Exkurs: Stadion Sonnenblume Velbert

Die Sonnenblume in Velbert

Während einer kleinen Fahrradtour stattete ich letzte Woche dem ‚Stadion Sonnenblume‘ in Velbert einen Besuch ab. Die Sonnenblume sportliche Heimat der SSVg Velbert 02, bis diese im Juli des letzten Jahres ins neue Sportzentrum auf der anderen Seite des Stadtzentrums zog. Obwohl die Sonnenblume erst Ende der 60er Jahre errichtet wurde, auch gar keine besonders hervorzuhebenden Merkmale besitzt, hat das Stadion Charakter. Der Zuschauerrekord wurde bereits kurz nach der Eröffnung im Derby gegen den Wuppertaler SV aufgestellt. 13.000 Zuschauer drängten sich damals auf Rängen, die nur für 10.000 Personen ausgelegt waren. In zwei Saisons wurde in der Sonnenblume sogar DFB-Pokal gespielt. 2003 konnte der Oberligist (damals vierte Liga) SSVg 02 den Zweitligisten aus Mainz im Elfer-Kicken besiegen, ehe in der 2.Runde gegen Jahn Regensburg in einem engen Spiel das Aus kam. 2006 war schon in der 1.Runde gegen die SpVgg Unterhaching Schluss. Noch wirkt die Anlage gut ein Jahr nach Einstellung des Spielbetriebs ganz gut in Schuss, auch wenn sich Unverbesserliche bereits in Vandalismus geübt haben. Das zum Gelände gehörende Warmgebäude wird noch von der Gattin des ehemaligen, mittlerweile verstorbenen Platzwarts bewohnt. Über die Rasenfläche des Spielfeldes freut sich nun ihr Hund, der dort viel Platz zum Toben vorfindet. Ich kam mit der Dame ins Gespräch und erfuhr, dass überhaupt noch nicht klar ist, welche Anschlussnutzung das Gelände erfahren soll. Wohnbebauung wie auch ein Hotel waren schon im Gespräch, entschieden ist aber noch nichts. Schade, dass in diesem beschaulichen, kleinen Stadion nicht mehr gespielt wird.

Porec – Sa., 27.03.2021, 16:30

NK Jadran Porec vs NK Pazinka Pazin 1:0

Stadion Veli Joze, 100 Zuschauer, 3. Hrvatska nogometna liga zapad
Der letzte Urlaubstag eröffnete noch eine Möglichkeit für einen Spielbesuch. Der Weg führte mich nach Porec, einen beliebten Touri-Ort an der Adria-Küste, zum Drittliga-Spiel zwischen dem gastgebenden NK Jadran und den Gästen von Pazinka Pazin. Auf beiden Seiten gibt es schon lange Jahre existierende Ultra-Gruppierungen. Beim NK Jadran sind das die ‚Sajete Boys‘ und beim NK Pazinka treibt die ‚Plava Legija‘ – oder ‚Blue Legion‘ – ihr Unwesen. Angeblich bedingte die Gründung der Plava Legija die Gründung der Sajete. Vor über 30 Jahren war das der Fall und seitdem besteht eine gesunde Rivalität, die wohl regelmäßig auch mal außerhalb der Stadionmauern diskutiert wird, dann aber meist weitestgehend wortlos. Auf freundliche Nachfrage erhielt ich Zugang zum Gelände. Mir war einigermaßen klar, dass die Sajete trotz des Zuschauer-Ausschlusses supporten würden. Das ließ sich anhand von Fotos auf der Facebook-Plattform des Vereins erahnen und so war es dann auch. Die Anlage ist von außen gut einzusehen und die Zäune nicht allzu hoch. Mit Spielbeginn begab sich ein 50 Mann-Mob hinter den Zaun einer Kurve und gab Stoff und das beinahe durchgehend. Nicht gerechnet hatte ich damit, dass sich auch tatsächlich ein Dutzend Leute der Plava Legija hier einfinden würde. Die Gäste-Ultras hefteten ein Banner an den Zaun des hinter der Tribüne liegenden Parkplatzes, klopften auf der mitgebrachten Trommel herum und verschafften sich auch ab und an Gehör. Überhaupt war das Spiel nicht schlecht besucht. Zum einen schienen die Kriterien, hereingelassen zu werden, nicht allzu hoch zu sein und außerdem sammelten  sich hinter dem Zaun reichlich Interessierte. Sportlich war es ein riesiger Unterschied zu den beiden vorher gesehenen Spielen. Es war einfach viel athletischer, flüssiger in der Bewegung, technisch feiner, was da abgeliefert wurde. Die Gastgeber konnten das Spiel verdient für sich entscheiden. Das Ergebnis war irgendwie kroatisch, denn eine wahre Torflut erlebt man dort ja eher selten, auch wenn das eher für das Oberhaus gelten dürfte, wo gefühlt jedes zweite Spiel 1:0 ausgeht. Und genauso war es auch hier und heute der Fall. Für den Siegtreffer musste dann auch ein Elfmeter früh in der ersten Halbzeit herhalten, der mit einer dünnen Rauchsäule gefeiert wurde. Jadran darf sich noch Hoffnungen auf die Aufstiegs-Playoffs zur Liga 2 machen. Pazinka dagegen muss aufpassen, nicht noch übel in die Abstiegsränge zu rutschen. Kurz vor dem Spielschluss löste sich ungefähr die Hälfte der Sajete und latschte Richtung Ausgang, was mich wunderte, denn es galt ja noch die Mannschaft für den Sieg zu feiern. Die Lösung offenbarte sich kurz nach dem Abpfiff. Als die Pazinka-Leute ihre Sachen gepackt hatten und zu ihren Fahrzeugen gingen wurde seitens der Sajete noch mal handfest nachgefragt, ob es Ihnen in Porec denn auch gefallen hat. Die Staatsmacht war aber zügig zu Stelle und löste das kleine Scharmützel ohne übertriebenen Einsatz auf.

