Essen – So., 20.09.2026, 13:30

Rot-Weiss Essen vs FC Hansa Rostock 1:1

Stadion an der Hafenstraße, 19.000 Zuschauer, 3.Liga
Hansa rollte mal wieder an und für viele Rot-Weisse bedeutet dieser Gegner ein Highlight-Spiel. Und ja, natürlich hebt sich die Kogge wohltuend von den Viktoria Kölns und Wehen Wiesbadens dieser Welt ab, aber als wirklich besonders fühle ich diese Spiele nicht. Die Bude war natürlich ausverkauft, somit auch der Gästebereich bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie bei den letzten Spielen bekamen die Anhänger der Mecklenburger nur den Stehplatzbereich gestellt. Was ursprünglich mal als Maßnahme gegen drohende Verwüstung gedacht war, finde ich generell nur fair, denn auch der RWE bekommt für die Spiele an der Ostsee nur Steher gewährt. Hansa Ostblock war als selbsternannter Aufstiegsaspirant durchschnittlich in die Spielzeit gestartet, hatte von außen betrachtet etwas panisch und übereilt nach fünf Spielen bereits den Übungsleiter von seinen Aufgaben entbunden. Erste Wirkung hatte diese Aufgabe mit einem darauffolgenden wackeligen Heimsieg bereits gezeigt, so dass eine einigermaßen befreite Gastmannschaft zu erwarten war. Zunächst gab es aber seitens des Schiri-Assistenten eine Reklamation des Tornetzes am Gehäuse vor dem Gästeblock. Die Netzaufhängung war nicht korrekt. Einer arbeitete, drei schauten zu. Vollbeschäftigung quasi – die älteren Semester im Away-Sektor müssten sich wie in der DDR gefühlt haben.
Die erste Spielhälfte war dann für den parteilosen Beobachter sicher keine Freude, die Teams neutralisierten sich zwischen den Strafräumen. Torraumszenen und daraus resultierende Chancen kamen nicht viele zustande, ein paar mehr davon und die besseren aber für die Roten, die nach zwanzig Minuten das Kommando übernahmen, zur Pause stand aber die beidseitige Null. Das Kräfteverhältnis blieb nach Wiederanpfiff unverändert. RWE mit viel Ballbesitz und deutlich zwingender und dominanter als die Gäste. Diese erzielten dennoch die Führung. Den Roten flog ein eigener Einwurf tief in der Hansa-Hälfte um die Ohren. Dem Ballverlust folgte schnelles Umschalten und beim langen Ball in die Spitze sah sich Hofmann plötzlich alleine gegen zwei gegnerische Angreifer. Zwar hatte er den besseren Laufweg und kam als erster an den Ball, doch anstelle einfach humorbefreit zu klären, versuchte er den kontrollierten Kopfball auf den inzwischen eingetroffenen Pesch, der aber ungünstiger zum Ball stand als der spekulierende Krauß, der sein Tempo ausspielte und aus halblinker Position und relativ spitzem Winkel den flachen Abschluss suchte. Die Murmel wurde lang und länger und rollte schließlich zentimetergenau zwischen dem Handschuh von Golz und dem Torpfosten ins lange Eck.
Doch der glorreiche RWE ließ sich nicht beirren und machte weiter. Zwar fehlten mir irgendwie die letzten paar Prozent Bereitschaft, sich bis zum letzten zu quälen, aber es reichte aus, um die Hanseaten in ihre Hälfte zu drängen. Die wenigen sich ergebenden Möglichkeiten waren jedoch noch nicht zwingend genug, um den Ausgleich zu erzielen. So richtig passte es heute nicht zusammen, manche Aktionen dauerten einfach zu lange, manchmal wurde in der heißen Zone im richtigen Moment die falsche Entscheidung getroffen und umgekehrt. Ein Rätsel ist mir nach wie vor die Wechselpolitik von Trainer Koschinat. Einen wuchtigen Stürmer Jansen, der sich bis dahin einige Male in Szene setzen konnte, aus dem Siel zu nehmen und ein ewiges Talent Potocnik zu bringen, der bisher keine Glanzpunkte setzen konnte, mag bei eigener Führung eine Maßnahme sein, aber sicher nicht bei Rückstand. Auch der Eins-zu-Eins-Wechsel auf der Sechser-Position wenige Minuten vor dem Ende, wenn man ja eigentlich alles auf eine Karte setzen muss, erschließt sich mir nicht. In der Schlussminute fuhr die Hansa dann einen blitzsauberen Konter, aber Jakob Golz stellte sich dem entscheidenden Treffer stark in den Weg. Der daraus resultierende Gegenzug brachte doch noch das Remis. Die Hansa-Defensive bekam einen flachen Steilpass von Bouebari nicht geklärt, Telalovic holte sich die Kugel, zog von Linksaußen in den Sechzehner, schloss knapp an der Strafraumgrenze ab und traf wie Krauß rechts unten zum Ausgleich.
Punkt gerettet, was eigentlich zu wenig war, aber wenn Fußball planbar abliefe, würde sich dafür niemand interessieren. Es sei denn man ist Bayern-Fan. Zur Atmosphäre… beide Seiten verzichteten auf besondere optische Aktionen. Die Westkurve bot eine solide Vorstellung, war immer zu hören, auch wenn der ganz große ‚Roar‘ ausblieb. Die Gäste lieferten nach meiner Meinung auch nur ein Standardprogramm ab. Auffallend war, dass auf Schwenkfahnen komplett verzichtet wurde. In einem vollbesetzten Block für die Sicht aufs Spielfeld natürlich eine Wohltat. Warum aber der Support der großen Ost-Vereine immer so gefeiert wird, erschließt sich mir nicht. Klar, die Kurven sind laut. Auch die Mitmachquote ist enorm und kratzt meist am Optimum. Die Anfeuerung selber ist aber null spielbezogen, sondern einfach nur statisch. Es gibt überhaupt keine spontane Reaktion auf das Geschehen auf dem Platz, die Set-List wird sauber und emotionslos abgearbeitet. Das hat für mich gar nichts mir einer lebendigen Kurve zu tun, sondern eher mit militärischer Präzision. Es fehlt der Effekt, die eigene Mannschaft in den entscheidenden Phasen mit emotionaler Reaktion auf das Geschehen zu pushen. Da sehe ich lieber den Waldhof, die Alemannen oder Meppen im Away-Sektor. Dann ist der Block auch voll, es gibt zwar auch mal ruhigere Minuten, aber der Support ist deutlich lebendiger.

