Essen – Di., 09.08.2022, 19:00

Rot-Weiss Essen vs FC Viktoria Köln 1:4

Stadion an der Hafenstraße, 15.006 Zuschauer, 3.Liga
Ich sag mal ‚Puuh!‘. Der RWE kommt nicht in die Spur. Nur wenige Tage nach der Aufholjagd beim MSV, welche ja die Hoffnung gab, dass verstanden wurde, wie diese Liga zu spielen ist, setzte es eine erneute schallende Ohrfeige vor eigenem Publikum. Dabrowski hatte bis auf eine Position die Elf aufgestellt, welche das Spiel in Duisburg beendete. In den ersten zwanzig Minuten sah das auch ganz gut aus. Die Viktoria hatte sich entschieden, erst einmal zu schauen, was die Gastgeber so auf den Rasen bringen. Sehr präzise war das dann zwar nicht, aber zumindest gab es zwei Abschlüsse, die allerdings auch nicht brandgefährlich waren. In dem Moment, in dem die Gäste beschlossen mitzuspielen, war es vorbei mit der rot-weissen Überlegenheit. Auch die neu formierte Defensive, die in der Schlussphase in Duisburg so stabil wirkte, bekam Probleme, und zwar meistens dann, wenn es schnell ging. Weiterhin gab es erneut zu viele unbedrängte Ballverluste, von denen einer über Umwege mit der ersten Gäste-Chance zum 0:1 führte. Wie gegen Elversberg schon waren die Defensiv-Leute – man muss leider sagen: in diesem Fall erneut Kapitän Heber – in der entscheidenden Szene zu weit vom Gegenspieler entfernt. Schnappmann Golz ist momentan die ärmste Sau. Das was drauf kommt sieht gar nicht mal so unhaltbar aus, aber es fehlen dann doch ein paar Zentimeter, um die Kugel noch zu erwischen. Einen Vorwurf kann man dem Mann aber sicher nicht machen. Mit dem Pausenpfiff stand es dann 0:2 nach einem berechtigten Elfer und erneut war Daniel Heber der Hauptdarsteller.
Mit dieser Hypothek ging es dann wieder auf den Rasen, ohne dass der Trainer einschneidende Veränderungen vornahm. Lediglich die unglücklich spielenden Young und Ennali tauschten die Seiten. So wie das Spiel vor der Pause lief, war das zu wenig. Unverständlich. Das rot-weisse Spiel wurde nicht besser. Das war zu langsam, zu ungenau, zu unflexibel, zu drucklos. Es gab kein zwingendes Pressing, die Gegner hatten viel zu viel Raum. Es wurde den Gästen zu einfach gemacht, die zaghaften rot-weissen Spielaufbauversuche zu stören und zu zerstören und auf der anderen Seite hatte die Viktoria viel Zeit eigene Vorstöße aufzubauen. Und es wurde dem Gegner auch zu leicht gemacht, seine eigenen Angriffe zu initiieren. Die ersehnte Doppelspitze Berlinski und Engelmann konnte gar nicht zeigen, ob dieses eine Option für die Anfangself sein kann, da sie viel zu wenig in Situationen gebracht wurde. Obwohl es sichtlich keine Besserung im Spiel der Roten gab, verzichtete der Trainer auf Wechsel. Auch hier noch einmal: unverständlich! Es wirkte als ob der gesamte RWE-Tross ratlos war, was zu tun sei. Noch bevor dann weiterer Einfluss genommen wurde, hieß es 0:3. Bezeichnenderweise durch ein Eigentor. Bastians sei hier kein Vorwurf gemacht, er lenkte die Murmel nach einer Ecke per Kopf unglücklich ins eigene Netz. Engels zweiter Saisontreffer eine Viertelstunde vor Schluss gab Hoffnung, mehr aber auch nicht. Bei einem schnellen Angriff unmittelbar nach diesem Treffer hätte womöglich sogar direkt der Anschluss fallen können, aber auch dieses Mal wurde eine falsche Entscheidung getroffen und der Vorstoß verpuffte. Der vierte Treffer Marke abgefälschter Sonntagsschuss in der Schlussminute fiel nicht mehr ins Gewicht.
Es ist noch zu früh für Panik, gleichwohl besteht großer Anlass zur Sorge, denn die Personalie Dabrowski auf der Trainerposition wirkt verfehlt, und der Trainierer ist, auch wenn (natürlich!) von offizieller Seite dazu kein Ton hören ist, bereits angezählt. Es sind auch gar nicht die beiden deftigen Heimniederlagen selber die mich stören, auch wenn neun Gegentreffer in zwei Spielen schon heftig sind. Ein Punkt nach drei Spielen, das kann einem Aufsteiger nach drei Spielen passieren. Stören tut mich die Art und Weise wie diese entstanden. Die Idee des Trainers geht nicht auf und taktisch erscheint das viel zu invariabel, vor allem wenn es darum geht, unmittelbar im Spiel zu reagieren. Aus dem Gefühl raus würde ich sagen, dass der Dabrowski maximal noch zwei Spiele Schonfrist bekommt, sollte sich dann nichts zum Positiven entwickeln, wird – nein – muss reagiert werden, bevor schon alles zu spät ist. Am Publikum liegt es nicht. Unmut war während der gesamten Partie wenig zu vernehmen und nach dem Abpfiff wurde der Mannschaft Mut zugesungen und Aufbauhilfe gegeben. Aber auch dieser Kredit, den das Team durch den ersehnten Aufstieg erarbeitet und verdient hat, wird nicht ewig währen. Es müssen dringend Punkte her, bevor die Harmonie umschlägt und Unruhe aufkommt. Und mal wieder bin ich gespannt, was uns das nächste Spiel bringen wird.

