Vor einigen Jahren besuchte ich im Sunderner ‚Röhrtal-Stadion‘ bei herbstlichen Temperaturen unter der Woche die Kreispokal-Partie gegen den Verein aus dem benachbarten Sunderner Ortsteil Langscheid. Eigentlich ein Derby, aber es kamen dennoch nur gut 100 Zuschauer. Daher ergriff ich die Gelegenheit, dort nochmal eine Partie auf höherem Niveau vor größerer Kulisse zu schauen, auch wenn dafür erst der spontane Anstoß eines regelmäßigen Reisegenossen her musste, der mich mitnahm an den Sorpesee. Eine gut vierstellige Kulisse kam dann zusammen bei diesem Erstrunden-Spiel des Westfalenpokals. Aus dem Siegerland war auch die aktive Szene zugegen, die trotz des eher langweiligen Spielverlaufes die Kraft und Motivation aufbrachte, ihre Helden über die gesamte Spielzeit anzufeuern. Die Sportfreunde gelten als einer der Aufstiegsfavoriten der Regionalliga West, auch wenn das erste Saisonspiel am vergangenen Wochenende bei Aufsteiger Westfalia Rhynern verloren ging. Heute wollte das Team gegen einen Landesligisten seiner Favoritenstellung gerecht werden und erzielte gegen zu respektvolle Hausherren den frühen Führungstreffer. Nur kurz darauf lag der Ball aber im Sportfreunde-Netz. Die TuS hatte den vermeintlichen, schnellen Ausgleich erzielt, doch der Linienrichter hatte Einwände. Auch danach zeigte sich die Abwehr der Siegerländer noch unsortiert und ein Treffer für die Gastgeber war möglich. Mit zunehmender Spielzeit konnten die Sportfreunde die Partie aber beruhigen und mit dem zweiten Treffer nach einer halben Stunde und Tor Numero Drei mit dem Pausenpfiff war die Wiese dann auch gemäht. Die weiteren Treffer waren eher Kosmetik und in der Schlussphase geriet das Resultat dann gegen tapferer Sauerländer auch etwas zu deutlich.
Stadion Im Bröhl, 228 Zuschauer, Rheinlandpokal 1.Runde
Im Westen Deutschlands sind früh in der Saison Pflichtspiele noch immer dünn gesät. Dankbar nahm ich daher zur Kenntnis, dass der Rheinlandpokal in die erste aufgeblähte Runde ging. Unter nicht weniger als 52 Spielen war dann auch erwartungsgemäß was Brauchbares zu finden. Im 1000-Seelen-Ort Oberzissen, in der sogenannten Rhein-Ahr-Eifel gelegen, trafen zwei Bezirksligisten aufeinander. Die kleine Sportanlage hat durchaus Charme, auch wenn den Zuschauern nur auf einer Seite die Sicht auf das Geschehen genehmigt ist. Ein paar begrünte Stufen mit Sitzbänken und Stehtischen wurden in die Naturtribüne gezimmert und am Ende der Geraden befindet sich das Sozialgebäude mit aufgesetztem Clubheim. Da aus Mendig kaum Interessierte angereist zu sein schienen, war demnach ein Fünftel des Dorfes zugegen – support your local football club! Zumindest wenn man etwas romantisch voraussetzte, dass niemand aus einer Nachbargemeinde angereist war. Die Gastgeber spielten von Beginn an überlegen und ließen nie einen Zweifel daran, welches Team die zweite Pokal-Runde erreichen würde.
