In die rot-weisse Pokalwoche ging es mit der durchaus anspruchsvollen Aufgabe in Sonsbeck. Auf tiefem, schwer bespielbarem Geläuf ist ein Verbandspokalspiel nie nur ein Schaulaufen. Dabei kam der RWE gut in die Partie, machte Druck und erzielte früh den Führungstreffer. Der Schwung verflachte dann etwas, weil der Oberligist besser ins Spiel kam und der Spielaufbau bei den Roten immer unsauberer geriet. Das alles blieb mir bis hierhin verborgen und beruht auf Augenzeugenberichten. Zwar traf ich vom Arbeitsplatz aus, den unteren Niederrhein querend, früh an der Wetterschutz weitestgehend vermissen lassenden Anlage ein. Da es aber schüttete, als hätte Teutates persönlich den Himmel geöffnet, verweilte ich zunächst noch im Fahrzeug, trollte mich dann einige Minuten nach Anpfiff aufs Gelände, suchte dort aber wiederum Schutz vor dem Wetter ohne dabei eine Sicht auf das Spielfeld zu erlangen. Erst als der Regen einige Minuten vor dem Seitenwechsel nachließ, traute ich mich mal aus meinem Versteck hervor. Rechtzeitig um den zweiten Treffer für den RWE zu erleben. Potocnik staubte einen Abpraller in bester Stürmer-Manier ab. Alles schien nach Plan zu laufen. Die Wortwahl lässt es erahnen – es kam erst einmal anders. Das hätte nicht sein müssen, denn der RWE hatte nach Wiederanpfiff Einschuss-Chancen im Minuten-Takt. Und wenn nicht Abiama den Hundertprozenter zu Tor Nummer Drei und damit die wahrscheinliche Spielentscheidung ungenutzt liegen gelassen hätte, wäre das nun Folgende natürlich nicht geschehen.
Aus dem Nichts erzielten die Hausherren im Gegenzug den Anschluss und plötzlich lag Spannung und Anspannung in der Luft. Nach einer guten Stunde Spielzeit leistete sich Alonso einen Blackout, köpfte im eigenen Strafraum eine eigentlich harmlose Freistoß-Flanke zentral vor das Tor, wo sich ein Heim-Akteur bedankte und plötzlich stand es 2:2. Obuz hätte zuvor eigentlich schon wieder den alten Abstand herstellen können, aber am Ertrag gemessen, war die Angriffsleistung der Mannschaft heute desaströs. Auch in der Schlussphase blieben zahlreiche Chancen ungenutzt. Woran hat et jelegen? Der zweite Anzug sitzt nicht recht. Aus der Anfangsformation des letzten Meisterschaftsspiels standen lediglich Telalovic und Abiama von Beginn auf dem Platz. Ansonsten durften sich die Backups beweisen, die noch immer keine besonderen Akzente setzen können und auch Abiama erlebte eher einen gebrauchten Tag. Beide Gegentreffer fielen nach ruhenden Bällen aus dem Halbfeld. Ein Deja-Vu zum Spiel in Saarbrücken und die Antwort auf die Schlussfrage des Berichtes vom Spiel gegen Havelse – die Probleme sind nicht behoben. Es gibt Abstimmungsdefizite bei der Verteidigung eben jener Freistoß-Flanken. Und dennoch provozierte man durch ungeschicktes Verhalten genau davon zu viele. Gegen Havelse gab es diese Situationen nicht, daher trat diese Schwäche nicht ans Tageslicht. Das ist jedenfalls die größte Baustelle, an der dringend gefeilt werden muss. Ich hoffe, das geht schneller als beim Straßenbau.
