Nottingham – Di., 30.12.2025, 19:30

Nottingham Forest FC vs Everton FC 0:2

The City Ground, 30.404 Zuschauer, Premier League
Heute verzichtete ich mal auf das ‚Full English‘ und versuchte es mit einem Avocado-Schnittchen mit Poached Egg. Klingt komisch, war aber verdammt lecker. Ohne Umstieg ging es dann mit Northern Railway nach Robin Hood seine Hood. Dort hatte ich ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Stadtrundgang inklusive Höhlenführung. Ja, richtig gelesen. Nottingham steht zu einem großen Teil auf Sandstein und die Menschen hatten in den verschiedenen vergangenen Epochen nichts Besseres zu tun, als das Gebiet unter der Stadt in einen Schweizer Käse zu verwandeln. Hunderte von Höhlen wurden gegraben und für verschiedene Zwecke genutzt. Ein kleiner Teil ist für Besucher zugänglich gemacht worden, allerdings war das jetzt nicht gerade der Oberkracher. Da hat mir die Stadt über dem Erdboden mit ihren pittoresken Fachwerkhäusern und den Backsteinbauten im Stile der sogenannten Viktorianischen Gothik schon deutlich besser gefallen.
Nachdem ich dann wieder einige Kilometer auf den eigenen Sohlen abgespult hatte, stärkte ich mich mit typischem Pub-Food und zwei lokalen Ale bevor ich zum direkt am River Trent erbauten ‚City Ground‘ latschte. Das Stadion ist schon speziell. Der alte Main Stand und das an den Fluss grenzende ‚Trent End‘ sind alleinstehende Tribünen, während die Gegentribüne, der ‚Brian Clough Stand‘ und der ‚Bridgeford Stand‘, im Eck miteinander verbunden sind, letzterer aber einen völlig uneinheitlichen Anblick bietet. Es war natürlich schon ein anderer Fußball als der am Vorabend. Während Everton in dieser Spielzeit so ein wenig die graue Tabellenmittelfeld-Maus mimt, war Forest nach zwei Niederlagen unter Druck geraten, langsam mal wieder was Zählbares zu sammeln. Mit dem Druck hatte das Team offensichtlich Mühe, denn für die Gäste vom Mersey war es recht einfach auf den Ballverlust des Gegners zu warten, um dann den schnellen Gegenangriff zu fahren. Aus einer solchen Situation entsprang nach zwanzig Minuten auch der Führungstreffer. In der Halbzeitpause holte ich mir ein ‚Steak and Ale Pie‘. Die kleinen Küchlein mit Fleischfüllung esse ich echt gern. Die Problematik ist ja, dass die Füllung heißer ist, als die Lavakammer des Vesuvs. Also muss man zuerst immer ein ordentliches Loch in die Teigdecke stoßen und hoffen, dass keine Stichflamme rauskommt. Wenn man dann Glück hat, kann man das Teil eine halbe Stunde später endlich essen. Löffelt man sich das Ding zu früh rein, verbrennt man sich unfassbar die Fresse und am Folgetag löst sich in der Regel die Schleimhaut des Gaumens ab. Aber Übung macht den Meister.
Im zweiten Durchgang erweckte Forest den Eindruck einen Plan zu haben. Die Gastgeber traten dominant auf und ließen hinten eigentlich nichts mehr zu. Everton spielte phasenweise gar nicht mehr mit. Allerdings wurde Forest in der Box nur selten gefährlich und die wenigen wirklich guten Gelegenheiten wurden kläglich versiebt. Zehn Minuten vor dem Ende machten die Gäste nach einem Konter den Deckel drauf. Das bekamen allerdings viele Zuschauer gar nicht mehr mit. Spätestens eine Viertelstunde vor Schluss setzte der Strom der Unzufriedenen ein. Also in England machen sich ja gern mal Einige vor dem Ende auf den Heimweg, wenn es für das eigene Team nicht so läuft. Was sich hier abspielte, fand ich aber beinahe erschreckend. Als die Partie abgepfiffen wurde, war schon beinahe ein Drittel der Plätze leer – absolut unverständlich, zumal ein Spiel ja auch bei einem Zwei-Tore-Rückstand zehn Minuten vor Schluss plus Nachspielzeit noch mal gedreht werden kann. Passierte zwar nicht, Zeit genug wäre aber gewesen. Passte zur Stimmung, die es natürlich so gut wie nicht gab. Die Gäste-Lads gaben in den ersten Minuten ein paar Chants von sich und passten sich dann aber ihren Kontrahenten an, die sich drei oder vier Mal zu einem langgezogenen „Come on you Reds“ aufrafften. Aber gut, wie schon plattgeredet, reist man nicht wegen der brachialen Stimmung auf die Insel. Für mich ging es noch mit dem Zug über Derby nach Birmingham, wo ich eine zu kurze Hotelnacht verbrachte, eh mich Eurowings am Silvester-Morgen wieder in die Arme der geschätzten Gattin beförderte.

