Makarska – Sa., 04.09.2021, 17:00

HRNK Zmaj Makarska vs HNK Hajduk Split 0:2

Gradski sportski centar, 1.000 Zuschauer, Testspiel
Die Länderspielpause machte es möglich, dass Hajduk im Jubiläumsspiel zum einhundertsten Geburtstag des Drittligisten Zmaj Makarska antreten konnte. Ich vermute mal stark, dass Hajduk bei derartigen Anlässen in Dalmatien und angrenzenden Regionen immer herhalten und seinen Repräsentationspflichten nachkommen darf.  Das Stadion des Drittligisten ist ein ganz brauchbares Teil mit einer ansehnlichen Haupttribüne und einer nett angelegten Gegenseite. Das eigentliche Prunkstück dieses schicken, kleinen Grounds ist aber die Kulisse nordöstlich hinter dem Stadion. Dort baut sich die beeindruckende Felswand des Biokovo-Massivs mit dem 1.762 Meter hohen Gipfel Sveti Jure auf. Da das Gebirge, welches Teil der den Dinarischen Alpen ist, die sich von Slowenien bis nach Albanien die Küste entlang ziehen, von Meeresspiegelhöhe unmittelbar ansteigt, wirkt es absolut gewaltig. So glotzten wir beinahe mehr auf die Szenerie als auf das eher durchschnittliche Gekicke. Auf extrem schlechtem Geläuf machte der Außenseiter dem Favoriten das Leben sehr schwer. Hajduk konnte die technische Überlegenheit auf der Buckelpiste nicht umsetzen und so kamen die Gastgeber nach verhaltener Anfangsphase zu zwei, drei sehr guten Möglichkeiten. Zweimal verhinderte nur das Aluminium die Führung für den Underdog. Torlos ging es in die Pause und im zweiten Durchgang spielte Hajduk überlegener. Es blieb aber dabei, dass der extrem schlechte Untergrund technische Fehler begünstigte und so musste ein Elfmeter für die Führung herhalten, der bezeichnender Weise auch erst im Nachschuss versenkt wurde. Eine Viertelstunde vor Schluss machte der Favorit dann alles klar.