Und wieder ein rot-weisses Testspiel, bei dem ich eigentlich nicht hätte sein dürfen. Da das Spiel im kleinen ‚Ulrich-Haberland-Stadion‘ im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten der ‚BayArena‘ stattfand und Fantrennung dort nicht gewährleistet ist, wurden dem Gastverein Rot-Weiss Essen aus „organisatorischen Gründen“ keine Tickets zur Verfügung gestellt. Dass die Ultra-Fraktion des glorreichen RWE freundschaftliche Kontakte zu jener des ‚Effzeh‘ aus der Domstadt pflegt, also zum Erzrivalen der Bayer-Gemeinde, mag einen Ausschlag gegeben haben. Nun denn, die Hürde war nicht wirklich hoch und nach all den Jahren ist man ja auch gut genug vernetzt, um zwei Minuten nach Bekanntwerden dieser Restriktion dennoch eine Ticketzusage im Postfach zu wissen. An dieser Stelle sei ein herzlicher Dank an Marius gesendet. Dieser wurde dann auch auf dem Weg zum Stadion eingesammelt, weil ein paar hundert Meter Fußweg an diesem Morgen offenbar zu viel des Guten bedeuteten. Die verschiedenen Evolutionsstufen des kleinen Stadions habe ich nun in weiten Abständen miterlebt. In den 90ern stand ich – soweit ich mich erinnere, muss aber nicht stimmen, ist lange her – noch auf einem begrünten Wall, um den WSV bei der Zweiten von Bayer 04 in der Oberliga, damals noch drittklassiges Niveau, verlieren zu sehen, Anfang der 10er Jahre war ich laut meiner Stadion-Liste noch mal dort, da hatten sich schon befestigte Ränge und eine mit Planen als Wetterschutz gedeckte, traurige, kleine Stahlrohr-Sitztribüne etabliert. Ich habe keine Ahnung mehr, welches Spiel ich da gesehen habe (Edit: tief in der Spiele-Liste habe ich ein trostloses 0:0 des glorreichen RWE bei der Bayer-Zweitvertretung vor nicht einmal 1.000 Zuschauern gefunden).
Mittlerweile steht hier nun also ein brauchbares Amateurstadion, was mangels zweiter Mannschaft stattdessen von der U19 und der Damen-Bundesliga-Elf bespielt wird. Von mir persönlich nicht erwartet, waren ganz schön viele Zuschauer gekommen, um sich diesen Bums anzusehen. Trotz des offiziellen Gäste-Verbots blickte ich auch in einige von der Hafenstraße bekannte Gesichter – dieses lächerliche Verbot war halt auch Blödsinn. Zum Spiel selbst kann ich nicht viel sagen, spätestens nachdem die ‚Werkself‘ recht früh mit zwei Treffern führte, wurde der Kick einfach nur verlabert. Die Roten traten auch nur mit dem zweiten Anzug, da am Nachmittag ein weiteres Testspiel, sinnloserweise wiederum komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit, anstand. Die Generalprobe gegen den eher auf Augenhöhe anzusehenden ambitionierten Regionalligisten aus Sandhausen sollte für die Erprobung des Ernstfalles genutzt werden, so dass im lockeren Geholze gegen die Pillendreher nur die vermutliche B-Elf aufgeboten wurde, denen die Bayer-Elf ihre Grenzen aufzeigte.
Irgendwann im Laufe der Woche wusste ein Mitglied unseres inneren RWE-Zirkels zu berichten, dass der glorreiche RWE an diesem Sonntag ein Testspiel gegen die Schonnbecker ‚Schwalben‘ auf dem zwischen Stadion und Auto-Kino gelegenen ‚Willi-Lippens-Platz‘ austragen würde. Dieser ist vorrangig Trainingsplatz und wird selten für den Spielbetrieb genutzt. Da ich dort vor bestimmt zehn Jahren überhaupt erst ein Spiel gesehen hatte und die ausgelatschten paar Stufen vor drei Jahren einer überdachten Tribüne, die wahlweise zum Stehen oder Sitzen genutzt werden kann, gewichen waren, kam mir die Ansetzung durchaus gelegen. Knackpunkt am heutigen war, dass sich die beiden Vereine – wie schon vor Jahresfrist beim Vergleich mit der Fortuna aus der Domstadt – auf einen geheimen Test unter Zuschauerausschluss geeinigt hatten. Warum das bei dieser unaufgeregten Spielpaarung so sein sollte, wird ein Geheimnis bleiben. Auch die Frage, warum der Platz überhaupt aufgepimpt wurde, wenn man niemanden dort haben will, sei noch erlaubt. Die Herausforderung nahm ich jedenfalls an und nachdem ich die knapp sechs Kilometer mit dem Drahtesel hinter mich gebracht hatte und eine halbe Stunde vor dem Anpfiff eintraf waren schon die üblichen 15 Leute zugegen, die von solchen Veranstaltungen immer Wind kriegen und nach Zutritt lechzen. Fehlte nur noch der Türöffner.
