DJK Sportfreunde Katernberg vs DJK Adler-Union Frintrop 2:7
Sportanlage Meerbruchstraße, 350 Zuschauer, Landesliga Niederrhein Gruppe 2
An diesem Freitag-Abend zog es zum Eröffnungsspiel der Landesliga-Saison an die Meerbruchstraße in Essen-Katernberg. Bei eigentlich zu hohen Temperaturen erfolgte die Anreise quer durch die Stadt entspannt mit dem Rad. Einige Male bin ich im Laufe meiner schillernden Karriere selbst im Essener Norden dort angetreten, damals natürlich noch auf roter Asche. Bis vor einigen Jahren konnte man die Platzanlage auch nur über die Meerbruchstraße erreichen, eine von alten Backstein-Zechenhäusern gesäumte Sackgasse, die mittig von einer engen Bahnunterführung geteilt wird. Schon eine spezielle Hood. Wenn man früher an der Meerbruchstraße gewonnen oder ein nickeliges Spiel hinter sich gebracht hatte, sah man immer zu, schnell da wegzukommen. Es hielt sich das Gerücht, dass die Unterführung blockiert und man noch ordentlich Senge bekommen würde. Natürlich romantisch verklärter Blödsinn 😊. Vor Ort traf ich nicht nur auf viele bekannte Gesichter aus dem Adler-Umfeld, sondern ungeplant noch ein paar weitere Gefährten, was das Spiel noch kurzweiliger gestaltete, als es eh werden sollte. Oberliga-Absteiger Adler trat beim Aufsteiger aus der Bezirksliga an, natürlich gehörten die Sympathien aufgrund meiner aktiven Vergangenheit dem Gast-Verein.
Die DJK Sportfreunde Katernberg 13/19 entstand vor einigen Jahren aus der Fusion der DJK 1919 und den Sportfreunden. Letztere waren ein Verein mit großer Tradition, tief verankert im Stadtteil, der in den Nachkriegsjahren erfolgreich spielte und es Ende der 80er Jahre noch einmal in die damals drittklassige Oberliga Nordrhein schaffte. Die Sportfreunde haben in ihrer erfolgreichen Phase einige gute Fußballer hervorgebracht, allen voran Helmut Rahn, zu dem ich wohl nicht weiter ausführen muss. Die Fusion wurde vollzogen, als vor einigen Jahren entschieden wurde, die absolut kultige Sportanlage ‚Am Lindenbruch‘, Heimat und Identität der Sportfreunde, zu Gunsten des Ausbaus der Anlage an der Meerbuschstraße aufzugeben. Natürlich eine absolute Schande. Zudem ist am Lindenbruch bis heute nichts passiert, das Gelände verfällt und ist dem Vandalismus preisgegeben. An der Meerbruchstraße sieht es dagegen beinahe geleckt aus, kein Vergleich zu früher, als man das Wasser in den Duschräumen noch mit korrodierten Hähnen aufdrehen musste.
Für die Sportfreunde versammeln sich seit einiger Zeit die ‚Ultras Kaddernberch‘, eine Gruppierung von etwa zehn oder zwölf jüngeren Leuten hinter mehrere Zaunfahnen, unter anderem zwei schöne Gruppenbanner. Mit ein paar kleinen Schwenkern wurde auch gewedelt und zum Einlauf der Teams ein paar Konfettikanonen abgefeuert. Find ich ja gut, wenn Amateur-Clubs aktiv unterstütz werden – ‚Chapeau‘ dafür, diese Motivation aufzubringen. Der Zahn wurde den Jungs aber früh gezogen, die Lust auf Gesänge schnell erstickt. Die Adler haben natürlich was vor und traten selbstbewusst auf, während der Gegner Respekt zeigte oder schlicht nicht die nötige Qualität hatte, um mitzuhalten. Nach 20 Minuten stand es 4:0 für die Gäste vom Wasserturm, der Sturmlauf wurde dann durch den ersten Katernberger Treffer gestoppt. Natürlich brannte dennoch nichts mehr an, spätestens mit Adler-Treffer Nummer Fünf nach einer Stunde Spielzeit war das Thema durch. Ein paar weitere Tore fielen noch hüben wie drüben zum spektakulären Endstand bevor mir der Drahtesel wieder in den Heimat-Stadtteil verhalf.
