Meschede-Grevenstein – So., 29.03.2026, 15:00

SG Grevenstein/Hellefeld-Altenhellefeld vs SG Beckum/Hövel/Mellen 4:0

Wiesengrund-Stadion, 100 Zuschauer, Kreisliga A Arnsberg
Mit der werten Gattin unternahm ich einen kleinen Ausflug ins Sauerland, der zunächst einen Rundgang durch die Altstadt von Arnsberg brachte, die viel altes Fachwerk zu bieten hat. Die Inschriften an vielen Häusern offenbaren deren Erbauung im frühen 18. Jahrhundert nach einem Großbrand im Jahre 1709, dem viele Gebäude der damaligen Stadt zum Opfer fielen. Weiter ging es dann nach Grevenstein. Der 800 Einwohner-Ort ist eine sogenannte ‚Titularstadt‘. Dieses sind Orte, die berechtigt sind, den Titel ‚Stadt‘ zu führen ohne Stadtrechte zu besitzen. In der Regel gilt das für ehemals eigenständige Städte, die dann in einen anderen Stadtkreis eingemeindet wurden. Zweifelhafte Berühmtheit erhält der Ort als Standort der Veltins-Brauerei. Als Fan der Rot-Weissen hätte ich mich fernhalten müssen von dieser Brutstädte schlechten Bieres, die ja dem FC Meineid aus der der verbotenen Stadt sehr wohlgesonnen ist. Dass ich diese Gegend nicht mied, wie der Vampir das Sonnenlicht, war einzig dem schnuckeligen Sportplatz geschuldet, der unterhalb des Ortes liegt vor eine malerischer Kulisse liegt. Das Catering war mit Bratwurst vom Holzkohlegrill und frischen Waffeln auch nicht so schlecht, nur der Biergenuss verbot sich halt von selbst. Der Dorf-Kick zwischen den beiden Spielgemeinschaften mit äußerst sperrigen Namen war dann gar nicht so schlecht anzuschauen. Die Gastgeber setzten ihre Überlegenheit in einen deutlichen Sieg um. Natürlich wurden wir als Fremde enttarnt, aber direkt in die Dorfgemeinschaft integriert und von den beiden Rentnern Wolle und Didi mit einigem Hintergrundwissen und ein paar Ausflugs-Tipps für die Umgegend versorgt. Fußball verbindet halt Menschen.

Neuss – Sa., 28.09.2026, 15:30

Holzheimer SG vs KFC Uerdingen 05 3:2

Ludwig-Wolker-Anlage, 800 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Ursprünglich war alles anders geplant, aber letzlich wurde es nur Nahverkehr. Neuss hieß schließlich das Ziel, wo sich das Liga-Zuschauer-Zugpferd aus der Seidenstadt vorstellte. Beinahe wäre ich zum falschen Spielort gereist, aber kurz vor der mal wieder viel zu knapp bemessenen Abfahrt checkte ich den Spielort und stellte fest, dass die Partie auf die Anlage der DJK Rheinkraft verlegt wurde, die mehr Platz und Möglichkeiten zur Zuschauertrennung bietet, als die eigentliche Heimspielstätte der HSG. Der Hauptplatz der Ludwig-Wolker-Anlage ist sehr weitläufig angelegt und dient auch der Leichtathletik-Sparte der DJK Novesia als Stützpunkt. Eine Seite verfügt über eine Stufenanlage mit Überdachung, welche den Gästen zugeschlagen wurde. Sicherlich mehr als die Hälfte der Anwesenden waren dem KFC 05 zugetan, davon bemühten sich an die 100 Personen, angetrieben von einem unermüdlichen Capo, um akustische Unterstützung. Es hat ja schon meinen Respekt, Woche für Woche sportlich wenig reizvolle Spiele gegen irgendwelche Dorf- und Stadtteilvereine zu besuchen und sich immer wieder zum Support aufzuraffen, erst recht für einen reglemäßig von Skandalen erschütterten Club. Die Gastgeber hatten nicht vor, dem Favoriten kampflos das Feld zu überlassen und gingen durch einen Konter nach wenigen Minuten in Führung. Diese konnte der Ex-Bundesligist kurz darauf ausgleichen und als die Gäste nach einer Viertelstunde die Führung erzielten, schien das Spiel den erwarteten Verlauf zu nehmen. Aber die HSG kam noch vor dem Pause zum überraschenden Ausgleich. Eine überlegen aber wenig einfallsreich gespielte zweite Halbzeit reichte den Uerdingern nicht zum Sieg. Es kam sogar noch schlimmer, denn eine Viertelstunde vor Schluss ging der Außenseiter zum zweiten Male in Führung und konnte den Vorsprung mit viel Einsatz über die Zeit bringen.