Barnsley – Mo., 29.12.2025, 19:45

Barnsley FC vs Lincoln City FC 0:2

Oakwell Stadium, 10.711 Zuschauer, Fotball League One
Aufgrund der Lage der Feiertage war es ja quasi verpflichtend, die beiden Tage zwischen Weihnachten und Silvester freizunehmen und irgendwo hinzugondeln. Nach reiflicher Überlegung fiel die Wahl auf England. Zwar ist die Atmosphäre in den Stadien ja meist sehr trostlos, aber ich mag das auf der Insel gebotene Gesamtpaket und so zieht es mich immer mal wieder dorthin. Ich habe es ja auch nicht so mit den ganz großen Vereinen, sodenn sie nicht über sehenswerte Stadien verfügen. Die Liste der Stadien, in welchen ich mir in England noch ein Spiel anschauen möchte ist nicht sehr lang und konzentriert sich eher auf Vereine in zweiter und dritter Reihe und in unterklassigen Ligen, denn es geht mir in England definitiv und logischerweise um die Architektur. In Barnsley steht mit dem ‚Oakwell Stadium‘ so ein Bau, der nach meinen individuellen Vorlieben einen Besuch rechtfertigt. Bis dort angestoßen wurde, war aber noch ein ganzer Tag zu verbringen und so wählte ich nach Ankunft am Manchester Airport und Transfer zur Manchester ‚Piccadilly Station‘ die ‚Hope Valley Line‘ von Northern Railway Richtung Sheffield. Diese Linie quert den ‚Peak District National Park‘ und inmitten dessen hüpfte ich in Edale aus dem Diesel-Triebwagen. Meine Vorstellung von einem kleinen Hike durch die Einsamkeit zerplatzte aber jäh in dem Moment, als sich der halbe Zug leerte. Offenbar hatte ich mir eine beliebte Ecke für die Wanderung ausgesucht und auch die Witterung bei drei Grad über Null und stürmischen Böen kann den ohne jedes Temperaturempfinden geborenen Engländer ja bekanntlich nicht stoppen. Zunächst stärkte ich mich in einem kleinen Cafe mit einem ‚Full English Breakfast‘.
Dieses stellte sich als vorausschauend heraus, denn die Idee, nicht nur eine Route auszusuchen, sondern auch mal die Topografie dahinter zu checken, war mir nicht gekommen. So ging es erst einmal ziemlich steil hinauf auf den ‚Grindslow Knoll‘, wo ich schon gut durchgeschwitzt ankam. Der Blick war von dort oben nicht schlecht, wirkt aber bei gutem Wetter sicherlich beeindruckender. Nach einem Rundweg von knapp neun Kilometern kam ich wieder am kleinen Bahnhof in Edale an und setzte die Reise nach einem verdienten Guinness fort. Mit Umstieg in Sheffield traf ich am Nachmittag in Barnsley ein. Der erste Weg führte mal zum Stadion, um das Tagesicht noch für ein paar Fotos zu nutzen. Barnsley ist nicht groß, die Wege kurz. Ich mag es, wie in England viele Stadien an ihren traditionellen Standorten liegen. So auch hier, wo man die Straße herunterschlendert und zwischen den typisch englischen Reihenhäusern der Blick auf die Spielstätte frei wird. Nach dem die Unterkunft für die Nacht bezogen worden war, verzog ich mich in einen Pub im Stadtzentrum, um etwas zu essen und den Flüssigkeitshaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, bevor dann wieder der kurze Fußweg zum ‚Oakwell Stadium‘ angetreten wurde. Seit 1888 spielt der Barnsley Football Club an dieser Stelle und mit der alten Giebeltribüne auf der Westseite und den drei anderen neu erbauten Tribünen ist das Stadion eine Mischung aus modernen und traditionellen Elementen.  Während die neuen Tribünen aus den 90er Jahren stammen, befindet sich der überdachte obere Rang des alten ‚West Stand‘ – obwohl natürlich in Teilen modernisiert – noch im grundlegenden Zustand aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ein toller Zeitzeuge, der leider bedroht ist, da immer mal wieder Pläne von Abriss und Neubau auftauchen.
Bis auf einen zweijährigen Ausflug in die Premier League Ende der 90er pendelt der Verein eigentlich sein Club-Leben lang zwischen zweiter und dritter Liga. Alle paar Jahre steigt der Verein auf und einige Spielzeiten danach wieder ab. Nach passablem Saisonstart hatten sich die Gastgeber durch eine Negativserie inzwischen ins Tabellen-Mittelfeld ‚zurückgezogen‘. Die Gäste aus dem knapp 100 Kilometer entfernten Lincoln grüßten dagegen vom zweiten Tabellenplatz. Die relativ überschaubare Distanz animierte gut 1.500 Anhänger dazu, ihren Verein zu begleiten. Der Stimmung kam das dennoch nicht zu Gute. Zwar standen die ‚aktiven‘ Barnsley-Supporter und der komplette Gäste-Anhang während des gesamten Spiels – hüben wie drüben war dennoch absolut tote Hose. Auf dem Rasen sah man ein inseltypisches Drittliga-Spiel. Technik blieb meist auf der Strecke, dafür war es körperbetont und kraftvoll. Konnten die Gastgeber zu Beginn noch Akzente setzen, beruhigten die Citizens clever die Partie und nutzten zwei ihrer wenigen Chancen konsequent. Ärgerlich für Barnsley, dass beim Stande von 0:1 ein klarer Handelfmeter nicht gegeben wurde, aber wie in Deutschland gibt es unterhalb der zweiten Liga keinen Videobeweis. Die Gäste zogen die Partie am Ende nicht unverdient und dürfen weiter vom Aufstieg träumen.

