Aachen – So., 08.02.2026, 16:30

Aachener TSV Alemannia vs Rot-Weiss Essen 3:3

Tivoli, 27.862 Zuschauer, 3.Liga
Aachen – immer eine Reise wert? Grundsätzlich betrat ich den ‚Tivoli‘ ohne hohe Erwartungen. Die desaströse Heimbilanz der Gastgeber in der dieser Saison konnte mich jedenfalls nicht blenden. In den letzten dreißig Jahren gelang dem RWE in elf Spielen auf dem Tivoli gerade mal ein Sieg, dazu kamen abgezählte Punkteteilungen. Für die Alemannen ist dieses Spiel irgendwie wichtiger, als für den Deutschen Meister von 1955. Die Abneigung der Öcher Fans gegenüber denen der Roten ist ungleich größer als umgekehrt, das Spiel wird wie ein Derby behandelt. Aus rot-weisser Sicht ist es sicherlich auch eine Partie, in der es nicht nur um Punkte, sondern auch um viel Prestige geht, dennoch genießt der Kick aber keinen überhöhten Stellenwert. Das scheint sich eben auch auf dem Rasen abzulichten, ist aber möglicherweise nur ein hilfloser Erklärungsversuch, warum sich die Schwarz-Gelben schon beinahe als Angstgegner offenbaren. Tatsache ist, dass die Alemannischen aktiven Angestellten mehr zu brennen scheinen, als jene in Rot und Weiss. Auf dem Papier ging der RWE als klarer Favorit in diese Partie. Dass die Spieler diese Rolle nicht umsetzen konnten, war bereits nach fünf Minuten klar. Nach einer schönen Doppelpass-Kombi zwischen dem starken Gindorf und Stürmer Schroers stand es früh 1:0 für die Heim-Elf. Förderte nicht unbedingt das Selbstvertrauen des Gäste-Teams, dass danach seine Rolle bei dieser Veranstaltung suchte. Doch da Golz-Ersatz Wienand den zweiten Treffer für die Aachener vereiteln konnte und Mizutas Direktabnahme von der Strafraumgrenze ins Netz fand, stand es zur Halbzeit der ersten Spielhälfte überraschend remis. Hätte Sicherheit geben können. Bleibt aber der zweite Konjunktiv von ‚Haben‘ und die Partie veränderte sich. Nicht!
Bei den Rot-Weissen war derjenige, der den Ball hatte, die ärmste Sau, weil sich kaum jemand für ein Abspiel anbot oder schlicht nicht in der Lage war, den Raum dafür öffnen. Aber ein Maß an Selbstüberschätzung gehörte wohl auch dazu, dass der RWE aufgrund vieler individueller Fehler, aus denen Ballverluste entstanden, meist den Gegenspielern hinterherlief. Hatte vor dem ersten Treffer Mizuta leichtfertig den Ball verloren, schaffte es Brumme ein paar Minuten vor dem Pausenpfiff ebenso. Zunächst erkämpfte er sich stark den Ball, verlor diesen aber wieder, weil er den Zeitpunkt für das Abspiel verpasste. Einen Steilpass und einen Lupfer aus verdammt schwierigem Winkel später führte die Alemannia erneut. Was auch immer in der Kabine besprochen wurde – es war 18 Sekunden nach dem Wiederanpfiff Makulatur. Der RWE hatte Anstoß, gab den Ball aber sofort ab. Einen Steilpass in die Aachener Spitze wollte Alonso abgrätschen, was aber nur zu einer Verlängerung des Passes geriet und Schroers sagte frei vor Wienand mit seinem zweiten Tor ‚Dankeschön‘. Nun wurde es hart, erst recht, da die Roten in keiner Sekunde das kämpferische Niveau der Gastgeber erreichten. Warum eigentlich nicht? Wenn es nicht läuft, kann man doch zumindest auf physischer Ebene alles reinwerfen.
