Essen – So., 26.04.2026, 16:30

Rot-Weiss Essen vs 1.FC Saarbrücken 1:2

Stadion an der Hafenstraße, 17.617 Zuschauer, 3.Liga
Mit den Saarländern stellte sich eine ziemliche Wundertüte an der Hafenstraße vor. Mit deutlich mehr Qualität ausgestattet, als es der Tabellenplatz hergibt, war der FCS noch immer nicht von den letzten Abstiegssorgen befreit. Nach der Niederlage des glorreichen RWE beim Topspiel in Cottbus in der Vorwoche, stellte sich zudem die Frage, ob die Art und Weise wie diese zustande kam, etwas mit den Köpfen der Rot-Weissen machte. Trotz der Niederlage blieb der Euphorie-Pegel allerdings am Anschlag. Die davor errungenen sieben Siege in Folge haben natürlich eine Erwartungshaltung entstehen lassen, die selbst mich mit meiner vorsichtigen Einstellung endgültig an die Truppe glauben ließ. Unabhängig davon durfte nicht ausgeblendet werden, dass es dabei Spiele gab, die auf der Kippe standen und das Pendel dabei etwas glücklich auf die rot-weisse Seite ausschlug. Ich war zwar durchaus optimistisch, dass die Roten den deutlichen Dämpfer der Vorwoche gut weggesteckt hatten, irgendetwas in mir bereitete mir aber ein schlechtes Gefühl. Vorrangig lag das wohl am Gesetz der Serie. Der RWE hatte seit fast einem halben Jahr daheim nicht mehr verloren, während die Gäste noch länger auswärts nicht mehr gewonnen hatten. Serien reißen irgendwann, genau das ließ in mir die Alarmglocke schrillen. Feld-Moderator ‚Ruthe‘, der vor dem Spiel auf dem Rasen die Aufstellung verliest und dabei ein paar vermeintlich lustige, schlaue Sprüche vom Stapel lässt, schoss deutlich über das Ziel hinaus, als er die Gäste abfällig als ‚Möchtegern-Franzosen‘ diskreditierte. Das war mindestens genauso überflüssig und peinlich, wie die darauf folgenden „Ost-Ost-Ostfrankreich“-Rufe aus dem mit gut 800 Saarländern gefüllten Away-Sektor, die aber eine beinahe natürliche Reaktion auf diese geschmacklose Provokation waren. Nach meiner Meinung braucht es den Clown auf dem Rasen eh nicht. Die Kurve ist schon selbst in der Lage, sich anzuzünden. Kann weg.
Die Roten kamen gut in die Partie und erzielten mit einer traumhaften Kombination die frühe Führung. Nicht zum ersten Mal wurde dann aber mit dem die trügerische Sicherheit verleihenden Gefühl eben jener Führung das Tempo herausgenommen, anstelle die Verunsicherung des Gegners zu weiteren Angriffsbemühungen zu nutzen. Fünf Gäste-Ecken in Serie kurz nach dem Führungstor, von denen zwei schon ins Tor guckten, hätten eigentlich eine Warnung sein müssen. Stattdessen wurde den Blau-Schwarzen, die in der ersten Spielhälfte gefühlte 80% Ballbesitz hatten, nun das Spielgerät überlassen. Ballbesitz ist ja nicht nur wichtig, um das eigene Tor zu verteidigen, denn ohne Ball kann der Gegner Dir nicht weh tun. Ballbesitz taugt auch ganz gut, um selbst gefährlich zu werden und genau das versuchten die Gäste zunehmend, vorrangig über die linke Angriffsseite, wo der sonst starke RWE-Leihverteidiger Hofmann viel Mühe mit dem schnellen, quirligen Pick hatte. Zudem schaltete sich Linksverteidiger Bretschneider immer wieder offensiv mit ein und Abiama auf der rechten Essener Angriffsseite schien etwas überfordert damit, genau das einzudämmen und defensive Aufgaben zu übernehmen. Die Roten gaben den Gästen dann zu viel Raum, waren nicht eng genug am Mann, es fehlte irgendwie das Leben in der Mannschaft, eine klare Körpersprache sieht anders aus.