Da sich mein Arbeitsplatz ja seit einigen Jahren im Westmünsterland befindet, gibt es ab und an mal die Möglichkeit in der Region nach Feierabend noch ein brauchbares Spiel zu besuchen. So auch heute, wo sich Preußen Münster, das sich nach dem Zweitliga-Abstieg wieder im Verbandspokal herumquälen muss, nahe der Grenze zu den Niederlanden vorstellte. Aufgrund der Lichtverhältnisse wurde die Partie recht kurzfristig um eine Viertelstunde vorgezogen. Vor ziemlich genau zehn Jahren hatte ich exakt dieselbe Spielpaarung am selben Ort schon einmal gesehen. Auch damals wurde es voll, heute war die Anlage aber annähernd überfüllt. Für mein Empfinden wurden mehr Tickets verkauft, als es den Zuschauern möglich war, auch einen vernünftigen Blick auf das Spielgeschehen zu werfen. Die Leute, die keinen Platz mehr auf den Tribünen oder in erster, zweiter, dritter Reihe am Stankett fanden, schleppten schließlich alles ran, was dazu taugte, um aus erhöhter Position über die Köpfe der anderen hinwegzuschauen, Tische und Bänke, Holz- und Bierkisten. Unsinnigerweise gab es Fantrennung. Dabei ist der SC Preußen im Westmünsterland fest verwurzelt und Platzhirsch. Nicht wenige Zuschauer kamen in Preußen-Trikots angeradelt oder auch per pedes. Die Ultra-Szene hatte sich die gedeckte Tribüne unter den Nagel gerissen. Die Stimmung war während der ersten Halbzeit geprägt vom selbstverliebten Geträller, viel zu langatmige Gesänge mit komplizierten Texten raubten den normalen Fans die Motivation, deren Bereitschaft mitzusingen, nahm spürbar ab. Der Capo schien aber in der Pause die richtige Lehre daraus gezogen zu haben und so wurde die zweite Halbzeit deutlich intensiver. Es war wie überall – die einfachen, gradlinigen Gassenhauer und Schlachtrufe laufen am besten und machen es den Umstehenden einfacher einzusteigen.
Die Gäste traten mit dem zweiten Anzug an, was dem Oberligisten die Option bot, die Partie mitzugestalten. Über die gesamte Spielzeit war zwischen den Strafräumen kein großer Klassenunterschied zu bemerken. Die Adlerträger hatten meist die Spielkontrolle, die Spielvereinigung schaltete aber nach Ballgewinn schnell um. Den Unterschied machte das Verhalten im Sechzehner aus. Die Gäste gingen mit der ersten Chance in Führung, gleichzeitig der Halbzeitstand. Der zweite Durchang machte den Klassenunterschied schon deutlicher, nur wenige Möglichkeiten benötigten die Preußen, um das Ergebnis in ein standesgemäßes zu verwandeln. Der schnelle zweite Treffer stellte die Signale deutlich auf Favoritensieg. Danach plätscherte die Partie im Schummerlicht der Sonnenfinsternis vor sich hin, der dritte Torerfolg in der Schlussphase war nur noch Kosmetik. Insgesamt war es ein unaufgeregtes Spiel ohne große Spannung. Die Preußen-Ultras eröffneten den zweiten Durchgang mit einer netten Pyro-Show. Überhaupt lud die geringe Polizei- und Ordnerpräsenz zum Pyro-Gebrauch ein und diese Einladung wurde auch ausreichend genutzt. Selbst als drei Ultras das Tribünendach bestiegen, um von dort oben zu zünden, regte sich keine ordnende Hand, lediglich der Stadionsprecher ließ erhöhten Puls vermuten. Auch das Schiedsrichterteam ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, obwohl dem Linesman auf der Seite der Preußen-Anhänger die Fackeln auf der engen Anlage ja fast das Ohrläppchen ansengten. Dass der Schiedsrichter natürlich dennoch einen Bericht anfertigen und dem SC Preußen eine Rechnung in die Buchhaltung flattern wird, ist wahrscheinlich.
