Muntic – So., 27.09.2026, 16:30

NK Muntic vs NK Arne Peruski 2:1

Stadion Grabri, 100 Zuschauer, 1. zupanijska nogometna liga Istarska
Am Vormittag fuhr ich mit dem Bus nach Pula. Die Strecke führte einen Großteil an der Ostküste Istriens entlang, ein schöner Flecken.  In Pula hatte ich Zeit für einen ausgiebigen Rundgang durch das Stadtzentrum. Ihre römische Vergangenheit kann die Stadt nicht verbergen, aber es gibt auch eine große Festung, die unter venezianischer Herrschaft in der Neuzeit errichtet wurde.
Am Nachmittag fuhr ich dann mal Richtung Flughafen, denn der Spielplan gönnte mir noch ein Spiel auf siebtklassiger Ebene keine drei Kilometer vom Airport entfernt. Öffentlicher Nahverkehr findet sonntags außerhalb von Pula in dieser Region nicht statt, es gibt nicht einmal eine Verbindung zum Flughafen. So musste Uber aushelfen, um mich halbwegs günstig in die Peripherie zu bringen. Auf der kleinen Anlage wurde dann fröhlich um Punkte gebolzt, welche die Gastgeber mit der letzten Aktion des Spiels auf der Habenseite verbuchen konnten. Der kleine Ort scheint seinen Verein zu leben, denn ständig kam und ging wer und nutzte den Bierausschank. Der Billig-Ire brachte mich am Abend dann unspektakulär wieder in heimische Breiten.

Rijeka – Sa., 26.09.2026, 19:17

HNK Rijeka vs 1.FC Union Berlin 0:1

Stadion Kantrida, 8.500 Zuschauer, Testspiel
2013 reiste ich für ein Wochenende nach Kroatien, um ein Spiel im traumhaft gelegenen ‚Stadion Kantrida‘, benannt nach dem gleichnamigen Stadtteil von Rijeka, und am Folgetag den kroatischen Clasico zwischen Hajduk und Dinamo zu besuchen. Bei strahlendem Sonnenschein gelandet, kippte schnell das Wetter. Während in Split aufgrund sintflutartiger Regenfälle an Fußball letztlich überhaupt nicht zu denken war, wurde in Rijeka am Vorabend noch angestoßen. Allerdings hatte es begonnen zu schneien, was vermutlich viele potentielle Stadiongänger abhielt und der Szenerie die Atmosphäre raubte. Letztlich sah ich einen traurigen Kick gegen einen uninteressanten Gegner vor knapp 1.000 Zuschauern im Schneetreiben. Dass es dabei nicht bleiben konnte war klar. Also nahm ich mir eine Rückkehr vor, aber 2015 verließ der HNK Rijeka dann Kantrida und zog um nach Rijevica. Das sollte eigentlich eine Übergangslösung sein, um in Kantrida einen Um- oder Neubau des in die Jahre gekommenen Stadions zu ermöglichen. Der Leser ahnt es schon – passiert ist in Kantrida seitdem überhaupt gar nichts. Das Stadion wird aktuell durch den Zweitligisten aus dem benachbarten Opatija genutzt, der nur wenige Anhänger dorthin locken kann. Der HNK Rijeka ist dort schon lange nicht mehr aufgelaufen.
Zufällig schnappte ich vor ein paar Wochen auf, dass Union Berlin in der Länderspielpause nach Rijeka reisen würde, um dem Karriere-Ende von Damir Kreilach, einem verdienten Spieler, der für beide Clubs lange Jahre aufgelaufen ist, einen würdigen Rahmen zu verleihen. Als Spielort wurde das Stadion Kantrida auserkoren, so dass der HNK Rijeka zum ersten Mal seit gut sechs Jahren wieder dort antreten sollte, was vom Publikum natürlich gut angenommen wurde. Das Stadion gibt es – natürlich nicht in der heutigen Bauweise – an dieser Stelle schon weit über 100 Jahre. Erbaut wurde es in einem alten Steinbruch direkt an die Felswand angelehnt. Nicht weit hinter der Haupttribüne auf der anderen Seite brandet die Adria an die kroatische Küstenlinie. Die Organisation dieser Veranstaltung oblag übrigens der ‚Armada‘, der großen Ultra-Gruppierung des Vereins, welche den Anstoß auf die ungewöhnliche Uhrzeit 19:17 Uhr festlegte. Kreilach, bei beiden Vereinen zeitweise Team-Kapitän, hatte bei Union die Rückennummer 19 und in Rijeka die Nummer 17 inne. Die Spielzeit wurde auf 87 Minuten festgesetzt, angelehnt an das Gründungsjahr 1987 der Armada. Die Gäste hatten ihr Kontingent von 850 Karten ausverkauft, weitere Unioner hatten sich mit Tickets auf der Haupttribüne eingedeckt. Die flache Gegentribüne war der einzige Bereich, der nicht geöffnet wurde, ansonsten füllte sich das Stadion ordentlich.
Nach dem offiziellen Teil, in dem die Führungsmitglieder der Ultra-Gruppen beider Teams Geschenke an Kreilach überreichten, gehörte das Intro zunächst den Berlinern. Am Zaun prangte ein dickes ‚Eisern Union‘-Banner mit der ergänzenden Aufschrift in Kreilachs Muttersprache „Und vergiss niemals…“, darunter wurde der Hauptprotagonist dieses Abends als Fußballgott gefeiert. Der Block zeigte eine Zettel-Choreo, wobei die einzelnen Zettel Kreilachs Rückennummer 19 zeigten. Schließlich wurde eine Blockfahne hochgezogen, welche Kreilachs Konterfei im Union-Trikot zeigte. Das Zünden von einigen Fackeln rundete die Aktion ab. Die Armada ließ sich eine Viertelstunde Zeit und legte dann umso heftiger los. Zunächst wurde die Kurve mittels Zettel-Choreo in Blau getaucht. Dann wurde eine Blockfahne mit jubelnden Fans hochgezogen und dazu Pyrotechnik in allen Variationen abgebrannt. Blauer und weißer Rauch stieg in den Himmel, weiße Fackeln wurden gezündet, Blinker erleuchteten die Dunkelheit. Und auf der Tartanbahn gingen unfassbar fette Böller hoch, die explodierten wie Silvesterraketen. Krank. Damit war dann auch alles erlaubt, ständig brannte es rechts oder links, und in der Heimkurve rumste auch noch ab und an wieder mal ein Böller. Vom Spiel bekam ich kaum was mit.
Aber das war ja auch nicht der primäre Grund der Anreise, der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Union durch ein frühes Tor mit dem kleinstmöglichen Sieg-Resultat gewann. Die wenigen Phasen in denen ich aufs Spiel achtete, erweckten auch nicht den Eindruck eine rassige Angelegenheit zu verpassen. Mitte der ersten Hälfte zeigte der Gästeblock Spruchbänder mit der Aufschrift „Samo je jedno mjesto vas dom – povrotak na Kantridu“, was so viel heißt wie „Es gibt nur einen Ort der Deine Heimat ist – Rückkehr nach Kantrida“. Schöne Aktion, die vom kroatischen Publikum natürlich mit Applaus bedacht wurde. Nach dem Abpfiff ließ sich Kreilach noch von den beiden Kurven feiern. Der erste Gang führte zur Armada und vermutlich jeder außerhalb der Kurve dachte wohl: „Bitte keine Kracher mehr einsetzen!“. Ein solcher explodierte dann aber mitten in der Kurve und durch den Schreck, möglicherweise auch die Druckwelle, flogen die unmittelbar dort stehenden Leute durcheinander. Wirklich aufgeregt hat es keinen, für meinen Geschmack ist es das klare Überschreiten eine Linie, das geht gar nicht, zumal sich auch viele Kinder in der Kurve aufhielten. Zurück in der City verzog ich mich mit einer 2-Liter-Granate ‚Ozujsko‘ ins Apartment und ließ die feurige Nummer Revue passieren.