Das ermöglichte den Ausgleich nach einer halben Stunde, als sich ein Saarbrücker in den Essener Strafraum dribbelte und überlegt abschloss. Golz stand dabei auch nicht optimal und gab die rechte Torhälfte frei. Ein mögliches Foul an Janssen in der Entstehung bleibt diskutabel, ich bin aber eher ein Freund von großzügiger Auslegung. Großzügig blieben auch die Mannen in den roten Trikots, die kurz vor dem Pausenpfiff den Gästen erneut beim Kicken zuschauten, bis die Kirsche endlich im Tor lag. Auch bei diesem Treffer hätte Golz beim Torschuss besser stehen können, den aus spitzem Winkel abgesendeten Ball konnte er nicht entscheidend abwehren, Brünker staubte dankbar ab. Zur Wahrheit gehört aber, dass die Defensive es erst gar nicht so weit kommen lassen durfte. Die eh schon schwere Aufgabe wurde also noch schwieriger. Aber der RWE schüttelte sich und spätestens nach eine Stunde Spielzeit ging es nur noch auf das Tor des heute ganz starken FCS-Schlussmannes Menzel. Die Roten nahmen nun das Herz in die Hand und zeigten auch endlich die letzte Bereitschaft sich zu quälen. Warum nicht von Beginn an? Kopfsache. Natürlich! Abgesehen von der defensiven Schwäche, die durch eine starke Offensive oft kompensiert wird, ist nach meiner Meinung das größte Manko im Team das Fehlen von echten Mentalitätsspielern. Es fehlen einfach zwei, drei Leute im Team, die konsequent vorangehen, die ihre Mitspieler mitreißen.
Das zuletzt oft bemühte Glück war heute auch nicht auf der rot-weissen Seite des Spiels. Angriff auf Angriff rollte auf das Tor des Gegners, echte Torgefahr konnte man aber an einer Hand abzählen. Der Pfosten stand auch im Weg und Menzel hielt den Sieg kurz vor dem Ende mit einem ‚big save‘ fest. Dass Seuchenvogel Baumann kurz nach seiner Einwechselung mit dunkelrotem Karton wieder vom Feld geschickt wurde, fiel nicht mehr groß ins Gewicht und wenig später gab es lange Gesichter. Nun wird es hart, aber Aufgeben ist keine Option. Es gilt das Haupt zu heben, die Krone zu richten und zur Attacke zu blasen. Die Stimmungslage ist aber mal wieder schwierig, denn im Essener Norden gibt es ja nur gut oder schlecht, kein ‚dazwischen‘. Die wenigsten RWE-Anhänger können oder wollen Situationen sachlich einordnen. Ich persönlich befinde mich weiter in einer Luxus-Problemlage, denn ich sehe den Aufstieg weiterhin nicht als Muss an, auch wenn ich mich diesem nicht verweigern würde. Die Konstellation der restlichen drei Spieltage lässt alles offen, macht alles möglich. Doch geht es erst einmal darum den dritten Platz zu sichern. Platz vier wäre der Trostpreis und mein persönliches Minimum, das erreicht werden sollte. Berechtigt dieser Tabellenplatz doch zumindest zur Teilnahme am DFB-Pokal, würde sich aber nach der Zwischenbilanz der letzten Wochen dennoch wie eine Niederlage anfühlen.