Hannoversch Münden – So., 07.08.2022, 15:00

TuSpo Weser Gimte vs TSV 08 Groß Schneen 0:1

Sportanlage Rattwerder, 40 Zuschauer, Kreisliga Göttingen-Osterode
Quer durch den Harz ging es nach Hannoversch Münden, der Stadt, in der sich Werra und Fulda küssen und sie ihre Namen dafür büßen müssen. Ab hier heißt dieser Wasserlauf Weser. Vor längerer Zeit hatte ich mal ein Bild der Tribüne der Sportanlage Rattwerder gesehen und diese war mir als ‚besuchenswert‘ in Erinnerung geblieben. Das bestätigte sich vor Ort dann auch, allerdings verliert sich die Tribüne ein wenig in der weitläufigen Anlage. Vielleicht hätte man bei Temperaturen von deutlich mehr als 30 Grad lieber den Eintritt für das benachbarte Freibad entrichten sollen, denn auch von dort ließ sich das Spiel wunderbar verfolgen, was sich auch einige Sonnenanbeter zu Nutze machten. Überragend war das von den Akteuren angebotene nicht gerade, aber das war von einem eher provinziell geprägten Kreisliga-Spiel auch nicht zu erwarten. Dass Fußball nicht immer gerecht ist, zeigte sich auch mal wieder, denn die Gäste fuhren als Bezirksliga-Absteiger einen schmeichelhaften Auswärtssieg ein.

Goslar-Lochtum – So., 07.08.2022, 11:00

TSV Lochtum vs SV Innerstetal 1:1

Sportplatz Lochtum, 120 Zuschauer, Bezirksliga Braunschweig 3
Der Sonntag sollte beschaulich bleiben und für das erste Spiel im kleinen Ort Lochtum hätte es daher keinen authentischeren Austragungsort geben können. Ein Platz ohne Nix erwartete uns, das war vorher bekannt und subjektiv dennoch die einzig sinnvolle Möglichkeit ein frühes Spiel einzubauen. Obwohl kein Ausbau vorhanden ist, hat der Platz am Rand des gerade einmal 600 Einwohner schweren Ortes Charme. Die ländliche Atmosphäre macht es aus. Davon ausgehend, dass nur wenige Gäste angereist waren, muss theoretisch ein Sechstel der Einwohner dieses Spiel gesehen haben. Diese Quote wird vermutlich weltweit nur selten erreicht werden :-). Das Spiel war nicht hochklassig, lebte aber von der Spannung, da die Gastgeber nach frühem Rückstand und dem Ausgleich nach 70 Minuten immer weniger wurden. Das ausgeschöpfte Wechselkontigent vertrug sich nicht mit zwei späten verletzungsbedingten Ausfällen. Zudem handelte sich ein Spieler in der Schlussphase eine kuriose gelb-rote Karte in ein und derselben Spielsituation ein. Ein verwarnungswürdiges Foul ahndete der Referee zunächst nicht, sondern wandte die Vorteilsregel an. Als Sekunden später der gleiche Spieler aber erneut hart foulte, gab es eine doppelte Gelbe Karte und damit den Feldverweis. Am Ergebnis änderte das aber nichts mehr. Der TSV rettete den Punkt aufopferungsvoll kämpfend ins Ziel.

