Meerbusch – So., 22.02.2026, 16:30

TSV Meerbusch vs DJK Adler-Union Frintrop 2:1

Theodor-Mostertz-Sportanlage, 120 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Bei äußerst bescheidenem Wetter mussten die Adler vom Frintroper Wasserturm die schwere Auswärtsaufgabe beim zuletzt stark aufspielenden TSV Meerbusch bewältigen. Die Adler kamen gut in die Partie und konnten durch einen berechtigten Foulelfmeter früh die Führung erzielen. Der Kick blieb danach ausgeglichen, den Gastgebern gelang es nicht, Druck auszuüben. Wenn die Gäste dann nach gut einer Stunde die große Möglichkeit zum Ausbau der Führung genutzt hätten, wären sie vermutlich als Sieger vom Platz gegangen. Stattdessen markierten die Gäste kurz danach den Ausgleich und erzielten eine Viertelstunde vor dem Ende sogar noch den letztlich nicht unverdienten Siegtreffer. Leider muss man sagen, denn abgesehen von meiner aktiven Adler-Vergangenheit und damit verbundener Sympathie für diesen Verein, hätte der TSV schon aufgrund seines asozialen Publikums nichts Zählbares holen dürfen. Eine Gruppe von etwa zehn bis zwölf Leuten, darunter der Platzsprecher, war während der zweiten Hälfte durchweg damit beschäftigt, den Adler-Torwart zu beleidigen und mit blöden Zurufen zu bedenken, ohne dass dieser sich etwas hatte zu Schulden kommen lassen. Fußball ist kein Ballett und auch auf Amateur-Ebene darf es ein paar markige Sprüche und Emotionen geben, aber was diese Leute sich geleistet haben, war definitiv drüber.

