Fürth – Di., 26.06.2026, 20:30

SpVgg Greuther Fürth vs Rot-Weiss Essen 2:0

Sportpark Ronhof, 16.126 Zuschauer, Relegation zur 2.Bundesliga
Der finale Akt der Saison, das Relegations-Rückspiel in Fürth. Nach reibungsloser Anreise trafen wir früh genug am Ronhof ein, um vor einem Lokal noch ein Bier zu schnappen. Dabei wurden wir mehrfach von Einheimischen angesprochen, alle freundlich, alle wohlwollend. Was soll das? Keine Ablehnung, kein Hass? Das ist nicht mehr mein Fußball 🙂 Früh ging es dann in den Block, den ganzen Mist mal in Ruhe aufsaugen. Die Ultras hatten eine simple aber schöne Choreo vorbereitet, die ich freilich nur von unten sah – das Vereinswappen zierte beinahe die gesamte Fläche des Stehplatz-Sektors. Die Kurve der Gastgeber beließ es bei einer Schalparade und einem identitätsstiftenden Banner am Zaun. Die Roten kamen dann gut in die Partie. Swajkowski hätte durch eine selbst erarbeitete Möglichkeit eigentlich schon früh die Führung erzielen müssen, kurz darauf prüfte Müsel den Fürther Schlussmann mit einer Bogenlampe. Dann rissen die Gastgeber aber das Geschehen langsam an sich. Neben ein paar halbgaren Torraumszene senkte sich eine abgerutschte Flanke auf die Querlatte, Golz wäre aber da gewesen. Safi traf dann nach einem Konter auf links freigespielt mal wieder eine falsche Entscheidung, sodass eine weitere aussichtsreiche Situation verpuffte. Nach einer halben Stunde durfte Hrgota recht unbedrängt in den Sechzehner dribbeln, ein paar Rot-Weisse standen einfach nur Spalier. Die Kirsche kam über Umwege zu Futkeu, der das Teil dann halb im Liegen über den Innenpfosten in die Maschen bugsierte. Im Torjubel gab er Hüning noch ein paar Worte mit, die beiden hatten sich schon im Hinspiel intensiv beharkt.
Futkeu also, der sich durch sein unsauberes Verhalten im Spiel vor vier Tagen in Essen wenig beliebt gemacht hatte. So war es auch heute. Dabei ist er ein Essener Jung‘, in der Ruhrmetropole geboren und auch mit zwei Einsatz-Jahren für den RWE, aber er soll schon damals nicht einfach gewesen sein. Wie sich der Mann heute wieder auf dem Platz verhielt, war auch für neutrale Beobachter eine Zumutung. Arroganz gepaart mit dreckigen Aktionen – ein Witz, dass dieser Hampelmann auch heute wieder ohne Verwarnung davonkam. Manche nennen sowas heutzutage vielleicht ‚abgezockt‘, unfaires Verhalten soweit auszureizen, wie der Referee es zulässt, ich empfand es annähernd unerträglich. Als Highlight gab es in der Schlussphase ein Schauspiel par excellence, als er sich nach einem Allerweltsfoul tödlich getroffen meterweit abrollte – ich dachte schon er rollt bis in die Kurve. Wenn irgendwann mal ein Film über den noch zweifelhafteren brasilianischen Nationalspieler Vini Junior gedreht wird, bietet sich Futkeu jedenfalls für die Hauptrolle an. Das reicht dann auch dazu, er wird die Quittung in Zukunft hoffentlich bekommen. Bis auf eine weitere, aber vergebene Chance war von dem Schauspieler auch nix mehr zu sehen. Erst nach dem Abpfiff trat er wieder unrühmlich in Erscheinung, als er einige Rot-Weisse provozierte, anstelle sich in der eigenen Gutmenschen-Kurve für seine ‚Glanztaten‘ feiern zu lassen.
