Dortmund – Mi., 16.12.2020, 14:00

BV Borussia Dortmund 09 U23 vs SC Rot-Weiß Oberhausen 2:2

Man muss ja auch mal schauen, was die Konkurrenz so macht…! Da derzeit eh keine Zuschauer zugelassen sind, und der Spielbetrieb im Stadion Rote Erde relativ hohe Kosten bedeutet, trägt die U23 des BVB ihre Heimspiele derzeit auf dem vereinseigenen Gelände im Dortmunder Osten aus. Der BVB-Fußballpark in Hohenbuschei wurde in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut. Da hat der Verein schon ein extrem hochwertiges Trainingszentrum, welches nach und nach durch Administrationsgebäude und weiter Spielfelder ergänzt wurde, errichtet. Vor drei Jahren erhielt ein Spielfeld, auf dem auch die U19 und die U17 des Clubs ihre Spiele austragen, eine Tribüne, die schon was hermacht und den Platz deutlich aufwertet. Da ich dort noch nie war und die Personalabteilung mir signalisiert hatte, dass ich mal die Überstunden nach und nach loswerden soll, bot sich der Besuch an diesem Mittwoch-Nachmittag an. Der ungewöhnliche Anstoßtermin fand seinen Grund darin, der Austragung der Partie größtmögliche Sicherheit zu geben, war es doch schon das Nachholspiel vom Nachholspiel. Der erste Ausfall war einem positiven Testergebnis innerhalb des BVB-Teams geschuldet, der zweite dichtem Nebel am Mittwoch-Abend der letzten Woche. Um diese Gefahr auszuschließen, sollte das Spiel nun bei den im Vergleich zum Abend höheren Temperaturen am frühen Nachmittag ausgetragen werden. In der vergangenen Woche hatte RWO einen fulminanten Start mit einem verwandelten und einem verschossenen Elfmeter hingelegt, ehe bereits nach zwölf Minuten bei Führung der Gäste abgebrochen wurde. Auch heute kamen die Jungs von der Emscher gut in die Partie und dominierten die Anfangsviertelstunde, ehe der BVB-Nachwuchs in Fahrt kam. Dennoch ging Oberhausen kurz vor der Pause nicht unverdient in Führung. Der vor der Saison vom SV Rödinghausen in die Bierstadt gewechselte Trainer Enrico Maaßen schien während der Halbzeit an den richtigen Stellschrauben gefummelt zu haben. Die Schwarz-Gelben kamen völlig verwandelt aus der Kabine und gaben Vollgas. RWO kam gar nicht mehr ins Rollen und die Gastgeber nutzten das, um die Partie zu drehen. Überraschender Weise kamen nach dem Führungstreffer aber die Gäste wieder in Schwung. RWO schnürte den BVB in der Schlussphase ein und nach mehreren verpassten Gelegenheiten krönte Verteidiger Stappmann seine konzentrierte Defensivleistung mit dem Ausgleichstreffer. Gut für den glorreichen RWE, dessen Ausgangslage für die restliche Spielzeit ohne eigenes Zutun damit weiter verbessert wurde.

Lotte – Sa., 12.12.2020, 14:00

VfL Sportfreunde Lotte vs Rot-Weiss Essen 0:2

Stadion am Lotter Kreuz, 70 Zuschauer, Regionalliga West
Heuer ergab sich die nach Wochen mal wieder die Chance, die aktiven Angestellten des Herzens-Clubs bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zu beobachten. Im Stadion am Lotter Kreuz war ich mit den Roten ja nun schon einige Male zu Gast. Bisher kannte ich die Bude allerdings nur mit der riesigen Werbetafel hinter dem östlichen Tor, welche für die Drittliga-Jahre glücklicherweise einer vierten Tribüne weichen musste, die das Stadion nun komplettiert. Das was ich im bisherigen Saisonverlauf bei wenigen anderen Live-Erlebnissen und ab und an über den Stream zu sehen kam, setzte sich auch am Autobahnkreuz fort – die Roten machen das richtig gut. Dabei war es heute wirklich nicht überragend, was da auf dem Grün hingeschmirgelt wurde. Aber eben sachlich, souverän, unaufgeregt, konzentriert, mit einigen optisch feinen Aktionen und vor allem mal wieder widerlich abgezockt und kaltschnäuzig vor dem Tor. Wirklich hochkarätige Möglichkeiten wurden nur wenige kreiert, aber von diesen dann eben zwei genutzt, was den deutlichsten Unterschied zu den gastgebenden Sportfreunden ausmachte. Denn diese machten ihre Sache auch gar nicht so übel und präsentierten sich über weite Strecken als ebenbürtiger Gegner, was ich aber auch erwartet hatte. Ob deren Leistung bleibt es weiter ein Rätsel, warum die Sportfreunde bisher lediglich 13 Punkte gesammelt haben. Der RWE zieht – ungeachtet der Tatsache, dass der aktuell einzige ernsthafte Konkurrent noch einige Nachholspiele zu absolvieren hat – einsame Kreise an der Tabellenspitze. Gepeinigt von den Holzfuß-Truppen der vergangenen Jahre habe ich mich ja zum absoluten Pessimisten entwickelt. Die aktuelle Mannschaft macht aber wirklich Spaß und Mut und langsam reift auch in mir der Hoffnungsfunke, dass es in dieser Saison vielleicht etwas werden könnte mit dem ersehnten Aufstieg in Liga Drei. Angesichts der vielen blutleeren Auftritte, die man in den vergangenen Spielzeiten ertragen musste, entbehrt es nun nicht einer gewissen Tragik, dass man diese Entwicklung meist nur aus der Ferne betrachten kann oder eben in einem beinahe menschenleeren Stadion. Die Hafenstraße wäre sicherlich bei jedem Heimspiel verdammt gut gefüllt und auch auswärts würde ein dick und fett vierstelliger Mob dem Deutschen Meister von 1955 folgen. Auch als absoluter Realist kann ich mich daher ab und an nicht von der Trauer darüber befreien, diese Aufbruchsstimmung nicht mit meinem Gefährten feiern zu können, Siege nicht vor fünfstelliger Kulisse in Essen-Vogelheim auskosten zu dürfen, diese wohltuende Phase nicht live aufsaugen zu dürfen. Aber (Achtung, hier spricht der Realist), es ist, wie es ist! Es wurden auch schon Stimmen laut, die meinen, dass es ein Plus sein könnte, dass die Rot-Weissen vor leeren Rängen ihrem Ziel entgegen streben. Denn so beflügelnd wie eine volle, brachial laute Hafenstraße sein kann, so erdrückend kann diese auch sicher wirken, wenn es mal wieder nicht läuft und schnell Kritik laut wird. Dieser Aspekt wurde ja in der Vergangenheit gern mal als Entschuldigung der Aktiven bemüht. Ich bin allerdings unmissverständlich der Meinung, dass es für jeden Spieler ein Privileg bedeuten muss, für Rot-Weiss Essen vor großer Kulisse aufzulaufen. Bleibt zu hoffen, dass der rot-weisse Anhang vielleicht für die letzten Saisonspiele noch die Gelegenheit bekommt den ermutigenden Auftritten des Teams beizuwohnen.

