
FC Hansa Rostock vs Rot-Weiss Essen 3:2
Ostseestadion, 24.557 Zuschauer, 3.Liga

Persönlich erwartete ich wenig von der Reise an die Ostseeküste, denn die Leistungen bei den letzten Auftritten in der Ferne gaben wenig Anlass zur Hoffnung. Nach langer Überlegung entschied ich mich, das Spiel aus dem Gästebereich zu verfolgen, in dem man ja bedingt durch diverse Graffiti und ‚Willkommensgrüße‘ direkt weiß wo man ist. Hat aber grundsätzlich meinen Geschmack. Der Block selbst ist nur begrenzt attraktiv im Eck gelegen und mit Netzen überproportioniert zugehängt, dass ein Bett einer Safari-Lodge in Afrika vor Neid erblassen würde. Dass in Rostock die aktive Szene ihren Platz auf der Hintertor-Tribüne unmittelbar neben dem Away-Sektor hat, ist lediglich ergänzend ätzend. Was die Roten dann anboten, war ähnlich bescheiden, wie die Sicht auf das Geschehen. Zwar waren Sie nicht hoffnungslos unterlegen, aber die Hansa-Kogge gewann die Partie letztlich verdient, wenn auch aufgrund der wilden Schlussphase auf eine Art glücklich. Wienand hütete weiterhin das Tor für den verletzten Golz. Der Junge ist nicht schlecht, vor allem auf der Linie stark, zeigt aber Schwächen in der Beherrschung des Sechzehners, wie des Raumes davor. Das mag durchaus der mangelnden Spielpraxis geschuldet sein und kann sich mit steigenden Einsatzminuten verbessern. Auch in der Kommunikation mit den Vorderleuten scheint es Verbesserungspotential zu geben. Denn beim Führungstreffer hätte er nur Alonso zurufen müssen, den Ball durchzulassen und hätte diesen dann entspannt aufnehmen können.
Diese Ansage scheint aber gefehlt zu haben, so dass eben jener Alonso die Kugel schwammig und ohne Druck mit dem Kopf zur Seite zu klären versuchte. Die Kirsche kam postwendend zurück und Schulz drückte das Teil in die eigenen Maschen, dieses hätten aber einer der beiden hinter ihm lauernden Hansa-Spieler sonst genauso sicher besorgt. Vorher hatte Wienand noch einen Kopfball aus kurzer Distanz stark pariert und Abiama aus 20 Metern beinahe die schmeichelhafte Gästeführung besorgt, denn die Hansa war das spielbestimmende Team. Das änderte sich lange auch im zweiten Durchgang nicht. Der zweite Treffer für die Gastgeber ging dann allerdings klar auf die Kappe des jungen Wienand. Bei einem langen Ball auf den schnellen Krauß verließ er seinen Hoheitsbereich, obwohl Alonso und Schulz in unmittelbarer Nähe des Hansa-Stürmers unterwegs waren. Dieser spitzelte die Kugel zu einem Mitspieler, der mit einer gefühlvollen Bogenlampe aus 30 Metern Freund und Feind überwand. Nun war eine harte Nuss zu knacken, aber Abiama stocherte das Spielgerät fast im Gegenzug glücklich zum Anschlusstreffer über die Linie. Hansa blieb am Drücker und Wienand hielt sein Team im Spiel. Die Roten gaben die Bälle aber im umständlichen Aufbauspiel zu einfach her und mussten zu oft hinterherlaufen. Zehn Minuten vor dem Ende ging Brumme dann mal über die linke Seite und der Ball schien die Seitenauslinie überquert zu haben. Dass ganz Rostock meinte „ganz sicher“ und die 1.088 mitgereisten RWE-Fans „eher nicht“, liegt in der Natur der Sache.
Der Kick lief jedenfalls weiter und der Ball zu Cuber-Potocnik in den Strafraum, wo dieser zwar nicht rüde, aber eben doch gefoult wurde und ein Strafstoß war die Folge. Auch aus über einhundert Metern war zu erkennen, dass sich nach dem Abgang des etatmäßigen Schützen Arslan keiner um diese Aufgabe riss. Alonso übernahm schließlich die Verantwortung, glich aus und stellte das bisherige Geschehen etwas auf den Kopf. Plötzlich war die Kogge angeschlagen und der RWE versuchte diese Situation für sich zu nutzen, aber nur drei Minuten später gab es erneut Elfmeter, dieses Mal für die Gastgeber, nachdem der Ball aus eineinhalb Metern an den herunterhängenden Arm von Kostka geköpft wurde. Eine Entscheidung aus der Kategorie ‚äußerst zweifelhaft‘, denn eine aktive Bewegung lag nicht vor und die Körperfläche wurde auch nicht unnatürlich vergrößert. Aber zum einen hatte der Referee vor der aufgebrachten Kulisse sicher nicht Eier, das Spiel laufen zu lassen, zum anderen ist halt die Regel das Problem, die es den Schiedsrichtern schwer macht, in der kurzen Zeit exakt zu differenzieren. Der Schütze verwandelte sicher und stellte die Ergebnisgerechtigkeit wieder her. Kurz darauf war Schluss. Trotz der Überlegenheit des letzten DDR-Meisters eigentlich eine vermeidbare Niederlage. Ein Eigentor, ein Torwartfehler und ein fragwürdiger Handelfmeter führten dazu. Im Gegensatz zum vorherigen Auswärtsspiel in Osnabrück sparten sich die Capos eine wütende Ansage an das Team. Stattdessen gab es aufmunternden Applaus. Weder das eine, noch das andere wird aber die grundlegenden Probleme beheben.
Da ist einerseits eine spürbare Verunsicherung im Team. Warum einfach keine Konstanz in die Leistungen kommt, ist nach einer wirklich stabilen und positiven Hinrunde unerklärlich. Dieses mit wechselnden Systemen und Aufstellungen zu begründen, ist mir zu billig. Ein Spieler auf diesem Niveau muss die physische und psychische Fähigkeit besitzen sich diesen Veränderungen erfolgreich zu stellen, anderenfalls ist er auf diesem Niveau halt fehl am Platze. Noch eklatanter macht sich aber das Fehlen von Kampf und Leidenschaft bemerkbar. Gegen kampfstarke Gegner und vor allem Gegner auf Augenhöhe punktet der RWE zu unregelmäßig. Aus meiner subjektiven Sicht lassen die Akteure aber auch die letzten 15 Prozent Einsatzwillen missen, den die Kontrahenten aber eben auf den Platz bringen. Dass die Jungs Fußball spielen können, ist unbestritten, aber das alleine reicht in dieser Liga nicht. Mit ‚Wellness-Fußball‘ wird man nicht mehr oft gewinnen, man muss den Kampf annehmen. Leider gibt es aber auch nicht allzu viele Spieler der Marke ‚Kampfschwein‘ in dieser Mannschaft und mit Moustier hat das Leit-Tier in dieser Kategorie den Verein leider im Januar verlassen. Wenn man sich ständig drei Gegentore fängt, wird das Punktesammeln schwierig. Wie schon mehrfach erwähnt, kann ich gut damit leben, den Aufstieg nicht zu erreichen. Das Einzige was mich nervt, ist, dass es absolut möglich wäre. Nun gilt es die Negativspirale zu durchbrechen und vor allem in der Defensive stabiler zu werden. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es schon am Mittwoch gegen die ‚Barackler‘ aus Mannheim.









































































