Die Roten fingen sich aber schnell, das Oberwasser, welches der Außenseiter durch den Ausgleich kurzzeitig fühlte, passte sich schnell wieder dem aktuellen Rhein-Pegelstand an. Bei weiterhin räudigen Bedingungen sähte der RWE weiter genug Chancen, um das Spiel klar zu entscheiden, die Ernte blieb jedoch aus. Was keiner in Rot und Weiss wollte, folgte also nun – die Verlängerung. Es musste nun doch das große Besteck her und nach und nach wurden Leistungsträger eingewechselt. Das verfehlte die Wirkung nicht, zumal bei den Gastgebern die Beine schwerer wurden. Pesch und Jansen raubten dem wacker kämpfenden Oberligisten dann mit einem Doppelschlag den Glauben an die Sensation, danach schlug es noch drei weitere Male durch eben genannte Akteure ein und das Ergebnis spiegelt prinzipielle sogar die Spielanteile der regulären 90 Minuten wieder. Es fehlt im Angriff an der Konsequenz, das zeigte sich ja – wenn auch mit anderem Personal – ebenfalls im Spiel am vergangenen Wochenende schon. Heute regelten letztlich individuelle Überlegenheit und bessere konditionelle Voraussetzungen. Was die Stimmung angeht, bleibt die Lage noch analog zur Vorsaison. Lediglich die ‚Freaks‘ supporten aktiv, den anderen großen Gruppen ist der Anlass im Verbandspokal gegen unterklassige Clubs nicht groß genug.
Das ‚Huckenohlstadion‘ in Menden erfuhr vor wenigen Jahren eine umfassende Modernisierung, was einen neuerlichen Besuch durchaus rechtfertigte. Der Hauptseite wurden die oberen Reihen genommen, die verbliebenen Stufen grundlegend erneuert. Im zentralen Bereich wurde ein schickes Dach aus Holzelementen und Segeltuch installiert. Darunter und auch einige Meter rechts und links darüber hinaus findet man nun bunte Sitzschalen in wilder Smarties-Mischung. An der Gegenseite wurde dagegen ein Tribünen-Genozid verübt. Die gesamte Gerade wurde bis auf einen kleinen Abschnitt ihrer Stufen beraubt, der Wall begrünt. Im Gesamteindruck bleibt das Stadion aber eine schöne Spielstätte. Nicht ganz so schön war das, was die 22 Aktiven den Zuschauern boten, mit Landesliga-Niveau hatte das wenig zu tun. Die erste Halbzeit konnte man mit zusammengekniffenen Augen noch ertragen, das Fehlpassfestival in Abschnitt zwei war allerdings ganz schwere Kost. Zumindest gab es je ein Tor hüben und drüben zu sehen, was aber den Gesamteindruck nicht verbessern konnte.
Stadion an der Hafenstraße, 16.547 Zuschauer, 3.Liga
Als ich am frühen Freitag-Morgen wegen aktueller Sehnensymptomatik zur Magnetfeldtherapie in der Praxis meines Vertrauens antanzte, die auch den Mannschaftsarzt für den RWE stellt, kam mir aus dem Therapieraum Lucas Brumme, Linksaußen beim glorreichen Deutschen Meister von 1955, entgegen. „Der wird doch wohl gegen Havelse nicht ausfallen“, dachte ich mir. Keine sechs Stunden später wurde genau das in einer Mitteilung des Vereins veröffentlicht. Ersetzt wurde Brumme durch Neuzugang Pesch, es sollte die einzige Änderung sein, die Trainer Koschinat vornahm. Endlich wieder Hafenstraße und gewohnte Wege, das Hafenstübchen hat sich für die neue Spielzeit sogar schön herausgeputzt und das Modell der alten Haupttribüne des ‚Georg-Melches-Stadion‘ hat in der ‚Kleinen Gruga‘ auch seinen Platz gefunden. Mit dem Turn- und Sportverein aus dem Garbsener Stadtteil Havelse, Profiteur der Pleite der Münchner Löwen und dadurch in der Liga verblieben, stellte sich ein äußerst undankbarer Gegner zum ersten Heimspiel der Saison an der Hafenstraße vor. Die Aufgabe war schon bedingt durch die Auswärtsklatsche im Saarland am ersten Spieltag groß genug. Dass gegen den kleinen Verein aus dem Hannoveraner Speckgürtel sämtliche Anhänger in Rot und Weiss einen Sieg erwarteten, bestenfalls noch einen deutlichen, machte es nicht einfacher. Dabei wurde dem TSV durchaus eine gewisse Reife zugeschrieben. Der Mannschaft wurde eine höhere Kader-Qualität bescheinigt, als in der Saison zuvor. Der RWE hatte mit dem Gastverein vereinbart, dass dessen Anhängern lediglich der Gäste-Sitzplatzbereich zugestanden wurde, der für nicht einmal drei Dutzend TSV-Fans immer noch überdimensioniert war. Der Auswärtssteher wurde dagegen für das Heimpublikum geöffnet. Dieses aber auch überschaubarem Erfolg, denn lediglich circa 200 Personen verloren sich im Block.
