Essen – Fr., 23.10.2026, 19:00

Rot-Weiss Essen vs SSV Jahn Regensburg 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 16.517 Zuschauer, 3.Liga
Der Jahn war zu Gast an der Hafenstraße und die Vorzeichen waren eigentlich nicht so klar, wie es die Tabelle vermuten ließ, denn die Oberpfälzer rangierten auf einem Abstiegsplatz. Zwar legte der SSV einen Katastrophen-Start in die Saison hin, blieb aber zuletzt drei Male in Folge ungeschlagen. Der RWE hatte nach der zweiten Saisonniederlage, die in der Vorwoche erlitten wurde, etwas gutzumachen. Da derzeit allerdings das Verletzungspech in Essen auf Tour geht, war die Aufgabe nicht so einfach (allerdings gibt‘s in dieser verrückten Liga ja auch eigentlich gar keine leichte Aufgabe), denn unter der Woche hatten sich Obuz und der beste Torschütze Telalovic für die nächsten Wochen krankmelden müssen. Bei einem eher kleinen Kader wird die Luft da schon langsam dünn und ‚ohne Fünf‘ ging es an diesem äußerst stürmischen und regnerischen Freitag-Abend aufs Grün. Aus Bayern waren knapp 200 Leute angereist, die ihr Möglichstes taten. Kompakt stehend gaben diese ein geschlossenes Bild ab und eröffneten mit einem kleinen Fahnen-Chaos-Intro hinter einer Doppelhalter-Parade, die das Wort ‚Ratisbona‘ ergab, den italienischen Namen Regensburgs. Es dauerte einige Minuten dann übernahmen die Roten die Kontrolle und Janssen verzeichnete nach zehn Minuten den ersten Abschluss, drückte aber in Bedrängnis und Rücklage den Knopf zum zweiten Stock. Kurz darauf zündete Abiama aus gut 25 Metern und der nicht immer sicher wirkende Jahn-Schlussmann hatte seine liebe Mühe mit der Entschärfung dieser Rakete.
Und nur wenige Minuten nach diesem Warnschuss klingelte es dann doch im Regensburger Kasten. Die Hintermannschaft der Gäste übernahm die Regie für einen echten Defensiv-Gruselfilm. Die Idee war offensichtlich nach Torabstoß schnell eine spielerische Lösung in die gegnerische Hälft zu finden. Schnapper Hermann spielte raus auf die linke Abwehrseite, da der Ballhabende aber offensiv keine Anspielstation fand, wurde das Spielgerät kurz nach innen ans eigene Sechzehner-Eck gepasst. Dort nahm Fein die Kugel auf und entschied sich fürs Dribbling die Strafraumlinie entlang, dabei bekommt ja jeder Trainer schon nen Herzriss. Ging natürlich auch schief, denn Sietan spitzelte die Kirsche weg, der Ball geriet aber etwas zu lang, als das der hinterher stürmende Potocnik ihn erreichen konnte. Der Tormann hätte das Streitobjekt nun unter sich begraben können, aber ein ebenfalls hinzueilender Verteidiger kam vorher an die Kugel, die nun Richtung Torauslinie rollte. Die Situation war nun dennoch eigentlich geklärt, zur Beruhigung der Sachlage hätte der Jahn auch den Eckball riskieren können. Ein Gäste-Spieler holte sich aber den Ball und spielte diesen Abiami humorlos in die Füße. Der ließ sich nicht lange bitten, flankte die Kugel lang nach innen, Torwart Hermann unterlief den Ball und Brumme nickte diesen am zweiten Pfosten ins nun leere Tor. Was für eine unfassbare Abfolge von katastrophalen Entscheidungen, quasi ein Kack-Tor aus dem Lehrbuch, Arnd Zeigler wird wohl schon auf der Lauer liegen. Aber gut für den glorreichen RWE.
Die Roten verzeichneten danach weiter Abschlüsse, es reichte aber nicht um auf 2:0 zu stellen. Die Gäste fanden eigentlich gar nicht statt, aber die Rot-Weissen machten einfach zu wenig aus der Überlegenheit, insgesamt war das Spiel ein wenig zerfahren. Kurz vor der Pause wäre es dann beinahe passiert. Der SSV kam zum ersten Mal gefährlich vor das von Jakob Golz gehütete Tor, aber dieser entschärfte den gefährlichen Schuss aus halbrechter Position in absoluter Golz-Manier. Der zweite Durchgang zeigte dann ein etwas offeneres Spiel, die Gäste bemühten sich nun an der Partie teilzunehmen, Torabschlüsse gab es auf beiden Seiten aber nur wenige. Es blieb am Ende beim kleinstmöglichen Sieg-Ergebnis, welches sich der RWE teuer erkaufte, denn Potocnik musste in Hälfte eins verletzte ausgetauscht werden. Die Stimmung war auch mal wieder eher durchschnittlich, sicher war dafür auch die nasskalte Witterung mit ursächlich, aber eben auch die schon viel gescholtene Bauweise des Stadions. Ich sehe gespannt dem Tag entgegen, an dem die offenen Ecken geschlossen sind, der Baustart für die bereits beschlossene Maßnahme wird jedoch immer weiter verschoben. Spätestens wenn in Essen rauschende Europapokal-Nächte gefeiert werden, sollte es vollbracht sein. Noch 24 Punkte bis zum Klassenerhalt.