Potpican – So., 28.03.2021, 16:30

NK Potpican-Ucka 72 vs NK Smoljanci Sloboda Svetvincenat 0:1

Mjesni stadion Dumbrova, 80 Zuschauer, 1.Zupanijska nogometna liga Istarska
Nach der Partie am Mittag war der Besuch einer weiteren Partie möglich und zwar in Potpican, keine halbe Autostunde von Rabac entfernt. Auch hier erbat ich zwar den offiziellen Zugang, das Zuschauen war aber an allen Seiten auch so möglich, da die gesamte Anlage frei zugänglich ist. Und davon machten dann auch knapp 80 Personen Gebrauch. Nach und nach überstiegen dann auch einige Leute die notdürftig errichtete Absperrung zur einzigen ausgebauten Seite, um sich einen Sitzplatz zu verschaffen. Ein Vereins-Mokel versuchte diese Personen zunächst halbherzig hinter die Absperrung zu scheuchen, wurde aber schlicht mit Nichtachtung gewürdigt, so dass er seine Bemühungen bald einstellte. Der gastgebende Verein hatte nach elf Spielen gerade einmal zwei Punkte auf der Habenseite, war damit zwar erstaunlicher Weise nicht mal Tabellenschlusslicht, schwebte aber in akuter Abstiegsgefahr. Da kam dieser Partie gegen den Liga-Dritten denkbar ungünstig. Die einseitige Partie, welche ich erwartet hatte, wurde es aber ganz und gar nicht. Die Heim-Mannschaft präsentierte sich auf Augenhöhe und hatte mehrfach die Chance zum Führungstreffer. Nicht selten ist es aber im Fußball so, dass letztlich doch der Favorit gewinnt, wenn der Außenseiter seine Chancen nicht nutzt. Am Ende entscheidet dann einfach die individuelle Qualität, auch wenn es eben nur die eine entscheidende Situation war, in der sich die Mannschaft aus Svetvincenat durchsetzen konnte. So durften die etwa zwei Dutzend mitgereisten Anhänger zehn Minuten vor Ende den goldenen Treffer für ihren Club bejubeln.

