Burgas – Sa., 22.05.2021, 18:00

FK Chernomorets Burgas vs FK Levski Karlovo 4:0

Stadion Chernomorets, 145 Zuschauer, Treta liga yugoiztochna
Nach anstrengenden Arbeitswochen kam es mir recht, dass mir die vom Arbeitgeber durch die Blume mitgeteilt wurde, dass der Resturlaub aus dem letzten Jahr langsam mal zu nehmen sei. Die Wahl fiel dann relativ schnell auf Bulgarien, da die Covid-Inzidenz dort beträchtlich gefallen und zudem für die Veranstaltung von Fußballspielen 30 % der Stadionkapazität für Zuschauer freigegeben war, was dort aufgrund des eher geringen Interesses bei annähernd allen Spielen ausreicht. Bulgarien hatte ich schon einige Male bereist, war aber nie an die Schwarzmeerküste vorgestoßen. Da die Herzdame mit am Start war und die ganze Nummer auch vorrangig Erholung und keine konkrete Fußball-Tour sein sollte, wurde der Osten des Landes also das Reiseziel. Nach morgendlicher Landung in Varna fuhren wir in aller Ruhe nach Burgas, der zweiten bulgarischen Metropole am Cherno More. Dort stieß am späten Nachmittag FK Chernomorets 1919 Burgas gegen Levski Karlovo in der Südost-Gruppe der viergeteilten Dritten Liga an. Diesen Verein gibt es erst seit 2015, allerdings schließt er an die Tradition des früheren PSFC Chernomorets an, der bereits der Nachfolger des ersten Clubs mit Namen Chernomorets war. Beide frühere Vereine wurden Opfer dubioser finanzieller Machenschaften ihrer Besitzer – ein Schicksal, dass einigen bulgarischen Vereinen nicht ganz unbekannt ist.
Der neue FC Chernomorets wurde 2015 von Fans gegründet. Die Heimspiele werden im alten Stadion Chernomorets ausgetragen, das eigentlich schon aufgegeben war. Pläne für ein modernes neues Stadion gibt es schon lange, aber die Umsetzung hat landesüblich nie stattgefunden. Der Vorgängerverein trug die Spiele im modernen Stadion Lazur aus, das alte Stadion verwilderte. Erst 1919 wurden die Ränge aufwändig von den wild wuchernden Pflanzen befreit, das Spielfeld wieder nutzbar gemacht. Seitdem trägt der Verein seien Spiele dort aus und müht sich aus der Dritten Liga nach oben zu kommen. Dass die Ränge des Stadions einst rundherum mit Sitzbänken ausgestattet waren, beweisen nur noch die steinernen Stümpfe die den Bänken Halt gaben. Lediglich auf der Hauptseite wurden neue Sitzschalen montiert, um dem aktuell (noch?) überschaubaren Publikum Platz zu geben. Die mächtige Anzeigetafel ist von einem zerrissenen Werbebanner verdeckt. Das weite Rund versprüht trotz oder gerade wegen seines Zustandes den Charme vergangener Zeiten. Eine kleine Gruppe fand sich zusammen und supportete das Team während der zweiten Spielhälfte, beflügelt von einigen verzehrten Bieren. Wie auch in den letzten beiden Jahren, scheint der Aufstiegstraum jedoch auch in dieser Saison knapp verpasst zu werden. Eine theoretische Chance bestand allerdings noch. Die Gäste aus Karlovo waren nicht in der Lage diese Theorie zu gefährden. Die Hoffnung stirbt also wohl erst am letzten Spieltag.