Der Treffer bewirkte nun ein deutliches Übergewicht der Fürther, aber plötzlich lag die Kirsche in deren Maschen. Mizutas Treffer wurde jedoch aufgrund einer knappen Abseitsstellung von Flankengeber Potocnik umgehend die Anerkennung verweigert, leider zurecht. Bis zum Pausenpfiff blieben die Gastgeber am Drücker, hatten noch ein paar zum Teil gefährliche Abschlüsse. Das ging nach dem Seitenwechsel auch so weiter. Was Koschinat sich auch immer überlegt hatte, es griff nicht. Abiama war für den wieder mal schwachen Safi gekommen, leistete sich aber im Verbund mit Kostka direkt einen Aussetzer und machte am Sechzehner-Eck die Bahn frei für Hrgota, der nach innen zog und den Ball zur Zwei-Tore-Führung herrlich ins lange Eck schlenzte. Nun wurde es natürlich ganz schwer und die Gastgeber blieben dran, daran änderte auch eine zwischenzeitliche Chance für Kostka nichts. Die Kleeblätter verzeichneten einige Abschlüsse und die Roten drohten den dritten Treffer zu fressen. Aber dann fingen sich die Recken des glorreichen RWE und nach knapp 70 Minuten traf Potocnik nach einer perfekten Flanke von Hofmann zum Anschluss. Welch ein Torjubel, der ganze Block flog durcheinander, die Zeit blieb kurz stehen, aber alle hatten sich gerade noch rechtzeitig wieder sortiert, um vom Schiri zu vernehmen, dass der Treffer der Video-Überprüfung nicht standgehalten hatte. Potocniks Arm war im Abseits. Bitter – was für ein Dreck! Und so wurde mir mit meinem Hauptargument gegen den Aufstieg eindrucksvoll bewiesen, warum mir die Zweite Liga einfach nicht so wichtig ist. Der Fußball lebt im Publikum von spontanen Emotionen, der Videobeweis beraubt diesen wunderbaren Sport aber genau dessen. So einen Coitus Interruptus braucht absolut niemand.
Der RWE war nun aber geweckt, warf alles rein und blieb dran und von der Spielvereinigung war nicht mehr viel zu sehen. Aber es wurde wieder einmal Chancenwucher betrieben. Nachdem ein Abiama-Kopfball von der Strafraumgrenze im hohen Bogen am Pfosten landete, brachte Müsel den Abpraller auf das fast leere Tor nicht über Linie, köpfte dem zurückeilenden Prüfrock das Streitobjekt in die Arme. Distanzschüsse von Jansen und Mizuta verfehlten das Ziel ebenfalls knapp. Die Zeit rann und rann, aus sieben Minuten Nachspielzeit wurden durch Fürther Schauspiel deren zehn, aber dann ertönte die unerbittliche Pfeife des Referees zum letzten Mal. Des einen Freud, des anderen Leid. Die Roten sanken auf den Boden, frustriert, enttäuscht. Mizuta war kaum zu trösten, aber nachdem die erste Leere verdrängt war, kamen die Spieler durch die völlig überzogen Kette von Ninja Turtles in die Kurve, die eine überragende Reaktion zeigte. Kein einziger der über 2.500 Essener Anhänger war verärgert, stattdessen wurde die Mannschaft für eine insgesamt bärenstarke Saison zurecht minutenlang gefeiert. Die Jungs in Rot und Weiss blieben länger auf dem Rasen als die Sieger, die RWE-Gemeinschaft wusste trotz des fehlenden Erfolges, dass heute etwas Besonderes erlebt worden war.
Und so musste ich den Spielausgang auch nicht sonderlich verarbeiten. Klar, ein wenig Enttäuschung verspürte ich und mit den vergebenen Chancen durfte man auch hadern, der Aufstieg wäre heute möglich gewesen. Aber nicht zuletzt das aberkannte Tor nach Video-Überprüfung macht mir den Verzicht leicht. Da schaue ich wohl lieber bis an mein Lebensende Drittliga-Fußball, bevor ich bei jedem Tor erst einmal abwarten muss, ob es Bestand hat. Eine Saison mit Höhen und Tiefen fand in einem intensiven Finish ihr Ende. Es war nicht alles top, aber auch absolut nicht alles schlecht. Vor allem sind Mannschaft und Fans schließlich eine echte Einheit geworden und nur so kann sich auch der Erfolg einstellen. Unabhängig davon wird die neue Saison in dieser unberechenbaren Spielklasse wieder eine Wundertüte. Zudem wird sich die Mannschaft verändern, die sportliche Leitung ist gefordert, erneut einen schlagkräftigen Kader zu formen. Nun heißt es aber erst einmal durchatmen bis der ganze Wahnsinn im August wieder von vorne beginnt. Nur der RWE!

