Köln – So., 22.03.2026, 19:30

FC Viktoria Köln vs Rot-Weiss Essen 1:2

Stadion im Sportpark Höhenberg, 6.640 Zuschauer, 3.Liga

Auch das Auswärtsspiel der Roten auf der Kölner ‚Schäl Sick‘ hatte ich ursprünglich nicht auf der Speisekarte. Ursprünglich wurde dieses Wochenende für den Ausflug mit der buckligen Verwandtschaft sogar gezielt ausgewählt, da mich der Trip zur Viktoria prinzipiell nur nervt. Dem eigentlich einzigen Pro mit der kurzen Anreise standen zwei schwere Kontras entgegen. Zum einen das Stadion, welches einfach nur nervt. Die stattliche Haupttribüne ist noch recht ansehnlich, der Gästebereich dagegen einfach nur unappetitlich, denn die flache auf der alten Bausubstanz ruhende Stehgerade ist kein wirkliches Fundament für gute Stimmung. Der Stahlrohr-Sitzblock für die Gäste wurde in die Ecke gezwängt und auch die winzige, mit bloßem Auge kaum zu erkennende Vikki-Szene kann sich auf ihrem Metallgerüst kaum wohlfühlen. Dazu erinnert der VIP-Bereich hinter dem nördlichen Tor eher äußerlich an ein Billard-Cafe. Zum anderen litt der glorreiche RWE in den letzten Spielen im Stadtteil Höhenberg an chronischer Erfolg- und Torlosigkeit. Seit mehr als 13 Jahren konnte kein dreifacher Punktgewinn erreicht, in den letzten fünf Spielen nicht einmal ein Tor erzielt werden. Überhaupt war keine Torflut zu erwarten, in den zehn Spielen seit dem letzten RWE-Sieg im rechtsrheinischen Köln fielen gerade einmal genauso viele Tore, in den letzten fünf Partien gar nur deren zwei. Die späte Anstoßzeit, die eben nach Rückkehr aus Niedersachen die Option öffnete, und der aktuelle Erfolgslauf animierten mich dann doch anzureisen und dem Gesetz der Niederlagen-Serie nach musste ja auch diese irgendwann mal reißen.
Nach unsäglichen durch die Presse angefeuerten Diskussionen, dass es nicht gelingt, in Essen eine Aufstiegseuphorie zu entfachen und nicht alle verfügbaren Gäste-Tickets im Vorfeld des Spiels vergriffen waren, befanden sich unter den sechseinhalbtausend letztlich doch an die 4.000 aus der Ruhr-Metropole. Davon mindestens ein Drittel auf der Haupttribüne, die einfach eine bessere Sicht auf das Geschehen und als einzige Tribüne einen Wetterschutz bietet, auch wenn letzteres heute zu vernachlässigen war. Nach drei Siegen reiste der RWE mit breiter Brust an. Alonso präsentierte dann aber direkt mal wieder einen seiner seltenen aber immer wieder mal auftretenden Aussetzer, zum Glück folgenlos. Der sonst insgesamt wieder starke Verteidiger legte einem Kölner Stürmer die Murmel nach vier Minuten in den Lauf, dieser war aber von dieser Großzügigkeit dermaßen übermannt, dass er das Spielgerät über das Tor drosch. Dann nahmen die Roten Fahrt auf. Nach zehn Minuten eroberte Alonso im Mittelfeld vom Gegner den Ball, dieser gelangte zu Müsel, der wiederum auf Mizuta durchsteckte. Der quirlige Japaner legte nach rechts auf den mitgelaufenen Abiama ab, welcher kompromisslos abschloss und die Murmel ins rot-weisse Glück beförderte. Auch die nächste Situation ging über Müsel, der einen herrlichen Diagonalpass auf Abiama schlug, der eine lang und länger werdende Flanke auf den zweiten Pfosten servierte, wo der einlaufende Brumme nur wenig mehr als eine Minute nach dem ersten Treffer direkt erhöhte.
Doppelschlag, es lief also. Etwas zu gut, denn die Psychologie der Führung ermunterte die Roten, den Fuß vom Gas zu nehmen. Die Gastgeber wurden etwas agiler, kamen aber nur zu einem gefährlichen Abschluss nach einer halben Stunde, als sich Golz strecken musste, um einen Kopfball zu entschärfen. Ansonsten verwaltete der RWE die Führung unaufgeregt und Abiama hätte den Sack mit dem Pausenpfiff eigentlich schon zuschnüren können. Völlig unnötig kam die Viktoria dann nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff zum Anschluss. Nach einer Freistoßflanke pingpongte die Murmel durch den Sechzehner und Alonsos Klärungsversuch kurz vor der Torlinie fand nur noch ins eigene Netz. Kein guter Tag für den Leistungsträger, der auch noch seine fünfte gelbe Karte sah und dadurch im Derby gegen Meiderich fehlen wird. Danach passierte erst einmal nicht viel, wenn man von einer blauen Rauchdose absieht, welche die MSV-Szene wohl vorher schon mal als Derby-Gruß im Away-Sektor versteckt hatte und die nun von ein paar ‚Terroristen‘ von draußen ferngezündet wurde. Zwanzig Minuten vor dem Ende zündete langsam auch die Viktoria und bereitete der RWE-Defensive ordentlich Beschäftigung. Diese löste die gestellten Aufgaben aber fast fehlerfrei und da die eigenen Konterchancen mal wieder desaströs gespielt wurden, blieb es beim knappen Auswärtssieg und der glorreiche RWE grüßt zum allerersten Mal seit dem Aufstieg in die Dritte Liga von einem direkten Aufstiegsplatz.