Rabac – So., 28.03.2021, 12:30

NK Rabac vs NK Funtana 1:1

Stadion NK Rabac, 45 Zuschauer, 1.Zupanijska nogometna liga Istarska
Einige der reichlich vorhandenen Resturlaubstage wurden für einen kleinen Urlaub mit der Herzdame genutzt. Das Ziel ergab sich quasi im Ausschlussverfahren und so wurde die kroatische Halbinsel Istrien angesteuert, da der gleichnamige Verwaltungsbezirk seitens der deutschen Bundesgesundheitsbehörde zum Zeitpunkt der Reise aufgrund der derzeit moderaten Covid-Infektionszahlen nicht als Risikogebiet eingestuft wurde. Natürlich wurde auch ein Auge darauf geworfen, ob Spielbesuche im Zielgebiet möglich seien, da Mitte März der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde. Kurz vor der Abreise fand ich dann Meldungen sowohl des nationalen kroatischen als auch des istriotischen Regionalverbandes, dass bis in die Niederungen des Ligasystems ohne Zuschauer gespielt werden sollte. So blieb es also eine Wundertüte, ob sich auf Nachfrage vor Ort nicht doch eine Tür öffnen würde, um den Fußballgenuss zu ermöglichen. Kurz nach der Mittagsstunde des hochheiligen Sonntages klopfte ich im malerischen Rabac, an der Küste der Kvarner Bucht gelegen, mal zart ans Gitter und fand die Hand, die mir das Tor öffnete. Letztlich gestaltet es sich zumindest in den unteren Klassen auch schwierig, zu verhindern, dass sich Zuschauer einfinden, denn viele Plätze verfügen nicht über abgrenzende Zäune oder Mauern. Ordner oder Polizeikräfte, welche die Fußballinteressierten des Platzes verweisen waren bei den Spielen, die ich schauen konnte auch nicht zugegen. So wurde der Zuschauerausschluss also völlig ad absurdum geführt, zumal sich die Leute außerhalb der Anlagen oft dichter aneinanderdrängten, als es im Inneren erforderlich gewesen wäre. Es war eine Partie der höchsten Spielklasse Istriens, viertklassig auf nationaler Ebene. Während die Gastgeber in akuter Abstiegsnot schweben, kann den Gästen mit einem gesunden Mittelfeldplatz nicht mehr viel passieren. Das Niveau ist schwer zu definieren, eine bunte Mischung. Es waren ein paar Spieler dabei, die richtig gut kicken können, andere hätten wohl selbst in der deutschen Kreisliga so ihre Probleme. Und der bestimmt 45jährige Sechser, der mit Erfahrung und Stellungsspiel glänzte, hatte seine Schuhe auch noch mal geschnürt, um die notwendigen Punkte gegen den drohenden Abstieg einzufahren. Wenn man die Platzverhältnisse einbezieht, war es wohl stabiles Bezirksliga-Niveau bis schwaches Landesliga-Niveau, was geboten wurde. Die Gastgeber starteten nicht schlecht in die Partie und hatten mehr vom Spiel, aber ein einziger sauber gespielter Konter reichte zur Halbzeitführung für die Gäste aus. Mit Kampf, Glück und Geschick gelang im zweiten Durchgang mit einem sehenswerten, direkt verwandelten Freistoß in den linken oberen Giebel der Ausgleich, so dass am Ende das berühmte leistungsgerechte Unentschieden stand.

Ettelbrück – So., 07.03.2021, 16:00

