Sonntag, 14.07.2019

Exkurs – die frühen Jahre des glorreichen RWE 

Für Testspiele kann ich mich nur selten motivieren und mich in die Regionen weg zu buchen, in denen auch im Sommer gespielt wird, war mir in diesem Jahr aus privaten Gründen nicht möglich. Was also tun in der Pflichtspiel-freien Zeit? In den letzten Tagen hatte ich mal wieder das Buch „An der Hafenstraße – RWE! Die Geschichte des Georg-Melches-Stadion“ von Uwe Wick und Georg Schrepper in der Hand. Die Fibel kann ich übrigens all jenen schwerstens empfehlen, die an der Historie des Vereins interessiert sind. Auf Seite 16 findet man eine Karte des Raumes Bergeborbeck/Vogelheim zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. In dieser sind Orte markiert, welche den Verein in seiner Entstehungsphase begleiteten. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, sattelte ich den Drahtesel und machte mich auf, um mir anzusehen, wie die betreffenden Stellen heute aussehen. Da ein Großteil der Fläche heute von den aneinander angrenzenden Gewerbegebieten ‚Econova‘ und ‚Stadthafen‘ eingenommen wird, hat dort eine umfassende strukturelle Veränderung stattgefunden. Daher war natürlich klar, dass es geringen bis keinen Wiedererkennungswert geben sollte, aber dennoch reizte es mich zu sehen, wie sich die Situation innerhalb von gut 110 Jahren verändert hat.

 

