Mittwoch, 10.06.2020, 20:00

serbien

FK Partizan vs FK Crvena Zvezda 1:0

Stadion Partizana, 22.000 Zuschauer, Kup Srbije Halbfinale

200610partizan-zvezda

Mit dem Schlusspfiff verließ ich zügig das Stadion und suchte mir ein Taxi. Um Viertel nach Sieben traf ich am ‚Stadion Partizani‘ ein und betrat direkt das Stadion. Ich hatte gelesen, dass aktuell maximal 1.000 Zuschauer bei den Spielen in Serbien zugelassen sind. Dass das nicht funktioniert und nicht durchgezogen wird, erst recht nicht beim ‚Ewigen Derby‘, war klar, das hatten auch schon die bisherigen nach dem Lockdown ausgetragen Spiele von Zvezda und Partizan gezeigt. Kurz und gut, es war alles wie immer. Ich selber setzte mir im Gedränge des Einlass-Prozedere und beim Verlassen des Stadions einen Mund-Nasen-Schutz auf, war damit aber wohl auch der einzige unter den 22.000 Anwesenden. Im Stadion nahm ich die Maske dann ab. Letztlich befinden sich während des Spiels im Sitzplatzbereich ja doch immer dieselben 10 oder 15 Gestalten im näheren Umkreis, das ist in einem Restaurant auch nicht anders. Belgrad-Derby also. Als ich Anfang März bei gleicher im ‚Maracana‘ ausgetragenen Paarung weilte, nahm ich mir vor, diese auch mal wieder mit Partizan als Gastgeber zu besuchen. Dass ich das so schnell umsetzen würde, war damals noch nicht abzusehen.
Die Kurven waren natürlich brechend voll, nichts anderes war zu erwarten. Endlich wieder normale Leute. Gibt es eigentlich die abgespaltene Gruppe bei den Grobari nicht mehr, von Corona aufgefressen? Anfang März auswärts bei Zvezda traten die Differenzen noch offen zu Tage. Hier und heute konnte ich die Splittergruppe aber nicht ausmachen. Auf eine Choreo wurde verzichtet, dafür brannte es wieder mehrfach lichterloh. Inklusive Entsorgung der noch brennenden Stäbe in den Innenraum und auch bis auf das Spielfeld. Das ist schon mehr als grenzwertig und findet bei aller Pyro-Begeisterung weiterhin nicht meine Zustimmung. Warum wurde leider auch offensichtlich, denn beim Bengal-Weitwurf wurden jeweils der bereits verletzt am Boden liegende Keeper von Zvezda und ein Foto-Journalist von einer Fackel getroffen und das hat dann eben nichts mehr mit südländischer Begeisterung zu tun, sondern schlicht mit gefährlicher Körperverletzung. Pyro ja gern! Aber nicht fahrlässig oder gar vorsätzlich als Waffe eingesetzt. Das ist leider die Kehrseite des Belgrad-Derby.
Dennoch erstaunlich, wie mit diesen ‚Verfahrensfehlern‘ umgegangen wird. Der Keeper schauspielerte nicht großartig und der Referee erkundigte sich nach dessen Wohlergehen. Dann schüttelten sich alle mal kurz und weiter ging es. Ich möchte mal Gräfe, Brych oder Siewert bei einem Belgrad-Derby erleben. Die würden allesamt mit Schnappatmung und Sinnesverlust im Kreislauf-Taxi landen. Umso höher ist es zu bewerten, wie ruhig und abgeklärt der Unparteiische diese brisante und emotionsgeladene Partie hier über die Bühne brachte. Partizan war gut im Spiel und hatte die besseren Chancen. In die letzten Spielen gingen die Sterne ja leicht favorisiert, Partizan ist gegen den ewigen Rivalen zumindest im Meisterschafts-Wettbewerb etwas ins Hintertreffen geraten. Davon war aber heute nichts zu sehen und die Schwarz-Weißen belohnten sich nach einer Stunde mit dem verdienten Führungstreffer. Man merkte Zvezda danach an, mehr Spielkontrolle bekommen und mehr Druck ausüben zu wollen, aber da ging nicht viel. Partizan verlor nie die Ordnung und trotz elf Minuten Nachspielzeit geriet der Sieg nicht in Gefahr. Damit steuert Partizan dem fünften Pokalsieg in Folge entgegen. Die Kurven hatte ich übrigens akustisch noch nie so stark und konstant erlebt. Scheinbar waren nach Wochen des Lockdowns alle noch heißer auf diese Partie als sonst. Ein positiver Effekt dieser speziellen Situation war, dass bei diesem Spiel annähernd keine anderen Leute der Bewegung anwesend waren. Das wird man wohl so nie wieder erleben. Mit einer Pljeskavica bewaffnet latschte ich mit dem Zuschauerstrom zurück in Richtung Slavija-Platz. Da noch etwas Schlaf fehlte zog ich mich mit zwei Dosen Jelen auch direkt in mein Gemach zurück.