La Louvière – Sa., 27.12.2025, 16:00

RAA La Louvière vs Oud-Heverlee Leuven 0:0

Arena La Louvière, 8.000 Zuschauer, Pro League
Eine Fünfer-Besatzung macht sich aus dem Ruhrpott auf den Weg in die Provinz Hainaut, wallonisch Hinnot, flämisch Enegouwn, deutsch Hennegau – sucht es Euch aus. Erst zu Ostern des vergangenen Jahres habe ich ein Heimspiel von RAAL, mit vollumfänglichem oder auch vollumständlichem Namen Royal Assocation Athlétique Louvièroise, im alten Stadion des Vereins gesehen, dass auch heute noch unberührt neben dem neuen steht. Von diesem waren damals nur die Fundamente zu sehen, aber nach nur 15 Monaten Bauzeit wurde es im letzten Sommer eröffnet. Ein Schmuckstück ist es nicht, aber da der Club den Bau selbständig finanzierte, waren große Sprünge wohl auch nicht drin. Herausgekommen ist eine kleine, enge Spielstätte ohne Schnick-Schnack, welche aber alle Ansprüche erfüllt. Ausverkauft bis beinahe ausverkauft ist das Stadion immer, so auch heute. Auch der Away-Sektor ist annähernd jedes Spiel bis auf den letzten Platz gefüllt, was aber an dessen geringem Fassungsvermögen liegt und eher nicht am attraktiven Reiseziel für Gäste-Fans. Beim aktuellen Verein RAAL handelt es sich um einen Nachfolger des ‚alten‘ RAAL, das nach finanziellen Unregelmäßigkeiten und Verwicklungen in einen Wett-Skandal 2009 aufgelöst wurde. Nach einigen wilden Jahren mit Neugründung unter anderem Namen, Namensänderungen, wechselnden Spielorten, wurde der Club 2017 schließlich wieder in RAAL benannt und spielte ab diesem Zeitpunkt auch wieder in La Louvière. Es ging stetig nach oben, was im vergangenen Sommer im Aufstieg in die erste Liga gipfelte.
Dort haben es ‚Les Loups‘, die Wölfe, wie die Spieler des Vereins aufgrund des Wappentieres von Stadt und Verein genannt werden, nicht einfach. Nach verkorkstem Start wurde mit einer kleinen Serie aber zumindest der Anschluss an das untere Tabellenmittelfeld geschafft. Punktgleich reiste Oud-Heverlee aus Leuven an. In deutscher Sprache wird die Stadt ‚Löwen‘ genannt, die Namensherkunft hat aber nichts mit dem König der Raubtiere zu tun. Die ersten zwölf Minuten standen im Zeichen des Protests gegen neue Maßnahmen und Auflagen betreffend des Besuches von Auswärtsspielen. Wie zuletzt in Deutschland auch, blieb es in der Anfangsphase ruhig im Stadion und beide Szenen zeigten entsprechende Spruchbänder. Während die Heim-Szene um die führenden Gruppen ‚Green Boys‘ und ‚Wolf Side‘ zur Rettung der Fankultur aufforderte, fragten die OHL-Anhänger „Ist es das, was Ihr wollt?“. Als dann beide Seiten loslegten, legte eigentlich nur eine Seite los. Die OHL-Szene ist ja nicht gerade brachial, daher hatte die Gastgeber klar die Oberhand und zeigten einen guten Auftritt, der in der Schlussphase des Spiels noch mit einer aus Blink-Bengalos bestehenden Pyro-Show gekrönt wurde. Sportlich gab es einen offenen Abstiegskampf-Schlagabtausch zu sehen, der aber torlos bliebt.