Essen – Fr., 22.05.2026, 20:30

Rot-Weiss Essen vs SpVgg Greuther Fürth 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 18.117 Zuschauer, Relegation zur 2.Bundesliga
Teil eins der Bonusrunde. Die Kleeblätter aus der Nürnberger Vorstadt stellten sich im Relegations-Hinspiel an der Hafenstraße vor. So richtig konnte ich nicht einschätzen, was den glorreichen RWE erwartete, ich rechnete aber mit einem technisch starken und temporeichen Gegner. Und das war der Punkt, der mir Sorgen bereitete. Die rot-weisse Defensive hatte schon in vielen Drittliga-Spielen ihre liebe Müh und Not – was sollte das erst gegen schnelleren Zweitliga-Fußball geben?! Zudem spielt mit Futkeu, der ja in jungen Jahren auch im rot-weissen Trikot zu sehen war, der Torschützenkönig der nun abgelaufenen Zweitliga-Saison bei den Kleeblättern und generell verfügt die Fürther Offensive über individuelle Qualität. Für mich persönlich blieb die Ausgangslage luxuriös. Alles was mir die beiden Relegationsspiele anboten war Zugabe. Sollte es nicht zum Aufstieg reichen, bleibt es für mich dennoch eine tolle und äußerst erfolgreiche Spielzeit. Die Vorfreude war aber natürlich schon da, so früh vor dem Spiel habe ich mich schon lange nicht mehr an die Hafenstrasse begeben. Als Intro eröffnete sich auf der Westtribüne ein wunderschönes Fahnenmeer über einem Zaunbanner über die ganze Breite der Tribüne, welches zum kämpfen und siegen aufforderte. Schon davor wurde eine Spitze an die Wedau abgesendet. Szene-Leute hatten in einer Nacht- und Nebelaktion einen Torpfosten aus dem ‚Wedaustadion‘ entwendet. Und zwar genau den Pfosten, der in der Nachspielzeit am letzten Spieltag den späten Siegtreffer des MSV verhinderte und damit dem RWE den Einzug in die Relegation ermöglichte. Damit hatte sich das Metall natürlich die Einladung zum Spiel mehr als verdient. Ehre wem Ehre gebührt.
Die Partie bildete dann ab, was ich erwartet hatte. Die Spielvereinigung übernahm die Kontrolle und ließ den Ball sicher laufen, während der RWE nach Ballgewinn mit schnellem Umschaltspiel das Heil im Angriff suchte, die Kirsche aber meist recht schnell wieder herschenkte. Aus der Feldüberlegenheit der Gäste konnten diese allerdings erst einmal keine Torgefahr kreiieren. Es dauerte fast 20 Minuten bis es zum ersten Mal interessant würde, dafür dann aber richtig. Dehm nagelte das Spielgerät aus 25 Metern an die Querlatte über Golz. Von Futkeu war dagegen nicht allzu viel zu sehen, der Topstürmer, dessen alleiniger Marktwert den des gesamten Essener Kaders übersteigen dürfte, lieferte sich intensive Zweikämpfe mit Ulm-Held Hüning, der den Fürther weitestgehend abmeldete. Ein paar Minuten vor der Halbzeit bekam Futkeu dann aber doch seine Szene, sein Fallrückzieher verfehlte aber das Ziel. Aus den Essener Vorstößen resultierte nicht viel Brauchbares. Ein Mizuta-Freistoß wurde gefährlich, weil niemand den Ball erreichte und dieser dann knapp am Tor vorbeirauschte und Swajkowski sendete das Ei mal in den zweiten Stock über dem Fürther Gehäuse, aber der RWE war nach einer längeren Anlaufzeit zumindest in der Partie angekommen. Mit einem torlosen Remis, das von der Spannung lebte und für den neutralen Zuschauer sicher kein Leckerbissen war, ging es in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel ging es erst einmal weiter wie zuvor, die Kleeblätter hatten mehr vom Spiel. Und wurden nun gefährlicher. Golz rückte nun mehr in den Mittelpunkt, musste sich bei einem Hrgota-Schlenzer strecken und eine weitere Dehm-Rakete flog links am Kasten vorbei. Nach einer knappen Stunde hätte Müsel das Spiel beinahe auf den Kopf gestellt. Einen krassen Fehlpass des Fürther Schlussmanns schickte er aus 25 Metern volley aufs Tor ab, aber der Schnapper kratzte das Ding noch von der Linie. Mit dem zweiten Ball suchte Mizuta dann erfolglos Potocnik in der Mitte, anstelle es selber zu versuchen. Der RWE wurde nun mutiger und stärker. Und die Hafenstraße noch lauter! Überhaupt war das heute eine brutale Lautstärke, wie ich sie selten erlebt habe und ich renne seit 1986 in den Essener Norden. Vielleicht war es beim denkwürdigen Pokal-Abend gegen Leverkusen vergleichbar laut oder beim Halbfinale gegen TeBe. Beides in den 90ern, beides lange her. Heute wusste jeder, was Sache ist und annähernd jeder haute auch alles raus. Jeder gewonnene Zweikampf wurde bejubelt, jede Grätsche gefeiert. Ich muss jedenfalls bis zum Rückspiel erst einmal meine Stimmer wiederfinden. Vielleicht ganz gut, dass ich die entscheidende Szene gar nicht gesehen habe, denn da war ich gerade Bier wegbringen und holen. Müsel erzielte nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit mit einem wunderbaren Freistoß in den Giebel den Treffer des Tages. Ich bin generell ganz gut darin, Tore zu verpassen, vielleicht sollte ich am kommenden Dienstag öfters mal raus aus dem Block!
Nun war es ein anderes Spiel, die Roten waren richtig on fire und kamen zu Abschlüssen, während den Gästen nicht mehr viel gelang. Lediglich das Eckenverhältnis von 1:8 sprach nachher eine deutliche Sprache für die Franken. Der eingewechselte Abiama war der erwartete Aktivposten und belebte das Essener Angriffsspiel. Es gab nun einige Möglichkeiten und am Ende muss man fast trauern, dass kein zweiter Treffer nachgelegt wurde, das wäre in der Gesamtbetrachtung allerdings auch etwas zu viel gewesen. Die Mannschaft holte sich nach dem Spiel den verdienten Applaus ab, aber am Dienstag wird es im Fürther Ronhof sicherlich ein wilder Ritt. Dann wird das Fürther Publikum vermutlich auch ein anderes Gesicht zeigen, als die traurige Vorstellung am heutigen Abend. Der Verein mit dem schlechtesten Auswärtsfahrer-Schnitt der zweiten Liga machte bei diesem wichtigen Spiel den Block nicht voll. Nur zwei Drittel der gut 2.300 verfügbaren Tickets wurden abgesetzt. Aktiv war auch meist nur die unten im Block positionierte Szene. Da wird sich der Away-Sektor im Rückspiel anders präsentieren, das ist sicher, ausverkauft waren die Tickets trotz Serverproblemen binnen einer Stunde. Sollte es schief gehen, bricht für mich keine Welt zusammen, aber zunächst hat der RWE den Trumpf in der Hand. Also am Dienstag-Abend nochmal alles geben! Nur der RWE!