Istanbul – Do., 17.09.2026, 22:00

Besiktas JK vs Olympique de Marseille 4:1

Besiktas-Park, 39.861 Zuschauer, Europa League Ligaphase
Nach der Rückgabe des etwas ramponierten Mietwagens in Bratislava fuhren wir mit dem Bus zum Wiener Flughafen. Im Moxy-Hotel durften wir schon einchecken, so dass wir in Ruhe für den Nachmittag in die Wiener City fahren konnten, bevor die Reise am nächsten Morgen fortgesetzt wurde. Man mag es ja kaum glauben, aber ich war bis auf diverse Umstiege an den Flughäfen noch nie in meinem Leben in Istanbul. Turkish Airlines brachte uns genau dorthin. Man kann sicher günstiger nach Konstantinopel fliegen, wenn man Pegasus, A-Jet, Corendon und Co nutzt. Da hatte ich aber mit der Gattin und großem Gepäck schlicht keinen Nerv drauf. Mit Turkish bin ich immer (Achtung, Wortwitz) gut gefahren und habe mich gut versorgt gefühlt, das ist meine persönliche Nummer-1-Airline. Und man bekommt sogar noch ein genießbares Essen und freie Getränke. Mit der Metro fuhren wir vom riesigen Flughafen auf der europäischen Seite mit einem Umstieg zum Taksim-Platz. Zwar prinzipiell easy, aber mit größerem Gepäck auch anstrengend, zumal die Metro in Istanbul circa vier Kilometer unter der Oberfläche verkehrt.
Den Rest des Tages nutzten wir zur Akklimatisierung von der gechillten Slowakei in den Ameisenhaufen am Bosporus, bevor wir uns am Tag darauf dem Sightseeing widmeten. Was das angeht, ist Istanbul nicht nur ein absolutes Highlight, sondern vor allem eins: teuer! Letztlich entschieden wir uns die ‚Hagia Sophia‘ und die ‚Yerebatan-Zisterne‘ zu besuchen und fanden nach ausgiebiger Internetsuche ein Skip-the-line-Kombiticket zu einem vertretbaren Preis im Vergleich zu den Einzeleintritten. Diese kosten für annähernd alle Spots zwischen 40 und 60 Euro. Die Hagia Sophie ist dann noch der größte Nepp, weil man als ungläubiger Touri nur auf die obere Galerie darf, wo man nicht viel sieht. Außerdem geht es der Kuppel des Gebäudes nicht gut, weshalb man hauptsächlich eine fette Stahlkonstruktion besichtigt. Die mystisch illuminierte Zisterne konnte da schon deutlich mehr. Die ‚Blaue Moschee‘, der große Basar und die beeindruckende ‚Fatih Moschee‘ wurden auch noch angeschaut. Der Besuch der Moscheen ist ja völlig kostenfrei.
Nach dem Abendessen, brachte ich die geschätzte Gattin ins Hotel und machte mich alleine auf zum ‚Besiktas Park‘ oder aktuell ‚Typras Stadyumu‘ benannt, das ja direkt am Bosporus liegt. Mit diesem Stadion hatte ich noch eine offene Rechnung zu begleichen. Vor zwei Jahren sollte Istanbul Station auf dem Rückweg aus der Golf-Region sein, um dort das Europa League-Spiel von Besiktas gegen Maccabi Tel Aviv zu besuchen. Da aber das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel durch die Konflikte in Nahost stark belastet ist, entschied die UEFA das Spiel in ein anderes Land zu verlegen, es fand schließlich vor leeren Rängen im ungarischen Debrecen statt. Wie ich nun heute in dieses Stadion kommen sollte, war noch ungewiss. Eigentlich wollte über ich den ganzen Ablauf gar nicht so detailliert berichten, aber die Geschichte ist wieder zu gut, um sie zu verschweigen, also muss sich der Leser nun etwas Zeit nehmen… Die Zeiten, in denen man in der Türkei eine Eintrittskarte einfach am Stadion kaufen könnte, sind schon lange vorbei. Um Spiele der ersten beiden Ligen besuchen zu können, benötigt man eine sogenannte ‚Passo Taraftar Kart‘. Für diese registriert man sich auf gleichnamiger Website mit seiner Ausweis- und Handynummer. Das ist unkompliziert.
Im nächsten Schritt darf man sich dann entscheiden mit welchem Verein man die Karte verknüpfen will. Es gibt auch die Option, eine neutrale Karte zu erstellen, das hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist man dann nicht an ’seinen‘ Verein gebunden und hat prinzipiell die Chance, Tickets für verschiedene Spiele zu erwerben. Andererseits wird bei Spielen mit zu erwartender hoher Auslastung, zunächst den Vereinskarten-Inhabern ein Vorkaufsrecht eingeräumt, bevor ein eventueller Rest für die neutralen Karten freigegeben wird. Einen aktiven Account hatte ich noch vom Erstvorhaben vor zwei Jahren, nur die Karte war abgelaufen, diese ist nur für ein Jahr gültig. Eine neue Karte kostet dann auch jedes Mal Geld, mittlerweile knapp über 20 Euro. Dieses also nur, um überhaupt befugt zu sein, Eintrittskarten für die ersten beiden türkischen Ligen zu kaufen! Die Karte ist auch nach wenigen Augenblicken schon aktiv, die Kommunikation durch Passo Taraftar läuft einseitig über SMS. Als nächstes benötigt man dann ein Profil bei ‚Passo‘. Das ist die Plattform, über die in der Türkei Tickets für fast alle Veranstaltungen angeboten werden, egal ob Sport, Musik, Theater, Kunst oder sonst was. Den Account erstellt man klassisch passwortgeschützt mit seiner E-Mail-Adresse. Auch einen solchen hatte ich noch. Der Passo-Account muss dann mit der Passo Taraftar Kart verheiratet werden und dann kann es losgehen. 