Nienburg – Sa., 21.03.2026, 16:00

SV Inter Komata Nürnberg vs SC Marklohe 1:0

Mußriedestadion, 120 Zuschauer, Kreisliga Nienburg
Dieser Spielbesuch kam tatsächlich mal recht spontan zustande, denn eigentlich war während des jährlichen Familien-Wochenendes in der Lüneburger Heide gar kein Kick vorgesehen. Aus einer kurzfristigen Planungsänderung heraus ergab sich aber der ‚Genuss‘ dieser Kreisliga-Partie im Nienburger ‚Mußriedestadion‘, welches mit auf allen vier Seiten angelegten Stufen und einer noch recht jungen, hölzernen und überdachten Sitztribüne aufwartet. Der SV Inter Komata dürfte ein Verein mit kurdischem Hintergrund sein, denn das Wappen vereint die Farben der autonomen Region Kurdistan und den Adler, das Wappentier der Kurden. Eine Familie scheint sehr mit dem Verein verwurzelt zu sein, denn allein acht Spieler des Kaders, sowie Trainer und Betreuer, tragen den Nachnamen Boran. Die Gäste traten etwas favorisiert an, konnten diese Rolle aber nicht ausfüllen. Inter konnte Mitter der ersten Hälfte durch einen abgefälschten Schuss in Führung gehen. Und es kam noch dicker für Marklohe, denn zehn Minuten später wurde einer ihrer Spieler mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen. Zwar schafften sie es, die Unterzahl zu kompensieren und drückten in der Schlussviertelstunde gar auf den Ausgleich, wurden aber nicht wirklich gefährlich. Die Gastgeber vergaben die Konterchancen dagegen reihenweise. Der Ton der Partie blieb übrigens insgesamt sehr ruhig. Wenn es lauter zuging, war meist das Gäste-Team verantwortlich. Auch wenn es eigentlich traurig ist, dieses extra zu erwähnen, kann man es ja mal hervorheben.

Gladbeck – Mi., 18.03.2026, 19:30

Adler Ellinghorst vs SSV/FCA Rotthausen 4:3 n.E.

Sportanlage Wittringer Wald, 100 Zuschauer, Kreispokal Gelsenkirchen Viertelfinale
Das milde Wetter animierte mich dazu, unter der Woche ein Spiel auf Kreisebene zu schauen, das passiert in der kalten Jahreszeit eher selten. Die Wahl fiel auf das Kreispokal-Duell zwischen Adler Ellinghorst aus Gladbeck und dem SSV/FCA Rotthausen aus der verbotenen Stadt. Gespielt wurde auf Asche, was ja ein aussterbender Untergrund, aber untrennbar mit meiner eigenen schillernden Karriere verbunden ist, daher sehe immer noch gerne Spiele auf diesem etwas unberechenbaren Boden. Das FCA im Vereinsnamen der Gastmannschaft steht für den 1.FC Achternberg, der um die Jahrtausendwende mit dem SSV Rotthausen zum SSV/FCA fusionierte. Obwohl das Viertelfinale im Kreispokal stattfand, werden in dieser Runde nur zwei von vier Partien gespielt. Während mit Adler Feldmark ein Verein seine Mannschaft komplett vom Spielbetrieb zurückzog, verzichtete mit dem VfL Grafenwald ein Kreisligist auf den Antritt beim Westfalenligisten SSV Buer mit der Begründung, dass an einem Wochentag nicht genügend Spieler zur Verfügung stünden. Oder hatte man schlicht kein Interesse sich bei einer drei Ligen höher agierenden Truppe ein Dutzend Dinger einzufangen? Na ein Glück, dass die ausgewählte Partie angestoßen wurde. Während das Niveau am Grillstand absolut überzeugen konnte, war es um jenes auf dem Spielfeld nicht so gut bestellt. Mit zunehmender Spieldauer wurde deutlich, dass auch in der Kreisliga A offensichtlich akuter Fachkräftemangel herrscht. Bei je einem Treffer hüben wie drüben endete das Gegurke nach 90 Minuten Spielzeit unentschieden. Die Regularien des westfälischen Fußballverbandes ersparten eine Verlängerung, denn es ging umgehend in die Elfer-Lotterie. Hier waren die Adler das nervenstärkere Team und buchten das Halbfinale ein.