Osnabrück – Sa., 21.02.2026, 14:00

VfL Osnabrück vs Rot-Weiss Essen 3:0

Stadion Bremer Brücke, 15.022 Zuschauer, 3.Liga
Mit dem Spiel in Osnabrück startete der glorreiche RWE in das erste von zwei aufeinanderfolgenden äußerst anspruchsvollen Auswärtsspielen. Für Fußball-Nostalgiker ist das Stadion ‚Bremer Brücke‘ mit seinem Standort mitten im Wohngebiet immer eine Reise wert. Obwohl die alte ungedeckte Stehtribüne auf der Nordseite in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends einer modernen überdachten Sitzplatztribüne weichen musste und die Haupttribüne einen VIP-Bereich erhalten hat, konnte die Hütte ihren 80er-Jahre-Charakter erhalten. Allerdings wird das Stadion bald einen umfassenden Umbau erfahren, nach dessen Abschluss keine Tribüne mehr im alten Zustand sein und das Stadion dennoch sein grundlegendes Aussehen behalten wird. Immerhin konnte der Verein einen Neubau verhindern und den traditionellen Standort wahren. Mit 67 Millionen Euro, die sicherlich bedingt durch sich entwickelnde Materialkosten eher größer ausfallen werden, sind die Kosten für einen Umbau üppig. Höchste Zeit wird es jedenfalls. Vor gut zwei Jahren büßte die Ostkurve, Heimat der aktiven VfL-Fans, bereits ihr Dach aufgrund struktureller Schäden ein.
Nur ein Tor Unterschied bei Punktgleichheit trennten beide Clubs. Oder Wie es Coach Koschinat ausdrückte „Mehr Augenhöhe geht kaum“. Und doch gab es einen eklatanten Unterschied, denn der VfL stellt die beste Abwehr der Liga, während der RWE zu den Teams mit den meisten Gegentoren in der oberen Tabellenhälfte gehört. Auch wenn dafür eben mehr Tore erzielt werden, ist ja die alte Regel bekannt, dass der Angriff Spiele gewinnt, die Abwehr jedoch Meisterschaften. Torspektakel sind schön, ich stehe aber durchaus auf eine stabile Offensive. Die rot-weisse Ultra-Szene eröffnete die Partie mit einem Gedenk-Banner an ein an den Folgen eines Unfalls verstorbenes Mitglied der Szene von Austria Wien. Während sich der VfL dann mit begrenztem Erfolg um eine Anfangsoffensive bemühte, suchte der RWE noch seine Rolle im Spiel. Nachdem Wienand einen gefährlichen Fernschuss entschärft hatte, verzeichneten die Roten nach 15 Minuten ihre erste Chance. Hofmann semmelte den von Safi clever von der Grundlinie an die Strafraumgrenze gespielten Pass aber am rechten Pfosten vorbei. Dann war wieder Wienand im Blickpunkt bevor zunächst Alonso nach einem Brumme-Einwurf und dann Brumme selbst die Chance zur Gäste-Führung hatten. Chancen gab es also hüben wie drüben, aber die Gastgeber machten insgesamt den sichereren, reiferen Eindruck. Zwar standen die Roten hinten gut, das ungenaue, zerfahrene Offensivspiel entwickelte sich dafür aber zielsicher zum Gegurke. Dass der tiefe und teilweise grashalmbefreite Boden eine Katastrophe war, darf keine Ausrede sein, damit kamen die Lila-Weissen auch irgendwie klar.
