Essen – So., 26.04.2026, 16:30

Rot-Weiss Essen vs 1.FC Saarbrücken 1:2

Stadion an der Hafenstraße, 17.617 Zuschauer, 3.Liga
Mit den Saarländern stellte sich eine ziemliche Wundertüte an der Hafenstraße vor. Mit deutlich mehr Qualität ausgestattet, als es der Tabellenplatz hergibt, war der FCS noch immer nicht von den letzten Abstiegssorgen befreit. Nach der Niederlage des glorreichen RWE beim Topspiel in Cottbus in der Vorwoche, stellte sich zudem die Frage, ob die Art und Weise wie diese zustande kam, etwas mit den Köpfen der Rot-Weissen machte. Trotz der Niederlage blieb der Euphorie-Pegel allerdings am Anschlag. Die davor errungenen sieben Siege in Folge haben natürlich eine Erwartungshaltung entstehen lassen, die selbst mich mit meiner vorsichtigen Einstellung endgültig an die Truppe glauben ließ. Unabhängig davon durfte nicht ausgeblendet werden, dass es dabei Spiele gab, die auf der Kippe standen und das Pendel dabei etwas glücklich auf die rot-weisse Seite ausschlug. Ich war zwar durchaus optimistisch, dass die Roten den deutlichen Dämpfer der Vorwoche gut weggesteckt hatten, irgendetwas in mir bereitete mir aber ein schlechtes Gefühl. Vorrangig lag das wohl am Gesetz der Serie. Der RWE hatte seit fast einem halben Jahr daheim nicht mehr verloren, während die Gäste noch länger auswärts nicht mehr gewonnen hatten. Serien reißen irgendwann, genau das ließ in mir die Alarmglocke schrillen. Feld-Moderator ‚Ruthe‘, der vor dem Spiel auf dem Rasen die Aufstellung verliest und dabei ein paar vermeintlich lustige, schlaue Sprüche vom Stapel lässt, schoss deutlich über das Ziel hinaus, als er die Gäste abfällig als ‚Möchtegern-Franzosen‘ diskreditierte. Das war mindestens genauso überflüssig und peinlich, wie die darauf folgenden „Ost-Ost-Ostfrankreich“-Rufe aus dem mit gut 800 Saarländern gefüllten Away-Sektor, die aber eine beinahe natürliche Reaktion auf diese geschmacklose Provokation waren. Nach meiner Meinung braucht es den Clown auf dem Rasen eh nicht. Die Kurve ist schon selbst in der Lage, sich anzuzünden. Kann weg.
Die Roten kamen gut in die Partie und erzielten mit einer traumhaften Kombination die frühe Führung. Nicht zum ersten Mal wurde dann aber mit dem die trügerische Sicherheit verleihenden Gefühl eben jener Führung das Tempo herausgenommen, anstelle die Verunsicherung des Gegners zu weiteren Angriffsbemühungen zu nutzen. Fünf Gäste-Ecken in Serie kurz nach dem Führungstor, von denen zwei schon ins Tor guckten, hätten eigentlich eine Warnung sein müssen. Stattdessen wurde den Blau-Schwarzen, die in der ersten Spielhälfte gefühlte 80% Ballbesitz hatten, nun das Spielgerät überlassen. Ballbesitz ist ja nicht nur wichtig, um das eigene Tor zu verteidigen, denn ohne Ball kann der Gegner Dir nicht weh tun. Ballbesitz taugt auch ganz gut, um selbst gefährlich zu werden und genau das versuchten die Gäste zunehmend, vorrangig über die linke Angriffsseite, wo der sonst starke RWE-Leihverteidiger Hofmann viel Mühe mit dem schnellen, quirligen Pick hatte. Zudem schaltete sich Linksverteidiger Bretschneider immer wieder offensiv mit ein und Abiama auf der rechten Essener Angriffsseite schien etwas überfordert damit, genau das einzudämmen und defensive Aufgaben zu übernehmen. Die Roten gaben den Gästen dann zu viel Raum, waren nicht eng genug am Mann, es fehlte irgendwie das Leben in der Mannschaft, eine klare Körpersprache sieht anders aus.
Das ermöglichte den Ausgleich nach einer halben Stunde, als sich ein Saarbrücker in den Essener Strafraum dribbelte und überlegt abschloss. Golz stand dabei auch nicht optimal und gab die rechte Torhälfte frei. Ein mögliches Foul an Janssen in der Entstehung bleibt diskutabel, ich bin aber eher ein Freund von großzügiger Auslegung. Großzügig blieben auch die Mannen in den roten Trikots, die kurz vor dem Pausenpfiff den Gästen erneut beim Kicken zuschauten, bis die Kirsche endlich im Tor lag. Auch bei diesem Treffer hätte Golz beim Torschuss besser stehen können, den aus spitzem Winkel abgesendeten Ball konnte er nicht entscheidend abwehren, Brünker staubte dankbar ab. Zur Wahrheit gehört aber, dass die Defensive es erst gar nicht so weit kommen lassen durfte. Die eh schon schwere Aufgabe wurde also noch schwieriger. Aber der RWE schüttelte sich und spätestens nach eine Stunde Spielzeit ging es nur noch auf das Tor des heute ganz starken FCS-Schlussmannes Menzel. Die Roten nahmen nun das Herz in die Hand und zeigten auch endlich die letzte Bereitschaft sich zu quälen. Warum nicht von Beginn an? Kopfsache. Natürlich! Abgesehen von der defensiven Schwäche, die durch eine starke Offensive oft kompensiert wird, ist nach meiner Meinung das größte Manko im Team das Fehlen von echten Mentalitätsspielern. Es fehlen einfach zwei, drei Leute im Team, die konsequent vorangehen, die ihre Mitspieler mitreißen.
Das zuletzt oft bemühte Glück war heute auch nicht auf der rot-weissen Seite des Spiels. Angriff auf Angriff rollte auf das Tor des Gegners, echte Torgefahr konnte man aber an einer Hand abzählen. Der Pfosten stand auch im Weg und Menzel hielt den Sieg kurz vor dem Ende mit einem ‚big save‘ fest. Dass Abstiegsgespenst Baumann kurz nach seiner Einwechslung mit dunkelrotem Karton wieder vom Feld geschickt wurde, fiel nicht mehr groß ins Gewicht und wenig später gab es lange Gesichter. Nun wird es hart, aber Aufgeben ist keine Option. Es gilt das Haupt zu heben, die Krone zu richten und zur Attacke zu blasen. Die Stimmungslage ist aber mal wieder schwierig, denn im Essener Norden gibt es ja nur gut oder schlecht, kein ‚dazwischen‘. Die wenigsten RWE-Anhänger können oder wollen Situationen sachlich einordnen. Ich persönlich befinde mich weiter in einer Luxus-Problemlage, denn ich sehe den Aufstieg weiterhin nicht als Muss an, auch wenn ich mich diesem nicht verweigern würde. Die Konstellation der restlichen drei Spieltage lässt alles offen, macht alles möglich. Doch geht es erst einmal darum den dritten Platz zu sichern. Platz vier wäre der Trostpreis und mein persönliches Minimum, das erreicht werden sollte. Berechtigt dieser Tabellenplatz doch zumindest zur Teilnahme am DFB-Pokal, würde sich aber nach der Zwischenbilanz der letzten Wochen wohl dennoch eher wie eine Niederlage anfühlen.