Exkurs: Schwelgernstadion Duisburg

Ein vergessener Riese

Zu den vergessenen Stadion-Riesen im Ruhrpott gehört das Schwelgernstadion in Duisburg Marxloh. Der Großindustrielle August Thyssen schenkte der damals selbständigen Stadt Hamborn Anfang der 1920er Jahre Land unter der Bedingung, eine Erholungsstätte für das Arbeitervolk zu errichten. Daraufhin entstanden im Schwelgernbruch, durch den sich früher ein alter Rhein-Arm zog, eingerahmt von der Schwerindustrie, ein Park mit Bad und einem Stadion, welches 1925 eröffnet wurde. Das Spielfeld und die Aschenbahn waren damals noch von einer Radrennbahn aus Eisenbeton umfasst. Für das interessierte Publikum wurden Steh- und Sitzgelegenheiten geschaffen. Beachtliche 28.000 Menschen fanden damals Platz. Zu dieser Zeit war das Stadion neben dem Wedaustadion und den Stadien in Köln, Düsseldorf und Wuppertal der größten Stadien im Westen Deutschlands. Es diente zeitweise als Spielstätte des Fußballclubs Hamborn 07. Der Zuschauerrekord im Schwelgernstadion wurde bei der Begegnung Hamborn 07 gegen Schalke 04 am 14. September 1947 mit 33.000 Besuchern gefeiert. 1962 empfing Hamborn 07 die Düsseldorfer Fortuna vor 25.000 Zuschauern.
Bis in die 1970er Jahre hinein fanden noch Fußballspiele im Stadion statt. Doch der Zahn der Zeit nagte an dem Stadion, welches war über die Jahrzehnte sehr marode geworden. Ende der 1990er Jahre wurde es unter Denkmalschutz gestellt und saniert. Die historische Tribünenanlage wurde mit Boden überdeckt, da sie nicht mehr benutzbar war. Das zum Stadion gehörende Gebäude, ein dreiflügeliger Backsteinbau um das Hauptportal, wurden ebenfalls saniert. In diesem finden heute ein Cafe, die Entwicklungsgesellschaft Duisburg und Veranstaltungsräume ihren Platz. Fußball wird im Schwelgernstadion heute nicht mehr gespielt. Der MSV bestritt vor einigen Jahren noch ein Freundschaftsspiel, aber regelmäßig treten nur noch die Footballer der Duisburg Vikings vor der beeindruckenden, an vergangene Zeiten erinnernden Hochofen-Kulisse an. Von den Zuschauerrängen sind nur noch zwei Bereiche geblieben, beziehungsweise wurden diese neu errichtet. Das Tribünendach, das einst auf einer der mächtigen Geraden Schutz bot, ist schon lange verschwunden. Ein wirklich schönes Stadion, dass auch in der sanierten Version geschichtsträchtig anmutet.

Exkurs: Stadion Sonnenblume Velbert

Die Sonnenblume in Velbert

Während einer kleinen Fahrradtour stattete ich letzte Woche dem ‚Stadion Sonnenblume‘ in Velbert einen Besuch ab. Die Sonnenblume sportliche Heimat der SSVg Velbert 02, bis diese im Juli des letzten Jahres ins neue Sportzentrum auf der anderen Seite des Stadtzentrums zog. Obwohl die Sonnenblume erst Ende der 60er Jahre errichtet wurde, auch gar keine besonders hervorzuhebenden Merkmale besitzt, hat das Stadion Charakter. Der Zuschauerrekord wurde bereits kurz nach der Eröffnung im Derby gegen den Wuppertaler SV aufgestellt. 13.000 Zuschauer drängten sich damals auf Rängen, die nur für 10.000 Personen ausgelegt waren. In zwei Saisons wurde in der Sonnenblume sogar DFB-Pokal gespielt. 2003 konnte der Oberligist (damals vierte Liga) SSVg 02 den Zweitligisten aus Mainz im Elfer-Kicken besiegen, ehe in der 2.Runde gegen Jahn Regensburg in einem engen Spiel das Aus kam. 2006 war schon in der 1.Runde gegen die SpVgg Unterhaching Schluss. Noch wirkt die Anlage gut ein Jahr nach Einstellung des Spielbetriebs ganz gut in Schuss, auch wenn sich Unverbesserliche bereits in Vandalismus geübt haben. Das zum Gelände gehörende Warmgebäude wird noch von der Gattin des ehemaligen, mittlerweile verstorbenen Platzwarts bewohnt. Über die Rasenfläche des Spielfeldes freut sich nun ihr Hund, der dort viel Platz zum Toben vorfindet. Ich kam mit der Dame ins Gespräch und erfuhr, dass überhaupt noch nicht klar ist, welche Anschlussnutzung das Gelände erfahren soll. Wohnbebauung wie auch ein Hotel waren schon im Gespräch, entschieden ist aber noch nichts. Schade, dass in diesem beschaulichen, kleinen Stadion nicht mehr gespielt wird.

