Rostock – Sa., 28.02.2026, 14:00

FC Hansa Rostock vs Rot-Weiss Essen 3:2

Ostseestadion, 24.557 Zuschauer, 3.Liga
Persönlich erwartete ich wenig von der Reise an die Ostseeküste, denn die Leistungen bei den letzten Auftritten in der Ferne gaben wenig Anlass zur Hoffnung. Nach langer Überlegung entschied ich mich, das Spiel aus dem Gästebereich zu verfolgen, in dem man ja bedingt durch diverse Graffiti und ‚Willkommensgrüße‘ direkt weiß wo man ist. Hat aber grundsätzlich meinen Geschmack. Der Block selbst ist nur begrenzt attraktiv im Eck gelegen und mit Netzen überproportioniert zugehängt, dass ein Bett einer Safari-Lodge in Afrika vor Neid erblassen würde. Dass in Rostock die aktive Szene ihren Platz auf der Hintertor-Tribüne unmittelbar neben dem Away-Sektor hat, ist lediglich ergänzend ätzend. Was die Roten dann anboten, war ähnlich bescheiden, wie die Sicht auf das Geschehen. Zwar waren Sie nicht hoffnungslos unterlegen, aber die Hansa-Kogge gewann die Partie letztlich verdient, wenn auch aufgrund der wilden Schlussphase auf eine Art glücklich. Wienand hütete weiterhin das Tor für den verletzten Golz. Der Junge ist nicht schlecht, vor allem auf der Linie stark, zeigt aber Schwächen in der Beherrschung des Sechzehners, wie des Raumes davor. Das mag durchaus der mangelnden Spielpraxis geschuldet sein und kann sich mit steigenden Einsatzminuten verbessern. Auch in der Kommunikation mit den Vorderleuten scheint es Verbesserungspotential zu geben. Denn beim Führungstreffer hätte er nur Alonso zurufen müssen, den Ball durchzulassen und hätte diesen dann entspannt aufnehmen können.
Diese Ansage scheint aber gefehlt zu haben, so dass eben jener Alonso die Kugel schwammig und ohne Druck mit dem Kopf zur Seite zu klären versuchte. Die Kirsche kam postwendend zurück und Schulz drückte das Teil in die eigenen Maschen, dieses hätten aber einer der beiden hinter ihm lauernden Hansa-Spieler sonst genauso sicher besorgt. Vorher hatte Wienand noch einen Kopfball aus kurzer Distanz stark pariert und Abiama aus 20 Metern beinahe die schmeichelhafte Gästeführung besorgt, denn die Hansa war das spielbestimmende Team. Das änderte sich lange auch im zweiten Durchgang nicht. Der zweite Treffer für die Gastgeber ging dann allerdings klar auf die Kappe des jungen Wienand. Bei einem langen Ball auf den schnellen Krauß verließ er seinen Hoheitsbereich, obwohl Alonso und Schulz in unmittelbarer Nähe des Hansa-Stürmers unterwegs waren. Dieser spitzelte die Kugel zu einem Mitspieler, der mit einer gefühlvollen Bogenlampe aus 30 Metern Freund und Feind überwand. Nun war eine harte Nuss zu knacken, aber Abiama stocherte das Spielgerät fast im Gegenzug glücklich zum Anschlusstreffer über die Linie. Hansa blieb am Drücker und Wienand hielt sein Team im Spiel. Die Roten gaben die Bälle aber im umständlichen Aufbauspiel zu einfach her und mussten zu oft hinterherlaufen. Zehn Minuten vor dem Ende ging Brumme dann mal über die linke Seite und der Ball schien die Seitenauslinie überquert zu haben. Dass ganz Rostock meinte „ganz sicher“ und die 1.088 mitgereisten RWE-Fans „eher nicht“, liegt in der Natur der Sache.