Dortmund – Sa., 25.04.2026, 18:00

ASC 09 Dortmund vs SV Lippstadt 1:0

Waldstadion Aplerbeck, 800 Zuschauer, Oberliga Westfalen
Körperlich nicht ganz auf der Höhe, wollte ich trotzdem nicht den ganzen Tag bei schönem Wetter in den eigenen vier Wänden vergammeln, daher machte ich mich auf zum Topspiel der Oberliga Westfalen im Waldstadion zu Dortmund-Aplerbeck. Zu Gast war der SV Lippstadt, was letztlich auch ausschlaggebender Faktor für diesen Spielbesuch war, denn der Verein darf sich über die Unterstützung einer lebendigen Ultra-Szene freuen. Diese war auch weitestgehend vollständig angereist und positionierte sich auf der überdachten Sitztribüne, die sich in diesem kleinen beengten Stadion ja aus Platzgründen etwas skurril hinter dem Tor befindet. Um den Traum vom Regionalliga-Aufstieg zu wahren brauchten die Gäste einen Sieg. Auf dem schwer zu bespielenden Rasen hatten aber beide Mannschaften Mühe, ein vernünftiges Kombinationsspiel aufzuziehen. Torchancen kam kaum zustande, wenn dann hatten diese allerdings die Gastgeber zu verzeichnen. Diese erzielten auch einigermaßen folgerichtig nach einer guten Stunde mit einem 30-Meter-Freistoß-Flatterball, welcher dem SVL-Schnapper über die Finger rutschte, die Führung. Die Gäste verkrampften etwas bei ihren Ausgleichsbemühungen, in der Box wurde es einfach nicht gefährlich. Da der ASC die sich bietenden Konterchancen aber auch nicht zu nutzen wusste, blieb es beim kleinstmöglichen Sieg-Resultat. Für die Westfalen wird es nun sehr schwer, bei mindestens fünf Punkten Rückstand, einem schlechteren Torverhältnis und nur noch fünf ausstehenden Spielen, das Ziel zu realisieren. Sollte der ASC aufsteigen wird dieser mangels Regionalliga-Tauglichkeit der eigenen Spielstätte übrigens ins ‚Ischelandstadion‘ in Hagen ausweichen. Für meinen Geschmack einigermaßen sinnlos, an solchen Geschichten sind Vereine schon oft genug gescheitert. Eventuell wäre es besser, gesetzte Grenzen zu erkennen.