Köln – So., 22.03.2026, 19:30

FC Viktoria Köln vs Rot-Weiss Essen 1:2

Stadion im Sportpark Höhenberg, 6.640 Zuschauer, 3.Liga

Auch das Auswärtsspiel der Roten auf der Kölner ‚Schäl Sick‘ hatte ich ursprünglich nicht auf der Speisekarte. Ursprünglich wurde dieses Wochenende für den Ausflug mit der buckligen Verwandtschaft sogar gezielt ausgewählt, da mich der Trip zur Viktoria prinzipiell nur nervt. Dem eigentlich einzigen Pro mit der kurzen Anreise standen zwei schwere Kontras entgegen. Zum einen das Stadion, welches einfach nur nervt. Die stattliche Haupttribüne ist noch recht ansehnlich, der Gästebereich dagegen einfach nur unappetitlich, denn die flache auf der alten Bausubstanz ruhende Stehgerade ist kein wirkliches Fundament für gute Stimmung. Der Stahlrohr-Sitzblock für die Gäste wurde in die Ecke gezwängt und auch die winzige, mit bloßem Auge kaum zu erkennende Vikki-Szene kann sich auf ihrem Metallgerüst kaum wohlfühlen. Dazu erinnert der VIP-Bereich hinter dem nördlichen Tor eher äußerlich an ein Billard-Cafe. Zum anderen litt der glorreiche RWE in den letzten Spielen im Stadtteil Höhenberg an chronischer Erfolg- und Torlosigkeit. Seit mehr als 13 Jahren konnte kein dreifacher Punktgewinn erreicht, in den letzten fünf Spielen nicht einmal ein Tor erzielt werden. Überhaupt war keine Torflut zu erwarten, in den zehn Spielen seit dem letzten RWE-Sieg im rechtsrheinischen Köln fielen gerade einmal genauso viele Tore, in den letzten fünf Partien gar nur deren zwei. Die späte Anstoßzeit, die eben nach Rückkehr aus Niedersachen die Option öffnete, und der aktuelle Erfolgslauf animierten mich dann doch anzureisen und dem Gesetz der Niederlagen-Serie nach musste ja auch diese irgendwann mal reißen.
Nach unsäglichen durch die Presse angefeuerten Diskussionen, dass es nicht gelingt, in Essen eine Aufstiegseuphorie zu entfachen und nicht alle verfügbaren Gäste-Tickets im Vorfeld des Spiels vergriffen waren, befanden sich unter den sechseinhalbtausend letztlich doch an die 4.000 aus der Ruhr-Metropole. Davon mindestens ein Drittel auf der Haupttribüne, die einfach eine bessere Sicht auf das Geschehen und als einzige Tribüne einen Wetterschutz bietet, auch wenn letzteres heute zu vernachlässigen war. Nach drei Siegen reiste der RWE mit breiter Brust an. Alonso präsentierte dann aber direkt mal wieder einen seiner seltenen aber immer wieder mal auftretenden Aussetzer, zum Glück folgenlos. Der sonst insgesamt wieder starke Verteidiger legte einem Kölner Stürmer die Murmel nach vier Minuten in den Lauf, dieser war aber von dieser Großzügigkeit dermaßen übermannt, dass er das Spielgerät über das Tor drosch. Dann nahmen die Roten Fahrt auf. Nach zehn Minuten eroberte Alonso im Mittelfeld vom Gegner den Ball, dieser gelangte zu Müsel, der wiederum auf Mizuta durchsteckte. Der quirlige Japaner legte nach rechts auf den mitgelaufenen Abiama ab, welcher kompromisslos abschloss und die Murmel ins rot-weisse Glück beförderte. Auch die nächste Situation ging über Müsel, der einen herrlichen Diagonalpass auf Abiama schlug, der eine lang und länger werdende Flanke auf den zweiten Pfosten servierte, wo der einlaufende Brumme nur wenig mehr als eine Minute nach dem ersten Treffer direkt erhöhte.
Doppelschlag, es lief also. Etwas zu gut, denn die Psychologie der Führung ermunterte die Roten, den Fuß vom Gas zu nehmen. Die Gastgeber wurden etwas agiler, kamen aber nur zu einem gefährlichen Abschluss nach einer halben Stunde, als sich Golz strecken musste, um einen Kopfball zu entschärfen. Ansonsten verwaltete der RWE die Führung unaufgeregt und Abiama hätte den Sack mit dem Pausenpfiff eigentlich schon zuschnüren können. Völlig unnötig kam die Viktoria dann nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff zum Anschluss. Nach einer Freistoßflanke pingpongte die Murmel durch den Sechzehner und Alonsos Klärungsversuch kurz vor der Torlinie fand nur noch ins eigene Netz. Kein guter Tag für den Leistungsträger, der auch noch seine fünfte gelbe Karte sah und dadurch im Derby gegen Meiderich fehlen wird. Danach passierte erst einmal nicht viel, wenn man von einer blauen Rauchdose absieht, welche die MSV-Szene wohl vorher schon mal als Derby-Gruß im Away-Sektor versteckt hatte und die nun von ein paar ‚Terroristen‘ von draußen ferngezündet wurde. Zwanzig Minuten vor dem Ende zündete langsam auch die Viktoria und bereitete der RWE-Defensive ordentlich Beschäftigung. Diese löste die gestellten Aufgaben aber fast fehlerfrei und da die eigenen Konterchancen mal wieder desaströs gespielt wurden, blieb es beim knappen Auswärtssieg und der glorreiche RWE grüßt zum allerersten Mal seit dem Aufstieg in die Dritte Liga von einem direkten Aufstiegsplatz.

