Sonntag, 14.07.2019

Exkurs – die frühen Jahre des glorreichen RWE 

Für Testspiele kann ich mich nur selten motivieren und mich in die Regionen weg zu buchen, in denen auch im Sommer gespielt wird, war mir in diesem Jahr aus privaten Gründen nicht möglich. Was also tun in der Pflichtspiel-freien Zeit? In den letzten Tagen hatte ich mal wieder das Buch „An der Hafenstraße – RWE! Die Geschichte des Georg-Melches-Stadion“ von Uwe Wick und Georg Schrepper in der Hand. Die Fibel kann ich übrigens all jenen schwerstens empfehlen, die an der Historie des Vereins interessiert sind. Auf Seite 16 findet man eine Karte des Raumes Bergeborbeck/Vogelheim zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. In dieser sind Orte markiert, welche den Verein in seiner Entstehungsphase begleiteten. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, sattelte ich den Drahtesel und machte mich auf, um mir anzusehen, wie die betreffenden Stellen heute aussehen. Da ein Großteil der Fläche heute von den aneinander angrenzenden Gewerbegebieten ‚Econova‘ und ‚Stadthafen‘ eingenommen wird, hat dort eine umfassende strukturelle Veränderung stattgefunden. Daher war natürlich klar, dass es geringen bis keinen Wiedererkennungswert geben sollte, aber dennoch reizte es mich zu sehen, wie sich die Situation innerhalb von gut 110 Jahren verändert hat.

 

