Exkurs: Meine Sympathie für den Celtic FC

Meine Sympathie für den Celtic Football Club

Dem regelmäßigen Besucher meines Blogs wird nicht verborgen geblieben sein, dass ich mich für den Celtic FC aus der schottischen Metropole Glasgow begeistere. Woher kommt eigentlich meine Sympathie für den Club, den irische Einwanderer im Jahr 1887 gründeten? Ich habe schon früh begonnen, mich für den europäischen Fußball zu interessieren. Im Teenie-Alter habe ich im Kicker die Tabellen der europäischen Ligen studiert. Und ebenfalls im Kicker inserierten Sportartikel-Anbieter die Trikots großer europäische Clubs. Das Trikot des Celtic FC mit den grün-weißen Querstreifen hatte es mir sofort angetan und so brachte mir das Weihnachtsfest 1988 das Jubiläumstrikot zum 100jährigen Bestehen des Celtic Footballclub. Während eines Rucksack-Urlaubes mit meinem Vater kaufte ich mir in Dublin ein weiteres Trikot, das damalige Away-Shirt im grün-gelben, etwas gewagten, typischen hübsch-hässlichen Design der frühen 90er Jahre. Im Laufe der Jahre kamen noch weitere Heim- und Auswärts-Jersey dazu und weil ich ziemlich dämlich war, habe ich irgendwann einen Großteil davon verscheuert, weil mir das Zeug zu viel Platz im Schrank nahm. Das gleiche habe ich übrigens mit meinem Equipment des SV Werder gemacht und es darf geraten werden, ob ich mich heute wohl über die damalige Kurzsichtigkeit ärgere oder nicht.
Im September 1992 wurde Celtic im UEFA-Cup gegen den 1.FC Köln gelost und das war die Chance, den Club endlich mal live und in Farbe zu sehen. Mit meiner Mutter fuhr ich in die Domstadt und sah die Kelten im alten Müngersdorfer Stadion 2:0 verlieren. An zwei Details kann ich mich erinnern. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion – ich hatte mich natürlich in ein Celtic-Trikot geschmissen und trug einen Celtic-Schal um den Hals –  sprach ich mich ein junger FC-Fan in unfassbar schlechtem Englisch an, ob ich meinen Schal mit ihm tauschen möchte. Und im Stadion – wir hatten uns in den Gästeblock begeben, der Ticketkauf war an der Tageskasse möglich und der Kick bei weitem nicht ausverkauft – wurde eine Gruppe Schotten auf meine Mum und mich aufmerksam. Sie sprachen uns an und mit einem tauschte ich die Adressen und wir schrieben uns ein paar Male hin und her, was dann aber recht schnell wieder einschlief. An seinen Namen kann ich mich leider nicht erinnern.
Im Rückspiel konnte Celtic die Böcke übrigens mit 3:0 besiegen und aus dem Wettbewerb entsorgen. In der nächsten Runde wurde den Schotten dann der BVB zugelost, was natürlich bedeutete, dass ich direkt den nächsten Auftritt der ‚Hoops‘ geboten bekam. Mit meinem Kumpel Caddy absolvierte ich die kurze Anreise über den Ruhrschnellweg zum Westfalenstadion. Mein neuer Brieffreund konnte leider nicht anreisen, da er arbeiten musste. Auch hier gab es Tickets an der Tageskasse und das Spiel war letztlich auch nicht ausverkauft, aber ich meine mich zu erinnern, dass ich vorsichtshalber ein paar Tage vor dem Spiel den kurzen Weg in die Bierstadt auf mich genommen hatte, um Tix im Vorverkauf zu erwerben. Das Westfalenstadion befand sich damals noch im Ursprungszustand. Ein Stadion ohne Schnörkel, vier einrangige Tribünen um das Spielfeld herum. Wie auch das Spiel in Köln betreffend, kann ich mich nicht erinnern, wie viele Celtic-Fans sich eingefunden hatten.