Wolfsburg – Sa., 06.08.2022, 15:30

VfL Wolfsburg vs SV Werder Bremen 2:2

Arena Wolfsburg, 28.015 Zuschauer, Bundesliga
Jaja, ich hab es ja nicht so mit dem sogenannten ‚Vollmachen‘ von Ligen, was ja einem Großteil der Angehörigen unserer Bewegung sehr wichtig ist. Ergo fehlen mir auch in der Beletage des deutschen Fußballs noch ausgewählte Spielstätten, zumal ich mit dem ganzen Bundesliga-Klüngel auch schon seit Jahren nichts mehr anfangen kann. Die Wolfsburger Arena ist eines der Stadien, die ich noch nie besucht habe, ein Spielort, zu dem mich bisher nichts hingezogen hat und der auch nur mit einem Spiel gegen die Jugendliebe fallen konnte. Kumpel Malo, von identischen Vereinslieben geplagt wie ich, war mit von der Partie. Nach Eintreffen in der Autostadt sickerte über die sozialen Netzwerke durch, dass die aktive Szene nach Ankunft mit dem Zug in Wolfsburg direkt in einen Polizei-Kessel geraten war. Die ganze Gruppe wurde zunächst festgesetzt, viele mussten sich dann durchsuchen lassen und einer Personalienaufnahme unterziehen, einige als offenbar ‚harmlos‘ eingestufte Personen, durften den Kessel verlassen. Würde mich auch mal interessieren, auf welcher Basis zwischen ‚harmlos‘ und ‚gefährlich‘ unterschieden wurde – wie soll das aufgrund rein optischer Betrachtung fundiert geschehen sein. Als Begründung für die Maßnahme wurde die Gefahrenabwehr genannt, was irritiert, denn die übliche Abstimmung der beiden Vereine zu diesem Spiel ergab das Prädikat ‚risikoarm‘. Die Staatsmacht sah das anders und beide Polizeibehörden stuften das Aufeinandertreffen kurzfristig in die Kategorie ‚rot‘. Das Verhältnis der beiden Fanszenen zueinander sei ‚rivalisierend‘. Da weiß man bei so einem Hirnriss gar nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll. Abgesehen davon, dass die Wolfsburger Szene Deutschlandweit eher bescheidenen Ruf genießt, hat die Werder-Szene ganz andere Feindbilder als den ja doch eher niedlichen VfL Wolfsburg.
Immerhin gab die Polizei nachher zu, mit den Kontrollen präventiv gehandelt zu haben, um eventuell mitgeführte Pyrotechnik aufspüren zu wollen. Na wenn zum  Erreichen dieses Ziels diese gewählte Maßnahme Schule macht, dann gute Nacht. Und wie das dann bei solchen Maßnahmen so ist, nimmt die Schikane kein Ende. So wurde den stundenlang Wartenden sogar der Toilettengang verweigert. Weiterhin wurde ein Aufenthaltsverbot für die Stadt ausgesprochen und lediglich der Zugang zum Stadion in polizeilicher Begleitung in Aussicht gestellt. Der Großteil der aktiven Fanszene machte daraufhin das einzig richtige und entschied sich Prinzipientreu für die umgehende Heimreise. Es stellt sich mal wieder die Frage, warum eine ganze Gruppe kriminalisiert wurde, die sich an diesem Tage noch gar nichts hat zu Schulden kommen lassen. Und auch der letzten Polizeiführungshohlbirne muss doch auch klar sein, dass sich mit solchen Aktionen die Fronten noch weiter verhärten. Ist das wirklich gewollt? Während sich die Bullen-Ottos natürlich keines Fehlverhaltens oder einer überschätzten Lage bewusst sein wollen, finde ich die Reaktion der Vereinsführungen bemerkenswert. Der VfL sagte die Erstattung der nicht genutzten Tickets zu und die Werder-Führung verurteilte die Aktion aufs Schärfste und forderte ein generelles Umdenken.
Die Abwesenheit der Szene kostete natürlich den durchgehenden Support, aber insgesamt bekam es der Gästeblock doch noch einigermaßen hin. Auch die an den Away-Bereich angrenzenden Blöcke waren fest in Bremer Hand, der Verein ist ja in der Ferne eigentlich immer ‚well-supported‘. Über 5.000 Werder-Anhänger dürften es auf jeden Fall gewesen sein. Dass der harte Gäste-Kern fehlte, brachte auch umso deutlicher ans Licht, wie schwach die Wolfsburger Szene ist. Dass diese eine der schwächsten Kurven im deutschen Profi-Fußball ist, war mir ja klar, aber die Realität übertraf, oder besser ‚untertraf‘, meine Erwartungen noch deutlich. Himmel, da ist ja Maskottchen ‚Wölfi‘ noch beeindruckender als die gesamte Heim-Kurve. Wenn schon nicht die Kurve, dann hatte ich zumindest erwartet, dass der VfL deutlich überlegen auftreten würde. War aber auch nicht so, denn der SVW war spielbestimmend. Die ersten zaghaften Möglichkeiten wurden aber ausgelassen und die individuelle Klasse ermöglichte dem VfL mit dem ersten gefährlichen Angriff den Führungstreffer. Aber Werder zeigte sich mal überhaupt nicht geschockt und drehte die Partie per Doppelschlag binnen weniger Minuten. Auch danach wurde gefällig weitergespielt und mit der Führung ging es in die Pause. Nach dem Seitenwechsel passierte lange nichts Zwingendes, die Gäste hatten den Kick soweit im Griff, aber nachdem Werder-Schnapper Pavlenka eine 1:1-Situation noch stark entschärft hatte, reichte den Gastgebern kurz vor dem Ende erneut die individuelle Klasse zum Ausgleich. Das weckte den SVW noch mal auf und es gab tatsächlich Chancen auf den späten Sieg, aber es sollte nicht sein. Vor dem Spiel hätte ich den Punkt sofort unterschrieben, nach dem Spiel waren es aber tatsächlich zwei verlorene Zähler.