Rijeka – Sa., 26.09.2026, 16:00

NK Zamet Rijeka vs NK Risnjak Lokve 1:2

Stadion igraliste na Podvurmicana Robert Komen, 80 Zuschauer, 1. zupanijska nogometna liga Primorsko-goranska
Das Wochenende führte mich nach Rijeka. Aus Gründen. Mangels bezahlbarer direkter Verbindungen ist das Ziel etwas umständlich zu bereisen, aber da die Wege innerhalb des recht kleinen Landes meist erträglich bleiben, war das kein Beinbruch. Über Zagreb flog ich ein, der Bus brachte mich dann an die Adria. Nachdem Check-in ins gebuchte Apartment steuerte ich das ‚Stadion Robert Komen‘ an. In der sechsten Liga wurde dort munter vor den Ball getreten. Das war natürlich nicht, was den Reiz dieses Spielbesuches ausmachte, sondern die Spielstätte selbst. Zum einen weist diese mit ihrem vielstufigen, dreiseitigen Ausbau eine durchaus respektable Größe vor. Zum anderen sind Lage und Kulisse besonders. Um das Stadion herum zeigt sich eine interessante Szenerie aus Wohnklötzen und die nicht ausgebaute, der Adria zugewandte Seite bietet einen guten Blick auf das Container-Terminal mit den beeindruckenden Ladekränen. Ein Eintrittspreis wurde ebenso wenig verlangt, wie kulinarische Versorgung angeboten wurde. Dieses Manko konnte durch einen benachbarten Minimarkt ausgeglichen werden. Da aufgrund der folgenden Abendveranstaltung weitere Angehörige ‚der Bewegung‘ beim Spiel weilten und sich darunter bekannte Gesichter fanden, wurde der Kick mal wieder angemessen verquatscht.

Essen – Mi., 23.09.2026, 19:30

DJK Adler-Union Frintrop vs SSVg Velbert 02

Sportanlage am Wasserturm, 400 Zuschauer, Niederrheinpokal 2.Runde
Die Adler vom schönsten Wasserturm der Welt hatten den starken Oberligisten aus dem Bergischen zu Gast, für mich Grund genug, mal wieder beim alten Verein vorbeizuschauen. Die Raubvögel waren ja im Sommer erneut aus der Oberliga abgestiegen, aktuell sieht es aber so aus, als ob sie ihren Horst im kommenden Jahr wiederum in der höchsten Verbandsspielklasse errichten dürfen. Mit sechs Start-Siegen bei einem Schnitt von mehr als fünf erzielten Toren je Spiel ist die Zielrichtung klar. Der Favorit begann stark und erzielte die frühe Führung. Nach zwanzig Minuten waren die Turm-Kicker dann drin in der Partie und konnten nach einer knappen halben Stunde Spielzeit ausgleichen. Kurz danach gab es eine Szene mit Diskussionsbedarf. Die Gastgeber erzielten den vermeintlichen Führungstreffer, der aber wegen einer Abseitsposition kassiert wurde. Davor wurde jedoch der Passgeber vom heraus eilenden Velberter Torhüter außerhalb des Strafraums umgestoßen. Da diese Aktion vor dem Abspiel ins Abseits geschah, hätte es hier eine rote Karte für den Torhüter und Freistoß für Adler geben müssen. Mit der Abseitsentscheidung drückte sich der nicht immer souveräne Referee, der in einigen kritischen Fällen zugunsten der Velberter Löwen entschied, vor einer unpopulären Entscheidung gegen das klassenhöhere Team. Nach der Pause agierte die Sport- und Spielvereinigung wieder mit etwas Übergewicht, was in der erneuten Führung nach einer gespielten Stunde mündete. Adler hielt die Partie danach offen, agierte aber im Angriff zu unsauber und wurde nicht zwingend, so dass am Ende ein knapper, nicht völlig unverdienter Favoritensieg zu notieren war.