Soweit die Theorie, meine praktische Erfahrung wich in Nuancen ab. Am Wochenende vor dem Spiel gegen die Franzosen hatte Besiktas ein Liga-Heimspiel gegen einen uninteressanten Gegner. Dieses wollte ich als Test nutzen, der Vorverkauf startete ‚schon‘ 48 Stunden vor dem Spiel. Also auf Passo angemeldet und das Spiel ausgewählt. Dann einen Sitzplatz gewählt und eine Meldung in türkischer Sprache poppte auf. Der Übersetzer sagte mir, dass ich nicht berechtigt sei, für dieses Spiel eine Karte zu kaufen. Keine Idee warum, also die Kontaktmaske bemüht und meine Anliegen vorgetragen, danach realisiert, dass vermutlich in diesem Jahrzehnt keine Antwort kommen wird und kurzentschlossen die Hotline angerufen. Die Dame am anderen Ende konnte genau einen englischen Satz: „I do not speak Englisch, we will call you back“. Okay, dass das nix würde war klar, aber – oh Wunder – zehn Minuten später klingelte mein Handy und eine des Englischen mächtige Dame meldete sich. Nach Abgleich der Mobil-Nummern bekam ich die Information, dass die Ruf-Nummer hinter meiner Passo-Karte nicht mit der tatsächlichen Rufnummer meiner SIM-Karte übereinstimmt. Stark! Da ich die Rufnummer nicht selber geändert habe, blieb ungelöst, welche Ursache es dafür gab. Aber es sei kein Problem, ich bekäme ein Formular zugesendet, dass auszufüllen sei und dieses sollte zusammen mit einem Selfie, welches mich mit meinem Ausweis zeigt, zurückschicken. Spätestens nach 48 Stunden wäre die Sache dann erledigt. Aha.
Klappte so natürlich nicht, da ich weder die Möglichkeit hatte, etwas auszudrucken, noch einzuscannen. Also den Text des Formulars in die zu nutzende Kontaktmaske geballert, Foto angehängt und ab dafür. Nur die geforderte Unterschrift konnte ich nicht beibringen und dass es so vermutlich erfolglos bliebe, war klar. Daher aktivierte ich meinen zweiten Passo-Account, der an meiner Perso-Nummer hängt, denn ich hatte vor zwei Jahren eine weitere, neutrale, Karte kreiert. Kostete natürlich auch wieder Gebühr. In Verbindung mit dem zu erwartenden Ticketpreis, wurden langsam Dimensionen erreicht, die das Vorhaben in Frage stellten, erst recht, wenn man den mittlerweile betriebenen Aufwand mit einbezog. Aber der Ehrgeiz war einfach geweckt und irgendwann noch einmal anzureisen, würde auf jeden Fall teurer. Man kann auch mit ein und derselben Ausweisnummer mehrere Passo Taraftar Karten besitzen, aber ich habe mich noch nie damit beschäftigt wie das funktioniert. Mit dem Zweit-Account lief alles glatt und ich hätte für das Liga-Spiel kaufen können. Innerhalb der benannten Frist erhielt ich dann tatsächlich eine Antwort auf das Problem mit der ersten Karte. Diese war allerdings nur, dass der Vorgang noch in Bearbeitung ist. Doch tatsächlich kam dann im Laufe der Woche eine weitere Email. In dieser wurde genau das gefordert was ich bereits ausgeführt hatte. Sinnlos, zumindest in der aktuellen Situation. Wiederhole ich vielleicht irgendwann mal.
Am Montag-Nachmittag vor dem Spiel begann der freie Verkauf. Zu dem Zeitpunkt latschten wir gerade durch den Wald zur Burgruine Cabrad Hrad (siehe vorheriger Blog-Eintrag), die ja völlig im Nichts liegt und es keinen Mobilfunkempfang gibt. Damit hatte ich gerechnet. Nicht gerechnet hatte ich damit, dass ich die Passo-Seite nicht aufrufen konnte, nachdem ich wieder Empfang hatte. Ich sei in einem VPN oder unsicheren WLAN, meldete die Website. Alles nur noch unglaublich. Ob es daran lag, dass ich mich mit deutscher SIM aus slowakischem Netz in ein türkisches einwählte – was weiß ich, es war einfach nur noch absurd. Dann kam die Nummer mit dem geplatzten Reifen dazwischen und bis ich dann abends im Hotel auf die Plattform kam (aus einem unsicheren WLAN!), waren seit Verkaufsstart Stunden vergangen und nun nur noch VIP-Tickets ab 500 Euro aufwärts verfügbar. In diesem Moment hakte ich den Spielbesuch offiziell ab, auch wenn es noch Hintertürchen gab, in das ich aber keine große Hoffnung setzte.
Also war zum Zeitpunkt des Eintreffens am Stadion noch ungeklärt, ob ich hineinkommen würde. Ich hatte noch eine Email an den Verein abgesendet, mit der Bitte ‚alternativen‘ Zugang zu gewähren, eine Email-Adresse dafür herauszufinden war schwer und ob es die richtige war, werde ich nie erfahren, da keine Antwort kam. Als ich dann Ordner und Offizielle fragte, wo ich hin müsse wusste keiner was mit mir anzufangen und ich wurde von rechts nach links und wieder zurückgeschickt. Also erst einmal durch die Körper- und Taschenkontrolle, tatsächlich wurde mein Handy-Ladekabel bemängelt, was sollte ich damit tun, den Vereinspräsidenten erdrosseln? Ließ sich letztlich klären. Ab zum Ticket-Office, meine Frage vorgetragen und auch dort hatte keiner einen blassen Schimmer wo ich vorstellig werden musste. In der Schlange neben mir vernahm ich dann deutsche Stimmen. Ein paar Besiktas-Fans aus Stuttgart waren angereist und ich trug Sezer meine missliche Lage vor. Dass es einen Schwarzmarkt gibt, war mir bekannt, wie dieser aber mit personalisierten Tickets, die auf den eigenen Account geladen werden müssen, funktioniert, dagegen nicht.