Anders im darauffolgenden Jahr, als ich Celtic zum ersten Mal außerhalb der deutschen Landesgrenze sah. Über eine Freundin meiner Schwester hatte ich Kontakt zu deren Ehemann bekommen, Fan der älteren Borussia, der mit einigen anderen Gladbach-Fans bereits Kontakte zu einem Celtic Supporters Club aus Glasgow hatte. Mit ihnen fuhr ich nach Bern und sah die Kelten im alten Wankdorfstadion gegen die Young Boys spielen. Vor gerade einmal 7.000 Zuschauern, davon mehr als die Hälfte aus Schottland, in diesem für die Deutsche Geschichte – nicht nur die Fußballgeschichte – so wichtigen, traditionsreichen und beeindruckenden Stadion sah ich ein trost- wie torloses Remis. Ein besonderer Aspekt war für mich, dass es der Ort war, an dem ‚Boss‘ Helmut Rahn, damals in Diensten des glorreichen RWE, Deutschland zum Titel geschossen hatte.
Tragisch wurde es im Jahr 1997. Mit meinem Mannschaftskollegen Lars reiste ich für eine Woche Urlaub nach Schottland. Während unseres Aufenthaltes sollte das Old Firm im Celtic Park, der sich damals im Umbau befand, stattfinden und über den besagten Kontakt hatten wir bereits Tickets sicher. In der Nacht vor dem Spiel verunglückte Lady Diana in Paris tödlich. Als Konsequenz wurde das Derby als Zeichen der Trauer und des Respekts verlegt. Wer auch immer der Verursacher dieses mysteriösen Autounfalls war, bei dem die Prinzessin von Wales ums Leben kam – wohl niemand verachtet dieses Menschen mehr als ich! Absurder Weise sahen die Engländer das wohl nicht so eng, denn während des abendlichen Frustsaufens im Pub, konnten wir das Premier League-Spiel in Bolton über die Bildschirme verfolgen.
Da mein Interesse am Fußball ja für einige Zeit abnahm, vergingen dann noch mehr als zehn Jahre bis ich ein Heimspiel der Kelten sehen sollte. Bis heute sah ich dann immer wieder mal Ligaspiele in Schottland und Auswärtsspiele im Europapokal, inklusive des UEFA-Cup-Finales in Sevilla, zu dem ich ja HIER schon die Geschichte aufgeschrieben habe. Auch ein Old Firm war dabei, allerdings in Ibrox. Im Celtic Park gilt es dieses noch dringend nachzuholen. Auch wenn der Celtic Park heute sicher nicht mehr den Charme des alten ‚Paradise‘ hat, ist es für mich ein besonderer Ort, der auch durch seine Größe beeindruckt. Und wenn man das richtige Spiel erwischt, kann man dort auch noch eine intensive Stimmung erleben. Ich habe mir vorgenommen von Zeit zu Zeit, alle paar Jahre, immer wieder mal nach Parkhead, in Glasgows East End reisen, um dort ein Spiel zu sehen. Mal schauen wann die Situation das wieder einmal zulässt.