Split – So., 29.08.2021, 21:00

HNK Hajduk Split vs HNK Rijeka 1:2

Stadion Poljud, 15.967 Zuschauer, 1. Hrvatska nogometna liga
Nach dem Abpfiff in Klis fuhren wir die zwanzig Minuten nach Split zurück und konnten den Wagen unterkunftsnah abstellen. Danach liefen wir direkt zum Stadion Poljud, wo wir eine halbe Stunde vor Kick-Off eintrafen. Die 3G-Regel ist für den Besuch von Fußballspielen in Kroatien Trumpf und vorsichtig ausgedrückt hätte man es besser organisieren können. Nach schwachem Start in die Saison hatte sich Hajduk mit vier Siegen in Folge an die Tabellenspitze gemogelt, wenn auch nur aufgrund eines unrunden Tabellenbildes. Mit dem Team aus Rijeka reiste nun der interessanteste Gegner nach dem Clasico-Kontrahenten Dinamo an, so dass ein besserer Besuch als die üblichen paar tausend Besucher zu erwarten waren. Lange Schlangen an den Eingängen waren nun die Folge, welche das einfache Volk mit näher rückendem Anpfiff zwar aufbegehren ließ, aber letztlich lief alles gesittet ab, auch wenn nicht alle pünktlich zum Anstoß im Stadion waren. Knapp 16.000 waren dann anwesend, da kann der Verein fast dankbar sein, dass es nicht mehr wurden, sonst wäre das Chaos perfekt gewesen. Auch wir verpassten die ersten drei Minuten, jedoch nicht das Intro der Tribuna Sjever, denn es gab keins. Da dieses mein zweiter Besuch in der Muschel war – nichts anderes bedeutet das kroatische Wort Poljud – hielt sich der Ärger in Grenzen. Es war der vierte Spielbesuch mit Beteiligung von Hajduk. Den Clasico gegen Dinamo hatte ich daheim wie auswärts besucht und ein weiteres ‚Heimspiel‘, dass allerdings im nahen Dugopolje ausgetragen wurde. Ein Europapokalspiel gegen Levski Sofia war es vor einigen Jahren, als drei Tage vor dem Spiel plötzlich festgestellt wurde, dass das Poljud ja durch ein Techno-Festival belegt ist. Balkan as its best. Eigentlich war es sogar der dritte Besuch in diesem Stadion, denn der erste Versuch, ein Spiel gegen Dinamo zu sehen, fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Spät in einem Februar hatte ich am Vortag schon das legendäre Stadion Kantrida in Rijeka im Schnee besucht und dann hatte es in Split den ganzen Tag übelst gekübelt. Das Aufwärmen war schon kaum möglich und als der Referee die beiden Kapitäne zu sich bat, diskutierte und dem Hajduk-Spielführer den Ball, der direkt liegen blieb, vor die Füße warf und diesem bedeutete einen Pass zu spielen, der nach nicht mal zwei Metern versiegte, war klar, dass an diesem Abend kein Spiel stattfinden würde. Nachdem der Stadionsprecher die Absage verkündet hatte, fackelte die Hajduk-Kurve sämtliche Pyro-Bestände ab und alle gingen heim.
Ich weiß nicht ob es die relative Mystik ist, welche diesen Verein dadurch umgibt, dass er ja eine ganze Region repräsentiert und in dieser über die Grenze nach Bosnien hinaus einen unglaublichen Rückhalt genießt. Oder ob es an der ‚Torcida‘ liegt, der ältesten Fanvereinigung Europas, die dem Club ein besonderes Charisma verleiht. Oder aber auch das Stadion, dass ich trotz der Laufbahn zu meinen persönlichen Top-Grounds zähle oder vielleicht die Stadt, die mit ihrer Lage an der Adria und der wunderbaren Altstadt punktet. Jedenfalls ist Hajduk nach dem RWE, dem SV Werder und meiner Jugend-Auslandsliebe Celtic der Verein, der mich ernsthaft interessiert. Zwar fehlt die Emotion, die ich den anderen drei genannten Clubs entgegenbringe, aber ich mag diesen Verein definitiv. Daher hätte ich ihn auch heute gern siegen sehen. Aber vielleicht ist auch das ein Aspekt, der meine Sympathie schürt – Hajduk hat es wie der RWE unheimlich drauf, wichtige Spiele zu vergeigen. Die rot-blauen waren das spielbestimmende Team und hatten deutlich mehr Ballbesitz als die Mannschaft von der Kvarner Bucht, aber im Angriffsdrittel gingen die Ideen aus, hinter die gut gestellte Fünfer-Kette des Gegners zu kommen. Ernsthafte Torchancen waren in der ersten Hälfte kaum zu sehen. Die hatte auch Rijeka nicht, aber die beiden pfeilschnellen, dunkelhäutigen Außenstürmer der Gäste waren bei den einzigen zwei guten Konterchancen nicht zu halten und spielten der Hajduk-Defensive Knoten in die Beine. Mit einem Zwei-Tore-Rückstand für die Gastgeber ging es in die Pause.
Den etwa 100 von der ‚Armada‘ Rijeka, die in der ersten Hälfte ein Spruchband zum Jahrestag eines verstorbenen Gruppen-Mitglieds präsentierten, gefiel das natürlich. Mit frischem Elan kam Hajduk aus der Kabine und schon kurz nach dem Wiederanpfiff fiel der dringend benötigte Anschluss, der dem Spiel natürlich neues Feuer brachte. Aber Angriff um Angriff verpuffte und die Gäste vergaben die eine oder andere gute Konterchance kläglich. Das Spiel war nicht schlecht und vor allem auch spannend, aber es offenbarte, warum die kroatische Liga auf europäischer Ebene bestenfalls als drittklassig anzusehen ist. Ich vermute Hajduk hätte bis Mitternacht weiterstürmen können ohne den Ausgleich zu erzielen und so blieb es beim glücklichen Sieg für Rijeka, der von der ‚Armada‘ gemeinsam mit der Mannschaft frenetisch gefeiert wurde. Bei den beiden Treffern vor der Pause gab es beide Male einen klassischen Zaunsturm über alle Stühle hinweg zu sehen, den nicht jeder ohne Sturz überstand. Die Sjever unterstützte ihr Team von Anfang bis Ende bedingungslos. Auch hier findet sich eine Parallele zum Ruhrgebiet – wenn man erkennt, dass das eigene Team alles versucht, kämpft und grätscht bis die Grasnarbe oben liegt, dann wird auch die Niederlage verziehen. Eine Viertelstunde vor Schluss wurde im Herzen der Kurve auch ordentlich gefackelt. Warum aber auf dem Balkan die Stäbe immer auf Laufbahn und Rasen entsorgt werden müssen, wissen die Kurven wohl auch nur selbst. Außerdem wurden drei oder vier ohrenbetäubende Böller gezündet, dass man fürchten musste, dass die beiden Dachmuscheln zusammenbrechen. Keine Ahnung ob da immer noch Restbestände aus dem Balkankrieg abgefeuert werden, es war abartig laut und ich frage mich, wie viele Tage die direkt Umstehenden wohl benötigen, um wieder Alltagsgeräusche wahrnehmen zu können. So bleibe ich in Liga-Spielen mit Hajduk-Beteiligung leider sieglos. Aber es wird irgendwann geschehen, denn ich mag Dalmatien, die Stadt Split und ihr Flair, das Stadion und den Verein gut genug, um dort wieder immer wieder mal aufzuschlagen. Sensationell finde ich auch, dass die Stadt und ganz Dalmatien mit teils mönströs großen Graffiti zugepflastert ist.

