Sonntag, 01.12.2019, 15:00

deutschland

SC Velbert vs TV Dalbecksbaum Velbert 0:3

Sportplatz von-Böttinger-Straße, 500 Zuschauer, Niederrheinliga
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Die Witterung macht es nicht einfacher. Eigentlich hatte ich mich mit dem Thomas auf den Besuch der Kreisliga-Partie in Altena im Märkischen geeinigt, ein kleines aber feines Stadion mit Kunstrasen-Feld. Letzteres ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ja immer ein wichtiger Aspekt, aber das Spiel wurde dennoch wegen Reif-Glätte abgesagt. Alder, jetzt knicken sogar schon die Plastik-Spielfelder vor dem Winter ein! Also wurde die ursprüngliche, allerdings nicht sehr überzeugt anvisierte Partie wieder aktuell – das kleine Velberter Oberliga-Derby zwischen dem SC und dem TVD. Sportlich sicher nicht so verkehrt und auch mit der nötigen Brisanz durch Lokalkolorit und den Umstand, dass beide fett im Abstiegskampf stecken. Aber die Anlage kann halt irgendwie gar nix. Kunstrasen, zum Teil mit Laufbahn ausgestattet, ein Clubheim, Ausbau negativ. Glücklicherweise rannte ich direkt am Eingang MSV-Fan Tim in die Arme, der gleichzeitig ein Arbeitskollege aus früheren Tagen ist, und der die gleiche schlechte Idee hatte. So wurde die Spielbeobachtung von kurzweiligem Palaver begleitet. Arschkalt war es. Verdammt, gerade mal um null Grad und schon spürt man die Füße irgendwann nicht mehr. Irgendwie war ich früher widerstandsfähiger. 500 Zuschauer bildeten einen einigermaßen würdigen Derby-Rahmen. Der Kick fand lange auf Augenhöhe statt, aber im Gegensatz zum gastgebenden Sportclub konnte der TVD einige Torchancen kreieren, von denen im zweiten Durchgang drei genutzt wurden. Dadurch fuhren die Gäste, die einige Jugend-Ultras am Start hatten, einen zu deutlichen Sieg ein, der etwas Luft im Abstiegskampf verschafft.