Exkurs: Graffiti RWE

Die Rot-Weisse Graffiti-Landschaft

Über das Essener Stadtgebiet verteilt – natürlich überwiegend im Norden und Westen – findet man eine große Anzahl RWE-Graffiti. Einige sind etwas aufwändiger, andere etwas einfacher. Die meisten sind durch die größeren Gruppen der Kurve entstanden, die ihre Namen zum Teil auch an den Mauern, Trafo- und Verteilerkästen, Lärmschutzwänden usw verewigten.

Jahresrückblick

2020 – ein Rückblick

Das Jahr 2020 hat es sich auf unrühmliche Weise verdient, darauf zurückzublicken. Wer hätte Anfang 2020 gedacht, welche Entwicklung sich nur zwei Monate später abzeichnen sollte. Nach ein paar Tagesausflügen nach Belgien und in die Niederlande, wurden ansprechende Wochenenden auf Gran Canaria mit dem ‚Derbi Canario‘, in Maribor beim slowenischen Clasico mit dem 30jährigem Jubiläum der ‚Viole Maribor‘ und eine Woche später tiefer auf dem Balkan beim Topspiel der bosnisch-herzegowinischen Liga zwischen Banja Luka und FK Sarajevo und dem ‚Veciti Derbi‘, dem ‚Ewigen Derby‘, bei Cvezda in der serbischen Hauptstadt, verbracht. Dieses war auch das erste Belgrad-Derby für die Frau Gemahlin, die ja Pyro-Exzessen nicht abgeneigt ist. Danach kam der Bruch. Da sich das inzwischen allesbeherrschende Virus in Italien eingenistet hatte, wurde der Flug zum ‚Derby del Tirreno‘ zwischen Pisa und Livorno nicht angetreten. Ebenso wenig wie die kurzfristig als Ersatz aus dem Boden gestampfte Tour in den schlesischen Kohlenpott. Da war allerdings eher fehlende Motivation am Morgen des Abfluges der Grund – ein Phänomen, welches immer mal wieder auftritt. Stattdessen besuchte ich die eher fade Vorstellung des geliebten RWE in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Und danach fiel der Vorhang. SARS-CoV-2 hatte Europa fest im Griff und die Fußbälle verschwanden im Materialraum. Die geplante Westafrika-Tour über Ostern fiel ebenso aus, wie vorgesehene Wochenend-Reisen.
Ich empfand die folgenden Wochen dennoch als wenig belastend. Vermutlich auch, weil mein Arbeitsplatz von der Entwicklung nicht betroffen war und mein Leben bis auf den Stillstand des Hobbys in normalen Bahnen verlief. Einige Wanderungen mit der Herzdame und Fahrradtouren mit dem rot-weissen Gefährten Marco boten Ausgleich. Erste Länder in Südost-Europa nahmen dann den Liga-Betrieb wieder auf und Anfang Juni traf ich nach kurzer Risiko-Abwägung die Entscheidung, mit dem Auto über Budapest zu den Halbfinalspielen des serbischen Pokals zu reisen. Highlight war das erneut besuchte ‚Ewige Derby‘, dieses Mal mit Partizan als Gastgeber. Schon außergewöhnlich innerhalb von fünf besuchten Spielen zwei Mal den Belgrad-Clasico zu sehen, aber diese Paarung lohnt ja auch immer. Nach Antritt der Heimreise nach dem letzten Spiel des Road-Trips im ungarischen Zalaegerszeg hätte die Tour beinahe ein unrühmliches Ende genommen, als am späten Abend auf irgendeiner gottverlassenen, grenznahen Landstraße in West-Ungarn plötzlich ein ausgewachsener Hirsch die Fahrbahn betrat und diese in aller Ruhe querte. Warum auch immer hatte ich diese Stelle aber in einer weisen Eingebung äußerst vorsichtig passiert – eine Eigenschaft, die bei mir nicht allzu oft zu Tage tritt, wenn ich ein Lenkrad in der Hand habe.
Der Juli ergab einen wunderbaren Ausflug nach Masuren und Litauen, der nicht nur dem Fußball galt, sondern auch der Kultur und der Ahnen-Forschung, denn die Mutter der Gattin stammt aus Marienwerder, heute Kwidzyn, in Westpreußen. Eher unspektakulär ging es dann durch den Sommer. Zunächst mit prinzipiell eher ungeliebtem Testspiel-Terror, aber nachdem im Heimatland auch wieder vor den Ball getreten wurde, war das vorherrschende Motto ja zunächst „Nehmen, was kommt!“. Einige Male führte es mich nach Ostdeutschland und auch Tschechien wurde bereist. Auch während des Sommerurlaubes auf einer Rundreise über Sachsen, Tschechien, Österreich ins Allgäu, in dessen Verlauf ein paar Spiele in kultigen, abgeranzten aber auch idyllischen Grounds besucht wurden. Größere Reisen waren mir aufgrund eines engen privaten Terminkalenders nicht möglich, weshalb ich die dafür günstigste Phase im Spätsommer ungenutzt lassen musste.
Tja und Anfang November war es dann wieder vorbei. Es ergab sich noch die Möglichkeit, ein paar Spiele des glorreichen RWE zu sehen, aber das machte unter Ausschluss der Öffentlichkeit auch nicht wirklich viel Freude. Irgendwie sowieso völlig absurd, wenn nicht gar tragisch, dass die Roten derzeit im absoluten Aufwind sind und dieses keiner live im Stadion sehen darf. Und dass nun, während die Mannschaft bisher eine überragende Saison spielt, ungeschlagen an der Tabellenspitze überwintert und im DFB-Pokal nach Siegen über Bundesligist Bielefeld und Zweitligist Düsseldorf im Achtelfinale steht, diejenigen, die den ganzen Mist der letzten Jahre mitgemacht und dem Verein die Treue gehalten haben, außen vor sind, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Hinter vorgehaltener Hand wird schon gemunkelt, dass genau dieses, das Erfolgsgeheimnis ist, da die Rot-Weissen nun druckbefreit vor leeren Rängen antreten. Jedenfalls wurde mit Christian Neidhardt offenbar der richtige Mann für die Mission Aufstieg verpflichtet und vorne regelt Top-Torjäger Simon Engelmann.
Klar dürfte sein, dass es noch Monate und vermutlich sogar deutlich länger dauern wird, bis wieder ein Stück Normalität in die Fußballstadien zurückkehrt. Es bleibt die Hoffnung, dass es noch im kommenden Jahr irgendwann so weit sein wird, nur der Glaube daran fehlt mir. Aber nach schlechtesten Zeiten folgten auch immer wieder gute, das wird auch künftig so sein und daher gilt es wohl, Geduld und die Fassung zu bewahren.