Klis – So., 29.08.2021, 18:00

NK Uskok Klis vs NK Neretvanac Opuzen 2:1

Stadion pod Klisom, 80 Zuschauer, 3. Hrvatska nogometna liga jug
Ich war nun schon bestimmt ein halbes Dutzend Male in Split. Wenn man die Schnellstraße vom Autobahnzubringer in die Stadt runter fährt, sieht man auf der rechten Seite eine Festung etwas abenteuerlich auf einem dominanten Felsen liegen, die Festung Klis. Nicht so gut zu erkennen ist, dass sich direkt unterhalb des Felsens ein kleines Stadion befindet. Dort spielt der NK Uskok, benannt nach den Uskoken, einer Volksgruppe welche die Festung im Laufe ihrer Jahrhunderte langen Geschichte eine Zeit lang beherrschte. Jedenfalls hatte ich mich schon bei meinem ersten Aufenthalt in Split vorgenommen, dort auf jeden Fall mal ein Spiel zu sehen, wenn sich dieses ergibt.  Das war nun heute der Fall. Um die Burg-affine Dame zu beschwichtigen, wurde die Festung vorher besichtigt. Das Gemäuer kann allerdings den relativ hohen Eintritt nicht rechtfertigen. Die Lage des Forts übersteigt jedenfalls das, was man letztlich zu sehen bekommt. Immerhin hat man von dort oben einen hervorragenden Blick auf das Stadion des NK Uskok. Dort war der Eintritt mit 20 Kuna (etwas weniger als drei Euro) auch dem Dargebotenen schon eher angemessen – dritte Liga wird dort gespielt. Man kann das Spiel übrigens hervorragend von der Straße schauen, die oberhalb dem der Festung zugewandten Tor entlang führt, aber da siegte dann doch im Gegensatz zu bestimmt 50 Prozent der am Spiel interessierten Leute der Stolz des Fußballtouristen. Die beeindruckende Kulisse hinter dem Stadiönchen macht es letztlich aus, denn ansonsten kann die kleine Anlage nicht viel. Der Wind hat dort leichtes Spiel und im Gegensatz zum warm-maritimen Klima unten in Split, wurde es hier oben mit hereinbrechender Dämmerung dann doch empfindlich kühl nach dem der Platz sich in den Schatten des Festungsfelsens verzogen hatte.

