Sonntag, 28.06.2020, 14:00

deutschland

SGS Essen vs FC Bayern München 0:3

Stadion Essen, 20 Zuschauer, Bundesliga
Manchmal dauert es lange bis zu seinem ersten Mal und man soll nie „Nie“ sagen. Die weiterhin besondere Situation führte dazu, dass ich mir tatsächlich zum ersten Mal ein Damen-Fußballspiel angesehen habe. Ich habe aber ein paar Ausreden parat… es war eine gute Chance das eigene ‚Wohnzimmer‘ mal wieder von innen zusehen, denn wer weiß, wann der RWE mal wieder vor Publikum antreten darf. Außerdem wohne ich in dem Stadtteil, in dem die SGS beheimatet ist, und ich habe immer gesagt, dass ich auf jeden Fall mal ein Spiel des Bundesligisten aus meinem Stadtteil besuchen muss. Und zuletzt hatte sich RWE-Kollege Marco auch für dieses Spiel angesagt, so dass man einen Gesprächspartner hatte. Ich kann mit der weiblichen Variante des geliebten Sports grundsätzlich nicht viel anfangen, was sich auch bestätigte. Klar können auch die Mädels mit dem Ball umgehen, teilweise treten da individuell sogar recht starke Fähigkeiten zu Tage. Aber das Spiel ist deutlich langsamer und von einer gänzlich unterschiedlichen Athletik geprägt, als bei den Herren der Zunft. Dass in manchen aussichtsreichen Situationen, sei es beim Spielaufbau oder auch vor dem Tor, teils klägliche Abspiele oder Abschlüsse zu sehen waren – geschenkt, das passiert auch in der männlichen Sparte oft genug. Aber nach meinem Erachten fehlt dem Damen- im Vergleich zum Herren-Fußball irgendwie der richtige ‚Kick‘. Im doppelten Sinne halt. Oder, wie es ein nicht unbekannter Anhänger unserer Bewegung mal ausdrückte – Damen-Fußball ist eine komplett andere Sportart! Der FC Bayern wurde als Tabellenzweiter seiner Favoritenrolle gerecht. Dabei stand die SGS auf dem vierten Tabellenplatz nicht weit dahinter, aber das Gefälle zwischen den zwei, drei Top-Teams und dem Rest der Liga ist bei den Damen einfach riesengroß. Es kann zumindest für dieses Spiel auch der Mythos bedient werden, dass der FCB im Zweifelsfalle von den Unparteiischen eher begünstigt wird. Wurde der SGS nach einer kritischen Aktion im Sechzehner ein Strafstoß verweigert, bekamen die Bayern-Mädels in einer vergleichbaren Situation einen Elfer zugesprochen. Letztlich siegte der FCB aber aufgrund einer starken ersten Hälfte verdient, vielleicht ein Tor zu hoch. Die SGS hat nun noch das Pokalfinale vor der Brust. Oder vor den Brüsten. Gegner ist dann der alles überstrahlende Branchen-Primus VfL Wolfsburg. Alles andere als eine Niederlagen mit drei oder vier Toren Unterschied käme dann einem Wunder gleich. Überhaupt wird es die SGS mittel- bis kurzfristig schwer haben. Der Trend im Damen-Fußball geht dahin, dass sich immer mehr Clubs dem männlichen Branchenführer der Stadt anschließen, um von der besseren Infrastruktur und einem besseren Marketing, sowie stärkerer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu profitieren. Dass sich die SGS dann an den RWE hängt, sehe ich nicht. Eine sicherlich sehr gute Nachwuchsarbeit wird aber nicht ausreichen, um langfristig auf höchster Ebene mitzuhalten. Mein Fazit nach dem Erstbesuch: sollen sie ruhig kicken, sollen sich diejenigen das ansehen, die Gefallen daran finden. Mich hat dieses Erlebnis aber dem Damen-Fußball bestimmt nicht näher gebracht – das erste Spiel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das letzte sein.

Exkurs: Deutscher Meister 1955

Deutscher Meister ist nur der RWE!