Sonntag, 24.11.2019, 19:00

marokko

Fath Union Sport de Rabat vs RC Athletic Zemamra 1:1

Stade Prince Moulay Abdallah, 500 Zuschauer, Botola Pro

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Nun hatten wir etwas Zeit, um zurück nach Rabat zu fahren, wo um 19:00 Uhr das zweite Spiel des Tages über die Bühne gehen sollte. Wir setzten uns auf einen Kaffee in eine Bar und dann checkte ich noch einmal die Ansetzungen auf der Seite des marokkanischen Fußballverbands. Und da leuchtete mir doch nun tatsächlich das Stade Prince Moulay Abdallah als Spielort entgegen, statt dem eigenen kleinen Stade de FUS. Das Spiel ging also im großen 50.000er über die Bühne, in dem der deutlich besser supportete Stadtrivale FAR seine Heimspiele austrägt. Völliger Unsinn, da die FUS-Spiele meist nur von einigen hundert Leuten besucht werden. Und absurderweise war es ärgerlich obendrein. Eigentlich ja skurril. Da wird ein Spiel statt in einem schlichten kleinen Ground in einer richtig sehenswerten Hütte angesetzt und man ärgert sich drüber. Normal wär es ja anders herum, aber das Stade Prince Moulay Abdallah sollte irgendwann mal mit einer vernünftigen Partie fallen. Nun gut – spricht ja nix dagegen auch ein zweites Mal dort aufzuschlagen. So richtig endglücklich waren wir mit dem heutigen Tag eh nicht, aber mit der Prämisse, möglichst wenig Aufwand zu betreiben, war das die optimale Lösung. Die Alternative wäre ein Zweitliga-Kick weit im Norden des Landes gewesen. Dieser zwar mit knapp 3.000 Zuschauern und mehr oder weniger überzeugendem Heim- wie Gäste-Support, aber dafür sieben Stunden Fahrt oder mehr für die einfache Strecke? War es uns nicht wert. Jedenfalls hatten wir nun noch mehr Zeit, da die Bude nur wenige Kilometer von unserem Standort entfernt lag. Ich nutzte den gewonnenen Freiraum erst einmal um zum Barber gegenüber zu schlurfen und mir die Gräten aus dem Gesicht schneiden zu lassen. Das mache ich in den arabischen Ländern ja immer ganz gern und finde es immer wieder faszinierend, wie die Klingenkünstler mir mit scharfer Schneide die gewünschte Struktur in die Stoppeln schnibbeln, ohne mir dabei das halbe Gesicht aufzuschneiden. Ein Taxi war nun gefragt, leider durfte uns der Blechritter unseres Vertrauens nicht direkt zum Stadion fahren. In Marokko werden die Taxi-Dienstleistungen in Petit-Taxi und Grand-Taxi unterschieden. Die kleinen Taxi-Jünger dürfen die Grenzen ihrer Kommune nicht verlassen, während die großen Jungs nur überregional on Tour gehen. Damit sich kein Petit-Taxi unerlaubtes Terrain zu eigen macht, hat jede Stadt zwecks Unterscheidung ihre eigene Taxi-Farbe. So war trotz lediglich sieben Kilometern Entfernung ein Umstieg erforderlich.
An der am großen Stadion vorbei laufenden Schnellstraße wurden wir entsorgt. Den offiziellen Ticketverkauf haben wir wohl übersehen, da dieser aufgrund des großen Andrangs im Arabian Style abseits der Ticketschalter lief und Tickets aus der Plastiktüte heraus verkauf wurden. Am Haupteingang angekommen wurden wir dann halt für lau ins Rund gebeten. Da ich aber für eine bessere Foto-Perspektive unbedingt in die Kurve wollte, war plötzlich ein kleines Bestechungsgeld für einen Ordner fällig, der sich einfach nicht abschütteln ließ. Habe ich dann reumütig für uns beide übernommen. Wahrscheinlich hätte man den Typen auch einfach dumm stehen lassen können – hab ich versaut die Nummer. Das wirft einen Schatten auf die Karriere. Aber was soll’s?! Wenn ich irgendwann tatsächlich mal Privat-Insolvenz anmelden muss, wird es nicht an diesen paar Dirham gelegen haben. Erwartungsgemäß war die Hölle los – etwa 500 Leute verloren sich im weiten schönen Rund. Stadionauslastung also ein Prozent, das macht Sinn! Die Bude ist dafür ein absolutes Brett! Warum mich das Ding so anmacht, ist schwer zu sagen, denn es ist einfach nur ein riesiger, aus einem Rang bestehender Kessel mit einer überdachten Haupttribüne. Hingucker ist natürlich das monströse Stahlgerüst, welches sich über die komplette Gegenseite ausbreitet und einen Teil der Beleuchtung trägt. Das Stadion fungiert auch als Nationalstadion des Landes. In die Schalensitze der Gegentribüne ist daher das grüne Pentagramm aus der Nationalflagge farblich eingebettet. Zum Spiel kann ich gar nicht viel sagen, da ich ein wenig umher lief und mich mehr am Stadion als am Gekicke erfreute. Irgendwann gingen die Hausherren in Führung und die Gäste egalisierten kurz vor dem Ende. Möglicherweise war es verdient, vielleicht auch unverdient, was weiß ich, interessiert mich auch nicht wirklich. Hier gehörte dem Stadion die Aufmerksamkeit. FUS wurde von zwei oder drei Dutzend Leuten ab und an supportet, viel war da nicht zu hören. Erst recht nicht von der Hand voll Gästefans aus dem 270 Kilometer entfernten Zemamra.
Zurück in der Stadt futterten wir uns noch durch einen Hähnchen-Grill und dann schlich jeder in seine Unterkunft. Der Abreisetag bot noch ausreichend Zeit, sich Rabat anzusehen. Eigentlich eine ganz angenehme Stadt, denn auf der Touri-Skala steht diese nicht so weit oben und ist nicht überlaufen. Es ist die Hauptstadt Marokkos und Sitz der Regierung und des Königs. Zunächst latschten wir zum Hassan-Turm, einem Wahrzeichen der Stadt. Dabei handelt es sich um das unvollendete Minarett einer Moschee aus dem 12. Jahrhundert. Auf dem sich anschließenden Freigelände stehen mehrere hundert Säulenstümpfe. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich, dass es sich um die tragenden Säulen der bei einem Erdbeben eingestürzten Moschee handelt. Unmittelbar daneben befindet sich das prunkvolle Mausoleum in dem Mohammed V, der Großvater des aktuellen Königs Mohammed VI, bestattet wurde. Östlich der Medina liefen wir am Fluss Bou-Regreg, der Rabat von der Nachbarstadt Salé trennt, entlang zur Kasbah des Oudaias, einem weitläufigen an der Flussmündung gelegenen Festungsbaus. Der Besuch der Andalusischen Gärten scheiterte daran, dass sich uns ein Guide aufzwingen wollte. Wird man manchmal echt nicht los, die Mokel, also Rückzug. Vom großen Platz der Kasbah hat man einen schönen Blick auf den Atlantik. Zeit, sich noch mal zu trennen. Nobbi nahm wieder Kurs auf die Medina und ich nahm mir das direkt an der Küstenlinie gelegene Fort Rottembourg zum Ziel, wo ich aber wegen ausgiebiger Trödelei nie ankam.
Also abgebogen Richtung Medina, um noch einen Mittagssnack zu nehmen und dann mussten die Brocken aus der Unterkunft geholt werden. Kurze Schreckminute als ich den Laden dunkel, verriegelt und verrammelt vorfand. Als ich die Telefon-Nummer auf der Bestätigung ins Handy zimmern wollte, fiel mir auf, dass eine Schweizer Vorwahl angegeben war. Aufkommende Ratlosigkeit wischte eine junge Dame weg, die aus einer benachbarten Tür trat. Ihr trug ich mein Problem vor und sie klopfte zielstrebig an eine weitere Tür aus der ein Typ trat, den ich noch nie vorher gesehen hatte, der aber ohne weitere Nachfrage genau wusste, was zu tun war. Dann schnell ab zum Bahnhof, dem vereinbarten Treffpunkt, von wo der Airport-Bus fahren sollte, der aber zur recherchierten Zeit eben nicht fuhr. Blieb nur die Taxi-Mafia. Überpünktlich ging es dann nach Weeze, so dass wir sogar noch den letzten Linienbus bekamen und um ein weiteres Taxi herum kamen. Marokko hat mir gut gefallen, da gibt es noch einiges zu entdecken. Für einen kleinen Urlaub mit der Dame taugt das sicherlich auch, daher komme ich bestimmt wieder. Inshallah!