Sibenik – Sa., 28.08.2021, 21:00

HNK Sibenik vs NK Istra 1961 3:1

Stadion Subicevac, 501 Zuschauer, 1. Hrvatska nogometna liga
Mit der Wahl des Urlaubszieles ist es ja momentan auch nicht so einfach, zumindest wenn man unnötigen Nervenkitzel vermeiden will. Daher fixierte ich mit der Herzdame auch erst zehn Tage vor Abreise Dalmatien als Zielgebiet. Zugegebenermaßen nicht ganz uneigennützig, da im Urlaub ja üblicherweise auch noch ein wenig dem Hobby gefrönt werden sollte und abgesehen von der nervigen Länderspielpause versprach es noch ein paar ordentliche Spiele im Laufe der folgenden zwei Wochen. Dass sich das eigene Fahrzeug zum bevorzugten Reisemittel entwickeln würde, hätte ich vor zwei Jahren auch noch nicht geahnt. Aber dieses verspricht nun mal grenzenlose Freiheit und Flexibilität, beides ja aktuell nicht zu unterschätzen. Mit Zwischenübernachtung bei Adi Dassler in Herzogenaurach hieß Sibenik das erste Ziel. Nicht weil die Stadt sonderlich reizte, auch wenn die Altstadt durchaus gefallen kann, wie ich von einem früheren Aufenthalt noch wusste, sondern weil dort ein Spiel der kroatischen Fußball-Oberklasse stattfand. Sehr spannend ist die Liga ja nicht. Der Meister heißt leider meistens Dinamo Zagreb und Riesenstimmung herrscht bei den wenigsten Spielen der zehn Teams umfassenden Liga. Hajduk ist natürlich weit vorn die erste Wahl, dann folgen Osijek, Rijeka und Dinamo, in der nächsten Rangfolge hätte ich noch Istra und auch Sibenik eingeordnet und bei den dann noch verbleibenden Teams herrscht so viel Atmosphäre wie in einem Kapuziner-Kloster mit Schweigegelübde.
So hatte ich diese Partie für kroatische Verhältnisse eigentlich als brauchbar eingeordnet, so ungefähr als B-Spiel auf der kroatischen Richter-Skala. Am und um das Stadion findet man auch ein paar ansprechende Graffiti der ‚Funcuti Sibenik‘ und Istra hat mit den ‚Demoni‘ ja auch eine aktive Gruppe. Im Stadion war von letzteren aber gar nichts zu sehen und die ‚Funcuti‘ konnte man mit zwei Dutzend Leuten zwar identifizieren, aber diese gaben sich dem Biertrinken hin und brachten keinen Ton heraus. Da hatte das mit Graffiti versehene Stadion-Umfeld durchaus mehr versprochen. Überhaupt war die Kulisse mit 501 Zusehern unverständlich gering. Natürlich ist auch die Gespanschaft Sibenik-Knin zu einem großen Teil Hajduk Split zugetan und der HNK Sibenik nur ein gallisches Dorf im Hajduk-Reich, aber vierstelligen Zuspruch hätte ich dann doch erwartet, zumal der Verein nach einigen Jahren Abstinenz erst im zweiten Jahr wieder erstklassig spielt. Auch die Mannschaft hätte eine bessere Kulisse und Support verdient gehabt, denn nach gerade mal einer halben Stunde hatte diese eine 3:0-Führung herausgeschossen, kommt in Kroatien auch nicht zu häufig vor. Die Gäste waren damit auch schon geschlagen, das war irgendwie zu erkennen. Leider verwalteten die Gastgeber den Kick danach nur noch. Schade, das hätte ein schönes Schützenfest werden können. Stattdessen gelang Istra zumindest noch der Ehrentreffer.