Sezer, der meinem Anliegen aufgeschlossen und superfreundlich war, entpuppte sich als Retter. Er selbst hatte seine Karte über einen vertrauenswürdigen Kontakt bekommen, den er sofort anrief und der noch eine Kurvenkarte zum natürlich stark überhöhten Preis anbot. Damit war die Schmerzgrenze zwar absolut ausgereizt, aber wie schon erwähnt, noch einmal anzureisen, wäre teurer. Knackpunkt war noch der Zahlungsprozess. Ich sollte an einen türkischen Bank-Account überweisen, doch dann wäre die Kohle ja erst zwei Tage nach dem Spiel eingegangen. Einen PayPal-Account hatte der Dealer nicht. Sezer wollte nicht einspringen, da er selber kein türkisches Bankkonto besitzt und der Transfer für ihn dadurch auch umständlich ist. Letztlich ließ er sich doch darauf ein – absoluter Top-Mann! Dann stellte ich dem Dealer meinen Passo-Login zur Verfügung und binnen fünf Minuten war das Ding im Account. Mit der bestätigenden SMS eierte ich wieder zum Ticketschalter, wo dann ein Tagespass ausgestellt wurde. Next Stop Tor zum Stadion-Innenbereich. Der Scanner meldete freie Durchfahrt und auch das Drehkreuz kurz dahinter leuchtete grün und ich war drin. Was! Für! Ein! Aufwand! Um! Dieses! Spiel! Zu! Sehen!
Dieses war dann allerdings auch ein wirklich gutes Erlebnis, auch wenn optisch nichts geboten wurde. Sogar Gruppenbanner an den Zäunen fehlten bis auf ein Banner der Hauptgruppe ‚Carsi‘ in der Nordkurve. Daneben hing ein fettes Spruchband mit dem Wortlaut „Bu alemde kral“ („König in dieser Welt“). In der gegenüberliegenden Kurve hing zentral ein „Forza Besiktas“-Banner und rechts und links davon Banner mit der Aufschrift „Ne bir heves“ und „Ne bir tuktu“ („Was für eine Begeisterung.“ „Was für eine Leidenschaft.“). Ein paar einzelne kleiner Schwenkfahnen waren in den Unterrängen der Kurven zu sehen, das war es. Heute ging es um die Lautstärke. Und es wurde laut. Sehr laut. Abartig laut. Die Leute waren heiß wie ein Dönerspieß. Auf jeder Tribüne gab es Einpeitscher, welche die durch Carsi angestimmten Schlachtrufe weitertrugen und koordinierten. Es wurden auch immer wieder die gleichen fünf oder sechs Schlachtrufe oder Gesänge angestimmt, aber das war ja nicht dumm, da so jeder darauf einsteigen konnte und das fruchtete. Klar gab es auch mal Phasen, wo nur die Kurven aktiv waren, aber die waren nicht sehr häufig, stattdessen ging die Mitmachquote generell gegen 90 Prozent und mehr. Als ich später im Bett lag, klingelten noch immer die Ohren. Aber das Team lieferte ja auch und beflügelte die Masse. Sezer hatte schon gemeint, dass es ein sehr bedeutsames Spiel würde, da Besiktas eine schwierige Phase erlebt und kaum jemand mit dem Erreichen der Gruppenphase der Europa League gerechnet hatte. Bemerkenswert, dass kaum jemand seinen Sitzplatz in Anspruch nahm. Annähernd alle Anhänger standen, selbst im Bereich der Business Seats.
Wehrmutstropfen war, dass keine Gäste-Fans zu diesem Spiel anreisen durften, ich denke aber in dieser Hölle hätte man die Franzosen eh kaum wahrgenommen. Grund war eine Sanktion gegen die OM-Anhänger für das Zünden von Pyrotechnik im Spiel gegen Club Brugge im letzten Januar, als die Olympique-Anhänger schon unter Bewährung standen. Zwar wurde diese Entscheidung bereits im Februar getroffen, allerdings im Vorfeld dieses Spieles nicht kommuniziert und daher nicht von mir bemerkt. So wurde der Gästebereich ebenfalls mit Besiktas-Fans gefüllt. Besiktas begann stark und überlegen und ging nach einer Viertelstunde in Führung. Weitere Chancen blieben ungenutzt und nach einer halben Stunde Spielzeit fiel mit dem ersten gefährlichen Gäste-Konter der Ausgleich aus dem Nichts. Das war ein Stimmungskiller, es wurde kurzzeitig etwas ruhiger, die Mannschaft war verunsichert, das Spiel wurde ideenloser und das Passspiel ungenau. Die Gastgeber kamen dann aber mit frischem Mut aus der Kabine und erzielten vor der 60. Minute zwei Treffer zur Zwei-Tore-Führung. Danach spielten sich die Schwarz-Weißen in einen Rausch, die Gäste waren kaum noch zu sehen. Der vierte Treffer fiel folgerichtig und hätten es die Besiktas-Angreifer nicht immer zu schön machen wollen, wäre die Geschichte für Olympique mit einem Debakel geendet. Bei Besiktas läuft es aktuell nach einem starken Saisonstart, zarte Sprösse einer kleinen Euphorie waren zu spüren.
Den folgenden Tag verbrachten wir entspannt auf der asiatischen Seite, die viel authentischer ist, als die europäische Seite mit den Touristen-Magneten, bevor der Urlaub am nächsten Vormittag zu Ende ging. Den Abschluss bildete ein Höllenritt mit dem über das Hotel gebuchten Fahrer. Der Mann hatte es eilig. Unter 35 Minuten Fahrzeit vom Taksim-Platz zum Flughafen bedeuteten sicher einen Eintrag in die Tagesbestliste.