Nienburg – Sa., 21.03.2026, 16:00

SV Inter Komata Nienburg vs SC Marklohe 1:0

Mußriedestadion, 120 Zuschauer, Kreisliga Nienburg
Dieser Spielbesuch kam tatsächlich mal recht spontan zustande, denn eigentlich war während des jährlichen Familien-Wochenendes in der Lüneburger Heide gar kein Kick vorgesehen. Aus einer kurzfristigen Planungsänderung heraus ergab sich aber der ‚Genuss‘ dieser Kreisliga-Partie im Nienburger ‚Mußriedestadion‘, welches mit auf allen vier Seiten angelegten Stufen und einer noch recht jungen, hölzernen und überdachten Sitztribüne aufwartet. Der SV Inter Komata dürfte ein Verein mit kurdischem Hintergrund sein, denn das Wappen vereint die Farben der autonomen Region Kurdistan und den Adler, das Wappentier der Kurden. Eine Familie scheint sehr mit dem Verein verwurzelt zu sein, denn allein acht Spieler des Kaders, sowie Trainer und Betreuer, tragen den Nachnamen Boran. Die Gäste traten etwas favorisiert an, konnten diese Rolle aber nicht ausfüllen. Inter konnte Mitter der ersten Hälfte durch einen abgefälschten Schuss in Führung gehen. Und es kam noch dicker für Marklohe, denn zehn Minuten später wurde einer ihrer Spieler mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen. Zwar schafften sie es, die Unterzahl zu kompensieren und drückten in der Schlussviertelstunde gar auf den Ausgleich, wurden aber nicht wirklich gefährlich. Die Gastgeber vergaben die Konterchancen dagegen reihenweise. Der Ton der Partie blieb übrigens insgesamt sehr ruhig. Wenn es lauter zuging, war meist das Gäste-Team verantwortlich. Auch wenn es eigentlich traurig ist, dieses extra zu erwähnen, kann man es ja mal hervorheben.