Heute vor 65 Jahren wurde der glorreiche RWE zum einzigen Mal Deutscher Fußballmeister. Rot-Weiss hatte sich als recht überlegener Sieger der Oberliga West für die Endrunde um den Titel qualifiziert. Unter Trainer Fritz Szepan, der vor der Saison von der Blauen Brut nach Essen gewechselt war – heutzutage beinahe undenkbar – spielte das wohl beste RWE-Team aller Zeiten. Dazu gehörten neben anderen ‚der fliegende Schulmeister‘ Nationaltorhüter Fritz Herkenrath, der Held von Bern ‚Boss‘ Helmut Rahn, der Offensiv-Stratege August Gottschalk und der quirlige Außenstürmer Franz ‚Penny‘ Islacker.
Die Endrunde wurde mit acht Mannschaften durchgeführt. Teilnehmer waren die Meister der vier Oberligen West, Nord, Süd und Südwest, sowie der Meister der sogenannten Vertragsliga Berlin. Drei weitere Teilnehmer wurden durch die vier Oberliga-Vizemeister in einer Qualifikation ermittelt. Die Roten wurde in Gruppe Zwei gelost und traf auf den SV Bremerhaven, Kickers Offenbach und Wormatia Worms. Auch diese Runde gewann der RWE überlegen mit vier Punkten Vorsprung auf den Zweiten aus Bremerhaven und qualifizierte sich damit für das Finale. Dieses fand am 26. Juni 1955 im Niedersachsenstadion zu Hannover statt. Offizielle 76.000 Zuschauer waren gekommen, inoffiziell wird von über 80.000 gesprochen, nicht wenige davon waren aus dem Ruhrgebiet angereist, unter anderem in drei Sonderzügen. Der damalige Essener Oberbürgermeister unterbrach für dieses Spiel eigens seine Kur.
Der Gegner hieß 1.FC Kaiserslautern mit einer exzellent besetzten Mannschaft. Mit den beiden Werners Kohlmeyer und Liebrich, Horst Eckel und dem Walter-Fritz standen noch vier Weltmeister von 1954 in der Elf. Die Roten Teufel gingen früh in Führung aber Islacker konnte schnell ausgleichen. Bis zum Seitenwechsel konnte Rot-Weiss dann eine 3:1-Führung herausschießen. Die Führung hatte der Niederländer Johannes ‚Fred‘ Röhrig, der schon als Profi-Spieler in Frankreich tätig war, erzielt und Islacker hatte mit seinem zweiten Tor die Führung ausgebaut. Aber die Elf vom Betzenberg kam zurück, erzielte kurz nach dem Wiederanpfiff den Anschlusstreffer und glich dann per Elfmeter aus. Penny Islacker hatte sich zwanzig Minuten vor Ende am Knie verletzt und humpelte nur noch über den Platz, denn Auswechselungen war zu dieser Zeit noch nicht erlaubt. Aber die Geschichte wollte es, dass sich genau dieser Spieler fünf Minuten vor Ende in eine Flanke von Berni Termath warf und mit dem Kopf aus Abseits-verdächtiger Position den Siegtreffer erzielte. Eine Bronzeplastik mit Namen ‚Penny ihm sein Knie‘, welche natürlich das bandagierte Knie von Penny Islacker darstellt, schmückt seit einigen Jahren den Spielertunnel im neuen Stadion.
Damit sicherte sich der glorreiche RWE eine Gravur auf der berühmtesten Radkappe des Landes. Bei der Rückkehr in die Ruhrmetropole bereiteten an die 100.000 Menschen der Mannschaft einen triumphalen Empfang. Es ist leider sehr wahrscheinlich, dass dieser Meistertitel für den RWE der einzige bleiben wird, aber genau aus diesem Grunde ist dieser auch so besonders und die Meister-Mannschaft wird in Essen durchaus noch verehrt. Das alles passierte natürlich noch deutlich vor meiner Geburt, so dass die ganz große emotionale Nähe zu diesem Ereignis fehlt. Aber dennoch hat diese Mannschaft für mich und wohl für jeden anderen Rot-Weissen einen ganz besonderen Stellenwert.
Foto-Quelle: G.Klaut.