FC Etzella Ettelbrück vs Union Sportive Mondorf-les-Bains 0:1

Stade du Deich, 37 Zuschauer, Nationaldivision
Ein Fußballspiel live im Stadion zu sehen, ist aktuell eine nicht ganz so einfache Übung. Dazu hält sich der Unterhaltungswert unter Zuschauerauschluss natürlich auch ziemlich in Grenzen. Da bietet sich doch ein Ziel an, bei dem es beinahe egal ist, ob Zuschauer erlaubt sind oder nicht, da sich dort eh nur eine überschaubare Anzahl ein Leuten zu den Spielen einfindet. Rechtfertige ich meinen Trip nach Luxemburg hier gerade irgendwie? Natürlich hatte ich schon irgendwie Bock darauf, sonst hätte ich den Ausflug nicht angestrengt. In Verbindung mit frühlingshaftem Wetter und einem feisten Frituur-Stop brauchte ich auch nicht lange mit mir hadern. Flugs das Eisenpferd gesattelt und losgeritten. Für den Hinweg nahm ich mir entsprechend ausreichend Zeit und befuhr einsame Pfade abseits der ausgelatschten Highways. So war auch noch ein kurzer Zwischenstopp an der Burg zu Monschau drin, die kann allerdings nicht viel. Kurz vor Spielbeginn traf ich am ‚Stade du Deich‘ in Ettelbrück – oder auf Letzeburgisch Ettelbréck – ein, einer Kleinstadt im nördlichen, dünner besiedelten Teil Luxemburgs. Vor dem Stadion hatten sich schon die ‚Boys Etzella‘ eingefunden, um ihr Team von außerhalb zu unterstützen. Daran wurden Sie auch nicht gehindert, von Polizei oder anderen Ordnungskräften war weit und breit nichts zu sehen. Natürlich nahmen es die Jungs und Mädels mit der Abstandsregel nicht so genau, aber man muss ja auch mal die Kirche in Ettelbrück lassen und den Leuten in dieser von Langeweile geprägten Zeit Freiheit zur eigenständigen Risikoeinschätzung einräumen. Mit Spielbeginn stieg dann vor den Toren des Stade du Deich eine satte blaue Wolke in den annähernd genauso blauen Himmel. Ab und an machten sich die Boys auch mit einem großen Schwenker hinter dem Zaun sichtbar. Dazu war ein Motivations-Transparent zu diesem wichtigen Spiel gegen den drohenden Abstieg aufgehängt worden. Einige Male war auch akustische Unterstützung zu vernehmen. Die Gastgeber stecken tief im Abstiegskampf und hatten die Möglichkeit, sich gegen einen direkten Mitkonkurrenten etwas Luft zu verschaffen. Nach gutem Beginn des FC Etzella konnten die Gäste aus dem Länderdreieck mit Frankreich und Deutschland das Spiel ausgeglichen gestalten und setzten zehn Minuten nach der Halbzeit den einzigen und für sie goldenen Treffer. Das Spiel lief auch ungefähr so, wie man sich das Gebolze zwischen zwei Abstiegskandidaten der höchsten Liga Luxemburgs vorstellt- berauschend war es ergo nicht gerade. Das Stadion im Centre Sportif du Deich ist ein Mehrzweckstadion mit Leichtathletik-Anlagen. Auch in Luxemburg eher ungewöhnlich. Für die Zuschauer stehen überdachte und ungedeckte Sitztribünen zur Verfügung. Die flache Tribüne auf der Gegenseite bietet auch kleine Stehbereiche. Für Luxemburgische Verhältnisse alles mehr als ausreichend.