Attendorn – So., 15.03.2026, 15:30

SV 04 Attendorn vs TuS 1886 Sundern 1:1

Bezirkssportanlage Attendorn, 150 Zuschauer, Landesliga Westfalen Staffel 4
Da sich das Wetter nach mehreren Regentagen wieder von der besseren Seite zeigte, packte ich die beste Gattin der Welt ein und fuhr in Richtung des südlichen Sauerlandes mit Ziel Attendorn am Bigge-Stausee. Dieser war auch das erste Ziel, wo im Cafe auf der Dammkrone gespeist wurde. Den gewonnenen Kalorien wurde im Anschluss mit einem kleinen Spaziergang zu Leibe gerückt, ich denke aber, dass Kartoffelsuppe mit Einlage und Windbeutel mit Vanilleeis und Kirschen unter dem Strich rückblickend der Sieg zuzusprechen ist. Einen Sieg auf dem Kunstgrün gab es hernach nicht zu bestaunen. Der gastgebende SV mit dem unsympathischen Gründungsjahr empfing den TuS Sundern zum Kellerduell. Beide Teams waren dringend auf Punkte angewiesen, um den Anschluss ans untere Mittelfeld herzustellen. Das gelang aber keinem der Kontrahenten. Nachdem die Hausherren früh eine Riesenchance liegen ließen, konnte sie nach 20 Minuten doch die Führung erzielen, kassierten aber nur zwei Zeigerumdrehungen später direkt den Ausgleich. Die Partie verflachte danach zusehends und lebte eher von der Spannung. Vor allem in der Schlussphase betrieben beide Offensiven Chancenwucher, so dass es beim Remis blieb, das keinem wirklich weiterhilft. Gespielt wurde wie vorab kommuniziert auf dem Kunstrasenplatz mit kleiner Sitztribüne. Auf Nachfrage war zu erfahren, dass der Naturrasen mit der größeren Tribüne beinahe ausschließlich für den Trainingsbetrieb genutzt und nur noch selten im Meisterschaftsbetrieb bespielt wird. Attendorn darf sich übrigens offiziell mit dem Titel ‚Hansestadt‘ schmücken, da sie im Mittelalter regen Handel mit den Städten an Nord- und Ostsee betrieb.