Eigentlich konnte es jetzt nur noch heißen, das Visier hochzuklappen, aber die Eier hatten weiterhin die Alemannen. Man darf auch die Frage stellen, warum Coach Koschinat wieder nicht frühzeitig reagierte. Woher kommt die Hoffnung, dass die Mannschaft plötzlich den Schalter umlegt? Dazu fällt mir das (nicht eindeutig) Albert Einstein zugeordnete Zitat ein „Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und dabei andere Ergebnisse zu erwarten“. Die Einwechslung von Bouebari für einen heute überforderten Brumme hätte ich gern früher gesehen. Es ist nicht so, dass die Hausherren, den RWE pausenlos in die Defensive drängten, aber auf Essener Seite ging im Spielaufbau und offensiv gar nichts, annähernd jede getroffene Entscheidung war falsch. Auch Wienand, der Golz schon oft stark vertreten hatte, strahlte keine Sicherheit aus, ohne dabei aber grobe Fehler zu machen. Die Aachener hatten die Kontrolle, schalteten schnell um, kombinierten flüssig und kochten den vermeintlichen Favoriten mit intensiver und couragierter Spielweise ab. Alles deutete auf einen hochverdienten Heimsieg hin. Eigentlich war es die gleiche Scheiße wie im Vorjahr, nur mit völlig anderer Ausgangslage.
20 Minuten vor dem Ende wechselte Koschinat dann den Game-Changer ein, allerdings wusste das zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Dickson Abiama, auf den letzten Drücker im Winter-Transferfenster aus Kaiserslautern ausgeliehen, erzielte mit einem humorlosen Strahl mit dem rechten Fuss aus 20 Metern aus dem Nichts fünf Minuten vor dem regulären Ende den Anschluss. Die Gastgeber mussten ihrer kraftraubenden Spielweise längst Tribut zollen, die Leistungsträger waren ausgewechselt worden und nun machte sich Unruhe in der Hintermannschaft breit. Vier Minute nach seinem ersten Treffer war Abiama Nutznießer einer schlecht verteidigten Freistoßflanke in der Aachener Box. Die Abwehr bekam die Murmel nicht geklärt, Abiama nutzte sein kurzes Schusszeitfenster mit dem Linken und lochte zum Ausgleich ein. Fußball ist ungerecht. Mir persönlich war das aber noch nicht genug. Die Alemannen waren platt und psychisch angeschlagen. Acht Minuten Nachspielzeit gab es und mit mutigem Spiel nach vorn, hätte man eventuell die Ungerechtigkeit noch komplett machen können. Aber die Roten zogen es vor, den Ball erst einmal zu kontrollieren und es gab nur noch zaghafte Versuche in Richtung des gegnerischen Tores. Gemessen an dem bis kurz zuvor präsentierten Geholze vielleicht auch keine ganz falsche Idee, um nicht doch noch selber den spielentscheidenden Fehler zu produzieren. So blieb es beim Remis. Zum Leben zu wenig, aber zum Sterben zu viel, daher bleibt der RWE dran an der Spitzengruppe. Will man sich da oben aber noch richtig reinbeißen, müssen mal ein paar Dreier am Stück produziert werden. Ich bleibe gespannt, aber nicht angespannt.

