Sportanlage am Wasserturm, 600 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Am letzten Spieltag der Oberliga Niederrhein brauchte mein alter Verein meinen Support, daher ging es die knappen drei Kilometer zum schönsten Wasserturm der Welt. Der Spoiler sei erlaubt – es hat nichts genützt, die Adler müssen ihren Horst in der kommenden Spielzeit eine Liga tiefer bauen. Dass es so kommt, ist eigentlich eine Farce. 600 Zuschauer oder auch einige mehr hatten dasselbe Ziel gewählt wie ich. Darunter auch ein paar Anhänger der Gäste aus dem Hamminkelner Ortsteil Dingden. Vier zehnjährige Gäste-Ultras battelten sich mit einem knappen Dutzend gleichaltriger Adler-Ultras auf der gegenüberliegenden Seite. Die sportliche Ausgangslage war kompliziert. Sieben Mannschaften machten zwei noch offene Abstiegsplätze unter sich aus. Die Frintroper Greifvögel belegten den ersten Abstiegsplatz punktgleich mit zwei anderen Teams, aber mit dem besten Torverhältnis dieser drei Mannschaften. Das Problem war jedoch, dass bei Punktgleichheit das Torverhältnis am Ende gar nicht herangezogen wurde, sondern der direkte Vergleich untereinander. Dennoch war die Chance auf den Klassenerhalt nicht so schlecht, vorausgesetzt, die eigene Hausaufgabe würde gelöst und die anderen Mannschaften mit und vor allem diejenigen ohne Wettbewerbsdruck würden die Saison seriös zu Ende spielen.
Die Hausherren ließen von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, wer diese Partie gewinnen wird. Früh gingen die Adler in Führung und bauten diese sukzessive aus. Mit dem 3:0-Halbzeitstand war der nötige Heimsieg schon früh besiegelt, im Laufe der zweiten Spielhälfte zeichnete sich aber ab, dass es auf den anderen Plätzen zu einigen kuriosen Ergebnissen kommen würde. Nach Abpfiff waren dann die Teams aus Holzheim, Kleve und Frintrop punktgleich und nur eines davon konnte die Klasse halten. Das war letztlich die Holzheimer SG trotz eines um 13 Tore schlechteren Torverhältnisses gegenüber Adler, denn im direkten Vergleich der drei Verdächtigen hatten die Neusser die Nase vorn. Mit starken 41 Punkten, die unter anderem mit 12 Siegen aus 34 Spielen erreicht wurden, und einem ausgeglichenen(!) Torverhältnis müssen die Jungs vom Wasserturm, die als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt wurden, den Rückzug in die Landesliga antreten. Auch die zweite Oberliga-Saison der Vereinsgeschichte endete also äußerst unglücklich mit dem knappen Abstieg. Schon vor zwei Jahren war dieser ebenfalls ohne die Möglichkeit, selbst den letzten Einfluss zu nehmen, erst durch ein Tor in der Schlußminute in einem Parallel-Spiel besiegelt worden. Der Fußballverband Niederrhein täte gut daran, diese Dämels-Regel hinsichtlich des direkten Vergleiches zu ändern, denn die Schlusstabelle einer Saison sollte doch ein ausgewogenes Bild der gesamten Spielzeit zeigen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es ausreichend Gelegenheit gab, den fehlenden Punkt anderswo zu sammeln.
Sportpark Orderbos, 1.500 Zuschauer, Relegation zur 4e Divisie
Apeldoorn ist die größte holländische Stadt ohne Profi-Fußballclub. Der Verein AGOVV spielte in den frühen Jahren des neuen Jahrtausends einige Spielzeiten in der zweiten Liga, musste sich jedoch aufgrund finanzieller Probleme zurückziehen und gurkt nur noch auf regionalem Niveau. So ist der CSV aktuell der höchstklassige Verein der Stadt, das bedeutet gerade einmal höchste Regional-Spielklasse, landesweit sechstklassig. Heute bot sich zumindest die Chance, künftig „landelijk“ zu spielen – also landesweit. Mit einem Remis im Hinspiel gegen die Kolping-Brüder aus Alkmaar hatte der CSV das Tor zur ‚Vierde Divisie‘, die entgegen ihrer Bezeichnung nur die fünfte Spielklasse ist, weit aufgestoßen. Solche Spiele ziehen im Land der Grachten und Tulpen ja immer viele Leute an, zudem wird dem Vereinsleben eh eine höhere Bedeutung beigemessen als beispielsweise in Deutschland. Sportvereine sind in den Niederlanden auch deutlich mitgliedsstärker, es gibt dort halt weniger, dafür aber größere Vereine. 1.500 Leute hatten sich in den Sportpark aufgemacht, der aus zahlreichen Spielfeldern und Sportanlagen für mehrere Vereine und unterschiedliche Sportarten besteht. Spielfeld Nummer Sieben ist der Hauptplatz des CSV und dieser wurde zum Einlauf der Mannschaften ordentlich eingenebelt. Sportlich lief es dann aber nicht so für die Gastgeber. Nach dominantem Beginn, stellte sich der Gegner gut auf das Geschehen ein und übernahm mit einer konzentrierten Leistung das Kommando. Der Halbzeitstand von 0:2 bedeutete für Durchgang Zwei eine Mammutaufgabe, der sich die Gastgeber nicht gewachsen zeigten. Mit dem dritten Tor nach etwas mehr als einer Stunde war die Messe gelesen. Die Gäste siegten hochverdient, während es auf Seiten des CSV lange Gesichter gab.