Coevorden – So., 17.05.2026, 14:00

CVV Germanicus vs VV Raptim 1:0

Sportpark De Pampert, 1.200 Zuschauer, 2e Klasse Zondag G Oost
Nach dem Kick zwischen Stürmern und den Kitzlern führte der Weg über die Staatsgrenze, wo ein Steinwurf hinter dieser das Stadtderby in Coevorden auf dem Spielplan stand. In der zweiten Spielklasse auf Provinzebene empfing die Coevordense Voetbalvereniging Germanicus den Ortsrivalen Raptim. Die Gastgeber warnten vor dem Abbrennen von Pyrotechnik um Strafen durch den Verband zu vermeiden. Schade, dass auch diese auf Amateur-Ebene verbreitete Tradition erste Risse bekommt, und so beschränkten sich die Anhänger der Germanen darauf, ihre Anlage mit Transparenten zu schmücken. Die Gäste, so gerade eben von Abstiegssorgen befreit, versteckten sich vor 1.200 Zuschauern beim Tabellenzweiten nicht und hatten die eine oder andere Chance auf den Führungstreffer. Am Ende standen sie aber doch mit leeren Händen da, weil die Gastgeber in der Nachspielzeit zum Sieg einnetzten.

Nordhorn-Frensdorf – So., 17.05.2026, 11:00

Waldsturm Frensdorf vs Rasenkitzler Wilsum 2:3

Sportplatz Resum, 25 Zuschauer, 3. Kreisklasse Grafschaft Bentheim
Ich weiß gar nicht mehr, wodurch ich vor Monaten schon über diese kuriosen Vereinsnamen gestolpert bin, aber es war mir sofort klar, dass ich zugegen sein musste, wenn die Waldstürmer und die Rasenkitzler um Punkte streiten. Fußball in der dritten Kreisklasse, die hier nicht einmal die unterste Spielebene ist, denn es geht tatsächlich noch eine Etage tiefer, ist selten schön, ich habe aber auch schon Schlimmeres gesehen. Die Heimat des Waldsturm im Grünen vor den Toren Nordhorns ist auch nichts Besonderes, abgesehen von einem kleinen Unterstand, der aber nicht wirklich als solcher genutzt wird, sondern eher als Wetterschutz für diverse Gegenstände, bietet die Platzanlage keine Merkmale. Dass ich an der Basis des Kreisfußballs angekommen war, merkte ich spätestens als ich im offenen aber verwaisten Vereinsheim an der Theke eine Person nach einem Kaffee fragte, diese aber nur antwortete „Keine Ahnung, ich bin hier nur Zuschauer und bediene mich immer selbst“. 90 plus ein paar Minuten später hatten die Kitzler das Spiel gewonnen. Von Bedeutung war diese Partie für beide Teams aber nicht mehr.