Maastricht – So., 08.02.2026, 14:00

RKSV Heer vs Geusselt Sport 1:0

Sportpark Laan in den Drink, 130 Zuschauer, 3e Klasse Zondag I Zuid 2
Am späten Vormittag schwebte ich wieder in Eindhoven ein. Die Zeit bis zum Nachmittagsspiel überbrückte ich mit diesem Kracher auf Provinz-Ebene. Um dieses sportliche Feuerwerk zu überstehen, war es natürlich zunächst notwendig den Energiespeicher mit einschlägigen frittierten Produkten aufzufüllen. Dritte Provinzklasse bedeutet achtklassig landesweit. Damit die Nummer auch garantiert schwer verdaulich war, empfing der Drittletzte den Letzten, der bis dahin erst drei Punkte auf der Habenseite verbucht hatte. Dennoch brachen sich die Gastgeber unheimlich einen ab, um schließlich doch noch den späten Siegtreffer zu erzielen. Hingucker der Anlage ist die über die gesamte Länge bemalte Rückseite der Tribüne.

Dunajska Streda – Sa., 07.02.2026, 18:00

FC DAC 1904 vs Sk Slovan Bratislava 0:3

DAC Arena, 9.301 Zuschauer, 1.Liga
Von Eindhoven nach Wien eingeflogen ging es mit Bus und Zug in die ungarische Diaspora der Slowakei. Mit dieser Spielpaarung hatte ich auch noch eine Rechnung offen. Mehrfach anvisiert konnte das Vorhaben eigenverschuldet wie unverschuldet bis heute nicht umgesetzt werden. Die aktuelle Tabellensituation verpflichtete aber beinahe dazu, die Reise nun anzustrengen, denn der DAC spielt eine exzellente Saison, liegt beim besseren Torverhältnis nur einen Punkt hinter Abonnement-Meister Slovan und hatte hier und heute die Chance, an diesem vorbeizuziehen und die Tabellenspitze zu übernehmen. Entsprechend groß war das Interesse, knapp 10.000 Zuschauer sind für ein Meisterschaftsspiel in der Slowakei beinahe herausragend. Das neue Stadion befindet sich am selben Standort das alten. Der Umbau wurde während des laufenden Spielbetriebes realisiert und 2019 abgeschlossen. Als Reminiszenz an das alte Stadion blieb das betagte Eingangstor erhalten. Neben der sportlichen Brisanz unterliegen die Spiele dieser Mannschaften gegeneinander aber auch noch ethnischen Differenzen. Die Grenzregion zur Slowakei wird mehrheitlich von ungarisch-stämmigen Menschen bewohnt, die sich in einer ständigen Konfliktsituation mit den Slowaken befinden. Das überträgt sich auch auf die Fußballspiele und da Dunajska Streda zu 80% von Magyaren bewohnt wird, während in Bratislava mehr als 95% Slowaken leben, ist auch dieses Thema bei den Spielen präsent. Hinzu kommt, dass beide Volksgruppen stark nationalistisch geprägt sind. Entsprechende Schlachtrufe sind natürlich obligatorisch.
Optisch machte sich das dadurch bemerkbar, dass ein Teil der Heim-Fans die ungarischen Farben für die Kleidungs- und Fanartikel-Wahl bevorzugte und das Blau-Gelb des Vereins vernachlässigte. Der Slovan-Anhang, der sämtliche 696 ihm zur Verfügung gestellten Karten – exakt das offizielle Fassungsvermögen des Gästeblocks – nutzte, unterstrich seine Meinung dazu gute zehn Minuten nach dem Anstoß mit einer stattlichen von einigen Blinkern unterlegten Rauchwand in den Farben der slowakischen Nationalflagge. Die immense Rauchentwicklung hatte eine beinahe 15-minütige Spielunterbrechung zur Folge. Die DAC-Kurve hatte bei Ihrer Choreo auf nationalistische Aspekte verzichtet weitestgehend verzichtet und die Kurve mittels Ponchos und kleinen Fähnchen in die Vereinsfarben getaucht aus denen dann eine blaue und gelbe Rauchsäule aufstiegen. Als diese sich auflösten, wurden ebenfalls einige Blinker entzündet. Lediglich der ungarische Name der Stadt wurde auf einem Banner präsentiert, was aber nicht verwerflich ist, da der Gebrauch der ungarischen Sprache in Gemeinden mit einem ungarischen Bevölkerungsanteil von mehr als 15% gesetzlich legitimiert ist. So findet man auch sämtliche Verkehrsschilder, Ortsnamen, Bezeichnung von öffentlichen Gebäuden zweisprachig vor. Auch „Ria-Ria-Hungaria“-Rufe hallten durch die Arena.
Der Slovan-Block hatte gerade die Rauchtöpfe angerissen, als der frühe Führungstreffer für die Gäste fiel, den aber eben ein Großteil des Slovan-Anhangs gar nicht gesehen haben dürfte. Zeit, den Treffer zu feiern, war ja dann aufgrund der Unterbrechung genug. Nachdem es weiterging, bekam der DAC dann kurz darauf einen Strafstoß zugesprochen, der aber kläglich vergeben wurde. Aber die Gastgeber blieben dran, waren jedoch nicht zielstrebig genug. Der DAC machte das Spiel, die Slovan-Fans die Stimmung, denn diese waren deutlich lauter als die Heim-Kurve. Kurz vor der Pause, konnte sich der DAC-Schnapper nur noch eines Fouls behelfen, um einen Slovan-Stürmer zu stoppen, der nach einem völlig irrsinnigen Kopfball-Rückpass eines Verteidigers von der Mittellinie mit der Kirsche allein auf ihn zu jagte und nach dem fälligen Elfer hieß es 0:2. Als es dann drei Minuten nach der Pause einen Platzverweis gegen die Gastgeber gab, war das Spiel vorentschieden und spätestens nach dem dritten Slovan-Treffer kurz darauf ganz durch. Damit war die Luft dann auch raus und die Partie eierte zu Ende und ich dann mit der Bimmelbahn ins Nachtquartier nach Bratislava.