Essen – So., 20.09.2026, 13:30

Rot-Weiss Essen vs FC Hansa Rostock 1:1

Stadion an der Hafenstraße, 19.000 Zuschauer, 3.Liga
Hansa rollte mal wieder an und für viele Rot-Weisse bedeutet dieser Gegner ein Highlight-Spiel. Und ja, natürlich hebt sich die Kogge wohltuend von den Viktoria Kölns und Wehen Wiesbadens dieser Welt ab, aber als wirklich besonders fühle ich diese Spiele nicht. Die Bude war natürlich ausverkauft, somit auch der Gästebereich bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie bei den letzten Spielen bekamen die Anhänger der Mecklenburger nur den Stehplatzbereich gestellt. Was ursprünglich mal als Maßnahme gegen drohende Verwüstung gedacht war, finde ich generell nur fair, denn auch der RWE bekommt für die Spiele an der Ostsee nur Steher gewährt. Hansa Ostblock war als selbsternannter Aufstiegsaspirant durchschnittlich in die Spielzeit gestartet, hatte von außen betrachtet etwas panisch und übereilt nach fünf Spielen bereits den Übungsleiter von seinen Aufgaben entbunden. Erste Wirkung hatte diese Aufgabe mit einem darauffolgenden wackeligen Heimsieg bereits gezeigt, so dass eine einigermaßen befreite Gastmannschaft zu erwarten war. Zunächst gab es aber seitens des Schiri-Assistenten eine Reklamation des Tornetzes am Gehäuse vor dem Gästeblock. Die Netzaufhängung war nicht korrekt. Einer arbeitete, drei schauten zu. Vollbeschäftigung quasi – die älteren Semester im Away-Sektor müssten sich wie in der DDR gefühlt haben.
Die erste Spielhälfte war dann für den parteilosen Beobachter sicher keine Freude, die Teams neutralisierten sich zwischen den Strafräumen. Torraumszenen und daraus resultierende Chancen kamen nicht viele zustande, ein paar mehr davon und die besseren aber für die Roten, die nach zwanzig Minuten das Kommando übernahmen, zur Pause stand aber die beidseitige Null. Das Kräfteverhältnis blieb nach Wiederanpfiff unverändert. RWE mit viel Ballbesitz und deutlich zwingender und dominanter als die Gäste. Diese erzielten dennoch die Führung. Den Roten flog ein eigener Einwurf tief in der Hansa-Hälfte um die Ohren. Dem Ballverlust folgte schnelles Umschalten und beim langen Ball in die Spitze sah sich Hofmann plötzlich alleine gegen zwei gegnerische Angreifer. Zwar hatte er den besseren Laufweg und kam als erster an den Ball, doch anstelle einfach humorbefreit zu klären, versuchte er den kontrollierten Kopfball auf den inzwischen eingetroffenen Pesch, der aber ungünstiger zum Ball stand als der spekulierende Krauß, der sein Tempo ausspielte und aus halblinker Position und relativ spitzem Winkel den flachen Abschluss suchte. Die Murmel wurde lang und länger und rollte schließlich zentimetergenau zwischen dem Handschuh von Golz und dem Torpfosten ins lange Eck.
Doch der glorreiche RWE ließ sich nicht beirren und machte weiter. Zwar fehlten mir irgendwie die letzten paar Prozent Bereitschaft, sich bis zum letzten zu quälen, aber es reichte aus, um die Hanseaten in ihre Hälfte zu drängen. Die wenigen sich ergebenden Möglichkeiten waren jedoch noch nicht zwingend genug, um den Ausgleich zu erzielen. So richtig passte es heute nicht zusammen, manche Aktionen dauerten einfach zu lange, manchmal wurde in der heißen Zone im richtigen Moment die falsche Entscheidung getroffen und umgekehrt. Ein Rätsel ist mir nach wie vor die Wechselpolitik von Trainer Koschinat. Einen wuchtigen Stürmer Jansen, der sich bis dahin einige Male in Szene setzen konnte, aus dem Siel zu nehmen und ein ewiges Talent Potocnik zu bringen, der bisher keine Glanzpunkte setzen konnte, mag bei eigener Führung eine Maßnahme sein, aber sicher nicht bei Rückstand. Auch der Eins-zu-Eins-Wechsel auf der Sechser-Position wenige Minuten vor dem Ende, wenn man ja eigentlich alles auf eine Karte setzen muss, erschließt sich mir nicht. In der Schlussminute fuhr die Hansa dann einen blitzsauberen Konter, aber Jakob Golz stellte sich dem entscheidenden Treffer stark in den Weg. Der daraus resultierende Gegenzug brachte doch noch das Remis. Die Hansa-Defensive bekam einen flachen Steilpass von Bouebari nicht geklärt, Telalovic holte sich die Kugel, zog von Linksaußen in den Sechzehner, schloss knapp an der Strafraumgrenze ab und traf wie Krauß rechts unten zum Ausgleich.
Punkt gerettet, was eigentlich zu wenig war, aber wenn Fußball planbar abliefe, würde sich dafür niemand interessieren. Es sei denn man ist Bayern-Fan. Zur Atmosphäre… beide Seiten verzichteten auf besondere optische Aktionen. Die Westkurve bot eine solide Vorstellung, war immer zu hören, auch wenn der ganz große ‚Roar‘ ausblieb. Die Gäste lieferten nach meiner Meinung auch nur ein Standardprogramm ab. Auffallend war, dass auf Schwenkfahnen komplett verzichtet wurde. In einem vollbesetzten Block für die Sicht aufs Spielfeld natürlich eine Wohltat. Warum aber der Support der großen Ost-Vereine immer so gefeiert wird, erschließt sich mir nicht. Klar, die Kurven sind laut. Auch die Mitmachquote ist enorm und kratzt meist am Optimum. Die Anfeuerung selber ist aber null spielbezogen, sondern einfach nur statisch. Es gibt überhaupt keine spontane Reaktion auf das Geschehen auf dem Platz, die Set-List wird sauber und emotionslos abgearbeitet. Das hat für mich gar nichts mir einer lebendigen Kurve zu tun, sondern eher mit militärischer Präzision. Es fehlt der Effekt, die eigene Mannschaft in den entscheidenden Phasen mit emotionaler Reaktion auf das Geschehen zu pushen. Da sehe ich lieber den Waldhof, die Alemannen oder Meppen im Away-Sektor. Dann ist der Block auch voll, es gibt zwar auch mal ruhigere Minuten, aber der Support ist deutlich lebendiger.

