen Welt.
Mit Mitstreiter Malo ging die Reise dann am Samstag-Morgen ab Düsseldorf los. In Valencia zur Mittagszeit angekommen, war direkt der Check-in in die Unterkunft möglich, danach wurde im benachbarten ‚Mercat Central‘ ein kleines Mittagessen besorgt. Der Plan sah nun eigentlich den Besuch eines unterklassigen Spieles in der Peripherie der Stadt vor. Als ‚Groundhopper‘ hätte man das vermutlich auch gemacht, als ‚Fußballtourist‘ zog ich aber aufgrund des fantastischen Wetters mit milden Temperaturen vor, einen kleinen Rundgang durch die Stadt und einen anschließenden Besuch am Stadtstrand ‚Platja del Cabanyal‘ vor, wo wir uns mit ein paar Dosen ‚Estrella Galicia‘ im Sand niederließen. Von dort ging es dann mit Zwischenstopp in einem Restaurant zum Ort der Sehnsucht. Da wir den Treffpunkt der Away-Fans kreuzten, konnte man schon erahnen, dass die Zahl der Gäste-Hinchas über das übliche Maß hinausging. Mehr als 150-200 Leute verirren sich ja nur selten in den spanischen Gästeblöcken, die Mädels und Jungs aus Elche nahmen aber die kürzeste Anfahrt in dieser Liga zum Anlass, mit gut der zehnfachen Anzahl Leuten anzureisen. Diese verbesserten die Stimmung natürlich dennoch nicht wesentlich, zumal sich der Gäste-Bereich undankbar im Eck des Obrranges befindet. Ebenso wenig wie die vielleicht 100-150 aktiven Valencia-Ultras im Unterrang hinter dem Tor, die kaum zu hören waren. Fußball-Publikum in Spanien ist halt Operetten-Publikum. Die Leute wollen einfach nur Fußball schauen und in der Halbzeitpause in Ruhe ihr mitgebrachtes Bocadillo verzehren.
Spielerisch war das auch einigermaßen unterirdisch, was geboten wurde. Eher untypisch für die spanische Liga, wo man ja meist technisch anspruchsvollen und ansehnlichen Sport zu sehen bekommt. Während die Elche im Tabellen-Mittelfeld wenig Sorgen haben, steht Valencia auf einem Abstiegsplatz. Offenbar wirkt sich dieser Druck auf das Spiel aus, denn da kam nicht viel. Den späten Führungstreffer der Gäste konnten die ‚Murciélagos‘, die Fledermäuse, noch später per Handelfmeter ausgleichen, wirklich weiterhelfen tut dieser magere Punkt aber nicht wirklich. Aber der Star des Spiels war ja eh diese wahnsinnige Cancha. Die überdachte Haupttribüne wird von den umgebenden Rängen deutlich überragt. Die Gegengerade ist nochmal höher als die Kurven und ragt wie eine Sprungschanze in den Himmel. Um die Plätze im Oberrang zu erreichen, muss man eigentlich Mitglied im Alpenverein sein und man sollte diesen nur mit Absturzsicherung betreten. Wenn diese Kathedrale von der Stadion-Landkarte verschwindet, ist das ein echter Verlust. Während die Fans der Gastgeber nach dem Abpfiff hinter die Haupttribüne zogen, ihrem Ärger Luft machten und mutmaßlich rollende Köpfe forderten, trollten wir uns zu Fuß in Richtung Nachtquartier und verzogen uns mit einer blondbefüllten Weißblech-Dose in genau dieses.