Ulm – Sa., 16.05.2026, 13:30

SSV Ulm 1846 vs Rot-Weiss Essen 2:3

Donaustadion, 13.918 Zuschauer, 3.Liga
Showdown an der Donau. Der letzte Spieltag bot noch mal alle Optionen vom direkten Aufstieg bis zur verpassten Qualifikation für den DFB-Pokal. Um die Liga auf direktem Wege nach oben verlassen zu können, mussten die Energetiker aus dem Niedersorbischen verlieren und die Streifen-Ponys von der Wedau durften nicht gewinnen. Diese Kombination war von vornherein wenig wahrscheinlich. Mit einigen anderen Ergebniskonstellationen war aber zumindest das Erreichen der Relegation möglich. So oder so musste aber erst einmal die eigene Aufgabe gelöst werden und die hieß kurz und schmerzlos: Auswärtssieg! Obwohl der SSV nach seiner unglaublichen Rallye in den letzten Jahren bereits seit Wochen abgestiegen war, fehlte mir ziemlich der Glaube an einen Sieg, weil die Mannschaft in den letzten Wochen kaum Nervenstärke bewies und einige wichtige Leute verletztungsbedingt passen mussten. Auf Gedeih und Verderb das Heil im Angriff zu suchen, war auch nicht möglich, weil bei einer Niederlage und gleichzeitigem Sieg der Hansa-Kogge sogar der für die Pokal-Quali notwendige vierte Platz verloren ging. Leider hatte sich der glorreiche RWE in diese undankbare Lage gebracht, anstelle schon im siebten Himmel zu schweben. Drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen waren halt eine zu viel. Aber – und das ist mal klar – vermutlich jeder aus der rot-weissen Familie hätte unterschrieben, wenn vor der Saison gesagt worden wäre, dass der Deutsche Meister von 1955 am letzten Spieltag überhaupt noch im Rennen ist.
Die Ulmer Szene verabschiedete sich mit einer Choreo und Pyro-Einsatz von der dritten Liga. Prinzipiell schade, denn dieses auf seine Art schöne, traditionelle Stadion hat mehr verdient als Regionalliga-Fußball. Begleitet von gut 5.000 Anhängern legten die Roten dann los wie die Feuerwehr, machten von der ersten Sekunde an deutlich, dieses Spiel gewinnen zu wollen. Nach einem ersten langen Ball verschätzte sich SSV-Keeper Ortag, der noch eine Rolle in dieser Partie einnehmen sollte. Potocnik erreichte die Kugel vor dem Schlussmann der Ulmer Spatzen, spielte diese nach innen auf den blitzblanken Müsel, der nur noch einen Verteidiger zwischen sich und dem Ziel sah und nach 80 Sekunden überlegt zur frühen Führung einschob. Das gab Sicherheit und weiterhin rollte Angriff auf Angriff in Richtung des Ulmer Tores, Chance um Chance ergab sich, aber eben der angesprochene Ortag zeigte sich nun als unüberwindlich. Das alles bekam die Ultra-Szene der Roten noch nicht mit. Aufgrund von selbst provozierter Verzögerung traf diese erst nach einer Viertelstunde ein. Undankbare Situation, da die Kurve schon pickepackvoll war. Capo Basti fand nach Erklimmen des Zauns aber die richtigen einleitenden Worte und sowohl die Szene als auch die übrigen Fans verhielten sich verständnisvoll, so dass jede Zaun- und jede Schwenkfahne und auch jeder Ultra seinen Platz fand.
Die Gastgeber kamen überhaupt nicht zur Geltung und erst nach fast einer halben Stunde das erste Mal in die Essener Box. Zunächst musste Potocnik eigentlich den zweiten Treffer für den RWE erzielen. Den aus der vergebenen Chance entstehenden Konter versuchte Tobi Kraulich im eigenen Strafraum zu klären, stellte sich dabei aber zu plump an, brachte einen Ulmer zu Fall und der Gefoulte verwandelte den fälligen Elfer selbst. Ich bin immer wieder begeistert wie konsequent sich Golz für die falsche Ecke entscheidet. Es war der 14.(!) Strafstoß, der in der laufenden Spielzeit gegen RWE verhängt wurde, und 13 Male schlug es ein. Klingt beides rekordverdächtig. Doch damit noch nicht genug des Dramas. Der sonst immer stabile und sichere Hofmann spielte keine zehn Minuten später einen zu kurzen Rückpass auf Golz. Chessa bedankte sich artig, in dem er die Murmel erlief, Golz umkurvte und die Kirsche mitten ins Essener Herz schoss. Der SSV führte und niemand wusste warum, nicht einmal die Ulmer selbst. Da Hansa zeitgleich in Saarbrücken führte, war Rot-Weiss gerade dabei alles zu verspielen und auf den fünften Tabellenplatz abgerutscht. Aber die Rot-Weissen schüttelten sich und zeigten endlich das, was sie in den letzten Spielen vermissen ließen – Körpersprache und Mentalität! Sie rannten einfach weiter auf das Spatzen-Tor und Müsel, der ja ein wirklich feiner Fußballer mit exzellenter Schusstechnik ist, nahm Maß und traf unter Zuhilfenahme des Innenpfostens noch vor der Pause zum Ausgleich.