Cierny Balog – So., 13.09.2026, 15:30

TJ Tatran Cierny Balog vs TJ SK Sokol Jakub 1:4

Futbalove ihrisko Cierny Balog, 120 Zuschauer, 6.Liga Stredoslovensky futbalovy zvaz
Der Sonntag wurde für einen Tagesausflug nach Cierny Balog genutzt, dort ist eine Schmalspur-Dampfbahn mit musealem Hintergrund in Betrieb. Wir hatten den letzten Betriebstag des Jahres erwischt und buchten eine Fahrt auf einer Teilstrecke. Der CO2-Fußabdruck 2026 ist damit endgültig versaut und dürfte nicht mal durch die ganze Hin- und Her-Fliegerei schlimmer ausfallen. Nach der Fahrt durch Lummerland rollte nur wenige Kilometer der Ball auf sechstklassiger Ebene beim TJ Cierny Balog. Die Anlage ist grundsätzlich nichts Wildes, bietet nur eine Tribüne die in den angrenzenden Hang gebaut wurde. Besonders ist allerdings, das zwischen der Tribüne und dem Spielfeld die Gleise der besagten Schmalspurbahn liegen und dass – wenn es der Spiel- und Fahrplan wollen – der Dampfzug das kleine Stadion während eines Spieles durchfährt. Das war auch heute der Fall und ist vermutlich weltweit einzigartig. In der ‚Bewegung‘ ist das kein Geheim-Tipp mehr, aber dennoch ist dieses Erlebnis rar, da die Fußballer und die Eisenbahn nicht sehr oft zeitgleich aktiv sind. Zwei Male schnaufte das betagte Fahrzeug während der ersten Halbzeit an Spielfeld und Tribüne vorbei, jeweils in die eine und die andere Richtung. Außer mir ließ sich von dem Ereignis niemand aus der Ruhe bringen. Die Gastgeber waren nicht gut in die Spielzeit gestartet, kamen aber heute ordentlich in die Partie und konnten die Führung erzielen. Nachdem zunächst die Gäste die Chance auf den Ausgleich mit einem vergebenen Elfer ausließen, taten es ihnen die Gastgeber gleich, die ebenfalls einen Strafstoß verschossen. Danach nahm das Schicksal seinen Lauf. Obwohl die Partie lange Zeit ausgeglichen war, drehten die Falken – denn das bedeutet Sokol auf Deutsch – das Spiel in einen klaren Auswärtssieg.
Der Montag sollte ein interessanter seiner Art werden, dabei wurde gar kein Fußball gespielt. Nach einem Stopp in der schönen Altstadt von Banska Stiavnica suchten wir ‚Cabrad Hrad‘ auf, eine große Burgruine mitten im südslowakischen Wald, die man nur durch eine 45-minütige Wanderung erreichen kann. Unterhalb befinden sich eine gespenstische Kirchenruine und ein alter nicht minder schauriger Friedhof. Im gesamten ein toller, geheimnisvoller Spot. Dass uns kurz vor dem Erreichen der Burg zwei Hobby-Ritter den Weg versperrten, passte gut in die mystische Stimmung. Der Ort liegt sehr einsam, Rehe springen ungeniert über den Weg, der Hirsch wirbt röhrend um die Gunst der weiblichen Damwild-Population und bis auf die zwei Rittersleut trafen wir nur auf zwei weitere menschliche Wesen. Von dort sollte es dann nach Senec ins Nachtquartier gehen. Ging es auch, aber mit Verzögerung und auf Umwegen. Auf der Autobahn gen Nitra überholte ich einen Truck, als ich merkwürdige Geräusche hörte und nur einen Atemzug später der Reifen platzte und sich die die Karkasse verabschiedete.
Lief glimpflich ab, der recht neue Renault Clio ließ sich glücklicherweise leidlich steuern, nur einen Standstreifen gab es nicht. Also hielten wir halb auf der Rasenfläche, halb auf der Fahrbahn an. Die Gemahlin wurde in die einzige vorhandene Warnweste gestopft und soweit wie möglich von der Fahrbahn entfernt postiert. Warndreieck aufgestellt und das Notrad ausgepackt, das zum Glück vorhanden war. Nicht vorhanden war aber ein passendes, brauchbares Werkzeug. Wahnsinn. Renault – Le createur d’automobiles!! Also die Hotline des Vermieters angerufen. Das war Avis, keine Wald- und Wiesenbude. Es meldete sich nur aber ein KI-Assistent mit dem finalen, fantastischen Hinweis, man soll auf der Avis-Website nach ‚Assistance‘ schauen. Diese Rubrik führte aber nur zu Links zu den Fahrzeug-Herstellern und bei der Auswahl von Renault nur auf die Main Page. Kannst Du Dir nicht ausdenken.
Auf dem Mietwagen-Voucher fand ich dann die Telefonnummer der Avis-Niederlassung am Flughafen Bratislava und ich erreichte sogar einen Menschen – huch! – den ich um Rat fragen konnte. Er riet mir freundlich, auf der Seitenscheibe des Fahrzeugs nach einem Sticker mit der Rufnummer eines Pannendienstes zu suchen, den ich anzurufen hätte, da er mir nicht helfen könne. Ich riet ihm freundlich, morgen besser nicht im Büro zu sein, wenn ich den Wagen zurückbrächte. Absolute Frechheit, wie einfach es sich die Vermieter machen und den Kunden in einem fremden Land mit einer Panne alleine lassen. Leute mit mageren Englischkenntnissen wären hoffnungslos verloren. Weil ich aber n duften Typ bin, nahm ich mein Schicksal selbst in die Hand. Aber anders, denn zwei Stunden auf die Pannenhilfe zu warten, während in der Dämmerung die Trucks an uns vorbeidonnerten, war keine Option. Mühsam auf der Felge von der Autobahn runter gehoppelt, quatschte ich fremde Leute an. Alle waren superfreundlich, einer hatte dann das passende Werkzeug und der Reifen konnte getauscht werden. Die Hasstirade bei Rückgabe des Fahrzeugs am nächsten Morgen war natürlich sinnlos. Der Avis-Mitarbeiter, der sich meinen Monolog anhören durfte, hatte sich das System ja nicht ausgedacht und interessiert haben wird es ihn auch nicht.