Nea Filadelfia – Sa., 01.02.2026, 21:00

AEK Athína vs PAE Olympiakos Peiraios 1:1

Stadio Agia Sofia, 31.100 Zuschauer, Super League
Es war aber alles im Lot, eine halbe Stunde vor dem Kick-Off trafen wir am ‚Stadio Agia Sofia ein‘, dem neuen Stadion von AEK, welches leider schon unmittelbar nach seiner Geburt vor etwas mehr als drei Jahren seinen Namen an einen Sponsoren verlor. Der Neubau ersetzt das kultige ‚Nikos Goumas‘, das, an gleicher Stelle stehend, schon 2003 abgerissen wurde. In der Zwischenzeit musste AEK im ungeliebten Olympiastadion antreten. Athlitiki Enosis Konstantinoupoleos bedeutet das Kürzel AEK. Gegründet wurde der Club von griechisch-stämmigen Flüchtlingen, die während des türkisch-griechischen Krieges aus Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, fliehen mussten. Damit besteht eine Parallele zu PAOK aus Thessaloniki. Wie bereits angedeutete, wird das Abbrennen von Pyrotechnik seit einigen Monaten hart bestraft. Umso überraschter war ich, dass es heute eigentlich dauerhaft irgendwo brannte, da die AEK-Kurve um ‚Original 21‘ ja erst beim vorherigen Heimspiel gezündelt hatte. Noch vor dem Einlaufen der Teams erstrahlte die Kurve im Lichte unzähliger roter und gelber Fackeln, was natürlich eine starke Rauchentwicklung zur Folge hatte. Als die Teams den Rasen betraten, wurde direkt die nächste Batterie Bengalos entzündet, die aber gar keine Wirkung mehr entfalten konnte, da der Innenraum vollständig verqualmt war und die Leuchtstäbe nur noch schemenhaft durch den Nebel blinzelten.
Erst mit zehn Minuten Verspätung wurde der Kick daher vom holländischen Referee angepfiffen. Da sich die unterlegenen Teams in den Top-Spielen und Derbys in der Vergangenheit regelmäßig am Schiedsrichter abgearbeitet haben, werden seit einiger Zeit ausländische Referees eingesetzt, um Bestechungsvorwürfen von vornherein den Boden zu entziehen. Der AEK-Anhang zeigte sich dann gut aufgelegt. Im Gegensatz zur PAO-Szene am Spätnachmittag setzte ‚Original 21‘ auf eingängige, kurze Lieder und auf knackige Anfeuerungsrufe. Machte durchaus Sinn, um das Potential der Kurve abzurufen, die ja aus tausenden Köpfen besteht, anstelle sich in irgendwelchen verliebten getragenen Gesängen zu verlieren. Wenn die gegenüberliegende Kurve und auch Zuschauer auf den Geraden einstiegen, wurde es ohrenbetäubend laut. Es bleibt graue Theorie, aber wenn bei diesem Spiel Gäste-Fans erlaubt gewesen wären, wäre das eine absolute Bombe gewesen. Was nicht heißen soll, dass es schlecht war, aber mit einem visuell wahrnehmbaren Gegner, wären sicher auch noch die letzten fehlenden Prozente rausgekitzelt worden. AEK hatte ein Spiel mehr absolviert und einen Punkt Vorsprung.
Ein Sieg war also nötig, um die Tabellenspitze unmissverständlich zu sichern. Und die Gastgeber legten gut los und waren in der Anfangsviertelstunde das bessere Team, ohne aber im Strafraum gefährlich zu werden. Überhaupt waren Torraumszenen in der ersten Spielhälfte Mangelware. Olympiakos riss das Spiel dann nach und nach an sich und eine 150prozentige Torchance blieb ungenutzt, aber auch AEK ließ seine einzige gute Chance liegen. Die zweite Halbzeit zeigte kein großartig anderes Bild aber als der erst zwei Minuten zuvor eingewechselte ungarische Nationalspieler Varga einen Eckball quasi aus dem Nichts zur Führung für die Schwarz-Gelben einköpfte, gab es kein Halten mehr und die Kurve erstrahlte zum dritten Mal in Rot und Gelb. Nun war es ein anderes Spiel. Mit neuem Selbstvertrauen waren die Gastgeber nun auf Augenhöhe. Eine Tätlichkeit eines Olympiakos-Spielers ahndete der Referee nur mit einer Gelben Karte, wobei das ‚Opfer‘ auch etwas theatralisch zu Boden ging, aber die Szene ließ die Gemüter beinahe überkochen. Bei einer Doppel-Chance hatte AEK die Möglichkeit das Spiel zu entscheiden. Der Gäste-Schnapper mit einem Wahnsinns-Reflex und die Querlatte beim Nachschuss hatten aber was dagegen und so hielt sich die Spannung bis in die Schlussphase. Olympiakos rannte mit dem Mute der Verzweiflung an, kam aber zu keinen großen Torchancen.
Elf Minuten Nachspielzeit gab es und kurz vor dem Ende dieser kam es zu einer irrsinnigen Szene im Strafraum der Gastgeber. Vier Torschüsse in Folge wurden geblockt, Torwart und Verteidiger warfen sich erfolgreich in alles rein was von der Gäste-Offensive abgesendet wurde. Das Spiel lief kurz weiter und wurde aufgrund eines Fouls zugunsten von AEK unterbrochen. Dann fasste sich aber der Schiri ans Ohr, wurde an den Bildschirm gebeten und entschied schließlich auf Elfmeter für die Gäste. Beim Eindringen in den Strafraum hatten sich Stürmer und Verteidiger gegenseitig ein wenig gehalten, der Abwehrmanne vielleicht etwas mehr, es war jedenfalls eine sehr mutige Entscheidung in diesem Hexenkessel. In Deutschland hätte man wieder vom Bayern-Massel gesprochen, denn ungefähr diesen Status hat Olympiakos in Griechenland. Nach minutenlangen Diskussionen blieb der Iraner Taremi mit seiner peinlichen Rückennummer 99 cool, verwandelte und war sich nicht zu schade die eh schon kochenden Massen mit der Finger-auf-den-Mund-Geste zu provozieren. Auch andere Spieler gestikulierten ins Publikum und als Folge regnete es Plastikflaschen und alles andere was greifbar war auf die vor ihrer Teambank feiernden Gäste-Akteure. Im Nachhinein wurde AEK dann mit Zuschauerausschluss für ein Heimspiel bestraft, aber eben für das Werfen der Gegenstände, nicht für den massiven Pyro-Einsatz. Auch ein Spieler von Olympiakos bekam eine Sperre aufgebrummt, weil er – Achtung! – einen Regenschirm ins Publikum zurückgefeuert hat. Ganz normales Spielerverhalten in Griechenland… Wir fuhren mit der Metro zurück zur Unterkunft, ließen den Tag und das Topspiel noch bei einem Bierchen sacken, bevor sich die Teilnehmer der Reisegruppe am Folgetag mit verschiedenen Flügen auf die Heimreise machten.