Ihrem Schnapper hatten die Gastgeber es zu verdanken, dass die Partie vor dem Seitenwechsel nicht wieder komplett gedreht wurde. Zu Beginn der zweiten Hälfte wurde erst einmal die eigentlich als Intro geplante Choreo in Form einer Blockfahne nachgeholt. Muss gut ausgesehen haben, meine Perspektive war allerdings etwas ‚bedeckt‘. Also ich wieder aufs Spielfeld sehen konnte, stellte ich fest, dass von Fünfer- auf Viererkette umgestellt worden war und die Offensive mit Abiamas Hereinnahme weiter befeuert wurde. Es ging also weiter nach vorne. Dann machte die Info über die Führung der Viktoria in Duisburg die Runde und die Hoffnung zumindest auf Platz drei wurde größer, zumal der RWE weiter Dampf machte. Aber das Tor der Ulmer blieb wie vernagelt. Ob Mizuta, Potocnik oder Abiama – Ortag hielt einfach alles. Zu diesem Zeitpunkt eigentlich ohne Not, löste Koschinat die doppelte Besetzung der Sechser-Position auf, es wurde als noch offensiver. Zwanzig Minuten vor Schluss rauschte der bereits verwarnte Mazagg in Hofmann rein und ging mit der zweiten gelben Karte schon mal duschen. Wie stand es inzwischen eigentlich auf den anderen Plätzen? Cottbus eilte dem sicheren Aufstieg entgegen, aber der MSV wankte, hatte zwar ausgeglichen, arbeitete sich aber am Remis gegen die Kölner Viktoria ab. Das Erreichen der Relegation war noch drin, aber dafür musste dieser verdammte Treffer her.
Unglaubliche 38 Abschlüsse hatte der RWE in diesem Spiel zu verzeichnen und genauso unglaublich war es daher, dass es erst zwei Mal im SSV-Gehäuse eingeschlagen hatte. Ortag schien nunmehr unbezwingbar. Und dennoch, mich beschlich das Gefühl, dass das Mistding irgendwann noch reinrutschte. Als ein erneuter schöner Strahl von Müsel fünf Minuten vor dem Ende nur das Aluminium traf und Jansen kurz danach eine dicke Chance nicht nutzen konnte, zweifelte ich noch mal etwas, aber irgendwie war ich mir fast sicher, dass es noch ein gutes Ende geben wird, der RWE war einfach mal dran. In der Schlussphase setzte ein Hagelschauer ein – welch passendes Wetter für diese Spielphase. In der vierten Minute der Nachspielzeit flog mal wieder eine Ecke in den Ulmer Sechzehner. Kraulich kam nicht entscheidend zum Abschluss, aber Hüning fiel der Ball vor die Füße und dieser pflasterte das Dingen dann endlich, endlich, endlich unter die Latte in die Maschen. Ich nehme Tore für den glorreichen RWE natürlich mit Freude, aber doch oft relativ sachlich zur Kenntnis. Ich freue mich mal etwas ausgelassener, mal etwas gesetzter, aber die Unbekümmertheit der späten 80er und der 90er Jahre ist lange vorbei, der Verein hat mich in all den Jahren und Jahrzehnten einfach gelehrt, demütig zu sein. Aber jetzt? Explosion! Ekstase! Ausrasten! Welch ein Torjubel. Drei Reihen runter, vier wieder hoch, von links nach rechts geschubst und wieder zurück. Wildfremde Leute im Arm, der Typ hinter mir hat mich in seiner Freude beinahe erwürgt. Das sind die Momente, für die wir den Fußball lieben!
Was lief in Duisburg? Dort war nun Schluss, es war beim Unentschieden geblieben. Noch zwei Minuten mussten hier rumgebracht werden, aber es war einfach klar, dass sich die Roten die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließen – hier und heute brannte nix mehr an, der Fußballgott hatte sich für diesen Tag endgültig auf die rot-weisse Seite geschlagen! Der Schlusspfiff provozierte dann natürlich bei Mannschaft und Anhang Jubelszenen, als wäre der Aufstieg schon beschlossen. Dazu qualmte und leuchtete es ununterbrochen an allen Ecken und Enden. Befreundete Ultras der Wiener Austria hatten offenbar sämtliche Pyro-Reste vom letztwöchigen Derby-Sieg gegen Rapid dabei und fackelten ab, was die Bestände hergaben. Was kann es Emotionaleres geben, als einen so entscheidenden Treffer in der Nachspielzeit zu feiern!? Erst recht, wenn man damit einen der größten Rivalen ins Aus befördert. Damit gibt es nun also zwei Zugaben. Für mich hat diese Saison aber bereits einen versöhnlichen Abschluss gefunden, ich bin absolut zufrieden mit dem, was mir die Mannschaft geboten hat. Dabei wurde noch gar nix erreicht und dennoch ist das nicht Erreichte sensationell, erst recht nach der Entwicklung in den letzten Wochen. Was jetzt noch kommen mag, betrachte ich als Bonus. Die Relegation mit positivem Ende zu überleben wird hart und ich sehe den Zweitligisten im Vorteil, aber in zwei Spielen ist natürlich alles möglich, das wurde in den vergangen Jahren von anderen Drittligisten mehrfach bewiesen. Sensation loading?