Exkurs: John Thomson

John Thomson, Celtic FC

Als ich im Herbst des vergangenen Jahres nach Aberdeen reiste, um dort den von mir verehrten Celtic Football Club aus Glasgow spielen zu sehen, schaute ich mir am Vortag noch das Spiel der Raith Rovers in Kirkcaldy an. Auf dem Weg dorthin hielt ich in Cardenden an und besuchte auf dem örtlichen Friedhof die Grabstätte von John Thomson. In der Zeit von 1927 bis 1931 spielte Thomson 164 Mal als Torhüter für den Celtic Football Club und vier Mal für Schottland. Zwei Mal gewann er mit Celtic den FA-Cup, ein Meistertitel war ihm nicht vergönnt. Es wären sicherlich noch etliche Spiele und wohl auch Titel mehr geworden, wenn am 5. September 1931 nicht das Schicksal auf seine übelste Weise zugeschlagen hätte, und das auch noch ausgerechnet im Old Firm beim großen Rivalen Rangers. 80.000 Zuschauer mussten in Ibrox mit ansehen, wie Thomson sich kurz nach dem Seitenwechsel mutig dem angreifenden Sam English entgegenwarf. Der Keeper prallte hart gegen das Knie von English und blieb regungslos liegen. Thomson wurde umgehend von Sanitätern auf dem Feld behandelt und ins Hospital gebracht. Da es in Folge des beim Zusammenprall erlittenen Schädelbruchs zu einer schwerwiegenden Hirnschwellung kam, war eine Notoperation erforderlich, welche leider nicht erfolgreich war. Am Abend verstarb John Thomson im Alter von 22 Jahren.
Thomson wurde wenige Tage nach seinem Tod auf dem Bowhill Cemetery in Cardenden, dem Ort in dem er unweit seines Geburtsortes Kirkcaldy aufwuchs, beerdigt. Circa 30.000 Leute nahmen an der Beisetzung teil, von denen viele die 90 Kilometer von Glasgow bis Cardenden zu Fuß bewältigten. Weitere annähernd 20.000 Menschen kamen an der Queen Street Station in Glasgow zusammen, um die Züge mit den Trauergästen zu verabschieden. John Thomson war zwar für einen Torhüter relativ klein und schmächtig, wurde aber für seine enorme Sprungkraft, die ihm zu seinem Erfolg verhalf, bewundert. Bis heute halten viele Celtic Supporter John Thomson für den besten Torhüter, der je für Celtic gespielt hat. Seit 2008 wird Thomson in der Hall of Fame des Schottischen Fußballs geführt und auch heute besuchen noch viele Anhänger seine letzte Ruhestätte und hinterlassen unterschiedlichste Celtic-Devotionalien. Sein Grabstein trägt die Inschrift „They never die who live in the hearts they leave behind“. In seinem Heimatort wird jährlich mit einem Jugendfußball-Turnier an ihn erinnert.
Sam English traf am Tod Thomsons keine Schuld – es war ein Unfall. Das schützte ihn aber nicht davor, in den folgenden Spielen von Zuschauern angefeindet zu werden. Nach einem Jahr wechselte er zermürbt nach Liverpool. Als er 1938 seine Karriere bei Hartlepool United beendete, soll er seine restliche Karriere nach dem Unglück mit Thomson als „seven years of joyless sports“ bezeichnet haben.