Im wahrsten Sinne das Highlight der ersten Spielhälfte war sicherlich der Abschluss von Abiama, der die Murmel gleich mal über die Heimkurve aus dem Stadion drosch. Der Ball liegt jetzt wohl irgendwo neben dem, den Uli Hoeneß im EM-Finale 1976 in Belgrad in die Erdumlaufbahn geschossen hat. Kurz vor dem Pausenpfiff klingelte es dann doch noch für die Gastgeber. Nach einem Sippenstellungsfehler der gesamten RWE-Defensive, die sich bei einem weiten Torabstoß viel zu hoch positionierte, kam Abwehr-‚Rakete‘ Schultz nicht hinter dem schnellen Meißner her, der ihm auf dem linken Flügel komplett davonrannte. Dessen Schuss aus spitzem Winkel parierte der heute starke Wienand, aber den Nachschuss von Badjie zur Führung konnte niemand mehr verhindern. Durchgang Zwei brachte keine Besserung. Nachdem sich beide Mannschaften eine Viertelstunde neutralisierten, erzielte Alsonso den Treffer zum Ausgleich, der aber wegen Abseits zurecht keine Anerkennung fand. Die danach vollzogenen offensiven Wechsel Janssen und Obuz für Abiama und Safi blieben komplett wirkungslos. Auch die spätere Hereinnahme von Cuber Potocnik und Müsel für Mizuta und Schulz brachte keinen Aufschwung, das Angriffsspiel blieb statisch und ideenlos. Zu diesem Zeitpunkt führte der VfL aber schon mit zwei Toren, nachdem es aus dem Gewühl heraus hinter Wienand einschlug. Keine zehn Minuten vor dem Ende hatten die Roten die Chance zum Anschluss. Brumme setzte sich stark durch, scheiterte aber aus schwieriger Position, mit dem Abpraller erschoss Müsel den VfL-Schnapper dann auf der Flucht. So kannst Du aus dem Nichts noch mal ins Spiel zurückkommen, geschah aber halt nicht und wäre auch nicht verdient gewesen.
Dass der Ex-Rot-Weisse Pröger in der Nachspielzeit einen typisch verrückten Pröger-Abschluss noch zum finalen Desaster in den Giebel knallte, war dann zu viel des Guten, aber auch nicht mehr wichtig. Dass der Austausch zwischen Fans und Mannschaft nach dem Abpfiff nicht auf meditativer Basis ablief, ist klar. Aber die Führungsspieler positionierten sich gegen das Gepöbel und das auch zurecht.Die Gefahr, dass eine Kluft zwischen Team und Fanszene entsteht, ist spürbar. Kritik ist okay, zumal die letzten Auftritte in der Fremde den kommunizierten Absichten deutlich hinterherhinkten und vor allem die Defensiv-Formation bedenkliche Aussetzer zeigte. Aber unter dem Strich bleibt der RWE die Mannschaft mit den wenigsten Niederlagen in der Liga, es war erst die vierte in der laufenden Spielzeit bei sicherlich zu vielen Remis. Natürlich ist es schade, dass die Roten in den letzten Wochen ständig die Möglichkeit liegenlassen auf die Aufstiegsränge zu springen und dennoch sind diese weiter greifbar. Das Anspruchsdenken im rot-weissen Umfeld ist derzeit einfach überhöht, erst recht, wenn man überlegt, wo der Verein in der jüngeren Vergangenheit herkommt. Das letzte Drittel der Saison beginnt gerade erst und in dieser entscheidenden Phase wird noch genug passieren. Natürlich ist die Mannschaft nun bei der ebenfalls kriselnden Hansa-Kogge irgendwie zum Punkten verdammt, wenn der Anschluss nicht verloren gehen soll, aber ein Missverhältnis zwischen Mannschaft und Fans wird die Chancen sicher nicht verbessern. Es geht nur gemeinsam, wenn das große Ziel erreicht werden soll. Next Stop ‚Ostseestadion‘.