Stadion an der Oststraße, 500 Zuschauer, Relegation zur Westfalenliga
Auch im Fußball-Westen ist die Relegationszeit ist angebrochen, wie nach jeder regulären Saison wird noch um freie Startplätze in allen möglichen Ligen gestritten. Einige Spiele finden auf neutralem Boden statt, so auch dieses. Natürlich kreuzt man dann auch oft an Orten auf, an denen man schon war, aber der entscheidende Charakter der Spiele macht ja den Reiz aus und es spricht ja auch nichts dagegen, brauchbare Anlagen nach einigen Jahren erneut und vor besserer Kulisse zu erleben, anstatt nur mit wenigen Zuschauern bei normalem Liga-Gebolze. In Meinerzhagen hatte sich sogar etwas verändert. Dass die größere der beiden Geraden inzwischen ein Dach spendiert bekommen hatte, war mir bis dato verborgen geblieben. Die Germania aus dem kleinen Ort Salchendorf im Siegerland und der VfL aus der für das oft zugestaute Autobahnkreuz berühmten Stadt stritten um einen Platz in der sechstklassigen Westfalenliga. Eine ausgeglichene erste Hälfte bot zwei frühe, gerecht verteilte Tore. In der Folge begegneten sich die Teams auf Augenhöhe, bis ein berechtigter Platzverweis wegen groben Foulspiels gegen die Siegerländer die Partie veränderte. Dass ausgerechnet der Spieler mit Namen Gelber sich eine Rote einfing, barg schon etwas Sarkasmus. So spielte der VfL im zweiten Durchgang überlegen, aber die Germania machte geschickt die Räume eng, so dass es dauerte bis die Überzahl in Zählbares umgemünzt wurde. Irgendwann wurde der Druck einfach zu groß und es klingelte zum zweiten Male hinter dem Salchendorfer Goalie. In den Schlussminuten wurde das Kräfteverhältnis durch eine Ampelkarte gegen den VfL wieder egalisiert. Zu spät jedoch, denn die Germania konnte sich keine zwingende Chance mehr erarbeiten.
Sportanlage am Schulzentrum, 850 Zuschauer, Landesliga Weser-Ems
Der BV Garrel hat als aktueller Tabellenzweiter zwei Spieltage vor Saisonschluss bei nur einem Punkt Rückstand auf Tabellenführer Vorwärts Nordhorn noch alle Chance auf den Oberliga-Aufstieg. Das zog zum letzten Heimspiel der Saison die Massen auf die kleine, hübsche Anlage mit massiver überdachter Sitztribüne. Das zeitgleich stattfindende Classic Car-Treffen, welches ein wenig zum Dorffest mutierte, trug sicherlich auch den einen oder anderen Besucher mehr auf den Sportplatz. Von einer kleinen Fan-Gruppe nach vorne getrommelt gingen die Gastgeber Mitte der ersten Hälfte verdient in Führung. Aber die Gäste vom Schüttorfer Autobahnkreuz wollten nicht nur den Sparringspartner geben, auch wenn es für sie um nichts mehr ging als die Ehre. Diese versuchten sie zu verteidigen und glichen kurz nach dem Wiederanpfiff aus. Der heimische Ballspielverein ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und brachte die Partie mit zwei weiteren Treffern sicher und verdient nach Hause. Kurz vor dem Ende sickerte die Nachricht eines 0:2-Rückstandes des Tabellenführers beim Abstiegskandidaten aus Brake durch und freudige Unruhe machte sich breit. Diese währte leider nicht lang, denn die Nordhorner (oder doch Nordhörner… 🤔?) hatten trotz fast 90minütiger Unterzahl das Spiel in den Schlussminuten noch in einen 3:2-Sieg gedreht. Im Fußball ist halt alles möglich. Die Garreler Fans feierten ihre Mannschaft dennoch für den gelungenen Auftritt mit einem kleinen Pyro-Einsatz.