Dortmund – Mi., 16.12.2020, 14:00

BV Borussia Dortmund 09 U23 vs SC Rot-Weiß Oberhausen 2:2

Man muss ja auch mal schauen, was die Konkurrenz so macht…! Da derzeit eh keine Zuschauer zugelassen sind, und der Spielbetrieb im Stadion Rote Erde relativ hohe Kosten bedeutet, trägt die U23 des BVB ihre Heimspiele derzeit auf dem vereinseigenen Gelände im Dortmunder Osten aus. Der BVB-Fußballpark in Hohenbuschei wurde in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut. Da hat der Verein schon ein extrem hochwertiges Trainingszentrum, welches nach und nach durch Administrationsgebäude und weiter Spielfelder ergänzt wurde, errichtet. Vor drei Jahren erhielt ein Spielfeld, auf dem auch die U19 und die U17 des Clubs ihre Spiele austragen, eine Tribüne, die schon was hermacht und den Platz deutlich aufwertet. Da ich dort noch nie war und die Personalabteilung mir signalisiert hatte, dass ich mal die Überstunden nach und nach loswerden soll, bot sich der Besuch an diesem Mittwoch-Nachmittag an. Der ungewöhnliche Anstoßtermin fand seinen Grund darin, der Austragung der Partie größtmögliche Sicherheit zu geben, war es doch schon das Nachholspiel vom Nachholspiel. Der erste Ausfall war einem positiven Testergebnis innerhalb des BVB-Teams geschuldet, der zweite dichtem Nebel am Mittwoch-Abend der letzten Woche. Um diese Gefahr auszuschließen, sollte das Spiel nun bei den im Vergleich zum Abend höheren Temperaturen am frühen Nachmittag ausgetragen werden. In der vergangenen Woche hatte RWO einen fulminanten Start mit einem verwandelten und einem verschossenen Elfmeter hingelegt, ehe bereits nach zwölf Minuten bei Führung der Gäste abgebrochen wurde. Auch heute kamen die Jungs von der Emscher gut in die Partie und dominierten die Anfangsviertelstunde, ehe der BVB-Nachwuchs in Fahrt kam. Dennoch ging Oberhausen kurz vor der Pause nicht unverdient in Führung. Der vor der Saison vom SV Rödinghausen in die Bierstadt gewechselte Trainer Enrico Maaßen schien während der Halbzeit an den richtigen Stellschrauben gefummelt zu haben. Die Schwarz-Gelben kamen völlig verwandelt aus der Kabine und gaben Vollgas. RWO kam gar nicht mehr ins Rollen und die Gastgeber nutzten das, um die Partie zu drehen. Überraschender Weise kamen nach dem Führungstreffer aber die Gäste wieder in Schwung. RWO schnürte den BVB in der Schlussphase ein und nach mehreren verpassten Gelegenheiten krönte Verteidiger Stappmann seine konzentrierte Defensivleistung mit dem Ausgleichstreffer. Gut für den glorreichen RWE, dessen Ausgangslage für die restliche Spielzeit ohne eigenes Zutun damit weiter verbessert wurde.