Riedlingen – Fr., 15.05.2026, 19:00

TSV Riedlingen vs FC Srbija Ulm 5:0

Donaustadion, 285 Zuschauer, Landesliga Württemberg Staffel 4
Von einer kleinen Erkältung etwas geschwächt und eingeschränkt, verlief der Start in den Freitag gemächlich. Nach einem Besuch des für den ‚Blautopf‘, eine sogenannte Karstquelle, wiederum eine Bezeichnung für eine trichterförmige Quelle ohne oder nur mit geringer Fließbewegung, bekannten kleinen Örtchens Blaubeuren mit seinen vielen Fachwerkhäusern, war das Ziel am Abend Riedlingen an der Donau, wo wir auf weitere Gefährten trafen.
Zum Abstiegskracher empfing der TSV vor gut 300 Interessierten auf seiner schönen Anlage mit der schmucken Holztribüne den FC Serbija aus Ulm. Nach etwas verhaltenem und ausgeglichenen Beginn, konnten die Gastgeber per Foulelfmeter in Führung gehen. Die Gäste ließen sich davon nachhaltig verunsichern, bis zur Pause hatte das Ergebnis aber Bestand. Im zweiten Abschnitt agierte der TSV zielstrebiger und machte frühzeitig alles klar. Ein durch den Gäste-Schnapper zu kurz abgewehrter Freistoß, fand im Nachschuss in die Maschen und bis zur 20. Minute der zweiten Spielhälfte erhöhte der TSV auf 4:0. Zu viel für die Nerven des Gäste-Trainers der sich nach einem verwehrten Elfmeter in einem Schwall serbischer Flüche ergoss, was der Referee mit den Worten „Ich verstehe Serbisch“ und dem roten Karton trocken quittierte. Treffer Nummer fünf war dann nur noch Kosmetik. Die Riedlinger ergatterten damit wertvolle Punkte im Abstiegskampf, während bei den Serben kaum noch Hoffnung auf den Klassenerhalt besteht.