Für mich war die Perspektive heute mal eine andere, da ich über einen meiner bewährten Reise-Mitstreiter den VIP-Bereich ‚Assindia‘ in Anspruch nehmen durfte. Da sich die Aufmerksamkeit mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr auf den Zapfhahn konzentrierte, konnte für die Aktion eigentlich kaum ein besseres Spiel als dieses gegen einen unattraktiven Gegner herhalten. Die Westkurve blieb heute frei von besonderen Aktionen, wenn man von zwei Transparenten zur Begrüßung rückkehrender Stadionverbotler absieht. Der RWE nahm von der ersten Sekunde an das Heft in die Hand und dominierte seinen Gegner. Der Nachmittag hätte früh in entspannte Bahnen gelenkt werden können, wenn die Offensivabteilung nicht eine eklatante Abschlussschwäche offenbart hätte. Beste Gelegenheiten blieben von Jansen und Telalovic ungenutzt, was aber auch an Gäste-Schnapper Hanin lag, der einen phantastischen Tag erwischt hatte und die rot-weissen Angreifer verzweifeln ließ. Den Gästen boten sich in der ersten Hälfte nur eine Möglichkeit, eine gefährliche Torchance zu kreieren. Dass es dazu nicht kam, resultierte aus einem ungenauen Zuspiel des Ex-Rot-Weissen Voufack. Die einzige wirkliche Chance für den TSV sahen die Zuschauer kurz nach dem Seitenwechsel, als ein Torschuss am langen Pfosten vorbeistrich.
Jansen vergab dann erneut für den RWE und ein Strafstoß musste schließlich her, um einen verdienten Sieg zu erringen. Dabei war das Foul, welches nach einer guten Stunde Spielzeit für den Elfmeterpfiff ursächlich war, unstrittig. Die Gäste-Gemüter rieben sich schließlich an einer Szene zuvor, in welcher dem TSV wohl ein berechtigter Freistoß verweigert wurde, der die Szene zu Elfmeter gar nicht hätte entstehen lassen. So ist es eben in einer Liga ohne Video-Referee und der RWE hat es in der vergangenen Spielzeit oft genug andersherum erfahren. Fehlentscheidungen gleichen sich auf Strecke eh aus. Daher weiterhin: Anti VAR! Telalovic ließ sich die Möglichkeit nicht entgehen, schickte Hanin ins falsche Eck und verwandelte wuchtig zur Führung. Da dann auch weiterhin Chancen ausgelassen wurden, das Spiel zu entscheiden, Obuz zweifach und Telalovic vergeben gute Möglichkeiten, blieb die Situation fragil. Wer aber auf eine Schlussoffensive der Gäste gewartet hatte, wartet auch heute noch – es gab sie nicht. Offenbar wird die Qualität des TSV (noch?) überschätzt. Mit dem prinzipiell überzeugenden Sieg, wenn auch im Ergebnis dünne, kehrt dann auch wieder Ruhe ein im Essener Norden. Wie es sich für einen emotional aufgeladenen Verein gehört, dem seine Tradition eher Bürde als Geschenk bedeutet, waren im rot-weissen Anhang nach der Auftaktschlappe schon wieder deutliche Stimmungsschwankungen und Weltuntergangstheorien zu vernehmen. Wie es gelaufen wäre, hätte der Kontrahent heute anders geheißen, bleibt Theorie und der TSV war letztlich schon ein optimaler Aufbaugegner. Die in Saarbrücken offen zu Tage getretenen Schwächen haben sich aber in so kurzer Zeit sicherlich nicht von allein erledigt. Man darf gespannt bleiben.