Der Kick lief jedenfalls weiter und der Ball zu Cuber-Potocnik in den Strafraum, wo dieser zwar nicht rüde, aber eben doch gefoult wurde und ein Strafstoß war die Folge. Auch aus über einhundert Metern war zu erkennen, dass sich nach dem Abgang des etatmäßigen Schützen Arslan keiner um diese Aufgabe riss. Alonso übernahm schließlich die Verantwortung, glich aus und stellte das bisherige Geschehen etwas auf den Kopf. Plötzlich war die Kogge angeschlagen und der RWE versuchte diese Situation für sich zu nutzen, aber nur drei Minuten später gab es erneut Elfmeter, dieses Mal für die Gastgeber, nachdem der Ball aus eineinhalb Metern an den herunterhängenden Arm von Kostka geköpft wurde. Eine Entscheidung aus der Kategorie ‚äußerst zweifelhaft‘, denn eine aktive Bewegung lag nicht vor und die Körperfläche wurde auch nicht unnatürlich vergrößert. Aber zum einen hatte der Referee vor der aufgebrachten Kulisse sicher nicht Eier, das Spiel laufen zu lassen, zum anderen ist halt die Regel das Problem, die es den Schiedsrichtern schwer macht, in der kurzen Zeit exakt zu differenzieren. Der Schütze verwandelte sicher und stellte die Ergebnisgerechtigkeit wieder her. Kurz darauf war Schluss. Trotz der Überlegenheit des letzten DDR-Meisters eigentlich eine vermeidbare Niederlage. Ein Eigentor, ein Torwartfehler und ein fragwürdiger Handelfmeter führten dazu. Im Gegensatz zum vorherigen Auswärtsspiel in Osnabrück sparten sich die Capos eine wütende Ansage an das Team. Stattdessen gab es aufmunternden Applaus. Weder das eine, noch das andere wird aber die grundlegenden Probleme beheben.
Da ist einerseits eine spürbare Verunsicherung im Team. Warum einfach keine Konstanz in die Leistungen kommt, ist nach einer wirklich stabilen und positiven Hinrunde unerklärlich. Dieses mit wechselnden Systemen und Aufstellungen zu begründen, ist mir zu billig. Ein Spieler auf diesem Niveau muss die physische und psychische Fähigkeit besitzen sich diesen Veränderungen erfolgreich zu stellen, anderenfalls ist er auf diesem Niveau halt fehl am Platze. Noch eklatanter macht sich aber das Fehlen von Kampf und Leidenschaft bemerkbar. Gegen kampfstarke Gegner und vor allem Gegner auf Augenhöhe punktet der RWE zu unregelmäßig. Aus meiner subjektiven Sicht lassen die Akteure aber auch die letzten 15 Prozent Einsatzwillen missen, den die Kontrahenten aber eben auf den Platz bringen. Dass die Jungs Fußball spielen können, ist unbestritten, aber das alleine reicht in dieser Liga nicht. Mit ‚Wellness-Fußball‘ wird man nicht mehr oft gewinnen, man muss den Kampf annehmen. Leider gibt es aber auch nicht allzu viele Spieler der Marke ‚Kampfschwein‘ in dieser Mannschaft und mit Moustier hat das Leit-Tier in dieser Kategorie den Verein leider im Januar verlassen. Wenn man sich ständig drei Gegentore fängt, wird das Punktesammeln schwierig. Wie schon mehrfach erwähnt, kann ich gut damit leben, den Aufstieg nicht zu erreichen. Das Einzige was mich nervt, ist, dass es absolut möglich wäre. Nun gilt es die Negativspirale zu durchbrechen und vor allem in der Defensive stabiler zu werden. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es schon am Mittwoch gegen die ‚Barackler‘ aus Mannheim.