Ein zauberhaftes Wochenende im Hunsrück und dem Saarland endete mit dem Saisonstart des RWE im ‚Ludwigsparkstadion‘. Der Vormittag gehörte noch der Saarschleife und dem dort erbauten Baumwipfelpfad. Mittags wurde dann die Saar mit der Personenfähre unterhalb des Saarschleifen-Aussichtspunktes, übrigens die einzige Fähre des ganzen Saarlandes, gequert und die auf der Halbinsel in der Saarschleife liegende ‚Burg Montclair erklommen.
Ich sagte noch halb im Ernst und halb im Spaß zu meiner geschätzten Gattin, dass wir nun eigentlich besser heimfahren sollten, anstatt uns dem Fußball-Stress auszusetzen und diesen schönen Ausbruch aus dem Alltag durch den RWE kaputt trampeln zu lassen, nicht ahnend, was da dann wirklich folgen sollte. Im Gäste-Sektor trafen wir auf unsere Gefährten, die gesammelt mit einem Kleinbus angereist waren. Die ‚Virage Est‘ der Blau-Schwarzen gedachte zunächst einem verstorbenen Club-Original und präsentierte dann eine stabile, solide durchgeführte Choreo aus kleinen Schwenkfähnchen und zentralem Kurven-Banner. Früh gingen die Roten nach einer Ecke durch Hüning, der damit das letzte Tor der vergangenen regulären Saison und das erste Tor der neuen Spielzeit erzielte, in Führung. Was mir aber visuell verborgen blieb, da ich gerade in Getränke-Mission hinter dem Block weilte. Tore verpassen beherrsche ich ja beinahe perfekt. Der Kick lief dann recht offen weiter, eher mit leichten Vorteilen für die Rot-Weissen, welche den Gastgebern mit konsequentem Forechecking Probleme bereiteten und erst gar keinen Spielaufbau derer zuließen. Mit eigenen schnellen Vorstößen über die Außen gelangte der RWE dann immer wieder in die FCS-Box und Neuzugang Telalovic erhöhte nach einer halben Stunde Spielzeit auf 2:0. Wirkte souverän, aber eben diese Souveränität endete auch mit dieser Szene.
Fußball findet zu einem Großteil im Kopf statt und vermeintlich sichere Führungen verleiten zur Nachlässigkeit. Nur drei Zeigerumdrehungen später klingelte es im Tor hinter Jakob Golz. Ausgangspunkt war ein unnötig verursachter Eckball, offenbar Resultat mangelhafter Kommunikation. Was sich dann in Folge dessen in den nächsten Sekunden im RWE-Sechzehner abspielte, hätte man auch mehrfach und vor allem besser verteidigen können, jedenfalls lag die Murmel irgendwann drin im Tor und der stets unüberhörbare Zweifler in mir meldete sich erstmals. Bis zum Pausenpfiff spielten nur noch die Gastgeber und die RWE-Defensive glänzte zunehmend durch dumme, in Strafraumnähe verursachte Freistöße für die Gastgeber. Ein solcher war dann auch für den Ausgleich noch vor der Pause maßgeblich verantwortlich. War das Foul auch noch so plump, war der Verteidigung der daraus resultierenden Flanke noch plumper und ein FCS-Stürmer hielt dankend den Fuß hinein. Alles wieder auf Null, der Zwischenstand ging in Ordnung. Das Verhältnis kippte dann im Laufe der zweiten Halbzeit. Zwanzig Minuten lang verlief das Spiel noch unaufgeregt, weil die Roten die Stabilität zurückerlangten. Schwer nachvollziehbare Wechsel von Koschinat – eine Dublette zur letzten Spielzeit – raubten den Gästen aber die Ordnung und Präsenz, der FCS kam auf. Es gab nun viel zu viele einfache Ballverluste und die leichtfertige Verursachung Strafraum-naher Freistöße nahm wieder Fahrt auf.