Sportplatz Dorfstraße, 756 Zuschauer, Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord
Wenn man die A7 in Höhe Bad Bramstedt verlasst, die B206 in Richtung Bad Segeberg befährt und dann irgendwann nach rechts abbiegt, steht man nach wenigen Kilometern vor dem Eingangsschild des Ortes mit dem klangvollen Namen Todesfelde. Aus sportlicher Perspektive handelt sich um eines dieser gallischen Fußballdörfer, kleine Gemeinden, die, natürlich nicht ohne Sponsorenhilfe, aber natürlich auch mit Konsequenz und guter Arbeit, seit Jahren regional bis überregional eine gute Rolle spielen und die höheren Fußballmächte erfolgreich ärgern. Wobei diese im Holsteinischen ja auch nicht sehr zahlreich sind. Der SV Todesfelde pendelt seit Jahren zwischen Oberliga und Regionalliga, aller Ehren wert für einen Ort mit gerade mal etwas mehr als 1.000 Einwohnern. Der Verein kokettiert mit seinem etwas skurrilen Namen des kleinen Ortes – ‚Deathfield‘ steht überall zu lesen. Aktuell in der Oberliga agierend, hat der Club als Meister die Aufstiegsrunde zur Regionalliga erreicht, in welcher er mit den Meistern der Bremer und Hamburger Oberliga und dem Vizemeister aus Niedersachsen um zwei Regionalliga-Startplätze kämpft, denn nur der Niedersachsenmeister ist zum direkten Aufstieg in die Regionalliga Nord verdammt. Am ersten Spieltag der Runde stellte sich der Titelträger von der Weser im kleinen, aber schmucken und mit vielen Details individuell gestalteten Stadion vor. Eine Busladung aus Blumenthal war auch angereist. Die Todes-Jünger waren von Beginn an spielbestimmend und überlegen, der BSV zeigte sich nur selten in der Spielhälfte der Gastgeber und wurde dabei noch seltener gefährlich. So war das Endergebnis beinahe zwangsläufig, welches von der Heimmannschaft geduldig und konzentriert herausgespielt wurde.
Sportpark Ronhof, 16.126 Zuschauer, Relegation zur 2.Bundesliga
Der finale Akt der Saison, das Relegations-Rückspiel in Fürth. Nach reibungsloser Anreise trafen wir früh genug am Ronhof ein, um vor einem Lokal noch ein Bier zu schnappen. Dabei wurden wir mehrfach von Einheimischen angesprochen, alle freundlich, alle wohlwollend. Was soll das? Keine Ablehnung, kein Hass? Das ist nicht mehr mein Fußball 🙂 Früh ging es dann in den Block, den ganzen Mist mal in Ruhe aufsaugen. Die Ultras hatten eine simple aber schöne Choreo vorbereitet, die ich freilich nur von unten sah – das Vereinswappen zierte beinahe die gesamte Fläche des Stehplatz-Sektors. Die Kurve der Gastgeber beließ es bei einer Schalparade und einem identitätsstiftenden Banner am Zaun. Die Roten kamen dann gut in die Partie. Swajkowski hätte durch eine selbst erarbeitete Möglichkeit eigentlich schon früh die Führung erzielen müssen, kurz darauf prüfte Müsel den Fürther Schlussmann mit einer Bogenlampe. Dann rissen die Gastgeber aber das Geschehen langsam an sich. Neben ein paar halbgaren Torraumszene senkte sich eine abgerutschte Flanke auf die Querlatte, Golz wäre aber da gewesen. Safi traf dann nach einem Konter auf links freigespielt mal wieder eine falsche Entscheidung, sodass eine weitere aussichtsreiche Situation verpuffte. Nach einer halben Stunde durfte Hrgota recht unbedrängt in den Sechzehner dribbeln, ein paar Rot-Weisse standen einfach nur Spalier. Die Kirsche kam über Umwege zu Futkeu, der das Teil dann halb im Liegen über den Innenpfosten in die Maschen bugsierte. Im Torjubel gab er Hüning noch ein paar Worte mit, die beiden hatten sich schon im Hinspiel intensiv beharkt.