Banska Bystrica – Sa., 12.09.2026, 18:00

FK Dukla Banska Bystrica vs MFK Skalica 3:2

Stadion SNP Stiavnicky, 1.514 Zuschauer, 1.Liga
Der Vormittag des folgenden Tages wurde für einen erneuten Gang durch die Altstadt genutzt. Kosice kann sich schon sehen lassen. Danach wurde der Besuch von ‚Spissky Hrad‘ nachgeholt. Das ist eine große, dominant auf einem Hügel liegende, teilweise rekonstruierte Burgruine. Das gesamte Burggelände ist einer der größten Ruinenkomplexe Mitteleuropas. Leider verschandelt aktuell ein Baukran den Anblick. Aber wahrscheinlich bricht der ganze Krempel eh bald zusammen, da der Burghügel von Murmeltieren unterhöhlt wird.
Nach dem Besuch der Ruine fuhren wir weiter nach Banska Bystrica, wo am Abend der FK Dukla die Gäste vom MFK Skalica. Das Stadion dort präsentiert sich dort ebenfalls im schönen Ost-Europa-Style, auch wenn es vor wenigen Jahren eine Generalüberholung für die Erstligatauglichkeit erfuhr. Dukla ist der ehemalige tschechoslowakische Armeesportverband. Diesen Namen trugen und tragen ja mehrere Vereine in Tschechien und der Slowakei, deren Wappen sich an das Emblem des Armeesportverbandes anlehnten oder heute noch anlehnen und daher starke Ähnlichkeit zueinander zeigen. Da der Verband zu Zeiten des Sozialismus über großzügige Mittel verfügte, sind die Sportanlagen entsprechend gut ausgestattet. So auch das große Areal in Banska Bystrica. Für die Gastgeber versammelte sich eine vielleicht drei oder vier Dutzend Köpfe starke (oder schwache) Ultra-Gruppe hinter einer üppigen Zaunfahne. Gäste aus Skalica, im nordwestlichen Zipfel des Landes gelegen, waren nicht auszumachen. Die Gastgeber waren das bessere Team und gingen folgerichtig in Führung. Mit dem zweiten Treffer, per Strafstoß zwanzig Minuten vor dem Ende erzielt, rechnete eigentlich keiner mit der Aufregung, die noch folgen sollte. Die Gastmannschaft erzielte nämlich zügig den Anschluss, was Dukla stark verunsicherte. Die Folge war der Ausgleichstreffer tief in der Nachspielzeit, aber noch tiefer in dieser stellte Dukla doch noch auf Sieg und zwar mit einem 20-Meter-Kracher genau in den oberen Torgiebel. Schöner Schlußakt. Den aktuell stattfindenden, jährlichen Radvan-Jahrmarkt, der zum 368. Male abgehalten wurde, nutzten wir nach dem Spiel um uns kulinarisch zu versorgen.