Sonntag, 24.11.2019, 15:00

marokko

Widad Témara vs Racing AC Casablanca 0:1

Stade Jacoub El Mansour, 400 Zuschauer, Botola 2

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Das Frühstück am nächsten Morgen war wenig berauschend, aber umso faszinierender war dafür der Arbeitsstil der Servicekräfte. Allahu akbar – was für eine Chaos-Crew. Gegen halb elf bestiegen wir den Zug nach Rabat. Für die letzte Nacht hatten wir getrennte Unterkünfte gebucht. Der Wunsch nach etwas Privatsphäre trieb uns auseinander und da in keiner Unterkunft im Zentrum Rabats zwei Einzelzimmer zu haben waren, buchten wir getrennte Etablissements. Ich landete in einem Riad am Rande der Medina. Sehr schön orientalisch eingerichtet, sehr freundliche Gastgeber, zufrieden war ich dennoch nicht. Der Raum verfügte nicht über Glasfenster zum Lichthof, sondern lediglich über Fensterläden mit offenen Lamellen und über der Tür waren stylische Zier-Löcher im Mauerwerk, daher kam die gewünschte Privatsphäre etwas zu kurz. War alles etwas hellhörig und man konnte jedes Wort, dass im öffentlichen Bereich gesprochen wurde, bestens verstehen. Nobbi traf es noch härter. Seine gebuchte Unterkunft existierte mal einfach gar nicht mehr, so dass er improvisieren musste und sich zielsicher ein Etablissement der Kategorie Absteige aussuchte. Gegen 13:00 Uhr trafen wir uns am Bahnhof und wir fuhren ins benachbarte Temara. 45 Minuten ging es dann per pedes quer durch die Stadt und ein Viertelstündchen vor dem Kick-off trudelten wir am Stade Yacoub El Mansour ein, wo Widad Temara die Gäste von Racing Casablanca empfing. Etwa 200 Leute hatten sich schon im kleinen Ground versammelt, bis zur Mitte der ersten Spielhälfte verdoppelte sich die Zuschauerzahl immerhin noch. Mit Racing reiste der aktuelle Tabellenführer an, während Widad auf dem vorletzten Tabellenplatz rumkrebste und ganz andere Sorgen hatte. Ein spielerischer Unterschied zwischen den Teams war aber kaum zu erkennen – es war einfach nur mies. Kaum mehr als zwei Pässe in Folge fanden die Mitspieler. Torchancen gab es wenige und diese wurden meist kläglich versemmelt. Der einzige Treffer des Spiels fiel nach einer guten halben Stunde durch einen direkt verwandelten Freistoß aus eigentlich unmöglicher Position. Bezeichnend für das Dargebotene.