Porec – Sa., 27.03.2021, 16:30

NK Jadran Porec vs NK Pazinka Pazin 1:0

Stadion Veli Joze, 100 Zuschauer, 3. Hrvatska nogometna liga zapad
Der letzte Urlaubstag eröffnete noch eine Möglichkeit für einen Spielbesuch. Der Weg führte mich nach Porec, einen beliebten Touri-Ort an der Adria-Küste, zum Drittliga-Spiel zwischen dem gastgebenden NK Jadran und den Gästen von Pazinka Pazin. Auf beiden Seiten gibt es schon lange Jahre existierende Ultra-Gruppierungen. Beim NK Jadran sind das die ‚Sajete Boys‘ und beim NK Pazinka treibt die ‚Plava Legija‘ – oder ‚Blue Legion‘ – ihr Unwesen. Angeblich bedingte die Gründung der Plava Legija die Gründung der Sajete. Vor über 30 Jahren war das der Fall und seitdem besteht eine gesunde Rivalität, die wohl regelmäßig auch mal außerhalb der Stadionmauern diskutiert wird, dann aber meist weitestgehend wortlos. Auf freundliche Nachfrage erhielt ich Zugang zum Gelände. Mir war einigermaßen klar, dass die Sajete trotz des Zuschauer-Ausschlusses supporten würden. Das ließ sich anhand von Fotos auf der Facebook-Plattform des Vereins erahnen und so war es dann auch. Die Anlage ist von außen gut einzusehen und die Zäune nicht allzu hoch. Mit Spielbeginn begab sich ein 50 Mann-Mob hinter den Zaun einer Kurve und gab Stoff und das beinahe durchgehend. Nicht gerechnet hatte ich damit, dass sich auch tatsächlich ein Dutzend Leute der Plava Legija hier einfinden würde. Die Gäste-Ultras hefteten ein Banner an den Zaun des hinter der Tribüne liegenden Parkplatzes, klopften auf der mitgebrachten Trommel herum und verschafften sich auch ab und an Gehör. Überhaupt war das Spiel nicht schlecht besucht. Zum einen schienen die Kriterien, hereingelassen zu werden, nicht allzu hoch zu sein und außerdem sammelten  sich hinter dem Zaun reichlich Interessierte. Sportlich war es ein riesiger Unterschied zu den beiden vorher gesehenen Spielen. Es war einfach viel athletischer, flüssiger in der Bewegung, technisch feiner, was da abgeliefert wurde. Die Gastgeber konnten das Spiel verdient für sich entscheiden. Das Ergebnis war irgendwie kroatisch, denn eine wahre Torflut erlebt man dort ja eher selten, auch wenn das eher für das Oberhaus gelten dürfte, wo gefühlt jedes zweite Spiel 1:0 ausgeht. Und genauso war es auch hier und heute der Fall. Für den Siegtreffer musste dann auch ein Elfmeter früh in der ersten Halbzeit herhalten, der mit einer dünnen Rauchsäule gefeiert wurde. Jadran darf sich noch Hoffnungen auf die Aufstiegs-Playoffs zur Liga 2 machen. Pazinka dagegen muss aufpassen, nicht noch übel in die Abstiegsränge zu rutschen. Kurz vor dem Spielschluss löste sich ungefähr die Hälfte der Sajete und latschte Richtung Ausgang, was mich wunderte, denn es galt ja noch die Mannschaft für den Sieg zu feiern. Die Lösung offenbarte sich kurz nach dem Abpfiff. Als die Pazinka-Leute ihre Sachen gepackt hatten und zu ihren Fahrzeugen gingen wurde seitens der Sajete noch mal handfest nachgefragt, ob es Ihnen in Porec denn auch gefallen hat. Die Staatsmacht war aber zügig zu Stelle und löste das kleine Scharmützel ohne übertriebenen Einsatz auf.

