Rückblick: DFB-Pokal 2.Runde, 13.09.1992

Rot-Weiss Essen vs FC Schalke 04 2:0

Georg-Melches-Stadion, 19.300 Zuschauer, DFB-Pokal 2.Runde
Für den exakten Jahrestag zwar ein paar Sonnenaufgänge zu spät, aber dennoch eine lohnende Erinnerung…
Heute auf den Tag genau vor 30 Jahren standen sich letztmalig die ersten Mannschaften vom glorreichen RWE und dem FC Meineid 04 gegenüber. Unfassbar wie lang das her ist. Und es sollte bedeutsam werden, ein unvergessenes Spiel. Es war ein Spiel der zweiten Runde des DFB-Pokal und der RWE empfing als Oberligist, damals drittklassiges Niveau, den Bundesligisten aus der schäbigen Nachbarstadt. Keine zwei Jahre zuvor standen sich beide Vereine noch in der zweiten Liga gegenüber, aus der sich die Roten mit einem denkwürdigen Lizenzentzug herauszauberten, während der verhasste Kontrahent im richtigen Moment, als das Fußballgeschäft richtig Fahrt aufnahm, die Schritte für eine leidlich erfolgreiche Zukunft einleitete. Es war die Phase als die Wege zweier Rivalen auseinandergingen, die sich über Jahrzehnte oft auf Augenhöhe begegnet waren. Die Vorzeichen waren also klar, der RWE trat als deutlicher Außenseiter gegen einen stark besetzten FC Meineid unter der Leitung von Udo Lattek an. Das altehrwürdige Georg-Melches-Stadion war natürlich ausverkauft, allerdings durften nur knapp über 19.000 Zuschauer dem Spektakel beiwohnen. Die alte Westkurve stand damals zwar noch, war auf Kriegsschutt erbaut nun aber inzwischen baufällig und bereits dem Abriss geweiht. Vorverkauf hieß damals übrigens noch ewig langes Anstehen an irgendwelchen Tabak- oder Lotterie-Läden.
Die Erinnerungen sind zugegebenermaßen mittlerweile blass, aber sie sind noch da. Die Roten begannen die Partie jedenfalls sehr stark und schienen die Blauen damit zu überraschen. Nach Ballgewinn wurde schnell umgeschaltet und damit hatten die ungeliebten Gäste ihre liebe Mühe. Nachdem die ersten Möglichkeiten noch vergeben wurden, war es dann Mitte der ersten Hälfte soweit. Nach einem schnellen Konter bekam der Kroate Pedrag Crnogaj die Kirsche in halbrechter Position, nahm diese mit rechts an und nagelte die Murmel mit links unter die Latte. Abfahrt! Tollhaus! Alles purzelte herum, man fand sich plötzlich ein paar Stufen weiter unten wieder und unsere alte, bezaubernde Wellblechbude flog förmlich auseinander. Das Bild änderte sich auch erst im zweiten Durchgang, als beim RWE die Kräfte etwas schwanden und die Truppe aus Arbeitslosenkirchen zu einigen Chancen kam, die Kult-Schnapper Frankie ‚Curtis‘ Kurth aber stark entschärfte. Nach einer Ecke für Blau, kam dann der große Auftritt des Jörg Lipinski. Der hereinsegelnde Ball wurde per Kopf geklärt und dann mit einem langen Schlag aus dem Sechzehner befördert. Kurz hinter der Mittellinie fiel das Ding steil aus dem Himmel und ein gewisser Jens Lehmann wollte das Teil annehmen. Der Ball sprang aber meterweit vom Fuß, der hinterher spurtende Lipinski erreichte diesen deutlich vor Jensemann und lief mit dem Spielgerät im Vollsprint in Richtung des verwaisten Tores.
Lehmann versuchte erst noch Lipinski zu erreichen, erkannte aber bald die Ausweglosigkeit dieses Vorhabens, gab auf und schlurfte in Höhe der Strafraumgrenze nur noch langsam Richtung Tor. Und Lipinski? Während alle Roten im Stadion komplett durchdrehten, war der mit dem Ball einen Meter vor der Torlinie stehen geblieben, hatte sich jubelnd umgedreht und genoss den Triumph. Die Hintertor-Perspektive der Fernseh-Bilder ist absolut genial anzusehen. Während Lipinski dort steht, kommen die Mitspieler an Lehmann vorbei auf ihn zu gerannt. Warum auch immer befinden sich Leute in zivil rechts und links des Tores und rasten völlig aus. Einer betritt sogar das Spielfeld, obwohl der Ball noch gar nicht im Netz liegt. Nach endlos langen fünf Sekunden schiebt Lipinski die Kugel endlich ins Netz. Ein Tor für die Ewigkeit! Ich kann mich erinnern, dass ich noch Sorge hatte, dass der Schiedsrichter das Tor aufgrund von unsportlichem Verhalten aberkennt. Lipinski sagte nachher im Interview locker, dass er nur die taktische Anweisung von Trainer Röber umgesetzt hatte, Zeit von der Uhr zu nehmen, wenn sie in Führung liegen. Damit war die Partie natürlich durch und Udo Latteks blauer Pullover hatte seine vermeintliche Strahlkraft verloren.
Hier ist der Link zum verpixelten Video des Tores: https://www.youtube.com/watch?v=CrM4ivLWPAM
Ich hatte vor gut 15 oder 16 Jahren das zweifelhafte Vergnügen mit der Dritten von Adler Frintrop gegen Lipinski zu spielen. Er war damals sportlicher Leiter der SG Schönebeck, die ja durch die Damen-Bundesliga-Mannschaft Bekanntheit erlangt hatte. Die SGS wollte damals seine zweite Senioren-Mannschaft in der Kreisliga halten und daher wurde diese kurz vor Saisonende mit Talenten aus der guten A-Jugend ergänzt. Außerdem schnürte Lipinski in der Abwehr-Reihe die Schuhe. Für uns ging es um nichts mehr, unser Trainer hatte mich als einzigen Stürmer aufgestellt, eine Taktik, die ich eh immer gehasst habe. Und ich habe in 90 Minuten eigentlich keinen Ball gegen Lipinski gesehen, obwohl er schon über 40 Jahre alt gewesen sein muss. Aber gegen Ex-Profis macht man als begrenzt talentierter Fußballer einfach keinen Stich, die Jungs wissen halt was sie mit wenig Aufwand zu tun haben. So blieb mir nur, ihm nach dem Spiel persönlich zu danken, dass er mir einen der größten Momente in meiner rot-weissen Fan-Karriere verschafft hatte.