Wuppertal – Mi., 25.08.2021, 19:00

Wuppertaler SV vs Rot-Weiss Essen 0:1

Stadion am Zoo, 4.140 Zuschauer, Regionalliga West
Nach dem Heimdebakel gegen den SV Straelen war eine starke Reaktion zwingend notwendig. Schaffen auch nur die Rot-Weissen, sich schon am dritten Spieltag einer Drucksituation ausgesetzt zu sehen. Die Jungs aus dem Tal hatten sich gut verstärkt und waren ordentlich in die Saison gestartet, so dass von einem engen Spiel auszugehen war. Der WSV hatte ordentlich die Werbetrommel gerührt. Pausenclown Neururer, der ja in irgendeiner Funktion im Vorstand des Clubs rum mokelt, hatte sogar irgendwas von 10.000 Zuschauern gefaselt. Wird wohl langsam senil, der Pidder. De facto waren dann etwas mehr als 4.000 im Stadion, davon circa 800 bis 900 aus Essen. Beiderseits also nicht unbedingt überragend. Die aktive Szene des RWE hat sich zur aktuellen Lage nach meinem Wissen so positioniert, dass quasi jedem Gruppenmitglied die Entscheidung zum Spielbesuch selbst überlassen ist. Von den großen Gruppen haben sich nur die Vandalz offen zum Stadionbesuch bekannt, allerdings wird auf optische Aktionen und Zaunfahnen weiterhin verzichtet, bis für alle Fans wieder ein normaler Spielbesuch möglich ist. Viele Fanclubs schließen sich dieser Position an. Bei den ersten beiden Spielen wurde zwar supportet, aber mit deutlich angezogener Handbremse, weniger weil es gewollt ist, eher weil die ordnende und führende Position der großen Gruppen fehlt. Es sei vorweg genommen, dass es heute der bislang zurückhaltendste Auftritt war, eines Derbys nicht würdig.
Die Ultras Wuppertal verzichteten ebenfalls auf optische Bekenntnis, hatten aber zumindest das große Banner mit dem Vereinsnamen aufgehängt, standen am gewohnten Platz, waren damit als Gruppe zu erkennen und unterstützten ihr Team deutlich aktiver als es in der Gäste-Kurve der Fall war. Auf dem Spielfeld zeigten sich andere Kräfteverhältnisse. Die Roten übernahmen von Minute eins bis vierundneunzig das Kommando und der WSV kam nur in kurzen Phasen auf Augenhöhe. Die Überlegenheit sah zwar spielerisch nicht schön aus, mündete allerdings in insgesamt sieben oder acht sehr guten Einschussmöglichkeiten, von denen jedoch nur eine im ersten Durchgang genutzt wurde. Unstrittig, dass der Sieg hochverdient war. Allerdings fiel dieser zu niedrig aus und barg unnötig die Gefahr, am Ende eben doch nur mit einem Punkt oder gar ganz ohne dazustehen. Nachdem für den RWE über Jahrzehnte im Tal der fliegenden Messer wenig zu holen war, hat sich das in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Ein Sieg über den aktuell größten Rivalen ist natürlich immer ein Highlight, aber noch nie habe ich diesen so emotionslos hingenommen wie heute. Der Fußball ist halt lange noch nicht wieder da, wo er einmal war, das fällt mir besonders bei den Spielen des Herzensclubs auf. Unter dem Strich bleibt der wichtige Sieg, damit nicht früh in der Saison ein Rückstand zur Tabellenspitze aufgebaut wird. Um ernsthaft um den den Aufsteig mitzuspielen, muss sich die Mannschaft aber noch gewaltig steigern.