Potpican – So., 28.03.2021, 16:30

NK Potpican-Ucka 72 vs NK Smoljanci Sloboda Svetvincenat 0:1

Mjesni stadion Dumbrova, 80 Zuschauer, 1.Zupanijska nogometna liga Istarska
Nach der Partie am Mittag war der Besuch einer weiteren Partie möglich und zwar in Potpican, keine halbe Autostunde von Rabac entfernt. Auch hier erbat ich zwar den offiziellen Zugang, das Zuschauen war aber an allen Seiten auch so möglich, da die gesamte Anlage frei zugänglich ist. Und davon machten dann auch knapp 80 Personen Gebrauch. Nach und nach überstiegen dann auch einige Leute die notdürftig errichtete Absperrung zur einzigen ausgebauten Seite, um sich einen Sitzplatz zu verschaffen. Ein Vereins-Mokel versuchte diese Personen zunächst halbherzig hinter die Absperrung zu scheuchen, wurde aber schlicht mit Nichtachtung gewürdigt, so dass er seine Bemühungen bald einstellte. Der gastgebende Verein hatte nach elf Spielen gerade einmal zwei Punkte auf der Habenseite, war damit zwar erstaunlicher Weise nicht mal Tabellenschlusslicht, schwebte aber in akuter Abstiegsgefahr. Da kam dieser Partie gegen den Liga-Dritten denkbar ungünstig. Die einseitige Partie, welche ich erwartet hatte, wurde es aber ganz und gar nicht. Die Heim-Mannschaft präsentierte sich auf Augenhöhe und hatte mehrfach die Chance zum Führungstreffer. Nicht selten ist es aber im Fußball so, dass letztlich doch der Favorit gewinnt, wenn der Außenseiter seine Chancen nicht nutzt. Am Ende entscheidet dann einfach die individuelle Qualität, auch wenn es eben nur die eine entscheidende Situation war, in der sich die Mannschaft aus Svetvincenat durchsetzen konnte. So durften die etwa zwei Dutzend mitgereisten Anhänger zehn Minuten vor Ende den goldenen Treffer für ihren Club bejubeln.

Rabac – So., 28.03.2021, 12:30

NK Rabac vs NK Funtana 1:1

Stadion NK Rabac, 45 Zuschauer, 1.Zupanijska nogometna liga Istarska
Einige der reichlich vorhandenen Resturlaubstage wurden für einen kleinen Urlaub mit der Herzdame genutzt. Das Ziel ergab sich quasi im Ausschlussverfahren und so wurde die kroatische Halbinsel Istrien angesteuert, da der gleichnamige Verwaltungsbezirk seitens der deutschen Bundesgesundheitsbehörde zum Zeitpunkt der Reise aufgrund der derzeit moderaten Covid-Infektionszahlen nicht als Risikogebiet eingestuft wurde. Natürlich wurde auch ein Auge darauf geworfen, ob Spielbesuche im Zielgebiet möglich seien, da Mitte März der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde. Kurz vor der Abreise fand ich dann Meldungen sowohl des nationalen kroatischen als auch des istriotischen Regionalverbandes, dass bis in die Niederungen des Ligasystems ohne Zuschauer gespielt werden sollte. So blieb es also eine Wundertüte, ob sich auf Nachfrage vor Ort nicht doch eine Tür öffnen würde, um den Fußballgenuss zu ermöglichen. Kurz nach der Mittagsstunde des hochheiligen Sonntages klopfte ich im malerischen Rabac, an der Küste der Kvarner Bucht gelegen, mal zart ans Gitter und fand die Hand, die mir das Tor öffnete. Letztlich gestaltet es sich zumindest in den unteren Klassen auch schwierig, zu verhindern, dass sich Zuschauer einfinden, denn viele Plätze verfügen nicht über abgrenzende Zäune oder Mauern. Ordner oder Polizeikräfte, welche die Fußballinteressierten des Platzes verweisen waren bei den Spielen, die ich schauen konnte auch nicht zugegen. So wurde der Zuschauerausschluss also völlig ad absurdum geführt, zumal sich die Leute außerhalb der Anlagen oft dichter aneinanderdrängten, als es im Inneren erforderlich gewesen wäre. Es war eine Partie der höchsten Spielklasse Istriens, viertklassig auf nationaler Ebene. Während die Gastgeber in akuter Abstiegsnot schweben, kann den Gästen mit einem gesunden Mittelfeldplatz nicht mehr viel passieren. Das Niveau ist schwer zu definieren, eine bunte Mischung. Es waren ein paar Spieler dabei, die richtig gut kicken können, andere hätten wohl selbst in der deutschen Kreisliga so ihre Probleme. Und der bestimmt 45jährige Sechser, der mit Erfahrung und Stellungsspiel glänzte, hatte seine Schuhe auch noch mal geschnürt, um die notwendigen Punkte gegen den drohenden Abstieg einzufahren. Wenn man die Platzverhältnisse einbezieht, war es wohl stabiles Bezirksliga-Niveau bis schwaches Landesliga-Niveau, was geboten wurde. Die Gastgeber starteten nicht schlecht in die Partie und hatten mehr vom Spiel, aber ein einziger sauber gespielter Konter reichte zur Halbzeitführung für die Gäste aus. Mit Kampf, Glück und Geschick gelang im zweiten Durchgang mit einem sehenswerten, direkt verwandelten Freistoß in den linken oberen Giebel der Ausgleich, so dass am Ende das berühmte leistungsgerechte Unentschieden stand.