DJK Sportfreunde Katernberg vs DJK Adler-Union Frintrop 2:7
Sportanlage Meerbruchstraße, 350 Zuschauer, Landesliga Niederrhein Gruppe 2
An diesem Freitag-Abend zog es zum Eröffnungsspiel der Landesliga-Saison an die Meerbruchstraße in Essen-Katernberg. Bei eigentlich zu hohen Temperaturen erfolgte die Anreise quer durch die Stadt entspannt mit dem Rad. Einige Male bin ich im Laufe meiner schillernden Karriere selbst im Essener Norden dort angetreten, damals natürlich noch auf roter Asche. Bis vor einigen Jahren konnte man die Platzanlage auch nur über die Meerbruchstraße erreichen, eine von alten Backstein-Zechenhäusern gesäumte Sackgasse, die mittig von einer engen Bahnunterführung geteilt wird. Schon eine spezielle Hood. Wenn man früher an der Meerbruchstraße gewonnen oder ein nickeliges Spiel hinter sich gebracht hatte, sah man immer zu, schnell da wegzukommen. Es hielt sich das Gerücht, dass die Unterführung blockiert und man noch ordentlich Senge bekommen würde. Natürlich romantisch verklärter Blödsinn 😊. Vor Ort traf ich nicht nur auf viele bekannte Gesichter aus dem Adler-Umfeld, sondern ungeplant noch ein paar weitere Gefährten, was das Spiel noch kurzweiliger gestaltete, als es eh werden sollte. Oberliga-Absteiger Adler trat beim Aufsteiger aus der Bezirksliga an, natürlich gehörten die Sympathien aufgrund meiner aktiven Vergangenheit dem Gast-Verein.
Die DJK Sportfreunde Katernberg 13/19 entstand vor einigen Jahren aus der Fusion der DJK 1919 und den Sportfreunden. Letztere waren ein Verein mit großer Tradition, tief verankert im Stadtteil, der in den Nachkriegsjahren erfolgreich spielte und es Ende der 80er Jahre noch einmal in die damals drittklassige Oberliga Nordrhein schaffte. Die Sportfreunde haben in ihrer erfolgreichen Phase einige gute Fußballer hervorgebracht, allen voran Helmut Rahn, zu dem ich wohl nicht weiter ausführen muss. Die Fusion wurde vollzogen, als vor einigen Jahren entschieden wurde, die absolut kultige Sportanlage ‚Am Lindenbruch‘, Heimat und Identität der Sportfreunde, zu Gunsten des Ausbaus der Anlage an der Meerbuschstraße aufzugeben. Natürlich eine absolute Schande. Zudem ist am Lindenbruch bis heute nichts passiert, das Gelände verfällt und ist dem Vandalismus preisgegeben. An der Meerbruchstraße sieht es dagegen beinahe geleckt aus, kein Vergleich zu früher, als man das Wasser in den Duschräumen noch mit korrodierten Hähnen aufdrehen musste.
Für die Sportfreunde versammeln sich seit einiger Zeit die ‚Ultras Kaddernberch‘, eine Gruppierung von etwa zehn oder zwölf jüngeren Leuten hinter mehrere Zaunfahnen, unter anderem zwei schöne Gruppenbanner. Mit ein paar kleinen Schwenkern wurde auch gewedelt und zum Einlauf der Teams ein paar Konfettikanonen abgefeuert. Find ich ja gut, wenn Amateur-Clubs aktiv unterstütz werden – ‚Chapeau‘ dafür, diese Motivation aufzubringen. Der Zahn wurde den Jungs aber früh gezogen, die Lust auf Gesänge schnell erstickt. Die Adler haben natürlich was vor und traten selbstbewusst auf, während der Gegner Respekt zeigte oder schlicht nicht die nötige Qualität hatte, um mitzuhalten. Nach 20 Minuten stand es 4:0 für die Gäste vom Wasserturm, der Sturmlauf wurde dann durch den ersten Katernberger Treffer gestoppt. Natürlich brannte dennoch nichts mehr an, spätestens mit Adler-Treffer Nummer Fünf nach einer Stunde Spielzeit war das Thema durch. Ein paar weitere Tore fielen noch hüben wie drüben zum spektakulären Endstand bevor mir der Drahtesel wieder in den Heimat-Stadtteil verhalf.