Gladbeck – Mi., 18.03.2026, 19:30

Adler Ellinghorst vs SSV/FCA Rotthausen 4:3 n.E.

Sportanlage Wittringer Wald, 100 Zuschauer, Kreispokal Gelsenkirchen Viertelfinale
Das milde Wetter animierte mich dazu, unter der Woche ein Spiel auf Kreisebene zu schauen, das passiert in der kalten Jahreszeit eher selten. Die Wahl fiel auf das Kreispokal-Duell zwischen Adler Ellinghorst aus Gladbeck und dem SSV/FCA Rotthausen aus der verbotenen Stadt. Gespielt wurde auf Asche, was ja ein aussterbender Untergrund, aber untrennbar mit meiner eigenen schillernden Karriere verbunden ist, daher sehe immer noch gerne Spiele auf diesem etwas unberechenbaren Boden. Das FCA im Vereinsnamen der Gastmannschaft steht für den 1.FC Achternberg, der um die Jahrtausendwende mit dem SSV Rotthausen zum SSV/FCA fusionierte. Obwohl das Viertelfinale im Kreispokal stattfand, werden in dieser Runde nur zwei von vier Partien gespielt. Während mit Adler Feldmark ein Verein seine Mannschaft komplett vom Spielbetrieb zurückzog, verzichtete mit dem VfL Grafenwald ein Kreisligist auf den Antritt beim Westfalenligisten SSV Buer mit der Begründung, dass an einem Wochentag nicht genügend Spieler zur Verfügung stünden. Oder hatte man schlicht kein Interesse sich bei einer drei Ligen höher agierenden Truppe ein Dutzend Dinger einzufangen? Na ein Glück, dass die ausgewählte Partie angestoßen wurde. Während das Niveau am Grillstand absolut überzeugen konnte, war es um jenes auf dem Spielfeld nicht so gut bestellt. Mit zunehmender Spieldauer wurde deutlich, dass auch in der Kreisliga A offensichtlich akuter Fachkräftemangel herrscht. Bei je einem Treffer hüben wie drüben endete das Gegurke nach 90 Minuten Spielzeit unentschieden. Die Regularien des westfälischen Fußballverbandes ersparten eine Verlängerung, denn es ging umgehend in die Elfer-Lotterie. Hier waren die Adler das nervenstärkere Team und buchten das Halbfinale ein.

Attendorn – So., 15.03.2026, 15:30

SV 04 Attendorn vs TuS 1886 Sundern 1:1

Bezirkssportanlage Attendorn, 150 Zuschauer, Landesliga Westfalen Staffel 4
Da sich das Wetter nach mehreren Regentagen wieder von der besseren Seite zeigte, packte ich die beste Gattin der Welt ein und fuhr in Richtung des südlichen Sauerlandes mit Ziel Attendorn am Bigge-Stausee. Dieser war auch das erste Ziel, wo im Cafe auf der Dammkrone gespeist wurde. Den gewonnenen Kalorien wurde im Anschluss mit einem kleinen Spaziergang zu Leibe gerückt, ich denke aber, dass Kartoffelsuppe mit Einlage und Windbeutel mit Vanilleeis und Kirschen unter dem Strich rückblickend der Sieg zuzusprechen ist. Einen Sieg auf dem Kunstgrün gab es hernach nicht zu bestaunen. Der gastgebende SV mit dem unsympathischen Gründungsjahr empfing den TuS Sundern zum Kellerduell. Beide Teams waren dringend auf Punkte angewiesen, um den Anschluss ans untere Mittelfeld herzustellen. Das gelang aber keinem der Kontrahenten. Nachdem die Hausherren früh eine Riesenchance liegen ließen, konnte sie nach 20 Minuten doch die Führung erzielen, kassierten aber nur zwei Zeigerumdrehungen später direkt den Ausgleich. Die Partie verflachte danach zusehends und lebte eher von der Spannung. Vor allem in der Schlussphase betrieben beide Offensiven Chancenwucher, so dass es beim Remis blieb, das keinem wirklich weiterhilft. Gespielt wurde wie vorab kommuniziert auf dem Kunstrasenplatz mit kleiner Sitztribüne. Auf Nachfrage war zu erfahren, dass der Naturrasen mit der größeren Tribüne beinahe ausschließlich für den Trainingsbetrieb genutzt und nur noch selten im Meisterschaftsbetrieb bespielt wird. Attendorn darf sich übrigens offiziell mit dem Titel ‚Hansestadt‘ schmücken, da sie im Mittelalter regen Handel mit den Städten an Nord- und Ostsee betrieb.