Samstag, 23.11.2019, 19:00

marokko

Wydad Athletic Club vs Raja Club Athletic 4:4

Stade Mohammed V, 55.000 Zuschauer, Arab Club Champions Cup

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Als ich mich mit Nobbi aus Mönchengladbach über die nächsten Aktivitäten austauschte, fiel auf, dass für dieses Wochenende in seinem wie in meinem Plan noch ein Fragezeichen stand.  Als er das Stichwort Marokko fallen ließ, fiel mir ein, dass ja das Casablanca-Derby im Rückspiel des Arab Club Champions Cup für das Wochenende angesetzt war. Und nach Marokko hatte es mich bisher auch noch nicht verschlagen. Immer wenn das mal auf dem Plan stand, Flüge waren sogar schon mal gebucht, kamen mir unverschuldete Ereignisse dazwischen. Mit Spielansetzungen in Marokko ist es auch so eine Sache. Termin-Treue ist im Maghreb ein Fremdwort. Und gerade die Ansetzungen des Casablanca-Derby sind in der Regel noch wackeliger als die Vier-Minuten-Meisterschaft von Gesindelkirchen Null-Vier. Dass sich diese Paarung nun in einem Länder-übergreifenden Wettbewerb ergab – es war überhaupt das erste mal, dass Wydad und Raja außerhalb nationaler Wettbewerbe aufeinander trafen – machte die Geschichte überraschend planbar. Der Arab Club Champions Cup ist ein Wettbewerb der UAFA. Hört sich wegen der Ähnlichkeit zum UEFA-Kürzel wie ein Jux-Verband an, ist aber der Fußballverband der zur Arabischen Liga gehörigen Staaten und bringt die arabisch geprägten Länder Asiens und Afrikas zueinander. Man könnte nun meinen, der besagte Wettbewerb sei eine Art Kirmes-Pokal und ohne Bedeutung, aber das Ding wird seit fast 40 Jahren ausgespielt und von den teilnehmenden Teams absolut ernst genommen. Kurzerhand wurde die Verbindung von Weeze nach Rabat mit Hinflug am Freitag und Return am Montag drei Wochen vor dem Spiel für einen noch erstaunlich schmalen Taler beim Billig-Iren gebucht. Parken in Weeze ist auch so ein Un-Thema. Auf den offiziellen Parkplätzen in Terminal-Nähe ist das Abstellen des Autos nahezu unbezahlbar und Passagier-feindlich. Und dann wundert sich die Betreiber-Gesellschaft, dass die Passagierzahlen schrumpfen. Ryanair hat in den letzten Jahren immer mehr Verbindungen gestrichen, natürlich weil eben auch immer weniger Leute von Weeze fliegen wollen. Wenn man mit seinem Airport irgendwo in der Provinz liegt, also schon einem Wettbewerbs-Nachteil aufgrund mangelhafter Anbindung an den ÖPNV unterliegt, sollte man doch die Attraktivität steigern, eben zum Beispiel mit günstigem Parkraum. Stattdessen schreckt man die Leute noch zusätzlich zu den horrenden Parkgebühren mit einer unverschämten Gebühr in Höhe von drei Euro ab, die zwingend zu entrichten sind, wenn man das Flughafen-Gelände befahren will. Ganz ehrlich, mach zu das Dingen, dann kommt man gar nicht mehr in die Versuchung, sich dorthin zu verirren. Drecks-Flughafen! Wir stellten die Fahrzeuge in Weeze ab und fuhren mit dem Linien-Bus zum Flughafen. Flug unspektakulär und pünktlich um halb acht landeten wir auf dem Airport Rabat-Salé. Kurze Verhandlung mit nem Taxi-Mokel, unerwartet harmlos, und dann ab nach Salé zum vorab gebuchten Riad. Zu viel mehr als einem Abendessen reichte es dann nicht mehr. Dankbarer Weise verkaufte unser Gastgeber Dosenbier, was ja in Marokko schon einem Sechser im Lotto gleich kommt. Allerdings schien der er selber hart am Glas zu sein, wie sein Atem unmissverständlich verriet… am Ende saufen Sie eben doch alle!
Das Frühstück am nächsten Morgen gab es in einem beduinischen Zelt auf der Dachterrasse im orientalischen Stil. Die marokkanische Bahn brachte uns in etwas mehr als einer Stunde zum Bahnhof Casablanca-Voyage. Die eigenen unteren Extremitäten brachten uns die knappen zwei Kilometer zum Campanile Hotel, wo wir zur Mittagszeit schon einchecken durften. Meine latente Gewohnheits-Abhängigkeit machte es mir zur Aufgabe, ein paar Biere für den Abend zu besorgen. Wie gesagt, nicht so einfach in Marokko. In der nahen Filiale des Carrefour-Supermarkt, wo es gelegentlich Alkohol-Abteile geben soll, schlug der Versuch schon mal fehl. Die Nachfrage bei einem Mitarbeiter öffnete ein Kapitel aus der Reihe „Jeder will helfen, aber keiner weiß was“ und ich wurde von einem Ort zum anderen geschickt. Eine etwa 40minütige Odyssee später war ich mit leeren Händen im Hotel zurück. Nun blieb noch ein wenig Zeit für Sightseeing, also fuhren wir mit der Bahn Richtung Medina und durchquerten diese in Richtung der Moschee Hassan II, welche direkt an der Atlantikküste erbaut wurde. Diese Moschee, benannt nach dem Vater des amtierenden Königs Marokkos, ist wahrlich beeindruckend groß. Sie ist eine der größten Moscheen weltweit und ihr Minarett war bis in dieses Frühjahr, als in Algier die neue Moschee fertiggestellt wurde, mit 210 Metern das höchste der Welt. Mit dem Taxi fuhren wir zurück zum Hotel und machten unterwegs einen letzten Versuch ein paar Biere zu erwerben. Was auch gelang und tatsächlich war ein sogenannter Liquor Store nur 200 Meter von dem Punkt entfernt zu finden, an dem ich mittags aufgegeben hatte.