Gastbeitrag von Klaus – Fußball war nicht mein Leben…

Nicht ohne Stolz darf ich ein neuen Gastbeitrag veröffentlichen. Mein Vater ist meiner Bitte nachgekommen, einige Zeilen über seine Jugendjahre zu verfassen. Dabei herausgekommen ist ein sehr schöner Einblick in das Fußball-Leben eines Heranwachsenden in der Nachkriegszeit. Danke dafür!

Fußball war nicht mein Leben… aber seinerzeit ein sehr schöner Teil meines Lebens!

Meine aktive Laufbahn als Fußballer bei TuRa 1886 Essen an der Serlostraße in Essen-Altendorf begann Mitte 1959 – eigentlich relativ spät, denn da war ich schon 16 Jahre alt. Der Fußball hat aber schon lange vorher, während meiner Zugehörigkeit zur Pfarrjugend der Pfarrei St. Antonius Essen-Frohnhausen, eine bedeutende Rolle gespielt. Dort wo ich aufwuchs, in der Kuglerstraße, wurde schon immer auf den Rasenflächen im Innenhof des ziemlich geräumigen Wohnblocks Fußball gespielt, zum Leidwesen der Bewohner ringsum.
Es gab genug Spielkameraden mit Interesse am „Bötschen“. Schon wenn vier, sechs oder acht Spielkameraden im Anschluss an Schule und Schularbeiten nach und nach draußen eintrudelten, wurden schnell mit ein paar übrig gebliebenen Steinen oder Kanthölzern aus der Wiederaufbauzeit des Häuserblocks „Tore“ gebaut, die Mannschaften ausgelost und dann ging es los. Ein Ball war immer zur Stelle, aus Privatbesitz oder verdient aus der „Schore“, die beim Verkauf von Schrott aus den Resten von Trümmergrundstücken erzielt wurde. Die Umwelt wurde förmlich vergessen und die Fußballbegeisterung äußerte sich natürlich auch hier in der Bescheidenheit der Hinterhof-Arena entsprechend laut. So mancher Mittagsschlaf wurde gestört, so manche verdiente Altersruhe. Auch Scheiben klirrten gelegentlich mit der folgenschweren Aufregung und den Beschwerden bei Eltern und der Hausverwaltung. War die Luft wieder rein, ging es weiter, zum Verdruss der Anwohner.
Auch im Jugendleben der Pfarrei spielte Fußball eine große Rolle. Nach den Gruppenstunden fanden sich immer zwei Mannschaften, die auf den Flächen rund um die im Krieg zerstörte Antonius-Kirche Platz fanden, um zu bötschen. Auch auf dem in der Nähe liegenden Gelände des Waisen- und Schwesternhauses der Elisabetherinnen gab es ausreichend Platz zum Fußballspielen. Heute steht dort ein Altenheim. Außerdem wurde auch reichlich Fußball im Sportunterricht der Realschule Essen-West gespielt. Unser Klassenlehrer Günter Schröer war selbst durch seine beeindruckenden Leistungen im Handball als Torjäger bei Tusem Essen bekannt und hatte für Mannschaftssport viel übrig. Handball, Fußball, Basketball spielten im Sportunterricht eine bedeutende Rolle. Der Ascheplatz, der hinter dem Schulhof lag und heute bedingt durch einen Erweiterungsbau nur noch teilweise vorhanden ist, bot Fläche für ein ordentliches Fußballspiel, ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Auch die Jugendgruppen unserer Pfarrei erwirkten die Erlaubnis, dort spielen zu dürfen.
Dort habe ich mir bei einem unserer Fußball-Matches im linken Knie einen so starken Meniskusschaden zugezogen, dass er mir bis zum heutigen Tag noch gelegentlich Beschwerden bereitet. Zunächst habe ich mich mit dem angerissenen Meniskus arrangiert. Nach immer wieder auftretenden „saftigen“ Schwellungen und Ausfällen in meiner Lehrzeit, musste operiert werden und einige Absplitterungen – wie ich am Bildschirm beobachten konnte – wurden beseitigt. Diese Verletzung hat letztlich auch dazu geführt, dass ich den Vereinssport bei TuRa 1886 aufgeben musste.  Doch vorher konnte ich einige Jahre an der Serlostraße Fußball spielen. Gekommen war ich zu TuRa durch meinen Onkel Paul, einem „Altendorfer Jungen“, der viele Jahre 2. Vorsitzender des Vereins war, obwohl er bereits in Bochum wohnte. Mit ihm und meinem Vetter Rainer verpasste ich auch kaum ein Spiel der 1. Mannschaft auf dem heimischen Platz und auswärts. Heute existiert der Platz an der Serlostraße zwar noch, der Verein ist aber auf eine neue Anlage umgezogen und der alte Ascheplatz wurde sich selbst überlassen.
Unsere gegnerischen Mannschaften kamen aus den in Essen ansässigen und bekannten Vereinen wie Sportfreunde Katernberg, TuS Helene oder auch BV Altenessen und anderen. Autos der Mannschaftsbegleiter oder des Trainers brachten uns zu den entlegenen Auswärtsspielen, oder man wurde auch mal auf dem Sozius eines Mopeds eines Spielkameraden mitgenommen. Die Disziplin mancher Spielkameraden ließ manchmal zu wünschen übrig. Vergesslichkeit und Mangel an Pünktlichkeit zum Treffpunkt ließen die Mannschaft manchmal nur mit 9 oder 10 Spielern antreten. Solche Spiele konnten nicht gewonnen werden. Ständige Schürfwunden an den Knien von schwarzen Schlacke- und Aschenplätzen waren fast immer vorhanden. Gelegentliche Prellungen von Zusammenstößen mit gegnerischen Spielern waren ebenfalls inbegriffen.