Essen – Sa., 14.03.2026, 14:00

Rot-Weiss Essen vs FC Erzgebirge Aue 4:2

Stadion an der Hafenstraße, 16.537 Zuschauer, 3.Liga
Der FC Erzgebirge Aue ist im Grunde weder für den glorreichen RWE noch für mich ein hervorzuhebender Gegner und dennoch – ich will es jedoch nicht überhöhen – war dieses Spiel ein leidlich besonderes. Und zwar einzig und allein bedingt durch die Trainerpersonalie, denn der Mann an der Linie der ‚Schachter‘ heiß seit einigen Wochen Christoph Dabrowski, der bekanntermaßen vor dem aktuellen RWE-Coach Uwe Koschinat zweieinhalb Jahre für das sportliche Geschehen an der Hafenstraße verantwortlich war. Mit Dabrowski als RWE-Trainer wurde ich nie warm. Von Anfang an nicht. Zu dröge und emotionslos wirkte der Mann auf mich. Auch eine leidlich erfolgreiche zweite Drittliga-Spielzeit, welche durchaus mit einem Aufstieg hätte enden können, was aber nach meiner Meinung eben durch Dabrowskis Coaching erfolgreich verhindert wurde, konnte mich nicht davon ablenken, schon frühzeitig für eine Veränderung auf dieser Position zu plädieren. Auch rhetorische Schwächen und immer gleich lautende Statements und Pressekonferenzen bekräftigten mich in der Meinung, dass der Mann nicht der richtige für diese Aufgabe ist. Als er dann kurz vor knapp endlich von seiner Aufgabe entbunden wurde, hielt ich es für möglich, dass er nie wieder einen Posten ab der Dritten Liga aufwärts bekommt. Aber ähnlich wie erfolglose Fußballer fällt ja auch erfolgloseste Übungsleiter immer wieder auf die Füße und finden einen neuen Job. Und so traf die Vereinsführung des FC Erzgebirge Ende Januar im Zuge des einsetzenden Negativlaufes eine verhängnisvolle Entscheidung, setzte Jens Härtel vor die Tür und verpflichtete eben Dabrowksi.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Erzgebirgler einen Punkt Rückstand auf das rettende Ufer. Vor dem heutigen Aufeinandertreffen, sechs Spiele später, sind es deren acht. Bei zwei Remis und zuletzt vier Niederlagen ist das Team unter Dabrowksi noch sieglos und inzwischen seit neun Spielen insgesamt ohne dreifachen Punktgewinn. Es geht dem Verein also nicht gut, der Abstieg droht. Dass sich Dabrowski vor dem Spiel sehr wohlwollend über seinen Ex-Club RWE äußerte, konnte mich nicht davon abhalten, im Stadion spaßeshalber „Dabro raus“ zu schreien. Ich zweifle nicht daran, dass er ein guter Typ ist. Sein Talent als Trainer halte ich aber für stark begrenzt, insbesondere was Motivationsfähigkeiten und mentale Stärke angeht, und nach meiner bescheidenen Meinung hat er den Deutschen Meister von 1955 in seiner Entwicklung nur aufgehalten und nicht nach vorne gebracht. Dem FC Erzgebirge stand also das Wasser bereits bis zum Hals. Dennoch rafften sich etwas mehr als 200 Anhänger zum 500 Kilometer-Trip quer durch die Bananenrepublik auf. Die Ultra-Szene der Sachsen ist seit einigen Monaten im Block nicht mehr optisch erkennbar, sondern verschwimmt mit der Masse der normalen Anhänger. Grund dafür ist, dass wichtige Zaunbanner der Gruppen unter fragwürdigen und bis heute nicht aufgeklärten Umständen verloren gingen. Neue Fahnen wurden nicht gefertigt, da steht der Ultra-Kodex im Weg, und so war der Gästeblock nicht nur dünn besiedelt, sondern auch dünn beflaggt. Zumindest die akustische Unterstützung wurde aber fortgeführt.