Samstag, 13.06.2020, 21:05

ungarn

Zalaegerszagi TE vs Paksi FC 3:3

ZTE Arena, 2.644 Zuschauer, Nemszeti Bajnokság I

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So ganz einfach kam ich dann doch nicht aus dem Bett, es hatten sich am Vorabendhalt doch einige Halbe summiert. Richtig eilig hatte ich es aber auch nicht und machte mich dann mal gegen 11 Uhr auf die Socken. Bevor ich die Stadt verlies, machte ich aber noch Halt am ‚Westtor von Belgrad‘, dem Geneks-Turm. Dieses imposante Gebäude ist quasi das Pendant zum Osttor. Auch in dieses markante, aus zwei durch eine Skybridge verbundenen Türmen bestehende Gebäude fand ich Einlass. Und auch hier wagte ich den Aufstieg zu Fuß. Der etwas höhere Turm dient als Wohn-, der vier Stockwerke kleinere, der aber leer zu stehen scheint, als Bürogebäude. Das auf die Skybridge aufgesetzte Drehrestaurant ist leider schon seit Jahren ungenutzt.
Damit fiel der Vorhang für Belgrad und prinzipiell begann nun die Rückreise. Ich wählte einen kleineren Grenzübergang hinter Subotica für den Wiedereintritt. Nicht in die Erdatmosphäre, sondern in die EU natürlich. Spielte sich alles easy ab, wobei sich mir nie erschloss, ob es überhaupt eine CoVid-Regelung für die Grenze zwischen Ungarn und Serbien gibt. Am agilsten war eigentlich der Zöllner, der jedes Fach im Kofferraum genau untersuchte, sogar noch die Seitenschweller abklopfte und mehrfach enttäuscht nachfragte, ob ich keine Zigaretten dabei hatte. Vielleicht hätte ich ihm welche kaufen sollen, wenn er unbedingt welche brauchte. Über Ungarns Landstraßen ging es nun vier Stunden bis nach Zalaegerszeg, westlich des Balaton, wo ich eine gute Stunde vor dem Spiel eintraf.
In der ‚ZTE Arena‘ versammelten sich gut 2.700 Zuschauer zum Abstiegsschlager zwischen dem Zalaegerszegi TE und dem Paksi FC. Das Stadion besteht aus vier einzelnen Tribünen, ist jetzt nicht der heilige Gral der Ingenieurskunst, aber auch keine Einheits-Arena von der Stange. Mir persönlich gefallen Stadien, bei denen man eine klare Abgrenzung zwischen den Tribünen erkennen kann, sowieso besser, als die sich doch sehr ähnelnden Arenen mit geschlossenen Ecken. Die Gäste wurden von 60 Fans begleitete, von denen sich knapp 15 mit vier Trommeln, Zaun- und Schwenkfahnen für ihr Team abmühten, was natürlich einigermaßen kläglich wirkte. Auch der Heimblock um die ‚Armada‘ war nicht der Kracher, dort mühten sich je nach Laune zwischen 50 und 70 Mann ab. Das war alles aber besser als nichts. Die Verteilung des Publikums funktionierte in den übrigen Bereichen so einigermaßen. Aber auch hier war ich der einzige, der sich zum Ein- und Auslass eine Maske ins Gesicht friemelte. Dann können sich die Magyaren auch die Entzerrung im Stadion sparen, wenn beim Zutritt eh alle aufeinander treffen. Die Gäste gingen früh in Führung, aber ZTE kam noch vor der Pause zurück und schoss sich dann mit 3:1 in Führung, so dass jeder dachte das Dingen ist durch. Zehn Minuten vor dem Ende, erlebte ich dann aber den weltweit vermutlich einzigartig bleibenden Auftritt eines Torrichters, denn normal laufen die Pappkameraden ja nur sinnlos hin und her und entscheiden mal überhaupt gar nix. Hier fühlte sich der Mann aber wohl ausreichend gelangweilt, eingreifen zu müssen, denn er wies den Hauptschiedsrichter auf ein nach seiner Meinung Elfmeterreifes Foulspiel hin. Ein Foul war es, das sahen ich und 2.643 andere auch, aber ebenso, dass dieses deutlich außerhalb des Strafraumes geschah. Sei’s drum, der Strafstoß bedeutete den Anschluss und in der Nachspielzeit glich Paks noch aus. Ein Remis, das keinem half, dem Torrichter erst recht nicht, denn der musste geschützt von Ordnern aus dem Innenraum geleitet werden.
Das hinderte mich nicht an der Fortsetzung der Heimreise. Nachdem auf einer Nebenstraße noch ein ausgewachsener Hirsch 50 Meter vor mir in aller Ruhe über die Straße trottete – noch nie erlebt – passierte ich kurz vor Mitternacht die Grenze zu Österreich. An Graz vorbei fuhr ich die nachts unfassbar leere Pyhrn-Autobahn hoch bis zum Welser Knoten und dann weiter Richtung Passau, wo ich in einem kleinen Gewerbegebiet für zwei Stündlein die Augen schloss, bevor es weiter ging. Auch die A3 präsentierte sich mega-entspannt, so dass ich ohne jeden Stress um 13 Uhr wieder zu Hause eintraf und der erste Fußball-Trip während der CoVid-Pandemie zu Ende ging. Es fällt schwer, zu beurteilen, ob die Einwohner Ungarns und Serbiens eine weniger disziplinierte Einstellung zu den Mindestmaßnahmen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung pflegen, den Eindruck hatte ich aber schon. Ich will mir nicht anmaßen, zu behaupten, dass die Situation in Deutschland bei Fußballspielen mit Zuschauern gesitteter ablaufen würde. Mittelfristig kommen aber Regierung und Verbände nicht umhin, zu überlegen, unter welchen Bedingungen man auch in Deutschland wieder Fußball vor Publikum stattfinden lassen kann.