Ein weiteres Taxi brachte ins zum Stade Mohammed V. Der Zugang zum Stadion ist stark gesichert. Zwei Kontrollringe und schließlich das Drehkreuz mit dem Ticket-Scanner wollen überwunden werden, wenn man ins weite Rund gelangen will. Die Ticket-Frage war erstaunlich einfach zu klären. Ein marokkanisch-stämmiger Mitarbeiter in der Antwerpener Niederlassung meines Arbeitgebers war so freundlich sich zu kümmern und schoss zwei Tickets im Online-Vorverkauf, der drei Tage vor dem Spiel startete. Dann mal rein in die gute Stube. Das Stadion ist ein – ich würde fast sagen Afrika-typisches – großes Mehrzweck-Oval mit Laufbahn. Die Haupttribüne ist komplett überdacht. 55000 Zuschauer passen hinein und die sollten sich auch einfinden. Klar, das Derby zieht auch in der 141. Auflage die Massen. Gute 90 Minuten vor dem Kick-off waren wir nun drin und das war eigentlich schon zu spät, denn wir fanden nur noch Plätze am Rande der Haupttribüne. Die Kurven waren auch schon gut gefüllt und die ersten Gesänge schallerten durch den Kessel, aber vom Warm-Up hatte ich insgesamt irgendwie mehr erwartet, denn die Stimmung flachte bis zum Anstoß wieder deutlich ab. Das, was noch folgen sollte, entschädigte aber für die etwas laue Aufwärmphase. Wie immer zeigten beide Kurven aufwendige, mehrteilige Choreographien, deren Hintergrund uns sich nur zum Teil erschloss. Wahnsinn, was da für eine Mühe reingesteckt wird. Die Kurven battelten sich damit, wer seine Show länger zurückhalten kann. Den Raja-Anhang übermannte die Ungeduld zuerst und die Wydad-Kurve hatte damit eine erste Schlacht gewonnen. Nachdem die Choreos erledigt waren, wurde in beiden Kurven massiv Pyro gezündet. Krasses Kurvenbild, was die Aktiven nicht daran hinderte das Spielgeschehen zu fortzusetzen. Man stelle sich diese Nummer in Deutschland vor – der Referee hätte die Mannschaften unter Schnappatmung in die Kabinen gebeten, sich im Schrank der Schiri-Kabine eingeschlossen und das SEK gerufen.
Wie schon erwähnt handelte es sich um das Rückspiel der zweiten Runde. Wydad genoss Heimrecht, das Stadion ist aber die Heimat beider Clubs. Das Hinspiel hatte 1:1 geendet. Die Partie nahm dann recht schnell Fahrt auf und es dauerte keine Viertelstunde bis Wydad durch einen wohl berechtigten Foulelfmeter in Führung ging. Raja war das aktivere Team und hatte mehr vom Spiel, wurde aber schlussendlich zunächst nicht gefährlich. So ging es mit der knappen Führung für den WAC in die Pause. Die Atmosphäre kann durchweg als stark bezeichnet werden. Die Kurven waren immer in Aktion mit einer fast hundertprozentigen Mitmachquote. Eine ganze Reihe große Schwenker wurden ohne Unterlass bewegt, sah schon gut aus, schönes Kurvenbild. Da steckte schon eine gute Energie drin, starke Sache. Nach dem Seitenwechsel richteten beide Seiten erneut Choreographien her. Da Raja den Spielstand aber schnell per Elfmeter egalisierte und Wydad dieses nur wenig später mit einem Doppelschlag zur 3:1-Führung beantwortete, gingen die Choreos beinahe unter, denn das weite Runde verwandelte sich in ein Tollhaus und es wurden in Folge der Tore wieder Unmengen an Pyro gezündet. Die Wydad-Kurve war nach den beiden Treffern binnen zwei Minuten natürlich auf Wolke Sieben. Als zwanzig Minuten vor Schluss Treffer Nummer Vier für Wydad fiel, war die Geschichte natürlich gegessen. Dachten sicherlich alle, denn drei Tore Vorsprung sind im marokkanischen Fußball sicherer als die dickste Tresortür. Der Treffer zum 2:4 aus Sicht von Raja wenig später wurde daher auch eher als Ergebniskosmetik betrachtet. Zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit wurde es dann aber noch mal interessant, denn Raja konnte mit einem weiteren Strafstoß den Anschluss herstellen. Es folgten ein wütender Sturmlauf in der Nachspielzeit, ein letzter Freistoß nahe der Eckfahne und ein Kopfball in den linken oberen Torwinkel! Ausgleich in der vierten Minute der Nachspielzeit, der Raja aufgrund des Hinspiel-Resultat von 1:1 in die nächste Runde beförderte. Unfassbar! Das war dann auch der einzige kurze Moment in dem es auf Wydad-Seite so mucksmäuschenstill wurde, als hätte Mohammed persönlich zum Gebet gerufen. Um uns herum schauten wir in versteinerte, entgeisterte, geschockte Gesichter und einige ließen ihren Tränen freien Lauf. Raja feierte, als hätten sie den Cup schon gewonnen. Es wurde noch mal kurz angepfiffen, dann war es amtlich.
Einige Raja-Leute enterten nun den Innenraum, um ihre Helden für diese Wahnsinns-Leistung zu feiern und in diesem Zuge fanden es zwei oder drei Verirrte eine gute Idee, in Richtung der Wydad-Kurve zu laufen und zu provozieren. Das befreite die WAC-Jungs aus der Lethargie und ein gut hundert Mann starker Mob setzte sich in Bewegung. Die Staatsmacht konnte größere Folgen und intensiven Kontakt zwischen den Parteien aber unter Einsatz der Migränestäbchen schnell unterbinden. Was für ein Spiel – schwer in Worte zu fassen und das hier Wiedergegebene wird dem Live-Erlebnis natürlich in keinster Weise gerecht. 140 Mal waren Wydad und Raja vorher aufeinander getroffen und es waren maximal sechs Tore in einem Spiel gefallen und das auch nur ein einziges Mal. Es gab sogar schon eine Serie von fünf torlosen Remis in Folge. Und nun ein 4:4. Jackpot! Hauptgewinn! Dieser Kick landet definitiv in meiner persönlichen Top Fünf oder Top Drei der gesehenen Spiele. Man muss auch mal Glück haben. Wir machten uns langsam auf zum Hotel. Ein Taxi in Stadionnähe zu ergattern war unmöglich, also liefern wir mal los. Irgendwann Aufregung hinter uns. Mehrere Polizei-Wannen kamen mit Blaulicht angefahren und ein bestimmt dreihundert Leute starker Wydad-Mob rannte an uns vorbei. Es soll in der Stadt auch noch Kämpfe gegeben haben, aber wir hatten genug gesehen und freuten uns darauf, das Erlebte bei ein paar Bieren Revue passieren zu lassen.