Laç – So., 11.09.2022, 15:00

KF Laçi vs KS Bylis Ballsh 0:1

Stadium Laç, 400 Zuschauer, Kategorie Superiore
Der Urlaub mit der Herzdame führte nach Albanien und natürlich dürfte der Fußball nicht fehlen. Heute wurde eine ältere Wunde geschlossen. Zugegebenermaßen eine, die nicht besonders weh tat. Vor über einem Jahrzehnt sprang ich auf einer ausgedehnten Balkan-Tour vom Kosovo kommend auf der damals noch ziemlich desolaten A1 zwischen Shkodra und Tirana Höhe Lac aus dem Minibus und latschte die drei Kilometer zur besagten Kleinstadt. Das heißt, ich wurde ein Stück von einem leicht beschwipsten Bauern auf seinem altersschwachen Traktor aus russischer Herstellung mitgenommen, aber das ist eine andere Geschichte. Am kleinen Stadion angekommen, war dann aber zwanzig Minuten vor dem Anstoss mal gar nix los und auch wenn der Zuschauerzuspruch damals nicht besser war als heute war ziemlich eindeutig, dass dort kein Spiel stattfinden würde. Nachdem ich mit Händen und Füßen mit Hilfe der Besitzerin des benachbarten Mini-Marktes, die kurzerhand ein Vorstandsmitglied des Clubs anrief, herausgefunden hatte, dass aufgrund Ausschreitungen in Shkodra gespielt werden musste, war es das erst einmal. Vor dem Mini-Markt lernte ich dann einen ebenso ratlosen Landsmann kennen, einigen als ‘Fump’ bekannt, welcher den Balkan grundsätzlich mit dem eigenen Fahrzeug bereist. Ihm schloss ich mich dann kurzerhand an, fuhr mit zum Abendspiel nach Tirana, welches eh das Ziel war. Ich saß übrigens in dem legendären Corsa B, mit dem er bis nach Wladiwostock reiste. Wir erlebten einen lustigen wie geselligen Abend und halten noch heute Kontakt.
Meine Dame und ich entschieden uns für die überdachte Haupttribüne, da der Lorenz erbarmungslos vom Shkipetaren-Himmel brannte. Zur Regulierung des Flüssigkeithaushaltes nahmen wir auch noch je eine Flasche Wasser mit, dieses labbrige Zeug in den Halbliter-PET-Flaschen. Die Verschlüsse mussten wir am Eingang abdrehen. Da hatten die zahnlosen Dorfbullen mal gut aufgepasst, denn natürlich hatten wir nichts anderes vor, als die Pullen auf den Platz zu feuern. Dass wir die einzigen Tribünenbesucher waren, denen die Flaschenkorken abgenommen wurden, muss wohl an unseren hasserfüllten Blicken gelegen haben. Das Spiel bot ungefähr das, was die Erwartungshaltung vorgab. Der albanische Fußball ist halt schwach und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich deutsches Regionalliga-Niveau als Maßstab anlegen darf. Unfassbar viele Ungenauigkeiten und Fehlpässe zeichneten die Partie. Der Aufsteiger aus dem Süden des Landes war das etwas bessere und letztlich glücklichere Team und gewann nicht unverdient. Sehr zum Verdruss des Publikums, welches im Trainer, der auch als Kosta Kordalis-Double durchgeht, den Schuldigen für den mäßigen Saisonstart gefunden hat

Essen – Fr., 02.09.2022, 19:00

Rot-Weiss Essen vs FC Erzgebirge Aue 2:1

Stadion an der Hafenstraße, 16.070 Zuschauer, 3.Liga