Duisburg – Fr., 05.08.2022, 19:00

MSV Duisburg vs Rot-Weiss Essen 2:2

Arena Duisburg, 28.200 Zuschauer, 3.Liga
Was eine Aufregung um die Tickets für dieses Spiel. Das 5.000 Karten starke Gäste-Kontingent – der MSV wickelte den Verkauf der Gäste Tickets über seinen eigenen Onlineshop ab – war nach nur 15 Minuten vergriffen. Als dann gegen Ende der Verkaufsphase für die Dauerkarteninhaber und Mitglieder noch immer tausende Tix verfügbar waren und abzusehen war, dass auch auch von der roten Seite noch reichlich Leute mit Karten eindecken wollten griff am Rhein die Panik um sich. Zunächst schob der Verein den Termin für den freien Verkauf nach hinten. Als auch das nicht den erhofften Effekt brachte, richteten MSV Fans einen Fonds ein, in den gespendet werden sollte. Von den Erlösen wurden dann Tickets gekauft, welche wiederum an bedürftige Anhänger verteilt werden sollten, die sich den Eintritt nicht leisten konnten. Zudem sollten die Ticketempfänger nachweisen, dass sie auch ganz sicher MSV Fans sind. Wie auch immer das geschehen sollte. Einmal im Zebra-Kostüm ums Stadion rennen? Den Zebra-Twist vortanzen? Die Idee erwies sich aber letztlich zugegebenermaßen als gut, denn außerhalb des Away-Sektors sah man im Stadion nur wenige rote Trikots.
Während auf Gäste-Seite die aktive Szene aufgrund eines Zugausfalls beim Anpfiff noch gar nicht im Stadion war, zeigte die MSV-Kurve eine Choreo zum 120-jährigen Jubiläum des Vereins und zum 15-jährigen Jubiläum der ‚Kohorte‘. Die riesige, kurvenbedeckende Blockfahne zeigte auf der einen Hälfte das Vereinswappen, auf der anderen einen muskelbepackten römischen Legionär. Zwar sehr einfache Motive, aber sauber und ordentlich gemalt, das sah schon gut aus. Steckte bei der Größe des Lappens sicher auch eine Menge Material, Kohle und Arbeitsstunden drin. Abzüge in der B-Note brachte die am Zaun in großen Lettern prangende Botschaft „Wir sind nur, weil Du bist“. Nicht sehr originell, aber zumindest auf den Punkt gebracht. RWE-Coach Dabrowski schickte die gleiche Start-Elf auf den Platz wie beim Elversberg-Desaster am ersten Spieltag. Was in der Kurve für Kopfschütteln sorge, sollte die Chance für diese Akteure sein, zu zeigen, dass sie es besser können. Es sei vorweggenommen – konnten sie nicht. Nur wenige Minuten waren gespielt, als es nach einer Ecke direkt im rot-weissen Kasten klingelte. Plechaty ließ sich von seinem Gegenspieler um eine Wolkenkratzer-Länge überspringen und der Ball schlug sauber im rechten oberen Toreck ein. Danach entwickelte sich langsam eine offene Partie mit Vorteilen für die Streifen-Esel. Die Zebras zeigten sich einfach bissiger, galliger, hatten die richtige Derby-Mentalität. Der MSV war von Anfang mit ordentlich Feuer drin in der Partie, der RWE braucht eine Aufwärmphase. Unverständlich! Der Ausgleich hätte zwar unmittelbar fallen müssen – es bleib beim Lattentreffer – aber der MSV hatte auch noch zwei gute Gelegenheiten und ging mit einer verdienten Führung in die Pause.