Ettelbrück – So., 07.03.2021, 16:00

FC Etzella Ettelbrück vs Union Sportive Mondorf-les-Bains 0:1

Stade du Deich, 37 Zuschauer, Nationaldivision
Ein Fußballspiel live im Stadion zu sehen, ist aktuell eine nicht ganz so einfache Übung. Dazu hält sich der Unterhaltungswert unter Zuschauerauschluss natürlich auch ziemlich in Grenzen. Da bietet sich doch ein Ziel an, bei dem es beinahe egal ist, ob Zuschauer erlaubt sind oder nicht, da sich dort eh nur eine überschaubare Anzahl ein Leuten zu den Spielen einfindet. Rechtfertige ich meinen Trip nach Luxemburg hier gerade irgendwie? Natürlich hatte ich schon irgendwie Bock darauf, sonst hätte ich den Ausflug nicht angestrengt. In Verbindung mit frühlingshaftem Wetter und einem feisten Frituur-Stop brauchte ich auch nicht lange mit mir hadern. Flugs das Eisenpferd gesattelt und losgeritten. Für den Hinweg nahm ich mir entsprechend ausreichend Zeit und befuhr einsame Pfade abseits der ausgelatschten Highways. So war auch noch ein kurzer Zwischenstopp an der Burg zu Monschau drin, die kann allerdings nicht viel. Kurz vor Spielbeginn traf ich am ‚Stade du Deich‘ in Ettelbrück – oder auf Letzeburgisch Ettelbréck – ein, einer Kleinstadt im nördlichen, dünner besiedelten Teil Luxemburgs. Vor dem Stadion hatten sich schon die ‚Boys Etzella‘ eingefunden, um ihr Team von außerhalb zu unterstützen. Daran wurden Sie auch nicht gehindert, von Polizei oder anderen Ordnungskräften war weit und breit nichts zu sehen. Natürlich nahmen es die Jungs und Mädels mit der Abstandsregel nicht so genau, aber man muss ja auch mal die Kirche in Ettelbrück lassen und den Leuten in dieser von Langeweile geprägten Zeit Freiheit zur eigenständigen Risikoeinschätzung einräumen. Mit Spielbeginn stieg dann vor den Toren des Stade du Deich eine satte blaue Wolke in den annähernd genauso blauen Himmel. Ab und an machten sich die Boys auch mit einem großen Schwenker hinter dem Zaun sichtbar. Dazu war ein Motivations-Transparent zu diesem wichtigen Spiel gegen den drohenden Abstieg aufgehängt worden. Einige Male war auch akustische Unterstützung zu vernehmen. Die Gastgeber stecken tief im Abstiegskampf und hatten die Möglichkeit, sich gegen einen direkten Mitkonkurrenten etwas Luft zu verschaffen. Nach gutem Beginn des FC Etzella konnten die Gäste aus dem Länderdreieck mit Frankreich und Deutschland das Spiel ausgeglichen gestalten und setzten zehn Minuten nach der Halbzeit den einzigen und für sie goldenen Treffer. Das Spiel lief auch ungefähr so, wie man sich das Gebolze zwischen zwei Abstiegskandidaten der höchsten Liga Luxemburgs vorstellt- berauschend war es ergo nicht gerade. Das Stadion im Centre Sportif du Deich ist ein Mehrzweckstadion mit Leichtathletik-Anlagen. Auch in Luxemburg eher ungewöhnlich. Für die Zuschauer stehen überdachte und ungedeckte Sitztribünen zur Verfügung. Die flache Tribüne auf der Gegenseite bietet auch kleine Stehbereiche. Für Luxemburgische Verhältnisse alles mehr als ausreichend.

