
Rot-Weiss Essen vs SC Verl 1:0
Stadion an der Hafenstraße, 19.517 Zuschauer, 3.Liga

Es galt, den letzten Strohhalm zu ergreifen und dass sich für diese Aufgabe der SC Verl an der legendären Hafenstrasse vorstellte, war keine besonders günstige Ausgangslage. Nicht nur, dass es ich um einen absoluten Angstgegner handelte, sondern auch dass es für die Ostwestfalen noch um etwas ging, verlieh der Partie eine Bedeutung für beide Teams. Mit einem Auswärtssieg in Essen-Bergeborbeck, für den Sportclub in den letzten Jahren beinahe Routine, wäre dieser am glorreichen RWE auf Platz vier und damit in die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal vorbeigezogen. Der Gästeblock erstrahlte heute in den schönsten Farben der Welt. Die RWE-Führung hatte sich mit den Verantwortlichen aus Verl geeinigt, dass diese nur den Gäste-Sitzplatzbereich zur Verfügung gestellt bekommen. Dabei kam es zwar wohl zu einem Missverständnis beim Sportclub, denn die aktive Szene glänzte nun mit Abwesenheit, da diese gerne den üblichen Platz im Steh-Sektor eingenommen hätte. Natürlich reichte die Kapazität des Sitzplatzbereiches für den aus etwa nicht einmal 700 Köpfen bestehenden Gästeanhang aber mehr als aus. Der Heimbereich war dagegen erneut restlos ausverkauft. Der RWE ging auf fünf Position verändert ins Spiel. Die Defensive wurde dabei komplett umgebaut, nur Rios Alonso blieb aus dem Verbund der Vorwoche übrig.
Die Gäste versuchten in der Anfangsphase das Tempo der Partie extrem niedrig zu halten, wollten dem RWE keinen druckvollen Beginn ermöglichen. SCV-Schlussmann trieb es auf die Spitze, als er eine halbe Minute den Ball am Fuß hielt ohne eine Anspielstation finden zu wollen und ernannte sich damit früh zur Hassfigur. Dass die RWE-Stürmer nicht angriffen war eine andere Geschichte, aber zu früh durfte das Risiko einer Überzahl des Gegners in der eigenen Spielhälfte und damit ein möglicher Gegentreffer nicht in Kauf genommen werden. Ein Rückstand hätte die Sache stark verkompliziert. So entwickelte sich eine Art Abnutzungskampf ohne große Torchance. Brumme und Safi hatten die einzigen beiden guten Abschluss-Chancen für die Roten, die Gäste fanden einmal in Golz ihren Meister. Die Verler zeigten sich etwas abgeklärter und versuchten die Partie immer wieder zu beruhigen, während der RWE es mit mutigen und schnellen Vorstößen versuchte. Das junge Eigengewächs Swajkowski, ebenfalls neu in der Stratelf, sah früh die gelbe Karte. Eine zu harte Entscheidung des durch die rot-weisse Brille betrachtet, insgesamt anstrengend pfeifenden, aber den RWE auch nicht maßgeblich benachteiligenden Referees, die für Entrüstung im aufgeheizten Publikum sorgte. Aber es war mir zu wenig Aufruhr. Es ist einfach nicht mehr die alte Hafenstraße. Früher hätte danach kein Schiedsrichter mehr auch nur irgendwas gegen den RWE entschieden.
Torlos ging es in den zweiten Durchgang. Auch in diesem zeigten sich die Westfalen selbstbewusst und ballsicher, mit der Absicht sich aus Drucksituationen in der Defensive immer spielerisch zu befreien. Dauerhaft spielerische Lösungen finden zu wollen ist aber ein Risiko. Swajkowski erkannte das fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff, war einen Schritt schneller als ein Gäste-Akteur, fackelte nicht lange und jagte die Murmel von der Strafraumgrenze ins rot-weisse Glück. Das Gesicht des Spiels änderte sich dadurch aber nicht maßgeblich. Der Sportclub wirkte etwas sicherer, gelang aber kaum mal in die Gefahrenzone. Erst in der Schlussviertelstunde war das der Fall, als die Gäste das Risiko erhöhten, aber eigentlich wurde es nur einmal richtig brenzlig, als Taz vom Sechzehner abzog und Golz den minimal abgefälschten Ball mit einer Glanztat an den Pfosten lenkte. Die Roten vergaben dagegen jede Konterchance leichtfertig und überhastet. Die Offensive war heute kein Trumpf. Potocnik, der für Jansen ins Team gerutscht war, konnte keine Akzente setzen, ebenso wenig wie die später eingewechselten Schmidt und Obuz. Dass die Führung bis zum Ende bestand hatte, war eine defensive Willensleistung, denn dort wurde Schwerstarbeit geleistet, kein Ball aufgegeben, beinahe jeder Angriff der Gäste aufopferungsvoll wegverteidigt. Der RWE lebt noch, hat es aber weiter nicht in der eigenen Hand. Der Glaube an ein Wunder fehlt mir weiterhin, die Hoffnung ist aber da. Next and last Stop Ulm am kommenden Wochenende!