Legt man die damalige und die heutige Karte nebeneinander, ist man auf den ersten Blick der Meinung, zwei unterschiedliche Gebiete zu sehen, was darin begründet ist, dass in den 20er und 30er er Jahren neue Durchgangstraßen geplant wurden, denen existente Straßenverläufe zum Opfer fielen. Nach etwas genauerem Abgleich sind aber durchaus noch Gemeinsamkeiten zu finden und alte Straßenverläufe in der aktuellen Karte nachvollziehbar. Auffallend ist aber wie unglaublich dünn besiedelt die Gegend damals noch war.
Erstes Ziel war der vom Verein Preußen (Berge)Borbeck hergerichtete Sportplatz bei Overbecks Hof. Dort unternahm der  von Georg Melches und seinen Jugendfreunden ins Leben gerufene SV Vogelheim (nicht zu verwechseln mit dem heute noch existierenden aber erst 1913 gegründeten Vogelheimer SV), welcher als Ursprung von Rot-Weiss Essen anzusehen ist, seine ersten Torschüsse. Der Sportplatz lag unmittelbar an der Einmündung der Markenstraße in die Bottroper Straße. Die Markenstraße, die ihren Namen wohl aufgrund des Verlaufs durch die Borbecker Mark, damals ein bewaldetes Areal, bekam, existiert heute nicht mehr. Die damalige Bottroper Straße dürfte heute ungefähr, möglicherweise sogar exakt, dem Verlauf der Emscherbruchallee entsprechen, die aufgrund Ihrer Abgeschiedenheit gern als Wochenend-Pausenplatz ostdeutscher Lkw-Fahrer und wilde Müllkippe genutzt wird. Den Verlauf der Markenstraße kann man heute beim Blick auf die Satellitenansicht erahnen. Dort verläuft der Rand einer dicht bewachsenen Fläche. Auf der angrenzenden Freifläche entsteht derzeit ein Depot des Parcelservice GLS. Overbecks Hof und der daneben liegende Fußballplatz, Punkt 3 auf den Karten, dürften sich in etwa auf Höhe des mächtigen Abgas-Schlotes der Aluminiumhütte befunden haben, auf dem Foto rechts der Straße, direkt neben oder knapp in der urwaldähnlichen Vegetation.
Der nächste Stop war ‚Breilmanns Wiese‘, Punkt 2 auf den Karten. Dort wurde in den Anfängen ebenfalls zeitweise gespielt. Breilmanns Wiese lag an der Vossstraße, heute ist dieses die Westuferstraße mitten im Gewerbegebiet ‚Stadthafen‘. In etwa der Höhe der stillgelegten öffentlichen  Lkw-Waage muss das Spielfeld gelegen haben. Unmittelbar neben der Verwiegungs-Plattform befindet sich ein Zugang durch das neben der Straße liegende Dickicht. Mit viel Phantasie taucht vor dem geistigen Auge dahinter der Fußballplatz auf. In der Realität steht man aber vor dem Zaun eines Material-Lagerplatzes der Streif-Baulogistik, auf dessen heutigem Areal das Spielfeld gelegen haben muss. Der nächste Anlaufpunkt auf die Vereinsgründung entscheidenden Einfluss, dort lag sozusagen die Keimzelle des glorreichen RWE – das Geburtshaus von Georg Melches, Punkt 1 auf den Karten. Dieses stand (steht?) an der Ecke Wildstraße mit der heutigen Hafenstraße, die damals Emscherstraße hieß. Es erschließt sich aus der alten Karte nicht, welchen Namen die Wildstraße früher trug, möglicherweise galt diese als Verlängerung der schon genannten Vossstraße. Auf der alten Karte sind in diesem Bereich mehrere Häuser eingezeichnet, die als Steiger-Wohnungen bezeichnet sind. Heinrich, der Vater von Georg Melches, hatte diese Position als Betriebsleiter im Bergbau inne. Von diesen Häusern steht nur noch das erste, daneben befinden sich in Richtung Norden nur noch zwei Baracken. Das verbliebene Haus mit olivgrünem Anstrich, heute Hafenstraße 210, scheint schon ein gewisses Alter zu haben. Daher liegt der Verdacht nah, dass es sich noch um das originale Haus der Familie Heinrich Melches handelt, zumal an der Hauswand auch eine Metallskulptur der heiligen Barbara zu sehen ist, die bekanntlich  die Schutzpatronin der Bergleute ist, was einen weiteren Rückschluss erlaubt.
In unmittelbarer Nähe liegt der nächste Spot und zwar die sogenannte Zechenwiese, Punkt 4 auf den Karten. Diese Fläche wurde dem Verein, der nach Übertritt zum TB Bergeborbeck und wiederum Austritt aus diesem mittlerweile den Namen Spiel- und Sportverein Emscher Vogelheim trug, von der Zeche Emil-Emscher, wohl aufgrund des väterlichen Einflusses überlassen. In dieser Ecke findet man welche der wenigen Anhaltspunkte, die man auch in der alten Karte feststellen kann, denn die alten Zechenhäuser, die man entlang der Wildstraße sieht, entsprechen (auch vom Grundriss) ganz offensichtlich den auf der alten Karte verzeichneten. Zwar ist die Anzahl der identisch aussehenden Häuser auf beiden Straßen Seiten heute höher, jedoch kann man auf dem Satellitenbild erkennen, dass einige Häuser wohl später errichtet worden sind, denn diese verfügen über einen etwas größeren Grundriss. Hinter den Häusern der nördlichen Straßenseite muss die Zechenwiese auf dem Areal des heutigen Kleingartenverein Emil-Emscher gelegen haben.
Nur wenige hundert Meter südlich lag an der heutigen Hafenstraße die Gaststätte Knümann, Punkt 5 auf den Karten, die in dieser Zeit als Vereinslokal fungierte. Dieses lag gegenüber der Einmündung der Forststraße, an der sich heute der Schnell-Imbiss ‚Hafen-Grill‘ befindet. Gegenüber der Straßeneinmündung befindet sich der Zugang zu einer Kleingartenanlage und ziemlich genau dort muss sich die Gaststätte befunden haben. Noch einmal 200 Meter weiter gen Süden endete meine Erkundungstour dann. Hier, in Höhe der Haus-Nummern 132-136 muss der Sportplatz an der Vogelheimer Straße, wie die Hafenstraße auch eine Zeit lang hieß, gelegen haben, Punkt 7 auf den Karten. Rot-Weiss Essen, wie der Verein nun endlich nach Fusion mit dem TB Bergeborbeck getauft wurde, hatte mittlerweile das heute angestammte Areal an der Hafenstraße bezogen. Da über dieses aber eine neue Verbandsstraße gebaut werden sollte, hatte man als alternativen Spielort zwischenzeitlich die angesprochene Fläche in einen Fußballplatz umgewandelt. Als sich zeigte, dass die geoplante Straße einen anderen Verlauf nehmen würde, kehrte man  an den noch heute genutzten Standort zurück, Punkt 6 auf den Karten. Okay, ganz zu Ende war meine Reise in die Geschichte noch nicht, denn diese endete nun mit dem Sprung in die Gegenwart, da mich der Heimweg so oder so am heutigen Spielort vorbei führte…