Mit Eisfeld für den harmlosen Harenbrock und Sponsel für den unglücklichen Plechaty wurde zur Pause auf den richtigen Positionen getauscht und ab sofort agierten die Roten auf Augenhöhe. Wirklich zu sehen war das aber erst einmal nicht, denn die rot-weisse Kurve nebelte mit einer Bengal-Party die … *hust* …  Schauinsland-Reisen-Arena ein. Umso bitterer, dass man schon früh in der ersten Hälfte in einen genauso gut gespielten wie schlecht verteidigten Konter lief, den der starke Stoppelkamp allerdings auch technisch anspruchsvoll zum zweiten Treffer abschloss. In diesem Moment war der RWE mausetot und ich hatte mit dem Kick auch abgeschlossen. Aber wie sagt man so schön, im Fußball ist alles möglich und zum Aufgeben war es natürlich zu früh. Es wurde nochmal auf richtigen Positionen gewechselt, auch Torjäger Engelmann kam ins Spiel. Und exakt dieser der war ziemlich genau zur Mitte der zweiten Spielhälfte nach feiner Vorarbeit des starken Berlinksi zur Stelle und markierte den unerwarteten Anschluss. Und keine fünf Minuten später kullerte der Gästeblock endgültig durcheinander, als der junge Ennali nach feinem Durchstecker von Eisfeld die Kirsche am MSV-Schnapper zum Ausgleich in die Maschen schob. Ab geht die Fahrt, Tollhaus, da musste man im Oberrang aufpassen, beim Tor-Pogo nicht ein paar Stufen nach unten zu segeln. Nun war Musik in der Partie und der RWE gewann gegen geschockte Gastgeber die Oberhand. In der Nachspielzeit war sogar noch der Siegtreffer möglich, aber für die Gesundheit war es besser, dass es nicht einschlug, sonst hätte man mich vermutlich im Unterrang wiedergefunden. Nach diesem Spielverlauf war es auch so ein gefühlter Sieg.
Noch ein Wort zur Stimmung. Ich fand uns phasenweise verdammt laut und konnte das Heimpublikum nur bei den eingängigen Gassenhauern wahrnehmen. Das ist jedoch natürlich immer schwer zu beurteilen, neutrale Beobachter sprachen aber von einer schwachen MSV-Kurve, auch wenn die Duisburger Offiziellen diese nach dem Spiel in den Stimmungshimmel lobten. Warum aber die aktive Szene um die Kohorte aus dem Zentrum der Kurve neben das Eck im Oberrang gezogen sind, wird ihr Geheimnis bleiben. Die Kurve nehmen sie so jedenfalls nicht mit.