Essen – Sa., 14.02.2026, 16:30

Rot-Weiss Essen vs SSV Jahn Regensburg 3:2

Stadion an der Hafenstraße, 16.027 Zuschauer, 3.Liga
Mit dem Jahn aus ‚Rengschburg‘ stellte sich mal wieder eine vermeintlich einfache Aufgabe. Aber – ich wiederhole mich – es gibt sie in dieser Liga nicht, die einfachen Gegner. Dennoch war ein Sieg unabdingbar, wenn der Aufstiegsanspruch des RWE bestehen bleiben sollte.  Die Gäste aus der Oberpfalz sind dagegen noch lange nicht von Abstiegssorgen befreit und müssen noch fleißig Punkte sammeln. Die Westkurve eröffnete mit einer kleinen Choreo zu Ehren ihrer Stadionverbotler. Aus Regensburg waren gut 300 Leute angereist. Die aktive Szene bertrat den Block aus mir unbekannten Gründen erst kurz vor dem Anstoß und lieferte unterstützt von ein paar Freunden von Blau-Weiß Linz und den Stuttgarter Kickers einen ordentlichen Auftritt ab. Der RWE hatte Anstoß und wählte erst einmal den Weg zurück. Über Gjasula, Brumme und Hüning fand der Ball den Weg zu Schlussmann Wienand, der noch nicht ganz auf der Höhe war, sich den Ball zu weit vorlegte und diesen an einen Regensburger verlor, der dann locker zur Führung einschob. Schnelle Gegentreffer nach eigenem Anstoß können wir. In der Vorwoche dauerte es nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit 16 Sekunden, heute nur noch deren 14. Die Defensive arbeitet halt an schnellen Lösungen. Dass die Abwehrreihe neu formiert war, darf nicht als Ausrede gelten. Das Gute war, dass weiterhin 90 Minuten zu spielen waren. Und so ackerten sich die Roten in die Partie und nach fünf Minuten gab es den ersten Aufreger, als Safi elfmeterreif im Strafraum gefoult wurde. Der nur wenige Meter entfernt stehende Referee hat beste Sicht auf das Geschehen, doch die Pfeife blieb stumm. Safi blieb heute ein Aktivposten, zwar weiterhin nicht torgefährlich, aber arbeitsintensiv mit guten Aktionen. Der ebenfalls von Beginn spielende Abiama konnte seinen Turbo-Auftritt vom letzten Wochenende dagegen nicht bestätigen und blieb blass.
Die Gäste versuchten mitzuspielen, das gelang auch phasenweise, insgesamt hatte der RWE aber das heimische Heft in der Hand. Brumme bekam dann nach einem von ihm selbst getretenen Eckstoß das Spielgerät auf Umwegen zurück, nahm von der Strafraumgrenze Maß und jagte das Teil zum verdienten Ausgleich in die Maschen. So ging es in die Pause. Nach dem Seitenwechsel hatte der Jahn ganz starke zehn Minuten mit einigen Abschlüssen. Aber man weiß ja… haust Du Dinger nicht rein, macht es irgendwann der Gegner. Über mehrere Stationen kam der Ball am Sechzehner zu Hofmann, der über eine feine Schusstechnik verfügt und diese nutzte, um die Kirsche aus halbrechter Position zur Führung ins lange Eck abzusenden. Nur ein paar Minuten später behinderten sich der Jahn-Schnapper und ein Verteidiger nach einem Brumme-Eckball gegenseitig. Alonso hieß der Nutznießer, der aus kurzer Distanz auf 3:1 erhöhte. Mitnichten die Entscheidung, denn die Gäste gaben sich nicht auf und verkürzten eine Viertelstunde vor dem Ende noch einmal. Die Regensburger erkämpften sich dann Eckball um Eckball – 8:15 lautete das Eckenverhältnis am Ende, wenn ich richtig aufgepasst habe – von denen aber die wenigsten gefährlich wurden. Da aber die Roten die Konterchancen nicht konzentriert ausspielten, blieb es spannend bis in die Nachspielzeit. In dieser hätte der Ex-Kölner Dietz zum Held für die Bajuwaren werden können, wenn sein Abschluss mit der Hacke nicht knapp über sondern unter die Querlatte geflogen wäre. So reichte es zu einem knappen Heimerfolg, aber auch der wird mit drei Punkten belohnt.