Da isser endlich, der erste Sieg! Zum Kellerduell trafen sich der glorreiche RWE und die Schachtler aus dem Erzgebirge. Der Zweitliga-Absteiger hat sich den Saisonstart sicherlich auch anders vorgestellt, denn der Wiederaufstieg ist (war?) das erklärte Ziel und mit Blick darauf wurde die Mannschaft auch zusammengestellt. De facto war die Bilanz mit drei Remis und drei Niederlagen aber identisch wie die der Roten. Etwa 300 Anhänger hatten aus Sachsen rüber gemacht. Für über 500 Kilometer auf einem Freitag geht das in Ordnung. Zu sehen bekamen sie in der Anfangsphase eine Mannschaft, die erst einmal abwartete, was der Gegner anstellt. Als dann nach einigen Minuten klar war, dass die Gastgeber ähnlich zurückhaltend auftraten, wurden die Lila-Weißen mutiger und übernahmen die Regie. Der RWE spielte mit einer extrem defensiven Einstellung auf. Gut, wir haben gelernt, dass diese Liga nur über die Defensive funktioniert, aber über weite Phasen stand die Truppe für meinen Geschmack zu tief und hatte es nur der Harmlosigkeit des Gäste-Sturms zu verdanken, dass nichts passierte. Mitte der ersten Halbzeit konnte der RWE dann nach einer brauchbaren Freistoß-Variante in Führung gehen, als ‘Engel’ per Kopf auf Bastians ablegte, der ebenfalls die Rübe hinhielt. So ging es in die Kabinen.
Nach dem Wechsel gab es kein anderes Bild zu sehen als davor. Aue bemühte sich um die Spielkontrolle und die Roten rührten Beton an. Es flogen zwar haufenweise Bälle in den Sechzehner, aber den Gästen fehlten einfach die Ideen. Es blieb harmlos und erst als dann nach einem Einwurf doch mal ein wenig Spielwitz aufblitzte klingelte es auch direkt im rot-weissen Gehäuse. Damit war die Mannschaft angezählt und wenn Fußball logisch funktionieren würde, wäre die Partie nun gekippt. Tut er aber nicht und nach wenigen Minuten ging der RWE erneut in Führung und die Hafenstraße bebte. Die Unterstützung war eh wieder sehr gut und die Gäste-Fans kamen kaum zur Geltung. Die Führung wurde mühsam ins Ziel gerettet und der erste Dreier war unter Dach und Fach. Der Anhang der Erzgebirgler hatte nun Redebedarf am Zaun und der rot-weisse Anhang wollte mit seinen Helden feiern. Diese verschwanden aber zur Verwunderung der meisten Zuschauer in die Kabine.
Nach dem Spiel in Bayreuth gab es innerhalb der Kurve Machtkämpfe zwischen zwei Gruppen. Die eine griff dann die andere während der Heimfahrt auf einem Rastplatz an, der Teambus war zufällig mit der Mannschaft auch gerade dort und die Spieler wurden Zeugen des Vorfalls. Um nun klare Kante gegen Gewalt zu zeigen, hatte der Verein unter der Woche schon ein Statement veröffentlicht und das Team wollte nun noch ein Zeichen setzen. Das finde ich auch prinzipiell okay, aber der Zeitpunkt und die Maßnahme waren schlecht gewählt und vor allem mangelte es an Kommunikation. Es hätte einfach vorab mitgeteilt werden müssen, dass die Mannschaft nach dem Schlusspfiff nicht an den Zaun kommen wird. Zudem halte ich es für schwierig, dass für das Verhalten von vielleicht 50 Leuten eine ganze Kurve in Sippenhaft genommen wird. Der größte Teil der Zuschauer konnte die Nummer überhaupt nicht einordnen und die Stimmung kippte völlig. Nach einigen Minuten kamen die Spieler dann doch noch raus, aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen und es wurden nur Ablehnung, Wut und Unverständnis geerntet. Letztlich wurde dann doch noch miteinander geredet, inwiefern man sich aussprach oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Am kommenden Wochenende wird sich zeigen, ob der Riss gekittet wurde.