Essen – Sa., 14.03.2026, 14:00

Rot-Weiss Essen vs FC Erzgebirge Aue 4:2

Stadion an der Hafenstraße, 16.537 Zuschauer, 3.Liga
Der FC Erzgebirge Aue ist im Grunde weder für den glorreichen RWE noch für mich ein hervorzuhebender Gegner und dennoch – ich will es jedoch nicht überhöhen – war dieses Spiel ein leidlich besonderes. Und zwar einzig und allein bedingt durch die Trainerpersonalie, denn der Mann an der Linie der ‚Schachter‘ heiß seit einigen Wochen Christoph Dabrowski, der bekanntermaßen vor dem aktuellen RWE-Coach Uwe Koschinat zweieinhalb Jahre für das sportliche Geschehen an der Hafenstraße verantwortlich war. Mit Dabrowski als RWE-Trainer wurde ich nie warm. Von Anfang an nicht. Zu dröge und emotionslos wirkte der Mann auf mich. Auch eine leidlich erfolgreiche zweite Drittliga-Spielzeit, welche durchaus mit einem Aufstieg hätte enden können, was aber nach meiner Meinung eben durch Dabrowskis Coaching erfolgreich verhindert wurde, konnte mich nicht davon ablenken, schon frühzeitig für eine Veränderung auf dieser Position zu plädieren. Auch rhetorische Schwächen und immer gleich lautende Statements und Pressekonferenzen bekräftigten mich in der Meinung, dass der Mann nicht der richtige für diese Aufgabe ist. Als er dann kurz vor knapp endlich von seiner Aufgabe entbunden wurde, hielt ich es für möglich, dass er nie wieder einen Posten ab der Dritten Liga aufwärts bekommt. Aber ähnlich wie erfolglose Fußballer fällt ja auch erfolgloseste Übungsleiter immer wieder auf die Füße und finden einen neuen Job. Und so traf die Vereinsführung des FC Erzgebirge Ende Januar im Zuge des einsetzenden Negativlaufes eine verhängnisvolle Entscheidung, setzte Jens Härtel vor die Tür und verpflichtete eben Dabrowksi.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Erzgebirgler einen Punkt Rückstand auf das rettende Ufer. Vor dem heutigen Aufeinandertreffen, sechs Spiele später, sind es deren acht. Bei zwei Remis und zuletzt vier Niederlagen ist das Team unter Dabrowksi noch sieglos und inzwischen seit neun Spielen insgesamt ohne dreifachen Punktgewinn. Es geht dem Verein also nicht gut, der Abstieg droht. Dass sich Dabrowski vor dem Spiel sehr wohlwollend über seinen Ex-Club RWE äußerte, konnte mich nicht davon abhalten, im Stadion spaßeshalber „Dabro raus“ zu schreien. Ich zweifle nicht daran, dass er ein guter Typ ist. Sein Talent als Trainer halte ich aber für stark begrenzt, insbesondere was Motivationsfähigkeiten und mentale Stärke angeht, und nach meiner bescheidenen Meinung hat er den Deutschen Meister von 1955 in seiner Entwicklung nur aufgehalten und nicht nach vorne gebracht. Dem FC Erzgebirge stand also das Wasser bereits bis zum Hals. Dennoch rafften sich etwas mehr als 200 Anhänger zum 500 Kilometer-Trip quer durch die Bananenrepublik auf. Die Ultra-Szene der Sachsen ist seit einigen Monaten im Block nicht mehr optisch erkennbar, sondern verschwimmt mit der Masse der normalen Anhänger. Grund dafür ist, dass wichtige Zaunbanner der Gruppen unter fragwürdigen und bis heute nicht aufgeklärten Umständen verloren gingen. Neue Fahnen wurden nicht gefertigt, da steht der Ultra-Kodex im Weg, und so war der Gästeblock nicht nur dünn besiedelt, sondern auch dünn beflaggt. Zumindest die akustische Unterstützung wurde aber fortgeführt.