Athen – So., 01.02.2026, 17:30

Panathinaikos AO vs AE Kifisia 3:0

Stadio Apostolos Nikolaidis, 5.516 Zuschauer, Super League
Es passte so gerade eben. Hinter der Haupttribüne aus dem Taxi gesprungen, war ein kleiner Dauerlauf um das Stadion erforderlich, um den richtigen Eingang zu erreichen und soeben zur in allen Stadien abgehaltenen Schweigeminute im Gedenken an die verstorbenen PAOK-Fans auf den Rängen zu sein. Als ich am späten Freitag-Nachmittag in Athen eintraf, verließ ich am ‚Apostolos Nikolaidis‘ Metro, um das letzte Tageslicht für eine kleines Fotoshooting zu nutzen. Die Stadionwände, die umliegenden Häuser und Mauern sind mit zahlreichen Graffiti versehen und geben dem Viertel eine deutliche Identität. Da das Stadion in seinen Innereien die Räumlichkeiten für viele Sparten des Vereines beherbergt, gibt es unheimlich viel Aktivität und man muss schon ein wenig aufpassen, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen und sich letztlich nicht einer Fragerunde stellen zu müssen. Ultra-Gruppen reagieren ja in der Regel allergisch auf zu hohes fremdes Interesse und den Mitgliedern der Tischtennis-Abteilung hätte ich Fragen ja ohne Hemmungen beantwortet, bei der Box-Staffel war ich mir da nicht sicher. Ziemlich genau mit dem Anstoß setzte Regen ein, der dann auch für den Rest des Tages nicht mehr aufhörte. Das war aber sicher nicht der Grund für die schwache Zuschauerzahl. Der wenig interessante Gegner aus der Athener Agglomeration trug natürlich seinen Teil bei, aber der hauptsächliche Grund dürfte der schlappe Saisonverlauf sein, denn PAO liegt beinahe 20 Punkte hinter dem Tabellenführer. Darüber hinaus hat die Kurve um ‚Gate 13‘ interne Probleme. Das alles offenbarte uns in Summe eine dünn besiedelte Kurve mit großen Lücken. Dennoch erreichten die im Verhältnis wenigen aktiven Leute eine teilweise erstaunliche Lautstärke. Zu gern hätte ich hier mal ein Spiel vor vollen Rängen gesehen.
Sportlich war das auch wieder nicht überragend. Nach einigen Mühen in den ersten zwanzig Minuten bekamen die Gastgeber mit dem Führungstreffer endlich Kontrolle über das Geschehen und schossen in der Schlussphase schließlich einen deutlichen Sieg heraus. Das enge Stadion versprüht irgendwie unwiderstehlichen Charme, besonders ist, dass die beiden Kurven die überdachten Geraden überragen. Die Kurve um ‚Gate 13‘, deren Stufen mit dem Ultra-Logo bemalt sind, ist noch etwas höher als die gegenüberliegende Tribüne. Die PAO-Fans ließen sich vom fiesen Wetter nicht beeindrucken und lieferten gemessen an der schwachen Zuschauerzahl eine solide Vorstellung ab. Die ereignisreiche Schlussphase und der immer stärker werdende Regen befeuerten das Geschehen in der Kurve, die noch einmal ordentlich aufdrehte. Der Stil der griechischen Kurven ist durchaus unterschiedlich voneinander. Wie zum Beispiel Aris auch, setzt ‚Gate 13‘ oft auf länger getragene, teils melodische Gesänge, verzichtet also weitestgehend auf brachiale Schlachtrufe, was aber, wie schon skizziert, nicht bedeuten muss, dass es nicht laut werden kann in der alten Schachtel. Einige Minuten nach dem Schlusspfiff verließen wir das schöne, alte Teil. Bis zum letzten Spiel des Tages hatten wir nun einen bequemen Zeitpuffer. Das war letztlich auch nötig, da uns die die Taxi-Gilde wieder einiges an Geduld abverlangte.