Freitag, 12.06.2020, 20:00

serbien

FK Rad Beograd vs FK Vozdovac 0:2

StadionKralj Petar Prvi, 600 Zuschauer, SuperLiga

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Bis Freitag-Abend hatte ich ausreichend Zeit für ein Leben neben dem Fußball. Den Donnerstag nutzte ich zu einem Ausflug in die Gegend südlich von Belgrad. Erstes Ziel war der Avala, ein etwa 500 Meter hoher Berg. Auf diesem befinden sich das in Form eines Mausoleums errichtete ‚Denkmal des unbekannten Soldaten‘ und ein 205 Meter hoher Rundfunkturm. Dieser Turm wurde Ende des letzten Jahrtausends während des Kosovo-Krieges durch einen NATO-Angriff zerstört und danach neu errichtet. Vom Avala aus hat man einen guten Ausblick bis und über Belgrad. Danach ging es einen Berg weiter. Der Kosmaj liegt etwa 40 Kilometer südlich von Belgrad, auf dem sich ein Spomenik befindet. Spomeniks sind Kriegsdenkmäler, die man über den ganzen Balkan verstreut findet. Diese meist sehr bizarr aussehenden Gebilde haben mich in ihren Bann gezogen und wenn immer sich die Gelegenheit bietet, ein Spomenik zu besuchen, nutze ich diese. Auf dem Kosmaj steht eines dieser merkwürdigen Teile. Die Bedeutung dieses aus fünf abstrakten Stelen bestehenden Denkmals ist nicht bekannt. Ein Ansatz ist die Deutung als Synonym für den fünfzackigen Sterns als antifaschistisches Symbol. Das Wetter war mittlerweile komplett gekippt, was nicht nur die Folge hatte, dass ich mich allein an diesem Ort befand, sondern auch eine etwas düster-mystische Atmosphäre. Es hätte kaum überrascht, wenn sich plötzlich ein Partisanen-Trupp aus dem Dickicht hervor gekämpft hätte.
Abschließend hatte ich die glorreiche Idee noch einen Abstecher an die Donau zu machen und mir dafür den Ort Ritopek auserkoren, zumal auch dort noch ein Spomenik zu bestaunen gewesen wäre. Da hatte ich aber die Rechnung ohne die Einwohner des Ortes gemacht, die augenscheinlich der Volksgruppe angehören, von der ein deutsches Volkslied behauptet ihr Leben sei lustig. Jedenfalls hatte ich den Wagen noch nicht einmal gestoppt, als schon ein Horde Kinder und Jugendliche im Vollsprint Kurs auf mich nahm und ich es daher vorzog, die Beschleunigungswerte meines Fahrzeugs zu testen. Ergo Kurs Nord-Nordwest: Belgrad.
Und dabei passierte ich dann das ‚Osttor von Belgrad‘. Diesen Spitznamen trägt ein prominent platzierter, weithin sichtbarer Gebäudekomplex osteuropäischer Baukunst aus Sichtbeton. Brutalismus nennt man diesen Baustil. 570 Wohnungen werden in diesem 85 Meter hohen Dreigestirn vereint. Ich hatte mir diesen Komplex schon beim letzten Aufenthalt von außen angesehen und da nun die Tür zu einem der Türme offenstand, nahm ich die Möglichkeit wahr, zu inspizieren wie man dort so wohnt. Irgendwie schon eindrucksvoll, angefangen bei dem Riesenbrett an Briefkästen. Auf den einzelnen Etagen haben sich die Bewohner dann ihre eigenen Stillleben eingerichtet. Auch an Gerüchen wurde ein Querschnitt durch die slawische Kochkunst und gängige Tabakerzeugnisse geboten. Allerdings wirkt alles doch eher ungepflegt, veraltet und abgeranzt. Den Aufzügen traute ich nicht und erklomm die 28 Etagen per pedes. Nach dieser skurrilen Besichtigung brachte ich den Wagen wieder im Parkhaus unter, ging etwas essen und lies den Tag dann ausklingen.