Nottingham – Di., 30.12.2025, 19:30

Nottingham Forest FC vs Everton FC 0:2

The City Ground, 30.404 Zuschauer, Premier League
Heute verzichtete ich mal auf das ‚Full English‘ und versuchte es mit einem Avocado-Schnittchen mit Poached Egg. Klingt komisch, war aber verdammt lecker. Ohne Umstieg ging es dann mit Northern Railway nach Robin Hood seine Hood. Dort hatte ich ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Stadtrundgang inklusive Höhlenführung. Ja, richtig gelesen. Nottingham steht zu einem großen Teil auf Sandstein und die Menschen hatten in den verschiedenen vergangenen Epochen nichts Besseres zu tun, als das Gebiet unter der Stadt in einen Schweizer Käse zu verwandeln. Hunderte von Höhlen wurden gegraben und für verschiedene Zwecke genutzt. Ein kleiner Teil ist für Besucher zugänglich gemacht worden, allerdings war das jetzt nicht gerade der Oberkracher. Da hat mir die Stadt über dem Erdboden mit ihren pittoresken Fachwerkhäusern und den Backsteinbauten im Stile der sogenannten Viktorianischen Gothik schon deutlich besser gefallen.
Nachdem ich dann wieder einige Kilometer auf den eigenen Sohlen abgespult hatte, stärkte ich mich mit typischem Pub-Food und zwei lokalen Ale bevor ich zum direkt am River Trent erbauten ‚City Ground‘ latschte. Das Stadion ist schon speziell. Der alte Main Stand und das an den Fluss grenzende ‚Trent End‘ sind alleinstehende Tribünen, während die Gegentribüne, der ‚Brian Clough Stand‘ und der ‚Bridgeford Stand‘, im Eck miteinander verbunden sind, letzterer aber einen völlig uneinheitlichen Anblick bietet. Es war natürlich schon ein anderer Fußball als der am Vorabend. Während Everton in dieser Spielzeit so ein wenig die graue Tabellenmittelfeld-Maus mimt, war Forest nach zwei Niederlagen unter Druck geraten, langsam mal wieder was Zählbares zu sammeln. Mit dem Druck hatte das Team offensichtlich Mühe, denn für die Gäste vom Mersey war es recht einfach auf den Ballverlust des Gegners zu warten, um dann den schnellen Gegenangriff zu fahren. Aus einer solchen Situation entsprang nach zwanzig Minuten auch der Führungstreffer. In der Halbzeitpause holte ich mir ein ‚Steak and Ale Pie‘. Die kleinen Küchlein mit Fleischfüllung esse ich echt gern. Die Problematik ist ja, dass die Füllung heißer ist, als die Lavakammer des Vesuvs. Also muss man zuerst immer ein ordentliches Loch in die Teigdecke stoßen und hoffen, dass keine Stichflamme rauskommt. Wenn man dann Glück hat, kann man das Teil eine halbe Stunde später endlich essen. Löffelt man sich das Ding zu früh rein, verbrennt man sich unfassbar die Fresse und am Folgetag löst sich in der Regel die Schleimhaut des Gaumens ab. Aber Übung macht den Meister.
Im zweiten Durchgang erweckte Forest den Eindruck einen Plan zu haben. Die Gastgeber traten dominant auf und ließen hinten eigentlich nichts mehr zu. Everton spielte phasenweise gar nicht mehr mit. Allerdings wurde Forest in der Box nur selten gefährlich und die wenigen wirklich guten Gelegenheiten wurden kläglich versiebt. Zehn Minuten vor dem Ende machten die Gäste nach einem Konter den Deckel drauf. Das bekamen allerdings viele Zuschauer gar nicht mehr mit. Spätestens eine Viertelstunde vor Schluss setzte der Strom der Unzufriedenen ein. Also in England machen sich ja gern mal Einige vor dem Ende auf den Heimweg, wenn es für das eigene Team nicht so läuft. Was sich hier abspielte, fand ich aber beinahe erschreckend. Als die Partie abgepfiffen wurde, war schon beinahe ein Drittel der Plätze leer – absolut unverständlich, zumal ein Spiel ja auch bei einem Zwei-Tore-Rückstand zehn Minuten vor Schluss plus Nachspielzeit noch mal gedreht werden kann. Passierte zwar nicht, Zeit genug wäre aber gewesen. Passte zur Stimmung, die es natürlich so gut wie nicht gab. Die Gäste-Lads gaben in den ersten Minuten ein paar Chants von sich und passten sich dann aber ihren Kontrahenten an, die sich drei oder vier Mal zu einem langgezogenen „Come on you Reds“ aufrafften. Aber gut, wie schon plattgeredet, reist man nicht wegen der brachialen Stimmung auf die Insel. Für mich ging es noch mit dem Zug über Derby nach Birmingham, wo ich eine zu kurze Hotelnacht verbrachte, eh mich Eurowings am Silvester-Morgen wieder in die Arme der geschätzten Gattin beförderte.