Da sich mein Arbeitsplatz ja seit einigen Jahren im Westmünsterland befindet, gibt es ab und an mal die Möglichkeit in der Region nach Feierabend noch ein brauchbares Spiel zu besuchen. So auch heute, wo sich Preußen Münster, das sich nach dem Zweitliga-Abstieg wieder im Verbandspokal herumquälen muss, nahe der Grenze zu den Niederlanden vorstellte. Aufgrund der Lichtverhältnisse wurde die Partie recht kurzfristig um eine Viertelstunde vorgezogen. Vor ziemlich genau zehn Jahren hatte ich exakt dieselbe Spielpaarung am selben Ort schon einmal gesehen. Auch damals wurde es voll, heute war die Anlage aber annähernd überfüllt. Für mein Empfinden wurden mehr Tickets verkauft, als es den Zuschauern möglich war, auch einen vernünftigen Blick auf das Spielgeschehen zu werfen. Die Leute, die keinen Platz mehr auf den Tribünen oder in erster, zweiter, dritter Reihe am Stankett fanden, schleppten schließlich alles ran, was dazu taugte, um aus erhöhter Position über die Köpfe der anderen hinwegzuschauen, Tische und Bänke, Holz- und Bierkisten. Unsinnigerweise gab es Fantrennung. Dabei ist der SC Preußen im Westmünsterland fest verwurzelt und Platzhirsch. Nicht wenige Zuschauer kamen in Preußen-Trikots angeradelt oder auch per pedes. Die Ultra-Szene hatte sich die gedeckte Tribüne unter den Nagel gerissen. Die Stimmung war während der ersten Halbzeit geprägt vom selbstverliebten Geträller, viel zu langatmige Gesänge mit komplizierten Texten raubten den normalen Fans die Motivation, deren Bereitschaft mitzusingen, nahm spürbar ab. Der Capo schien aber in der Pause die richtige Lehre daraus gezogen zu haben und so wurde die zweite Halbzeit deutlich intensiver. Es war wie überall – die einfachen, gradlinigen Gassenhauer und Schlachtrufe laufen am besten und machen es den Umstehenden einfacher einzusteigen.
Die Gäste traten mit dem zweiten Anzug an, was dem Oberligisten die Option bot, die Partie mitzugestalten. Über die gesamte Spielzeit war zwischen den Strafräumen kein großer Klassenunterschied zu bemerken. Die Adlerträger hatten meist die Spielkontrolle, die Spielvereinigung schaltete aber nach Ballgewinn schnell um. Den Unterschied machte das Verhalten im Sechzehner aus. Die Gäste gingen mit der ersten Chance in Führung, gleichzeitig der Halbzeitstand. Der zweite Durchang machte den Klassenunterschied schon deutlicher, nur wenige Möglichkeiten benötigten die Preußen, um das Ergebnis in ein standesgemäßes zu verwandeln. Der schnelle zweite Treffer stellte die Signale deutlich auf Favoritensieg. Danach plätscherte die Partie im Schummerlicht der Sonnenfinsternis vor sich hin, der dritte Torerfolg in der Schlussphase war nur noch Kosmetik. Insgesamt war es ein unaufgeregtes Spiel ohne große Spannung. Die Preußen-Ultras eröffneten den zweiten Durchgang mit einer netten Pyro-Show. Überhaupt lud die geringe Polizei- und Ordnerpräsenz zum Pyro-Gebrauch ein und diese Einladung wurde auch ausreichend genutzt. Selbst als drei Ultras das Tribünendach bestiegen, um von dort oben zu zünden, regte sich keine ordnende Hand, lediglich der Stadionsprecher ließ erhöhten Puls vermuten. Auch das Schiedsrichterteam ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, obwohl dem Linesman auf der Seite der Preußen-Anhänger die Fackeln auf der engen Anlage ja fast das Ohrläppchen ansengten. Dass der Schiedsrichter natürlich dennoch einen Bericht anfertigen und dem SC Preußen eine Rechnung in die Buchhaltung flattern wird, ist wahrscheinlich.
Ein zauberhaftes Wochenende im Hunsrück und dem Saarland endete mit dem Saisonstart des RWE im ‚Ludwigsparkstadion‘. Der Vormittag gehörte noch der Saarschleife und dem dort erbauten Baumwipfelpfad. Mittags wurde dann die Saar mit der Personenfähre unterhalb des Saarschleifen-Aussichtspunktes, übrigens die einzige Fähre des ganzen Saarlandes, gequert und die auf der Halbinsel in der Saarschleife liegende ‚Burg Montclair erklommen.