Die Westkurve eröffnete mit einer Choreo im zentralen Bereich der Tribüne. Hinter einem Zaunbanner mit der Aufschrift ‚Das Chaos im Herzen‘ waren rot-weiße Bänder bis ganz oben in den Block gespannt worden, was eine Spur an die Optik südamerikanischer Kurven erinnerte. Dazwischen gab es ein Durcheinander aus Doppelhaltern, Fahnen, Konfetti und Wurfrollen zu sehen, eben ein Chaos. Koschinat schickte eine etwas veränderte Elf ins Spiel. Die im zweiten Durchgang in Hoffenheim sehr agile Achse mit Bouebari und Brumme auf links wurde gewählt, Müsel rutschte für den gesundheitlich angeschlagenen Gjasula ins Team. Außerdem kehrte Golz nach seiner auskurierten Knieverletzung zurück. Nach etwas durchwachsenem Beginn nahm die Partie dann ordentlich Fahrt auf. Nach einer ersten Chance für Aue übernahm der Deutsche Meister von 1955 langsam die Regie. Brumme und Müsel scheiterten noch, aber der Letztgenannte sollte kurz darauf erfolgreich sein. Eine abgewehrte Brumme-Freistoßflanke wurde von der Auer Defensive nicht konsequent genug geklärt. Alonso machte den Ball von außen wieder scharf und dann bekamen die Lila-Weißen die Murmel nicht aus dem Sechzehner. Über den Kopf von Reisig landete das Ding bei Müsel, der völlig beschissen mit dem Rücken zum Tor stand und das Spielgerät daher einfach aus gut sieben Metern mit der Hacke Richtung Tor beförderte. Fand der Ball wohl gut, denn dieser rollte in aller Ruhe am überraschten Auer Torwart-Ur-Gestein Männel vorbei ins lange Eck.
Das sollte der Auftakt für wilde zehn Minuten sein. Erneut klärten die Veilchen eine Flanke nicht konsequent. Brumme nahm die Kirsche in halblinker Position 30 Meter vor dem Tor auf und legte quer auf Hofmann, der viel Zeit hatte um Maß zu nehmen und das Leder in die linke obere Triangel des Gästegehäuses zu befördern. Was für eine Fackel! Der junge Leihspieler des 1.FC Nürnberg hat ja einen harten und präzisen Schuss. Außerdem ist er als Verteidiger laufstark, bissig und dennoch mit Offensivdrang ausgestattet. Wird schwer, den Jungen bei seinem aktuellen Aufwärtstrend vom ‚Glubb‘ loszueisen. Damit nicht genug. Männel hatte den Ball nach einem abgefangenen RWE-Angriff eigentlich sicher, wollte das Spiel schnell machen und beförderte das Ei dann aber kurz auf einen Verteidiger knapp hinter die Strafraumgrenze. Der arme Kerl geriet direkt in die Zange aus zwei Roten, die ihm die Murmel wegspitzelten. Marek Janssen nahm sich des herrenlosen Spielgerätes barmherzig an, drehte sich kurz und zirkelte es per No-Look-Schlenzer über Männel ins Netz. Nun versank die Kurve wirklich im Chaos. Spiel entschieden? Eher nicht. Drei-Tore-Führungen gegen Abstiegskandidaten können in dieser Liga trügerisch sein. Dem war auch so. Völlig unerwartet kamen die Gäste in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch einen abgefälschten Schuss zum Anschluss.
Und weil Dabrowski auf zwei Positionen die richtigen Wechsel vornahm und der RWE im zweiten Durchgang überhaupt nicht an den Terror aus Durchgang eins anknüpfen konnte, wurde es nochmal eng. Nach einer Stunde köpfte Bär zum sich inzwischen abzeichnenden Anschluss ein, was das Selbstvertrauen der Rot-Weissen nicht förderte. Der RWE fand offensiv gar nicht mehr wirklich statt und Golz verhinderte die totale Katastrophe mit einem Wahnsinns-Reflex. Aus kurzer Distanz parierte er einen Kopfball eines Auers. Vom ausgestreckten Arm des Torhüters prallte die Kirsche dann unkontrolliert auf den Fuß des Stürmers und eierte von dort an den linken Außenpfosten. Da hatte die Murmel schon ziemlich schief ins Tor gelünkert. Dass es zum Ausgleich nicht kam, lag letztlich an der Unvollkommenheit der Gäste-Offensive. Der RWE fing sich dann langsam und Mizuta erlöste seinen Verein eben mit einem klassischen Mizuta-Treffer. Von Abiama im Strafraum bedient, fackelte er nicht lange und jagte die Kugel aus 15 Metern in die Maschen. Damit war die Biene endgültig im Stock und den Holzmicheln nun der Mut genommen. Der Anhang der Lila-Weißen hatte den organisierten Support nach dem dritten RWE-Treffer übrigens bereits eingestellt. Der Rapport am Zaun nach dem Abpfiff fiel dennoch moderat aus, im Geiste scheint sich das Umfeld schon mit dem Abstieg abgefunden zu haben. Anders sieht es bei den Roten aus, die nun auf Platz Drei wieder fett im Aufstiegsgeschäft sind.