Der inzwischen verdiente Führungstreffer für die Gastgeber fiel noch aus dem Spiel heraus, Brünker wurde per Pfostenabpraller beinahe auf der Flucht erschossen und schob sträflich unbewacht ein. Dann folgte der totale Systemausfall. Den Deckel drauf machte der FCS kurz vor Schluss per Standard, zum dritten Mal in dieser Partie. Und die Höchststrafe folgte auch noch. Der in Essen wenig überzeugende und daher weggelobte Owusu konterte in der Schlussminute der Nachspielzeit zum auch in dieser Höhe verdienten Endstand. Woran hat et jelegen? Zunächst erinnerten mich viele Faktoren an die vergangene Spielzeit. Es fehlten Körperlichkeit und Drecksau-Mentalität, außerdem die Körpersprache nach Ausgleich und Rückstand. Von den Einwechselspielern konnte sich niemand aufdrängen, am ehesten noch der solide Kostka, der schon in der Pause für den gelb-rot-gefährdeten Bouebari kam. Die Backups bleiben erst mal, was sie sind – eben Backups. Dazu fehlte irgendwie ein Ankerpunkt, ein Führungsspieler. Die Situation ähnelte den Spielen, in welchen Routinier Gjasula in der letzten Saison nicht zum Einsatz kam, es wurde eine ordnende Hand vermisst. Das kann auch mit dem Alter der Akteure zu tun haben. In der Schlussphase war die Elf auf dem Platz im Schnitt weniger als 23 Jahre alt. Mal sehen ob dieses Erlebnis reinigend und warnend oder eben verunsichernd wirkt. Gegen den nur durch die Insolvenz der Münchner Löwen in der Liga verbliebenen TSV Havelse ist ein Sieg im ersten Heimspiel Pflicht, das birgt schon Gefahren genug. Mein persönliches Saisonziel wird in dieser unberechenbaren Spielklasse eh immer nur der Klassenerhalt sein, alles was darüber hinaus passiert, ist für mich ein Bonus und die nötige Marke von 45 Punkten wird die Truppe schon irgendwie erreichen. Hoffentlich.
In der Anmoderation des Spiels kokettierten die Gastgeber mit ihrer Nähe zu Frankreich. Natürlich eine späte Antwort auf die Provokation des immer übermotivierten, kein Fettnäpfchen auslassenden RWE-Spielfeldmoderators ‚Ruthe‘, der die Gäste-Anhänger beim letzten Auftritt in Essen als ‚Möchtegern-Franzosen‘ begrüßte. Stadion- und Feldsprecher gingen nun genau darauf ein, indem die Mannschaftsaufstellung des RWE und weitere Ansagen auf Französisch vorgetragen wurden. Die Beurteilung, ob das nun witzig oder eher überflüssig war, weil genau die peinliche Provokation des RWE-Hofnarrs bedienend, bleibt jedem selbst überlassen. Die Kurve, die sich ja eh schon einen Französischen Namen gegeben hat, und auch zeitweise das gesamte Heimpublikum erging sich dann noch mehrfach in „Ostfrankreich“-Rufen – nun ja. Dass der Anhang von Dynamo Dresden durch seine „Ostdeutschland“-Stakkatos mit seiner reellen regionalen Lage charmiert, ist zwar auch eher abträglich, aber zumindest logisch begründet. Warum sich eine Region jedoch ins Nachbarland transformiert, zu dem diese dazu auch noch eine Zeit lang fremdbestimmt, also zwangsverwaltet, gehörte, kommt mir fragwürdig vor. Aber wenn sich die ‚Sarrois‘ ihren Nachbarn näher fühlen, als dem Teilstaatenbund, dem sie sich einst anschlossen, dann sie ihnen die Entscheidung doch freigestellt. Eine Region die nur ein Prozent zum Bruttoinlandprodukt des gesamten Staates beiträgt (nur das noch kleinere Bremen schafft noch weniger) würde man vermutlich kaum vermissen. Au revoir (oder auch nicht).