Aachen – So., 08.02.2026, 16:30

Aachener TSV Alemannia vs Rot-Weiss Essen 3:3

Tivoli, 27.862 Zuschauer, 3.Liga
Aachen – immer eine Reise wert? Grundsätzlich betrat ich den ‚Tivoli‘ ohne hohe Erwartungen. Die desaströse Heimbilanz der Gastgeber in der dieser Saison konnte mich jedenfalls nicht blenden. In den letzten dreißig Jahren gelang dem RWE in elf Spielen auf dem Tivoli gerade mal ein Sieg, dazu kamen abgezählte Punkteteilungen. Für die Alemannen ist dieses Spiel irgendwie wichtiger, als für den Deutschen Meister von 1955. Die Abneigung der Öcher Fans gegenüber denen der Roten ist ungleich größer als umgekehrt, das Spiel wird wie ein Derby behandelt. Aus rot-weisser Sicht ist es sicherlich auch eine Partie, in der es nicht nur um Punkte, sondern auch um viel Prestige geht, dennoch genießt der Kick aber keinen überhöhten Stellenwert. Das scheint sich eben auch auf dem Rasen abzulichten, ist aber möglicherweise nur ein hilfloser Erklärungsversuch, warum sich die Schwarz-Gelben schon beinahe als Angstgegner offenbaren. Tatsache ist, dass die Alemannischen aktiven Angestellten mehr zu brennen scheinen, als jene in Rot und Weiss. Auf dem Papier ging der RWE als klarer Favorit in diese Partie. Dass die Spieler diese Rolle nicht umsetzen konnten, war bereits nach fünf Minuten klar. Nach einer schönen Doppelpass-Kombi zwischen dem starken Gindorf und Stürmer Schroers stand es früh 1:0 für die Heim-Elf. Förderte nicht unbedingt das Selbstvertrauen des Gäste-Teams, dass danach seine Rolle bei dieser Veranstaltung suchte. Doch da Golz-Ersatz Wienand den zweiten Treffer für die Aachener vereiteln konnte und Mizutas Direktabnahme von der Strafraumgrenze ins Netz fand, stand es zur Halbzeit der ersten Spielhälfte überraschend remis. Hätte Sicherheit geben können. Bleibt aber der zweite Konjunktiv von ‚Haben‘ und die Partie veränderte sich. Nicht!
Bei den Rot-Weissen war derjenige, der den Ball hatte, die ärmste Sau, weil sich kaum jemand für ein Abspiel anbot oder schlicht nicht in der Lage war, den Raum dafür öffnen. Aber ein Maß an Selbstüberschätzung gehörte wohl auch dazu, dass der RWE aufgrund vieler individueller Fehler, aus denen Ballverluste entstanden, meist den Gegenspielern hinterherlief. Hatte vor dem ersten Treffer Mizuta leichtfertig den Ball verloren, schaffte es Brumme ein paar Minuten vor dem Pausenpfiff ebenso. Zunächst erkämpfte er sich stark den Ball, verlor diesen aber wieder, weil er den Zeitpunkt für das Abspiel verpasste. Einen Steilpass und einen Lupfer aus verdammt schwierigem Winkel später führte die Alemannia erneut. Was auch immer in der Kabine besprochen wurde – es war 18 Sekunden nach dem Wiederanpfiff Makulatur. Der RWE hatte Anstoß, gab den Ball aber sofort ab. Einen Steilpass in die Aachener Spitze wollte Alonso abgrätschen, was aber nur zu einer Verlängerung des Passes geriet und Schroers sagte frei vor Wienand mit seinem zweiten Tor ‚Dankeschön‘. Nun wurde es hart, erst recht, da die Roten in keiner Sekunde das kämpferische Niveau der Gastgeber erreichten. Warum eigentlich nicht? Wenn es nicht läuft, kann man doch zumindest auf physischer Ebene alles reinwerfen.
Eigentlich konnte es jetzt nur noch heißen, das Visier hochzuklappen, aber die Eier hatten weiterhin die Alemannen. Man darf auch die Frage stellen, warum Coach Koschinat wieder nicht frühzeitig reagierte. Woher kommt die Hoffnung, dass die Mannschaft plötzlich den Schalter umlegt? Dazu fällt mir das (nicht eindeutig) Albert Einstein zugeordnete Zitat ein „Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und dabei andere Ergebnisse zu erwarten“. Die Einwechslung von Bouebari für einen heute überforderten Brumme hätte ich gern früher gesehen. Es ist nicht so, dass die Hausherren, den RWE pausenlos in die Defensive drängten, aber auf Essener Seite ging im Spielaufbau und offensiv gar nichts, annähernd jede getroffene Entscheidung war falsch. Auch Wienand, der Golz schon oft stark vertreten hatte, strahlte keine Sicherheit aus, ohne dabei aber grobe Fehler zu machen. Die Aachener hatten die Kontrolle, schalteten schnell um, kombinierten flüssig und kochten den vermeintlichen Favoriten mit intensiver und couragierter Spielweise ab. Alles deutete auf einen hochverdienten Heimsieg hin. Eigentlich war es die gleiche Scheiße wie im Vorjahr, nur mit völlig anderer Ausgangslage.
20 Minuten vor dem Ende wechselte Koschinat dann den Game-Changer ein, allerdings wusste das zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Dickson Abiama, auf den letzten Drücker im Winter-Transferfenster aus Kaiserslautern ausgeliehen, erzielte mit einem humorlosen Strahl mit dem rechten Fuss aus 20 Metern aus dem Nichts fünf Minuten vor dem regulären Ende den Anschluss. Die Gastgeber mussten ihrer kraftraubenden Spielweise längst Tribut zollen, die Leistungsträger waren ausgewechselt worden und nun machte sich Unruhe in der Hintermannschaft breit. Vier Minute nach seinem ersten Treffer war Abiama Nutznießer einer schlecht verteidigten Freistoßflanke in der Aachener Box. Die Abwehr bekam die Murmel nicht geklärt, Abiama nutzte sein kurzes Schusszeitfenster mit dem Linken und lochte zum Ausgleich ein. Fußball ist ungerecht. Mir persönlich war das aber noch nicht genug. Die Alemannen waren platt und psychisch angeschlagen. Acht Minuten Nachspielzeit gab es und mit mutigem Spiel nach vorn, hätte man eventuell die Ungerechtigkeit noch komplett machen können. Aber die Roten zogen es vor, den Ball erst einmal zu kontrollieren und es gab nur noch zaghafte Versuche in Richtung des gegnerischen Tores. Gemessen an dem bis kurz zuvor präsentierten Geholze vielleicht auch keine ganz falsche Idee, um nicht doch noch selber den spielentscheidenden Fehler zu produzieren. So blieb es beim Remis. Zum Leben zu wenig, aber zum Sterben zu viel, daher bleibt der RWE dran an der Spitzengruppe. Will man sich da oben aber noch richtig reinbeißen, müssen mal ein paar Dreier am Stück produziert werden. Ich bleibe gespannt, aber nicht angespannt.