Athen – So., 01.02.2026, 15:00

GS Apollon Smirnis vs AO Trachonon Alimou 2:0

Stadio Georgios Kamaras, 400 Zuschauer, A-EPS Athen Gruppe 2
Das zweite Spiel des Tages lag einen etwas mehr als halbstündigen Fußmarsch entfernt, der uns über die Stadtgrenze zurück nach Zentral-Athen führte. Es blieb noch genügend Zeit, um unterwegs in einem Grillrestaurant einzukehren und sich für den weiteren Tagesablauf zu stärken. Neues Spiel aber dieselbe Liga wie beim vorherigen Kick. Apollon Smyrnis, benannt nach dem Sonnengott, ist ein Club mit einer vor allem in der etwas jüngeren Zeit recht bewegten Geschichte. Vor 30 Jahren spielte der Club gar im Europapokal und stand im griechischen Pokalfinale. Danach ging es innerhalb weniger Jahre bergab bis in die vierte Liga, aber dann auf ebensolche Weise wieder hoch bis in die Super League. Nach ein bisschen Auf und Ab stieg der Club im ersten Corona-Jahr letztmalig in die höchste Spielklasse auf, danach ging es im freien Fall wieder hinab bis in die höchste Regionalklasse. Dort scheint nun der erneute Turnaround stattzufinden, denn Tabellenführer Apollon empfing an einer verdammt engen Spitzengruppe den Dritten der Rangliste. Mit einem verdienten Heimsieg konnte der Platz an der Sonne behauptet werden.
Eine aktive Gruppe von 30-35 Leuten hält dem Verein auch in den Niederungen des griechischen Ligasystems die Treue und machte Stimmung und auch einige pyrotechnische Elemente wurden in gasförmige Stoffe aufgelöst. Das deutlich in die Jahre gekommene Stadion ist natürlich eine Wucht, leider war nur die Haupttribüne geöffnet, so dass ein ausgiebiges Herumschleichen nicht möglich war. Es handelt sich um eine U-Form, wie es in Griechenland erstaunlich häufig der Fall ist, bedeutet also, dass hinter einem Tor der Ausbau fehlt. Beim ‚Georgios Kamaras‘ steht hinter der Ausbau-losen Seite eine Sporthalle. Das Stadion gammelt in aller Ruhe vor sich hin. Irgendwer stellt Geld für eine Infrastruktur bereit und dann wird diese solange benutzt, bis sie kaputt ist. So erklärte Tim mir einmal die hiesige Verhaltensweise. Wirklich kaputt ist das Stadion natürlich noch lange nicht, aber es gibt natürlich schon einige Stellen, die sich über eine Sanierung freuen würden. Der Bauch der Haupttribüne beherbergt eine traumhafte Stadionkneipe, die mit vielen Holzelementen beinahe an einen britischen Pub erinnert. Nach dem Schlusspfiff mussten wir uns zügig zum nächsten Kick aufmachen, das Zeitpolster war eng und wurde durch unfähig herumirrende Uber-Fahrer unangenehm verknappt.

Nea Ionia – So., 01.02.2026, 11:30

PAO Alsoupoli vs Irakleio AE 1:0

Dimitiko Stadio Nea Ionia, 100 Zuschauer, A-EPS Athen Gruppe 2
Wie die erste Nacht war auch die zweite zu kurz, aber Schlaf wird auf  den Touren ja eh überbewertet. Der Sonntag sollte es in sich haben, zumindest in Blickrichtung Fußball. Das hatte aber nichts damit zu tun, dass der glorreiche RWE heute seinen 119. Geburtstag feierte, sondern dass vier Spiele auf dem Zettel standen und vorher wollte noch der Schlüssel des Miet-Vehikulums zurückgegeben werden. Obwohl ich das Hobby ja schon einige Monde pflege, kann ich gar nicht sagen, ob ich schon mal vier Spiele an einem Tag geschaut habe. In Tschechien vielleicht mal? In Buenos Aires bin ich jedenfalls aufgrund eines unzuverlässigen Taxista mal am Vierer des Todes gescheitert. Den Opener machte diese Partie der höchsten Regionalliga Athens. Super League und Super League 2 organisieren sich selbst durch entsprechende Liga-Verbände, die ‚Gamma Ethniki‘, die dritte Liga, wird durch den griechischen Fußballverband geleitet. Darunter gibt es dann unzählige, gleichgestellte regionale Verbände, die jeweils ihren Spielbetrieb organisieren. Alsoupoli nutzt das Stadion des Drittligisten Nea Ionia, dessen Ultra-Gruppe die Stadion-Mauer mit einem fetten Graffiti versehen hat. Nea Ionia gehört schon nicht mehr zu Zentral-Athen, sondern ist eine eigene (Vor-)Stadt. Die Gastgeber gingen als Tabellenschlusslicht in die Partie, was sie unabhängig vom Endergebnis auch bleiben sollten. Die Gäste aus der unmittelbar benachbarten Vorstadt Irakleio hatten sich den Verlauf der Veranstaltung sicherlich anders vorgestellt, nach 90 Minuten hatte die Alsoupolis nämlich den erst zweiten Sieg der Saison unter Dach und Fach. Kurz nach Anpfiff öffnete sich der Wolkendecke und wir konnten den Warm-up bei Sonnenschein und einer Büchse Bier in aller Ruhe genießen.