Istanbul – Do., 17.09.2026, 22:00

Besiktas JK vs Olympique de Marseille 4:1

Besiktas-Park, 39.861 Zuschauer, Europa League Ligaphase
Nach der Rückgabe des etwas ramponierten Mietwagens in Bratislava fuhren wir mit dem Bus zum Wiener Flughafen. Im Moxy-Hotel durften wir schon einchecken, so dass wir in Ruhe für den Nachmittag in die Wiener City fahren konnten, bevor die Reise am nächsten Morgen fortgesetzt wurde. Man mag es ja kaum glauben, aber ich war bis auf diverse Umstiege an den Flughäfen noch nie in meinem Leben in Istanbul. Turkish Airlines brachte uns genau dorthin. Man kann sicher günstiger nach Konstantinopel fliegen, wenn man Pegasus, A-Jet, Corendon und Co nutzt. Da hatte ich aber mit der Gattin und großem Gepäck schlicht keinen Nerv drauf. Mit Turkish bin ich immer (Achtung, Wortwitz) gut gefahren und habe mich gut versorgt gefühlt, das ist meine persönliche Nummer-1-Airline. Und man bekommt sogar noch ein genießbares Essen und freie Getränke. Mit der Metro fuhren wir vom riesigen Flughafen auf der europäischen Seite mit einem Umstieg zum Taksim-Platz. Zwar prinzipiell easy, aber mit größerem Gepäck auch anstrengend, zumal die Metro in Istanbul circa vier Kilometer unter der Oberfläche verkehrt.
Den Rest des Tages nutzten wir zur Akklimatisierung von der gechillten Slowakei in den Ameisenhaufen am Bosporus, bevor wir uns am Tag darauf dem Sightseeing widmeten. Was das angeht, ist Istanbul nicht nur ein absolutes Highlight, sondern vor allem eins: teuer! Letztlich entschieden wir uns die ‚Hagia Sophia‘ und die ‚Yerebatan-Zisterne‘ zu besuchen und fanden nach ausgiebiger Internetsuche ein Skip-the-line-Kombiticket zu einem vertretbaren Preis im Vergleich zu den Einzeleintritten. Diese kosten für annähernd alle Spots zwischen 40 und 60 Euro. Die Hagia Sophie ist dann noch der größte Nepp, weil man als ungläubiger Touri nur auf die obere Galerie darf, wo man nicht viel sieht. Außerdem geht es der Kuppel des Gebäudes nicht gut, weshalb man hauptsächlich eine fette Stahlkonstruktion besichtigt. Die mystisch illuminierte Zisterne konnte da schon deutlich mehr. Die ‚Blaue Moschee‘, der große Basar und die beeindruckende ‚Fatih Moschee‘ wurden auch noch angeschaut. Der Besuch der Moscheen ist ja völlig kostenfrei.
Nach dem Abendessen, brachte ich die geschätzte Gattin ins Hotel und machte mich alleine auf zum ‚Besiktas Park‘ oder aktuell ‚Typras Stadyumu‘ benannt, das ja direkt am Bosporus liegt. Mit diesem Stadion hatte ich noch eine offene Rechnung zu begleichen. Vor zwei Jahren sollte Istanbul Station auf dem Rückweg aus der Golf-Region sein, um dort das Europa League-Spiel von Besiktas gegen Maccabi Tel Aviv zu besuchen. Da aber das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel durch die Konflikte in Nahost stark belastet ist, entschied die UEFA das Spiel in ein anderes Land zu verlegen, es fand schließlich vor leeren Rängen im ungarischen Debrecen statt. Wie ich nun heute in dieses Stadion kommen sollte, war noch ungewiss. Eigentlich wollte über ich den ganzen Ablauf gar nicht so detailliert berichten, aber die Geschichte ist wieder zu gut, um sie zu verschweigen, also muss sich der Leser nun etwas Zeit nehmen… Die Zeiten, in denen man in der Türkei eine Eintrittskarte einfach am Stadion kaufen könnte, sind schon lange vorbei. Um Spiele der ersten beiden Ligen besuchen zu können, benötigt man eine sogenannte ‚Passo Taraftar Kart‘. Für diese registriert man sich auf gleichnamiger Website mit seiner Ausweis- und Handynummer. Das ist unkompliziert.
Im nächsten Schritt darf man sich dann entscheiden mit welchem Verein man die Karte verknüpfen will. Es gibt auch die Option, eine neutrale Karte zu erstellen, das hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist man dann nicht an ’seinen‘ Verein gebunden und hat prinzipiell die Chance, Tickets für verschiedene Spiele zu erwerben. Andererseits wird bei Spielen mit zu erwartender hoher Auslastung, zunächst den Vereinskarten-Inhabern ein Vorkaufsrecht eingeräumt, bevor ein eventueller Rest für die neutralen Karten freigegeben wird. Einen aktiven Account hatte ich noch vom Erstvorhaben vor zwei Jahren, nur die Karte war abgelaufen, diese ist nur für ein Jahr gültig. Eine neue Karte kostet dann auch jedes Mal Geld, mittlerweile knapp über 20 Euro. Dieses also nur, um überhaupt befugt zu sein, Eintrittskarten für die ersten beiden türkischen Ligen zu kaufen! Die Karte ist auch nach wenigen Augenblicken schon aktiv, die Kommunikation durch Passo Taraftar läuft einseitig über SMS. Als nächstes benötigt man dann ein Profil bei ‚Passo‘. Das ist die Plattform, über die in der Türkei Tickets für fast alle Veranstaltungen angeboten werden, egal ob Sport, Musik, Theater, Kunst oder sonst was. Den Account erstellt man klassisch passwortgeschützt mit seiner E-Mail-Adresse. Auch einen solchen hatte ich noch. Der Passo-Account muss dann mit der Passo Taraftar Kart verheiratet werden und dann kann es losgehen. 