Mülheim an der Ruhr – So., 08.03.2026, 15:30

VfB Speldorf vs VfB Bottrop 5:1

Sportplatz Saarner Straße, 300 Zuschauer, Landesliga Niederrhein Gruppe 2
Was habe ich mich wieder gequält, bis ich eine Entscheidung getroffen hatte, wo es heute hingehen sollte! Der nähere Umkreis sollte es sein und auf völliges Gerümpel hatte ich keine Lust, daher sollte es schon ein gewisses Spielniveau sein. Eine neue Anlage zu entdecken ist nur noch schwer möglich, auch wenn es immer noch ein paar räumlich nahe Lokalitäten in meiner Liste gibt, die beizeiten mal besucht werden wollen. Letztlich bekam aber die recht ansehnliche Sportanlage an der Saarner Straße in Mülheim-Speldorf den Zuschlag, wo man nach einem Dutzend Jahreswenden ja auch mal wieder aufschlagen kann. Auf der Hauptseite befindet sich über etwa die halbe Länge des Spielfeldes eine mehrstufige Tribüne, welche sowohl in sitzender als auch stehender Haltung genutzt werden kann. Vor dem Umbau, der Anfang der Zehner Jahre vollendet wurde, wurde der damalige Hartplatz über die ganze Länge von einer Stehtribüne flankiert, die sich bis weit in die Kurve zog. Aber auch im aktuellen Zustand macht der Ausbau was her. Der VfB aus Speldorf, der ja eigentlich an der guten alten ‚Blötte‘ daheim ist, welche einer Neubausiedlung zum Opfer fiel, und der deshalb seit dem Umbau der Anlage an der Saarner Straße spielt, empfing den VfB aus Bottrop. Die Bottroper waren ungeschlagen durch die Hinrunde gerauscht, sind aber inzwischen völlig aus dem Tritt geraten. Gegen die Speldorfer, Anführer des Tabellenmittelfeldes, setzte es eine deutliche wie verdiente Niederlage und zwar die dritte in Folge.