Lustenau – Do., 14.05.2026, 17:00

SC Austria Lustenau vs SKU Amstetten 2:1

Reichshofstadion, 5.138 Zuschauer, 2.Liga
Der Feiertag lud zu einer kleinen Tour mit finaler Zielrichtung Ulm ein und im Umkreis der Donaustadt wurde auch das Lager aufgeschlagen. Der Donnerstag führte die kleine Reisegruppe über die Landesgrenze. Die Austria aus dem Vorarlberger Lustenau klopfte am letzten Spieltag deutlich an das Tor zum österreichischen Fußball-Oberhaus. Mit einem Sieg würde die Austria sicher aufsteigen, die Gäste aus Niederösterreich waren aber sicher keine Laufkundschaft, die sich einfach als Party-Gäste präsentieren würden. Ein ausverkauftes Haus durfte ‚Loschnou‘ vermelden. Das gab es nicht einmal beim Derby gegen Bregenz zwei Wochen zuvor, was da aber vorrangig an den den wenigen Gäste-Anhängern lag. Da der Gastverein für heute auf sein Kontingent verzichtete, wurde der Away-Sektor in diesem letzten Saisonspiel mit Austria-Anhängern geflutet und damit das volle Haus ermöglicht. Die Lustenauer Fanszene, innig befreundet mit den Anhängern des FC Augsburg und auch heute von diesen unterstützt, wie ein Überhänger über dem eigenen Gruppen-Banner zeigte, präsentierte zum Intro kleine Fähnchen in den Vereinsfarben. Rechts und links neben dem zentralen Spruch-Banner am Zaun wurden Fackeln ebenfalls in den Farben Grün und Weiß gezündet.
Vom Support wurde ich positiv überrascht. Natürlich trug auch die Bedeutung der Partie dazu bei, dass sich gute 300 Supportfreudige hinterm Tor versammelten, ich hatte jedenfalls mit maximal 100 Leuten gerechnet. Die Heim-Elf nahm das Zepter sofort in die Hand und so ließ der Führungstreffer auch nicht lang auf sich warten. Auch wenn die Niederösterreicher danach besser in die Partie kamen war die Pausenführung verdient. So ganz wach war die Austria dann nach dem Wiederanpfiff nicht, denn mit dem ersten Angriff der Amstettener fiel der überraschende Ausgleich. Davon ließ sich der Aufstiegsanwärter aber nicht beirren, spielte geduldig weiter und erzielte bald die erneute Führung, die bis zum Schluss Bestand haben sollte. Die Kurve wagte den üblichen Platzsturm und entzündete dabei einige Freudenfeuer. So werden in der kommenden Saison, Rapid, der SK Sturm und Co im kleinen Stadion direkt am Alpenrhein vorstellig. Das vorher aus viel Stahlrohr bestehende ‚Reichshofstadion‘ wurde in den letzten Jahren zu einem schmucken reinen Fußballstadion ausgebaut. Das Bergpanorama bietet einen schönen Hintergrund, von dem heute lieder nicht viel zu sehen war. Merkmal der Bude sind sicher die spacigen Flutlichtmasten, die wie Porree-Piepen in den Himmel ragen. Außen etwas Betonlastig zeigt das Stadion innen viele Holzelemente. Nicht optimal für Pyro-Exzesse, aber das erste Jahr nach der Fertigstellung im letzten Sommer hat der Bau ja schon mal überlebt.

Raesfeld – Sonntag, 10.05.2026, 15:00

TSV Raesfeld vs SuS Stadtlohn 5:0

Sportanlage ‚Zum Michael‘, 600 Zuschauer, Bezirksliga Westfalen Gruppe 11
In Raesfeld in Westmünsterland ging kurz vor Saisonschluss das Topspiel der hiesigen Bezirksliga-Staffel über die Bühne. Der TSV und die Gäste aus Stadtlohn standen punktgleich an der Tabellenspitze, der SuS hatte aber eine Partie weniger ausgetragen. Mit etwa 600 Zuschauern war die Veranstaltung angemessen besucht. Die Stadtlohner fanden besser ins Spiel und der TSV-Schlussmann musste einige Male sein Können zeigen. Da die Gastgeber sich aber im Laufe der ersten Halbzeit verbesserten, ging es torlos in die Kabinen. Niemand hatte vermutlich erwartet, was dann im zweiten Durchgang geschehen sollte. Der Führungstreffer für den TSV war eine Art Dosenöffner, denn der SuS brach völlig in sich zusammen und verspielte mit dem knackigen Fünfer-Päckchen, dass er kassierte, auch das bessere Torverhältnis gegenüber dem neuen Tabellenführer. Spannung ist an den letzten Spieltagen garantiert.