Herne – Do., 04.08.2022, 19:15

BV Herne-Süd vs SC Westfalia Herne 1:2

Sportplatz Bergstraße, 220 Zuschauer, Kreispokal Herne 1.Runde
Ziemlich spontan machte ich mich auf zu diesem Kreispokal-Spiel. Was ist nur aus der einst so stolzen Westfalia geworden… nach qualvollen Jahren stieg der Verein nach der vergangenen Spielzeit – man ist ja fast geneigt zu sagen ‚endlich‘ – in die sechstklassige Westfalenliga ab. Im heutigen Spiel beim A-Ligisten trat die von einer Handvoll Ultras unterstützte Westfalia zunächst sehr souverän auf und ging mit zwei Treffern in Führung, aber der Anschluss der Gastgeber noch vor der Halbzeit brachte etwas Sand ins Getriebe, so dass der Underdog irgendwann blut leckte und die Sache spannend gestalten konnte. Zwar hatte der Favorit mehr vom Spiel, scheiterte aber oft an der Selbstüberschätzung einzelner Akteure und der Ausgleich war in der Schlussphase des Spiels sogar noch mehrfach möglich. Da ein paar bekannte Gesichter getroffen wurden, wurde die Partie weitestgehend verquatscht. Eine Empfehlung möchte ich noch für den selbstgemachten Sahne-Krautsalat der Damen am Grill aussprechen. Absolut köstlich, vor allem in Verbindung mit dem Sucuk-Brötchen.

Klagenfurt – So., 31.07.2022, 17:00

SK Austria Klagenfurt vs SK Rapid Wien 0:1

Wörthersee Stadion, 5.877 Zuschauer, Bundesliga
Der Wecker war auf 4:50 Uhr gestellt, zum Klingeln desselben kam es aber nicht, da mich meine innere Uhr verlässlich eine Viertelstunde vorher weckte. Um 5:40 Uhr saß ich im Flixer nach Graz, der mich nach zwei unkomplizierten Grenzübertritten am P+R in Webling weit im Süden von Graz um kurz nach 8.00 Uhr wieder ausspuckte. Da nun noch reichlich Zeit bis zur Abfahrt des IC-Busses nach Klagenfurt war, gönnte ich mir den einstündigen Spaziergang zum Hauptbahnhof. Dort traf ich dann mit meinem Leibarzt Daniel aus dem Saarland zusammen. Pünktlich ging es weiter von der Steirischen in die Kärntner Hauptstadt. Dort war nun noch reichlich Zeit bis zum Spiel, aber da die Temperaturen wieder den Siedepunkt erreichten, blieben wir einfach im für das Mittagsmahl ausgewählten Biergarten hängen. Eine gute Wegbier-Länge war es dann bis zum Wörthersee-Stadion, das wie ein silbriges Ufo am südlichen Stadtrand liegt. Schön ist anders. Der Deutsche Meister von 1941 war zu Gast am See und etwa 1000 Rapid-Anhänger hatten sich eingefunden. Dennoch offenbarte der Gästeblock ein paar kleine Lücken, allerdings ist mir nicht bekannt, wie viele Tickets den Grün-Weißen zugeteilt worden waren. Stimmungsmäßig war auf die Jungs natürlich Verlass, habe eigentlich noch nie einen schlechten Auftritt der Rapidler gesehen. Auch optisch war es ein gewohnt schönes Bild mit vielen Schwenkern und zur Rapid-Viertelstunde wurde auch wieder standesgemäß gezündelt, allerdings für Wiener Verhältnisse eher auf Sparflamme.
Auf der anderen Seite versammelten sich knapp 180-200 Leute in Lila hinter ein paar Bannern und Schwenkern, von denen aber die wenigsten ultraorientiert auftraten. Für eine dünne Rauchwolke zum Intro hat es aber gereicht. Wer die Stimmungshoheit innehatte, dürfte aber klar sein. Keine 6.000 Zuschauer versammelten sich zu diesem Spiel gegen den für den Gastverein doch wohl interessantesten Gegner. Wie mag es hier nur gegen die kleineren Vereine aussehen, es war ja so schon trostlos. Das Stadion ist für diesen Club völlig überdimensioniert. Der Führungstreffer für Rapid in der ersten Spielminute wurde aberkannt und in der Folge zeigte sich wieder einmal, wir schwach der österreichische Fußball aufgestellt ist. Wirklich schön war das nicht anzusehen und es musste ein Handelfmeter nach Videobeweis für den Siegtreffer durch Ex-Legionär Burgstaller herhalten. Nach dem Spiel trennten sich des Docs und meine Wege wieder. Für mich ging es mit dem IC-Bus retour nach Graz und von dort am nächsten Morgen mit dem Flieger in die Heimat.