Shenzhen – So., 12.04.2026, 20:00

Shenzhen Xinpengcheng FC vs Yunnan Yukun FC 3:4

Shenzhen Stadium, 16.354 Zuschauer, Chinese Super League
Auf dem Weg nach Shenzhen lag dieser Kick wie auf dem Silbertablett, war aber eben nur ein Zwischenstopp. Nur eine Station mit der Metro war es nun bis zum ‚Lo Wu Border Crossing Point‘. Wenn man von dem ganzen Gewusel vieler Menschen absieht, war der Grenzübertritt noch einfacher als erwartet. Die Ausreise war nur Formsache und bei der Einreise, für die man an einem Automaten seinen Pass scannt und dann fehlende Angaben ergänzt, stand eine freundliche chinesische Beamtin zur Unterstützung bereit. Top Service! Wenn ich daran denke, was es mit Visa-Antrag und Grenz-Prozedere vor Jahren noch für ein Aufwand war, das Reich der Mitte zu bereisen, ist die heutige Abwicklung kaum zu fassen. Ein paar chinesische Yuan wollten getauscht werden und per Metro, die sich null von der in Hongkong unterscheidet, fuhren wir in Richtung Stadion. Die Ticketbeschaffung hatte einer der chinesischen Lieferanten meines Arbeitgebers übernommen, da diese für Nicht-Chinesen ein paar Hürden in den Weg stellt. Die Zutrittsermächtigungen kamen letztlich sogar als Geschenk daher. Heißen Dank dafür, auch wenn der Kollege das Geschmirgel hier nicht lesen kann und wird. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch in Onkel Xi’s Riesen-Reich hatte ich nun den Eindruck, dass alles noch strukturierter und organisierter abläuft, als damals. Auch die Überwachung wurde freilich perfektioniert. Das war später bei der Ausreise zu erkennen, als ich den Posten vor meinem Mitfahrer passierte und auf den Bildschirm des Grenzbeamten schielen konnte. Fotos in diversen Situationen auf den Straßen waren von ihm auf einem Splitscreen zu sehen. Die Gesichtserkennung der omnipräsenten Überwachungskameras, die überall auf den Straßen installiert sind, scheint gut zu funktionieren. Big Brother is watching you – der Staatsapparat scheint den Roman ‚1984‘ von George Orwell aufmerksam studiert zu haben.
An seinem heutigen Standort ist der Shenzhen Peng City FC oder Shenzhen Xinpengcheng FC, wie der Club aus dem Mandarin in lateinische Schriftzeichen übertragen heißt, ein echter Traditionsverein. Schon seit 2024 ist der Verein in Shenzhen beheimatet. Ursprünglich hieß der Club Sichuan FC und erlebte einige Namensänderungen, Auflösungen und Neugründungen und wurde schließlich 1.350 Kilometer Luftlinie nach Shenzhen verlegt. Der Club gehört zur ‚City Football Group‘ aus Abu Dhabi die weltweit einige ‚Citys‘ und auch weitere Vereine aus allen Teilen der Welt unter ihrer Kontrolle weiß. Zugpferd der Gruppe ist Manchester City. Das 1993 erbaute ‚Shenzhen Stadium‘ wurde von 2020 bis 2025 offiziell renoviert, de facto aber komplett neu erbaut. Aus einem Stadion mit Laufbahn wurde ein hochmodernes reines Fußballstadion, welches von außen aussieht, als wäre ein UFO gelandet. 16.354 Zuschauer sahen ein wildes Spiel. Die ihren chinesischen Mitspielern überlegenen Ausländer geizten nicht mit Arroganz und Exzentrik, machten aber halt auch den Unterschied aus. Bis auf ein Tor wurden auch sämtliche Treffer von diesen erzielt. Nach ausgeglichenem, aber wildem Start gingen die Gäste im ersten Durchgang mit 3:0 in Führung. Das freute die etwa 400 Gäste-Fans natürlich. Wie viele davon tatsächlich die Reise aus dem über 1.000 km entfernten Yuxi in der südchinesischen Provinz Yunnan auf sich genommen hatten, bleibt fraglich. Auch der Gastverein trieft vor Tradition, wurde dieser doch schon 2021 gegründet.
Die heimische ‚Curva Sud‘ belegte den ganzen Unterrang eben jener Tribüne und bot optisch und auch akustisch einen ordentlichen Auftritt. Das Liedgut beider Szenen orientierte sich in den Melodien schon stark an europäischem Material, während das Einsingen hinter der Kurve und der folgende Einmarsch an Südamerika erinnerte, wie auch die tiefe Basstrommel, die von Snare drums begleitet wurde. Etwas künstlich wirkte das Fahnen- und Zaunbanner-Equipment, kein Wunder, wenn der Verein erst seit zwei Jahren in der Stadt spielt. Da dürfte Temu ganze Arbeit geleistet haben. Das in der ersten halben Stunde äußerst effektive Gäste-Team war dann drauf und dran, den komfortablen Vorsprung zu verspielen. Noch vor dem Seitenwechsel durfte der erste Treffer der Gastgeber bejubelt werden, die unmittelbar nach der Pause auch den schnellen Anschluss herstellten. Die etwas krampfhaften Versuche, den Ausgleich zu erzielen, wurden jedoch nicht belohnt und die Gäste konterten eine Viertelstunde vor dem Ende zum Sieg. Der erneute Anschluss per Elfer in der Nachspielzeit kam zu spät. Mit dem Abpfiff verließen wir das Stadion, fuhren mit der Metro zur Grenze und nach einem kurzen Snack war der China-Exkurs eine knappe Stunde nach dem Spielende auch schon wieder vorbei. Eine weitere Stunde dauerte es, bis wir schließlich in den Hotel-Federn lagen.