Die Westkurve eröffnete mit einer Choreo im zentralen Bereich der Tribüne. Hinter einem Zaunbanner mit der Aufschrift ‚Das Chaos im Herzen‘ waren rot-weiße Bänder bis ganz oben in den Block gespannt worden, was eine Spur an die Optik südamerikanischer Kurven erinnerte. Dazwischen gab es ein Durcheinander aus Doppelhaltern, Fahnen, Konfetti und Wurfrollen zu sehen, eben ein Chaos. Koschinat schickte eine etwas veränderte Elf ins Spiel. Die im zweiten Durchgang in Hoffenheim sehr agile Achse mit Bouebari und Brumme auf links wurde gewählt, Müsel rutschte für den gesundheitlich angeschlagenen Gjasula ins Team. Außerdem kehrte Golz nach seiner auskurierten Knieverletzung zurück. Nach etwas durchwachsenem Beginn nahm die Partie dann ordentlich Fahrt auf. Nach einer ersten Chance für Aue übernahm der Deutsche Meister von 1955 langsam die Regie. Brumme und Müsel scheiterten noch, aber der Letztgenannte sollte kurz darauf erfolgreich sein. Eine abgewehrte Brumme-Freistoßflanke wurde von der Auer Defensive nicht konsequent genug geklärt. Alonso machte den Ball von außen wieder scharf und dann bekamen die Lila-Weißen die Murmel nicht aus dem Sechzehner. Über den Kopf von Reisig landete das Ding bei Müsel, der völlig beschissen mit dem Rücken zum Tor stand und das Spielgerät daher einfach aus gut sieben Metern mit der Hacke Richtung Tor beförderte. Fand der Ball wohl gut, denn dieser rollte in aller Ruhe am überraschten Auer Torwart-Ur-Gestein Männel vorbei ins lange Eck.
Das sollte der Auftakt für wilde zehn Minuten sein. Erneut klärten die Veilchen eine Flanke nicht konsequent. Brumme nahm die Kirsche in halblinker Position 30 Meter vor dem Tor auf und legte quer auf Hofmann, der viel Zeit hatte um Maß zu nehmen und das Leder in die linke obere Triangel des Gästegehäuses zu befördern. Was für eine Fackel! Der junge Leihspieler des 1.FC Nürnberg hat ja einen harten und präzisen Schuss. Außerdem ist er als Verteidiger laufstark, bissig und dennoch mit Offensivdrang ausgestattet. Wird schwer, den Jungen bei seinem aktuellen Aufwärtstrend vom ‚Glubb‘ loszueisen. Damit nicht genug. Männel hatte den Ball nach einem abgefangenen RWE-Angriff eigentlich sicher, wollte das Spiel schnell machen und beförderte das Ei dann aber kurz auf einen Verteidiger knapp hinter die Strafraumgrenze. Der arme Kerl geriet direkt in die Zange aus zwei Roten, die ihm die Murmel wegspitzelten. Marek Janssen nahm sich des herrenlosen Spielgerätes barmherzig an, drehte sich kurz und zirkelte es per No-Look-Schlenzer über Männel ins Netz. Nun versank die Kurve wirklich im Chaos. Spiel entschieden? Eher nicht. Drei-Tore-Führungen gegen Abstiegskandidaten können in dieser Liga trügerisch sein. Dem war auch so. Völlig unerwartet kamen die Gäste in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch einen abgefälschten Schuss zum Anschluss.
Und weil Dabrowski auf zwei Positionen die richtigen Wechsel vornahm und der RWE im zweiten Durchgang überhaupt nicht an den Terror aus Durchgang eins anknüpfen konnte, wurde es nochmal eng. Nach einer Stunde köpfte Bär zum sich inzwischen abzeichnenden Anschluss ein, was das Selbstvertrauen der Rot-Weissen nicht förderte. Der RWE fand offensiv gar nicht mehr wirklich statt und Golz verhinderte die totale Katastrophe mit einem Wahnsinns-Reflex. Aus kurzer Distanz parierte er einen Kopfball eines Auers. Vom ausgestreckten Arm des Torhüters prallte die Kirsche dann unkontrolliert auf den Fuß des Stürmers und eierte von dort an den linken Außenpfosten. Da hatte die Murmel schon ziemlich schief ins Tor gelünkert. Dass es zum Ausgleich nicht kam, lag letztlich an der Unvollkommenheit der Gäste-Offensive. Der RWE fing sich dann langsam und Mizuta erlöste seinen Verein eben mit einem klassischen Mizuta-Treffer. Von Abiama im Strafraum bedient, fackelte er nicht lange und jagte die Kugel aus 15 Metern in die Maschen. Damit war die Biene endgültig im Stock und den Holzmicheln nun der Mut genommen. Der Anhang der Lila-Weißen hatte den organisierten Support nach dem dritten RWE-Treffer übrigens bereits eingestellt. Der Rapport am Zaun nach dem Abpfiff fiel dennoch moderat aus, im Geiste scheint sich das Umfeld schon mit dem Abstieg abgefunden zu haben. Anders sieht es bei den Roten aus, die nun auf Platz Drei wieder fett im Aufstiegsgeschäft sind.