Legt man die damalige und die heutige Karte nebeneinander, ist man auf den ersten Blick der Meinung, zwei unterschiedliche Gebiete zu sehen, was darin begründet ist, dass in den 20er und 30er er Jahren neue Durchgangstraßen geplant wurden, denen existente Straßenverläufe zum Opfer fielen. Nach etwas genauerem Abgleich sind aber durchaus noch Gemeinsamkeiten zu finden und alte Straßenverläufe in der aktuellen Karte nachvollziehbar. Auffallend ist aber wie unglaublich dünn besiedelt die Gegend damals noch war.
Erstes Ziel war der vom Verein Preußen (Berge)Borbeck hergerichtete Sportplatz bei Overbecks Hof. Dort unternahm der  von Georg Melches und seinen Jugendfreunden ins Leben gerufene SV Vogelheim (nicht zu verwechseln mit dem heute noch existierenden aber erst 1913 gegründeten Vogelheimer SV), welcher als Ursprung von Rot-Weiss Essen anzusehen ist, seine ersten Torschüsse. Der Sportplatz lag unmittelbar an der Einmündung der Markenstraße in die Bottroper Straße. Die Markenstraße, die ihren Namen wohl aufgrund des Verlaufs durch die Borbecker Mark, damals ein bewaldetes Areal, bekam, existiert heute nicht mehr. Die damalige Bottroper Straße dürfte heute ungefähr, möglicherweise sogar exakt, dem Verlauf der Emscherbruchallee entsprechen, die aufgrund Ihrer Abgeschiedenheit gern als Wochenend-Pausenplatz ostdeutscher Lkw-Fahrer und wilde Müllkippe genutzt wird. Den Verlauf der Markenstraße kann man heute beim Blick auf die Satellitenansicht erahnen. Dort verläuft der Rand einer dicht bewachsenen Fläche. Auf der angrenzenden Freifläche entsteht derzeit ein Depot des Parcelservice GLS. Overbecks Hof und der daneben liegende Fußballplatz, Punkt 3 auf den Karten, dürften sich in etwa auf Höhe des mächtigen Abgas-Schlotes der Aluminiumhütte befunden haben, auf dem Foto rechts der Straße, direkt neben oder knapp in der urwaldähnlichen Vegetation.
Der nächste Stop war ‚Breilmanns Wiese‘, Punkt 2 auf den Karten. Dort wurde in den Anfängen ebenfalls zeitweise gespielt. Breilmanns Wiese lag an der Vossstraße, heute ist dieses die Westuferstraße mitten im Gewerbegebiet ‚Stadthafen‘. In etwa der Höhe der stillgelegten öffentlichen  Lkw-Waage muss das Spielfeld gelegen haben. Unmittelbar neben der Verwiegungs-Plattform befindet sich ein Zugang durch das neben der Straße liegende Dickicht. Mit viel Phantasie taucht vor dem geistigen Auge dahinter der Fußballplatz auf. In der Realität steht man aber vor dem Zaun eines Material-Lagerplatzes der Streif-Baulogistik, auf dessen heutigem Areal das Spielfeld gelegen haben muss. Der nächste Anlaufpunkt auf die Vereinsgründung entscheidenden Einfluss, dort lag sozusagen die Keimzelle des glorreichen RWE – das Geburtshaus von Georg Melches, Punkt 1 auf den Karten. Dieses stand (steht?) an der Ecke Wildstraße mit der heutigen Hafenstraße, die damals Emscherstraße hieß. Es erschließt sich aus der alten Karte nicht, welchen Namen die Wildstraße früher trug, möglicherweise galt diese als Verlängerung der schon genannten Vossstraße. Auf der alten Karte sind in diesem Bereich mehrere Häuser eingezeichnet, die als Steiger-Wohnungen bezeichnet sind. Heinrich, der Vater von Georg Melches, hatte diese Position als Betriebsleiter im Bergbau inne. Von diesen Häusern steht nur noch das erste, daneben befinden sich in Richtung Norden nur noch zwei Baracken. Das verbliebene Haus mit olivgrünem Anstrich, heute Hafenstraße 210, scheint schon ein gewisses Alter zu haben. Daher liegt der Verdacht nah, dass es sich noch um das originale Haus der Familie Heinrich Melches handelt, zumal an der Hauswand auch eine Metallskulptur der heiligen Barbara zu sehen ist, die bekanntlich  die Schutzpatronin der Bergleute ist, was einen weiteren Rückschluss erlaubt.
In unmittelbarer Nähe liegt der nächste Spot und zwar die sogenannte Zechenwiese, Punkt 4 auf den Karten. Diese Fläche wurde dem Verein, der nach Übertritt zum TB Bergeborbeck und wiederum Austritt aus diesem mittlerweile den Namen Spiel- und Sportverein Emscher Vogelheim trug, von der Zeche Emil-Emscher, wohl aufgrund des väterlichen Einflusses überlassen. In dieser Ecke findet man welche der wenigen Anhaltspunkte, die man auch in der alten Karte feststellen kann, denn die alten Zechenhäuser, die man entlang der Wildstraße sieht, entsprechen (auch vom Grundriss) ganz offensichtlich den auf der alten Karte verzeichneten. Zwar ist die Anzahl der identisch aussehenden Häuser auf beiden Straßen Seiten heute höher, jedoch kann man auf dem Satellitenbild erkennen, dass einige Häuser wohl später errichtet worden sind, denn diese verfügen über einen etwas größeren Grundriss. Hinter den Häusern der nördlichen Straßenseite muss die Zechenwiese auf dem Areal des heutigen Kleingartenverein Emil-Emscher gelegen haben.
Nur wenige hundert Meter südlich lag an der heutigen Hafenstraße die Gaststätte Knümann, Punkt 5 auf den Karten, die in dieser Zeit als Vereinslokal fungierte. Dieses lag gegenüber der Einmündung der Forststraße, an der sich heute der Schnell-Imbiss ‚Hafen-Grill‘ befindet. Gegenüber der Straßeneinmündung befindet sich der Zugang zu einer Kleingartenanlage und ziemlich genau dort muss sich die Gaststätte befunden haben. Noch einmal 200 Meter weiter gen Süden endete meine Erkundungstour dann. Hier, in Höhe der Haus-Nummern 132-136 muss der Sportplatz an der Vogelheimer Straße, wie die Hafenstraße auch eine Zeit lang hieß, gelegen haben, Punkt 7 auf den Karten. Rot-Weiss Essen, wie der Verein nun endlich nach Fusion mit dem TB Bergeborbeck getauft wurde, hatte mittlerweile das heute angestammte Areal an der Hafenstraße bezogen. Da über dieses aber eine neue Verbandsstraße gebaut werden sollte, hatte man als alternativen Spielort zwischenzeitlich die angesprochene Fläche in einen Fußballplatz umgewandelt. Als sich zeigte, dass die geoplante Straße einen anderen Verlauf nehmen würde, kehrte man  an den noch heute genutzten Standort zurück, Punkt 6 auf den Karten. Okay, ganz zu Ende war meine Reise in die Geschichte noch nicht, denn diese endete nun mit dem Sprung in die Gegenwart, da mich der Heimweg so oder so am heutigen Spielort vorbei führte…

