Sonntag, 23.02.2020, 14:30

oesterreich

TSV Hartberg vs SK Rapid Wien 2:2

TSV-Stadion, 5.024 Zuschauer, Bundesliga

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Die steirische Kleinstadt Hartberg wird nun in der zweiten Saison nacheinander durch den TSV in der österreichischen Bundesliga vertreten und der Rekordmeister aus der Bundeshauptstadt gab sich begleitet von 6-700 Fans die Ehre, was zu einem ausverkauften Stadion führte. Die Wiener Szene hatte eine kleine Choreo mitgebracht. Ein Rapid-Kämpfer mit Sturmhaube forderte vor grün-weißer Blockfahne zum Faustkampf heraus. Anschließend qualmte es grün aus dem Block. Rapid spielt ja wieder eine eher durchschnittliche Saison. Die Teilnahme an der Meisterrunde ist zwar gesichert, von Titelchancen ist man aber meilenweit entfernt. Es geht nur noch darum den Platz im internationalen Geschäft zu klären. Für den TSV ging es dagegen noch um elementare Punkte. Der kleine Verein ist kurz davor, überraschend ebenfalls das Ticket für die Meisterrunde zu lösen und sich auch der letzten kleinen Abstiegssorgen zu entledigen. Die TSV-Szene ist äußerst überschaubar und erinnerte mich an kleine deutsche Regionalliga-Szenen in ländlichen Regionen. Ein paar Fahnen, eine Trommel und zwei Dutzend Landeier, die ein paar Chants raushauten. Rapid mit dem gewohnt starken Support. Das wirkt zwar oft sehr einstudiert und erinnert beinahe an polnische Kurven, ist aber immer wieder gut anzuhören und anzusehen. In Hälfte zwei qualmte es dann wieder im Away-Bereich und mit grünen und weißen Rauchfackeln wurde bedingt durch das windige Wetter ein interessantes Bild gezaubert, einzelne Bengalos wurden immer mal gezündet und zur Rapid-Viertelstunde in der 75. Minute wurde auch ein ganzes Batallion Fackeln angerissen, was aber bei Tageslicht nicht sonderlich wirkte. Das Stadion ist ein zusammengeschustertes Teil und selbst einer österreichischen höchsten Spielklasse nicht würdig. Lediglich die Haupt- und die Gegentribüne sind gemauert, der Rest besteht aus viel, viel Stahlrohr – schön ist nun wirklich anders. Der Deutsche Meister von 1941 spielte zeitweise überlegen, bekam das Geschehen aber dennoch nicht in den Griff. Trotz Führung drehten die Gastgeber das Spiel und die Wiener konnten sich glücklich schätzen, dass der eben erst neu verpflichtete Stürmer aus der zweiten Liga in der Nachspielzeit noch einen Punkt sicherte. Neben mir stand ein Heini, der sich fleißig Notizen machte, sobald im Rapid-Block ein Pyro-Erzeugnis abgebrannt wurde und dieses auch jedes Mal fotografierte. Wie ein Teilnehmer der Bewegung sah er nicht aus, stattdessen entdeckte ich das Emblem des österreichischen Fußballverbandes an seiner Jacke und sprach ihn mal an. Der Tünnes war doch tatsächlich ein Verbandsspitzel, dessen Aufgabe es einzige und allein war, Pyro-Vergehen und beleidigende Doppelhalter und Transparente zu dokumentieren, auf dessen Fundament nachher die Strafe für den SK Rapid festgelegt würde. Toller Job und er konnte wohl froh sein, dass er mit mir nur an einen unbedarften Fußball-Hansel gekommen war. Aktive Mitglieder einer österreichischen Ultra-Szene hätten vielleicht zur intimeren Aussprache gebeten.