Für den Freitag hatte ich mir eine kleine Wanderung im Nationalpark Fruska Gora vorgenommen. Dieses ist ein Mittelgebirgs-Höhenzug etwa 50 Kilometer nordwestlich von Belgrad. Erster Anlaufpunkt auf dem Weg dahin war aber das Sloboda Spomenik, welches mitten in der Fruska Gora liegt. Die Zeiten, dass diese Gedenkstätten vernünftig gepflegt wurden, sind auch lange vorbei. Und genau das macht diese Spots so besonders und spannend. Die Denkmäler umweht der Hauch des Vergangenen, das verleiht eine ganz andere Atmosphäre, als wenn alles wie geleckt aussieht. Ich parkte das Auto am Info-Center des Nationalparks, ließ mir eine Karte aushändigen und einen brauchbaren Weg aufzeigen und marschierte los. Grobes Ziel waren zwei alte Klöster, die am Fuße des Gebirgszuges liegen. War am Ende ne ganz schöne 11 Kilometer-Runde, die aber landschaftlich auch im Sauerland hätte stattfinden können.
Gegen 16 Uhr war ich zurück in Belgrad und wartete auf Information von Seb und Kevin, die sich für heute angesagt hatten. Ein Stündchen später trafen wir uns und machten uns zu Fuß und per Taxi auf zum ‚Stadion Karlj Petar Prvi‘. Dort fand das kleine Stadt-Derby zwischen den Fudbalski Klubs Rad und Vozdovac statt. Während Vozdavac im Niemandsland der Tabelle stand und aller Sorgen ledig war, standen die Gastgeber mit dem Rücken zur Wand und benötigten dringend Zählbares. Der FK Rad ist Fan-technisch die dritte Kraft der Stadt. Hinter dem Tor sammelten sich etwa 60 bis 70 Leute hinter dem United Force-Banner und weiteren Zaunfahnen. Früher war der Standort der Szene im Oberrang der Haupttribüne. Dieser wurde aber vor einiger Zeit seines Daches beraubt, so dass die Szene wohl aus diesem Grunde entschied, hinter das Tor zu ziehen, um akustisch besser Einfluss auf das Geschehen nehmen zu können.
Im Oberrang befindet sich aber weiterhin der Block für die Gäste und durch die baulichen Besonderheiten des etwas schrulligen kleinen Stadions waren diese – etwa 40 Mann und eine Frau – kaum zu vernehmen. Der Block war aus unserer Position schlecht einzusehen – an dieser Stelle Danke an Kevin für die beiden Fotos des Away-Bereiches, die er mir zu Verfügung stellte. Beinahe der gesamte Vozdovac-Mob präsentierte sich mit freiem Oberkörper und hatte zwei bezaubernde Fahnen dabei. Echt, das ging mal gar nicht. Dass rechtes Gedankengut in Serbien und auf dem Balkan allgemein nicht selten zu Tage tritt, ist ja kein Geheimnis. Und dass die kleine Szene des FK Vozdovac da auch wohl noch einen Schritt weiter ist, war mir beim Spielbesuch dort Anfang März auch nicht verborgen geblieben. Aber was hier am heutigen Abend gezeigt wurde, war einfach nur massive Fascho-Scheiße, die kein Schwein sehen will. Traurig, dass so eine klare extremistische Außendarstellung offensichtlich von der Allgemeinheit, den Offiziellen, Ordern und Staatsmacht kommentarlos und sanktionslos hingenommen wird. Mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Rad war mir eh der sympathischere Verein. Leider versäumten es die Gastgeber, eine der wenigen guten Chancen zu nutzen und als die Gäste einmal führten, war das Kind dann auch in den Brunnen gefallen. Mit Bus und Taxi begaben wir uns zurück ins Zentrum und suchten uns eine Pinte, wo wir noch ein paar leckere Getränke schnappen konnten. Später stieß auch noch der Mitfahrer von Seb und Kevin dazu, der das Abend-Spiel in Novi Sad geschaut hatte und den ich bisher nicht kannte. Für mich wurde der Abend aber nicht zu lang – da ich ja am nächsten Tag eine lange Strecke in Angriff nehmen musste, verschwand ich gegen 1 Uhr ins Hotel.