 

Freitag, 05.07.2019, 18:00

deutschland

Spvg Frechen 20 vs 1.FC Köln

Kurt-Bornhoff-Sportpark, 4.020 Zuschauer, Testspiel

190705frechen-koeln

Mit Testspiel-Besuchen tue ich mich ja immer äußerst schwer. Erst recht, wenn der glorreiche Deutsche Meister von 1955 nicht beteiligt ist. In manchen Stadien wird aber nur selten gespielt und zu diesen gehört der ‚Kurt-Bornhoff-Sportpark‘ in Frechen. Der Test-Kick des Oberligisten gegen den Ziegenbock harmonisierte räumlich auch halbwegs mit der anvisierten Abend-Veranstaltung, so dass ich mich recht spontan zur Anreise entschied. Was mal wieder gar nicht ging, war die Verkehrslage im Rheinland. Es macht echt kaum noch Sinn, auf einem Freitag in Richtung Domstadt zu gurken, wenn man einigermaßen Zeitdruck hat. So wurde es gerade eben eine Punktlandung, da sich auch die Parkplatz-Situation rund um das Stadion ‚An den sieben Bäumen‘, wie es ja mal hieß, als Katastrophe herausstellte. Bis vor einigen Jahren überspannte eine ziemlich mächtige Überdachung die große Gerade, die allerdings der Umgestaltung und Modernisierung zum Opfer fiel. Ebenso wie die begrünten Stehstufen, die sich bis in die Kurven zogen. Leider rauben diese Rückbau-Maßnahmen dem Stadion einen Großteil seines charakteristischen Charme. Zum Glück traf ich zufällig Alex, so dass die spannungsbefreite Veranstaltung angenehm verquasselt werden konnte.

Mittwoch, 26.06.2019, 19:00

deutschland

DJK Lösort Meiderich vs SV Rhenania Hamborn 0:0

Heinrich-Schäffler-Arena, 600 Zuschauer, Relegation zur Kreisliga A DU/MH/DIN

190626loesort-hamborn

Und es wird weiter relegiert. Im Kreis Duisburg-Mülheim-Dinslaken fehlte noch ein Aufsteiger zur Kreisliga A, welcher in einer einfachen Dreier-Runde ermittelt wurde. Im letzten Spiel dieser Runde musste die Entscheidung zwischen den heute aktiven Kontrahenten fallen, da der Dritte im Bunde bereits chancenlos war. Der Sportplatz an der Talbahnstraße ist Ruhrpott pur. Im Schatten der Schlote des Duisburger ‚Landschaftspark Nord‘ wird auf Asche dem Leder nachgejagt, was bei aktueller Wetterlage natürlich eine ordentlich staubige Angelegenheit war. Auf der Hauptseite des Platzes gibt es einen fünfstufigen Ausbau, ansonsten müssen die Zuschauer ebenerdig stehend dem Treiben beiwohnen. Und derer waren viele gekommen. 600 Leute für ein Relegationsspiel der Kreisliga B sind schon keine schlechte Zahl. Und diese bekamen ein verhältnismäßig gutes Spiel zu sehen. Klar gab es Fehlpässe, panische Aktionen, Stockis und Stolperer, wozu auch der Untergrund Beitrug. Aber für dieses Ligen-Niveau war das Gezeigte ganz ordentlich. Nach recht ausgeglichener erster Hälfte zog die DJK Lösort das Geschehen immer mehr an sich, denn sie war zum Siegen verdammt. Beide Teams hatten ihr erstes Spiel gewonnen, Rhenania aber höher als die Gastgeber, daher reichte den Gästen ein Remis zum Aufstieg. Und so sollte es auch enden, trotz druckvoller Schlussphase der DJK.