Das ‚Hans-Dieter-Krieger-Stadion‘ des Sportclub Idar-Oberstein, bis Mitte letzten Jahres noch ‚Stadion Im Haag‘ und zu Ehren des verstorbenen, langjährigen Vorsitzenden nun nach diesem benannt, ist eine der Spielstätten, die ich mit einem Spiel meines Herzensvereines verpasst habe. Zwei Mal trat der Deutsche Meister von 1955 dort an und empfing die Hunsrücker natürlich auch zwei Mal an der Hafenstraße, jeweils in der Regionalliga West. Während die ersten beiden Vergleiche noch im alten Jahrtausend beide an den glorreichen RWE gingen, blieb der Sportclub in der zweiten Saison, in denen beide Vereine vor gut 15 Jahren die Klingen kreuzten, ungeschlagen und konnte dem Favoriten daheim im Hunsrück sogar eine eher peinliche Niederlage zufügen. Bittere Zeiten, hoffentlich ein und für alle Male Geschichte. Idar-Oberstein, wenngleich schon eine Art Ankerpunkt der Region, kennt ja eigentlich keine Sau. Für diejenigen, die in der Schmuck- und Edelsteinbranche beschäftigt sind, ist die Stadt allerdings ein Begriff. In der Gegend gibt es natürliche Vorkommen an Schmucksteinen, so dass der Ortsteil Idar bis heute – man glaubt es kaum – zu den Welthandelszentren für Edelsteine zählt. In der ganzen Stadt sieht man Schleifereien und Rohstein-Geschäfte. Ein Schmuckkästchen ist das kleine Stadion jetzt zwar nicht unbedingt, aber für einen Verein dieser Größe durchaus ansehnlich. Seit dem Abstieg aus der Regionalliga pendelt der Verein zwischen Verbands- und Oberliga hin und her. Nach der vergangenen Saison ging es mal wieder runter. Diese Karriere sieht beim heutigen Gegner nicht anders aus. Vermutlich aus Solidarität stieg der FV Dudenhofen ebenfalls aus der Oberliga ab. Da beide Vereine schnell wie möglich wieder hochwollen, kam es also früh in der neuen Saison direkt zu einem Aufeinandertreffen zweier Aufstiegsaspiranten.
Meine verehrte Gattin begleitete mich auf diesem Wochenend-Trip. Auf dem Hinweg wurde noch die Hängebrücke ‚Geierlay‘ besucht und im Getümmel überquert – teilweise kam es zum Stau über dem ‚Mörsdorfer Bachtal‘. Ausgedörrt von der erbarmungslosen Hitze ging es danach weiter in die Schmuckstadt. Für die Gastgeber sammelten sich ein paar ältere Anhänger unter einem vor der Sonne schützenden Schirm, die aber nur durch Getrommel auf den Werbebanden auffielen. Der FVD hatte eine Handvoll Ultras im Gepäck, die aber noch auf einsetzenden Bartwuchs warteten. So ne Art Kinderchor im Stimmbruch. Hinderte sie nicht, ein dickes ‚Nordkurve‘-Banner an den Zaun zu pappen und mit Doppelhaltern, großem Schwenker und Megaphon zu supporten. Klang nicht wirklich gut und hatte trotzdem meinen Respekt, sich dazu aufzuraffen. Auch eine grob besprühte Tapete mit den Worten „Schwarz-gelbe Farben, die wir in unseren Herzen tragen“ fand an den Zaun. Die Gäste aus dem Rhein-Pfalz-Kreis erzielten Mitte der ersten Hälfte die Führung, was direkt für Unruhe beim einheimischen Rentner-Volk sorgte. Der Sportclub spielte ziemlichen Mist, kämpfte sich aber im zweiten Durchgang ins Spiel und drehte dieses per spätem Foulelfmeter zum knappen Heimsieg.
Vor einigen Jahren besuchte ich im Sunderner ‚Röhrtal-Stadion‘ bei herbstlichen Temperaturen unter der Woche die Kreispokal-Partie gegen den Verein aus dem benachbarten Sunderner Ortsteil Langscheid. Eigentlich ein Derby, aber es kamen dennoch nur gut 100 Zuschauer. Daher ergriff ich die Gelegenheit, dort nochmal eine Partie auf höherem Niveau vor größerer Kulisse zu schauen, auch wenn dafür erst der spontane Anstoß eines regelmäßigen Reisegenossen her musste, der mich mitnahm an den Sorpesee. Eine gut vierstellige Kulisse kam dann zusammen bei diesem Erstrunden-Spiel des Westfalenpokals. Aus dem Siegerland war auch die aktive Szene zugegen, die trotz des eher langweiligen Spielverlaufes die Kraft und Motivation aufbrachte, ihre Helden über die gesamte Spielzeit anzufeuern. Die Sportfreunde gelten als einer der Aufstiegsfavoriten der Regionalliga West, auch wenn das erste Saisonspiel am vergangenen Wochenende bei Aufsteiger Westfalia Rhynern verloren ging. Heute wollte das Team gegen einen Landesligisten seiner Favoritenstellung gerecht werden und erzielte gegen zu respektvolle Hausherren den frühen Führungstreffer. Nur kurz darauf lag der Ball aber im Sportfreunde-Netz. Die TuS hatte den vermeintlichen, schnellen Ausgleich erzielt, doch der Linienrichter hatte Einwände. Auch danach zeigte sich die Abwehr der Siegerländer noch unsortiert und ein Treffer für die Gastgeber war möglich. Mit zunehmender Spielzeit konnten die Sportfreunde die Partie aber beruhigen und mit dem zweiten Treffer nach einer halben Stunde und Tor Numero Drei mit dem Pausenpfiff war die Wiese dann auch gemäht. Die weiteren Treffer waren eher Kosmetik und in der Schlussphase geriet das Resultat dann gegen tapferer Sauerländer auch etwas zu deutlich.