 

Freitag, 05.07.2019, 18:00

deutschland

Spvg Frechen 20 vs 1.FC Köln

Kurt-Bornhoff-Sportpark, 4.020 Zuschauer, Testspiel

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Mit Testspiel-Besuchen tue ich mich ja immer äußerst schwer. Erst recht, wenn der glorreiche Deutsche Meister von 1955 nicht beteiligt ist. In manchen Stadien wird aber nur selten gespielt und zu diesen gehört der ‚Kurt-Bornhoff-Sportpark‘ in Frechen. Der Test-Kick des Oberligisten gegen den Ziegenbock harmonisierte räumlich auch halbwegs mit der anvisierten Abend-Veranstaltung, so dass ich mich recht spontan zur Anreise entschied. Was mal wieder gar nicht ging, war die Verkehrslage im Rheinland. Es macht echt kaum noch Sinn, auf einem Freitag in Richtung Domstadt zu gurken, wenn man einigermaßen Zeitdruck hat. So wurde es gerade eben eine Punktlandung, da sich auch die Parkplatz-Situation rund um das Stadion ‚An den sieben Bäumen‘, wie es ja mal hieß, als Katastrophe herausstellte. Bis vor einigen Jahren überspannte eine ziemlich mächtige Überdachung die große Gerade, die allerdings der Umgestaltung und Modernisierung zum Opfer fiel. Ebenso wie die begrünten Stehstufen, die sich bis in die Kurven zogen. Leider rauben diese Rückbau-Maßnahmen dem Stadion einen Großteil seines charakteristischen Charme. Zum Glück traf ich zufällig Alex, so dass die spannungsbefreite Veranstaltung angenehm verquasselt werden konnte.

Mittwoch, 26.06.2019, 19:00

deutschland

DJK Lösort Meiderich vs SV Rhenania Hamborn 0:0

Heinrich-Schäffler-Arena, 600 Zuschauer, Relegation zur Kreisliga A DU/MH/DIN

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Und es wird weiter relegiert. Im Kreis Duisburg-Mülheim-Dinslaken fehlte noch ein Aufsteiger zur Kreisliga A, welcher in einer einfachen Dreier-Runde ermittelt wurde. Im letzten Spiel dieser Runde musste die Entscheidung zwischen den heute aktiven Kontrahenten fallen, da der Dritte im Bunde bereits chancenlos war. Der Sportplatz an der Talbahnstraße ist Ruhrpott pur. Im Schatten der Schlote des Duisburger ‚Landschaftspark Nord‘ wird auf Asche dem Leder nachgejagt, was bei aktueller Wetterlage natürlich eine ordentlich staubige Angelegenheit war. Auf der Hauptseite des Platzes gibt es einen fünfstufigen Ausbau, ansonsten müssen die Zuschauer ebenerdig stehend dem Treiben beiwohnen. Und derer waren viele gekommen. 600 Leute für ein Relegationsspiel der Kreisliga B sind schon keine schlechte Zahl. Und diese bekamen ein verhältnismäßig gutes Spiel zu sehen. Klar gab es Fehlpässe, panische Aktionen, Stockis und Stolperer, wozu auch der Untergrund Beitrug. Aber für dieses Ligen-Niveau war das Gezeigte ganz ordentlich. Nach recht ausgeglichener erster Hälfte zog die DJK Lösort das Geschehen immer mehr an sich, denn sie war zum Siegen verdammt. Beide Teams hatten ihr erstes Spiel gewonnen, Rhenania aber höher als die Gastgeber, daher reichte den Gästen ein Remis zum Aufstieg. Und so sollte es auch enden, trotz druckvoller Schlussphase der DJK.

