
Rot-Weiss Essen vs FC Hansa Rostock 1:1
Stadion an der Hafenstraße, 19.000 Zuschauer, 3.Liga

Hansa rollte mal wieder an und für viele Rot-Weisse bedeutet dieser Gegner ein Highlight-Spiel. Und ja, natürlich hebt sich die Kogge wohltuend von den Viktoria Kölns und Wehen Wiesbadens dieser Welt ab, aber als wirklich besonders fühle ich diese Spiele nicht. Die Bude war natürlich ausverkauft, somit auch der Gästebereich bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie bei den letzten Spielen bekamen die Anhänger der Mecklenburger nur den Stehplatzbereich gestellt. Was ursprünglich mal als Maßnahme gegen drohende Verwüstung gedacht war, finde ich generell nur fair, denn auch der RWE bekommt für die Spiele an der Ostsee nur Steher gewährt. Hansa Ostblock war als selbsternannter Aufstiegsaspirant durchschnittlich in die Spielzeit gestartet, hatte von außen betrachtet etwas panisch und übereilt nach fünf Spielen bereits den Übungsleiter von seinen Aufgaben entbunden. Erste Wirkung hatte diese Aufgabe mit einem darauffolgenden wackeligen Heimsieg bereits gezeigt, so dass eine einigermaßen befreite Gastmannschaft zu erwarten war. Zunächst gab es aber seitens des Schiri-Assistenten eine Reklamation des Tornetzes am Gehäuse vor dem Gästeblock. Die Netzaufhängung war nicht korrekt. Einer arbeitete, drei schauten zu. Vollbeschäftigung quasi – die älteren Semester im Away-Sektor müssten sich wie in der DDR gefühlt haben.
Die erste Spielhälfte war dann für den parteilosen Beobachter sicher keine Freude, die Teams neutralisierten sich zwischen den Strafräumen. Torraumszenen und daraus resultierende Chancen kamen nicht viele zustande, ein paar mehr davon und die besseren aber für die Roten, die nach zwanzig Minuten das Kommando übernahmen, zur Pause stand aber die beidseitige Null. Das Kräfteverhältnis blieb nach Wiederanpfiff unverändert. RWE mit viel Ballbesitz und deutlich zwingender und dominanter als die Gäste. Diese erzielten dennoch die Führung. Den Roten flog ein eigener Einwurf tief in der Hansa-Hälfte um die Ohren. Dem Ballverlust folgte schnelles Umschalten und beim langen Ball in die Spitze sah sich Hofmann plötzlich alleine gegen zwei gegnerische Angreifer. Zwar hatte er den besseren Laufweg und kam als erster an den Ball, doch anstelle einfach humorbefreit zu klären, versuchte er den kontrollierten Kopfball auf den inzwischen eingetroffenen Pesch, der aber ungünstiger zum Ball stand als der spekulierende Krauß, der sein Tempo ausspielte und aus halblinker Position und relativ spitzem Winkel den flachen Abschluss suchte. Die Murmel wurde lang und länger und rollte schließlich zentimetergenau zwischen dem Handschuh von Golz und dem Torpfosten ins lange Eck.
Doch der glorreiche RWE ließ sich nicht beirren und machte weiter. Zwar fehlten mir irgendwie die letzten paar Prozent Bereitschaft, sich bis zum letzten zu quälen, aber es reichte aus, um die Hanseaten in ihre Hälfte zu drängen. Die wenigen sich ergebenden Möglichkeiten waren jedoch noch nicht zwingend genug, um den Ausgleich zu erzielen. So richtig passte es heute nicht zusammen, manche Aktionen dauerten einfach zu lange, manchmal wurde in der heißen Zone im richtigen Moment die falsche Entscheidung getroffen und umgekehrt. Ein Rätsel ist mir nach wie vor die Wechselpolitik von Trainer Koschinat. Einen wuchtigen Stürmer Jansen, der sich bis dahin einige Male in Szene setzen konnte, aus dem Siel zu nehmen und ein ewiges Talent Potocnik zu bringen, der bisher keine Glanzpunkte setzen konnte, mag bei eigener Führung eine Maßnahme sein, aber sicher nicht bei Rückstand. Auch der Eins-zu-Eins-Wechsel auf der Sechser-Position wenige Minuten vor dem Ende, wenn man ja eigentlich alles auf eine Karte setzen muss, erschließt sich mir nicht. In der Schlussminute fuhr die Hansa dann einen blitzsauberen Konter, aber Jakob Golz stellte sich dem entscheidenden Treffer stark in den Weg. Der daraus resultierende Gegenzug brachte doch noch das Remis. Die Hansa-Defensive bekam einen flachen Steilpass von Bouebari nicht geklärt, Telalovic holte sich die Kugel, zog von Linksaußen in den Sechzehner, schloss knapp an der Strafraumgrenze ab und traf wie Krauß rechts unten zum Ausgleich.
Punkt gerettet, was eigentlich zu wenig war, aber wenn Fußball planbar abliefe, würde sich dafür niemand interessieren. Es sei denn man ist Bayern-Fan. Zur Atmosphäre… beide Seiten verzichteten auf besondere optische Aktionen. Die Westkurve bot eine solide Vorstellung, war immer zu hören, auch wenn der ganz große ‚Roar‘ ausblieb. Die Gäste lieferten nach meiner Meinung auch nur ein Standardprogramm ab. Auffallend war, dass auf Schwenkfahnen komplett verzichtet wurde. In einem vollbesetzten Block für die Sicht aufs Spielfeld natürlich eine Wohltat. Warum aber der Support der großen Ost-Vereine immer so gefeiert wird, erschließt sich mir nicht. Klar, die Kurven sind laut. Auch die Mitmachquote ist enorm und kratzt meist am Optimum. Die Anfeuerung selber ist aber null spielbezogen, sondern einfach nur statisch. Es gibt überhaupt keine spontane Reaktion auf das Geschehen auf dem Platz, die Set-List wird sauber und emotionslos abgearbeitet. Das hat für mich gar nichts mir einer lebendigen Kurve zu tun, sondern eher mit militärischer Präzision. Es fehlt der Effekt, die eigene Mannschaft in den entscheidenden Phasen mit emotionaler Reaktion auf das Geschehen zu pushen. Da sehe ich lieber den Waldhof, die Alemannen oder Meppen im Away-Sektor. Dann ist der Block auch voll, es gibt zwar auch mal ruhigere Minuten, aber der Support ist deutlich lebendiger.







































































