Ich sagte noch halb im Ernst und halb im Spaß zu meiner geschätzten Gattin, dass wir nun eigentlich besser heimfahren sollten, anstatt uns dem Fußball-Stress auszusetzen und diesen schönen Ausbruch aus dem Alltag durch den RWE kaputt trampeln zu lassen, nicht ahnend, was da dann wirklich folgen sollte. Im Gäste-Sektor trafen wir auf unsere Gefährten, die gesammelt mit einem Kleinbus angereist waren. Die ‚Virage Est‘ der Blau-Schwarzen gedachte zunächst einem verstorbenen Club-Original und präsentierte dann eine stabile, solide durchgeführte Choreo aus kleinen Schwenkfähnchen und zentralem Kurven-Banner. Früh gingen die Roten nach einer Ecke durch Hüning, der damit das letzte Tor der vergangenen regulären Saison und das erste Tor der neuen Spielzeit erzielte, in Führung. Was mir aber visuell verborgen blieb, da ich gerade in Getränke-Mission hinter dem Block weilte. Tore verpassen beherrsche ich ja beinahe perfekt. Der Kick lief dann recht offen weiter, eher mit leichten Vorteilen für die Rot-Weissen, welche den Gastgebern mit konsequentem Forechecking Probleme bereiteten und erst gar keinen Spielaufbau derer zuließen. Mit eigenen schnellen Vorstößen über die Außen gelangte der RWE dann immer wieder in die FCS-Box und Neuzugang Telalovic erhöhte nach einer halben Stunde Spielzeit auf 2:0. Wirkte souverän, aber eben diese Souveränität endete auch mit dieser Szene.
Fußball findet zu einem Großteil im Kopf statt und vermeintlich sichere Führungen verleiten zur Nachlässigkeit. Nur drei Zeigerumdrehungen später klingelte es im Tor hinter Jakob Golz. Ausgangspunkt war ein unnötig verursachter Eckball, offenbar Resultat mangelhafter Kommunikation. Was sich dann in Folge dessen in den nächsten Sekunden im RWE-Sechzehner abspielte, hätte man auch mehrfach und vor allem besser verteidigen können, jedenfalls lag die Murmel irgendwann drin im Tor und der stets unüberhörbare Zweifler in mir meldete sich erstmals. Bis zum Pausenpfiff spielten nur noch die Gastgeber und die RWE-Defensive glänzte zunehmend durch dumme, in Strafraumnähe verursachte Freistöße für die Gastgeber. Ein solcher war dann auch für den Ausgleich noch vor der Pause maßgeblich verantwortlich. War das Foul auch noch so plump, war der Verteidigung der daraus resultierenden Flanke noch plumper und ein FCS-Stürmer hielt dankend den Fuß hinein. Alles wieder auf Null, der Zwischenstand ging in Ordnung. Das Verhältnis kippte dann im Laufe der zweiten Halbzeit. Zwanzig Minuten lang verlief das Spiel noch unaufgeregt, weil die Roten die Stabilität zurückerlangten. Schwer nachvollziehbare Wechsel von Koschinat – eine Dublette zur letzten Spielzeit – raubten den Gästen aber die Ordnung und Präsenz, der FCS kam auf. Es gab nun viel zu viele einfache Ballverluste und die leichtfertige Verursachung Strafraum-naher Freistöße nahm wieder Fahrt auf.
Der inzwischen verdiente Führungstreffer für die Gastgeber fiel noch aus dem Spiel heraus, Brünker wurde per Pfostenabpraller beinahe auf der Flucht erschossen und schob sträflich unbewacht ein. Dann folgte der totale Systemausfall. Den Deckel drauf machte der FCS kurz vor Schluss per Standard, zum dritten Mal in dieser Partie. Und die Höchststrafe folgte auch noch. Der in Essen wenig überzeugende und daher weggelobte Owusu konterte in der Schlussminute der Nachspielzeit zum auch in dieser Höhe verdienten Endstand. Woran hat et jelegen? Zunächst erinnerten mich viele Faktoren an die vergangene Spielzeit. Es fehlten Körperlichkeit und Drecksau-Mentalität, außerdem die Körpersprache nach Ausgleich und Rückstand. Von den Einwechselspielern konnte sich niemand aufdrängen, am ehesten noch der solide Kostka, der schon in der Pause für den gelb-rot-gefährdeten Bouebari kam. Die Backups bleiben erst mal, was sie sind – eben Backups. Dazu fehlte irgendwie ein Ankerpunkt, ein Führungsspieler. Die Situation ähnelte den Spielen, in welchen Routinier Gjasula in der letzten Saison nicht zum Einsatz kam, es wurde eine ordnende Hand vermisst. Das kann auch mit dem Alter der Akteure zu tun haben. In der Schlussphase war die Elf auf dem Platz im Schnitt weniger als 23 Jahre alt. Mal sehen ob dieses Erlebnis reinigend und warnend oder eben verunsichernd wirkt. Gegen den nur durch die Insolvenz der Münchner Löwen in der Liga verbliebenen TSV Havelse ist ein Sieg im ersten Heimspiel Pflicht, das birgt schon Gefahren genug. Mein persönliches Saisonziel wird in dieser unberechenbaren Spielklasse eh immer nur der Klassenerhalt sein, alles was darüber hinaus passiert, ist für mich ein Bonus und die nötige Marke von 45 Punkten wird die Truppe schon irgendwie erreichen. Hoffentlich.