Stuttgart – Do., 26.02.2026, 18:45

VfB Stuttgart vs Celtic FC 0:1

Neckarstadion, 60.000 Zuschauer, Europa League Playoff Rückspiel
Der Celtic Football Club musste in der Playoff Runde der Europa League ins Schwabenland reisen. Eine gute Gelegenheit, der internationalen Liebe mal wieder die Aufwartung zu machen und einem Spiel live beizuwohnen, auch wenn leider keine bekannten schottischen Gesichter den Trip aus Glasgow auf sich nahmen. Zu allem Übel legte der schottische Serienmeister im Hinspiel auch noch einen völlig desaströsen Auftritt hin, so dass die Nummer nach der 1:4-Hinspielniederlage schon gegessen war. Überhaupt hat es das Management hinbekommen, für diese Saison die schwächste Mannschaft seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten zusammenzustellen. So hielt sich die Vorfreude in Grenzen, aber als ich am frühen Nachmittag in der schwäbischen Landeshauptstadt eintraf und das Stadtbild 😉 im Zentrum sehr keltisch geprägt war, waren die letzten Zweifel an diesem Ausflug verschwunden.  Einige Anhänger der Grün-Weißen hatten ihre Reise nach dem Hinspiel-Desaster gefrustet storniert, so dass ’nur‘ etwa 3.500 Hoops in Stuttgart zugegen waren. Als das Spiel angestoßen wurde, ruhte mein Blick auf dem Gäste-Block so, dass ich nur aus den Augenwinkeln sah, wie MacCowan nach knapp 30 Sekunden zur Gästeführung einschob und den Away-Bereich kurzzeitig in ein komplettes Tollhaus verwandelte. Eigentlich war der ganze Tag niederschlagsfrei, dennoch werden einige Celtic-Anhänger klatschnass gewesen sein, so viele Biere wie da durch die Gegend flogen.
Trotz der Führung war es natürlich völlige Utopie, dass die Kelten dem VfB noch gefährlich werden und diese Playoff-Paarung noch zu ihren Gunsten drehen konnten. Zu groß war einfach der Qualitätsunterschied in allen Mannschaftsteilen. Die Schwaben benötigten zehn Minütchen, um ihrer Überraschung Herr zu werden, danach kannte das Spiel eigentlich bis auf wenige kurze Phasen nur noch eine Richtung. Bei gefühlten 75% Ballbesitz zeigten sich die Spieler mit dem Brustring aber nicht sehr kreativ. Der letzte Pass kam einfach nicht und es fehlte das Überraschungsmoment um den quergestreiften Abwehrriegel nachhaltig zu durchbrechen. Und wenn das doch gelang, war der finnische Ersatz-National-Schnapper Sinisalo, der den Vorzug vor dem formschwachen dänischen National-Keeper Kaspar Schmeichel erhalten hatte, auf dem Posten. Kein anderes Bild im zweiten Durchgang und es schien es nur eine Frage der Zeit, bis der Ball im Tor der Gäste einschlug. War dann auch so, sogar zwei Male. Beide Treffer hielten aber der VAR-Überprüfung nicht stand und wurden aufgrund von hauchdünnen Abseitsstellungen nicht gegeben. So konnte sich Sinisalo schließlich sogar mit einem ‚Clean Sheet‘ für einen künftigen Stammplatz bewerben. Dieser Auswärtserfolg ist historisch, denn es ist überhaupt der erste Sieg eines Celtic-Teams auf deutschem Boden!
Die Cannstatter Kurve halte ich eigentlich mit für das Beste, was die deutsche Fan-Landschaft so zu bieten hat. Da ich die Kurve um das Commando Cannstatt aber selten live und in Farbe erlebe, hatte ich eventuell zu große Vorschusslorbeeren verteilt. Die heutige Vorstellung war jedenfalls nicht mehr als Durchschnitt, aber das Stadion hat auch nicht die beste Akustik. Der Away-Sektor überraschte mich dafür positiv, denn ich hatte nicht viel erwartet. Beflügelt vom vielen Bier, das bei schönem Wetter in die Kehlen fand, befeuert vom frühen Führungstreffer und angetrieben von der ‚Green Brigade‘, die vom Vereinsvorstand aufgrund verschiedener Differenzen für den ‚Celtic Parc‘ ein Betretungsverbot auferlegt bekommen hat, heute aber in den Block fand, legten die ‚Bhoys‘ einen Top-Auftritt hin. Lautstark und ausdauernd unterstützten sie ihr in einer hoffnungslosen Ausgangslage befindliches Team von Beginn bis zum Ende und noch weit darüber hinaus. Die Jungs sangen sich in einen derartigen Rausch, dass noch eine Viertelstunde nach dem Abpfiff die Gesänge durch das inzwischen fast leere Stadion schallten. Hat sich letztlich doch für mich gelohnt, der Ritt in den Süden.