Lotte – Sa., 12.12.2020, 14:00

VfL Sportfreunde Lotte vs Rot-Weiss Essen 0:2

Stadion am Lotter Kreuz, 70 Zuschauer, Regionalliga West
Heuer ergab sich die nach Wochen mal wieder die Chance, die aktiven Angestellten des Herzens-Clubs bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zu beobachten. Im Stadion am Lotter Kreuz war ich mit den Roten ja nun schon einige Male zu Gast. Bisher kannte ich die Bude allerdings nur mit der riesigen Werbetafel hinter dem östlichen Tor, welche für die Drittliga-Jahre glücklicherweise einer vierten Tribüne weichen musste, die das Stadion nun komplettiert. Das was ich im bisherigen Saisonverlauf bei wenigen anderen Live-Erlebnissen und ab und an über den Stream zu sehen kam, setzte sich auch am Autobahnkreuz fort – die Roten machen das richtig gut. Dabei war es heute wirklich nicht überragend, was da auf dem Grün hingeschmirgelt wurde. Aber eben sachlich, souverän, unaufgeregt, konzentriert, mit einigen optisch feinen Aktionen und vor allem mal wieder widerlich abgezockt und kaltschnäuzig vor dem Tor. Wirklich hochkarätige Möglichkeiten wurden nur wenige kreiert, aber von diesen dann eben zwei genutzt, was den deutlichsten Unterschied zu den gastgebenden Sportfreunden ausmachte. Denn diese machten ihre Sache auch gar nicht so übel und präsentierten sich über weite Strecken als ebenbürtiger Gegner, was ich aber auch erwartet hatte. Ob deren Leistung bleibt es weiter ein Rätsel, warum die Sportfreunde bisher lediglich 13 Punkte gesammelt haben. Der RWE zieht – ungeachtet der Tatsache, dass der aktuell einzige ernsthafte Konkurrent noch einige Nachholspiele zu absolvieren hat – einsame Kreise an der Tabellenspitze. Gepeinigt von den Holzfuß-Truppen der vergangenen Jahre habe ich mich ja zum absoluten Pessimisten entwickelt. Die aktuelle Mannschaft macht aber wirklich Spaß und Mut und langsam reift auch in mir der Hoffnungsfunke, dass es in dieser Saison vielleicht etwas werden könnte mit dem ersehnten Aufstieg in Liga Drei. Angesichts der vielen blutleeren Auftritte, die man in den vergangenen Spielzeiten ertragen musste, entbehrt es nun nicht einer gewissen Tragik, dass man diese Entwicklung meist nur aus der Ferne betrachten kann oder eben in einem beinahe menschenleeren Stadion. Die Hafenstraße wäre sicherlich bei jedem Heimspiel verdammt gut gefüllt und auch auswärts würde ein dick und fett vierstelliger Mob dem Deutschen Meister von 1955 folgen. Auch als absoluter Realist kann ich mich daher ab und an nicht von der Trauer darüber befreien, diese Aufbruchsstimmung nicht mit meinem Gefährten feiern zu können, Siege nicht vor fünfstelliger Kulisse in Essen-Vogelheim auskosten zu dürfen, diese wohltuende Phase nicht live aufsaugen zu dürfen. Aber (Achtung, hier spricht der Realist), es ist, wie es ist! Es wurden auch schon Stimmen laut, die meinen, dass es ein Plus sein könnte, dass die Rot-Weissen vor leeren Rängen ihrem Ziel entgegen streben. Denn so beflügelnd wie eine volle, brachial laute Hafenstraße sein kann, so erdrückend kann diese auch sicher wirken, wenn es mal wieder nicht läuft und schnell Kritik laut wird. Dieser Aspekt wurde ja in der Vergangenheit gern mal als Entschuldigung der Aktiven bemüht. Ich bin allerdings unmissverständlich der Meinung, dass es für jeden Spieler ein Privileg bedeuten muss, für Rot-Weiss Essen vor großer Kulisse aufzulaufen. Bleibt zu hoffen, dass der rot-weisse Anhang vielleicht für die letzten Saisonspiele noch die Gelegenheit bekommt den ermutigenden Auftritten des Teams beizuwohnen.