Agrinio – Sa., 31.01.2026, 17:00

Panetolikos vs PAE Aris 0:1

Stadio Panetolikou, 1.755 Zuschauer, Super League
Was war das wieder für ein Drama mit diesem Wochenende – Griechenland ist und bleibt einfach eines der unberechenbarsten Fußballländer Europas! Um die Weihnachtszeit wurde der Plan zu dieser Reise geschmiedet, da ich mit dem alten Nikolaidis-Stadion von Panathinaikos noch ein Thema offen hatte. Auch dazu gibt es eine Geschichte. Als ich die alte Rammelbude vor ziemlich exakt elf Jahren besuchen wollte, hatte der griechische Verband die ‚Super League-Spiele‘ des anvisierten Spieltages kurzfristig abgesetzt. Der Grund waren wiederholte Ausschreitungen und als i-Tüpfelchen eine Schlägerei zwischen Funktionären von Panathinaikos und Olympiakos während einer Sitzung des Liga-Vorstandes. Dit is Griechenland! Griechenland wäre aber nicht Griechenland, wenn die Absetzung nicht kurz vor dem Wochenende wieder rückgängig gemacht worden wäre, allerdings wurde nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit gekickt. Wir fuhren am Spieltag trotzdem zum Stadion, um uns mal ein Bild vom Geschehen zu machen. Die dort aufgestellte Großbildleinwand, mit der man die Fans am Spiel teilhaben lassen wollte, war aber leider nur eine Kleinbildleinwand. Vor Ort gemachte einheimische Bekanntschaften nahmen uns mit auf das Dach eines heruntergekommenen Wohnblocks hinter der Haupttribüne, von dem wir versuchten, einen Blick ins Stadion zu werfen. Völlig sinn- und erfolgsbefreit, dafür aber wenigstens lebensgefährlich, erst recht nach und bei dem Genuss einiger bewusstseinserweiternder Getränke. Verdiente sich aber immerhin einen Eintrag in das persönliche Geschichtsbuch. 
Da Panathinaikos – oder PAO, wie der Club nach seinem Kürzel genannt wird – nun aber an einem neuen Stadion werkelt, das mittelfristig fertig sein wird und da das gute alte ‚Nikolaidis‘ dann Geschichte ist, war es endgültig an der Zeit, die alte Scharte mal auszuwetzen. Dieses Wochenende bot für den Sonntag die attraktive Konstellation am späten Nachmittag PAO beim Kräftemessen mit Kifisia, dem leider unattraktiven Gegner aus der Athener Agglomeration, zu beobachten und am Abend dann das Topspiel zwischen AEK und Olympiakos zu besuchen. Es stellte sich heraus, dass weitere bekannte Gesichter der Bewegung dasselbe vorhatten, was einen unterhaltsamen Trip in Aussicht stellte. Für den Samstag hatte ich mich mit Exil-‚Grieche‘ Tim aus Thessaloniki, der beruflich in Athen zu tun hatte, für den Besuch des Auswärtsspieles von Aris bei Panetolikos in Agrinio verabredet. Nachdem die Flüge gebucht waren, ‚glänzte‘ Tim dann mit der Information, dass dem Topspiel eine Verlegung drohte. Malakka! Das war jedoch kurz danach wieder vom Tisch, dafür war nun aber das Heimspiel von PAO im ‚Nikolaidis‘ in Gefahr, da der Rasen schwächelte und deshalb ein Ausweichen ins Olympiastadion im Raume stand. Wat ein Stress!
Erste Hürde war aber die Kartenbeschaffung für das AEK-Spiel. Tickets gab es mit Verkaufsbeginn nur ab 60 Euro. In einer kurzen Phase, in der Tickets für knapp über 50 Euro erhältlich waren – immer noch mehr als genug – war ich leider verhindert und als ich zuschlagen wollte, waren diese vergriffen und es gab nur noch einzelne Plätze für 90(!) Euro. Absolut keine Option! Kurz darauf wurde dann ‚sold out‘ gemeldet. Aber irgendwie kommt man ja immer rein und die einfachste Option aus dieser Kategorie zog auch unproblematisch. Es dauerte dann bis in die Woche vor dem Spiel, dass PAO durch die Öffnung des Vorverkaufes erahnen ließ, dass die Partie am angestammten Spielort stattfinden würde. Damit war nun endlich alles klar. Allerdings nur für wenige Stunden. Dann wurde Fußball-Griechenland über seine Grenzen hinaus durch die Meldung geschockt, dass sieben Fans von PAOK Saloniki auf dem Weg zum Europapokal-Spiel in Lyon bei einem verheerenden Frontalaufprall ums Leben kamen. Ein achter Anhänger verstarb in den Tagen nach dem Unglück. Der Verein und der griechische Verband versuchten daraufhin eine Verlegung des Spieles zu erreichen. Die – sorry, und nein, nicht sorry! – gottverdammte, dreckige UEFA-Mafia dachte aber natürlich nur ans Geschäft und lehnte ab. Nur meine leidlich gute Erziehung verbietet mir, UEFA-Obergauner Ceferin und seinen Motherfucker-Funktionärs-Schergen, die nicht einen Funken Anstand in ihren verknitterten Leibern tragen, ein ähnliches Schicksal zu wünschen, wie den PAOK-Jungs.