Es gab aber auch vergnügliche Ereignisse: Ich erinnere mich an ein Spiel gegen SV Borbeck an der Fürstäbtissinstraße  – dort steht heute das Mädchen-Gymnasium Essen-Borbeck – wo unserem Torwart die Hose riss und er unter dem Gejohle der immer vorhandenen Mädchen mit halbnackten Hintern weiterspielte, weil keine Ersatzhose vorhanden war. Auch ein Spiel im Stadion von Rot-Weiss Essen, als Vorspiel vor dem Spiel der 1. Mannschaft hat besonderen Spaß gemacht, noch dazu auf dem heiligen Rasen. Ebenso gehörten die jährlichen Nikolausfeiern mit dem entsprechenden Spektakel zum Feierprogramm. Nach den Spielen wurde oft noch in der Vereinskneipe Skat „gekloppt“, so dass ich sonntags dann erst am Nachmittag spät zu Hause war. Es waren schöne Jahre! Meine schwarz-weißen Fußballstutzen, die ich heute noch habe, erinnern mich immer wieder an meine bewegte, abwechslungsreiche und Einsatz fordernde aktive Fußballzeit.
Aber auch mein Interesse an Rot-Weiss Essen war früh geweckt. Schon vor meiner aktiven Zeit bei TuRa bis lange danach wurden Spiele von Rot-Weiss Essen an der Hafenstraße besucht.  Dazu trafen sich die Rot-Weiss-Fans aus der Jugend der Pfarrei in Frohnhausen zum gemeinsamen Anmarsch zur Hafenstraße. Die Zuschauerwelt war eine restlos andere als heute. Man kaufte seine Karte an den Kartenverkaufshäuschen, musste je nach Ankunftszeit in einer Schlange stehen. Der Verkauf lief aber problemlos ab, ohne Krawall und Polizeiüberwachung. Einlasskontrollen oder Verbote mitgebrachter Getränke gab es nicht. Es wurden jedoch auch während des Spieles durch Bauchladenverkäufer Getränke, Würstchen oder Süßigkeiten angeboten. Ich erinnere mich, dass die Zuschauer Plätze bis fast an den Spielfeldrand einnehmen konnten, wobei körperbehinderten Personen Vorzugsplätze reserviert wurden.
Da Rot-Weiss in der Oberliga West spielte, war das Stadionrund überwiegend gut gefüllt, die Stimmung je nach Spielsituation ruhig bis sehr aufgeheizt. Die Beifalls- und Protestbekundungen wurden vom reichlichen Einsatz lärmender Instrumente begleitet. Die Schieds- und Linienrichter hatten es wegen der Nähe des Publikums manchmal nicht leicht, das Spiel in Ruhe zu leiten. Ich kann mich nicht erinnern, dass Auswärtsspiele besucht wurden oder Spiele anderer Vereine der damaligen Oberliga. Aber da das Fernsehen mehr und mehr Verbreitung fand in Familien, Gaststätten oder z.B. im Kolpinghaus Essen-Frohnhausen, in dem sich heute ein Laden der Diakonie befindet, traf man sich auch dort zu besonderen Fußball-Ereignissen, um vor allem Länderspiele und Weltmeisterschaften zu verfolgen.  Später nahm mich unser Sohn schon mal zu Bundesligaspielen mit. Besonders erinnere ich mich noch, dass wir anlässlich eines Rom-Besuches Karten direkt vor einem Spiel auf dem Schwarzmarkt ergattern konnten. Es spielte AS Rom mit Rudi Völler gegen SSC Neapel mit Maradona.
Mein Fußballinteresse ließ im Laufe der späteren Jahre sehr nach. Dasselbe habe ich sogar auch von einem berühmten und verdienten deutschen Fußballer erfahren, der Zeit seines Lebens seinen Wohnsitz in Essen-Frohnhausen, meinem Wohnort, hatte: Helmut Rahn. Von ihm wurde berichtet, dass sein Fußballinteresse sogar an seinem Heimatverein Rot-Weiss Essen erloschen war. Ich habe ihn als Spieler zum letzten Mal auf dem Fußballplatz an der Raumerstraße in Essen-Frohnhausen gesehen, in einem Benefiz-Spiel zugunsten der Pfarrgemeinde St. Elisabeth, zu der er gehörte. Er hatte es zusammen mit dem dortigen Pfarrer organisiert. So konnte man nochmal Spieler aus früheren Weltmeisterschaften und Länderspielen erleben. Der frühere Essener Bischof Franz Hengsbach, selbst Fußballbegeisterter, machte den Anstoß. Privat konnte man Helmut Rahn zusammen mit seiner Frau antreffen, beim Einkauf oder im Gespräch mit Frohnhauser Bürgern im Stadtteil. Auch an ihm ging das zunehmende Alter nicht vorüber, so dass es ohne Stützstock nicht mehr ging. Ich hatte Gelegenheit, nach seinem Tode an seinem Trauergottesdienst in St.Elisabeth teilzunehmen, an dem sowohl der NRW-Ministerpräsident als auch der Präsident des Deutschen Fußballverbandes anwesend waren, und die noch lebenden Fußballgrößen vergangener Jahre. Das einfache Grab von Helmut Rahn ist auf dem Margarethen-Friedhof in Essen-Frohnhausen zu finden.
Je mehr meine Fußballbegeisterung abnahm, so nahm die meines Sohnes zu, wie die Leser dieses Blogs ja zu Genüge feststellen können.