Maastricht – So., 08.02.2026, 14:00

RKSV Heer vs Geusselt Sport 1:0

Sportpark Laan in den Drink, 130 Zuschauer, 3e Klasse Zondag I Zuid 2
Am späten Vormittag schwebte ich wieder in Eindhoven ein. Die Zeit bis zum Nachmittagsspiel überbrückte ich mit diesem Kracher auf Provinz-Ebene. Um dieses sportliche Feuerwerk zu überstehen, war es natürlich zunächst notwendig den Energiespeicher mit einschlägigen frittierten Produkten aufzufüllen. Dritte Provinzklasse bedeutet achtklassig landesweit. Damit die Nummer auch garantiert schwer verdaulich war, empfing der Drittletzte den Letzten, der bis dahin erst drei Punkte auf der Habenseite verbucht hatte. Dennoch brachen sich die Gastgeber unheimlich einen ab, um schließlich doch noch den späten Siegtreffer zu erzielen. Hingucker der Anlage ist die über die gesamte Länge bemalte Rückseite der Tribüne.

Dunajska Streda – Sa., 07.02.2026, 18:00

FC DAC 1904 vs Sk Slovan Bratislava 0:3

DAC Arena, 9.301 Zuschauer, 1.Liga
Von Eindhoven nach Wien eingeflogen ging es mit Bus und Zug in die ungarische Diaspora der Slowakei. Mit dieser Spielpaarung hatte ich auch noch eine Rechnung offen. Mehrfach anvisiert konnte das Vorhaben eigenverschuldet wie unverschuldet bis heute nicht umgesetzt werden. Die aktuelle Tabellensituation verpflichtete aber beinahe dazu, die Reise nun anzustrengen, denn der DAC spielt eine exzellente Saison, liegt beim besseren Torverhältnis nur einen Punkt hinter Abonnement-Meister Slovan und hatte hier und heute die Chance, an diesem vorbeizuziehen und die Tabellenspitze zu übernehmen. Entsprechend groß war das Interesse, knapp 10.000 Zuschauer sind für ein Meisterschaftsspiel in der Slowakei beinahe herausragend. Das neue Stadion befindet sich am selben Standort das alten. Der Umbau wurde während des laufenden Spielbetriebes realisiert und 2019 abgeschlossen. Als Reminiszenz an das alte Stadion blieb das betagte Eingangstor erhalten. Neben der sportlichen Brisanz unterliegen die Spiele dieser Mannschaften gegeneinander aber auch noch ethnischen Differenzen. Die Grenzregion zur Slowakei wird mehrheitlich von ungarisch-stämmigen Menschen bewohnt, die sich in einer ständigen Konfliktsituation mit den Slowaken befinden. Das überträgt sich auch auf die Fußballspiele und da Dunajska Streda zu 80% von Magyaren bewohnt wird, während in Bratislava mehr als 95% Slowaken leben, ist auch dieses Thema bei den Spielen präsent. Hinzu kommt, dass beide Volksgruppen stark nationalistisch geprägt sind. Entsprechende Schlachtrufe sind natürlich obligatorisch.
Optisch machte sich das dadurch bemerkbar, dass ein Teil der Heim-Fans die ungarischen Farben für die Kleidungs- und Fanartikel-Wahl bevorzugte und das Blau-Gelb des Vereins vernachlässigte. Der Slovan-Anhang, der sämtliche 696 ihm zur Verfügung gestellten Karten – exakt das offizielle Fassungsvermögen des Gästeblocks – nutzte, unterstrich seine Meinung dazu gute zehn Minuten nach dem Anstoß mit einer stattlichen von einigen Blinkern unterlegten Rauchwand in den Farben der slowakischen Nationalflagge. Die immense Rauchentwicklung hatte eine beinahe 15-minütige Spielunterbrechung zur Folge. Die DAC-Kurve hatte bei Ihrer Choreo auf nationalistische Aspekte verzichtet weitestgehend verzichtet und die Kurve mittels Ponchos und kleinen Fähnchen in die Vereinsfarben getaucht aus denen dann eine blaue und gelbe Rauchsäule aufstiegen. Als diese sich auflösten, wurden ebenfalls einige Blinker entzündet. Lediglich der ungarische Name der Stadt wurde auf einem Banner präsentiert, was aber nicht verwerflich ist, da der Gebrauch der ungarischen Sprache in Gemeinden mit einem ungarischen Bevölkerungsanteil von mehr als 15% gesetzlich legitimiert ist. So findet man auch sämtliche Verkehrsschilder, Ortsnamen, Bezeichnung von öffentlichen Gebäuden zweisprachig vor. Auch „Ria-Ria-Hungaria“-Rufe hallten durch die Arena.
Der Slovan-Block hatte gerade die Rauchtöpfe angerissen, als der frühe Führungstreffer für die Gäste fiel, den aber eben ein Großteil des Slovan-Anhangs gar nicht gesehen haben dürfte. Zeit, den Treffer zu feiern, war ja dann aufgrund der Unterbrechung genug. Nachdem es weiterging, bekam der DAC dann kurz darauf einen Strafstoß zugesprochen, der aber kläglich vergeben wurde. Aber die Gastgeber blieben dran, waren jedoch nicht zielstrebig genug. Der DAC machte das Spiel, die Slovan-Fans die Stimmung, denn diese waren deutlich lauter als die Heim-Kurve. Kurz vor der Pause, konnte sich der DAC-Schnapper nur noch eines Fouls behelfen, um einen Slovan-Stürmer zu stoppen, der nach einem völlig irrsinnigen Kopfball-Rückpass eines Verteidigers von der Mittellinie mit der Kirsche allein auf ihn zu jagte und nach dem fälligen Elfer hieß es 0:2. Als es dann drei Minuten nach der Pause einen Platzverweis gegen die Gastgeber gab, war das Spiel vorentschieden und spätestens nach dem dritten Slovan-Treffer kurz darauf ganz durch. Damit war die Luft dann auch raus und die Partie eierte zu Ende und ich dann mit der Bimmelbahn ins Nachtquartier nach Bratislava.