Soweit die Theorie, meine praktische Erfahrung wich in Nuancen ab. Am Wochenende vor dem Spiel gegen die Franzosen hatte Besiktas ein Liga-Heimspiel gegen einen uninteressanten Gegner. Dieses wollte ich als Test nutzen, der Vorverkauf startete ‚schon‘ 48 Stunden vor dem Spiel. Also auf Passo angemeldet und das Spiel ausgewählt. Dann einen Sitzplatz gewählt und eine Meldung in türkischer Sprache poppte auf. Der Übersetzer sagte mir, dass ich nicht berechtigt sei, für dieses Spiel eine Karte zu kaufen. Keine Idee warum, also die Kontaktmaske bemüht und meine Anliegen vorgetragen, danach realisiert, dass vermutlich in diesem Jahrzehnt keine Antwort kommen wird und kurzentschlossen die Hotline angerufen. Die Dame am anderen Ende konnte genau einen englischen Satz: „I do not speak Englisch, we will call you back“. Okay, dass das nix würde war klar, aber – oh Wunder – zehn Minuten später klingelte mein Handy und eine des Englischen mächtige Dame meldete sich. Nach Abgleich der Mobil-Nummern bekam ich die Information, dass die Ruf-Nummer hinter meiner Passo-Karte nicht mit der tatsächlichen Rufnummer meiner SIM-Karte übereinstimmt. Stark! Da ich die Rufnummer nicht selber geändert habe, blieb ungelöst, welche Ursache es dafür gab. Aber es sei kein Problem, ich bekäme ein Formular zugesendet, dass auszufüllen sei und dieses sollte zusammen mit einem Selfie, welches mich mit meinem Ausweis zeigt, zurückschicken. Spätestens nach 48 Stunden wäre die Sache dann erledigt. Aha.
Klappte so natürlich nicht, da ich weder die Möglichkeit hatte, etwas auszudrucken, noch einzuscannen. Also den Text des Formulars in die zu nutzende Kontaktmaske geballert, Foto angehängt und ab dafür. Nur die geforderte Unterschrift konnte ich nicht beibringen und dass es so vermutlich erfolglos bliebe, war klar. Daher aktivierte ich meinen zweiten Passo-Account, der an meiner Perso-Nummer hängt, denn ich hatte vor zwei Jahren eine weitere, neutrale, Karte kreiert. Kostete natürlich auch wieder Gebühr. In Verbindung mit dem zu erwartenden Ticketpreis, wurden langsam Dimensionen erreicht, die das Vorhaben in Frage stellten, erst recht, wenn man den mittlerweile betriebenen Aufwand mit einbezog. Aber der Ehrgeiz war einfach geweckt und irgendwann noch einmal anzureisen, würde auf jeden Fall teurer. Man kann auch mit ein und derselben Ausweisnummer mehrere Passo Taraftar Karten besitzen, aber ich habe mich noch nie damit beschäftigt wie das funktioniert. Mit dem Zweit-Account lief alles glatt und ich hätte für das Liga-Spiel kaufen können. Innerhalb der benannten Frist erhielt ich dann tatsächlich eine Antwort auf das Problem mit der ersten Karte. Diese war allerdings nur, dass der Vorgang noch in Bearbeitung ist. Doch tatsächlich kam dann im Laufe der Woche eine weitere Email. In dieser wurde genau das gefordert was ich bereits ausgeführt hatte. Sinnlos, zumindest in der aktuellen Situation. Wiederhole ich vielleicht irgendwann mal.
Am Montag-Nachmittag vor dem Spiel begann der freie Verkauf. Zu dem Zeitpunkt latschten wir gerade durch den Wald zur Burgruine Cabrad Hrad (siehe vorheriger Blog-Eintrag), die ja völlig im Nichts liegt und es keinen Mobilfunkempfang gibt. Damit hatte ich gerechnet. Nicht gerechnet hatte ich damit, dass ich die Passo-Seite nicht aufrufen konnte, nachdem ich wieder Empfang hatte. Ich sei in einem VPN oder unsicheren WLAN, meldete die Website. Alles nur noch unglaublich. Ob es daran lag, dass ich mich mit deutscher SIM aus slowakischem Netz in ein türkisches einwählte – was weiß ich, es war einfach nur noch absurd. Dann kam die Nummer mit dem geplatzten Reifen dazwischen und bis ich dann abends im Hotel auf die Plattform kam (aus einem unsicheren WLAN!), waren seit Verkaufsstart Stunden vergangen und nun nur noch VIP-Tickets ab 500 Euro aufwärts verfügbar. In diesem Moment hakte ich den Spielbesuch offiziell ab, auch wenn es noch Hintertürchen gab, in das ich aber keine große Hoffnung setzte.
Also war zum Zeitpunkt des Eintreffens am Stadion noch ungeklärt, ob ich hineinkommen würde. Ich hatte noch eine Email an den Verein abgesendet, mit der Bitte ‚alternativen‘ Zugang zu gewähren, eine Email-Adresse dafür herauszufinden war schwer und ob es die richtige war, werde ich nie erfahren, da keine Antwort kam. Als ich dann Ordner und Offizielle fragte, wo ich hin müsse wusste keiner was mit mir anzufangen und ich wurde von rechts nach links und wieder zurückgeschickt. Also erst einmal durch die Körper- und Taschenkontrolle, tatsächlich wurde mein Handy-Ladekabel bemängelt, was sollte ich damit tun, den Vereinspräsidenten erdrosseln? Ließ sich letztlich klären. Ab zum Ticket-Office, meine Frage vorgetragen und auch dort hatte keiner einen blassen Schimmer wo ich vorstellig werden musste. In der Schlange neben mir vernahm ich dann deutsche Stimmen. Ein paar Besiktas-Fans aus Stuttgart waren angereist und ich trug Sezer meine missliche Lage vor. Dass es einen Schwarzmarkt gibt, war mir bekannt, wie dieser aber mit personalisierten Tickets, die auf den eigenen Account geladen werden müssen, funktioniert, dagegen nicht.