Sonntag, 23.06.2019, 15:00

deutschland

Duisburger FV 08 vs TV Voerde 4:0

Grunewald-Kampfbahn, 1.150 Zuschauer, Relegation zur Bezirksliga Niederrhein

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Re-Visit, wie es im Hopping-Slang so schön heißt, in Duisburg-Hochfeld. Der Duisburger FV 08 ist einer dieser typischen Traditionsvereine des Ruhrpotts. Die erfolgreichste Zeit erlebte der Club vor und nach dem 2.Weltkrieg, als man in den jeweiligen höchsten Spielklassen agieren durfte. Nach längerer Durststrecke wurde in den 80ern zumindest der Aufstieg in die damals viertklassige Verbandsliga und die Hauptrunde des DFB-Pokal konnte erreicht. Nach dem letzten Abstieg aus der Verbandsliga Ende des Jahrtausends, ging es in wenigen Jahren runter bis in die Kreisliga A, später sogar in die Kreisliga B. Am heutigen Tag sollte die Rückkehr in die Bezirksliga gefeiert werden, wofür im Hinspiel in Voerde mit einem recht kurios ergaunerten Sieg eine gute Ausgangsposition erkämpft wurde. Denn der DFV war wohl lange Zeit das schlechtere Team und lag mit 0:2 zurück, eher nach einer Stunde der Anschluss fiel. Ein Elfmeter in der Schlussminute brachte den Ausgleich und ein Eigentor in der fünften Minute der Nachspielzeit gar noch den Sieg. In der schnuckeligen ‚Grunewald-Kampfbahn‘ sollte also heute ein erfolgreicher Saison-Abschluss gefeiert werden. In einem kleinen Grünstreifen am Bahndamm gelegen, gibt es auf zwei Seiten Ausbau. Auf der einen wird überwiegend gesessen, auf der anderen, größeren Seite wird gestanden. Eine vierstellige Zuschauerzahl bot dem Spiel einen würdigen Charakter. Spannend wurde es eigentlich nie. Die Gäste, unter anderem von einer kleinen aktiven Gruppe – vermutlich jüngere Vereinsmitglieder – unterstützt, konnte dem Siegesdruck nicht standhalten und spätestens nach dem Führungstreffer für die Gastgeber direkt nach der Pause war das Fünkchen Hoffnung aus den Spieler-Gesichtern gewichen. Beim DFV herrschte verständlicherweise große Freude, die in einer grünen Rauchwolke gen (Fußball-)Himmel stieg.