Exkurs: Jahnstadion Marl

Das Jahnstadion in Marl

Bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr steuerte ich im Rahmen einer kleinen Rad-Tour mit meinem Mitstreiter Marco das Jahnstadion in Marl an. Da ich damals keine Kamera mitführte, wiederholte ich im Herbst den Besuch in diesem wunderbaren Stadion, das ja einigermaßen in Vergessenheit geraten ist. Dabei ist das Oval gar nicht mal so klein und bot zu seinen besten Zeiten 35.000 Zuschauern Platz. Die Ursprünge des Stadions liegen beinahe schon 100 Jahre zurück. 1924 wurde mit dem Bau des Stadions begonnen, nach dem Krieg wurde es vergrößert. Anfang der 60er Jahre wurde die Haupttribüne erneuert und mit einer Dachkonstruktion mit zwei charakteristischen Träger-Pylonen versehen. Nutzer des Jahnstadions war der TSV Marl-Hüls, der 1954 die Deutsche Amateurmeisterschaft gewinnen konnte. Seine beste Phase erlebte der Club aber in der ersten Hälfte der 60er Jahre, als er drei Jahre in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga West verbrachte. In dieser Zeit besuchten bis zu 18.000 Zuschauer die Heimspiele des TSV. Nachdem sich der Verein in der Qualifikations-Saison nicht für die neu eingeführte Bundesliga beworben hatte, ging es bergab. Vor einigen Jahren erlebte der Club noch einmal eine Hochphase, die ihn aus der Bezirksliga bis in die Oberliga spülte. Finanzielle Unregelmäßigkeiten führten aber in die Insolvenz und schließlich im vergangenen Jahr zur Auflösung des traditionsreichen Vereins, der nach Neugründung ganz unten wieder von vorn beginnt.
2005 hatte der TSV das Jahnstadion verlassen, da Ränge und Tribünendach baufällig geworden waren, die Stadt aber nicht mehr investieren wollte. Stattdessen sollte das Gelände für Wohnbebauung hergerichtet werden. Daraus wurde aber erst mal nichts und ein Baseball-Club bekam die Spielstätte für die Nutzung zugeteilt. Den Baseballern wurde 2017 gekündigt. Ende August 2018 sollten diese das Stadion spätestens verlassen, da die Stadt die Wohnbebauung nun endgültig in Gang bringen wollte. Nichts dergleichen ist aber geschehen. Die Baseballer schlagen zwischen den verwilderten Rängen weiter Baseballs durch die Gegend. Moos und wild zwischen den Stufen hervorsprießende Pflanzen, haben sich der Kurven bemächtigt, teils so dicht, dass sie unpassierbar geworden sind. Die Haupttribüne gammelt vor sich hin. Von den Sitzschalen und -bänken ist kaum etwas übrig, das Dach ist undicht und der über den ehemaligen Sitzplätzen hängende Sprecher- und Medienbereich vermittelt beinahe den Eindruck, jede Sekunde herunterstürzen zu können. Lediglich die Gegengerade ist noch in nutzbarem Zustand, aber für die vermutlich wenigen Zuschauer der in der drittklassigen NRW-Liga werfenden und schlagenden Sly Dogs völlig überdimensioniert.
Aber genau dieser Zustand mit der Patina vergangener Tage verleiht dem alten Rund ja eine besondere Atmosphäre. Wie immer, wenn ein ehemals imposantes Stadion sich selbst und der Natur überlassen wird, gibt es diese zwei Blickwinkel. Einerseits ist es schade, dass eine schöne Spielstätte von der Stadion-Landkarte verschwindet und auf der anderen Seite entsteht so ein ganz besonderer Ort. Inzwischen sind aber die Weichen für die Bebauung gestellt, denn das Gelände wurde durch die Kommune als Siedlungsbereich ausgewiesen. Eine Bürgerinitiative hemmt die Entwicklung allerdings noch – dieser geht es um den Baumbestand rund um das alte Stadion. Es scheint, als wehre sich dieser charmante Stadion-Dino bis zuletzt gegen den beschlossenen Untergang.