Hongkong – So., 12.04.2026, 15:00

Golik North District FC vs Lee Man FC 3:3

North District Sports Ground, 559 Zuschauer, Hongkong Premier League
Der Wecker wurde eigentlich nur für den Notfall gestellt, aber dennoch benötigt. Es fehlte Schlaf. Weiterhin. Aber so läuft das nun mal. Nach dem Erwerb eines neuen Cap nutzten wir die Fähre von Tsim Sha Tsui über den Victoria Harbour zum Central Ferry Pier. Von dort startet Buslinie 15, der sogenannte ‚Peak Explorer‘, denn sie führt über eine kurvenreiche Straße mit vielen Ausblicken auf den ‚Victoria Peak‘. Eine andere Möglichkeit auf den Peak zu kommen ist die Standseilbahn. Mit dieser geht es schneller – sofern man nicht ewig anstehen muss – aber auch mit deutlich höherem monetären Einsatz. Der ÖPNV in Hongkong ist übrigens top! Die Metro fährt in Stoßzeiten sogar im Zwei-Minuten-Takt, Doppelstock-Busse und kleinere Light-Busse fahren ständig irgendwo hin und günstig ist es obendrein. Einen besseren Nahverkehr habe ich möglicherweise noch nirgendwo erlebt. Der ‚Victoria Peak‘ ist sozusagen der Aussichtsturm von Hongkong, denn von dort hat man einen wunderbaren Blick über Central und Tsim Sha Tsui und die dahinter liegenden Stadtteile auf der anderen Seite des Victoria Harbour. Man kann die Aussichtsplattform des auf den Hügel gesetzten Einkaufskomplexes ‚Peak Tower‘ für viel Geld oder einfach kostenlos den unterhalb gelegenen ‚Lions Pavillon‘ für die Aussicht nutzen.
Nun ging es weit in den Norden Hongkongs, wo sich im ‚Northern Districts Sports Ground‘ ein Spiel der Premier League strategisch günstig aufdrängte. Es war dann eigentlich eine ziemlich trostlose Veranstaltung in einem trostlosen Stadion, aber die dramatische Schlussphase riss es mehr als raus. Lange führten die Gäste nach einem Treffer aus der ersten Hälfte. Zwölf Minuten vor dem Ende fiel der Ausgleich und in der zweiten Minute der Nachspielzeit erzielten die Gastgeber gar den Führungstreffer. Aufgrund diverser Schauspieleinlagen wurde die Nachspielzeit länger und länger und schon elf Minuten waren zusätzlich absolviert, als die Lee Man durch einen Strafstoß nach VAR-Entscheid – ja auch hier gibt es diesen unsäglichen Mist – wieder auf Remis stellte. Doch damit noch lange nicht genug, es ging weiter im Minutentakt. Nur eine Minute später drehte das Gäste-Team die Partie wieder komplett. Aber wieder nur eine Zeigerumdrehung weiter setzten die Nördlichen mit dem erneuten Ausgleich den Schlusspunkt unter das Gegurke und die Wett-Mafia wird um einen Haufen Kohle reicher geworden sein.