Oer-Erkenschwick – Mi., 31.08.2022, 18:15

SpVgg Erkenschwick vs Rot-Weiss Ahlen 5:3 n.E.

Stimberg-Stadion, 500 Zuschauer, Westfalenpokal 2.Runde
Das Stimberg-Stadion in Oer-Erkenschwick ist immer mal wieder einen Besuch wert. Dieses wundervolle angestaubte Stadion ist in der Zeit stehen geblieben und gehört damit zu einer langsam aber sicher aussterbenden Art. Eben dadurch ist es auch besonders und nicht durch seine typische Bauart der 60er und 70er Jahre. Denn das war der Zeitpunkt der letzten größeren Renovierung und damals erhielt das ungedeckte, weite Rund die überdachte Tribüne. Die Anlage ist zwar etwas angegammelt, aber dennoch großenteils gepflegt. Ich habe jedenfalls schon Stehstufen-Anlagen in diesem Alter gesehen, denen es deutlich schlechter ging. Der Eingangsbereich ist mit schönen Vereins-Graffiti versehen. Der letzte Besuch liegt über zehn Jahre zurück und fand damals mit dem RWE in der NW-Liga-Saison statt. Dieses Pokalspiel gegen den Regionalligisten kam mir nun gelegen, mal wieder am Stimberg vorbeizuschauen. Außerdem erhoffte ich mir ein wenig Stimmung, da ja beide Vereine über aktive Szenen verfügen. Auf Gästeseite erschienen aber nur etwa drei Dutzend Schönwetter-Anhänger – die Ultras verzichteten auf den Besuch. Möglich, dass die dem fehlenden Flutlicht geschuldeten frühen Anstoßzeit der Grund war. Allerdings zeigt sich die Ahlener Szene bei den Pokalspielen im Ruhrpott gegen unterklassige Vereine eh nicht so gern. Zwar hat die Gruppe keine natürlichen Feinde im Pott, bietet aber dennoch genug Angriffsfläche, um von den entsprechenden größeren Gruppen im Ruhrgebiet angegangen zu werden. Da gab es in der Vergangenheit schon einige Male ordentlich Backenfutter, da hätte ich an deren Stelle auch wenig Bock drauf.
Obwohl die Spielvereinigung seit einigen Jahren nur noch auf Verbandsliga-Niveau unterwegs ist, ist die kleine Szene nicht kaputt zu bekommen. Für den Großteil der 30-40 Aktiven dürfte der ESV aber auch nur der Zweitverein sein. Ist nämlich schon ganz ordentlich blau-weiß versifft die Szene. Da das eigene Team auf dem holprigen Rasen aber eine kämpferische und recht ordentliche Vorstellung gegen den Favoriten ablieferte, zeigten sich die Jungs gut aufgelegt und legten beinahe durchgehenden Support hin. Etwas mehr Abwechslung wäre nicht schlecht gewesen, denn das Portfolio beschränkte sich auf drei oder vier Lieder und Schlachtrufe. Am meisten begeistert hat mich aber der Song „ESV aus dem Kohlenpott“ aus den Stadionboxen. Genialer Text 🙂 . Wie sagt man oft so schön bei Pokalspielen zwischen Vereine aus unterschiedlichen Ligen: „Ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen“. Auch heute nicht, ganz im Gegenteil, denn der ESV bekam gegen die Wersestädter zeitweise Oberwasser und war dem Führungstreffer deutlich näher als der klassenhöhere Kontrahent. Ein Tor sollte dennoch nicht fallen und da im Westfalenpokal auf eine Verlängerung verzichtet wird, ging es direkt ins Elfer-Kicken. Hier scheiterte ein Ahlener am Pfosten und da die Gastgeber alle Kirschen versenkten, war die Sensation perfekt. ESV-Urgestein und Torjäger vom Dienst Stefan Oerterer war es mit dem letzten Schuss vorbehalten die Fans in den Freudentaumel zu schießen.