Kosice – Fr., 11.09.2026, 16:00

FC Lokomotiva Kosice vs MFK Snina 0:0

Stadion Lokomotivy v Cermeli, 200 Zuschauer, III. Liga skupina Vychod
Am Folgetag brachen wir erneut in die Berge auf. Eine mit lärmenden Schulkindern überfüllte Bimmelbahn brachte uns in den Nachbarort Tatranska Lomnica. Dort seilbahnten wir hoch zum kleinen See Skalnate Pleso und wanderten rüber zum oberhalb unseres Headquarters liegenden Hrebeniok, von wo wir mit der Standseilbahn wieder runterfuhren. Am Donnerstag kippte dann das Wetter. Für die Berge war dieses nun ungeeignet, daher entschieden wir uns für den Besuch einer der größten Eishöhlen weltweit, die Dobsynska Jaskina. War dann eher geht so. Am Freitag brachen wir das Lager in Stary Smokovec mit seinen urigen, alten Häusern ab und fuhren gen Košice. Der eingeplante Zwischenstopp an ‚Spissky Hrad‘ wurde wegen der noch unbeständigen Wetterlage auf den Folgetag verschoben.
In Košice wurde kurz das Quartier bezogen und dann per Tram das ‚Stadion Lokomotivy v Cermeli‘ angesteuert. Die dort stattfindende Drittliga-Partie wurde zur Nebensache, es war mal wieder eine Veranstaltung, bei der das Stadion selber die Hauptrolle spielte. Gammel so weit das Auge reichte. Die guten Tage hat diese alte Ostblock-Hütte definitiv hinter sich, aber genau diese Patina der Abnutzung und der fehlenden Instandhaltung verleihen solchen Schüsseln ja ihren Charme und ihre Anmut. Die Betonstufen sind teilweise schief und krumm und scheinen ein Eigenleben entwickelt zu haben. Die Natur ist auch schon damit beschäftigt, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Kaum zu glauben, dass vor weniger als fünf Jahren in dieser Bude noch Erstliga-Fußball gespielt wurde. Besonderes Merkmal sind die gebogenen Flutlichtmasten. Es war Heimstatt des erst seit 2018 existierenden FC Kosice, ein fragwürdiger Verein, der durch die Übernahme der ersten Mannschaft eines anderen Clubs samt dessen Startrecht in die dritte Liga einstieg und binnen kurzer Zeit bis in die höchste Spielklasse aufstieg. Rattenball Leipzig lässt grüßen. Lokomotiva ist dagegen der traditionsreiche, wenig überraschend von Eisenbahnern gegründete Verein der Stadt, der zu CSSR-Zeiten lange Jahre erstklassig unterwegs war und zwei Mal den Pokalwettbewerb gewann. Einige Male war Loky, wie der Verein verniedlichend genannt wird, auch international vertreten und hätte einst beinahe den großen AC Milan aus dem UEFA-Cup entsorgt, scheiterte aber knapp im Elfmeterschießen.
Nach der Teilung der CSSR Anfang der 90er Jahre begann der Niedergang, der schließlich in der Auflösung des Vereins endete. Die aktuelle Version des Clubs entsprang einer Neugründung. Für die wenigen Zuschauer war nur die Haupttribüne geöffnet, der Rest des baufälligen Stadions dürfte generell gesperrt sein. Auf der Haupttribüne positionierte sich auch eine aus ein paar älteren Personen bestehende, etwas schräge Support-Fraktion. Schön beflaggt war der Block aber in jedem Falle. Nach einer Top-Chance für die Gastgeber nach fünf Minuten verflachte die Partie. Erst eine Rudelbildung nach grobem Foul der Gäste hauchte der Partie wieder Leben ein. An dieser war auch ein dunkelhäutiger Spieler beteiligt, welcher von den paar Halbgescheiten im Fanblock mit Affenlauten bedacht wurde, was wohl auf jedem deutschen Fußballplatz zum Spielabbruch geführt hätte. Hier hat es irgendwie niemanden interessiert, nicht mal dann Spieler selbst. Tief in der Slowakei gehen die Uhren offenbar anders. Da das Spiel nicht gerade ein Leckerbissen war und letztlich auch torlos zu Ende ging, beschäftigte ich mich mehr mit einem Spaziergang durch das betagte Oval und erfreute mich an den Plattenbauten am Horizont. Der Abend klang mit einem landestypischen Essen und an dieses angepassten Getränken in der Altstadt aus.

Spisska Nova Ves – Di., 08.09.2026, 16:30

FK Spisska Nova Ves vs FK Zeleziarne Podbrezova 1:2

Stadion Nova Ves, 956 Zuschauer, Slovensky pohar 3.kolo
Am nächsten Tag fuhren wir zunächst nach Jasna in der Niederen Tatra. Von dort fährt die Seilbahn auf den Chopok, dem mit knapp über 2.000 Metern dritthöchsten Gipfel des Gebirges. Nachdem wir wieder unten ankamen, sah ich den Mietwagen mit einer Parkkralle geschmückt. Der Dorf-Sheriff war schnell herbeigerufen und am Parkscheinautomaten (15 europäische Taler für eine ungepflegte Schotterfläche!) konnte zum Glück die Zahlung nachgewiesen werden. Der Mann mit dem Stern auf der Brust musste seinen Fehler also einräumen, wollte aber meiner Bitte, mir die erste Parkkralle meines Autofahrer-Lebens als Souvenir zu überlassen, nicht nachkommen. Ein wenig wurde noch rumgeblödelt, dann hieß es „Dovidenia“ und so war es am Ende lustig, wenn man die Zahlung aber nicht beweisen kann, hat man das Theater. Weiter ging es nach Stary Smokovec, wo am Fuße der Hohen Tatra in einem schicken, neuen Resort das Quartier für die nächsten Tage aufgeschlagen wurde. Am Dienstag machten wir eine kleine Wanderung zu einem Bergsee, bevor wir ins nahe Spisska Nova Ves fuhren, wo sich der Erstligist Zeleziarne Podbrezova , benannt nach dem Hauptsponsor, einem lokalen Stahlrohrproduzenten, in der dritten Runde des slowakischen Pokals vorstellte.
Knapp 1.000 Leute interessierten sich am Nachmittag eines Werktages für dieses Spiel. Mich interessierte zunächst die Klobasa. Der unterarmlange, rote Fettriemen wurde zwar aus einem metallenen Thermobehälter serviert, schmeckte aber deutlich besser als der enttäuschende Schlauch in Ruzomberok. Dazu gab es einen Glücklichmacher aus dem Zapfhahn. Aus Podbrezova waren keine Anhänger angereist. Über eine vielköpfige Szene dürfte der Verein aus der ziemlich genau den Mittelpunkt des Landes bildenden Kleinstadt eh nicht verfügen und die Anstoßzeit dürfte das übrige dazugetan haben. Für die Gastgeber hatten sich 40-50 aktive Fans am Rande der noch recht neuen Gegentribüne versammelt, deren Altersdurchschnitt bei 14 oder 15 Jahren lag. Aber die Jungs gaben alles und sahen ihr Team weitgehend auf Augenhöhe mit dem Favoriten, es fehlte lediglich die Kaltschnäuzigkeit vor der Hütte. Den etwas schmeichelhaften Führungstreffer der Röhren-Mannschaft aus Halbzeit eins konnten die Gastgeber im zweiten Durchgang noch ausgleichen. Den erneuten Führungstreffer der Gäste per fragwürdigem Strafstoß leider nicht mehr. Der Höhepunkt folgte aber noch, als ein älterer Herr beim Ausparken auf dem Parkplatz mit Vollgas humorlos in einen anderen Wagen rammelte. Vielleicht etwas viel am Pivo genascht.