Mittwoch, 20.11.2019, 19:30

deutschland

SV Schermbeck vs DSC Wanne-Eickel 2:1

Waldstadion, 300 Zuschauer, Westfalenpokal Viertelfinale

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Nach über zehn Jahren verschlug es mich nach Schermbeck ins Waldstadion, das mittlerweile nach einem Geldinstitut benannt ist. Als Schönwetter-Zuschauer war es mir bei Temperaturen knapp über dem Nullpunkt zwar prinzipiell zu kalt, aber ich musste ja meine Wanner unterstützen. Schon das dritte Spiel dieses Saison, allesamt Pokalspiele – nicht dass ich noch zum DSC-Pokal-Allesfahrer mutiere. Im Viertelfinale des Westfalenpokals bestritt der SVS ein Auswärtsspiel zu Hause, denn die gut 100 mitgereisten Gäste machten für Ihre Verhältnisse ordentliche Stimmung. Da ein durchschnittlicher Oberligist gegen ein Spitzenteam der Verbandsliga antrat, war es beinahe ein Duell auf Augenhöhe. Die frühe Schermbecker Führung beantwortete der DSC wenig später mit einem Traumtor ins obere linke Toreck. Noch vor der Halbzeit stellten die Gastgeber den Endstand her, der aufgrund einer kontrolliert geführten zweiten Spielhälfte auch verdient war. Der Gäste-Anhang – schöner Ruhrpott-Pöbel übrigens – ließ mit dem Schlusspfiff noch eine Rauchwolke in den Nachthimmel aufsteigen. Mit Sascha und Björn traf ich unvermittelt zwei weitere Getriebene, da wurde es in der Kälte auch nicht zu öde. Leider hatte ich meine Kamera daheim vergessen und das Smartphone stößt in Dunkelheit in Sachen Bildqualität doch gewaltig an seine Grenzen.

 

Sonntag, 17.11.2019, 14:30

belgien

KVV Dilsen-Stokkem vs Lanklaarse VV 3:0

Heidebloemstadion, 80 Zuschauer, 4e Provinciale Limburg B
Belgien sollte es sein, nur landete ich irgendwie gar nicht da wo ich eigentlich hin wollte. Zu viel Trödelei machte eine pünktliche Ankunft nicht möglich, daher wurde die B-Variante gewählt und selbst die verfehlte ich um ein paar Minuten – Asche über mein Haupt. Im hübschen, kleinen Heidebloemstadion spielt aber eh nur eine zweite Mannschaft, so dass die Groundhopping-Polizei nicht anwesend war und meine Verspätung dementsprechend ungeahndet blieb. Der ursprünglich ansässige Verein, der dem Stadion seinen Namen gab, der VV Heidebloem Dilsen, ging zur Jahrtausendwende pleite. Darauf wurde ein Nachfolgeverein namens Dilsen VV gegründet. Dieser wurde nach Ablauf der Zehn-Jahres-Frist, in welcher der Name eines aus dem belgischen Fußballregister gelöschten Vereins nicht genutzt werden darf, wieder mit dem alten Namen versehen. Eine Fusion im vergangen Sommer brachte nun den aktuellen Vereinsnamen hervor. Die erste Mannschaft des neuen Clubs zog auf die Anlage des Fusionspartners um, daher wird das kleine Stadion nur von der Zweitvertretung des VV Stokkem genutzt. 4.Provinciale bedeutet nichts anderes als die unterste Ligen-Ebene in Belgien, also gefühlt Kreisliga C. Der Vergleich ist allerdings nur vordergründig korrekt, denn unsere Nachbarn haben einen undurchsichtigen Unterbau aus diversen Reserve-Ligen. Daher war der Kick auf schwer zu bespielendem Geläuf bei freiem Zutritt auch gar nicht so übel. Die Gastgeber wurden Ihrer Favoritenrolle gerecht und gewannen klar, allerdings fiel das Resultat ein oder zwei Tore zu hoch aus. Der Ausflug wurde gewohnheitsgemäßig mit einem Frituur-Besuch abgerundet.