Sezer, der meinem Anliegen aufgeschlossen und superfreundlich war, entpuppte sich als Retter. Er selbst hatte seine Karte über einen vertrauenswürdigen Kontakt bekommen, den er sofort anrief und der noch eine Kurvenkarte zum natürlich stark überhöhten Preis anbot. Damit war die Schmerzgrenze zwar absolut ausgereizt, aber wie schon erwähnt, noch einmal anzureisen, wäre teurer. Knackpunkt war noch der Zahlungsprozess. Ich sollte an einen türkischen Bank-Account überweisen, doch dann wäre die Kohle ja erst zwei Tage nach dem Spiel eingegangen. Einen PayPal-Account hatte der Dealer nicht. Sezer wollte nicht einspringen, da er selber kein türkisches Bankkonto besitzt und der Transfer für ihn dadurch auch umständlich ist. Letztlich ließ er sich doch darauf ein – absoluter Top-Mann! Dann stellte ich dem Dealer meinen Passo-Login zur Verfügung und binnen fünf Minuten war das Ding im Account. Mit der bestätigenden SMS eierte ich wieder zum Ticketschalter, wo dann ein Tagespass ausgestellt wurde. Next Stop Tor zum Stadion-Innenbereich. Der Scanner meldete freie Durchfahrt und auch das Drehkreuz kurz dahinter leuchtete grün und ich war drin. Was! Für! Ein! Aufwand! Um! Dieses! Spiel! Zu! Sehen!
Dieses war dann allerdings auch ein wirklich gutes Erlebnis, auch wenn optisch nichts geboten wurde. Sogar Gruppenbanner an den Zäunen fehlten bis auf ein Banner der Hauptgruppe ‚Carsi‘ in der Nordkurve. Daneben hing ein fettes Spruchband mit dem Wortlaut „Bu alemde kral“ („König in dieser Welt“). In der gegenüberliegenden Kurve hing zentral ein „Forza Besiktas“-Banner und rechts und links davon Banner mit der Aufschrift „Ne bir heves“ und „Ne bir tuktu“ („Was für eine Begeisterung.“ „Was für eine Leidenschaft.“). Ein paar einzelne kleiner Schwenkfahnen waren in den Unterrängen der Kurven zu sehen, das war es. Heute ging es um die Lautstärke. Und es wurde laut. Sehr laut. Abartig laut. Die Leute waren heiß wie ein Dönerspieß. Auf jeder Tribüne gab es Einpeitscher, welche die durch Carsi angestimmten Schlachtrufe weitertrugen und koordinierten. Es wurden auch immer wieder die gleichen fünf oder sechs Schlachtrufe oder Gesänge angestimmt, aber das war ja nicht dumm, da so jeder darauf einsteigen konnte und das fruchtete. Klar gab es auch mal Phasen, wo nur die Kurven aktiv waren, aber die waren nicht sehr häufig, stattdessen ging die Mitmachquote generell gegen 90 Prozent und mehr. Als ich später im Bett lag, klingelten noch immer die Ohren. Aber das Team lieferte ja auch und beflügelte die Masse. Sezer hatte schon gemeint, dass es ein sehr bedeutsames Spiel würde, da Besiktas eine schwierige Phase erlebt und kaum jemand mit dem Erreichen der Gruppenphase der Europa League gerechnet hatte. Bemerkenswert, dass kaum jemand seinen Sitzplatz in Anspruch nahm. Annähernd alle Anhänger standen, selbst im Bereich der Business Seats.
Wehrmutstropfen war, dass keine Gäste-Fans zu diesem Spiel anreisen durften, ich denke aber in dieser Hölle hätte man die Franzosen eh kaum wahrgenommen. Grund war eine Sanktion gegen die OM-Anhänger für das Zünden von Pyrotechnik im Spiel gegen Club Brugge im letzten Januar, als die Olympique-Anhänger schon unter Bewährung standen. Zwar wurde diese Entscheidung bereits im Februar getroffen, allerdings im Vorfeld dieses Spieles nicht kommuniziert und daher nicht von mir bemerkt. So wurde der Gästebereich ebenfalls mit Besiktas-Fans gefüllt. Besiktas begann stark und überlegen und ging nach einer Viertelstunde in Führung. Weitere Chancen blieben ungenutzt und nach einer halben Stunde Spielzeit fiel mit dem ersten gefährlichen Gäste-Konter der Ausgleich aus dem Nichts. Das war ein Stimmungskiller, es wurde kurzzeitig etwas ruhiger, die Mannschaft war verunsichert, das Spiel wurde ideenloser und das Passspiel ungenau. Die Gastgeber kamen dann aber mit frischem Mut aus der Kabine und erzielten vor der 60. Minute zwei Treffer zur Zwei-Tore-Führung. Danach spielten sich die Schwarz-Weißen in einen Rausch, die Gäste waren kaum noch zu sehen. Der vierte Treffer fiel folgerichtig und hätten es die Besiktas-Angreifer nicht immer zu schön machen wollen, wäre die Geschichte für Olympique mit einem Debakel geendet. Bei Besiktas läuft es aktuell nach einem starken Saisonstart, zarte Sprösse einer kleinen Euphorie waren zu spüren.
Den folgenden Tag verbrachten wir entspannt auf der asiatischen Seite, die viel authentischer ist, als die europäische Seite mit den Touristen-Magneten, bevor der Urlaub am nächsten Vormittag zu Ende ging. Den Abschluss bildete ein Höllenritt mit dem über das Hotel gebuchten Fahrer. Der Mann hatte es eilig. Unter 35 Minuten Fahrzeit vom Taksim-Platz zum Flughafen bedeuteten sicher einen Eintrag in die Tagesbestliste.