Gastbeitrag von Klaus – Fußball war nicht mein Leben…

Nicht ohne Stolz darf ich ein neuen Gastbeitrag veröffentlichen. Mein Vater ist meiner Bitte nachgekommen, einige Zeilen über seine Jugendjahre zu verfassen. Dabei herausgekommen ist ein sehr schöner Einblick in das Fußball-Leben eines Heranwachsenden in der Nachkriegszeit. Danke dafür!

Fußball war nicht mein Leben… aber seinerzeit ein sehr schöner Teil meines Lebens!

Meine aktive Laufbahn als Fußballer bei TuRa 1886 Essen an der Serlostraße in Essen-Altendorf begann Mitte 1959 – eigentlich relativ spät, denn da war ich schon 16 Jahre alt. Der Fußball hat aber schon lange vorher, während meiner Zugehörigkeit zur Pfarrjugend der Pfarrei St. Antonius Essen-Frohnhausen, eine bedeutende Rolle gespielt. Dort wo ich aufwuchs, in der Kuglerstraße, wurde schon immer auf den Rasenflächen im Innenhof des ziemlich geräumigen Wohnblocks Fußball gespielt, zum Leidwesen der Bewohner ringsum.
Es gab genug Spielkameraden mit Interesse am „Bötschen“. Schon wenn vier, sechs oder acht Spielkameraden im Anschluss an Schule und Schularbeiten nach und nach draußen eintrudelten, wurden schnell mit ein paar übrig gebliebenen Steinen oder Kanthölzern aus der Wiederaufbauzeit des Häuserblocks „Tore“ gebaut, die Mannschaften ausgelost und dann ging es los. Ein Ball war immer zur Stelle, aus Privatbesitz oder verdient aus der „Schore“, die beim Verkauf von Schrott aus den Resten von Trümmergrundstücken erzielt wurde. Die Umwelt wurde förmlich vergessen und die Fußballbegeisterung äußerte sich natürlich auch hier in der Bescheidenheit der Hinterhof-Arena entsprechend laut. So mancher Mittagsschlaf wurde gestört, so manche verdiente Altersruhe. Auch Scheiben klirrten gelegentlich mit der folgenschweren Aufregung und den Beschwerden bei Eltern und der Hausverwaltung. War die Luft wieder rein, ging es weiter, zum Verdruss der Anwohner.
Auch im Jugendleben der Pfarrei spielte Fußball eine große Rolle. Nach den Gruppenstunden fanden sich immer zwei Mannschaften, die auf den Flächen rund um die im Krieg zerstörte Antonius-Kirche Platz fanden, um zu bötschen. Auch auf dem in der Nähe liegenden Gelände des Waisen- und Schwesternhauses der Elisabetherinnen gab es ausreichend Platz zum Fußballspielen. Heute steht dort ein Altenheim. Außerdem wurde auch reichlich Fußball im Sportunterricht der Realschule Essen-West gespielt. Unser Klassenlehrer Günter Schröer war selbst durch seine beeindruckenden Leistungen im Handball als Torjäger bei Tusem Essen bekannt und hatte für Mannschaftssport viel übrig. Handball, Fußball, Basketball spielten im Sportunterricht eine bedeutende Rolle. Der Ascheplatz, der hinter dem Schulhof lag und heute bedingt durch einen Erweiterungsbau nur noch teilweise vorhanden ist, bot Fläche für ein ordentliches Fußballspiel, ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Auch die Jugendgruppen unserer Pfarrei erwirkten die Erlaubnis, dort spielen zu dürfen.