Samstag, 16.11.2019, 14:00

deutschland

Rot-Weiss Essen vs Aachener TSV Alemannia 3:0

Stadion Essen, 13.025 Zuschauer, Regionalliga West

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Der gute, alte Westschlager gegen die Aachener Alemannen. Eins von den drei oder vier Heimspielen bei denen sich der Gäste-Sektor mal ansprechend füllt. 1200 Öcher werden es dann schon gewesen sein. Die Sangesgewillten unter den Gästen waren lange Zeit nur damit beschäftigt, Schmähgesänge gegen die Roten anzustrengen, statt mal das eigene Team zu unterstützen. Für die Alemannen ist der RWE im wahrsten Sinne ein rotes Tuch – so richtig gut leiden können die uns nicht. Ist ja auch in Ordnung, ich will auch gar nicht dass uns irgendjemand leiden kann. Rivalität gehört zum Fußball einfach dazu und da will und erwarte ich auch keinen übermäßig respektvollen Umgang. Warum die Kaiserstädter aber so allergisch auf die Rot-Weissen reagieren, erschließt sich mir nicht. Vielleicht zu viel Rum-Printen gekaut. Aus Essener Sicht ist diese Partie sicherlich auch von höherem Prestige geprägt, aber diese extreme Abneigung von Seiten der Alemannen würde ich als einseitig bezeichnen. Liegt es daran, dass man in den letzten Jahren dauerhaft die Klingen kreuzte? Oder halten wir als Ersatz für die höher zu bewertende Rivalität zu den Geißböcken und Fohlen her, welche die Öcher derzeit ebenso wenig ausleben können, wie der rot-weisse Anhang jene gegen die ungeliebten Nachbarn aus Arbeitslosenkirchen? Am Ende auch egal, denn dem Spiel und der Atmosphäre drum herum tut eine hohe Brisanz immer gut. Der glorreiche RWE legte los wie die Feuerwehr und ging nach knapp zehn Minuten verdient in Führung. Die Gäste brauchten bis Mitte der ersten Hälfte, um im Spiel anzukommen, dann wurde es aber vor dem Essener Gehäuse auch zwei oder drei Mal gefährlich. Kurz vor dem Seitenwechsel sahen wohl sämtliche Zuschauer den Ball nach einem Fehler von Jung-Schnapper Jakob Golz, Sohnemann von HSV-Legende Richard Golz, auch schon im Netz der Rot-Weissen. Aber der Schlussmann bügelte seinen Fehler wieder aus und lenkte die Kirsche mit einer starken Flugeinlage noch um den Pfosten. Beinahe im Gegenzug fiel mit dem Pausenpfiff der zweite Treffer für die Rot-Weissen zum – wie man so schön sagt – psychologisch günstigen Zeitpunkt. Das befürchtete Aufbäumen der Aachener nach dem Seitenwechsel blieb es. Die Roten waren einfach zu konzentriert, zu bestimmend und auch zu konsequent, denn mit dem dritten Treffer nach nicht mal einer Stunde war die Messe gelesen und die Gäste konnten am Ende froh sein, nicht doppelt so hoch unter die Räder gekommen zu sein, da der RWE noch einige dicke Chancen liegen ließ. Die Stimmung hätte insgesamt sicherlich intensiver sein können. Auf beiden Seiten sprang der Funke von den jeweiligen Ultra-Gruppen nicht so recht auf das gesetztere Publikum über. Dennoch hat das natürlich wieder unheimlich Bock gemacht, den Roten zuzuschauen, die 75 Minuten stark gespielt und den Gegner beherrscht haben.