Ruzomberok – So., 06.09.2026, 19:00

MFK Ruzomberok vs FC Spartak Trnava 1:1

Stadion pod Cebrat’om, 1.771 Zuschauer, 1.Liga
Nur gute 30 Minuten Fahrt waren es bis nach Ruzomberok, wo auch das Nachtquartier im besten Hause der Stadt aufgeschlagen wurde. Und auch hier wurde am Abend noch einmal erstklassig Fußball gespielt, zumindest was die Liga anging. Die beste Gattin der Welt lieferte mich nach dem Abendessen mit der Mietkarre am Stadion ab, zog aber selber das Hotel vor. Zu Gast war Spartak Trnava, zusammen mit Slovan Bratislava das Zugpferd des slowakischen Fußballs. Etwa 200 Gäste-Hinchas hatten die zweistündige Anreise auf sich genommen und lieferten eine solide Supportvorstellung ab. Die Gastgeber waren Tabellenschlusslicht und mit lediglich einem Punkt aus den ersten sechs Spielen gestartet. Dennoch wurden sie im Rahmen der Möglichkeiten von ihren knapp 50 aktiven Anhängern, die im Schnitt noch sehr jung waren, aufopferungsvoll unterstützt. Früh belohnt wurde deren Einsatz mit dem Führungstreffer durch einen perfekt getretenen direkten Freistoß aus 20 Metern Torentfernung, der genau im Giebel einschlug. Die über die gesamte Spielzeit sehr ausgeglichene Partie und endete mit einem gerechten Remis, da die Gäste fünf Minuten vor Spielschluss noch ausglichen.
Gerade einmal knapp 1.800 Zuschauer sahen sich die Veranstaltung an. Abseits der etwas besser unterstützten Vereine bleibt das Zuschauerinteresse in der Slowakei gering. Eishockey ist Sportart Nummer eins im Land, auch andere Wintersport-Disziplinen erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Catering offenbarte hier endlich die begehrte Klobasa, vermutlich die schlechteste, die ich je gegessen habe, aber dafür kostete sie zumindest ‚nur‘ fünf Euro. Aber sie musste konsumiert werden, einfach weil es sie gab! Das ‚Stadion pod Cebrat’om‘ ist der eineiige Bruder des Stadions im kleinen tschechischen Ort Drnovice. Wie die schäbigen Arenen in Paderborn und dem polnischen Gliwice, gleichen sich diese in vielen Merkmalen, vor allem die Dachkonstruktion und die Lichtmasten. Per Pedes wurde der 15-minütige Rückweg zum Hotel absolviert.

Oravsky Podzamok – So., 06.09.2026, 15:30

FC TJ Oravsky Podzamok vs TJ Oravan Rabca 4:2

Futbalove ihrisko Oravsky Podzamok, 300 Zuschauer, 7.Liga Oravsky futbalovy zvaz
Der nächste Morgen führte uns in den Norden des Landes nach Oravsky Podzamok. Dort nahmen wir zunächst ‚Oravsky Hrad‘ unter die Lupe. Diese Burg liegt auf einem beeindruckend steilen Felsen knapp 100 Meter hoch über dem Ort. Die Burg wurde zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert von oben nach unten errichtet, soll heißen, dass sich der älteste Teil auf dem höchsten Punkt der Erhebung befindet. Schon imponierend, wie die Bauherren im frühen Mittelalter eine solch massive Festung auf diesem Stein sicher errichten konnten. Wenn man die ganzen Stufen bis nach oben absolviert hat, spürt man in den Beinen auch was man geleistet hat.
Nicht ganz zufällig wurde dann direkt unterhalb der Burg auf der anderen Seite der dort vorbeifließenden Orava dem runden Leder nachgejagt. In der siebten Liga empfing der TJ Oravsky Podzamok die Gäste von Oravan Rabca, einem Ort noch weiter nördlich, nahe der Grenze zu Polen. Wie es der Vereinsname schon vermuten lässt, hätten die Gäste auch mit dem Schlauchboot anreisen können, denn der kleine Fluss verbindet beide Städte. Die Burg erhebt sich imposant hinter der kleinen Tribüne. Der Kick war dann gar nicht mal so schlecht besucht. Umso unverständlicher, dass auch hier kein Grill befeuert wurde. Die unterklassigen Slowaken sollten sich von ihren Honza-Brüdern echt mal was abschauen. Die Gastgeber traten dominant auf, mussten nach früher Führung zwar den Ausgleich verkraften, ließen aber im zweiten Durchgang keine Zweifel aufkommen, wer die Punkte auf der Habenseite verbuchen sollte.