Nachdem Ex-Trainer und Aufsichtsrat-Mitglied Wrobel noch mit Verweis darauf abwinkte, dass er sich nicht in die Vereinbarung der beiden Vereine einmischen möchte, nahte kurz vor Anpfiff die Rettung in Person von Sportdirektor Steegmann, der sich unserem Anliegen offen zeigte und Zutritt zur Anlage gewährte. Auf dem Spielfeld war zunächst kein großer Klassenunterschied zu erkennen. Der Oberligist hielt im ersten Durchgang wacker mit, der RWE erzielte dennoch zwei Tore, der traumhafte Treffer vom Strafraum-Eck in den Giebel durch Neuzugang Dardari, Nationalspieler Luxemburgs, soll gesonderte Erwähnung finden. Nach dem Seitenwechsel konnten den ‚Schwalben‘ nach einer unglücklichen Abwehr-Aktion der Roten den Anschluss erzielen, schienen damit aber die Büchse der Pandora geöffnet zu haben. Noah Pesch, von der älteren in der Bundesliga spielenden Borussia gekommen, schnürte binnen vier Minuten den Hattrick und vorentschied die Partie damit im Alleingang. Der abgestaubte Schlusspunkt durch Strafraum-Monster Marek Jansen war nur noch Kosmetik.
ETSV-Sportanlage, 120 Zuschauer, Bezirksliga Unterfranken West
Würzburg ist außerhalb von Nordrhein-Westfalen eine der Städte, in denen ich am häufigsten ein Fußballspiel besucht habe. Das liegt an der strategisch günstigen Lage, denn beinahe jede Heimreise aus Bayern führt an der Stadt am Main vorbei. So bot sich auch heute auf dem Weg zurück in den Ruhrpott eine passende Gelegenheit. Die betagte Anlage des ETSV war das Ziel. Üblicherweise liegen die Sportanlagen von Eisenbahner-Sportvereinen unmittelbar neben oder gar auf einem Bahngelände. Das ist in Würzburg nicht der Fall, raubt der Spielstätte aber keinen Millimeter seines Charmes. Darüber, was dem Rasenspielfeld in jüngerer Zeit passiert sein mag, kann man nur spekulieren. Ich habe jedenfalls selten einen Naturrasenplatz gesehen, der weniger zum Bespielen taugte. Die Verletztungsgefahr lauerte hier hinter jedem Halm, sodass es beinahe einem Wunder glich, dass alle Akteure das Spiel unversehrt beenden durften. Ein ordentliches Spiel aufzuziehen war ein Ding der Unmöglichkeit, so dass die Darbietung in keiner Sekunde der Spielklasse angemessenes Niveau erreichte. So blieben die Highlights die Anlage selbst und der Panorama-Blick auf die Festung Marienberg.