Rödermark – Mi., 25.02.2026, 19:00

1.FC Germania 08 Ober-Roden vs Kasseler SV Hessen 2:1

Sportplatz Frankfurter Straße, 1.220 Zuschauer, Hessenpokal Viertelfinale
Im Viertelfinale des hessischen Landespokals empfing Verbandsligist Germania Ober-Roden den ehemaligen Zweitligisten Hessen Kassel. Die Gäste wurden von etwa 100-120 Anhängern begleitet, davon waren etwa die Hälfte Angehörige der aktiven Szene. Ebenerdig hinter dem Stankett unter freiem Himmel ist es schwierig einen vernünftigen Support aufzubauen, daher gab es einige ‚leere‘ Phasen. Für die Gastgeber hatten sich ungefähr dieselbe Anzahl an Köpfen für die sporadische Unterstützung zusammengefunden, der Altersdurchschnitt ließ darauf schließen, dass es sich eher um Spieler von Jugend-Teams handelte. Diese waren aber rotzig genug, den KSV-Anhängern, die von zwei Leuten der befreundeten Kieler Störche begleitet wurden, einige Schlachtrufe unter der Gürtellinie zuzurufen, worauf diese aber nicht eingingen. Die favorisierten Nordhessen taten sich schwer bei den Südhessen. Zwar bestimmten sie das Spiel im ersten Durchgang und erzielten kurz vor dem Seitenwechsel auch den nicht unverdienten Führungstreffer, weitere Torchancen waren aber Mangelware, da die Gastgeber defensiv konzentriert arbeiteten. Nach dem Seitenwechsel war es ein anderes Spiel. Die Germania war mutiger und glich nach einem Konter zunächst kurz nach Wiederanpfiff aus, um wenige Minuten danach sogar in Führung zu gehen. Der KSV hatte fortan Mühe die Kontrolle zu behalten und biss sich an tapfer kämpfenden Germaniern die Zähne aus. In der Schlussphase wurde es hektisch. Die hinter dem Germania-Tor stehenden Gäste-Supporter waren mit dem Verhalten des Torwarts nicht einverstanden und standen plötzlich mit mehreren Leuten auf dem Platz, aber die Lage beruhigte sich schnell. Der Regionalligisten verkrampfte zusehends und kurz darauf war die Pokal-Überraschung perfekt.

Meerbusch – So., 22.02.2026, 16:30

TSV Meerbusch vs DJK Adler-Union Frintrop 2:1

Theodor-Mostertz-Sportanlage, 120 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Bei äußerst bescheidenem Wetter mussten die Adler vom Frintroper Wasserturm die schwere Auswärtsaufgabe beim zuletzt stark aufspielenden TSV Meerbusch bewältigen. Die Adler kamen gut in die Partie und konnten durch einen berechtigten Foulelfmeter früh die Führung erzielen. Der Kick blieb danach ausgeglichen, den Gastgebern gelang es nicht, Druck auszuüben. Wenn die Gäste dann nach gut einer Stunde die große Möglichkeit zum Ausbau der Führung genutzt hätten, wären sie vermutlich als Sieger vom Platz gegangen. Stattdessen markierten die Gäste kurz danach den Ausgleich und erzielten eine Viertelstunde vor dem Ende sogar noch den letztlich nicht unverdienten Siegtreffer. Leider muss man sagen, denn abgesehen von meiner aktiven Adler-Vergangenheit und damit verbundener Sympathie für diesen Verein, hätte der TSV schon aufgrund seines asozialen Publikums nichts Zählbares holen dürfen. Eine Gruppe von etwa zehn bis zwölf Leuten, darunter der Platzsprecher, war während der zweiten Hälfte durchweg damit beschäftigt, den Adler-Torwart zu beleidigen und mit blöden Zurufen zu bedenken, ohne dass dieser sich etwas hatte zu Schulden kommen lassen. Fußball ist kein Ballett und auch auf Amateur-Ebene darf es ein paar markige Sprüche und Emotionen geben, aber was diese Leute sich geleistet haben, war definitiv drüber.