Sinsheim – Sa., 07.03.2026, 14:00

TSG 1899 Hoffenheim U23 vs Rot-Weiss Essen 2:4

Dietmar-Hopp-Stadion, 1.465 Zuschauer, 3.Liga
Auswärts bei der U23 der TSG Hoffenheim. Klingt wie eine Höchststrafe, empfand ich aber – nicht wenigen Lesern wird das paradox erscheinen – als gutes Ziel. Zum einen wurde in einem Stadion gespielt, in dem der RWE noch nie vorher antrat, welches dazu in einem 3.500-Seelen-Ort liegt. Zum anderen ist die Lage durchaus speziell, nämlich am Ortsrand oberhalb von Hoffenheim, das ja Teil von Sinsheim ist, gelegen, was vom Gästeparkplatz einen kurzen Aufstieg durch den Wald zum Stadion erfordert. Da sich ein paar bekannte, allerdings einem anderen Verein zugewandte Gesichter angekündigt hatten, entschied ich mich gegen die Spielbeobachtung aus dem Gästeblock und verfolgte die Partie, wie nicht wenige andere Rot-Weisse, aus dem Heimbereich, wo mangels aktiver TSG-Fans alles entspannt ablief. Das alte Stadion der TSG verfügt über die Besonderheit, dass sich auf der Gegenseite platzbedingt nur eine kleine Stehtraverse mit vier Stufen befindet. Hinter dieser baut sich eine überproportional hohe Dachkonstruktion auf, die vermutlich eher Lärm- als Wetterschutzfunktion beweist, um den dahinter wohnenden Hausbesitzern die Nachmittagsruhe in nur möglichst geringem Maße zu entziehen. Für den Publikumsverkehr freigegeben ist diese ‚Tribüne‘ in der 3.Liga nicht. Fällt es in dieser Liga ja ohnehin schwer, eine Prognose zum erwartbaren Spielverlauf abzugeben, ist dieses für Aufgaben bei Zweitvertretungen der Erst- und Zweitligisten beinahe vollkommen unmöglich. Also ging ich tiefenentspannt in diese Partie und ließ mich mal überraschen, was ich so geboten bekomme.
Und das war dann auch gar nicht mal so gut. Von beiden Teams wohlbemerkt. Zwar durfte die TSG schon nach wenigen Zeigerumdrehungen jubeln, der Stadion-DJ durfte die Tor-Musik aber schnell herunterregeln – der Ball war bereits im Toraus bevor er in die Maschen fand. Ansonsten hatte man teilweise das Gefühl, einem sommerlichen Test-Kick in Zeitlupe beizuwohnen, so langsam und schleppend war der Spielaufbau. Dass das eher unterdurchschnittliche Gekicke der ersten Spielhälfte aus Hoffenheimer Sicht wohl etwas besser aussah, lag nur daran, dass die TSG nach 20 Minuten doch in Führung ging. Nach magerem Essener Defensivverhalten schloss Torjäger Zeitler platziert ab. Das interessierte übrigens genau elf Leute und zwar die auf dem Platz. Ich weiß gar nicht warum sich außer den 950 RWE-Anhängern überhaupt jemand ins Stadion bemüht hatte, denn es war beim vermeintlichem TSG-Publikum keinerlei Reaktion zu erkennen oder zu hören. Vor dem Treffer war der RWE gerade etwas besser in die Partie gekommen und bemühte sich nun, diesen Trend zu entwickeln. Die Gastgeber hatten aber definitiv öfter den Ball als der glorreiche Deutsche Meister von 1955. In der Nachspielzeit von Hälfte eins erzielte aber RWE-Torjäger Janssen dann eben im Stile eines Torjägers nach feinem Schaufelpass von Mizuta, der seine Schwächephase offenbar überwunden hat, aus dem Nichts den Ausgleich.
Obuz, der einfach nicht in die Spur findet, wurde zu Beginn des zweiten Durchgangs durch Brumme ersetzt und dieser erfüllte damit eine deutlich offensivere Rolle als üblich. Er sollte Koschinats Entscheidung rechtfertigen, denn er machte über die linke Seite im kongenialen Zusammenspiel mit Bouebari mächtig Dampf. Zunächst richtete sich der Focus aber nach einer Stunde Spielzeit nochmal auf Janssen, der durch die Hosenträger des TSG-Schlussmanns zu Führung einköpfte. Nur ein paar Minuten später war diese aber wieder dahin. Gjasula versuchte verzweifelt seinen Körper zwischen Gegenspieler und Ball zu bekommen und fiel im eigenen Strafraum mit der Hand auf den Ball. Nach Golz und Wienand ist auch Casali wohl kein Elfer-Killer und entschied sich gekonnt für die falsche Ecke. Aber es war zu spüren, dass der RWE an sich glaubte und moralisch stärker unterwegs war als die Gastgeber und so ging es weiter nach vorn. Knapp zehn Minuten nach dem Elfer für die TSG gab es auch einen solchen für die Roten. Brumme war, von Bouebari mit feinem Pass eingesetzt, unterwegs in den Sechzehner und wurde humorlos gelegt. Alonso bestätigte seine Funktion als neuer Strafstoß-Schütze und lochte zur erneuten Führung ein. Es sah nun gut aus, auch wenn Didis Werksverein der Stecker noch nicht ganz gezogen war. Es gab hüben wie drüben Möglichkeiten und in der Nachspielzeit wurde es noch mal wild. Die RWE-Defensive vereitelte aber im Kollektiv den Ausgleich und Müsel war es, der im Gegenzug mit Treffer Nummer vier die drei Punkte endlich gesichert auf die Habenseite zog. Damit hat das Team den Anschluss an die Aufstiegsregion wieder hergestellt und Capitano Schulz beschwor bei den gemeinsamen Feierlichkeiten am Zaun den Zusammenhalt zwischen Fanszene und Mannschaft. Die Stimmung habe ich insgesamt als überdurchschnittlich wahrgenommen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es mangels gegnerischer aktiver Szene relativ einfach war, den Laden zu rocken und der Veranstaltung den rot-weissen Stempel aufzudrücken.