Dortmund – Sa., 25.04.2026, 18:00

ASC 09 Dortmund vs SV Lippstadt 1:0

Waldstadion Aplerbeck, 800 Zuschauer, Oberliga Westfalen
Körperlich nicht ganz auf der Höhe, wollte ich trotzdem nicht den ganzen Tag bei schönem Wetter in den eigenen vier Wänden vergammeln, daher machte ich mich auf zum Topspiel der Oberliga Westfalen im Waldstadion zu Dortmund-Aplerbeck. Zu Gast war der SV Lippstadt, was letztlich auch ausschlaggebender Faktor für diesen Spielbesuch war, denn der Verein darf sich über die Unterstützung einer lebendigen Ultra-Szene freuen. Diese war auch weitestgehend vollständig angereist und positionierte sich auf der überdachten Sitztribüne, die sich in diesem kleinen beengten Stadion ja aus Platzgründen etwas skurril hinter dem Tor befindet. Um den Traum vom Regionalliga-Aufstieg zu wahren brauchten die Gäste einen Sieg. Auf dem schwer zu bespielenden Rasen hatten aber beide Mannschaften Mühe, ein vernünftiges Kombinationsspiel aufzuziehen. Torchancen kam kaum zustande, wenn dann hatten diese allerdings die Gastgeber zu verzeichnen. Diese erzielten auch einigermaßen folgerichtig nach einer guten Stunde mit einem 30-Meter-Freistoß-Flatterball, welcher dem SVL-Schnapper über die Finger rutschte, die Führung. Die Gäste verkrampften etwas bei ihren Ausgleichsbemühungen, in der Box wurde es einfach nicht gefährlich. Da der ASC die sich bietenden Konterchancen aber auch nicht zu nutzen wusste, blieb es beim kleinstmöglichen Sieg-Resultat. Für die Westfalen wird es nun sehr schwer, bei mindestens fünf Punkten Rückstand, einem schlechteren Torverhältnis und nur noch fünf ausstehenden Spielen, das Ziel zu realisieren. Sollte der ASC aufsteigen wird dieser mangels Regionalliga-Tauglichkeit der eigenen Spielstätte übrigens ins ‚Ischelandstadion‘ in Hagen ausweichen. Für meinen Geschmack einigermaßen sinnlos, an solchen Geschichten sind Vereine schon oft genug gescheitert. Eventuell wäre es besser, gesetzte Grenzen zu erkennen.

Schweinfurt – Di., 07.04.2026, 19:00

1.FC Schweinfurt 05 vs Rot-Weiss Essen 1:3

Sachs-Stadion, 3.877 Zuschauer, 3.Liga
Auf einem Dienstag Abend ging die Reise zum designierten Absteiger aus der Kugellagerstadt. Nicht optimal und daher umso bewundernswerter, dass unsere sechsköpfige Reisegruppe der üblichen Verdächtigen schon vor Wochen komplett meldete und mit drei Leuten aus dem erweiterten Kreise ein Neuner-Bus gefüllt wurde. Das aus der Zeit gefallene, mit einer Laufbahn ausgestattete Stadion verfügt über eine nicht zu große, gedeckte Haupttribüne. Die mehrstufigen Stehränge bieten dagegen keinerlei Wetterschutz. Um die Liga-Auflagen zu erfüllen, wurden Bereiche in den Kurven mit Stahlrohr-Sitztribünen bestückt, ansonsten hat sich zu meinem ersten Besuch vor langer Zeit nichts verändert. Diese auf ihre Art schöne Spielstätte hat einen besonderen Charme, der durch die Bäume und niedrigen Hecken, welche die Ränge einfassen, noch vertieft wird. Bis vor einigen Jahren hatte das Stadion noch einen Vornamen. Es büßte den Namen Willy, einem eher zweifelhaften Bürger der Stadt mit NS-Vergangenheit als SS-Mitglied, jedoch auf Betreiben einer Bürgerinitiative ein. Dass der Familienname dem Stadion mit etwas steifer Begründung aber erhalten blieb, kommt eher schildbürgerlich daher. Dass die Namensgebung überhaupt erst so spät hinterfragt wurde aber ebenso.
Was den unter der Woche von starken 1.100 Fans begleiteten RWE erwarten sollte, war nicht recht klar. Würde es eine gemäß Tabellenstand erwartbare Nummer werden oder sollten sich die ‚Schnüdel‘ mit allen Kräften wehren? Immerhin war das seit Ende Februar von Jermaine Jones trainierte Team daheim seit drei Spielen ungeschlagen. Der Spoiler sei erlaubt – nach einigen Startproblemen lösten die Roten die Aufgabe souverän. Die Gastgeber kamen allerdings gut in die Partie und bei zwei, drei scharfen Hereingaben von den Außen, hätte es auch durchaus hinter Golz einschlagen können. Vor allem der nach Ablauf seiner Gelb-Sperre ins Team gerutschte Kostka ließ sich im Minuten-Takt überlaufen, so dass der auf dieser Position starke, aber von einer kleinen Verletzung gerade erst wieder genesene Hofmann schon zum Aufwärmen entsendet wurde. Kostka fing sich aber und spätestens nach 15 Minuten hatte der glorreiche RWE die Geschichte im Griff. Abiama eröffnete mit einer Direktabnahme aus halblinker Position im Strafraum den Torreigen. Und nachdem Brumme eine hochkarätige Chance frei vor dem FCS-Tormann nach dessen Fehlpass auf ihn nicht nutzte, der Ball aber in Essener Reihen blieb, brachte der Torschütze den Ball klug und genau auf Müsel, der das Ding mit seiner feinen Technik volley von der Strafraumgrenze ins Tor drosch.
Auch im zweiten Durchgang behielten die Rot-Weissen die Oberhand und kreierten viele Chancen, aber lediglich der eingewechselte Obuz erzielte ein weiteres Tor, es wurde Chancenwucher betrieben. Mit Blick auf das Torverhältnis wären ein paar weitere Treffer nicht verkehrt gewesen, aber lediglich Kapitän Schulz traf noch, dummerweise ins eigene Netz. Drei Punkte gab es trotzdem und diese hochverdient, denn der RWE war bis auf die Anfangsphase hoch überlegen. Damit wurden die Unterfranken in die Regionalliga geschossen, der Abstieg steht sechs Spieltage vor Ende nun auch rechnerisch fest. Geschockt wirkte auf Heimseite keiner. Als die Mannschaft nach dem obligatorischen Kreis zu den Fans schlurfte, waren nur noch ein paar versprengte im Block verblieben. Im Away-Sektor wurde dagegen gefeiert. Nach dem nun sechsten Sieg in Serie lebt die Hoffnung auf den Aufstieg, zumal die Mannschaft unheimlich gefestigt und selbstsicher wirkt.