Samstag, 22.02.2020, 20:15

slowenien

NK Maribor vs NK Olimpija Ljubljana 1:1

Ljudski vrt, 9.000 Zuschauer, Prva slovenska nogometna liga

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Ultra Viole Maribor feierte 30jähriges, da darf man natürlich nicht fehlen. Mit Wizzair von Köln nach Wien, dann mit dem Mietwagen bis nach Spielfeld, dem letzten Ort vor der Grenze. Um die horrende Verarschungs-Gebühr für den Grenzübertritt zu sparen – viele Mietwagen-Gesellschaften nutzen ja diese Chance, um die geringen Margen deutlich zu verbessern – sollte der Wagen dort stehen bleiben und die letzten 20 Kilometer bis Maribor mit der Bahn bewältigt werden. Ich hatte aber zu sehr getrödelt und durfte feststellen, dass ich die passende Schaukel gerade verpasst hatte und nun für Stunden nix mehr fuhr. Irgendwat is ja immer, also volles Risiko und ohne Versicherung rüber. Wobei das ja Trugschluss ist, denn natürlich ist das Fahrzeug selber versichert. Es dürfte allerdings großen Stress geben, wenn man dann mal wirklich einen Schaden im Ausland hat, ohne den Vermieter über den Grenzübertritt informiert zu haben. Dementsprechend vorsichtig war ich unterwegs und gönnte mir dann zur Sicherheit auch den Hotel-eigenen Parkplatz. Natürlich ging letztlich alles gut. Als ich vor dem Spiel nen Happen essen war, rannten mich direkt mal die Bazis Jonny und Iltis nebst weiterer Begleitung über den Haufen. Klar, derartige Spiele ziehen die Hopper-Maden an. Waren ja auch noch genug andere einschlägig bekannte Gestalten vor Ort. Zwischen Nahrungsaufnahme und Spiel schnappte ich in ner Pinte noch ein Bier und hört dann immer näher kommende Böller-Detonationen. Also mal langsam los und direkt in den absolut fetten Chorteo von Viole gestolpert, die mit Bengal- und Rauchfackeln und Böllern den ganzen Straßenzug eindampften. Starkes Bild! Am Stadion löste sich der Marsch dann erst einmal auf und ich verzog mich auf die Haupttribüne. Als Intro zeigte Ultra Viole eine Choreo, die vor dem Block hochgezogen wurde. Ein grimmig schauender Satan hielt eine Drei und eine Null in den Händen und am Zaun prangte ein Transparent, dass übersetzt so viel hieß, wie ‚großartiges Viole‘. Der Support aus gut 500 Kehlen kam dann überraschend dünn herüber. Aufgrund des relativ großen Mob in diesem kleinen Stadion hätte das deutlich intensiver klingen müssen. Da schienen mir die 200 aktiven Olimpija-Sups unter den etwa 350 mitgereisten doch deutlich motivierter. Im Away-Sektor gab es allerdings keinen organisierten Tifo zu sehen. Ab und an brannte mal ein Bengalo und kurz vor dem Spielschluss auch mal ein paar mehr und ein paar grüne Rauchfackeln. Ultra Viole hatte noch ein paar Aktionen in petto. Es gab noch eine ordentliche Fackel-Show inklusive Entsorgung der Brennstäbe auf das Spielfeld und ganz gut sah es auch aus, als sich die Kurve zur einen Hälfte gelbe und zur anderen violette Einweghandschuhe überstreifte. Also das war alles ganz unterhaltsam zu beobachten, aber ich wurde das Gefühl nie los, dass mehr möglich war. Sportlich endete die überschaubar attraktive Partie remis mit je einem Treffer auf jeder Seite, womit die mit vier Punkten Vorsprung vorn liegenden Gäste aus der Hauptstadt natürlich mehr anfangen konnten. Ich ließ den Abend mit den Bayern-Genossen bei einigen Kaltgetränken ausklingen.