Varazdin – Sa., 30.07.2022, 21:00

NK Varazdin vs HNK Hajduk Split 0:2

Stadion Andelko Heravec, 6.947 Zuschauer, Prva Hrvatska nogometna liga
Die Wege sind kurz in Varazdin und so war ich in vielleicht 25 Minuten einmal quer durch die Stadt gelaufen und stand erneut vor dem Stadion Andelko Herjavec. In der Tat war keine aktive Szene auszumachen, der Support sollte sich letztlich auf rhytmisches Klatschen und ein paar „Varazdin“-Rufe beschränken. Ganz anders ging es im Gästeblock zu, der mit etwa 400-500 Torcida-Leuten besetzt war. Der bekannte Lappen und ein paar kleinere Banner wurden an den Zaun gebracht und los ging es. Immer in Bewegung, immer akustisch zu vernehmen, mehrfach wurde das Licht im Block angemacht, hat mir gut gefallen. Hajduk ist ja eh einer der beiden Vereine, die mir auf europäischer Ebene am Herzen liegen. Auch in den übrigen Bereichen des Stadions waren überall Hajduk-Leute verstreut, sicherlich überwiegend Umland-Fans, teilweise in großen Gruppen. Störte keinen – die Einheimischen waren eh nur zum Fußballschauen gekommen. Dennoch wurde in der Gäste-Kurve und auf der Gegentribüne große Pufferblöcke freigehalten. Jetzt merken se selbst in Kroatien schon nix mehr. Wenn dagegen massiv Pyro gezündet und damit das ganze Stadion eingenebelt wird, interessiert es keine Sau und es wird einfach weiter gezockt. Da hätte in unserer phantastischen Republik der gesamte DFL-Vorstand schon wieder mit Schnappatmung auf Intensiv gelegen. Die Gastgeber begannen stark. Insbesondere die asiatisch-afrikanische Achse auf der linken Seite bereitete Hajduk ordentlich Probleme. Ein paar Situationen wurden aber mehr oder weniger glücklich überstanden und dann schlug das Pendel langsam aber sicher für die gute Seite des kroatischen Fußballs aus. Nach einer halben Stunde war es dann so weit. Tormaschine Livaja traf aus der Drehung aus kurzer Distanz und kurz vor dem Pausenpfiff ein weiteres Mal zur beruhigenden 2:0-Führung. Die hätte nicht den Endstand bedeuten müssen, denn weitere Torchance waren im zweiten Durchgang auf beiden Seiten vorhanden, wurden aber kläglich vergeben. Nach dem Spiel ging es zügig zurück zur Unterkunft.