Erkelenz – Mo., 06.04.2026, 15:00

FC Dynamo Erkelenz vs FC Germania Teveren 2:1 n.V.

Willy-Stein-Stadion, 400 Zuschauer, Kreispokal Heinsberg Halbfinale
Der FC Dynamo Erkelenz heißt nicht zufällig so, denn es ist ein ukrainisch geprägter Verein. Besonders positiv wirkt sich das auf das Catering aus, angeboten wurden fette Schaschlik-Spieße vom Holzkohlegrill – lecker! Nicht so ein Leckerbissen war der sportliche Part der Veranstaltung, obwohl die Voraussetzungen gut waren. Die Gastgeber wollen in die Bezirksliga und rauschen gerade im Eiltempo durch die Kreisliga A. 20 Siege aus 20 Spielen sprechen eine klare Sprache. Gegen den Landesligist aus dem Schatten des NATO-Stützpunktes Geilenkirchen war dann auch kein großer Klassenunterschied erkennbar, leider aber nur auf bescheidenem Niveau. 90 Minuten lang gab es keine hochkarätige Torchance zu bestaunen. Drei Minuten Nachspielzeit zeigte der Referee an und in dieser nach einem Foulspiel im Strafraum zugunsten von Dynamo auf den Punkt. Die Gastgeber nutzten die Chance, zum Sieg reichte das aber noch nicht, da die Germania im Gegenzug noch ausglich. Fußball ist manchmal schon bescheuert. Dynamo gingen die Kräfte aber nicht aus und der zweite Treffer in der zweiten Hälfte der Verlängerung bedeutete dann doch noch den nicht unverdienten Final-Einzug. 