Exkurs: John Thomson

John Thomson, Celtic FC

Als ich im Herbst des vergangenen Jahres nach Aberdeen reiste, um dort den von mir verehrten Celtic Football Club aus Glasgow spielen zu sehen, schaute ich mir am Vortag noch das Spiel der Raith Rovers in Kirkcaldy an. Auf dem Weg dorthin hielt ich in Cardenden an und besuchte auf dem örtlichen Friedhof die Grabstätte von John Thomson. In der Zeit von 1927 bis 1931 spielte Thomson 164 Mal als Torhüter für den Celtic Football Club und vier Mal für Schottland. Zwei Mal gewann er mit Celtic den FA-Cup, ein Meistertitel war ihm nicht vergönnt. Es wären sicherlich noch etliche Spiele und wohl auch Titel mehr geworden, wenn am 5. September 1931 nicht das Schicksal auf seine übelste Weise zugeschlagen hätte, und das auch noch ausgerechnet im Old Firm beim großen Rivalen Rangers. 80.000 Zuschauer mussten in Ibrox mit ansehen, wie Thomson sich kurz nach dem Seitenwechsel mutig dem angreifenden Sam English entgegenwarf. Der Keeper prallte hart gegen das Knie von English und blieb regungslos liegen. Thomson wurde umgehend von Sanitätern auf dem Feld behandelt und ins Hospital gebracht. Da es in Folge des beim Zusammenprall erlittenen Schädelbruchs zu einer schwerwiegenden Hirnschwellung kam, war eine Notoperation erforderlich, welche leider nicht erfolgreich war. Am Abend verstarb John Thomson im Alter von 22 Jahren.
Thomson wurde wenige Tage nach seinem Tod auf dem Bowhill Cemetery in Cardenden, dem Ort in dem er unweit seines Geburtsortes Kirkcaldy aufwuchs, beerdigt. Circa 30.000 Leute nahmen an der Beisetzung teil, von denen viele die 90 Kilometer von Glasgow bis Cardenden zu Fuß bewältigten. Weitere annähernd 20.000 Menschen kamen an der Queen Street Station in Glasgow zusammen, um die Züge mit den Trauergästen zu verabschieden. John Thomson war zwar für einen Torhüter relativ klein und schmächtig, wurde aber für seine enorme Sprungkraft, die ihm zu seinem Erfolg verhalf, bewundert. Bis heute halten viele Celtic Supporter John Thomson für den besten Torhüter, der je für Celtic gespielt hat. Seit 2008 wird Thomson in der Hall of Fame des Schottischen Fußballs geführt und auch heute besuchen noch viele Anhänger seine letzte Ruhestätte und hinterlassen unterschiedlichste Celtic-Devotionalien. Sein Grabstein trägt die Inschrift „They never die who live in the hearts they leave behind“. In seinem Heimatort wird jährlich mit einem Jugendfußball-Turnier an ihn erinnert.
Sam English traf am Tod Thomsons keine Schuld – es war ein Unfall. Das schützte ihn aber nicht davor, in den folgenden Spielen von Zuschauern angefeindet zu werden. Nach einem Jahr wechselte er zermürbt nach Liverpool. Als er 1938 seine Karriere bei Hartlepool United beendete, soll er seine restliche Karriere nach dem Unglück mit Thomson als „seven years of joyless sports“ bezeichnet haben.