Osnabrück – Sa., 21.02.2026, 14:00

VfL Osnabrück vs Rot-Weiss Essen 3:0

Stadion Bremer Brücke, 15.022 Zuschauer, 3.Liga
Mit dem Spiel in Osnabrück startete der glorreiche RWE in das erste von zwei aufeinanderfolgenden äußerst anspruchsvollen Auswärtsspielen. Für Fußball-Nostalgiker ist das Stadion ‚Bremer Brücke‘ mit seinem Standort mitten im Wohngebiet immer eine Reise wert. Obwohl die alte ungedeckte Stehtribüne auf der Nordseite in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends einer modernen überdachten Sitzplatztribüne weichen musste und die Haupttribüne einen VIP-Bereich erhalten hat, konnte die Hütte ihren 80er-Jahre-Charakter erhalten. Allerdings wird das Stadion bald einen umfassenden Umbau erfahren, nach dessen Abschluss keine Tribüne mehr im alten Zustand sein und das Stadion dennoch sein grundlegendes Aussehen behalten wird. Immerhin konnte der Verein einen Neubau verhindern und den traditionellen Standort wahren. Mit 67 Millionen Euro, die sicherlich bedingt durch sich entwickelnde Materialkosten eher größer ausfallen werden, sind die Kosten für einen Umbau üppig. Höchste Zeit wird es jedenfalls. Vor gut zwei Jahren büßte die Ostkurve, Heimat der aktiven VfL-Fans, bereits ihr Dach aufgrund struktureller Schäden ein.
Nur ein Tor Unterschied bei Punktgleichheit trennten beide Clubs. Oder Wie es Coach Koschinat ausdrückte „Mehr Augenhöhe geht kaum“. Und doch gab es einen eklatanten Unterschied, denn der VfL stellt die beste Abwehr der Liga, während der RWE zu den Teams mit den meisten Gegentoren in der oberen Tabellenhälfte gehört. Auch wenn dafür eben mehr Tore erzielt werden, ist ja die alte Regel bekannt, dass der Angriff Spiele gewinnt, die Abwehr jedoch Meisterschaften. Torspektakel sind schön, ich stehe aber durchaus auf eine stabile Offensive. Die rot-weisse Ultra-Szene eröffnete die Partie mit einem Gedenk-Banner an ein an den Folgen eines Unfalls verstorbenes Mitglied der Szene von Austria Wien. Während sich der VfL dann mit begrenztem Erfolg um eine Anfangsoffensive bemühte, suchte der RWE noch seine Rolle im Spiel. Nachdem Wienand einen gefährlichen Fernschuss entschärft hatte, verzeichneten die Roten nach 15 Minuten ihre erste Chance. Hofmann semmelte den von Safi clever von der Grundlinie an die Strafraumgrenze gespielten Pass aber am rechten Pfosten vorbei. Dann war wieder Wienand im Blickpunkt bevor zunächst Alonso nach einem Brumme-Einwurf und dann Brumme selbst die Chance zur Gäste-Führung hatten. Chancen gab es also hüben wie drüben, aber die Gastgeber machten insgesamt den sichereren, reiferen Eindruck. Zwar standen die Roten hinten gut, das ungenaue, zerfahrene Offensivspiel entwickelte sich dafür aber zielsicher zum Gegurke. Dass der tiefe und teilweise grashalmbefreite Boden eine Katastrophe war, darf keine Ausrede sein, damit kamen die Lila-Weissen auch irgendwie klar.
Im wahrsten Sinne das Highlight der ersten Spielhälfte war sicherlich der Abschluss von Abiama, der die Murmel gleich mal über die Heimkurve aus dem Stadion drosch. Der Ball liegt jetzt wohl irgendwo neben dem, den Uli Hoeneß im EM-Finale 1976 in Belgrad in die Erdumlaufbahn geschossen hat. Kurz vor dem Pausenpfiff klingelte es dann doch noch für die Gastgeber. Nach einem Sippenstellungsfehler der gesamten RWE-Defensive, die sich bei einem weiten Torabstoß viel zu hoch positionierte, kam Abwehr-‚Rakete‘ Schultz nicht hinter dem schnellen Meißner her, der ihm auf dem linken Flügel komplett davonrannte. Dessen Schuss aus spitzem Winkel parierte der heute starke Wienand, aber den Nachschuss von Badjie zur Führung konnte niemand mehr verhindern. Durchgang Zwei brachte keine Besserung. Nachdem sich beide Mannschaften eine Viertelstunde neutralisierten, erzielte Alsonso den Treffer zum Ausgleich, der aber wegen Abseits zurecht keine Anerkennung fand. Die danach vollzogenen offensiven Wechsel Janssen und Obuz für Abiama und Safi blieben komplett wirkungslos. Auch die spätere Hereinnahme von Cuber Potocnik und Müsel für Mizuta und Schulz brachte keinen Aufschwung, das Angriffsspiel blieb statisch und ideenlos. Zu diesem Zeitpunkt führte der VfL aber schon mit zwei Toren, nachdem es aus dem Gewühl heraus hinter Wienand einschlug. Keine zehn Minuten vor dem Ende hatten die Roten die Chance zum Anschluss. Brumme setzte sich stark durch, scheiterte aber aus schwieriger Position, mit dem Abpraller erschoss Müsel den VfL-Schnapper dann auf der Flucht. So kannst Du aus dem Nichts noch mal ins Spiel zurückkommen, geschah aber halt nicht und wäre auch nicht verdient gewesen.
Dass der Ex-Rot-Weisse Pröger in der Nachspielzeit einen typisch verrückten Pröger-Abschluss noch zum finalen Desaster in den Giebel knallte, war dann zu viel des Guten, aber auch nicht mehr wichtig. Dass der Austausch zwischen Fans und Mannschaft nach dem Abpfiff nicht auf meditativer Basis ablief, ist klar. Aber die Führungsspieler positionierten sich gegen das Gepöbel und das auch zurecht.Die Gefahr, dass eine Kluft zwischen Team und Fanszene entsteht, ist spürbar. Kritik ist okay, zumal die letzten Auftritte in der Fremde den kommunizierten Absichten deutlich hinterherhinkten und vor allem die Defensiv-Formation bedenkliche Aussetzer zeigte. Aber unter dem Strich bleibt der RWE die Mannschaft mit den wenigsten Niederlagen in der Liga, es war erst die vierte in der laufenden Spielzeit bei sicherlich zu vielen Remis. Natürlich ist es schade, dass die Roten in den letzten Wochen ständig die Möglichkeit liegenlassen auf die Aufstiegsränge zu springen und dennoch sind diese weiter greifbar. Das Anspruchsdenken im rot-weissen Umfeld ist derzeit einfach überhöht, erst recht, wenn man überlegt, wo der Verein in der jüngeren Vergangenheit herkommt. Das letzte Drittel der Saison beginnt gerade erst und in dieser entscheidenden Phase wird noch genug passieren. Natürlich ist die Mannschaft nun bei der ebenfalls kriselnden Hansa-Kogge irgendwie zum Punkten verdammt, wenn der Anschluss nicht verloren gehen soll, aber ein Missverhältnis zwischen Mannschaft und Fans wird die Chancen sicher nicht verbessern. Es geht nur gemeinsam, wenn das große Ziel erreicht werden soll. Next Stop ‚Ostseestadion‘.