Cierny Balog – So., 13.09.2026, 15:30

TJ Tatran Cierny Balog vs TJ SK Sokol Jakub 1:4

Futbalove ihrisko Cierny Balog, 120 Zuschauer, 6.Liga Stredoslovensky futbalovy zvaz
Der Sonntag wurde für einen Tagesausflug nach Cierny Balog genutzt, dort ist eine Schmalspur-Dampfbahn mit musealem Hintergrund in Betrieb. Wir hatten den letzten Betriebstag des Jahres erwischt und buchten eine Fahrt auf einer Teilstrecke. Der CO2-Fußabdruck 2026 ist damit endgültig versaut und dürfte nicht mal durch die ganze Hin- und Her-Fliegerei schlimmer ausfallen. Nach der Fahrt durch Lummerland rollte nur wenige Kilometer der Ball auf sechstklassiger Ebene beim TJ Cierny Balog. Die Anlage ist grundsätzlich nichts Wildes, bietet nur eine Tribüne die in den angrenzenden Hang gebaut wurde. Besonders ist allerdings, das zwischen der Tribüne und dem Spielfeld die Gleise der besagten Schmalspurbahn liegen und dass – wenn es der Spiel- und Fahrplan wollen – der Dampfzug das kleine Stadion während eines Spieles durchfährt. Das war auch heute der Fall und ist vermutlich weltweit einzigartig. In der ‚Bewegung‘ ist das kein Geheim-Tipp mehr, aber dennoch ist dieses Erlebnis rar, da die Fußballer und die Eisenbahn nicht sehr oft zeitgleich aktiv sind. Zwei Male schnaufte das betagte Fahrzeug während der ersten Halbzeit an Spielfeld und Tribüne vorbei, jeweils in die eine und die andere Richtung. Außer mir ließ sich von dem Ereignis niemand aus der Ruhe bringen. Die Gastgeber waren nicht gut in die Spielzeit gestartet, kamen aber heute ordentlich in die Partie und konnten die Führung erzielen. Nachdem zunächst die Gäste die Chance auf den Ausgleich mit einem vergebenen Elfer ausließen, taten es ihnen die Gastgeber gleich, die ebenfalls einen Strafstoß verschossen. Danach nahm das Schicksal seinen Lauf. Obwohl die Partie lange Zeit ausgeglichen war, drehten die Falken – denn das bedeutet Sokol auf Deutsch – das Spiel in einen klaren Auswärtssieg.
Der Montag sollte ein interessanter seiner Art werden, dabei wurde gar kein Fußball gespielt. Nach einem Stopp in der schönen Altstadt von Banska Stiavnica suchten wir ‚Cabrad Hrad‘ auf, eine große Burgruine mitten im südslowakischen Wald, die man nur durch eine 45-minütige Wanderung erreichen kann. Unterhalb befinden sich eine gespenstische Kirchenruine und ein alter nicht minder schauriger Friedhof. Im gesamten ein toller, geheimnisvoller Spot. Dass uns kurz vor dem Erreichen der Burg zwei Hobby-Ritter den Weg versperrten, passte gut in die mystische Stimmung. Der Ort liegt sehr einsam, Rehe springen ungeniert über den Weg, der Hirsch wirbt röhrend um die Gunst der weiblichen Damwild-Population und bis auf die zwei Rittersleut trafen wir nur auf zwei weitere menschliche Wesen. Von dort sollte es dann nach Senec ins Nachtquartier gehen. Ging es auch, aber mit Verzögerung und auf Umwegen. Auf der Autobahn gen Nitra überholte ich einen Truck, als ich merkwürdige Geräusche hörte und nur einen Atemzug später der Reifen platzte und sich die die Karkasse verabschiedete.
Lief glimpflich ab, der recht neue Renault Clio ließ sich glücklicherweise leidlich steuern, nur einen Standstreifen gab es nicht. Also hielten wir halb auf der Rasenfläche, halb auf der Fahrbahn an. Die Gemahlin wurde in die einzige vorhandene Warnweste gestopft und soweit wie möglich von der Fahrbahn entfernt postiert. Warndreieck aufgestellt und das Notrad ausgepackt, das zum Glück vorhanden war. Nicht vorhanden war aber ein passendes, brauchbares Werkzeug. Wahnsinn. Renault – Le createur d’automobiles!! Also die Hotline des Vermieters angerufen. Das war Avis, keine Wald- und Wiesenbude. Es meldete sich nur aber ein KI-Assistent mit dem finalen, fantastischen Hinweis, man soll auf der Avis-Website nach ‚Assistance‘ schauen. Diese Rubrik führte aber nur zu Links zu den Fahrzeug-Herstellern und bei der Auswahl von Renault nur auf die Main Page. Kannst Du Dir nicht ausdenken.
Auf dem Mietwagen-Voucher fand ich dann die Telefonnummer der Avis-Niederlassung am Flughafen Bratislava und ich erreichte sogar einen Menschen – huch! – den ich um Rat fragen konnte. Er riet mir freundlich, auf der Seitenscheibe des Fahrzeugs nach einem Sticker mit der Rufnummer eines Pannendienstes zu suchen, den ich anzurufen hätte, da er mir nicht helfen könne. Ich riet ihm freundlich, morgen besser nicht im Büro zu sein, wenn ich den Wagen zurückbrächte. Absolute Frechheit, wie einfach es sich die Vermieter machen und den Kunden in einem fremden Land mit einer Panne alleine lassen. Leute mit mageren Englischkenntnissen wären hoffnungslos verloren. Weil ich aber n duften Typ bin, nahm ich mein Schicksal selbst in die Hand. Aber anders, denn zwei Stunden auf die Pannenhilfe zu warten, während in der Dämmerung die Trucks an uns vorbeidonnerten, war keine Option. Mühsam auf der Felge von der Autobahn runter gehoppelt, quatschte ich fremde Leute an. Alle waren superfreundlich, einer hatte dann das passende Werkzeug und der Reifen konnte getauscht werden. Die Hasstirade bei Rückgabe des Fahrzeugs am nächsten Morgen war natürlich sinnlos. Der Avis-Mitarbeiter, der sich meinen Monolog anhören durfte, hatte sich das System ja nicht ausgedacht und interessiert haben wird es ihn auch nicht.