Montag, 10.06.2019, 14:00

niederlande

VV Hoogeveen vs OJC Rosmalen 1:3

Sportpark Bentinckspark, 500 Zuschauer, Relegation zur Topklasse

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Nur um diese 90 Minuten später wieder zu verschließen. Der kurzzeitig erwachende Rest-Verstand ließ mich die Sinnhaftigkeit der folgenden Aktion kurz hinterfragen, aber dann ergab ich mich in mein Schicksal. Auch im Frikandel-Ländle wird noch relegiert und in Hoogeveen, in der Provinz Drenthe gelegen, fand ein Spiel der Vorschlussrunde um verbleibende Startplätze der viertklassigen Hoofdklasse statt. Natürlich keine sonderlich elektrisierende Veranstaltung und ob der ‚Bentinckspark‘ eher der Grund war, die Strecke auf sich zu nehmen, sei dahingestellt. Aber Spiele mit (vor)entscheidendem Charakter üben ja doch mehr Reiz aus, als unbedeutende Liga-Spiele Mitte der Rückrunde. Der Sportpark zeigt sich auch eine Spur besser, als die üblichen Anlagen auf diesem Spielniveau und Mexicano, Frikandel und Patat rundeten den Ausflug ab. Die Gastgeber hatten das Hinspiel verloren und gerieten auch im Rückspiel früh auf die Verliererstraße. Der zwischenzeitliche Ausgleich ließ einen Hauch Spannung aufkommen, aber ein Platzverweis kurz darauf und die neuerliche Gästeführung klärten die Geschichte dann schnell. Ab nach Hause.

Sonntag, 09.06.2019, 18:30

italien

US Triestina Calcio vs AC Pisa 1909 1:3 n.V.

Stadio Nereo Rocco, 19.446 Zuschauer, Relegation zur Serie B

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Dieses war also die andere Final-Paarung um den Aufstieg in die Serie B und im Gegensatz zum Spiel in Piacenza musste hier und heute eine Entscheidung fallen, denn das Hinspiel fand bereits am Mittwoch in Pisa statt und endete 2:2 unentschieden. Für Spannung war also gesorgt. Das ‚Stadio Rocco‘ ist ein absolut fetter Trümmer. Vier überdachte, baulich voneinander getrennte Tribünen ergeben ein reines Fußballstadion, das von einer beeindruckenden Architektur gezeichnet ist. Die Dächer der Geraden werden von einer Art Giebel, welcher mit von einer Glaskuppel versehen ist, gekrönt. 2.500 Ragazzi waren aus der Stadt mit diesem schiefen Turm angereist. Wie erwartet und verabredet, traf ich den sagenumwobenen ‚Iltis‘ auf der Haupttribüne und wir genossen die Nummer gemeinsam. Der große Tifo wurde es heute leider nicht, lediglich die Heimseite zeigte zum Spielbeginn eine simple Choreo mit zentraler Blockfahne. Dafür wurde es akustisch umso besser. Beide Kurven glänzten mit dauerhaft extrem hoher Mitmachquote mit nur wenigen Schwächephasen und aufgrund der Überdachung schepperte das teilweise schon sehr ordentlich über die Ränge. Das Geschehen auf dem Rasen war dann gut zerfahren und, ähnlich wie der Kick am Vortag, von vielen Pfiffen des Referee unterbrochen. Richtig schön anzusehen war das nicht, aber es war ordentlich Feuer drin. Den Führungstreffer der Gäste aus der ersten Hälfte konnte Triestina im zweiten Durchgang per Elfmeter verdient ausgleichen und mit 1:1 ging es in die Verlängerung, denn die Auswärtstor-Regel zählt in den Finals nicht. Triestina spielte nach einem Platzverweis nach Notbremse kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit mittlerweile in Unterzahl. Pisa bekam daher Oberwasser und ging früh in der Extra-Time erneut in Führung. Die Gastgeber schmissen nun wütend alles rein, Pisa zog die üble Zeitspiel-Karte und daher gab es nun im Minutentakt Ärger und Rudelbildungen auf dem Platz. Geile Aktion, als ein tödlich verletzter Gäste-Akteur mal wieder Minuten behandelt und dann mit Trage abtransportiert wurde. Diese wurde aber an der Heimkurve vorbei getragen und clever erkannten die Ragazzi, dass der Junge nach der langen Spielzeit sehr durstig sein musste. Hilfreich linderten sie die Qual mit einem Hagel aus Wasserflaschen und Bierbechern, so dass der Sterbende wie einst Lazarus von der Trage aufsprang und davon spurtete. Kurz vor Ende machte Pisa nach einem Konter den Deckel drauf und der Rest des Abends war eine Feier in blau und schwarz und ein sinnloser Pokal wurde auch noch überreicht (bekommt der Sieger der anderen Paarung auch einen solchen?). Da ich noch die Rückfahrt nach Bergamo zu absolvieren hatte, machte ich mich bald darauf mal auf den Weg. Gegen 22:30 Uhr fuhr ich los, irgendwo bei Padua gönnte ich mir zwei Stunden Schlaf im Mietwagen, und um 6:40 Uhr hob Herr Ryan von Bergamo mit mir ab. Endlich mal wieder Oldschool-Hopping (ach nee, bin ja nur Fußball-Tourist) mit Schlafmangel. Um 10:00 Uhr schloss ich die heimische Wohnungstür auf.