Dort habe ich mir bei einem unserer Fußball-Matches im linken Knie einen so starken Meniskusschaden zugezogen, dass er mir bis zum heutigen Tag noch gelegentlich Beschwerden bereitet. Zunächst habe ich mich mit dem angerissenen Meniskus arrangiert. Nach immer wieder auftretenden „saftigen“ Schwellungen und Ausfällen in meiner Lehrzeit, musste operiert werden und einige Absplitterungen – wie ich am Bildschirm beobachten konnte – wurden beseitigt. Diese Verletzung hat letztlich auch dazu geführt, dass ich den Vereinssport bei TuRa 1886 aufgeben musste.  Doch vorher konnte ich einige Jahre an der Serlostraße Fußball spielen. Gekommen war ich zu TuRa durch meinen Onkel Paul, einem „Altendorfer Jungen“, der viele Jahre 2. Vorsitzender des Vereins war, obwohl er bereits in Bochum wohnte. Mit ihm und meinem Vetter Rainer verpasste ich auch kaum ein Spiel der 1. Mannschaft auf dem heimischen Platz und auswärts. Heute existiert der Platz an der Serlostraße zwar noch, der Verein ist aber auf eine neue Anlage umgezogen und der alte Ascheplatz wurde sich selbst überlassen.
Unsere gegnerischen Mannschaften kamen aus den in Essen ansässigen und bekannten Vereinen wie Sportfreunde Katernberg, TuS Helene oder auch BV Altenessen und anderen. Autos der Mannschaftsbegleiter oder des Trainers brachten uns zu den entlegenen Auswärtsspielen, oder man wurde auch mal auf dem Sozius eines Mopeds eines Spielkameraden mitgenommen. Die Disziplin mancher Spielkameraden ließ manchmal zu wünschen übrig. Vergesslichkeit und Mangel an Pünktlichkeit zum Treffpunkt ließen die Mannschaft manchmal nur mit 9 oder 10 Spielern antreten. Solche Spiele konnten nicht gewonnen werden. Ständige Schürfwunden an den Knien von schwarzen Schlacke- und Aschenplätzen waren fast immer vorhanden. Gelegentliche Prellungen von Zusammenstößen mit gegnerischen Spielern waren ebenfalls inbegriffen.
Es gab aber auch vergnügliche Ereignisse: Ich erinnere mich an ein Spiel gegen SV Borbeck an der Fürstäbtissinstraße  – dort steht heute das Mädchen-Gymnasium Essen-Borbeck – wo unserem Torwart die Hose riss und er unter dem Gejohle der immer vorhandenen Mädchen mit halbnackten Hintern weiterspielte, weil keine Ersatzhose vorhanden war. Auch ein Spiel im Stadion von Rot-Weiss Essen, als Vorspiel vor dem Spiel der 1. Mannschaft hat besonderen Spaß gemacht, noch dazu auf dem heiligen Rasen. Ebenso gehörten die jährlichen Nikolausfeiern mit dem entsprechenden Spektakel zum Feierprogramm. Nach den Spielen wurde oft noch in der Vereinskneipe Skat „gekloppt“, so dass ich sonntags dann erst am Nachmittag spät zu Hause war. Es waren schöne Jahre! Meine schwarz-weißen Fußballstutzen, die ich heute noch habe, erinnern mich immer wieder an meine bewegte, abwechslungsreiche und Einsatz fordernde aktive Fußballzeit.