Sonntag, 16.02.2020, 14:00

deutschland

Rot-Weiss Essen vs Rot-Weiß Oberhausen 1:0

Stadion Essen, 13.256 Zuschauer, Regionalliga West

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Das Spiel gegen die Kanalarbeiter aus der unscheinbaren Nachbarstadt beendete die Wochen der Wahrheit. Derby oder nicht Derby? Für die einen (RWO) ja, für die anderen (RWE) eher nicht. Für viele der RWE-Anhänger, vorrangig jene, die vor 1980 geboren wurden, gibt es nur einen Derby-Gegner – die Unaussprechlichen aus Gesindelkirchen. Das letzte Derby liegt aber nun bereits 28 Jahre zurück, als dem damals drittklassigen RWE das Husarenstück gelang, den Bundesligisten aus dem DFB-Pokal-Wettbewerb zu entfernen – verdammt, bin ich dankbar, dass ich da live dabei sein durfte! Bedeutet dieses aber, dass der glorreiche Deutsche Meister von 1955 seit 28 Jahren kein Derby gespielt hat? Ich definiere ein Derby als ein Spiel zwischen zwei Clubs, die aus derselben Stadt oder Region kommen. Mag sein, dass für uns Rote der Vergleich mit den Nachbarn aus der sozial benachteiligten, nordöstlich von Essen liegenden Gemeinde das bedeutendste Spiel ist. Nicht nur für meinen Geschmack haben aber auch die Spiele gegen den WSV, den MSV und gegen RWO und weitere nahe angesiedelte Vereine einen erhöhten Stellenwert und damit Derby-Charakter, auch wenn aus rot-weisser Perspektive keiner dieser Gegner die Negativ-Bedeutung des FC Arbeitslosenkirchen 04 erreicht. Aber es geht definitiv um Vorherrschaft in der hiesigen Region und bei gerade neun Kilometern Luftlinie zwischen der Niederrheinruine und der Hafenstraße nimmt das Duell mit dem RWO natürlich eine besondere Stellung ein. Anderes zu behaupten, entbehrt nicht einer gewissen Arroganz, die man aber natürlich auch mal ruhig äußern kann. Die Bedingungen waren schwierig. Der RWE liefert mal wieder eine eher durchschnittliche Heimbilanz an, während Oberhausen seit Monaten nicht mehr verloren hatte und mit richtig breiter Brust nach Essen kam. Auch die Fan-Szene der Kanal-Jungs sparte nicht mit Provokationen, ließ aber zahlenmäßig keine Taten folgen. Statt der angekündigten 2-3000, hatten sich dann doch eher unter 1500 Gästen im Away-Bereich eingefunden. Eins war klar – hätte der RWE dieses Spiel nicht gewonnen, wäre auch der letzte eh schon hauchdünne Aufstiegs-Strohhalm endgültig abgeknickt.
Die Recken in den RWE-Trikots hatten verstanden und kämpften um jeden Zentimeter Rasen. Aber auch RWO hat eine richtig gute Regionalliga-Mannschaft, daher zeigte sich die Partie in Hälfte eins sehr ausgeglichen und da die Defensiv-Reihen auf beiden Seiten kompakt und annähernd fehlerfrei agierten, auch ohne große Torraum-Szenen. Viel änderte sich daran auch im zweiten Durchgang nicht und doch konnte sich der glorreiche RWE ein leichtes Übergewicht erarbeiten. RWO fand weiterhin maximal bis zum Essener 16er statt und der RWE konnte dagegen ein paar Male gefährlich vor das Gäste-Tor kommen. Nachdem eine Viertelstunde vor dem Ende die bis dahin größte Chance zur Führung ungenutzt geblieben war, fanden sich wohl nach und nach alle Zuschauer mit einem torlosen Remis ab. Stürmer Kefkir sah das anders und nutzte eine eigentlich nicht sonderlich brenzlig wirkende Situation zehn Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit zur zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erwarteten Führung. RWO konnte dem Kick keine entscheidende Wendung mehr geben und mit dem Schlusspfiff machte sich Erleichterung breit, weiterhin eine kleine Option auf den Relegationsplatz offen gehalten zu haben. Die Gäste haderten mit dem Schiedsrichter und wollten vor dem Führungstreffer eine Regelwidrigkeit erkannt haben. Sicher, auch umgekehrt wäre das zur Sprache gekommen, aber zuletzt durfte sich RWO bei den Spielen gegen RWE nicht über die Entscheidungen der Unparteiischen beklagen – siehe insbesondere das entscheidende Nicht-Tor in der Schlussminute des Niederrheinpokalfinale des letzten Jahres – und es gleicht sich eh meist immer alles aus. Ich bin der Meinung, das Schiri-Gespann hat diese emotionale Partie sicher und gerecht geleitet, sicherlich manche Situation großzügig ausgelegt, aber eben auf beiden Seiten, wie auch in der entscheidenden Szene. Unter dem Strich war dieser Sieg letztlich sicher etwas glücklich, aber eben nicht unverdient, denn in Hälfte zwei war der RWE das etwas stärkere Team. Die Stimmung war nicht schlecht, aber da geht mehr. Die RWO-Kurve habe ich in unserem Stadion schon lauter erlebt und die Westtribüne war zwar gemessen an der doch oft eher durchschnittlichen Lautstärke nicht übel aufgelegt, aber auch da blieb noch Luft nach oben. Dennoch war dieses Liga-Topspiel mit über 13000 Zuschauern absolut würdig und macht noch mehr Lust auf eine andere Liga. Weiter kämpfen! Niemals aufgeben!