Die Griechen sind ein stolzes Volk und fühlten sich zurecht abserviert. Als Folge stand eine Aussage des Sportministers im Raum, als Zeichen der Kondolenz und des Respekts, den gesamten Spieltag der ‚Super League‘ abzusagen. Moralisch hätte ich dafür Verständnis gehabt, aber natürlich traf diese Meldung bis ins Mark. Soweit die Vorgeschichte. Eine letzte, kleine Unsicherheit blieb noch, als ich am Freitagmorgen mit dem Kranich über Frankfurt nach Athen reiste, aber die Anzeichen für ein Stattfinden des Spieltages verdichteten sich. Und ohne dass der Absage-Idee jemals eine öffentliche Absage erteilt wurde, war dem dann auch so. Am Freitag in Athen eingetroffen, ereignete sich nicht mehr vielm, außer dem Verzehr eines landestypischen Abendessens und ein paar Bieren im Kreise der Angereisten. Am Samstag-Morgen machten wir uns dann zu zweit auf den Weg nach Agrinio im Westen des Landes, während sich der Rest der Reisegruppe bei Spielen im Großraum Athen vergnügte. Drei Golfe ging es entlang, zunächst den Saronischen, den jenen von Korinth und schließlich den Golf von Patras. Als ob die Autobahn-Maut nicht schon teuer genug war, waren wir auf dem Hin- wie auf dem Rückweg zu blöde, die fette Brücke zu meiden, welche den Golf von Korinth vom offenen Meer trennt, und stattdessen die parallel verkehrende Autofähre zu nutzen. Anstatt nur 14 Euro für die Fähr-Überfahrt schlug die Unfähigkeit mit 32 Euro zu Buche – herzlichen Dank.
Agrinio liegt irgendwo im Nichts zwischen dem Panetoliko-Gebirge, welches dem Fußballverein seinen Namen spendet, und dem Ionischen Meer. Der Panetolikos Gymnnastikos Filekpaideftikos Syllogos, so heißt der Club mit vollem Namen, bei dem der griechische Fußball- und Volksheld Angelos Charisteas, Torschütze des Siegtreffers bei dem EM 2004 in Portugal, seine Karriere ausklingen ließ, ist ein Fußballclub ohne Ansprüche, der damit zufrieden sein dürfte, in der höchsten Spielklasse mitmischen zu dürfen und das inzwischen als langjähriger Teilnehmer. Gäste-Anhänger waren für diese Partie offiziell nicht erlaubt. Das ist ja eh ein schwieriges Thema bei den Hellenen. Bei den Spielen der großen Vereine untereinander sind Gäste-Fans eh tabu, da der Grieche an sich seine Emotionen in Stresssituationen nicht unter Kontrolle bekommt. Anders ist es, wenn die ‚Kleinen‘ zu den ‚Großen‘ reisen und umgekehrt. Dann kommt es zu Einzelfall-Entscheidungen. Zunächst obliegt dem gastgebenden Verein den Daumen zu heben oder zu senken, das letzte Wort hat meist die örtliche Polizei-Institution. Bei Vereinen, deren Fanszenen sich wohlgesonnen sind, geht das oft durch. Dieses ist bei den heute aufeinandertreffenden Clubs der Fall. Allerdings befindet sich das Stadion in Agrinio in einer Umbauphase, die noch nicht final abgeschlossen ist. Zwar ist der Ausbau der Gästeblock-beherbergenden Gegentribüne prinzipiell fertig, jedoch nicht der Innenausbau dieser, so dass es aktuell keinen ausgewiesenen Away-Bereich gibt. Für knapp drei Dutzend Aris-Anhänger wurde daher auf der Haupttribüne ein kleiner Bereich abgetrennt und von der Staatsmacht gesichert, so dass zumindest ein symbolischer Gäste-Haufen anwesend war.
Das Stadion besteht aus drei Tribünen – Haupttribüne, Gegentribüne und einer trapezförmigen Hintertor-Tribüne, mit einer etwas gewagten Dachkonstruktion. Hinter dem anderen Tor befindet sich lediglich der Kabinentrakt, mehr Platz ist dort schlicht nicht vorhanden. Hinter dem Tor haben die ‚Warriors of Gate 6‘ ihren Platz. Etwa 80 Leute waren unter optischer Zuhilfenahme von drei größeren Schwenkern bemüht, ihre Mannschaft anzufeuern. Die Aris-Leute hatten ein paar kleinere Lappen an der Balustrade befestigt und sangen während des ganzen Spieles, sehr inbrünstig wirkte das aber nicht. Mag auch am bescheidenen Spiel gelegen haben. Panetolikos dezimierte sich bereits nach gut 20 Minuten selbst durch einen Platzverweis nach VAR-Überprüfung. Von einer personellen Überlegenheit der Gäste merkte man aber rein gar nichts. Bei einem äußerst schwachen Spiel-Niveau blieben Torchancen auf beiden Seiten Mangelware. Erst zehn Minuten vor dem Ende erzielte Aris den Treffer des Tages, als bei den Gastgebern die Kräfte schwanden. Der Rückweg nach Athen war wenig spektakulär und nach Ankunft verzogen wir uns für den Tagesabschluss noch für ein Stündchen in einer nahe an der Unterkunft liegenden Bar.