Futkeu also, der sich durch sein unsauberes Verhalten im Spiel vor vier Tagen in Essen wenig beliebt gemacht hatte. So war es auch heute. Dabei ist er ein Essener Jung‘, in der Ruhrmetropole geboren und auch mit zwei Einsatz-Jahren für den RWE, aber er soll schon damals nicht einfach gewesen sein. Wie sich der Mann heute wieder auf dem Platz verhielt, war auch für neutrale Beobachter eine Zumutung. Arroganz gepaart mit dreckigen Aktionen – ein Witz, dass dieser Hampelmann auch heute wieder ohne Verwarnung davonkam. Manche nennen sowas heutzutage vielleicht ‚abgezockt‘, unfaires Verhalten soweit auszureizen, wie der Referee es zulässt, ich empfand es annähernd unerträglich. Als Highlight gab es in der Schlussphase ein Schauspiel par excellence, als er sich nach einem Allerweltsfoul tödlich getroffen meterweit abrollte – ich dachte schon er rollt bis in die Kurve. Wenn irgendwann mal ein Film über den noch zweifelhafteren brasilianischen Nationalspieler Vini Junior gedreht wird, bietet sich Futkeu jedenfalls für die Hauptrolle an. Das reicht dann auch dazu, er wird die Quittung in Zukunft hoffentlich bekommen. Bis auf eine weitere, aber vergebene Chance war von dem Schauspieler auch nix mehr zu sehen. Erst nach dem Abpfiff trat er wieder unrühmlich in Erscheinung, als er einige Rot-Weisse provozierte, anstelle sich in der eigenen Gutmenschen-Kurve für seine ‚Glanztaten‘ feiern zu lassen.
Der Treffer bewirkte nun ein deutliches Übergewicht der Fürther, aber plötzlich lag die Kirsche in deren Maschen. Mizutas Treffer wurde jedoch aufgrund einer knappen Abseitsstellung von Flankengeber Potocnik umgehend die Anerkennung verweigert, leider zurecht. Bis zum Pausenpfiff blieben die Gastgeber am Drücker, hatten noch ein paar zum Teil gefährliche Abschlüsse. Das ging nach dem Seitenwechsel auch so weiter. Was Koschinat sich auch immer überlegt hatte, es griff nicht. Abiama war für den wieder mal schwachen Safi gekommen, leistete sich aber im Verbund mit Kostka direkt einen Aussetzer und machte am Sechzehner-Eck die Bahn frei für Hrgota, der nach innen zog und den Ball zur Zwei-Tore-Führung herrlich ins lange Eck schlenzte. Nun wurde es natürlich ganz schwer und die Gastgeber blieben dran, daran änderte auch eine zwischenzeitliche Chance für Kostka nichts. Die Kleeblätter verzeichneten einige Abschlüsse und die Roten drohten den dritten Treffer zu fressen. Aber dann fingen sich die Recken des glorreichen RWE und nach knapp 70 Minuten traf Potocnik nach einer perfekten Flanke von Hofmann zum Anschluss. Welch ein Torjubel, der ganze Block flog durcheinander, die Zeit blieb kurz stehen, aber alle hatten sich gerade noch rechtzeitig wieder sortiert, um vom Schiri zu vernehmen, dass der Treffer der Video-Überprüfung nicht standgehalten hatte. Potocniks Arm war im Abseits. Bitter – was für ein Dreck! Und so wurde mir mit meinem Hauptargument gegen den Aufstieg eindrucksvoll bewiesen, warum mir die Zweite Liga einfach nicht so wichtig ist. Der Fußball lebt im Publikum von spontanen Emotionen, der Videobeweis beraubt diesen wunderbaren Sport aber genau dessen. So einen Coitus Interruptus braucht absolut niemand.
Der RWE war nun aber geweckt, warf alles rein und blieb dran und von der Spielvereinigung war nicht mehr viel zu sehen. Aber es wurde wieder einmal Chancenwucher betrieben. Nachdem ein Abiama-Kopfball von der Strafraumgrenze im hohen Bogen am Pfosten landete, brachte Müsel den Abpraller auf das fast leere Tor nicht über Linie, köpfte dem zurückeilenden Prüfrock das Streitobjekt in die Arme. Distanzschüsse von Jansen und Mizuta verfehlten das Ziel ebenfalls knapp. Die Zeit rann und rann, aus sieben Minuten Nachspielzeit wurden durch Fürther Schauspiel deren zehn, aber dann ertönte die unerbittliche Pfeife des Referees zum letzten Mal. Des einen Freud, des anderen Leid. Die Roten sanken auf den Boden, frustriert, enttäuscht. Mizuta war kaum zu trösten, aber nachdem die erste Leere verdrängt war, kamen die Spieler durch die völlig überzogen Kette von Ninja Turtles in die Kurve, die eine überragende Reaktion zeigte. Kein einziger der über 2.500 Essener Anhänger war verärgert, stattdessen wurde die Mannschaft für eine insgesamt bärenstarke Saison zurecht minutenlang gefeiert. Die Jungs in Rot und Weiss blieben länger auf dem Rasen als die Sieger, die RWE-Gemeinschaft wusste trotz des fehlenden Erfolges, dass heute etwas Besonderes erlebt worden war.