Mittwoch, 10.06.2020, 20:00

serbien

FK Partizan vs FK Crvena Zvezda 1:0

Stadion Partizana, 22.000 Zuschauer, Kup Srbije Halbfinale

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Mit dem Schlusspfiff verließ ich zügig das Stadion und suchte mir ein Taxi. Um Viertel nach Sieben traf ich am ‚Stadion Partizani‘ ein und betrat direkt das Stadion. Ich hatte gelesen, dass aktuell maximal 1.000 Zuschauer bei den Spielen in Serbien zugelassen sind. Dass das nicht funktioniert und nicht durchgezogen wird, erst recht nicht beim ‚Ewigen Derby‘, war klar, das hatten auch schon die bisherigen nach dem Lockdown ausgetragen Spiele von Zvezda und Partizan gezeigt. Kurz und gut, es war alles wie immer. Ich selber setzte mir im Gedränge des Einlass-Prozedere und beim Verlassen des Stadions einen Mund-Nasen-Schutz auf, war damit aber wohl auch der einzige unter den 22.000 Anwesenden. Im Stadion nahm ich die Maske dann ab. Letztlich befinden sich während des Spiels im Sitzplatzbereich ja doch immer dieselben 10 oder 15 Gestalten im näheren Umkreis, das ist in einem Restaurant auch nicht anders. Belgrad-Derby also. Als ich Anfang März bei gleicher im ‚Maracana‘ ausgetragenen Paarung weilte, nahm ich mir vor, diese auch mal wieder mit Partizan als Gastgeber zu besuchen. Dass ich das so schnell umsetzen würde, war damals noch nicht abzusehen.
Die Kurven waren natürlich brechend voll, nichts anderes war zu erwarten. Endlich wieder normale Leute. Gibt es eigentlich die abgespaltene Gruppe bei den Grobari nicht mehr, von Corona aufgefressen? Anfang März auswärts bei Zvezda traten die Differenzen noch offen zu Tage. Hier und heute konnte ich die Splittergruppe aber nicht ausmachen. Auf eine Choreo wurde verzichtet, dafür brannte es wieder mehrfach lichterloh. Inklusive Entsorgung der noch brennenden Stäbe in den Innenraum und auch bis auf das Spielfeld. Das ist schon mehr als grenzwertig und findet bei aller Pyro-Begeisterung weiterhin nicht meine Zustimmung. Warum wurde leider auch offensichtlich, denn beim Bengal-Weitwurf wurden jeweils der bereits verletzt am Boden liegende Keeper von Zvezda und ein Foto-Journalist von einer Fackel getroffen und das hat dann eben nichts mehr mit südländischer Begeisterung zu tun, sondern schlicht mit gefährlicher Körperverletzung. Pyro ja gern! Aber nicht fahrlässig oder gar vorsätzlich als Waffe eingesetzt. Das ist leider die Kehrseite des Belgrad-Derby.
Dennoch erstaunlich, wie mit diesen ‚Verfahrensfehlern‘ umgegangen wird. Der Keeper schauspielerte nicht großartig und der Referee erkundigte sich nach dessen Wohlergehen. Dann schüttelten sich alle mal kurz und weiter ging es. Ich möchte mal Gräfe, Brych oder Siewert bei einem Belgrad-Derby erleben. Die würden allesamt mit Schnappatmung und Sinnesverlust im Kreislauf-Taxi landen. Umso höher ist es zu bewerten, wie ruhig und abgeklärt der Unparteiische diese brisante und emotionsgeladene Partie hier über die Bühne brachte. Partizan war gut im Spiel und hatte die besseren Chancen. In die letzten Spielen gingen die Sterne ja leicht favorisiert, Partizan ist gegen den ewigen Rivalen zumindest im Meisterschafts-Wettbewerb etwas ins Hintertreffen geraten. Davon war aber heute nichts zu sehen und die Schwarz-Weißen belohnten sich nach einer Stunde mit dem verdienten Führungstreffer. Man merkte Zvezda danach an, mehr Spielkontrolle bekommen und mehr Druck ausüben zu wollen, aber da ging nicht viel. Partizan verlor nie die Ordnung und trotz elf Minuten Nachspielzeit geriet der Sieg nicht in Gefahr. Damit steuert Partizan dem fünften Pokalsieg in Folge entgegen. Die Kurven hatte ich übrigens akustisch noch nie so stark und konstant erlebt. Scheinbar waren nach Wochen des Lockdowns alle noch heißer auf diese Partie als sonst. Ein positiver Effekt dieser speziellen Situation war, dass bei diesem Spiel annähernd keine anderen Leute der Bewegung anwesend waren. Das wird man wohl so nie wieder erleben. Mit einer Pljeskavica bewaffnet latschte ich mit dem Zuschauerstrom zurück in Richtung Slavija-Platz. Da noch etwas Schlaf fehlte zog ich mich mit zwei Dosen Jelen auch direkt in mein Gemach zurück.