Freitag, 14.02.2020, 20:30

deutschland

BV Borussia Dortmund 09 vs SG Eintracht Frankfurt 4:0

Westfalenstadion, 81.365 Zuschauer, Bundesliga

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Ein Spielbesuch beim BVB geht immer und erst recht gegen die Frankfurter Eintracht, daher wurde zugegriffen, als die Firmen-Dauerkarten freigegeben wurden und begleitet von meiner verehrten Dame und zwei Nachbarn ging es in die Bierstadt. Diesen Titel hat Dortmund ja eigentlich gar nicht mehr verdient. Die Zeiten als Ritter, DAB, Thier und Union gebraut wurden, ist lang vorbei. Außer Brinkhoffs und Hövels dürfte es heute nicht mehr viele Produktionsorte in der Stadt geben. Aber auch nur halb so schlimm – wirklich geschmeckt hat mir die Dortmunder Miege nie. Die Südkurve zog eine fette von The Unity organisierte zweiteilige Choreo auf. Mittels Pappen wurden die städtischen Farben rot und weiß gezeigt und das Stadtwappen zentral hochgezogen. Vor der Zettel-Choreo wurde dann mittels Zugsystem die sehr detailliert gemalte Stadt-Silhouette platziert. Sah gut aus. Am Zaun prangte ein Spruchband „Große Stadt Dortmund mein Traum“. Auf Kommando der Capos wurden die Pappen dann gedreht, das Bild änderte sich in die Vereinsfarben und das Stadt- wurde durch das Vereinswappen ersetzt. Klar, das Rad wurde nicht neu erfunden, aber das war dennoch ne starke Show. Muss auch erst einmal umgesetzt werden, dass tausende Dödel die Pappen im richtigen Moment drehen, ohne dass zu viel zeitlicher Versatz dazwischen liegt. Einen kleinen Punktabzug gab es, weil der zweite Choreo-Teil nicht lange genug gehalten wurde – da wurden wohl viele zu ungeduldig. Die Stimmung ließ dann einige Luft nach oben. Die Südkurve wird natürlich vor allem medial sehr gehypet, was sicherlich kontraproduktiv ist und die Kurve überschätzt wirken lässt. Die Messlatte liegt einfach zu hoch, denn natürlich ist es utopisch, dass 25000 Gestalten einstimmig einen Chant nach dem anderen in den Tempel schmettern. Der Stimmungskern der BVB-Szene ist durch die drei großen Gruppen mit allen Anhängseln schon ordentlich groß. In Relation zur gesamten Kurve wirkt der aktive Kern aber natürlich eher klein, was jedoch ein trügerisches Bild ist. Dennoch steckt da mehr Potential drin, als bei diesem Spiel offenbar wurde. Ein oder zwei Mal pro Saison bin ich ja im Westfalenstadion und ich muss mich schon sehr täuschen, wenn ich die Szene nicht schon viel stärker erlebt habe. Dennoch, ich bin prinzipiell gern in Dortmund, auch wenn mir der Verein ziemlich egal ist. Weder mag ich den Club sonderlich, noch empfinde ich Antipathie, was meine Besuche dort für mich meist sehr entspannt gestaltet. Ich mag das immer beeindruckend gefüllte Stadion und es gibt sicher schlechtere Orte, um Fußball zu schauen. Von der SGE-Szene kam auch verdammt wenig, da hatte ich auch mehr erwartet. Zwar kann ich von den Firmen-Dauerkarten-Plätzen die Gäste akustisch immer nur schwer beurteilen, aber da habe ich defintiv auch schon bessere Auftritte erlebt. Hinderte UF allerdings nicht daran, zum Beginn der zweiten Hälfte eine ordentliche Anzahl Fackeln zu zünden. Und die Vorstellung der Kurve war auch allemal stärker, als der ihrer Elf auf dem Rasen. Was die Eintracht da ablieferte war der Inbegriff der Harmlosigkeit und die SGE konnte am Ende froh sein, nur vier Dinger gefangen zu haben. Als es nach einer Stunde schon 3:0 für den BVB stand, befürchtete ich schon Schlimmeres für die Gäste, die mir ja recht sympathisch sind. An diesem Abend stand die SGE aber völlig neben sich und machte es den Schwarz-Gelben leicht, die drei Punkte deutlich zu behaupten.