Exkurs: Meine Sympathie für den Celtic FC

Meine Sympathie für den Celtic Football Club

Dem regelmäßigen Besucher meines Blogs wird nicht verborgen geblieben sein, dass ich mich für den Celtic FC aus der schottischen Metropole Glasgow begeistere. Woher kommt eigentlich meine Sympathie für den Club, den irische Einwanderer im Jahr 1887 gründeten? Ich habe schon früh begonnen, mich für den europäischen Fußball zu interessieren. Im Teenie-Alter habe ich im Kicker die Tabellen der europäischen Ligen studiert. Und ebenfalls im Kicker inserierten Sportartikel-Anbieter die Trikots großer europäische Clubs. Das Trikot des Celtic FC mit den grün-weißen Querstreifen hatte es mir sofort angetan und so brachte mir das Weihnachtsfest 1988 das Jubiläumstrikot zum 100jährigen Bestehen des Celtic Footballclub. Während eines Rucksack-Urlaubes mit meinem Vater kaufte ich mir in Dublin ein weiteres Trikot, das damalige Away-Shirt im grün-gelben, etwas gewagten, typischen hübsch-hässlichen Design der frühen 90er Jahre. Im Laufe der Jahre kamen noch weitere Heim- und Auswärts-Jersey dazu und weil ich ziemlich dämlich war, habe ich irgendwann einen Großteil davon verscheuert, weil mir das Zeug zu viel Platz im Schrank nahm. Das gleiche habe ich übrigens mit meinem Equipment des SV Werder gemacht und es darf geraten werden, ob ich mich heute wohl über die damalige Kurzsichtigkeit ärgere oder nicht.
Im September 1992 wurde Celtic im UEFA-Cup gegen den 1.FC Köln gelost und das war die Chance, den Club endlich mal live und in Farbe zu sehen. Mit meiner Mutter fuhr ich in die Domstadt und sah die Kelten im alten Müngersdorfer Stadion 2:0 verlieren. An zwei Details kann ich mich erinnern. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion – ich hatte mich natürlich in ein Celtic-Trikot geschmissen und trug einen Celtic-Schal um den Hals –  sprach ich mich ein junger FC-Fan in unfassbar schlechtem Englisch an, ob ich meinen Schal mit ihm tauschen möchte. Und im Stadion – wir hatten uns in den Gästeblock begeben, der Ticketkauf war an der Tageskasse möglich und der Kick bei weitem nicht ausverkauft – wurde eine Gruppe Schotten auf meine Mum und mich aufmerksam. Sie sprachen uns an und mit einem tauschte ich die Adressen und wir schrieben uns ein paar Male hin und her, was dann aber recht schnell wieder einschlief. An seinen Namen kann ich mich leider nicht erinnern.
Im Rückspiel konnte Celtic die Böcke übrigens mit 3:0 besiegen und aus dem Wettbewerb entsorgen. In der nächsten Runde wurde den Schotten dann der BVB zugelost, was natürlich bedeutete, dass ich direkt den nächsten Auftritt der ‚Hoops‘ geboten bekam. Mit meinem Kumpel Caddy absolvierte ich die kurze Anreise über den Ruhrschnellweg zum Westfalenstadion. Mein neuer Brieffreund konnte leider nicht anreisen, da er arbeiten musste. Auch hier gab es Tickets an der Tageskasse und das Spiel war letztlich auch nicht ausverkauft, aber ich meine mich zu erinnern, dass ich vorsichtshalber ein paar Tage vor dem Spiel den kurzen Weg in die Bierstadt auf mich genommen hatte, um Tix im Vorverkauf zu erwerben. Das Westfalenstadion befand sich damals noch im Ursprungszustand. Ein Stadion ohne Schnörkel, vier einrangige Tribünen um das Spielfeld herum. Wie auch das Spiel in Köln betreffend, kann ich mich nicht erinnern, wie viele Celtic-Fans sich eingefunden hatten.
Anders im darauffolgenden Jahr, als ich Celtic zum ersten Mal außerhalb der deutschen Landesgrenze sah. Über eine Freundin meiner Schwester hatte ich Kontakt zu deren Ehemann bekommen, Fan der älteren Borussia, der mit einigen anderen Gladbach-Fans bereits Kontakte zu einem Celtic Supporters Club aus Glasgow hatte. Mit ihnen fuhr ich nach Bern und sah die Kelten im alten Wankdorfstadion gegen die Young Boys spielen. Vor gerade einmal 7.000 Zuschauern, davon mehr als die Hälfte aus Schottland, in diesem für die Deutsche Geschichte – nicht nur die Fußballgeschichte – so wichtigen, traditionsreichen und beeindruckenden Stadion sah ich ein trost- wie torloses Remis. Ein besonderer Aspekt war für mich, dass es der Ort war, an dem ‚Boss‘ Helmut Rahn, damals in Diensten des glorreichen RWE, Deutschland zum Titel geschossen hatte.
Tragisch wurde es im Jahr 1997. Mit meinem Mannschaftskollegen Lars reiste ich für eine Woche Urlaub nach Schottland. Während unseres Aufenthaltes sollte das Old Firm im Celtic Park, der sich damals im Umbau befand, stattfinden und über den besagten Kontakt hatten wir bereits Tickets sicher. In der Nacht vor dem Spiel verunglückte Lady Diana in Paris tödlich. Als Konsequenz wurde das Derby als Zeichen der Trauer und des Respekts verlegt. Wer auch immer der Verursacher dieses mysteriösen Autounfalls war, bei dem die Prinzessin von Wales ums Leben kam – wohl niemand verachtet dieses Menschen mehr als ich! Absurder Weise sahen die Engländer das wohl nicht so eng, denn während des abendlichen Frustsaufens im Pub, konnten wir das Premier League-Spiel in Bolton über die Bildschirme verfolgen.
Da mein Interesse am Fußball ja für einige Zeit abnahm, vergingen dann noch mehr als zehn Jahre bis ich ein Heimspiel der Kelten sehen sollte. Bis heute sah ich dann immer wieder mal Ligaspiele in Schottland und Auswärtsspiele im Europapokal, inklusive des UEFA-Cup-Finales in Sevilla, zu dem ich ja HIER schon die Geschichte aufgeschrieben habe. Auch ein Old Firm war dabei, allerdings in Ibrox. Im Celtic Park gilt es dieses noch dringend nachzuholen. Auch wenn der Celtic Park heute sicher nicht mehr den Charme des alten ‚Paradise‘ hat, ist es für mich ein besonderer Ort, der auch durch seine Größe beeindruckt. Und wenn man das richtige Spiel erwischt, kann man dort auch noch eine intensive Stimmung erleben. Ich habe mir vorgenommen von Zeit zu Zeit, alle paar Jahre, immer wieder mal nach Parkhead, in Glasgows East End reisen, um dort ein Spiel zu sehen. Mal schauen wann die Situation das wieder einmal zulässt.