Essen – Mi., 04.03.2026, 19:00

Rot-Weiss Essen vs SV Waldhof Mannheim 07 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 15.737 Zuschauer, 3.Liga
Es sollte ein denkwürdiger Abend werden, da ein Feuerwerk abgebrannt wurde, nur leider nicht von den teilnehmenden Mannschaften. Das Intro der Westkurve stand im Zeichen des 25-jährigen Jubiläums der ‚Alte Garde Essen‘, einer in letzter Zeit nicht mehr groß öffentlich in Erscheinung tretenden Gruppierung aus der ‚Hau drauf‘-Sparte. „Ob Straße, ob Wald – Hauptsache et knallt!“ stand in großen Lettern am Zaun zu lesen, hinter dem auf voller Breite rote Fackeln gezündet wurden. Auch im weiteren Verlauf der ersten Hälfte wurden immer mal wieder ein paar Bengalos in gasförmigen Stoff verwandelt. Mit Spannung war erwartet worden, wie der glorreiche RWE mit den beiden Niederlagen in den beiden aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen in Osnabrück und Rostock umgehen und darauf reagieren würde. Die Roten diktierten dann die ersten Minuten der Partie, ehe sich auch der von gut 400 Fans begleitete Waldhof mal in Bewegung setzte. In der Folge gab es dann hüben wie drüben zaghafte Versuche, echte Torgefahr war allerding selten. Mizuta hatte noch die beste Gelegenheit, auf der Gegenseite musste Wienand bei einem Kracher vom Strafraum reflexartig die Faust hochreißen. Insgesamt hatten die Rot-Weissen aber mehr von der Partie ohne jedoch die Gäste wirklich zu beherrschen und es blieb das Gefühl, dass die ‚Barackler‘ jederzeit gefährlich werden können. Nach einer halben Stunde erzielte Janssen die Führung. Kapitän Schulz, eigentlich ja eher ein Holzfuß, spielte einen perfekten Flugball aus der eigenen Hälfte genau in den Lauf des Stürmers, der die Kirsche optimal mitnahm, noch einen Verteidiger aussteigen ließ und dann frei vor dem Waldhof-Schnapper cool einschob. Hofmann hatte vor dem Seitenwechsel per Distanzschuss noch die Chance zu erhöhen, das hätte dem Spielverlauf aber auch nicht entsprochen.
Die erste Phase nach dem Seitenwechsel gehörte erneut den Roten. Die Gäste trauten sich dann nach einigen Minuten auch mal wieder über die Mittellinie, verloren aber nach ungenauem Zuspiel den Ball. Es ging ab in Richtung Waldhof-Tor, Janssen bekam die Kopfball-Chance, aber aus kurzer Distanz in der Rückwärtsbewegung mit seiner Murmel nicht genug Druck hinter die Murmel. Mitten in den Umschaltmoment, hatte es ordentlich durch das Stadion gerumst. Nicht völlig brutal, aber doch unangenehm laut. Schon im ersten Durchgang waren in der Westkurve zwei Böller gezündet worden. Deutlich weniger laut, aber genauso verwerflich. Was soll das!? Ich verstehe es einfach nicht. Den verantwortungsvollen Einsatz von optisch wahrnehmbarer Pyrotechnik befürworte ich. Böller haben aber null optischen Wert, machen einfach nur Krach und sind aufgrund der explosiven Eigenschaften, Lautstärke und Schalldruck einfach nur sinnlos und gefährlich. Das wurde auch zurecht mit Pfiffen und Empörung quittiert. Das Teil, welches im Gästeblock gezündet oder aus diesem abgesendet wurde, hatte aber eine andere Qualität. Aufgrund der aus dem rot-weissen Gegenangriff entstehenden Torraumszene, bekam es zunächst kaum jemand mit, aber danach richteten sich alle Blicke auf RWE-Torhüter Wienand, der im eigenen Strafraum kauerte und sich Kopf und Ohren hielt. Auch der Schiedsrichter hatte die Beeinträchtigung von Wienand erst verspätet wahrgenommen und musste sich nach der Ursache erst einmal erkundigen. Die anschließende Maßnahme war nachvollziehbar und ist durch den Verband vorgeschrieben. Das Spiel wurde unterbrochen, um dann über die Fortsetzung zu diskutieren.
Es dauerte lange. Für meine Geschmack zu lange und ich empfand es auf eine Art erstaunlich, wie ruhig das Publikum nach anfänglichen Unmutsbekundungen gegen die Gäste-Fans blieb. Nach ziemlich exakt einer Dreiviertelstunde wurde die Partie tatsächlich fortgesetzt. Für meinen persönlich Geschmack skandalös, war das aber letztlich eine Entscheidung des Unparteiischen, dessen Beweggründe ich nicht kenne und daher nicht bewerten kann, und auch die Sicherheitsorgane durften bestimmt ihren unsäglichen Senf dazugeben. Für Felix Wienand ging es allerdings nicht weiter, dieser wurde zur ärztlichen Untersuchung ins Krankenhaus, später sickerte die Diagnose Knalltrauma mit akuter Belastungsreaktion durch. Für ihn kam Tino Casali in die Partie, der im Winter als Backup verpflichtet wurde, nachdem sich Jakob Golz verletzte. Casali fischte direkt eine Flanke und wehrte einen unorthodoxen Ball aufs kurze Eck stark ab, bekam dadurch Sicherheit. Er spielte insgesamt eine unaufgeregte Partie und strahlte damit Ruhe aus, das hat mir gut gefallen. Der nächste Aufreger ließ aber nicht lange auf sich warten. Waldhof-Stürmer Boyd ging mit zu hoher Extremität zum Ball und traf Hofmann unglücklich und sicher ungewollt im Gesicht. Ein Platzverweis sieht das Regelwerk dafür dennoch vor und der RWE war fortan in Überzahl. Optisch machte sich das aber lediglich dadurch bemerkbar, dass der Waldhof nun annähernd gar nicht mehr in den RWE-Sechzehner kam, ansonsten konnte die Gäste die Unterzahl gut kompensieren.
Auch für die Roten gab es nicht mehr viel Gefährliches. Brumme brachte einen schönen Freistoß in Richtung des rechten Torgiebels auf den Weg, den der Waldhof-Torhüter stark parierte. Ansonsten glänzten die Roten mal wieder damit, ihre Kontermöglichkeiten zu unsauber oder zu umständlich auszuspielen. Einfluss auf das Endergebnis hatte das nicht mehr. Positiv bleib anzumerken, dass die Westkurve den Gäste-Schlussmann vor ihrer Nase nach der Fortsetzung des Spiels komplett in Ruhe ließ. Eigentlich absolut selbstverständlich und doch ein wenig bemerkenswert, denn nicht nur auf den Anhang der ‚Buwe‘, sondern auch auf das Team fokussierte sich natürlich der Unmut. Beides eigentlich nicht berechtigt, da es ja nun mal ein Einzeltäter war, der nicht für den ganzen Verein steht. Nicht so positiv war, dass einige Gäste-Akteure nach dem Schlusspfiff auf dem Weg zu den eigenen Fans Faxen in Richtung der RWE-Fans machten. Auch wenn Provokationen von der Tribüne kamen, hätten sie das unter den besonderen Bedingungen einfach reaktionslos aushalten sollen. Trotz des wichtigen Sieges mit dem man wieder in Richtung des Relegationsplatzes schielen darf, war es irgendwie ein gebrauchter Tag, der Erfolg trat etwas in den Hintergrund. Viel Zeit zum Grübeln bleibt nicht, schon am Samstag geht es auswärts weiter bei der Reserve von Didis SAP-Betriebsmannschaft.