Essen – So., 22.08.2021, 15:00

SpVg Schonnebeck vs ETB Schwarz-Weiss 5:0

Schetters Busch, 723 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Nur Nahverkehr sollte es am heutigen Sonntag nach der 20-Stunden-Tagestour am Vortag sein. Neben dem spontanen Vormittags-Spiel war das am ersten Spieltag der Oberliga Niederrhein stattfindende Derby zwischen den Schwalben von der Spielvereinigung Schonnebeck, die sich in den letzten Jahren ja zu Essens Nummer zwei hinter dem glorreichen Deutschen Meister von 1955 gemausert haben, und den Schwatten aus dem Essener Süden eingeplant. Marco traf ich dort natürlich auch wieder, ist ja schließlich sein Stammverein, für den er lange Jahre Bälle aus dem Giebel gefischt hat – oder manchmal eben auch nicht. Am Schetters Busch war ich zuletzt vor über zehn Jahren. Dass dieses Duell am ersten Spieltag stattfinden würde, sollte sicherlich noch ein paar Zuschauer mehr anlocken als üblich. Ist ja ne recht schöne Anlage auf der die Schwalben spielen, auch wenn eine gewisse Individualität fehlt. Die schöne Sitztribüne wertet den Platz aber natürlich auf und es ist sicherlich eine der schönsten Spielstätten der Stadt. Einlass und Catering waren hervorragend organisiert und man spürte auch dass die Spielvereinigung ein lebendiger Verein ist.
Über 700 Zuschauer waren zum Spiel erschienen, eine stattliche Kulisse für ein Oberliga-Match. An die 100 davon werden den Schwarz-Weißen die Daumen gedrückt haben. Vielleicht sollte sich der Verein aber besser in Grau-Weiß umbenennen, denn so wirklich was anfangen kann in Essen ja keiner mit diesem Verein, der sich als ewiger Oberligist spätestens in den letzten zwei Dekaden zur grauen Maus entwickelt hat. Dass der Verein nun vom ehemaligen Macher des FC Kray – einer doch eher streitbaren, polarisierenden und nicht überall beliebten Personalie – unterstützt wird, macht den Verein nicht unbedingt sympathischer. Aber auch die Spielvereinigung muss über großzügige Gönner verfügen, anderenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass einige der aktuellen Spieler für einen Oberligisten aufliefen. Im Kader findet sich schon ein gutes Stück Regionalliga-Erfahrung wieder. Die Gastgeber hatten auf jeden Fall den besseren Start für sich und übernahmen direkt die Regie des Spiels. Nach einer frühen schwarz-weißen Notbremse und daraus resultierendem Platzverweis wurde der Elfmeter zwar versemmelt, aber im Nachschuss gingen die Gastgeber dennoch in Führung. Die Gäste steckten nicht auf, hatten nach dem Gegentor vielleicht sogar etwas mehr vom Spiel, kassierten aber wenig später den zweiten Treffer. Zudem schwächten sie sich nach einer Tätlichkeit kurz vor der Pause ein weiteres Mal. Zu neunt war dann nicht mehr viel zu holen, die Schwalben zeigten sich sehr effizient und schnürten den Gästen im zweiten Durchgang ein schönes Päckchen.

Essen – So., 22.08.2021, 11:00

DJK Wacker Bergeborbeck vs NK Croatia Essen II 1:1

Sportplatz Cathostraße, 40 Zuschauer, Kreisliga C Essen Gruppe 1
Als mich nach dem Aufstehen und dem Aufbrühen eines Kaffee die Nachricht des RWE-Genossen Marco erreichte, dass er und der Teamchef das Vormittags-Spiel der DJK Wacker besuchen würden, wog ich kurz Faulheit gegen Interesse ab und entschied mich dann für die kurze Anreise. Ein Spiel hatte ich auf dem irgendwie kultigen Sportplatz an der Cathostraße, gelegen im Schatten des RWE-Stadions, tatsächlich noch nicht gesehen, sondern den Platz nur im Laufe der glorreichen Kreisliga-Karriere selber einige Male beackert. Wacker hat nie höher gespielt als in der Bezirksliga. Mit Beginn des Jahrtausend begann dann der endgültige Abstieg. Einige Spielzeiten hielt sich der Club in der Kreisliga A, mittlerweile ist man seit Jahren Stammgast auf der untersten Ebene der Ligen-Pyramide. In den letzten Jahren lief dann auch der Nachwuchs nach und nach weg. Natürlich wollen die Kinder und Jugendlichen lieber auf brandneuen Kunstrasenfeldern spielen, als in der zudem nicht sehr schön gelegenen Asche-Kuhle im Essener Zonenrandgebiet. Keine einzige Jugendmannschaft und nur noch eine Seniorenmannschaft nimmt am Spielbetrieb teil. Trauriger Niedergang eines beinahe 100 Jahre alten Vereins. Dabei hat die Anlage durchaus Charme mit den zwei betagten Überdachungen. Dennoch ist der Patient natürlich klinisch tot und wird nur noch durch den Einsatz einiger unermüdlicher Mitglieder künstlich am Leben erhalten. Sportlich war die Veranstaltung natürlich auch kein Leckerbissen und das Highlight eigentlich die Szene, als der Referee das Spiel mittendrin unterbrach und einem Wackeraner mit der Frage „Wo sind denn Deine Schienbeinschoner“ den gelben Pappkarton unter die Nase hielt.