Und so musste ich den Spielausgang auch nicht sonderlich verarbeiten. Klar, ein wenig Enttäuschung verspürte ich und mit den vergebenen Chancen durfte man auch hadern, der Aufstieg wäre heute möglich gewesen. Aber nicht zuletzt das aberkannte Tor nach Video-Überprüfung macht mir den Verzicht leicht. Da schaue ich wohl lieber bis an mein Lebensende Drittliga-Fußball, bevor ich bei jedem Tor erst einmal abwarten muss, ob es Bestand hat. Eine Saison mit Höhen und Tiefen fand in einem intensiven Finish ihr Ende. Es war nicht alles top, aber auch absolut nicht alles schlecht. Vor allem sind Mannschaft und Fans schließlich eine echte Einheit geworden und nur so kann sich auch der Erfolg einstellen. Unabhängig davon wird die neue Saison in dieser unberechenbaren Spielklasse wieder eine Wundertüte. Zudem wird sich die Mannschaft verändern, die sportliche Leitung ist gefordert, erneut einen schlagkräftigen Kader zu formen. Nun heißt es aber erst einmal durchatmen bis der ganze Wahnsinn im August wieder von vorne beginnt. Nur der RWE!
Jahn-Kampfbahn, 230 Zuschauer, Kreispokal Kempen-Krefeld Finale
Der Kreispokal-Finaltag des Fußballkreises Kempen-Krefeld bot die Möglichkeit, das Jahnstadion im Nettetaler Ortsteil Kaldenkirchen zu besuchen. Oft bespielt wird das kleine Stadion mit seinen grasbewachsenen Stufen nicht, der ansässige Verein nutzt meistens den benachbarten Kunstrasen. Von Bäumen gesäumt liegt die kuschelige Anlage im Grünen beinahe nur einen Steinwurf von der Grenze zu den Niederlanden entfernt. Brachial war das Zuschauerinteresse an dieser Partie nicht gerade, dass Leben spielte sich hauptsächlich am etwas abseits platzierten Bierstand ab. Zwischen einem durchschnittlichen Landes- und einem guten Bezirksligisten ist kein großer Unterschied zu erwarten und so machte der OSV dem Favoriten aus dem Schwalmtaler Ortsteil das Leben auch ziemlich schwer und kam zu einigen Möglichkeiten. Die Tore machte aber dennoch der Landesligist, der zur Halbzeit viel zu hoch mit drei Toren führte, aber kurz vor der Pause auch einen Akteur per Ampelkarte einbüßte. Dadurch schöpfte der Underdog noch einmal Mut, ein Treffer gelang aber erst 15 Minuten vor dem Ende und damit etwas zu spät. In der Schlussphase machten die VSF – das Kürzel steht für Vereinigte Sportfreunde – mit Tor Nummer vier den Deckel drauf und schleppten den Pokal schließlich nach Hause.
Sportplatz unter dem Rosenberg, 200 Zuschauer, Bezirksliga Rheinland Mitte
Ein Ausflug an die Mosel, mit dem Besuch der Festung Ehrenbreitstein gegenüber dem Deutschen Eck, wurde mit einem Spielgenuss in Kobern-Gondorf abgerundet. Das Moseltal mit seinen steilen Weinbergen ist ja wunderschön und es bietet dem Sportplatz des SV Untermosel eine wirklich malerische Kulisse. Die Platzanlage selber ist eher so der typische Dorfsportplatz mit Vereinsheim, nörgelnden Oppas und ein paar Stehstufen auf einer Längsseite des Platzes. Dafür hat es die Kulisse in sich, denn es baut sich ein mächtiger mit Weinreben bepflanzter Hang hinter der dem Fluss abgewandten Seite des Platzes auf und hinter einer Kopfseite linst der Bergfried der ‚Niederburg‘ aus der Ferne auf das Spielfeld. Die Gastgeber standen bereits als Meister und Aufsteiger fest, für den Gastverein aus dem Koblenzer Stadtteil Metternich ging es als Tabellendritter ebenfalls um nichts mehr. Der SVU nahm nach ein paar Anlaufschwierigkeiten und einem torlosen Halbzeitstand Fahrt auf und erspielte eine Drei-Tore-Führung ehe den Gästen noch der späte Ehrentreffer gelang.