Essen – Sa., 20.12.2025, 14:00

Rot-Weiss Essen vs SSV Ulm 1846 3:2

Stadion an der Hafenstraße, 17.237 Zuschauer, 3.Liga
Zum Abschluss der Rückrunde kamen die Ulmer Spatzen zu Besuch an die Hafenstraße. Der SSV befindet sich auf einer wilden Achterbahnfahrt. Vor nicht zweieinhalb Jahren feierte der Verein den Aufstieg in die Dritte Liga und marschierte einfach mal durch in Liga Zwei. Aus dieser ging es aber direkt wieder runter und nun droht direkt das Horror-Szenario des Durchmarsches in die Regionalliga, denn aktuell belegen die Ulmer einen Abstiegsplatz. Grund dafür ist auch eine fiese Verletzungs-Misere. Trauriges Parade-Beispiel ist Dominik Martinovic. Der in Essen beliebte aber glücklose Stürmer, veränderte sich kurz vor dem Ende der Sommer-Wechselfrist an die Donau, traf direkt im ersten Spiel für die Schwarz-Weißen und erlitt noch diesem Spiel einen Kreuzbandriss. Weitere Spieler gesellten sich zu ihm ins Lazarett, so dass der SSV stark ersatzgeschwächt nach Essen reiste. Großartiges Selbstvertrauen strahlten die Gäste in der Anfangsphase auch nicht aus, so dass der glorreiche RWE direkt die Initiative übernahm. Genau das gehört ja zu den Dauer-Baustellen. Das Spiel im eigenen Stadion gegen auf dem Papier unterlegene Gegner zu machen, war zuletzt keine Parade-Disziplin der Götter in Rot und Weiss, klappte aber heute erstaunlich gut. Nach 60 Sekunden hätte die Tor-Musik eigentlich schon erklingen müssen, doch der junge Defensiv-Franzose Bouebari verzog. Lange dauerte es dennoch nicht, bis sich das Netz hinter dem Ulmer Schlussmann beulte. Und so klingelte es in den ersten zwanzig Minuten auch direkt zwei Male im Spatzennest.
Zunächst profitierte der am langen Pfosten lauernde Jansen von einer Fehleinschätzung des Ulmer Keepers, der eine Flanke unterlief. Und dann war es Klaus Gjasula, der mit einem artistischen Kopfball nach knapp einem Jahr im schönsten Trikot der Welt endlich seinen ersten Treffer für den Deutschen Meister von 1955 erzielte. Damit war der SSV eigentlich mausetot. Apropos Mause, dieser durfte erneut auf der Bank Platz nehmen und das völlig zurecht. Da der glorreiche RWE aber eigentlich ja immer für eine Nachlässigkeit im Abwehr-Verbund gut ist, blieben die Ulmer am Leben. Eine dieser fiesen Flanken, an die niemand so richtig rankommt, segelte nach einer halben Stunde Spielzeit in den Fünfer von Jakob Golz und rutschte ins lange Eck zum Anschlusstreffer. Ab diesem Zeitpunkt waren die Gäste besser im Spiel und Golz musste vor der Pause noch einmal sein ganzes Können im Eins-gegen-Eins aufbieten, um den knappen Vorsprung zu sichern. Nicht einmal zehn Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als die Spatzen einen Eckball geschenkt bekamen. Eine Fehlentscheidung mit Folgen, denn wieder segelte der Ball Richtung des zweiten Pfostens und einen Kopfball später stand es zur Freude von 700 mitgereisten Ulmern – für diese Szene eine starke Zahl in der aktuellen Lage – unterstützt von ein paar versprengten Oberhausener Freunden unentschieden.