Mittwoch, 10.06.2020, 17:00

serbien

FK Cukaricki vs FK Vojvodina 0:1

Stadion na Banovom brdu, 650 Zuschauer, Kup Srbije Halbfinale

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Auch in Ungarn ist es den Hotels untersagt, ein Frühstücks-Buffet anzubieten, daher zeigte sich die erste Mahlzeit des Tages als Lunch-Paket in Form von drei belegten Brötchen. Bevor ich die Stadtgrenze passierte, nahm ich einen minimalen Umweg auf mich, um mal die Baustelle des neuen Honved-Stadions in Augenschein zu nehmen, das ursprünglich ja ziemlich genau in dieser Woche eröffnet werden sollte. Dazu reicht es noch nicht, aber so richtig lange kann das wohl nicht mehr dauern. Von außen sieht es zumindest schon mal aus wie ein Stadion.
Die 380 Kilometer nach Belgrad boten nicht viel Spektakuläres. Nicht mal der Grenzübertritt, denn CoVid-Kontrollen fanden nicht statt, so dass die ganze Aktion gerade einmal fünf oder zehn Minuten dauerte. Wenn man sich dann Belgrad von Westen kommend nähert und auf die beeindruckende Plattenbau-Kulisse von Novi Beograd zufährt, hat das mittlerweile fast schon was von ’nach Hause kommen‘. Das war nun mein fünfter oder sechster Aufenthalt in der Stadt, die mir ja wirklich gut gefällt. Ich bin immer wieder gern in Belgrad.
Erste Anlaufstelle war das Stadion von Partizan, um das online erworbene Ticket abzuholen. Print-at-home war dieses Mal nicht möglich – der besonderen Situation geschuldet? Vom Stadion ging es dann zum Hotel Mark nahe dem Slavija-Platz. Die Auswahl an Hotels in der Belgrader Innenstadt ist groß. Ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem ich vernünftig wohnen muss. Aus dem Alter, in dem man sich in Hostel-Dorms oder irgendwelche Löcher geschmissen hat, bin ich eindeutig raus, dazu kann es nur noch in Ausnahmesituationen kommen. Daher hatte ich mich also für diesen stylischen Schuppen entschieden, der zudem die Möglichkeit bot, das Auto in einem bewachten Parkhaus abzustellen – mit einem neuwertigen deutschen Fahrzeug in Belgrad sicherlich ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Es blieb Zeit, ein wenig zu ruhen, dann ließ ich mir ein Taxi rufen und mich in den Süden der Stadt bringen – ‚Stadion na Banovom brdu‘ hieß das Ziel. Dort spielt der FK Cukaricki, der sportlich in den letzten Jahren zwar ordentliche Resultate erzielte, die den durch Mäzenatentum stabilisierten Club bis in die Europa League spülten, jedoch sonst in Belgrad keine große Beachtung findet. Dementsprechend war auch keine große Zuschauerzahl zu erwarten. Das erste Halbfinale des serbischen Pokals stand auf dem Programm und zu Gast war der FK Vojvodina aus Novi Sad, den man hinter den großen Belgrader Clubs wohl als die dritte Kraft Serbiens bezeichnen darf.
Kurz vor Beginn der Partie begann es zu regnen, nein, zu kübeln! Es schüttete wie aus Eimern, es regnete Hunde und Katzen, ein Fest für jeden Regenwurm. Glücklicherweise hatte ich einen der wenigen geschützten Plätze auf der Haupttribüne ergattert, sonst wäre ich binnen einer Minute nass bis auf die Haut gewesen. Der Gästeblock war zu Beginn der Partie annähernd leer, was mich irritierte, aber in Ost- und Südost-Europa betritt man ja gern mal später das Stadion. Oder darf es erst später betreten. Zudem ist der innerstädtische Verkehr in Serbiens Hauptstadt eine Katastrophe, wie ich vorher schon selber erfahren durfte, was, neben der ungünstigen frühen Anstoßzeit auf einem Wochentag, ein weiteres Hindernis bedeutete. Gut zehn Minuten nach Spielbeginn stürmten dann etwa 150 Mann in den Settore Ospiti, beflaggten den Zaun und legten, optisch unterstützt von ein paar Schwenkern, los. Viel später hätten die Jungs auch nicht kommen dürfen, denn nach einer halben Stunde fiel der Treffer des Tages. Die ‚Firmasi‘, wie sich die Vojvodina-Anhänger nennen, gaben 90 Minuten alles für ihr Team und wurden mit dem gefeierten Finaleinzug belohnt. Eine kleine Pyroshow gab es auch zu bestaunen. Auf Seiten der Gastgeber formierten sich fünf Halbgescheite hinter ein paar lieblosen, kleinen Zaunfahnen und wedelten mit einer Schwenkfahne, das war’s. Ehrlich, ich versuche jeder aktiven Gruppe Respekt entgegen zu bringen, aber so wie man es hier machte, sollte man es besser lassen.