Stadion Im Bröhl, 228 Zuschauer, Rheinlandpokal 1.Runde
Im Westen Deutschlands sind früh in der Saison Pflichtspiele noch immer dünn gesät. Dankbar nahm ich daher zur Kenntnis, dass der Rheinlandpokal in die erste aufgeblähte Runde ging. Unter nicht weniger als 52 Spielen war dann auch erwartungsgemäß was Brauchbares zu finden. Im 1000-Seelen-Ort Oberzissen, in der sogenannten Rhein-Ahr-Eifel gelegen, trafen zwei Bezirksligisten aufeinander. Die kleine Sportanlage hat durchaus Charme, auch wenn den Zuschauern nur auf einer Seite die Sicht auf das Geschehen genehmigt ist. Ein paar begrünte Stufen mit Sitzbänken und Stehtischen wurden in die Naturtribüne gezimmert und am Ende der Geraden befindet sich das Sozialgebäude mit aufgesetztem Clubheim. Da aus Mendig kaum Interessierte angereist zu sein schienen, war demnach ein Fünftel des Dorfes zugegen – support your local football club! Zumindest wenn man etwas romantisch voraussetzte, dass niemand aus einer Nachbargemeinde angereist war. Die Gastgeber spielten von Beginn an überlegen und ließen nie einen Zweifel daran, welches Team die zweite Pokal-Runde erreichen würde.
Und wieder ein rot-weisses Testspiel, bei dem ich eigentlich nicht hätte sein dürfen. Da das Spiel im kleinen ‚Ulrich-Haberland-Stadion‘ im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten der ‚BayArena‘ stattfand und Fantrennung dort nicht gewährleistet ist, wurden dem Gastverein Rot-Weiss Essen aus „organisatorischen Gründen“ keine Tickets zur Verfügung gestellt. Dass die Ultra-Fraktion des glorreichen RWE freundschaftliche Kontakte zu jener des ‚Effzeh‘ aus der Domstadt pflegt, also zum Erzrivalen der Bayer-Gemeinde, mag einen Ausschlag gegeben haben. Nun denn, die Hürde war nicht wirklich hoch und nach all den Jahren ist man ja auch gut genug vernetzt, um zwei Minuten nach Bekanntwerden dieser Restriktion dennoch eine Ticketzusage im Postfach zu wissen. An dieser Stelle sei ein herzlicher Dank an Marius gesendet. Dieser wurde dann auch auf dem Weg zum Stadion eingesammelt, weil ein paar hundert Meter Fußweg an diesem Morgen offenbar zu viel des Guten bedeuteten. Die verschiedenen Evolutionsstufen des kleinen Stadions habe ich nun in weiten Abständen miterlebt. In den 90ern stand ich – soweit ich mich erinnere, muss aber nicht stimmen, ist lange her – noch auf einem begrünten Wall, um den WSV bei der Zweiten von Bayer 04 in der Oberliga, damals noch drittklassiges Niveau, verlieren zu sehen, Anfang der 10er Jahre war ich laut meiner Stadion-Liste noch mal dort, da hatten sich schon befestigte Ränge und eine mit Planen als Wetterschutz gedeckte, traurige, kleine Stahlrohr-Sitztribüne etabliert. Ich habe keine Ahnung mehr, welches Spiel ich da gesehen habe (Edit: tief in der Spiele-Liste habe ich ein trostloses 0:0 des glorreichen RWE bei der Bayer-Zweitvertretung vor nicht einmal 1.000 Zuschauern gefunden).