Samstag, 08.06.2019, 20:30

italien

Piacenza Calcio 1919 vs Trapani Calcio 0:0

Stadio Leonardo Garilli, 7.865 Zuschauer, Relegation zur Serie B

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Einmal ist ja immer das erste Mal und so brachte mich der Flixbus über Nacht von Salzburg nach Bergamo. Die Fahrt wurde fast komplett verpennt und damit als deutlich angenehmer verbucht, als befürchtet. In Bergamo übernahm ich den vorab gebuchten Mietwagen und fuhr mautvermeidend in den Ort des abendlichen Spieles. Zwei Plätze waren noch für die kommende Saison der zweiten italienischen Spielklasse, der Serie B, zu vergeben. Prinzipiell war das heutige Spiel ein Halbfinale. Da aber die Sieger der beiden Halbfinal-Paarungen zum Aufstieg berechtigt sind, hatten die Spiele natürlich Final-Charakter. Das Hinspiel dieser Paarung fand nun in Piacenza statt. Das ‚Stadio Leonardo Garilli‘ ist eine dieser herrlichen typisch italienischen Buden, welche die besten Jahre deutlich hinter sich gelassen haben. Es bröckelt hier der Beton, es blättert dort die Farbe ab, der Ground macht aus seinem Zustand keinen Hehl. Aus Trapani, im letzten Winkel Siziliens gelegen, waren über 500 Leute gekommen, die ohne jede Unterbrechung eine gute Party in ihrem Block feierten. 1.500 Straßenkilometer trennen die beiden Konkurrenten – das nenn ich mal Auswärtsfahrt. Und Kompliment, so viele Gäste hatte ich nicht erwartet. Die ‚Curva Nord Piacenza‘ eröffnete mit einer simplen Zettel-Choreo. Bei Tageslicht ein gutes Stilmittel und einfach in der Ausführung, so dass auch diejenigen Besucher ihren Job schnallten, die nicht so häufig ins Stadion gehen, denn mehr als 3.000 Tifosi verliefen sich in der Liga-Runde selten im weiten Rund. Die Stimmung auf der Heimseite war anfangs stark, ließ dann aber mehr und mehr nach und wurde der Bedeutung des Spiels nicht gerecht. Nach gut einer halben Stunde trieb nur noch ein Kern von gut 200 Leuten ihre Mannen an. Trapani zeigte sich auf dem Platz in Hälfte eins als das bessere Team und hatte zwei richtig gute Chancen, die der Piacenza-Schnapper stark entschärfte. Die Gastgeber legten dann in der zweiten Hälfte zu und erarbeiten sich ein Übergewicht, aber die Sizilianer waren immer gefährlich und hatten die besseren Einzelspieler. Torszenen blieben aber Mangelware und beinahe jeder Angriff wurde wegen irgendeines Regelverstoßes abgepfiffen, so dass kein wirklicher Spielfluss aufkam und das Geschehen auch eher in die Kategorie ‚Hafer‘ einzuordnen war. So bekam der Kick dann auch das Resultat, dass er verdiente und die Trapanisti reisten mit einer guten Ausgangsposition zurück auf ihre Insel.