Aber auch mein Interesse an Rot-Weiss Essen war früh geweckt. Schon vor meiner aktiven Zeit bei TuRa bis lange danach wurden Spiele von Rot-Weiss Essen an der Hafenstraße besucht.  Dazu trafen sich die Rot-Weiss-Fans aus der Jugend der Pfarrei in Frohnhausen zum gemeinsamen Anmarsch zur Hafenstraße. Die Zuschauerwelt war eine restlos andere als heute. Man kaufte seine Karte an den Kartenverkaufshäuschen, musste je nach Ankunftszeit in einer Schlange stehen. Der Verkauf lief aber problemlos ab, ohne Krawall und Polizeiüberwachung. Einlasskontrollen oder Verbote mitgebrachter Getränke gab es nicht. Es wurden jedoch auch während des Spieles durch Bauchladenverkäufer Getränke, Würstchen oder Süßigkeiten angeboten. Ich erinnere mich, dass die Zuschauer Plätze bis fast an den Spielfeldrand einnehmen konnten, wobei körperbehinderten Personen Vorzugsplätze reserviert wurden.
Da Rot-Weiss in der Oberliga West spielte, war das Stadionrund überwiegend gut gefüllt, die Stimmung je nach Spielsituation ruhig bis sehr aufgeheizt. Die Beifalls- und Protestbekundungen wurden vom reichlichen Einsatz lärmender Instrumente begleitet. Die Schieds- und Linienrichter hatten es wegen der Nähe des Publikums manchmal nicht leicht, das Spiel in Ruhe zu leiten. Ich kann mich nicht erinnern, dass Auswärtsspiele besucht wurden oder Spiele anderer Vereine der damaligen Oberliga. Aber da das Fernsehen mehr und mehr Verbreitung fand in Familien, Gaststätten oder z.B. im Kolpinghaus Essen-Frohnhausen, in dem sich heute ein Laden der Diakonie befindet, traf man sich auch dort zu besonderen Fußball-Ereignissen, um vor allem Länderspiele und Weltmeisterschaften zu verfolgen.  Später nahm mich unser Sohn schon mal zu Bundesligaspielen mit. Besonders erinnere ich mich noch, dass wir anlässlich eines Rom-Besuches Karten direkt vor einem Spiel auf dem Schwarzmarkt ergattern konnten. Es spielte AS Rom mit Rudi Völler gegen SSC Neapel mit Maradona.
Mein Fußballinteresse ließ im Laufe der späteren Jahre sehr nach. Dasselbe habe ich sogar auch von einem berühmten und verdienten deutschen Fußballer erfahren, der Zeit seines Lebens seinen Wohnsitz in Essen-Frohnhausen, meinem Wohnort, hatte: Helmut Rahn. Von ihm wurde berichtet, dass sein Fußballinteresse sogar an seinem Heimatverein Rot-Weiss Essen erloschen war. Ich habe ihn als Spieler zum letzten Mal auf dem Fußballplatz an der Raumerstraße in Essen-Frohnhausen gesehen, in einem Benefiz-Spiel zugunsten der Pfarrgemeinde St. Elisabeth, zu der er gehörte. Er hatte es zusammen mit dem dortigen Pfarrer organisiert. So konnte man nochmal Spieler aus früheren Weltmeisterschaften und Länderspielen erleben. Der frühere Essener Bischof Franz Hengsbach, selbst Fußballbegeisterter, machte den Anstoß. Privat konnte man Helmut Rahn zusammen mit seiner Frau antreffen, beim Einkauf oder im Gespräch mit Frohnhauser Bürgern im Stadtteil. Auch an ihm ging das zunehmende Alter nicht vorüber, so dass es ohne Stützstock nicht mehr ging. Ich hatte Gelegenheit, nach seinem Tode an seinem Trauergottesdienst in St.Elisabeth teilzunehmen, an dem sowohl der NRW-Ministerpräsident als auch der Präsident des Deutschen Fußballverbandes anwesend waren, und die noch lebenden Fußballgrößen vergangener Jahre. Das einfache Grab von Helmut Rahn ist auf dem Margarethen-Friedhof in Essen-Frohnhausen zu finden.
Je mehr meine Fußballbegeisterung abnahm, so nahm die meines Sohnes zu, wie die Leser dieses Blogs ja zu Genüge feststellen können.