In der Anmoderation des Spiels kokettierten die Gastgeber mit ihrer Nähe zu Frankreich. Natürlich eine späte Antwort auf die Provokation des immer übermotivierten, kein Fettnäpfchen auslassenden RWE-Spielfeldmoderators ‚Ruthe‘, der die Gäste-Anhänger beim letzten Auftritt in Essen als ‚Möchtegern-Franzosen‘ begrüßte. Stadion- und Feldsprecher gingen nun genau darauf ein, indem die Mannschaftsaufstellung des RWE und weitere Ansagen auf Französisch vorgetragen wurden. Die Beurteilung, ob das nun witzig oder eher überflüssig war, weil genau die peinliche Provokation des RWE-Hofnarrs bedienend, bleibt jedem selbst überlassen. Die Kurve, die sich ja eh schon einen Französischen Namen gegeben hat, und auch zeitweise das gesamte Heimpublikum erging sich dann noch mehrfach in „Ostfrankreich“-Rufen – nun ja. Dass der Anhang von Dynamo Dresden durch seine „Ostdeutschland“-Stakkatos mit seiner reellen regionalen Lage charmiert, ist zwar auch eher abträglich, aber zumindest logisch begründet. Warum sich eine Region jedoch ins Nachbarland transformiert, zu dem diese dazu auch noch eine Zeit lang fremdbestimmt, also zwangsverwaltet, gehörte, kommt mir fragwürdig vor. Aber wenn sich die ‚Sarrois‘ ihren Nachbarn näher fühlen, als dem Teilstaatenbund, dem sie sich einst anschlossen, dann sie ihnen die Entscheidung doch freigestellt. Eine Region die nur ein Prozent zum Bruttoinlandprodukt des gesamten Staates beiträgt (nur das noch kleinere Bremen schafft noch weniger) würde man vermutlich kaum vermissen. Au revoir (oder auch nicht).
Das ‚Hans-Dieter-Krieger-Stadion‘ des Sportclub Idar-Oberstein, bis Mitte letzten Jahres noch ‚Stadion Im Haag‘ und zu Ehren des verstorbenen, langjährigen Vorsitzenden nun nach diesem benannt, ist eine der Spielstätten, die ich mit einem Spiel meines Herzensvereines verpasst habe. Zwei Mal trat der Deutsche Meister von 1955 dort an und empfing die Hunsrücker natürlich auch zwei Mal an der Hafenstraße, jeweils in der Regionalliga West. Während die ersten beiden Vergleiche noch im alten Jahrtausend beide an den glorreichen RWE gingen, blieb der Sportclub in der zweiten Saison, in denen beide Vereine vor gut 15 Jahren die Klingen kreuzten, ungeschlagen und konnte dem Favoriten daheim im Hunsrück sogar eine eher peinliche Niederlage zufügen. Bittere Zeiten, hoffentlich ein und für alle Male Geschichte. Idar-Oberstein, wenngleich schon eine Art Ankerpunkt der Region, kennt ja eigentlich keine Sau. Für diejenigen, die in der Schmuck- und Edelsteinbranche beschäftigt sind, ist die Stadt allerdings ein Begriff. In der Gegend gibt es natürliche Vorkommen an Schmucksteinen, so dass der Ortsteil Idar bis heute – man glaubt es kaum – zu den Welthandelszentren für Edelsteine zählt. In der ganzen Stadt sieht man Schleifereien und Rohstein-Geschäfte. Ein Schmuckkästchen ist das kleine Stadion jetzt zwar nicht unbedingt, aber für einen Verein dieser Größe durchaus ansehnlich. Seit dem Abstieg aus der Regionalliga pendelt der Verein zwischen Verbands- und Oberliga hin und her. Nach der vergangenen Saison ging es mal wieder runter. Diese Karriere sieht beim heutigen Gegner nicht anders aus. Vermutlich aus Solidarität stieg der FV Dudenhofen ebenfalls aus der Oberliga ab. Da beide Vereine schnell wie möglich wieder hochwollen, kam es also früh in der neuen Saison direkt zu einem Aufeinandertreffen zweier Aufstiegsaspiranten.