Essen – Sa., 14.02.2026, 16:30

Rot-Weiss Essen vs SSV Jahn Regensburg 3:2

Stadion an der Hafenstraße, 16.027 Zuschauer, 3.Liga
Mit dem Jahn aus ‚Rengschburg‘ stellte sich mal wieder eine vermeintlich einfache Aufgabe. Aber – ich wiederhole mich – es gibt sie in dieser Liga nicht, die einfachen Gegner. Dennoch war ein Sieg unabdingbar, wenn der Aufstiegsanspruch des RWE bestehen bleiben sollte.  Die Gäste aus der Oberpfalz sind dagegen noch lange nicht von Abstiegssorgen befreit und müssen noch fleißig Punkte sammeln. Die Westkurve eröffnete mit einer kleinen Choreo zu Ehren ihrer Stadionverbotler. Aus Regensburg waren gut 300 Leute angereist. Die aktive Szene bertrat den Block aus mir unbekannten Gründen erst kurz vor dem Anstoß und lieferte unterstützt von ein paar Freunden von Blau-Weiß Linz und den Stuttgarter Kickers einen ordentlichen Auftritt ab. Der RWE hatte Anstoß und wählte erst einmal den Weg zurück. Über Gjasula, Brumme und Hüning fand der Ball den Weg zu Schlussmann Wienand, der noch nicht ganz auf der Höhe war, sich den Ball zu weit vorlegte und diesen an einen Regensburger verlor, der dann locker zur Führung einschob. Schnelle Gegentreffer nach eigenem Anstoß können wir. In der Vorwoche dauerte es nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit 16 Sekunden, heute nur noch deren 14. Die Defensive arbeitet halt an schnellen Lösungen. Dass die Abwehrreihe neu formiert war, darf nicht als Ausrede gelten. Das Gute war, dass weiterhin 90 Minuten zu spielen waren. Und so ackerten sich die Roten in die Partie und nach fünf Minuten gab es den ersten Aufreger, als Safi elfmeterreif im Strafraum gefoult wurde. Der nur wenige Meter entfernt stehende Referee hat beste Sicht auf das Geschehen, doch die Pfeife blieb stumm. Safi blieb heute ein Aktivposten, zwar weiterhin nicht torgefährlich, aber arbeitsintensiv mit guten Aktionen. Der ebenfalls von Beginn spielende Abiama konnte seinen Turbo-Auftritt vom letzten Wochenende dagegen nicht bestätigen und blieb blass.
Die Gäste versuchten mitzuspielen, das gelang auch phasenweise, insgesamt hatte der RWE aber das heimische Heft in der Hand. Brumme bekam dann nach einem von ihm selbst getretenen Eckstoß das Spielgerät auf Umwegen zurück, nahm von der Strafraumgrenze Maß und jagte das Teil zum verdienten Ausgleich in die Maschen. So ging es in die Pause. Nach dem Seitenwechsel hatte der Jahn ganz starke zehn Minuten mit einigen Abschlüssen. Aber man weiß ja… haust Du Dinger nicht rein, macht es irgendwann der Gegner. Über mehrere Stationen kam der Ball am Sechzehner zu Hofmann, der über eine feine Schusstechnik verfügt und diese nutzte, um die Kirsche aus halbrechter Position zur Führung ins lange Eck abzusenden. Nur ein paar Minuten später behinderten sich der Jahn-Schnapper und ein Verteidiger nach einem Brumme-Eckball gegenseitig. Alonso hieß der Nutznießer, der aus kurzer Distanz auf 3:1 erhöhte. Mitnichten die Entscheidung, denn die Gäste gaben sich nicht auf und verkürzten eine Viertelstunde vor dem Ende noch einmal. Die Regensburger erkämpften sich dann Eckball um Eckball – 8:15 lautete das Eckenverhältnis am Ende, wenn ich richtig aufgepasst habe – von denen aber die wenigsten gefährlich wurden. Da aber die Roten die Konterchancen nicht konzentriert ausspielten, blieb es spannend bis in die Nachspielzeit. In dieser hätte der Ex-Kölner Dietz zum Held für die Bajuwaren werden können, wenn sein Abschluss mit der Hacke nicht knapp über sondern unter die Querlatte geflogen wäre. So reichte es zu einem knappen Heimerfolg, aber auch der wird mit drei Punkten belohnt.