Völlig überflüssig, aber viel Zeit blieb nicht, um sich darüber zu ärgern. Moustier brachte eine seiner Einwurf-Schleudern in den Ulmer Strafraum. Diese wurde zwar geklärt, aber Mizuta lederte den geklärten Ball aus 18 Meter volley ins rechte untere Eck zur erneuten Führung. Die alte Regel des Fußballs. Stehste in der Tabelle unten, geht vieles schief. Stehst Du oben, gelingen Dinge, die sonst nicht gelingen. Der eingewechselte Safi hätte die Partie entscheiden können, als er einen Gäste-Verteidiger mit seiner Schnelligkeit stark überlief und den Schnapper schon ausgespielt hatte, sich aber noch entscheidend stören ließ und den Hundertprozenter vergab. Mal wieder, muss man sagen. Es reichte dennoch für den knappen, aber nicht ganz unverdienten Sieg. Die Stimmung – nicht überragend, aber bodenständig. Mit dieser Architektur kann die Hafenstraße nur zum Hexenkessel werden, wenn das Zusammenspiel von Ultra-Gruppen und den anderen Tribünen funktioniert und möglichst alle mitmachen. Beides passiert aber viel zu selten. Ich bin gespannt, ob die Schließung der offenen Ecken, welche im Sommer beginnen soll, die Stimmung entscheidend zum Positiven beeinflusst. Es brannte. Sehr oft. Meist einige Fackeln hier und da, dann mal roter und weisser Rauch und im letzten Spieldrittel gab es auch eine zentrale Aktion mit massivem Fackeleinsatz.
Ich bin zu Pyro positiv eingestellt. Der (verantwortungsvolle) Einsatz von Pyrotechnik ist für meinen Geschmack ein wertvolles optisches Stilmittel des Supports. Die RWE-Szene nutzte es in der Hinrunde aber zu häufig. Das gefällt nicht jedem und kostet vor allem viel Geld, da die Vereine ja vor dem Mafia-Verband einknicken und brav jede auferlegte Strafe zahlen, anstatt sich gemeinsam dagegen zu positionieren. Auch die zuletzt dauerpräsente, unsachliche Kritik, an der Polizei, beinahe eine Art Kriegserklärung, findet in der rot-weissen Anhängerschaft keine Mehrheit. Zumal die Szene sich anmaßt, für die ganze Stadt zu sprechen. Die heutige Zündelei fand ihren Grund im kurz vor dem Spiel ausgesprochenen Verbot der vorbereiteten Choreo, weil angeblich das Material nicht den Brandschutz-Bestimmungen entsprach, was die Szene bestreitet. Ich sehe behördliche Maßnahmen und Entscheidungen beim Fußball auch kritisch und oft nicht nachvollziehbar und willkürlich. Ein sachliches Aufbegehren trifft aber auf mehr Verständnis als wilde Polemik. Beide Sachverhalte spalten aktuell das rot-weisse Publikum und nach meiner Meinung wäre die Ultra-Szene gut beraten, die Schärfe herauszunehmen und etwas sparsamer mit brennbarem Material umzugehen, anderenfalls kann das die Stimmung bald endgültig vergiften. Was grundsätzlich schade wäre, aber eben auch die Mannschaft auf dem Rasen erreichen und hemmen kann, was eine aktuell durchaus existente Aufstiegs-Chance dann deutlich verkleinert.