Nea Filadelfia – Sa., 01.02.2026, 21:00

AEK Athína vs PAE Olympiakos Peiraios 1:1

Stadio Agia Sofia, 31.100 Zuschauer, Super League
Es war aber alles im Lot, eine halbe Stunde vor dem Kick-Off trafen wir am ‚Stadio Agia Sofia ein‘, dem neuen Stadion von AEK, welches leider schon unmittelbar nach seiner Geburt vor etwas mehr als drei Jahren seinen Namen an einen Sponsoren verlor. Der Neubau ersetzt das kultige ‚Nikos Goumas‘, das, an gleicher Stelle stehend, schon 2003 abgerissen wurde. In der Zwischenzeit musste AEK im ungeliebten Olympiastadion antreten. Athlitiki Enosis Konstantinoupoleos bedeutet das Kürzel AEK. Gegründet wurde der Club von griechisch-stämmigen Flüchtlingen, die während des türkisch-griechischen Krieges aus Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, fliehen mussten. Damit besteht eine Parallele zu PAOK aus Thessaloniki. Wie bereits angedeutete, wird das Abbrennen von Pyrotechnik seit einigen Monaten hart bestraft. Umso überraschter war ich, dass es heute eigentlich dauerhaft irgendwo brannte, da die AEK-Kurve um ‚Original 21‘ ja erst beim vorherigen Heimspiel gezündelt hatte. Noch vor dem Einlaufen der Teams erstrahlte die Kurve im Lichte unzähliger roter und gelber Fackeln, was natürlich eine starke Rauchentwicklung zur Folge hatte. Als die Teams den Rasen betraten, wurde direkt die nächste Batterie Bengalos entzündet, die aber gar keine Wirkung mehr entfalten konnte, da der Innenraum vollständig verqualmt war und die Leuchtstäbe nur noch schemenhaft durch den Nebel blinzelten.
Erst mit zehn Minuten Verspätung wurde der Kick daher vom holländischen Referee angepfiffen. Da sich die unterlegenen Teams in den Top-Spielen und Derbys in der Vergangenheit regelmäßig am Schiedsrichter abgearbeitet haben, werden seit einiger Zeit ausländische Referees eingesetzt, um Bestechungsvorwürfen von vornherein den Boden zu entziehen. Der AEK-Anhang zeigte sich dann gut aufgelegt. Im Gegensatz zur PAO-Szene am Spätnachmittag setzte ‚Original 21‘ auf eingängige, kurze Lieder und auf knackige Anfeuerungsrufe. Machte durchaus Sinn, um das Potential der Kurve abzurufen, die ja aus tausenden Köpfen besteht, anstelle sich in irgendwelchen verliebten getragenen Gesängen zu verlieren. Wenn die gegenüberliegende Kurve und auch Zuschauer auf den Geraden einstiegen, wurde es ohrenbetäubend laut. Es bleibt graue Theorie, aber wenn bei diesem Spiel Gäste-Fans erlaubt gewesen wären, wäre das eine absolute Bombe gewesen. Was nicht heißen soll, dass es schlecht war, aber mit einem visuell wahrnehmbaren Gegner, wären sicher auch noch die letzten fehlenden Prozente rausgekitzelt worden. AEK hatte ein Spiel mehr absolviert und einen Punkt Vorsprung.
Ein Sieg war also nötig, um die Tabellenspitze unmissverständlich zu sichern. Und die Gastgeber legten gut los und waren in der Anfangsviertelstunde das bessere Team, ohne aber im Strafraum gefährlich zu werden. Überhaupt waren Torraumszenen in der ersten Spielhälfte Mangelware. Olympiakos riss das Spiel dann nach und nach an sich und eine 150prozentige Torchance blieb ungenutzt, aber auch AEK ließ seine einzige gute Chance liegen. Die zweite Halbzeit zeigte kein großartig anderes Bild aber als der erst zwei Minuten zuvor eingewechselte ungarische Nationalspieler Varga einen Eckball quasi aus dem Nichts zur Führung für die Schwarz-Gelben einköpfte, gab es kein Halten mehr und die Kurve erstrahlte zum dritten Mal in Rot und Gelb. Nun war es ein anderes Spiel. Mit neuem Selbstvertrauen waren die Gastgeber nun auf Augenhöhe. Eine Tätlichkeit eines Olympiakos-Spielers ahndete der Referee nur mit einer Gelben Karte, wobei das ‚Opfer‘ auch etwas theatralisch zu Boden ging, aber die Szene ließ die Gemüter beinahe überkochen. Bei einer Doppel-Chance hatte AEK die Möglichkeit das Spiel zu entscheiden. Der Gäste-Schnapper mit einem Wahnsinns-Reflex und die Querlatte beim Nachschuss hatten aber was dagegen und so hielt sich die Spannung bis in die Schlussphase. Olympiakos rannte mit dem Mute der Verzweiflung an, kam aber zu keinen großen Torchancen.
Elf Minuten Nachspielzeit gab es und kurz vor dem Ende dieser kam es zu einer irrsinnigen Szene im Strafraum der Gastgeber. Vier Torschüsse in Folge wurden geblockt, Torwart und Verteidiger warfen sich erfolgreich in alles rein was von der Gäste-Offensive abgesendet wurde. Das Spiel lief kurz weiter und wurde aufgrund eines Fouls zugunsten von AEK unterbrochen. Dann fasste sich aber der Schiri ans Ohr, wurde an den Bildschirm gebeten und entschied schließlich auf Elfmeter für die Gäste. Beim Eindringen in den Strafraum hatten sich Stürmer und Verteidiger gegenseitig ein wenig gehalten, der Abwehrmanne vielleicht etwas mehr, es war jedenfalls eine sehr mutige Entscheidung in diesem Hexenkessel. In Deutschland hätte man wieder vom Bayern-Massel gesprochen, denn ungefähr diesen Status hat Olympiakos in Griechenland. Nach minutenlangen Diskussionen blieb der Iraner Taremi mit seiner peinlichen Rückennummer 99 cool, verwandelte und war sich nicht zu schade die eh schon kochenden Massen mit der Finger-auf-den-Mund-Geste zu provozieren. Auch andere Spieler gestikulierten ins Publikum und als Folge regnete es Plastikflaschen und alles andere was greifbar war auf die vor ihrer Teambank feiernden Gäste-Akteure. Im Nachhinein wurde AEK dann mit Zuschauerausschluss für ein Heimspiel bestraft, aber eben für das Werfen der Gegenstände, nicht für den massiven Pyro-Einsatz. Auch ein Spieler von Olympiakos bekam eine Sperre aufgebrummt, weil er – Achtung! – einen Regenschirm ins Publikum zurückgefeuert hat. Ganz normales Spielerverhalten in Griechenland… Wir fuhren mit der Metro zurück zur Unterkunft, ließen den Tag und das Topspiel noch bei einem Bierchen sacken, bevor sich die Teilnehmer der Reisegruppe am Folgetag mit verschiedenen Flügen auf die Heimreise machten.