Hongkong – Sa., 11.04.2026, 18:00

Eastern SC vs Hongkong FC 5:0

Mong Kok Stadium, 454 Zuschauer, Hongkong Premier League
Mit Bus und Metro klappte es so gerade eben, die Strecke bis Mong Kok rechtzeitig abzuspulen. Vor diesem Spiel wäre es auch möglich gewesen, anstelle des Spieles in Chai Wan ein Spiel in Macao zu besuchen. Das hätte aber einerseits den Po Toi-Ausflug unmöglich gemacht und zum anderen fanden an diesem Wochenende die Spiele der ‚Liga de Elite‘ Liga auf dem alten ‚Lin Fong Sports Ground‘ statt, der sich aktuell im Umbau befindet und beinahe komplett mit grünen Bau-Netzen abgehängt ist. Da es nicht meine Philosophie von diesem Hobby ist, auf Biegen und Brechen irgendwelche Spiele und Länder abzuhaken, wurde daher auf den Trip nach Macau verzichtet. Sonst wäre ich ja auch ein elender Groundhopper, aber tatsächlich bin ich ja ein entspannter Fußballtourist 🙂 . Als wir uns dem Eingang des hübschen ‚Mong Kok Stadium‘ und damit der Taschenkontrolle näherten, dachte ich noch, das Trikot des Typen ein paar Positionen vor mir, sieht einem RWE Trikot aber verdammt ähnlich. Spätestens als er sein Beutel mit dem Logo des glorreichen Deutschen Meisters von 1955 vorzeigen musste, war alles klar. Die Welt ist klein. Es blieb aber bei gegenseitigem Erstaunen und Shake Hands, man muss sich ja nicht gleich heiraten.
Das ‚Mong Kok Stadium‘ ist ein reines Fußballstadion mit vier separaten Tribünen, der Stadionform, die mir meist am besten gefällt. Die Tribünen auf den Geraden wurden mit Zeltdach-Konstruktionen überdacht und von der Hintertor-Tribüne aus bietet die Skyline von Mong Kok eine tolle Kulisse. Die Gastgeber wurden von gut zwei Dutzend Leuten unterstützt, die ordentlich angeflaggt hatten. Jeder Verein in Hongkong weiß ein paar aktive Anhänger hinter sich. Mal mehr, wie hier beim Eastern Sports Club, mal weniger, wie vorher bei dem ähnlich lautenden Club Eastern District, wo nur ein Tünnes auf eine Trommel eindrosch und sein Team verbal anfeuerte und selten von zwei, drei anderen gelangweilten Sinnesgenossen dabei unterstützt wurde. Der Tabellenletzte war zu Gast und völlig chancenlos. Es hätten auch mehr als die fünf Kirschen hinter dem überlangen Schnapper einschlagen können. Mit der Metro ging es nach Tsim Sha Tsui zu einem eher mittelmäßigen Abendessen. Kneipen sucht man vergebens, daher wurde das Verlangen nach Bier durch einen anschließenden überteuerten Irish Pub befriedigt und wieder ging es zu spät ins Bett.