Donnerstag, 13.02.2020, 18:30

niederlande

Go Ahead Eagles Deventer vs FC Utrecht 1:4

De Adelaarshorst, 8.064 Zuschauer, KNVB Beker Viertelfinale

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Und weiter geht die Revisit-Runde durchs Nachbarland. Zum Pokal-Viertelfinale im Adlerhorst zu Deventer stellte sich der FC Utrecht vor. Das Stadion der Eagles ist immer noch ein schöner Oldschool-Ground, auch wenn zwei Tribünen mittlerweile durch Neubauten, die sich aber eben gut ins Bild einfügen, ersetzt wurden. Ich hatte mit einem ausverkauften Haus gerechnet, doch es waren tatsächlich eher ein paar Leute weniger anwesend als bei den Liga-Spielen. Schwer nachvollziehbar, denn für einen Verein, der sich in den vergangenen Jahren als ziemliche Fahrstuhl-Mannschaft bewiesen hat, ist ein Viertelfinale im Pokalwettbewerb doch ein regelrechtes Highlight. Die Eagles-Szene präsentierte sich vor allem in der Anfangsphase dennoch stark. Die erste Viertelstunde des Spiels war vermutlich mit das Lauteste, das ich in den Niederlanden bisher erlebt habe. Zu Beginn zogen die Gastgeber eine Blockfahne unter das Dach und im mit 450 Gästen ausverkauften Uit-Vak wurden einige Rauch- und Bengalfackeln gezündet. Auch die Anfangs-Viertelstunde auf dem Rasen gehörte den Gastgebern, da hätte eigentlich der Führungstreffer fallen müssen. Tat er nicht, Utrecht bekam das Geschehen in den Griff und schnell Oberwasser und das wirkte sich leider negativ auf die Stimmung aus. Auf Heimseite mühte sich nur noch der knapp 50 Köpfe starke harte Kern und im Away-Sektor war zwar immer Bewegung zu sehen, aber nicht viel zu hören. In den letzten Minuten vor dem Seitenwechsel scorten die Gäste zwei Mal und die Wiese war damit wohl gemäht, dachten die meisten. Mit dem überraschenden Anschlusstreffer kurz nach dem Seitenwechsel war aber wieder Feuer drin. Auch auf den Rängen, wo der Lärmpegel wieder ordentlich anschwoll. Leider war es nur ein kurzes Aufflammen, den Utrecht traf ein weiteres Mal und die Lage beruhigte sich. Die Eagles auf dem Feld wie auf den Rängen realisierten langsam, dass es für die Überraschung nicht reichen wird. In der Schlussphase kam dann zumindest noch ein brauchbarer Trotz-Support auf. Das Publikum dankte der Mannschaft für ihren Einsatz. Die Gäste kann ich nicht gut beurteilen, da der Block weitab meines Platzes lag, aber bärenstark war der Auftritt sicherlich nicht gerade.

Samstag, 08.02.2020, 19:45

niederlande

PSV Eindhoven vs Willem II Tilburg 3:0

Philips Stadion, 34.700 Zuschauer, Eredivisie

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Manchmal kommt es anders. Eigentlich wollte ich ins Land der Magyaren reisen, aber als am Donnerstag kurzfristig das Budapest-Derby zwischen Ujpest und Ferencvaros aufgrund eines neuen, noch nicht ausreichend angewachsenen Rasens abgesagt wurde, nahm eine Kausalkette ihren Lauf. Zwar war ein halbwegs ansprechender anderer Kick möglich, aber irgendwie hatte das Menü einen faden Geschmack bekommen. Zudem gefährdete Sturm Sabinchen die planungsgemäße Rückreise, so dass ich knapp zwei Stunden vor dem Abflug die Entscheidung traf, auf den Trip zu verzichten. Dabei hatte ich mich schon auf den Weg gemacht, brach aber ab, als über den Radio-Sender die erwartete