Essen – Sa., 04.04.2026, 16:30

Rot-Weiss Essen vs MSV Duisburg 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 19.300 Zuschauer, 3.Liga
Lange war das Spiel gegen die Zebra-Herde aus Meiderich ein Derby zweiter Klasse. Da aber das einzig wahre Derby gegen den größten Rivalen aus der Stadt mit der höchsten Arbeitslosenquote Deutschlands zuletzt vor mehr als 30 Jahren stattfand, hat sich das Spiel gegen die Gurkentruppe von der Regattabahn zum aktuell wohl wichtigsten Duell gemausert. Auch dadurch begünstigt, dass die Klingen in den vergangenen Jahren ja häufiger gekreuzt wurden. Aufgrund der sportlichen Ausgangslage war heute noch mal ne Schüppe mehr Brisanz dabei, es brannte schon ziemlich die Luft. Die großen Ultra-Gruppen des RWE hatten gemeinschaftlich eine groß angelegte Choreo gefertigt. Auf einer die ganze Westkurve bedeckenden Blockfahne war ein martialisches Motiv unter der Überschrift ‚Schlachthof Hafenstraße‘ abgebildet. Zwar gut und detailliert gemalt, aber nichts für Moralapostel und zartbesaitete Gemüter. Der Gästeblock verzichtete heute auf jegliche Stilelemente. Jedoch wurde von der ‚Proud Generation‘ schon vor dem Display der RWE-Choreo ein Spruchbang präsentiert, das Bezug zu eben jener nahm. Immer wieder interessant, wie in den Ultra-Szenen Information durchsickern und Aktionen geleakt werden. In der Westkurve wurde noch ein Spruchband zur Rauch-Fernzündung im Spiel bei der Kölner Viktoria gezeigt, die ja nach meiner Meinung eine durchaus gelungene Provokation vor dem Derby war. Außerdem wurden die sexuellen Vorlieben eines ‚Kohorte‘-Mitglieds geoutet – schon eher eine fragwürdige Aktion, aber das muss man wohl abkönnen, wenn man einer Ultra-Gruppierung angehört.
Die Roten waren von Beginn an drin in der Partie und überließen dem Gegner nicht einen Millimeter Rasen zur Entfaltung. Hüning setzte mit einem Kopfball nach wenigen Minuten ein erstes Zeichen und nur das Aluminium verhinderte die frühe Führung. In der Folge kontrollierte der RWE die Partie, die Abschlüsse waren aber ungefährlich. Die Meidericher kamen aus dem Spiel heraus überhaupt nicht zur Geltung, konnten nur bei Eckbällen im rot-weissen Sechzehner Präsenz zeigen. Als man eigentlich davon ausgehen konnte, dass es torlos in die Pause geht, gingen die Rot-Weissen doch noch in Führung. Mizuta, der ein Riesen-Spiel machte, war einmal mehr der Ausgangspunkt. Seine Flanke von links fand zwar keinen Abnehmer, aber die Kirsche querte den gesamten Strafraum und landete bei Brumme. Dieser ließ einen Gegner aussteigen und passt quer wieder auf Mizuta, der sich in den Rückraum geschlichen hatte, mutterseelenallein war und per Direktabnahme zur Führung rechts unten einlochte. Wird schwer den Japaner, dessen Vertrag ausläuft, zu halten, dafür muss wohl schon mindestens der Aufstieg her. Der Treffer fiel zum richtigen Zeitpunkt, denn nach einem Sanitäter-Einsatz in der Westkurve hatten beide Seiten gerade erst wieder den Support aufgenommen. Kurz nach Wiederanpfiff zirkelte Brumme einen direkten Freistoß aus halblinker Position links an der Mauer vorbei und die Kugel klatschte ans Aluminium. Danach gab es weitere Möglichkeiten, aber auch der MSV nahm nun ein wenig am Spiel teil und Golz musste den Ausgleich mit einer Fußabwehr verhindern.
Zwanzig Minuten vor Schluss hätte Müsel für etwas mehr Gewissheit sorgen können. Von Gjasula mit einem fantastischen Steilpass eingesetzt, schabbelte er das Spielgerät etwas bedrängt an MSV-Schnapper Braune vorbei und zum dritten Mal war der Torpfosten der beste Duisburger Verteidiger. Dann wurde es hektisch auf dem Grün. Nach dem üblichen Gerangel nach einem Eckball für die Gäste, ließ sich Casar zu einer Tätlichkeit hinreißen und trat den vorzeitigen Gang unter die Dusche an. Und plötzlich war es ein anderes Spiel. Ich stehe eh nicht so auf Platzverweise für den Gegner. Die Ordnung geht durch die geänderten Kräfteverhältnisse oft völlig verloren und die Mannschaft in Unterzahl macht auf einmal zusätzliche Kräfte frei. So war es auch heute, denn die Roten kamen total aus dem Tritt und der MSV noch zu zwei recht ordentlichen Chancen. Das konnte aber am hochverdienten Sieg nichts mehr ändern, auch im siebten Spiel in Folge gegen die Gestreiften blieb der RWE ohne Niederlage und die Hafenstraße versank im Jubel. Und der RWE beißt sich richtig in der Spitzengruppe fest. Fünf Siege in Serie führen dazu, dass selbst ein Pessimist wie ich plötzlich an den Aufstieg glauben mag. Aber alle sind gut beraten von Spiel zu Spiel zu denken. In dieser Liga kann sich alles ganz schnell wieder drehen. Denn wer hätte nach den beiden ganz schwachen Auftritten in Osnabrück und Rostock schon diese Siegesserie erwartet. Next Stop Schweinfurt.