Hongkong – Sa., 11.04.2026, 15:00

Eastern District FC vs Tai Po FC 1:3

Siu Sai Wan Sports Ground, 626 Zuschauer, Hongkong Premier League
Ich bin wirklich kein Fan vom Fliegen. Also nicht, dass es Ängste in mir auslösen würde, aber es langweilt mich einfach. Vom Lesen oder Filme schauen hab ich meist schnell die Nase voll, in den Schlaf finde ich über den Wolken aber auch selten gut. Dann sitzt man eingepfercht mit zu vielen anderen Menschen, die zum Teil unangenehm riechen und zum Teil nervige Gewohnheiten offenbaren auf engstem Raume für Stunden zusammen. Auf der Kurzstrecke geht das ja schnell vorbei, aber auf Interkontinentalflügen ist man dem halt eine gefühlte Ewigkeit ausgesetzt. Die kulinarische Versorgung ist meist auch überschaubar schön und in Ruhe einen schnasseln kann man auch nicht, weil einen die Stewardüse in der Regel spätestens bei der dritten oder vierten Nachfrage nach einer Cerveza schief anschaut. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel. Dennoch war es an der Zeit mal wieder in die Erdumlaufbahn gehen, um den Reis(e)-Horizont zu erweitern. Japan stand eigentlich nie weit oben auf meiner ‚Bucket List‘. Insbesondere Tokyo stand ich ablehnend gegenüber, da mich Städte eigentlich umso mehr abturnen, je größer sie sind. Aber dahingehend hat mich seinerzeit auch Mexico City positiv überrascht und da mein saarländischer Leibarzt derzeit für einige Monate im Land der aufgehenden Sonne und eben genau in Tokyo weilt, wurde die Chance beim Schopfe gepackt. Da man auf einem Land schlecht stehen kann, wurde Hongkong mit ins Portfolio aufgenommen, dass seinerzeit auf der Nordkorea-China-Tour fahrlässig links liegen geblieben war.
Flüge nach Fernost sind aktuell gar nicht mal so günstig zu haben. China Eastern bekam schließlich zu einem noch vertretbaren Preis den Zuschlag für die Gabel ab Frankfurt über Shanghai nach Hongkong und zurück ab Tokyo. Mein von einigen früheren Reisen erprobter Mitreisender aus meinem engsten RWE-Umfeld wurde eingesammelt und nachdem Köln passiert war, ging es über eine selten so leer erlebte A3 gen Frankfurt. Das Fahrzeug wurde für die nächsten zwölf Tage am bewährten Platz nahe des Raunheimer Bahnhofes eingelagert und die letzten Kilometer zum Airport mit der S-Bahn bewältigt. Das erste zehn Stunden währende Flugsegment bis Shanghai war dann recht gut zu ertragen, da wir eine Vierer-Mittelreihe für uns allein hatten und die Beinfreiheit daher entsprechend war. Die Nachfrage nach dem Gerstensafte wurde zwar nicht kritisch betrachtet, dafür waren die Biervorräte aber offenbar etwas knapp bemessen und früh aufgebraucht. Bei der dünnen China-Plörre jedoch auch nicht so tragisch. Insgesamt machte die Airline aber einen guten Eindruck auf uns. Das änderte sich mit dem zweiten Flug. Weit draußen von einer Außenposition auf dem riesigen Pudong-Airport, deren Anfahrt per mit dem Vorfeldbus beinahe so viel Zeit in Anspruch nahm, wie der darauffolgende Flug, ging es fast eine Stunde verspätet weiter. Der Flieger war voll und relativ eng, dazu kam die Müdigkeit. Als wir dann nach Landung in Hongkong nach gefühlt ewig dauerndem Taxiing zur Parkposition die Maschine endlich verlassen konnten, hatte ich von der Anreise die Schnauze auch komplett voll.
Bus A21 brachte uns fast vor die Hoteltür des ‚Cityview‘. Den Namen hätten hier ja eigentlich alle Häuser verdient. Die zentralen Stadtteile sind großzügig dimensioniert, irgendwo müssen sie ja hin, die knapp acht Millionen Einwohner, also geht es in die Höhe. Dann musste erstmal eine Octopus-Card besorgt werden. Das ist eine Bezahlkarte, die man in Hongkong für fast alles nutzen kann. Ob ÖPNV, im Supermarkt oder Restaurant, beim Straßenhändler oder im Taxi – Octopus rules. Dann mal auf in die Schlacht. Der angesteuerte Tempel war schon geschlossen, daher war als nächstes die ‚Avenue of Stars‘ unser