Meine verehrte Gattin begleitete mich auf diesem Wochenend-Trip. Auf dem Hinweg wurde noch die Hängebrücke ‚Geierlay‘ besucht und im Getümmel überquert – teilweise kam es zum Stau über dem ‚Mörsdorfer Bachtal‘. Ausgedörrt von der erbarmungslosen Hitze ging es danach weiter in die Schmuckstadt. Für die Gastgeber sammelten sich ein paar ältere Anhänger unter einem vor der Sonne schützenden Schirm, die aber nur durch Getrommel auf den Werbebanden auffielen. Der FVD hatte eine Handvoll Ultras im Gepäck, die aber noch auf einsetzenden Bartwuchs warteten. So ne Art Kinderchor im Stimmbruch. Hinderte sie nicht, ein dickes ‚Nordkurve‘-Banner an den Zaun zu pappen und mit Doppelhaltern, großem Schwenker und Megaphon zu supporten. Klang nicht wirklich gut und hatte trotzdem meinen Respekt, sich dazu aufzuraffen. Auch eine grob besprühte Tapete mit den Worten „Schwarz-gelbe Farben, die wir in unseren Herzen tragen“ fand an den Zaun. Die Gäste aus dem Rhein-Pfalz-Kreis erzielten Mitte der ersten Hälfte die Führung, was direkt für Unruhe beim einheimischen Rentner-Volk sorgte. Der Sportclub spielte ziemlichen Mist, kämpfte sich aber im zweiten Durchgang ins Spiel und drehte dieses per spätem Foulelfmeter zum knappen Heimsieg.
Vor einigen Jahren besuchte ich im Sunderner ‚Röhrtal-Stadion‘ bei herbstlichen Temperaturen unter der Woche die Kreispokal-Partie gegen den Verein aus dem benachbarten Sunderner Ortsteil Langscheid. Eigentlich ein Derby, aber es kamen dennoch nur gut 100 Zuschauer. Daher ergriff ich die Gelegenheit, dort nochmal eine Partie auf höherem Niveau vor größerer Kulisse zu schauen, auch wenn dafür erst der spontane Anstoß eines regelmäßigen Reisegenossen her musste, der mich mitnahm an den Sorpesee. Eine gut vierstellige Kulisse kam dann zusammen bei diesem Erstrunden-Spiel des Westfalenpokals. Aus dem Siegerland war auch die aktive Szene zugegen, die trotz des eher langweiligen Spielverlaufes die Kraft und Motivation aufbrachte, ihre Helden über die gesamte Spielzeit anzufeuern. Die Sportfreunde gelten als einer der Aufstiegsfavoriten der Regionalliga West, auch wenn das erste Saisonspiel am vergangenen Wochenende bei Aufsteiger Westfalia Rhynern verloren ging. Heute wollte das Team gegen einen Landesligisten seiner Favoritenstellung gerecht werden und erzielte gegen zu respektvolle Hausherren den frühen Führungstreffer. Nur kurz darauf lag der Ball aber im Sportfreunde-Netz. Die TuS hatte den vermeintlichen, schnellen Ausgleich erzielt, doch der Linienrichter hatte Einwände. Auch danach zeigte sich die Abwehr der Siegerländer noch unsortiert und ein Treffer für die Gastgeber war möglich. Mit zunehmender Spielzeit konnten die Sportfreunde die Partie aber beruhigen und mit dem zweiten Treffer nach einer halben Stunde und Tor Numero Drei mit dem Pausenpfiff war die Wiese dann auch gemäht. Die weiteren Treffer waren eher Kosmetik und in der Schlussphase geriet das Resultat dann gegen tapferer Sauerländer auch etwas zu deutlich.