Dieburg – 28.08.2022, 15:15

SC Hassia Dieburg vs 1.FC Rimhorn 2:0

Stadion am Wolfgangshäuschen, 110 Zuschauer, Kreisoberliga Dieburg-Odenwald
Unter Missachtung einiger Verkehrsregeln gelang es dann auch rechtzeitig zum Anpfiff im heimeligen Stadion am Wolfgangshäuschen einzutreffen. Da hat der Wolfgang mal eine ordentliche Tribüne für einen Verein gebaut, der nie höher gespielt hat, als in der aktuellen Liga. Hinter einem Tor und auf der Gegenseite findet man drei kuschelige, weil grasbewachsene Stufen. Wirklich ganz nett dort. Hassia konnte auch das erste Meisterschaftsspiel der Saison zur Freude der über 100 Zuschauer verdient gewinnen. Die beiden Mädels an der Fritteuse schienen aber schwer verliebt zu sein, denn die Pommes deckten den Salzbedarf eines ganzen Monats. Oder aber sie wollten den Getränkeumsatz ankurbeln, denn der Kauf von Flüssigkeit war die zwangsläufige Folge des Pommes-Konsums.

Neu-Isenburg – So., 28.08.2022, 13:00

SpVgg 03 Neu-Isenburg vs Hanauer SC 1960 0:5

Sportparkstadion, 120 Zuschauer, Verbandsliga Hessen Süd
Am Vorabend wurde länger und tiefer ins Glas geblickt, als es der Körper an diesem Morgen gut fand. Marco machte sich seine Funktion als Beifahrer zu Nutze und brachte vor Rührung bis zum ersten Ziel des Tages kaum ein Wort heraus. Vielleicht hat er aber auch einfach nur beinahe die gesamte Fahrzeit gepennt. Das Sportparkstadion zu Neu-Isenburg war also das Ziel, das wir aufgrund eines Staus und gefühlten 100 Kilometer Baustelle zwischen Nürnberg und Würzburg so gerade eben noch ‚just in time‘ erreichten. Aber noch pünktlich genug, um die Kabinenansprache des Trainers der Gastgeber mitzubekommen, der sein Team mal so richtig heiß machte. Letztlich schien er aber der einzige zu sein, der heiß war, denn die Messe war schon beim 0:3 zur Halbzeit gelesen. Das weitläufige Mehrzweckstadion ist Herzstück des Sportparks und verfügt über Ränge auf der Gegenseite und in den Kurven. Über die gesamte Länge der Hauptseite zieht sich das Sozialgebäude mit einem markanten Eingangsbereich als Herzstück. Da der Kick einige Minuten später angepfiffen wurde und durch Trinkpausen und Behandlungs-Unterbrechungen beinahe so viel Verspätung aufbaute, wie die Züge der Deutschen Bahn, war das pünktliche Erreichen von Spiel Nummer zwei akut gefährdet. Daher entschieden wir uns schon einige Minuten vor dem Abpfiff aufzubrechen, da die Partie hier eh schon klar entschieden war.