Ziel, wo viele chinesische oder chinesisch-stämmige Promis, vorrangig Schauspieler, ihre Handabdrücke hinterlassen haben. Außerdem wird diese Promenade am ‚Victoria Harbour‘ auch gern für Selfies in allen möglichen Pannemann-Posen genutzt. Wir warteten noch den Sonnenuntergang ab, der mangels Sonne kein wirklicher war, aber in der Dämmerung einen guten Blick auf den Stadtteil ‚Central‘ mit all seinen Lichtern auf der der gegenüberliegenden Seite bot. Von dort latschten wir zum Food Market. Wie erwartet ziemlicher Touri-Mist. Food-Stände gab es nur auf den ersten 100 Metern, danach wechselte das Angebot auf Nippes, Kokolores, Klimbim, Schnickschnack, Killefit, Tinnef, Plunder… Dass der köstliche Octopus-Spieß mit der Octopus-Card bezahlt wurde, war natürlich obligatorisch. Für ein ausgiebigeres Abendmahl steuerten wir ein gut besuchtes Seafood-Restaurant am Straßenrand an. Ist ja immer ein gutes Zeichen, wenn auch viele Locals einkehren. Dementsprechend lecker war es dann auch. Ein paar Biere flossen auch und so ging der Abend später zu Ende als er nach der anstrengenden Anreise eigentlich hätte sein sollen. 
Um 7:45 schellte der Wecker. Das war nach der langen Anreise hart, aber wir hatten Termine. Das Wetter präsentierte sich weiterhin niederschlagsfrei bei 28 Grad, nur die Sonne ließ sich hinter der dichten Wolkendecke einfach nicht blicken. Per Metro und Bus über verwinkelte Straßen fuhren wir eine gute Stunde nach Stanley. Wenn man die quirligen Stadtteile um den Victoria Harbour verlassen hat, wird die Metropole deutlich ruhiger. Es gibt zwar auch dort hohe Häuser, aber deren Größe und Dichte nimmt deutlich ab. Stanley selbst wirkte schon fast beschaulich. Die Ruhe dort störte ich gekonnt, in dem ich den frisch erworbenen Coffee-to-go direkt durch die Kaffee-Bar fegte. Schon erstaunlich wie sehr sich gerade einmal 200 Milli-Liter auf dem Boden ausbreiten. Peinliche Nummer, aber außer mir regte es keinen auf und ich bekam einfach einen neuen hingestellt. Vom ‚Blake Pier‘ brachte uns die Personenfähre in einer halben Stunde nach ‚Po Toi‘. „Toi toi toi“ kann man da nur sagen. Po Toi ist die südlichste Insel Hongkongs und bietet den kompletten Gegensatz zur Millionen-Stadt. Nur wenige Einwohner leben auf der Insel und man fühlt sich beinahe wie in Südostasien. Unser Aufenthalt betrug leider nur eineinhalb Stunden, anders gaben es die Abfahrtszeiten der Fähre nicht für uns her. Wie liefen ein wenig in die eine, dann in die andere Richtung und nach einem Erfrischungsgetränk hieß es schon wieder „Bye bye Po Toi“. Ein etwas kurzer aber dennoch schöner Ausflug! 
Zurück in Stanley brachte uns ein Light Bus, der mich mein Baseball-Cap kostete, nach Chai Wan. Schon lange mehr keine Mütze im Bus liegen gelassen, war wohl mal wieder Zeit. Am letzten Spieltag der Hauptrunde ging es im Spiel zwischen dem Eastern Districts FC und Tai Po um nichts mehr, denn es war schon klar, dass Tai Po in die Meisterrunde Einzug hält, während sich die Gastgeber in der Abstiegsrunde abplagen müssen. Diese Unterteilung wird aber auch nichts mehr an den finalen Entscheidungen ändern, denn der Kitchee SC wird sich wie so oft in den letzten Jahren als Meister krönen, während der Hongkong FC eine erbärmliche Saison spielt und mit nur vier Punkten abgeschlagen den Tabellensumpf ziert. Das sportliche Niveau der Liga ist schwer einzusortieren. Ich denke aber, jeder ambitionierte deutsche Oberligist könnte in dieser Liga mithalten. Die Teams bestehen aus Einheimischen sowie drittklassigen Spielern aus allen Teilen der Welt. Auch ein paar talentiertere Akteure lassen die Karriere hier ausklingen. Der ‚Siu Sai Wan Sports Ground‘ liegt direkt an der ‚Junk Bay‘ im Westen von Hongkong. Hinter dem Stadion ragt ein monströser Gebäudekomplex in den Himmel, ein etwas unwirklicher Anblick. Über 50 Stockwerke ragen in den Himmel.