Krefeld – Do., 02.04.2026, 20:00

KFC Uerdingen 05 vs DJK Adler-Union Frintrop 1:0

Grotenburg-Stadion, 1.352 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Wenn der Verein, bei dem man selber aktiv war, in einem so geschichtsträchtigen Brett von Stadion antreten darf, ist die Anreise ja quasi Pflicht. Vor nur wenigen Tagen mehr als genau 40 Jahren nahm an dieser Stelle das ‚Wunder von der Grotenburg‘ seinen Lauf, als Verein noch unter dem Namen Bayer 05 nach einer 0:2-Hinspiel-Niederlage und einem 1:3-Halbzeitrückstand gegen Dynamo Dresden im Viertelfinale des europäischen Pokalsieger-Wettbewerbs in der zweiten Spielhälfte noch unglaubliche sechs Treffer erzielte und das Halbfinale buchte. Ich persönlich habe dort auch mal Mario Basler für Rot-Weiss Essen in einem DFB-Pokal-Spiel treffen sehen. Verdammt lange her. Die schillernden Zeiten unterm Bayer-Kreuz sind auch schon in den Chroniken verschwunden. In den letzten Jahren ist der Bayer-Rechtsnachfolger KFC 05 zur absoluten Skandal-Nudel verkommen. Fünf Insolvenzen in 20 Jahren und diverse fragwürde Vorstands- und Sponsoringgeschichten trüben das Erbe des eigentlich stolzen Vereins. Geld ist natürlich trotz großer Versprechen vermeintlicher Gönner auch nie vorhanden und so ist selbst die Eintrittskarte nur ein trauriger Schwarz-Weiss-Druck.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage kam ich also in den ‚Genuss‘ eines KFC-Spiels. So wird man Allesfahrer! Aus Essen-Frintrop waren ob des besonderen Gegners und Spielortes einige Leute mehr angereist, als sich sonst zu den Auswärtsspielen aufraffen. Die üblichen Verdächtigen stimmten gelegentlich etwas beseelt vom Gerstensaft auch mal einen Gesang an. Gegen den Uerdinger Mob kamen sie natürlich nicht an, denn dieser spulte sein Programm unterstützt von ein paar Freunden vom Grazer AK souverän ab, für die Oberliga ist das schon absolut überdurchschnittlich. So richtig hatte sich noch keiner sortiert und schon lagen die Hausherren in Führung. Da konnte man schon Schlimmeres befürchten, aber dazu kam es nicht. Zwar machte der KFC gegen den Underdog das Spiel und ließ diesen auch gar nicht zur Entfaltung kommen, richtig gefährlich wurden sie in der Box aber selten. Und wenn die Gastgeber zum Abschluss kamen, stand Adler-Schnapper Nils Reiners im Weg, der einen absoluten Sahnetag erwischt hatte. So blieben die Gäste im Spiel ohne wirklich im Spiel zu sein. Zu spät legten die Raubvögel dann auch den völlig unnötigen Respekt ab und gingen in den letzten zehn Minuten auf Beutejagd. Leider erfolglos, auch wenn die Uerdinger Deckung in einigen Situationen schwer ins Schwimmen geriet. Unter dem Strich steht aber ein völlig verdienter Heimsieg. Die fehlenden Punkte für den Klassenerhalt müssen die Adler gegen andere Gegner sammeln.