Exkurs: Die Vestische Kampfbahn

Vestische Kampfbahn in Gladbeck

Als ich während der ersten Lockdown-Phase viel mit dem Rad unterwegs war, führte mich der Weg auch mal ins nahe Gladbeck. Ziel war dort die ‚Vestische Kampfbahn‘, welche heute nur noch den lieblosen und charakterfreien Namen ‚Stadion Gladbeck‘ trägt. Mein erster Besuch hier hat in den frühen 90er Jahren stattgefunden. Der glorreiche RWE trug ein Freundschaftsspiel aus, welches dick und fett zweistellig gewonnen wurde. Den Gegner kann ich allerdings nicht mehr sicher benennen. Blass kann ich den Nebelschwaden den Namen VfB Kirchhellen erkennen, aber wirklich sicher bin ich mir nicht. Ein weiteres Mal weilte ich vor einigen Jahren zum Pokalfinale des Kreises Gelsenkirchen in diesem wundervollen Rund. Fußballspiele finden eher selten in der Kampfbahn statt. Diese wird überwiegend für leichtathletische Disziplinen genutzt. Was schade ist. Denn das unter Denkmalschutz stehende Stadion ist genauso beeindruckend wie gepflegt. Mit seinem wuchtigen Hauptportal, den weiteren beiden Zugangstunneln und den weitläufigen, unbefestigten Rängen fühlt man sich in andere Zeit versetzt. Genau 37.612 Zuschauer finden Platz, 1.400 davon auf der Sitztribüne, die erst vor gut zehn Jahren mit einer zeltartigen Konstruktion überdacht wurde. Bis in die 80er Jahre waren Sitzplätze überhaupt nicht vorhanden und die weiten Ränge boten ausschließlich Stehplätze. Eröffnet wurde die Kampfbahn 1928. Einen dauerhaft nutzenden Verein gab es nie. In den Jahrzehnten vor und nach dem Krieg wurden einzelne Endrunden-Spiele um die westdeutsche Meisterschaft und die deutsche Meisterschaft ausgetragen. Die STV Horst-Emscher ging zu Zeiten der Oberliga West der Fußlümmelei in der Kampfbahn nach. Nach der Jahrtausendwende spielte Germania Gladbeck zu Oberliga-Zeiten im Stadion und auch der SV Zweckel war kurzzeitiger Nutzer. Wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich sicher mal wieder in diesem Stadion zu Gast sein.

Bergisch Gladbach – Sa., 07.11.2020, 14:00

SV Bergisch Gladbach 09 vs Rot-Weiss Essen 0:2

Stadion an der Paffrather Straße, 30 Zuschauer, Regionalliga West
Der unterklassige Fußball ruht in ganz Deutschland. Ganz Deutschland? Nein! Eine unbeugsame Regionalliga im Westen Deutschlands hört nicht auf, Fußball zu spielen. Als Schwellen-Liga zwischen Profi- und Amateurfußball wurde die Regionalliga West als professionell strukturierte Liga eingestuft, in der Menschen beschäftigt werden, die den überwiegenden Teil Ihres Lebensunterhaltes durch den Fußball beziehen. Damit fällt diese Liga nicht unter die Corona-Schutzmaßnahmen, welche den Amateursport zunächst bis Ende November verbieten. Wo also gespielt wird, besteht auch immer irgendwie die Chance als Zuschauer dabei zu sein, auch wenn diese sicherlich klein ist. Dank freundlicher Unterstützung des Heimvereins war es mir möglich, das Spiel der Roten in Bergisch Gladbach im Stadion zu verfolgen. Natürlich hält sich der Spaßfaktor in Grenzen, aber unter dem Strich bleibt das aktuell äußerst selektive Erlebnis, die Mannschaft des Herzens-Clubs spielen zu sehen. Das tat diese dann überzeugend, wenn auch ohne große Glanzpunkte zu setzen. Die Gastgeber hauten wohl so ziemlich alles raus was geht und machten wirklich ein ordentliches Spiel, aber das reichte nicht gegen eine kombinationsstarke und hochkonzentrierte Rot-Weiss-Elf. Der es allerdings im ersten Durchgang nicht gelang die Überlegenheit in brauchbare Torchancen zu verwandeln. Viel effektiver wurde es auch nach der Pause nicht. So musste ein Elfmeter zur Führung herhalten. Letztlich machten die Roten aus ihrer Überlegenheit zu wenig und so wären die Gastgeber kurz vor dem Ende beinahe zum schmeichelhaften Ausgleich gekommen. Schnappmann Davari, der in diesem für einen Keeper sehr undankbaren Spiel nur dieses einzige Mal ernsthaft geprüft wurde, verhinderte den Treffer mit einer starken Parade. Durch den zweiten Nachschuss nach einem weiteren Strafstoß in der Schlussminute machte der RWE dann spät den Deckel drauf. Aber das sind diese Spiele, bei denen alle nur über die Höhe des Sieges diskutieren, die aber eben auch erst mal gewonnen werden wollen. Abhaken, weiter marschieren!