
Rot-Weiss Essen vs TSV Havelse 4:1
Stadion an der Hafenstraße, 15.777 Zuschauer, 3.Liga

Pflichtsieg! Mehr auch nicht. Sollte man meinen. Tatsächlich barg das Spiel gegen den vermeintlich kleinen Gegner eine ganze Menge Blamagepotential. Der TSV aus der kleinen Hannoveraner Nachbarstadt Garbsen hatte in den letzten Spielen nämlich besser gepunktet als der glorreiche RWE und kam nach einem deutlich Sieg gegen die starke Hoffenheimer Reserve, unterstützt von handgezählten 57 Anhängern, mit breiter Brust an die legendäre Hafenstraße. Und die Niedersachsen machten in der ersten halben Stunde auch den deutlich besseren Eindruck und gingen engagiert in die Zweikämpfe. Die Gäste spielten sich immer wieder in den rot-weissen Sechzehner und hatten nach etwas mehr als einer halben Stunde eine richtig gute Chance, aber Golz klärte gegen den frei vor ihm auftauchenden Havelser Stürmer. Die bis dahin einzig brauchbare Möglichkeit für die Roten hatte Marek Janssen. Der statistisch beste RWE-Stürmer hatte nach dem Spiel in München aufbegehrt und Ansprüche gestellt und durfte nun tatsächlich von Beginn an ran. Sein Schuss aufs kurze Eck nach einem schnellen Konter, war eine gute Idee, wurde aber vom TSV-Keeper noch soeben entschärft. Zehn Minuten vor der Pause lief es besser, als der lange Emsländer eine Mizuta-Ecke mit dem rechten Ohr zur Führung einnickte. Und nur zwei Minuten rechtfertigte er seinen Startelf-Einsatz endgültig, als nach einem genialen Steilpass von Müsel den Gäste-Schnapper umkurvte und zum zweiten Treffer einschob. Der Spielverlauf war damit ein wenig auf den Kopf gestellt, aber unmittelbar nach diesem Tor hatte der TSV die Chance zum Anschluss, den Brumme vereitelte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte klingelte es dann aber doch hinter Golz. Ein Freistoß von der Strafraumgrenze fand ins Ziel, nachdem sich die Taktik, die Mauer in der Mitte zu teilen, um dem Golz freie Sicht auf den Schützen zu lassen, als kontraproduktiv herausstellte. Einigermaßen logisch, denn so hat der Schütze ja freie Auswahl.
Die Gäste versuchten nach dem Seitenwechsel direkt wieder Akzente zu setzen, dieses gelang aber einem Spieler in Rot und Weiss und dieser hieß erneut Marek Janssen als Torschütze nach einem Konter über die rechte Seite. Damit schien erstmal Ruhe im Karton zu sein, aber keine fünf Minuten später wurde Hofmann nach einem rüden Foul mit glatter roter Karte des Feldes verwiesen. Zwar traf er seinen Gegenspieler mit einer Grätsche hart, aber weder mit gestrecktem Bein noch mit offener Sohle. Die Entscheidung des Referees war meines Erachtens zu hart, zumal er sich nicht sicher schien, wie sein Blickkontakt mit dem knapp 40 Meter entfernt stehenden Assistenten verriet. Die Befürchtung, dass die Roten nun hinten reingedrängt wurden, bestätigte sich aber nicht. Stattdessen spielten sie weiter mit, von der Havelser Dominanz der ersten halben Stunde war eh nicht mehr viel übrig. Müsel machte dann Mitte der zweiten Hälfte nach technisch starker Vorarbeit von Mizuta alles klar. Ein paar Minuten vor Schluss wurde der aufs Abstellgleis geratene Arslan eingewechselt und mit Standing Ovations empfangen. Das tat dem sensiblen Spielmacher sichtlich gut und wenn es nach mir geht, sollte der Mann behalten werden und seine Chance bekommen – der feine Techniker könnte noch wichtig werden. In der Nachspielzeit musste Golz noch einmal in höchster Not im Eins gegen Eins klären und auch die Latte stellte sich einem weiterem Gäste-Treffer in den Weg. Die gelb-rote Karte für einen Havelser Verteidiger Sekunden vor Schluss war nur noch eine Randnotiz. Mit diesem Sieg und dem von Publikum und Spieler ersehnten Einsatz von Dreifach-Torschütze Janssen haben sich die Wogen nun erst einmal geglättet. Die Haltbarkeit dieses Zustands bleibt abzuwarten und mit der SV Wehen aus der hessischen Landeshauptstadt reist am kommenden Wochenende eine weitere harte Nuss in den Essener Norden.












































































































