Dienstag, 09.06.2020, 21:05

ungarn

Budapest Honvéd FC vs Fehérvár FC 1:1

Uj Hidegkutu Nándor Stadion, 645 Zuschauer, Nemzeti Bajnokság I

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Knapp drei Monate lag das Hobby nun Corona-bedingt brach. Um den Monatswechsel Mai/Juni wagten dann Ungarn und Serbien als erste Länder wieder, Fußballspiele mit Zuschauern unter Auflagen stattfinden zu lassen. Zunächst schenkt ich dem keine großen Beachtung aber dann reiften erste Überlegungen und ich erwischte mich immer wieder dabei, die Spielpläne zu studieren und Flüge zu checken. Nachdem dann in Serbien das Halbfinale gelost wurde und dabei die Begegnung zwischen Partizan und Zvezda herauskam, wurde alles konkreter und ich bastelte mir einen kleinen Trip nach Ungarn und Serbien zusammen. Fliegen war letztlich aber keine echte Option. Zwar waren die Flugpreise trotz der engen Frist teilweise noch erstaunlich erträglich, aber zum einen war ich im Zweifel ob man als Flugpassagier an den Flughäfen nicht doch mit durch Kontrollen bedingten ernsteren Widrigkeiten rechnen musste und zum anderen konnte ich mich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden für längere Zeit einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, denn davon bin ich ja schon nach 15 Minuten im Supermarkt endgenervt von der Maultüte. Sollten sich allerdings nach und nach – zumindest innereuropäisch – mehr und mehr Möglichkeiten ergeben, das Hobby zu pflegen, werde ich mich damit wohl arrangieren (müssen). Also fiel die Wahl auf das Auto, welches einem natürlich ein Maximum an Flexibilität verleiht. Abgesehen davon waren einige wenige Angehörige der Bewegung bereits eine Woche vorher schon in diese Richtung unterwegs und aus diesem Grunde war klar, dass man trotz noch nicht eingestellter CoVid-Grenzkontrollen die Landesgrenzen recht easy passieren konnte. In den drei Tagen bis zum Start-Zeitpunkt entschied ich mich ungefähr zehn Mal für und wieder gegen die Tour, da ich nicht unbedingt ein Fan von überlangen Autofahrten bin. Dass Ungarn letztlich entschied, schon ab dem 07. Juni die Grenzen für EU-Bürger generell wieder zu öffnen, half mir aber bei der Entscheidungsfindung.
Letztlich drückte ich der Herzdame aber am Montag-Abend eine Abschiedskuss auf die Stirn, setzte mich in die Mühle und eibelte los. Als ich dann Frankfurt passiert hatte, war wohl auch die letzte Gefahr gebannt, doch noch umzukehren und so langsam sprang das Reise-Modul an und erste Vorfreude kam auf. Dazu waren die Straßen leer und entspannt ging es Richtung Südost. Zwischen Nürnberg und Regensburg suchte ich mir ein Plätzchen, um ein wenig Nachtruhe zu halten und nach vier Stunden erstaunlich ruhigen und recht erholsamen Schlafs, ging es gegen sechs Uhr in der Frühe in aller Ruhe weiter. Weder Österreicher noch Ungarn interessierten sich dann für die einreisenden Autofahrer. Grundsätzliche Verpflichtungen wie das Tragen von Mund-Nasen-Schutz im ÖPNV, Supermärkten, öffentlichen Gebäuden etc gelten in Ungarn und Serbien genau wie in Deutschland. Gegen 13:00 Uhr traf ich bei bestem Sommerwetter in Budapest ein. Da ich es noch nie zur Zitadelle hinaufgeschafft habe, war dieses das erste Ziel und von dort oben hat man wirklich einen gewaltigen Blick auf die Stadt und ihre Ausmaße. Danach ging es zum nahe dem abendlichen Spielort gebuchten Hotel und ruhte mich ein wenig von der langen Fahrt aus. Das Abendessen nahm ich im Restaurant des Hotels mit Blick auf die Straße ein. Das Wetter war komplett umgeschlagen, es kübelte wie aus Eimern und ich machte mir ernsthaft Sorgen, ob der Rasen im Stadion diese Wassermassen so einfach wegstecken würde. Mut machte wiederum, dass die Ungarn ihre Liga ja mit Gewalt durchkloppen wollen und eine Absage daher wohl annähernd ausgeschlossen war.
Zu Fuß machte ich mich auf zum ‚Uj Hidegkuti Nandor Stadion‘, der erst vier Jahre alten Spielstätte des MTK Budapest. Vorher stand an gleicher Stelle das alte Stadion von MTK, ein betagtes, kultiges Rund mit typisch osteuropäischer Charakteristik. Aber warum MTK? Honved baut derzeit ein neues Stadion und nutzt das Stadion von MTK als Ausweich-Spielort. Grund dafür ist sicherlich eine Vereinbarung zwischen beiden Clubs, denn während des Neubaus des MTK-Stadions nutzte der Verein das alte ‚Bozsik Josef Stadion‘ von Honved für die Austragung der Heimspiele. Das ‚Uj Hidegkuti‘ ist ein Stadion mit eigenem Charakter an dem sich die Geister scheiden. Von außen ist es nur schwer als Fußballstadion zu identifizieren. Tribünen existieren nur auf den Geraden. Hinter den Toren bauen sich blanke Betonwände auf, was zwar irgendwie eine etwas sterile Atmosphäre verleiht, aber dennoch gefiel mir der Bau gar nicht so schlecht und dieser ist mit seinen 5.300 Plätzen ja auch eine optimale Lösung für einen eher kleinen Club wie MTK. Die aktiven Gruppen Honveds und von den Gästen aus Fehervar bezogen Stellung in den äußeren Blöcken der Gegentribüne. Das Konzept zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs mit Publikum in Ungarn sieht vor, dass nur Stadien ausschließlich mit Sitzplätzen genutzt werden dürfen oder eben nur die Blöcke mit Sitzplätzen vergeben werden dürfen. Weiterhin darf nur jeder vierte Platz besetzt werden, was hier so geregelt wurde, dass immer drei nebeneinander liegende Sitze mit Flatterband abgesperrt wurden. Das ist natürlich kein unüberwindbares Hindernis, wie sich auch zeigte, denn die aktiven Jungs, etwa 50 Mann bei den Gästen und 80 Mann auf Heimseite standen dicht beieinander. Auf den übrigen Plätzen klappte die Beachtung des Abstandsgebotes dagegen halbwegs gut, vereinzelt trugen die Zuschauer auch Masken.
In Fehervar scheint man die YouTube-Videos aus Argentinien genauestens studiert zu haben, denn die aus dem Away-Bereich herüber schallenden Melodien hört man eigentlich nur in Lateinamerika. Der Honved-Mob war da schon bodenständiger unterwegs. Die Akustik des Stadions ist jedenfalls nicht übel, denn die Gesänge schepperten in der Hütte recht ordentlich und auch ziemlich konstant. Auch in Ungarn hat man den Fußballsport offenbar vermisst und nun richtig Bock drauf. Jedoch – aufgrund der grundsätzlichen Beschränkungen und der Tatsache, dass Honved für die restlichen Heimspiele der Runde nur noch die Dauerkartenbesitzer ins Stadion lässt, war die Zuschauerzahl natürlich überschaubar. Die Gäste gingen bereits nach vier Minuten in Führung und verpassten es diese auszubauen, als der Honved-Schnappix einen Elfmeter entschärfte. Noch vor dem Seitenwechsel glichen die Gastgeber aus, was auch schon das finale Resultat bedeutete. Hilft weder den Gastgebern, noch den Gästen, die ja 1985, damals noch als Videoton Székesfehérvár, in den UEFA-Cup-Finalspielen gegen Real Madrid standen und nach 0:3-Heimniederlage im Hinspiel sogar noch einen 1:0-Achtungserfolg im Estadio Bernabéu feiern durften. Nach dem Kick war ich schnell wieder zurück im Hotel und zwei Bier-Längen später dann auch im Reich der Träume.