Nürnberg – Sa., 27.08.2022, 20:30

1.FC Nürnberg vs Hamburger SV 0:2

Max-Morlock-Stadion, 35.713 Zuschauer, 2.Bundesliga
Weiter ging es in die Lebkuchenstadt. Club gegen HSV ist sicher keine schlechte Spielpaarung, daher kam uns diese Ansetzung am Abend gelegen. Aber es war etwas anders, als bei sämtlichen anderen Spielen in den letzten Wochen – es regnete. Und dass durchaus intensiv, so dass wir uns beim Stadtrundgang tatsächlich für zwanzig Minuten in eine Kirche flüchten mussten und einem Chor lauschten. Hat uns nicht gefesselt. Ganz im Gegenteil zum Nordkurven-Chor im Max-Morlock-Stadion. Ich verorte die Nürnberger Kurve klar in der Top Ten der Republik und das wurde auch deutlich bestätigt. Der große Stimmungskern um Ultras Nürnberg und Banda di Amici kann schon eine brutale Lautstärk entwickeln, erst recht, wenn der Rest der Kurve mal mitzieht. Das Glück spielte uns ein wenig in die Voyeur-Karten, denn die Nürnberger feierten ihre 20 Jahre währende Freundschaft zu den Rapid Wien Ultras. Diese waren natürlich auch zugegen und es wurde ihnen ebenso natürlich gewährt das Ultras Nürnberg-Banner mit einem großen Lappen zu überhängen. Mit einer zweiteiligen Choreo über den gesamten Ober-und Unterrang des Blocks wurde dann die Partnerschaft gewürdigt. Zunächst mit einer riesigen Blockfahne, je zur Hälfte in den Rapid und den Club-Farben und als diese fiel, tauchten entsprechende Fähnchen in diesen Farben auf, die eine zentrales Banner umrandeten, welches den UR-Indianer und die UN-Sonne zeigte. Am Zaun prangte dazu ein Banner, welches den Zusammenhalt bestärkte.
Pyro kam auch nicht zu kurz. Es leuchtete beinahe das ganze Spiel über, jedoch wurden immer wieder einzelne Fackeln gezündet. Das bringt optisch recht wenig, das weiß auch die Kurve, daher eigentlich unverständlich, dass das ganze Zeug nicht in einer fetten Aktion abgebrannt wird. Diese gab es dann aber nach einer guten Stunde doch noch, als über die gesamte Breite des Blocks am Zaun Fackeln in Grün und Rot gezündet würden. Das Spiel war nicht gerade geprägt von vielen Tormöglichkeiten, aber es war intensiv und schnell und lebte auch von der Spannung. Als neutrale Beobachter – naja Marco eben nicht ganz neutral, sondern mit Sympathie für die Rautenträger – fühlten wir uns gut unterhalten. Der HSV war einen Hauch besser unterwegs und erzielte einen schönen Treffer zur Halbzeitführung. Der Glubb hätte wohl noch Stunden spielen können, ohne ein Tor zu erzielen und der zweite Treffer in der Nachspielzeit für die Gäste war nur Kosmetik. Die Gäste-Kurve war aus unserer Position nicht gut zu vernehmen, aber es war immer Bewegung zu sehen und die gut 4.000 HSV-Anhänger werden sicherlich Spaß gehabt haben. Mit einem Sieg hätten die Gastgeber Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen herstellen können, stattdessen muss nun erstmal nach unten geschielt werden. Der Glubb is a Depp, aber die Saison ist ja noch jung.