Aachen – So., 08.02.2026, 16:30

Aachener TSV Alemannia vs Rot-Weiss Essen 3:3

Tivoli, 27.862 Zuschauer, 3.Liga
Aachen – immer eine Reise wert? Grundsätzlich betrat ich den ‚Tivoli‘ ohne hohe Erwartungen. Die desaströse Heimbilanz der Gastgeber in der dieser Saison konnte mich jedenfalls nicht blenden. In den letzten dreißig Jahren gelang dem RWE in elf Spielen auf dem Tivoli gerade mal ein Sieg, dazu kamen abgezählte Punkteteilungen. Für die Alemannen ist dieses Spiel irgendwie wichtiger, als für den Deutschen Meister von 1955. Die Abneigung der Öcher Fans gegenüber denen der Roten ist ungleich größer als umgekehrt, das Spiel wird wie ein Derby behandelt. Aus rot-weisser Sicht ist es sicherlich auch eine Partie, in der es nicht nur um Punkte, sondern auch um viel Prestige geht, dennoch genießt der Kick aber keinen überhöhten Stellenwert. Das scheint sich eben auch auf dem Rasen abzulichten, ist aber möglicherweise nur ein hilfloser Erklärungsversuch, warum sich die Schwarz-Gelben schon beinahe als Angstgegner offenbaren. Tatsache ist, dass die Alemannischen aktiven Angestellten mehr zu brennen scheinen, als jene in Rot und Weiss. Auf dem Papier ging der RWE als klarer Favorit in diese Partie. Dass die Spieler diese Rolle nicht umsetzen konnten, war bereits nach fünf Minuten klar. Nach einer schönen Doppelpass-Kombi zwischen dem starken Gindorf und Stürmer Schroers stand es früh 1:0 für die Heim-Elf. Förderte nicht unbedingt das Selbstvertrauen des Gäste-Teams, dass danach seine Rolle bei dieser Veranstaltung suchte. Doch da Golz-Ersatz Wienand den zweiten Treffer für die Aachener vereiteln konnte und Mizutas Direktabnahme von der Strafraumgrenze ins Netz fand, stand es zur Halbzeit der ersten Spielhälfte überraschend remis. Hätte Sicherheit geben können. Bleibt aber der zweite Konjunktiv von ‚Haben‘ und die Partie veränderte sich. Nicht!
Bei den Rot-Weissen war derjenige, der den Ball hatte, die ärmste Sau, weil sich kaum jemand für ein Abspiel anbot oder schlicht nicht in der Lage war, den Raum dafür öffnen. Aber ein Maß an Selbstüberschätzung gehörte wohl auch dazu, dass der RWE aufgrund vieler individueller Fehler, aus denen Ballverluste entstanden, meist den Gegenspielern hinterherlief. Hatte vor dem ersten Treffer Mizuta leichtfertig den Ball verloren, schaffte es Brumme ein paar Minuten vor dem Pausenpfiff ebenso. Zunächst erkämpfte er sich stark den Ball, verlor diesen aber wieder, weil er den Zeitpunkt für das Abspiel verpasste. Einen Steilpass und einen Lupfer aus verdammt schwierigem Winkel später führte die Alemannia erneut. Was auch immer in der Kabine besprochen wurde – es war 18 Sekunden nach dem Wiederanpfiff Makulatur. Der RWE hatte Anstoß, gab den Ball aber sofort ab. Einen Steilpass in die Aachener Spitze wollte Alonso abgrätschen, was aber nur zu einer Verlängerung des Passes geriet und Schroers sagte frei vor Wienand mit seinem zweiten Tor ‚Dankeschön‘. Nun wurde es hart, erst recht, da die Roten in keiner Sekunde das kämpferische Niveau der Gastgeber erreichten. Warum eigentlich nicht? Wenn es nicht läuft, kann man doch zumindest auf physischer Ebene alles reinwerfen.