Mülheim an der Ruhr – So., 08.03.2026, 15:30

VfB Speldorf vs VfB Bottrop 5:1

Sportplatz Saarner Straße, 300 Zuschauer, Landesliga Niederrhein Gruppe 2
Was habe ich mich wieder gequält, bis ich eine Entscheidung getroffen hatte, wo es heute hingehen sollte! Der nähere Umkreis sollte es sein und auf völliges Gerümpel hatte ich keine Lust, daher sollte es schon ein gewisses Spielniveau sein. Eine neue Anlage zu entdecken ist nur noch schwer möglich, auch wenn es immer noch ein paar räumlich nahe Lokalitäten in meiner Liste gibt, die beizeiten mal besucht werden wollen. Letztlich bekam aber die recht ansehnliche Sportanlage an der Saarner Straße in Mülheim-Speldorf den Zuschlag, wo man nach einem Dutzend Jahreswenden ja auch mal wieder aufschlagen kann. Auf der Hauptseite befindet sich über etwa die halbe Länge des Spielfeldes eine mehrstufige Tribüne, welche sowohl in sitzender als auch stehender Haltung genutzt werden kann. Vor dem Umbau, der Anfang der Zehner Jahre vollendet wurde, wurde der damalige Hartplatz über die ganze Länge von einer Stehtribüne flankiert, die sich bis weit in die Kurve zog. Aber auch im aktuellen Zustand macht der Ausbau was her. Der VfB aus Speldorf, der ja eigentlich an der guten alten ‚Blötte‘ daheim ist, welche einer Neubausiedlung zum Opfer fiel, und der deshalb seit dem Umbau der Anlage an der Saarner Straße spielt, empfing den VfB aus Bottrop. Die Bottroper waren ungeschlagen durch die Hinrunde gerauscht, sind aber inzwischen völlig aus dem Tritt geraten. Gegen die Speldorfer, Anführer des Tabellenmittelfeldes, setzte es eine deutliche wie verdiente Niederlage und zwar die dritte in Folge.