Den Tagesabschluss bildete diese Partie im Münchener Speckgürtel. Das Angebot an Fußball-Veranstaltungen am Samstag-Abend war begrenzt, so dass ich meine Testspiel-Aversion mal beiseiteschob und das fröhliche Gebolze zwischen dem gastgebenden Kreis- und dem besuchenden Bezirksligisten im beschaulichen Willi-Widhopf-Stadion mit meiner Gegenwart beehrte. Ehrlicherweise sei gesagt, dass ein pünktliches Erreichen nach einem Unwetter-bedingten Beinahe-Stillstand auf der Autobahn, kombiniert mit dem Wunsch, erst noch das Fahrzeug an der Unterkunft abzustellen, für uns nicht möglich war. Angesichts des unbedeutenden Spiels war mir das aber auch herzlich egal. Das Stadion wirkt mit einer überdachten Sitztribüne und einer ungedeckten Stehgeraden mit ein paar Klappsitzen auf der Gegenseite für den TSV etwas überdimensioniert, aber der Verein absolvierte einige Spielzeiten in der ‚Bayernliga‘, wenn diese auch schon ein paar Dekaden zurückliegen. Heuer war der TSV den Gästen aus dem nahen Garching weitestgehend ebenbürtig. Im Strafraum war der klassenhöhere Verein aber präsenter und konsequenter, sodass dieser letztlich verdient siegte. Bei frisch gezapftem Gerstensaft aus dem Vereinsheim bildete dieses Spiel einen gelungenen Tagesausklang.
Waldstadion, 180 Zuschauer, Bezirksliga Niederbayern West
Neufraunhofen liegt im Niederbayrischen Hügelland, wo zwischen viel Wiese und Wald ab und an auch mal eine Ortschaft auftaucht. Groß ist der Ort nicht, man muss schon hart bremsen, wenn man das Ortseingangsschild passiert hat, sonst ist man auch direkt wieder rausgefahren. Die schöne, gepflegte Anlage des lokalen Sportvereins liegt einige hundert Meter außerhalb der namensgebenden Ortschaft der Gemeinde zwischen Wäldern und Feldern. Ein schöner Ort, um Fußball zu schauen, Abzug in der B-Note gab es jedoch für das schmale Catering, denn außer Wurstsemmeln wurde dem hungrigen Besucher nichts Bissfestes präsentiert. Reichhaltig, abwechslungsreich und schmackhaft war dagegen das sportliche Angebot. Es wogte hin und her und bei wechselnden Führungen waren die Gäste gegen Ende der Partie dem Sieg nahe. Diesen schnappten sich aber doch noch die Platzherren mit zwei Treffern in der Nachspielzeit.
Stadion an der Laufener Straße, 590 Zuschauer, Oberliga Bayern Süd
Tief im Südost-Zipfel der Republik liegt die Gemeinde Kirchanschöring, die sich immerhin über Oberliga-Fußball freuen darf und dieses schon seit mehr als zehn Jahren. Nach der abgelaufenen Spielzeit erreichte der Verein sogar die Relegation zur Regionalliga, scheiterte aber knapp. Die Spielvereinigung aus Landshut hat nach mehreren Jahren erst im Sommer den Weg zurück in die Oberliga gefunden. Am ersten Spieltag fanden beinahe 600 Zuschauer den Weg ins kleine Stadion, darunter auch einige Gäste von der Isar, optisch erkennbar war aber nur ein halbes Dutzend hinter einem kleinen Lappen am Stankett. Akustisch kam von den paar Versprengten aber überhaupt nichts. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen kam der Neuling dann immer besser in die Partie. Die ‚Spiele‘ belohnte sich für ihren ordentlichen Auftritt nach etwas mehr als einer Stunde mit dem Führungstreffer, den die Gastgeber eine Viertelstunde vor dem Ende wieder egalisierten. Als sich alle schon mit dem Remis arrangiert zu haben schienen, ertönte in der Nachspielzeit noch ein berechtigter Elfmeterpfiff, der den Landshutern den späten Sieg ermöglichte. Insgesamt war die Veranstaltung etwas Sponsoren-überladen, aber halbwegs ansehnlicher Fußball lässt sich ohne finanzielle Unterstützung halt nicht auf die Beine stellen. Auch nicht auf dem Dorf.