Wetterentwicklung noch einmal ausführlich erläutert wurde. Mit dem Nordbrabant-Clasico zwischen dem PSV und Willem II wurde dann dafür gesorgt, nicht das ganze Wochenende auf den schönen Fußball-Sport verzichten zu müssen. Absurder Weise wäre mein Flug nach Budapest ebenfalls von Eindhoven gestartet, so dass sich am Fahrweg nicht viel änderte, dieser lediglich einige Stunden später bewältigt wurde. Also Frikandel, statt Gulasch. Es war mein dritter Besuch im Philips Stadion nach dem Europa League-Spiel gegen den HSV im Jahr 2010 und einem Liga-Spiel anno 1995 mit einem damals erst 18jährigen Brasilianer mit Namen Ronaldo, der drei Mal das gegnerische Netz beulte. Den vierten Treffer steuerte ein gewisser Erik Meijer bei, wenn ich mich recht entsinne. Das Spiel gegen Willem II ist für den PSV nach den Prestige-Duellen gegen Feyenoord und Ajax sicherlich das wichtigste Spiel der Saison. Lediglich 35 Kilometer trennen beide Stadien und Willem II hatte alle 1.600 Karten für den Away-Sektor an den Fan gebracht. Sinniger Weise war die Anreise aber nur in der in den Niederlanden üblichen oberbescheuerten Bus-Kombi möglich, also die individuelle Anreise untersagt. Machte gut 30 Busse, deren Motoren auf der Strecke wohl nicht mal richtig warm wurden. Der PSV hinkt seinen Ansprüchen hinterher, die Gäste stehen aktuell in der Tabelle sogar vor dem Philips-Werksverein, was in der Vergangenheit selten der Fall war. Trotz Heizstrahlern unter den Tribünendächern schien es den Gäste-Supportern nicht warm genug zu sein, denn zum Intro wurden einige wärmende Heizstäbchen entzündet, die den Gäste-Sektor praktischerweise in gleißend rotes Licht tauchten. In der Folge drang ordentlicher Support aus dem Gästebereich – das war nicht in jeder Minute bärenstark, aber wenn man sich erinnert, wie die Atmosphäre in den vergangenen Jahren in den niederländischen Stadien war,  klang das schon nicht so schlecht. Stimmungs- und Tifo-technisch nehmen einige niederländische Szenen langsam aber sicher etwas Fahrt auf. Es fällt auf, dass die Gäste sich meist stärker präsentieren als die Heim-Kurven. Das hat sicherlich damit zu tun, dass ein deutlicher zahlenmäßiger Aufschwung bei den Auswärtsfahrern zu verzeichnen ist. Der aktive Teil der PSV-Fans umfasste auch nur an die 90 bis 100 Mann, das war gemessen an der Zuschauerzahl doch eher schwach. Spanische Verhältnisse beinahe. Vier oder fünf Male wurde es laut, eben nur nach den Toren oder dicken Einschuss-Chancen. Der PSV gewann die Partie verdient, allerdings zu hoch. Nach einer überlegenen ersten Hälfte mit einer 1:0-Pausenführung überließ man Willem II aus unerklärlichen Gründen das Feld. Bei zwei, drei guten Möglichkeiten hätte der Ausgleich gut fallen können, aber als der Druck immer stärker wurde, erzielten die Gastgeber den psychologisch wichtigen zweiten Treffer. Tilburg blieb bemüht, kam aber nicht mehr in entscheidende Situationen. Abgerundet wurde der erste Pflichtspiel-Sieg des PSV in 2020 durch ein Weltklasse-Eigentor. Der Torwart sollte halt schon im Kasten stehen, wenn man den Ball genau dorthin zurück spielt. Die Gäste bleiben trotz Niederlage noch knapp vor dem PSV, ließen sich die Laune nicht verderben und feierten ihr Team nach dem Schlusspfiff trotz der Pleite.