Sonntag, 13.11.2019, 14:00

deutschland

Wuppertaler SV vs Rot-Weiss Essen 1:2

Stadion am Zoo, 4.595 Zuschauer, Regionalliga West

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Es lief die sechste Minute der Nachspielzeit. Eigentlich hatte ich mich mit dem Remis arrangiert. Ich war mir zwar nicht sicher, ob die Punkteteilung gegen einen limitierten, aber kämpfenden WSV  nun in Ordnung geht. Aber irgendwie war ich auch froh, dass die Roten nicht mit gänzlich leeren Händen da standen, denn kurz zuvor hatten die Tal-Bewohner bei einem der seltenen Konter noch den Außenpfosten des Essener Gehäuses malträtiert. Aus dem Halbfeld segelte ein letzter Freistoß in den Wuppertaler Sechzehner, der schlecht verteidigt wurde und auf Umwegen landete die Kirsche auf dem Fuß von Hedon Selishta, der den Abstauber markierte. Der Rest ist Jubel in Rot und Weiss und der erste Sieg in einem Meisterschaftsspiel in Wuppertal seit 33 Jahren, was ungefähr die Zeit ist, seit der ich meinen Herzens-Verein unterstütze, war unter Dach und Fach. Und was für ein wertvoller, denn Tabellenführer Verl hatte am Vortag eine überraschende Niederlage kassiert. Der RWE hatte die Partie konzentriert begonnen, aber auf dem tiefen und unebenen Geläuf war das Passspiel schwierig, so dass die technischen Vorteile gegenüber den Gastgebern nicht in vollem Umfang abgeschöpft werden konnten. So war das Spiel auch in keiner Phase wirklich gut, aber immer umkämpft und spannend. Der WSV ging nach zwanzig Minuten in Führung, nach einem Ballverlust der Rot-Weissen in der Vorwärtsbewegung, dem ein nicht geahndetes Foul vorausging. Der RWE brauchte bis in die Schlussphase der ersten Hälfte, um das Geschehen wieder an sich zu reißen. Der Halbzeitpfiff bewahrte die Bergischen vor einem nicht unwahrscheinlichen Ausgleich in dieser Phase. Nach dem Wechsel dasselbe Bild. Die Roten auf dem Vormarsch, der WSV vermehrt mit Defensivaufgaben beschäftigt, aber mit zum Teil gefährlichen Entlastungs-Angriffen. Da zeigte sich dann, dass die rot-weisse Hintermannschaft noch immer nicht vollständig gefestigt ist. Nach einer guten Stunde fiel dann der verdiente Ausgleich und in der Folge sahen die Anwesenden stetes Bemühen um den Führungstreffer. Der wollte aber nicht fallen, vor allem, weil es mit der Überlegenheit an der Strafraumgrenze meist vorbei war und die Roten in der Box einfach nicht zwingend wurden. In der Schluss-Viertelstunde glänzten die WSV-Akteure dann durch massives Zeitspiel, mit dem irgendwie der eine Punkt gehalten werden sollte. Der wäre dann aufgrund des Gesamteindrucks nicht unverdient gewesen, denn die Rot-Blauen hatten halt alles rein geschmissen, was sie bieten konnten. Aber eben aufgrund dieser erbärmlichen Schinderei halte ich den späten RWE-Sieg für verdient, denn Zeitspiel sollte niemals belohnt werden.
Die aktive Essener Fanszene durfte den Erfolg nur aus der Ferne genießen. Aufgrund einer Großzahl, durch die Wuppertaler Polizei verhängten, recht willkürlich erscheinenden Betretungsverbote hatte sich die Szene entschieden, dem Spiel komplett fernzubleiben. Das kostete natürlich Stimmungsmomente, denn so sehr die Ultra-Kritiker, zu denen ich einige Positionen betreffend auch gehöre, darauf hinwiesen, dass es auch ohne Ultras geht, gehen sollte, ja eigentlich gehen muss, war ziemliche Support-Flaute. Entweder weiß keiner mehr, wie Stimmung ohne Ultras geht oder man ist zu bequem, sich selber aufzuraffen. Trotz kritischer Betrachtung der Bewegung, habe ich die Jungs oder eben deren Support vermisst. Einer Eingebung folgend, fuhr ich nach Spielschluss zur Hafenstraße und meine Vermutung traf zu – die Szene hatte sich versammelt, um den Mannschaftsbus bei Rückkehr zu empfangen und mit dem Team den Derby-Sieg zu feiern. Derby-Sieg – auch ein Streitpunkt. Ist das Spiel gegen den WSV nun ein Derby? Räumlich sicherlich, aber die Traditionalisten beharren starrköpfig darauf, dass es nur ein Derby gibt. Nur, wann der glorreiche RWE gegen den blauen Minus-Club aus der unaussprechlichen Nachbarstadt mal wieder in einem Pflichtspiel antreten wird, ist fraglich. Und die Duelle mit der blauen Reserve sind keine vollwertiges Derbys. Die jüngeren Kurvengänger und damit meine ich jene, die noch nicht 35 Jahre und älter sind, kennen den klassischen Derby-Gegner gar nicht mehr, sondern eben die Dauerrivalen aus Wuppertal, Aachen und Oberhausen. Und gerade die Duelle gegen den WSV waren immer von Brisanz und hoher Rivalität geprägt. Wenn es kein Derby ist, dann aber auf jeden Fall eine sehr besondere Begegnung mit hohem Prestige. Ein paar letzte Worte zum Spiel. Um den irgendwie ja doch verdienten Sieg einzufahren, musste – wie in vielen Spielen zuvor – wieder hoher Aufwand betrieben werden. Das musste angesichts einer breit aufgestellten Mannschaft mit technisch starken und schnellen Spielern eigentlich nicht sein. War aber so und genau dieser Umstand kann am Ende ausschlaggebend dafür sein, dass es für den Relegationsplatz nicht reicht. Wenn man jedoch die Hoffnung und den Glauben daran bedienen will, sei darauf hingewiesen, dass nach Abschluss der Saison, in welcher der letzte Sieg in einem Punktspiel am Wuppertaler Zoo gelang, der Aufstieg stand.