Mittlerweile steht hier nun also ein brauchbares Amateurstadion, was mangels zweiter Mannschaft stattdessen von der U19 und der Damen-Bundesliga-Elf bespielt wird. Von mir persönlich nicht erwartet, waren ganz schön viele Zuschauer gekommen, um sich diesen Bums anzusehen. Trotz des offiziellen Gäste-Verbots blickte ich auch in einige von der Hafenstraße bekannte Gesichter – dieses lächerliche Verbot war halt auch Blödsinn. Zum Spiel selbst kann ich nicht viel sagen, spätestens nachdem die ‚Werkself‘ recht früh mit zwei Treffern führte, wurde der Kick einfach nur verlabert. Die Roten traten auch nur mit dem zweiten Anzug, da am Nachmittag ein weiteres Testspiel, sinnloserweise wiederum komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit, anstand. Die Generalprobe gegen den eher auf Augenhöhe anzusehenden ambitionierten Regionalligisten aus Sandhausen sollte für die Erprobung des Ernstfalles genutzt werden, so dass im lockeren Geholze gegen die Pillendreher nur die vermutliche B-Elf aufgeboten wurde, denen die Bayer-Elf ihre Grenzen aufzeigte.
Irgendwann im Laufe der Woche wusste ein Mitglied unseres inneren RWE-Zirkels zu berichten, dass der glorreiche RWE an diesem Sonntag ein Testspiel gegen die Schonnbecker ‚Schwalben‘ auf dem zwischen Stadion und Auto-Kino gelegenen ‚Willi-Lippens-Platz‘ austragen würde. Dieser ist vorrangig Trainingsplatz und wird selten für den Spielbetrieb genutzt. Da ich dort vor bestimmt zehn Jahren überhaupt erst ein Spiel gesehen hatte und die ausgelatschten paar Stufen vor drei Jahren einer überdachten Tribüne, die wahlweise zum Stehen oder Sitzen genutzt werden kann, gewichen waren, kam mir die Ansetzung durchaus gelegen. Knackpunkt am heutigen war, dass sich die beiden Vereine – wie schon vor Jahresfrist beim Vergleich mit der Fortuna aus der Domstadt – auf einen geheimen Test unter Zuschauerausschluss geeinigt hatten. Warum das bei dieser unaufgeregten Spielpaarung so sein sollte, wird ein Geheimnis bleiben. Auch die Frage, warum der Platz überhaupt aufgepimpt wurde, wenn man niemanden dort haben will, sei noch erlaubt. Die Herausforderung nahm ich jedenfalls an und nachdem ich die knapp sechs Kilometer mit dem Drahtesel hinter mich gebracht hatte und eine halbe Stunde vor dem Anpfiff eintraf waren schon die üblichen 15 Leute zugegen, die von solchen Veranstaltungen immer Wind kriegen und nach Zutritt lechzen. Fehlte nur noch der Türöffner.
Nachdem Ex-Trainer und Aufsichtsrat-Mitglied Wrobel noch mit Verweis darauf abwinkte, dass er sich nicht in die Vereinbarung der beiden Vereine einmischen möchte, nahte kurz vor Anpfiff die Rettung in Person von Sportdirektor Steegmann, der sich unserem Anliegen offen zeigte und Zutritt zur Anlage gewährte. Auf dem Spielfeld war zunächst kein großer Klassenunterschied zu erkennen. Der Oberligist hielt im ersten Durchgang wacker mit, der RWE erzielte dennoch zwei Tore, der traumhafte Treffer vom Strafraum-Eck in den Giebel durch Neuzugang Dardari, Nationalspieler Luxemburgs, soll gesonderte Erwähnung finden. Nach dem Seitenwechsel konnten den ‚Schwalben‘ nach einer unglücklichen Abwehr-Aktion der Roten den Anschluss erzielen, schienen damit aber die Büchse der Pandora geöffnet zu haben. Noah Pesch, von der älteren in der Bundesliga spielenden Borussia gekommen, schnürte binnen vier Minuten den Hattrick und vorentschied die Partie damit im Alleingang. Der abgestaubte Schlusspunkt durch Strafraum-Monster Marek Jansen war nur noch Kosmetik.