Freitag, 07.06.2019, 18:30

oesterreich

SV Austria Salzburg vs TSU Bramberg 2:2

Erich-Misoph-Stadion, 900 Zuschauer, Salzburger Liga

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Beruflich weite ich zwei Tage zum Messebesuch in München, da bot es sich an, nach dem Ende der Veranstaltung direkt im Süden zu bleiben und eine kleine Tour anzuhängen. Per Mitfahrgelegenheit ging es dann weiter nach Salzburg, einfach weil es nur ein Drittel des Zugfahrpreises kostete und die Bahnverbindung durch eine Baustelle unterbrochen und durch Schienenersatzverkehr geflickt wurde. Dem zeitlichen Ablauf brachte es keinen Vorteil, durch ein völlig überforderte A8 dauerte der Transfer in die Festungsstadt beinahe drei Stunden. Die Salzburger Austria hat bewegte Jahre hinter sich. 2005 wurde der Verein vom Brause-Konzern Red Bull übernommen und nach dessen Vorstellungen umgestaltet. Gefiel der Austria-Szene natürlich überhaupt nicht und diese versuchte in zähen Verhandlungen mit der neuen, durch Red Bull bestellten Vereinsführung die Identität des Clubs zu wahren. Was letztlich scheiterte. Darauf wurde ein neuer SV Austria Salzburg gegründet, der sich in der Tradition des alten SVAS sieht. Nach dem Versuch einer Kooperation mit einem anderen Salzburger Club stellte man sich schließlich endgültig auf eigene Füße und fing ganz unten an. Nach vier Aufstiegen in Folge war die drittklassige Regionalliga erreicht, danach geriet die Erfolgsstory etwas ins Stocken und des dauerte einige Jahre bis der Aufstieg in die zweite Spielklasse gefeiert werden durfte. Damit hatte sich der Verein aber übernommen und es musste Insolvenz angemeldet werden, verbunden mit dem Zwangsabstieg in die Regionalliga, in der die Klasse auch nicht gehalten werden konnte. Eine weitere Insolvenz konnte zur knapp vermieden werden und in der Salzburger Landesliga konnte sich der Verein dann endlich konsolidieren. Nach nun zwei Jahren in der vierklassigen Landesliga wird es wieder auf drittklassiges Niveau nach oben gehen, denn der Aufstieg stand für den Tabellenzweiten vor dem heutigen letzten Spieltag bereits fest. Auch für die Gäste ging es um nichts mehr. An die 1.000 Zuschauer hatten den Weg ins kleine ‚Erich-Misoph-Stadion‘ gefunden. Die Kurve um ‚Union Ultra‘ präsentierte als Intro eine Choreo, bei der als zentrales Element das Vereinswappen zum Tribünendach hochgezogen wurde. Rechts und links davon wurden kleine Folienfähnchen in den Farben Violett und Silber geschwenkt und zwei Spruchbänder beschworen Tradition und Beständigkeit des Vereins. Die Präsentation derer stellte sich aufgrund des starken Windes als Herausforderung dar, die letztlich souverän bestanden wurde. Die Stimmung auf der gut gefüllten Hintertor-Tribüne hätte dann besser kaum sein können, nur der Spielverlauf hielt da nicht mit, denn die Gäste gingen durch zwei sehenswerte Treffer in Führung, welche die Austria aber zum gerechten Halbzeitstand ausgleichen konnte. Im zweiten Durchgang spielten dann eigentlich nur die Gastgeber, ohne die Bramberger aber ernsthaft gefährden zu können, weshalb der Halbzeit- auch der Endstand blieb. Zum Saison-Finale wurde dann noch mal ordentlich gefackelt. In der Kurve steckt ordentliches Potential, da kann man nur wünschen, dass es weiter stetig nach oben geht und man vielleicht eines Tages wieder auf Top-Niveau agieren kann.