Athen – So., 01.02.2026, 17:30

Panathinaikos AO vs AE Kifisia 3:0

Stadio Apostolos Nikolaidis, 5.516 Zuschauer, Super League
Es passte so gerade eben. Hinter der Haupttribüne aus dem Taxi gesprungen, war ein kleiner Dauerlauf um das Stadion erforderlich, um den richtigen Eingang zu erreichen und soeben zur in allen Stadien abgehaltenen Schweigeminute im Gedenken an die verstorbenen PAOK-Fans auf den Rängen zu sein. Als ich am späten Freitag-Nachmittag in Athen eintraf, verließ ich am ‚Apostolos Nikolaidis‘ Metro, um das letzte Tageslicht für eine kleines Fotoshooting zu nutzen. Die Stadionwände, die umliegenden Häuser und Mauern sind mit zahlreichen Graffiti versehen und geben dem Viertel eine deutliche Identität. Da das Stadion in seinen Innereien die Räumlichkeiten für viele Sparten des Vereines beherbergt, gibt es unheimlich viel Aktivität und man muss schon ein wenig aufpassen, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen und sich letztlich nicht einer Fragerunde stellen zu müssen. Ultra-Gruppen reagieren ja in der Regel allergisch auf zu hohes fremdes Interesse und den Mitgliedern der Tischtennis-Abteilung hätte ich Fragen ja ohne Hemmungen beantwortet, bei der Box-Staffel war ich mir da nicht sicher. Ziemlich genau mit dem Anstoß setzte Regen ein, der dann auch für den Rest des Tages nicht mehr aufhörte. Das war aber sicher nicht der Grund für die schwache Zuschauerzahl. Der wenig interessante Gegner aus der Athener Agglomeration trug natürlich seinen Teil bei, aber der hauptsächliche Grund dürfte der schlappe Saisonverlauf sein, denn PAO liegt beinahe 20 Punkte hinter dem Tabellenführer. Darüber hinaus hat die Kurve um ‚Gate 13‘ interne Probleme. Das alles offenbarte uns in Summe eine dünn besiedelte Kurve mit großen Lücken. Dennoch erreichten die im Verhältnis wenigen aktiven Leute eine teilweise erstaunliche Lautstärke. Zu gern hätte ich hier mal ein Spiel vor vollen Rängen gesehen.
Sportlich war das auch wieder nicht überragend. Nach einigen Mühen in den ersten zwanzig Minuten bekamen die Gastgeber mit dem Führungstreffer endlich Kontrolle über das Geschehen und schossen in der Schlussphase schließlich einen deutlichen Sieg heraus. Das enge Stadion versprüht irgendwie unwiderstehlichen Charme, besonders ist, dass die beiden Kurven die überdachten Geraden überragen. Die Kurve um ‚Gate 13‘, deren Stufen mit dem Ultra-Logo bemalt sind, ist noch etwas höher als die gegenüberliegende Tribüne. Die PAO-Fans ließen sich vom fiesen Wetter nicht beeindrucken und lieferten gemessen an der schwachen Zuschauerzahl eine solide Vorstellung ab. Die ereignisreiche Schlussphase und der immer stärker werdende Regen befeuerten das Geschehen in der Kurve, die noch einmal ordentlich aufdrehte. Der Stil der griechischen Kurven ist durchaus unterschiedlich voneinander. Wie zum Beispiel Aris auch, setzt ‚Gate 13‘ oft auf länger getragene, teils melodische Gesänge, verzichtet also weitestgehend auf brachiale Schlachtrufe, was aber, wie schon skizziert, nicht bedeuten muss, dass es nicht laut werden kann in der alten Schachtel. Einige Minuten nach dem Schlusspfiff verließen wir das schöne, alte Teil. Bis zum letzten Spiel des Tages hatten wir nun einen bequemen Zeitpuffer. Das war letztlich auch nötig, da uns die die Taxi-Gilde wieder einiges an Geduld abverlangte.