Banska Bystrica – Sa., 12.09.2026, 18:00

FK Dukla Banska Bystrica vs MFK Skalica 3:2

Stadion SNP Stiavnicky, 1.514 Zuschauer, 1.Liga
Der Vormittag des folgenden Tages wurde für einen erneuten Gang durch die Altstadt genutzt. Kosice kann sich schon sehen lassen. Danach wurde der Besuch von ‚Spissky Hrad‘ nachgeholt. Das ist eine große, dominant auf einem Hügel liegende, teilweise rekonstruierte Burgruine. Das gesamte Burggelände ist einer der größten Ruinenkomplexe Mitteleuropas. Leider verschandelt aktuell ein Baukran den Anblick. Aber wahrscheinlich bricht der ganze Krempel eh bald zusammen, da der Burghügel von Murmeltieren unterhöhlt wird.
Nach dem Besuch der Ruine fuhren wir weiter nach Banska Bystrica, wo am Abend der FK Dukla die Gäste vom MFK Skalica. Das Stadion dort präsentiert sich dort ebenfalls im schönen Ost-Europa-Style, auch wenn es vor wenigen Jahren eine Generalüberholung für die Erstligatauglichkeit erfuhr. Dukla ist der ehemalige tschechoslowakische Armeesportverband. Diesen Namen trugen und tragen ja mehrere Vereine in Tschechien und der Slowakei, deren Wappen sich an das Emblem des Armeesportverbandes anlehnten oder heute noch anlehnen und daher starke Ähnlichkeit zueinander zeigen. Da der Verband zu Zeiten des Sozialismus über großzügige Mittel verfügte, sind die Sportanlagen entsprechend gut ausgestattet. So auch das große Areal in Banska Bystrica. Für die Gastgeber versammelte sich eine vielleicht drei oder vier Dutzend Köpfe starke (oder schwache) Ultra-Gruppe hinter einer üppigen Zaunfahne. Gäste aus Skalica, im nordwestlichen Zipfel des Landes gelegen, waren nicht auszumachen. Die Gastgeber waren das bessere Team und gingen folgerichtig in Führung. Mit dem zweiten Treffer, per Strafstoß zwanzig Minuten vor dem Ende erzielt, rechnete eigentlich keiner mit der Aufregung, die noch folgen sollte. Die Gastmannschaft erzielte nämlich zügig den Anschluss, was Dukla stark verunsicherte. Die Folge war der Ausgleichstreffer tief in der Nachspielzeit, aber noch tiefer in dieser stellte Dukla doch noch auf Sieg und zwar mit einem 20-Meter-Kracher genau in den oberen Torgiebel. Schöner Schlußakt. Den aktuell stattfindenden, jährlichen Radvan-Jahrmarkt, der zum 368. Male abgehalten wurde, nutzten wir nach dem Spiel um uns kulinarisch zu versorgen.