Schweinfurt – Di., 07.04.2026, 19:00

1.FC Schweinfurt 05 vs Rot-Weiss Essen 1:3

Sachs-Stadion, 3.877 Zuschauer, 3.Liga
Auf einem Dienstag Abend ging die Reise zum designierten Absteiger aus der Kugellagerstadt. Nicht optimal und daher umso bewundernswerter, dass unsere sechsköpfige Reisegruppe der üblichen Verdächtigen schon vor Wochen komplett meldete und mit drei Leuten aus dem erweiterten Kreise ein Neuner-Bus gefüllt wurde. Das aus der Zeit gefallene, mit einer Laufbahn ausgestattete Stadion verfügt über eine nicht zu große, gedeckte Haupttribüne. Die mehrstufigen Stehränge bieten dagegen keinerlei Wetterschutz. Um die Liga-Auflagen zu erfüllen, wurden Bereiche in den Kurven mit Stahlrohr-Sitztribünen bestückt, ansonsten hat sich zu meinem ersten Besuch vor langer Zeit nichts verändert. Diese auf ihre Art schöne Spielstätte hat einen besonderen Charme, der durch die Bäume und niedrigen Hecken, welche die Ränge einfassen, noch vertieft wird. Bis vor einigen Jahren hatte das Stadion noch einen Vornamen. Es büßte den Namen Willy, einem eher zweifelhaften Bürger der Stadt mit NS-Vergangenheit als SS-Mitglied, jedoch auf Betreiben einer Bürgerinitiative ein. Dass der Familienname dem Stadion mit etwas steifer Begründung aber erhalten blieb, kommt eher schildbürgerlich daher. Dass die Namensgebung überhaupt erst so spät hinterfragt wurde aber ebenso.
Was den unter der Woche von starken 1.100 Fans begleiteten RWE erwarten sollte, war nicht recht klar. Würde es eine gemäß Tabellenstand erwartbare Nummer werden oder sollten sich die ‚Schnüdel‘ mit allen Kräften wehren? Immerhin war das seit Ende Februar von Jermaine Jones trainierte Team daheim seit drei Spielen ungeschlagen. Der Spoiler sei erlaubt – nach einigen Startproblemen lösten die Roten die Aufgabe souverän. Die Gastgeber kamen allerdings gut in die Partie und bei zwei, drei scharfen Hereingaben von den Außen, hätte es auch durchaus hinter Golz einschlagen können. Vor allem der nach Ablauf seiner Gelb-Sperre ins Team gerutschte Kostka ließ sich im Minuten-Takt überlaufen, so dass der auf dieser Position starke, aber von einer kleinen Verletzung gerade erst wieder genesene Hofmann schon zum Aufwärmen entsendet wurde. Kostka fing sich aber und spätestens nach 15 Minuten hatte der glorreiche RWE die Geschichte im Griff. Abiama eröffnete mit einer Direktabnahme aus halblinker Position im Strafraum den Torreigen. Und nachdem Brumme eine hochkarätige Chance frei vor dem FCS-Tormann nach dessen Fehlpass auf ihn nicht nutzte, der Ball aber in Essener Reihen blieb, brachte der Torschütze den Ball klug und genau auf Müsel, der das Ding mit seiner feinen Technik volley von der Strafraumgrenze ins Tor drosch.
Auch im zweiten Durchgang behielten die Rot-Weissen die Oberhand und kreierten viele Chancen, aber lediglich der eingewechselte Obuz erzielte ein weiteres Tor, es wurde Chancenwucher betrieben. Mit Blick auf das Torverhältnis wären ein paar weitere Treffer nicht verkehrt gewesen, aber lediglich Kapitän Schulz traf noch, dummerweise ins eigene Netz. Drei Punkte gab es trotzdem und diese hochverdient, denn der RWE war bis auf die Anfangsphase hoch überlegen. Damit wurden die Unterfranken in die Regionalliga geschossen, der Abstieg steht sechs Spieltage vor Ende nun auch rechnerisch fest. Geschockt wirkte auf Heimseite keiner. Als die Mannschaft nach dem obligatorischen Kreis zu den Fans schlurfte, waren nur noch ein paar versprengte im Block verblieben. Im Away-Sektor wurde dagegen gefeiert. Nach dem nun sechsten Sieg in Serie lebt die Hoffnung auf den Aufstieg, zumal die Mannschaft unheimlich gefestigt und selbstsicher wirkt.

Erkelenz – Mo., 06.04.2026, 15:00

FC Dynamo Erkelenz vs FC Germania Teveren 2:1 n.V.

Willy-Stein-Stadion, 400 Zuschauer, Kreispokal Heinsberg Halbfinale
Der FC Dynamo Erkelenz heißt nicht zufällig so, denn es ist ein ukrainisch geprägter Verein. Besonders positiv wirkt sich das auf das Catering aus, angeboten wurden fette Schaschlik-Spieße vom Holzkohlegrill – lecker! Nicht so ein Leckerbissen war der sportliche Part der Veranstaltung, obwohl die Voraussetzungen gut waren. Die Gastgeber wollen in die Bezirksliga und rauschen gerade im Eiltempo durch die Kreisliga A. 20 Siege aus 20 Spielen sprechen eine klare Sprache. Gegen den Landesligist aus dem Schatten des NATO-Stützpunktes Geilenkirchen war dann auch kein großer Klassenunterschied erkennbar, leider aber nur auf bescheidenem Niveau. 90 Minuten lang gab es keine hochkarätige Torchance zu bestaunen. Drei Minuten Nachspielzeit zeigte der Referee an und in dieser nach einem Foulspiel im Strafraum zugunsten von Dynamo auf den Punkt. Die Gastgeber nutzten die Chance, zum Sieg reichte das aber noch nicht, da die Germania im Gegenzug noch ausglich. Fußball ist manchmal schon bescheuert. Dynamo gingen die Kräfte aber nicht aus und der zweite Treffer in der zweiten Hälfte der Verlängerung bedeutete dann doch noch den nicht unverdienten Final-Einzug.