Eigentlich konnte es jetzt nur noch heißen, das Visier hochzuklappen, aber die Eier hatten weiterhin die Alemannen. Man darf auch die Frage stellen, warum Coach Koschinat wieder nicht frühzeitig reagierte. Woher kommt die Hoffnung, dass die Mannschaft plötzlich den Schalter umlegt? Dazu fällt mir das (nicht eindeutig) Albert Einstein zugeordnete Zitat ein „Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und dabei andere Ergebnisse zu erwarten“. Die Einwechslung von Bouebari für einen heute überforderten Brumme hätte ich gern früher gesehen. Es ist nicht so, dass die Hausherren, den RWE pausenlos in die Defensive drängten, aber auf Essener Seite ging im Spielaufbau und offensiv gar nichts, annähernd jede getroffene Entscheidung war falsch. Auch Wienand, der Golz schon oft stark vertreten hatte, strahlte keine Sicherheit aus, ohne dabei aber grobe Fehler zu machen. Die Aachener hatten die Kontrolle, schalteten schnell um, kombinierten flüssig und kochten den vermeintlichen Favoriten mit intensiver und couragierter Spielweise ab. Alles deutete auf einen hochverdienten Heimsieg hin. Eigentlich war es die gleiche Scheiße wie im Vorjahr, nur mit völlig anderer Ausgangslage.
20 Minuten vor dem Ende wechselte Koschinat dann den Game-Changer ein, allerdings wusste das zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Dickson Abiama, auf den letzten Drücker im Winter-Transferfenster aus Kaiserslautern ausgeliehen, erzielte mit einem humorlosen Strahl mit dem rechten Fuss aus 20 Metern aus dem Nichts fünf Minuten vor dem regulären Ende den Anschluss. Die Gastgeber mussten ihrer kraftraubenden Spielweise längst Tribut zollen, die Leistungsträger waren ausgewechselt worden und nun machte sich Unruhe in der Hintermannschaft breit. Vier Minute nach seinem ersten Treffer war Abiama Nutznießer einer schlecht verteidigten Freistoßflanke in der Aachener Box. Die Abwehr bekam die Murmel nicht geklärt, Abiama nutzte sein kurzes Schusszeitfenster mit dem Linken und lochte zum Ausgleich ein. Fußball ist ungerecht. Mir persönlich war das aber noch nicht genug. Die Alemannen waren platt und psychisch angeschlagen. Acht Minuten Nachspielzeit gab es und mit mutigem Spiel nach vorn, hätte man eventuell die Ungerechtigkeit noch komplett machen können. Aber die Roten zogen es vor, den Ball erst einmal zu kontrollieren und es gab nur noch zaghafte Versuche in Richtung des gegnerischen Tores. Gemessen an dem bis kurz zuvor präsentierten Geholze vielleicht auch keine ganz falsche Idee, um nicht doch noch selber den spielentscheidenden Fehler zu produzieren. So blieb es beim Remis. Zum Leben zu wenig, aber zum Sterben zu viel, daher bleibt der RWE dran an der Spitzengruppe. Will man sich da oben aber noch richtig reinbeißen, müssen mal ein paar Dreier am Stück produziert werden. Ich bleibe gespannt, aber nicht angespannt.

Maastricht – So., 08.02.2026, 14:00

RKSV Heer vs Geusselt Sport 1:0

Sportpark Laan in den Drink, 130 Zuschauer, 3e Klasse Zondag I Zuid 2
Am späten Vormittag schwebte ich wieder in Eindhoven ein. Die Zeit bis zum Nachmittagsspiel überbrückte ich mit diesem Kracher auf Provinz-Ebene. Um dieses sportliche Feuerwerk zu überstehen, war es natürlich zunächst notwendig den Energiespeicher mit einschlägigen frittierten Produkten aufzufüllen. Dritte Provinzklasse bedeutet achtklassig landesweit. Damit die Nummer auch garantiert schwer verdaulich war, empfing der Drittletzte den Letzten, der bis dahin erst drei Punkte auf der Habenseite verbucht hatte. Dennoch brachen sich die Gastgeber unheimlich einen ab, um schließlich doch noch den späten Siegtreffer zu erzielen. Hingucker der Anlage ist die über die gesamte Länge bemalte Rückseite der Tribüne.