Exkurs: Die Stadien auf Santorini Griechenland

Insel-Fußball – Die Grounds von Santorini

Der Urlaub mit der Dame des Herzens führte mich im September vergangenen Jahres auf die traumhafte Kykladen-Insel Santorini. 17 Kilometer in der Länge und an der breitesten Stelle sechs misst das Eiland, dass seine Form durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vor 3600 Jahren erhielt. Fußball wird ja (fast) überall auf der Welt gespielt, also auch auf einer relativ kleinen Mittelmeer-Insel mit 17.000 Einwohnern. Zwei Vereine gibt es, die am Spielbetrieb teilnehmen – Panthariakos AO aus dem Hauptort Fira und AE Thyella aus dem Badeort Kamari. Diese Clubs verfügen jeweils über einen Kunstrasenplatz mit etwas Ausbau. Die Clubs nehmen an der viertklassigen Gamma Ethniki teil und sind dort der Gruppe 5 zusammen mit Vereinen aus dem Athener Großraum zugeordnet. Da es noch weitere Teams auf andern Inseln der Ägäis und auch auf Kreta gibt, erschließt sich mir nicht, warum diese nicht in eine Gruppe gesteckt werden, statt dass die Insel-Teams ständig die weiten Flüge auf das Festland absolvieren müssen. Sieben Fußballplätze gibt es auf Santorini, drei Kunstrasen- und vier Sandplätze. Letztere sind aber sämtlich nicht bespielbar und verfallen langsam. Schade, da es schöne Plätze mit einem ganz speziellen Charakter sind, die zum Teil auch durch die dahinter liegende Kulisse eine ganz eigene Aura bekommen.
Der nördlichste Platz der Insel liegt nahe des Ortes Vourvoulos an der Haupt-Durchgangsstraße Santorinis. Es ist ein Sandplatz, der sicher schon länger nicht mehr genutzt wird. Auf dem Spielfeld haben sich wohl schon vor einiger Zeit erste Pflanzen durchgesetzt. Das Schild am kleinen Kabinentrakt teilt mit, dass hier der Verein Asteras Vourvoulos – Asteras ist das griechische Wort für Stern – gespielt hat. Äußerlich wirkt das Gebäude unbeschädigt und in sehr gutem Zustand.
Fährt man die Insel-Hauptstraße in südlicher Richtung weiter, passiert man nach etwa drei Kilometern einen weiteren, von der Straße nicht zu sehenden Sandplatz nahe des Ortes Karterados. Hier bot sich eine etwas abstrakte Szenerie, denn der Platz wird aktuell als Lagerfläche für Müllcontainer genutzt. Auch hier wird sicher schon seit längerer Zeit nicht mehr gekickt, denn auch hier haben sich einige Pflanzen Terrain erobert. Eine kleine, grobe Tribüne befindet sich auf einer Längsseite. Es steht die Frage im Raum, ob der Platz reaktiviert werden soll. Denn zum einen wird neben der Tribüne ein kleines Gebäude neu errichtet. Und zum anderen wird das existierende Sozialgebäude derzeit renoviert, wie Farbeimer und Lösemittel-Geruch bewiesen.
Im Hauptort Fira befindet sich die Heimat des Clubs Pantheraikos, ein Kunstrasen-Feld mit einer Sitztribüne, die sich über etwa drei Viertel einer Längsseite zieht. Man sieht es dem Tribünchen nicht an, aber darin befinden sich tatsächlich die Kabinen für die Aktiven, was sicherlich eine recht beengte Angelegenheit sein wird. Die ganze Anlage ist in den Vereinsfarben blau und weiß gehalten.
Zwischen Fira und Karterados findet man den dritten Kunstrasenplatz. Dieser scheint zum Training für Jugend-Teams genutzt zu werden. Außerdem verrät ein Banner, dass sich die Real Madrid Foundation schon gezeigt hat, um unentdeckte Talente Santorinis aufzuspüren. Hinter dem dichten Maschendrahtzaun einer Längsseite findet man eine kleine  Tribüne mit ein paar lieblos hin gezimmerten Sitzschalen. Eine notdürftig angebrachte Plane soll vor der Sonne schützen.
In der Stadt Kamari an der flachen Ostküste der Insel befindet sich der Kunstrasenplatz des Vereins Thyella. Über eine gesamte Längsseite wurde eine Sitztribüne erbaut. An einer Kopfseite stehen Kabinentrakt und ein kleines Gebäude, in dem sich die Geschäftsstelle befindet.
Der am höchsten liegende Ort Santorinis ist Pyrgos, das sich zentral auf der Insel befindet. Auch hier gibt es einen verlassenen Sandplatz, der auf einer Längsseite über eine mehrstufige kleine Tribüne verfügt. Auch auf diesem Spielfeld, das ein recht starkes Gefälle hat, stoßen schon erste Grasbüschel durch. Hinter einem Tor bietet die Silhouette des Städtchens eine eindrucksvolle Kulisse. Als die Anlage noch aktiv genutzt wurde, ging hier der AO Pyrgos dem Ballsport nach, wie ein verblichenes Schild am Kabinengebäude beweist.
Im südlich liegenden Ort Emporio findet man den letzten Fußballplatz Santorinis, hinter dem sich die Ausläufer des Insel-Berges Profitis Ilias auftürmen. Auch hier wachsen bereits kleine Büsche auf dem Spielfeld, das in schlechtem Zustand ist. Insgesamt hebt sich die Anlage noch einmal von den anderen nicht mehr genutzten Plätzen ab. Von der alten Stahltribüne sind die meisten Bretter durchgefault und eingebrochen, das Stahlgerüst rostet vor sich hin. Das Innere des kleinen Kabinengebäudes ist völlig zerstört. Die Anlage versprüht den morbiden Charme des Verlassenen.