Essen – Mi., 01.04.2026, 18:45

VfB Frohnhausen vs Rot-Weiss Essen II 1:5

Helmut-Rahn-Sportanlage, 425 Zuschauer, Bezirksliga Niederrhein Gruppe 6
Da sich das eigentlich auserwählte Spiel in den Kunstrasen-Nebenplatz-Unsinn flüchtete, entschied ich mich, das nur einen knappen Kilometer von meinem Headquarter stattfindende Bezirksliga-Topspiel zwischen dem VfB Frohnhausen und der Zwoten des glorreichen RWE zu besuchen. Der Stamm-Platz des VfB auf der aus dem alten Stadion und zwei Kunstrasenplätzen bestehenden ‚Helmut-Rahn-Sportanlage‘ ist Platz 3, der untere Kunstrasen, der den Zuschauern nur auf einer Seite und in einem kleinen Bereich hinter einem Tor den Aufenthalt gestattet. So war die Platzanlage mit offiziell 425 Besuchern gut besucht. Dass dieses Spiel erhöhtes Interesse genießen würde, war vorher bekannt, dass ich fünf Minuten nach Anpfiff eine der letzten Bratwürste im Brötchen bekam und nach dem Verzehr dieser vergeblich versuchte, ein ‚Stauder‘ zu erwerben, war deshalb unverständlich, denn im Catering hätte der VfB heute gute Kohle machen können. Das ersehnte Bier wurde dann zwar noch hektisch nachbeschafft, aber ungekühlt ist das ja auch keine Freude. Auf der Plastikwiese gingen die Gastgeber früh in Führung. Die Roten um die ‚Alt-Internationalen‘ Platzek und Grund behielten aber die Ruhe und glichen durch einen fragwürdigen Handelfmeter schnell aus. Die beiden alten RWE-Recken waren dann auch der feine Unterschied. Beide lassen natürlich eh die Klasse erkennen, die sie in unzähligen Regionalliga-Spielen erlernt haben. Zunächst besorgte Grund kurz nach dem Seitenwechsel mit einem seiner gefährlichen direkten Freistöße die Führung. Und nach dem das Aluminium den Ausgleich für die ‚Löwen‘ verhinderte, erhöhte Platzek im Gegenzug per Kopf. Die weiteren Treffer fielen einigermaßen zwangsläufig mit wachsender Überlegenheit der ‚Zwoten‘. Die Zuschauer bekamen ein gutes Spiel zu sehen und dass diese Bezirksliga-Gruppe zu einer der stärkeren gehört, kann man ja auch am spannenden Kampf um die Tabellenspitze ablesen, in dem die Roten nun in Vorleistung gegangen sind.

Meschede-Grevenstein – So., 29.03.2026, 15:00

SG Grevenstein/Hellefeld-Altenhellefeld vs SG Beckum/Hövel/Mellen 4:0

Wiesengrund-Stadion, 100 Zuschauer, Kreisliga A Arnsberg
Mit der werten Gattin unternahm ich einen kleinen Ausflug ins Sauerland, der zunächst einen Rundgang durch die Altstadt von Arnsberg brachte, die viel altes Fachwerk zu bieten hat. Die Inschriften an vielen Häusern offenbaren deren Erbauung im frühen 18. Jahrhundert nach einem Großbrand im Jahre 1709, dem viele Gebäude der damaligen Stadt zum Opfer fielen. Weiter ging es dann nach Grevenstein. Der 800 Einwohner-Ort ist eine sogenannte ‚Titularstadt‘. Dieses sind Orte, die berechtigt sind, den Titel ‚Stadt‘ zu führen ohne Stadtrechte zu besitzen. In der Regel gilt das für ehemals eigenständige Städte, die dann in einen anderen Stadtkreis eingemeindet wurden. Zweifelhafte Berühmtheit erhält der Ort als Standort der Veltins-Brauerei. Als Fan der Rot-Weissen hätte ich mich fernhalten müssen von dieser Brutstätte schlechten Bieres, die ja dem FC Meineid aus der der verbotenen Stadt sehr wohlgesonnen ist. Dass ich diese Gegend nicht mied, wie der Vampir das Sonnenlicht, war einzig dem schnuckeligen Sportplatz geschuldet, der unterhalb des Ortes liegt vor eine malerischer Kulisse liegt. Das Catering war mit Bratwurst vom Holzkohlegrill und frischen Waffeln auch nicht so schlecht, nur der Biergenuss verbot sich halt von selbst. Der Dorf-Kick zwischen den beiden Spielgemeinschaften mit äußerst sperrigen Namen war dann gar nicht so schlecht anzuschauen. Die Gastgeber setzten ihre Überlegenheit in einen deutlichen Sieg um. Natürlich wurden wir als Fremde enttarnt, aber direkt in die Dorfgemeinschaft integriert und von den beiden Rentnern Wolle und Didi mit einigem Hintergrundwissen und ein paar Ausflugs-Tipps für die Umgegend versorgt. Fußball verbindet halt Menschen.