Samstag, 01.02.2020, 14:00

deutschland

Rot-Weiss Essen vs SV Rödinghausen 0:2

Stadion Essen, 12.113 Zuschauer, Regionalliga West

19rwedauer

Am 113. Geburtstag des glorreichen Deutschen Meisters von 1955 wurde das für die laufende Saison richtungsweisende Spiel gegen die Küchen-Fuzzis aus dem kleinen westfälischen Weiler Rödinghausen angepfiffen. Natürlich sollte dieses das Spiel gegen den Tabellenführer noch keine endgültige Entscheidung über die Meisterschaft bedeuten, aber eine Tendenz wo die Reise denn nun hingeht – weiter oben mitmachen oder ein Stück hinterher hecheln – sollte danach zu erkennen sein. Der RWE hat mich in den letzten Jahren Demut gelehrt und dementsprechend pessimistisch sah ich auf diese Partie. Leider zurecht. Noch keine zwei Minuten waren gespielt, als die Gäste in Führung gingen. Aus dem Halbfeld war ein Freistoß in den rot-weissen Sechzehner gesegelt, der schlecht verteidigt wurde und irgendwie eierte die Kugel am Schlussmann vorbei ins Netz. Direkt mal schön einen vor den Sack bekommen. Nach ein paar Minuten waren die Roten dann aber im Spiel und vor dem Seitenwechsel hätte der Ausgleich fallen müssen, aber zwei richtig gute Möglichkeiten blieben ungenutzt. Zudem war der SVR ein äußerst unbequemer Gegner. So eine richtige Wichs-Truppe, die beinahe jede Möglichkeit nutzte, um den Fluss aus der Partie zu nehmen wusste. Mit zunehmender Spieldauer erging sich das in elendigem Zeitspiel. Die kleine Medizin-Maus des SCR hatte an diesem Spieltag sicherlich die beste Laufleistung des gesamten Gäste-Packs vorzuweisen. Und klar bekam da jeder Rot-Weisse ne Hasskappe, aber auf der anderen Seite war das eben auch verdammt abgezockt und die Rödinghauser waren sich auch nicht zu schade, sich während und nach dem Spiel mit dem Publikum anzulegen. Die waren heiß, die waren on fire. Der Referee ging mit einer wenig klaren Linie auch mal wieder komplett auf den Sack, aber an den Unparteiischen hat es letztlich sicher nicht gelegen. Nach meinem Geschmack agieren die Roten auch einfach nicht aggressiv genug. Im Kader fehlen die zwei, drei Typen, die eine richtig dreckige Spielweise an den Tag legen. So beeindruckt man kein Gastmannschaft. Es muss einfach mal rappeln, man muss dem Gegner klar machen, dass er sich hier auf einem Terrain befindet, auf dem er nichts verloren hat und wo es nichts für ihn zu holen gibt. Es muss einfach weh tun, an der Hafenstraße zu Gast zu sein! Im ersten Durchgang gab es so eine Phase, in der es hektisch zuging und die Rot-Weissen richtig aggressiv nachsetzten. Damit nahmen sie die Kulisse direkt mit, es wurde laut, es wurde feindselig und Rödinghausen konnte sich den Einflüssen nicht entziehen und bekam direkt Probleme. Diese Spielweise über 90 Minuten und keiner nimmt die Punkte hier im Vorbeigehen mit. Aber wir erleben halt nicht mehr die Hafenstraße von früher, als keine Mannschaft gern nach Essen kam, weil es immer auf die Stäbe gab und ohne großen Kampf nix zu gewinnen war. Es ist schon lange keine Festung mehr, das beweisen die Heimbilanzen der letzten Jahre zunehmend. Heutzutage freuen sich die Gäste-Teams halt über ein volles Stadion und mal nicht nur vor 700 gelangweilten Leuten zu kicken – die Hafenstraße ist für die Gegner einfach zu bequem geworden. Im zweiten Durchgang kein großartig anderes Bild. Der RWE blieb bemüht, erspielte sich aber wenig Brauchbares, und die Westfalen reagierten einfach nur und wurden dabei nicht zu sehr gefordert, allerdings ist das ja auch wirklich keine schlechte Mannschaft. Mitte der zweiten Hälfte gab es dann das nächste Gastgeschenk – Flanke, Stellungsfehler, unsauber geklärt, drin das Ding und es war klar, dass hier und heute nicht mehr viel passieren würde. Zur Freude von etwas über 100 mitgereisten Fans. Gemessen an der Tatsache, dass es im heimischen Stadion selten vierstellig wird, ganz okay, aber letzten Endes muss man sich ja auch fragen für wen die überhaupt so nen Aufwand betreiben. Den Verein interessiert schlicht keine Sau. Wie sich eben auch keiner für den kleinen Gästehaufen interessiert hat, von denen zehn trällernde und trommelnde Halbgescheite vergeblich um Aufmerksamkeit buhlten. Ich mache meiner Mannschaft keinen Vorwurf. Die Jungs haben es bis zum Ende versucht, aber der Eindruck, den ich in den bisherigen Spielen gewonnen habe, scheint sich leider zu bestätigen. Es reicht halt nicht für ganz oben, es gibt hier und da noch Qualitätsmängel, welche die entscheidenden Punkte kosten. Aber der RWE ist trotzdem auf dem richtigen Weg. Es ist eine Entwicklung zu erkennen und darauf gilt es geduldig aufzubauen. Die Vereinsführung hat vor der Saison mitgeteilt, dass sie mit zwei Sommer-Transferperioden plant, um eine Mannschaft aufzubauen, die den Aufstieg bewerkstelligen kann und dann soll man ihr diese Zeit auch zugestehen. Nun heißt es erst einmal, das wichtige nächste Spiel gegen den Nachbarn aus Oberhausen irgendwie zu gewinnen, um eine kleine Restchance auf den Relegationsplatz zu wahren. Wird schwer genug. Aber immer weiter! Niemals aufgeben!