Verl – Sa., 13.12.2025, 16:30

SC Verl vs Rot-Weiss Essen 0:0

Stadion an der Poststraße, 4.269 Zuschauer, 3.Liga
Der SC Verl hat sich in den vergangenen Jahren zu einem stattlichen Angstgegner für den glorreichen RWE entwickelt. Der letzte Sieg überhaupt gegen die Ostwestfalen liegt bald zehn Jahre zurück, der letzte Auswärts-Erfolg glänzt bereits mit zwölf Jahren Vergangenheit. Wäre also ein guter Zeitpunkt gewesen, diese unschöne Serie zu durchbrechen. So klein und harmlos wie die SC Verl klingt, ist er aber nun mal nicht (mehr). Sowieso ist der Verein in dieser Spielzeit erst mit zwei Niederlagen ausgestattet, damit ist es das Team mit den wenigsten Spielen ohne Punktgewinn in der aktuellen Saison, so liegt die letzte Niederlage doch bereits zehn Spiele zurück – eine wirklich starke Serie. Der Sportclub hat sich zu einem Top-Team der Liga entwickelt und diese Partie mutierte daher zu einem dieser berühmten Sechs-Punkte-Spiele. Mit einem Sieg wäre der Deutsche Meister von 1955 am Sportclub in der Tabelle vorbeigezogen. Dazu kam es nicht. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, nicht brillant, aber vorzeigbar und spannend. Während der RWE es mit schneller Überbrückung des Mittelfeldes versuchte, mit langen hohen Bällen oder flachen steilen Pässen in die Spitze, übten sich die Gastgeber darin, mit geordnetem aber schnellem Kurzpassspiel in das Angriffsdrittel zu kommen. Wirklich gefährlich wurde es aber selten, dieses Spiel bot kein Chancen-Feuerwerk. Während Jakob Golz in der ersten Hälfte nicht einmal eingreifen musste, da die zwei Bälle, welche von der Verler Offensivabteilung abgesendet wurden, nicht direkt auf das Tor kamen, hatten die Roten durch Mizuta durchaus die Chance, einen Treffer zu erzielen. Auch ein Kopfball von Kraulich strich nur um Sackhaaresbreite am Tor vorbei.
Auch im zweiten Durchgang hatten die Westfalen mehr Ballbesitz, Torgefahr resultierte daraus nicht. Auch nicht mehr bei den Rot-Weissen. Safi und Arslan fehlen mit Krankenschein, Jansen hatte endlich mal den Vorzug vor Mause in der Spitze bekommen. Er blieb blass, wurde aber auch nicht in Szene gesetzt, hing sprichwörtlich in der Luft. Rechts defensiv stand Hofmann für den verletzten Kostka in der Startformation. Den Jungen sehe ich ja wirklich gerne mit seiner rotzigen und abgezockten Spielweise und er bewirkt auch im Aufbauspiel deutlich mehr als der stocksteife Kostka, ich tat diese Meinung bereits in einem früherem Bericht kund. Die Gastgeber zogen die Partie in der Schlussviertelstunde deutlich auf ihre Seite, dem RWE gelang nur noch selten die Befreiung, brenzlig wurde es vor Jakobs Golz Gehäuse aber dennoch nie. Der eingewechselte Mause – eine wirklich schwierige Personalie – bekam dann in der letzten Minute der Nachspielzeit noch frei vor dem Tor die Chance, den ‚Lucky Punch‘ zu setzen, vergab aber kläglich. Wie immer, ist man geneigt zu sagen. Das Zuspiel von Brumme war aber auch nicht druckvoll genug und geriet dazu noch etwas in den Rücken, was Mause in eine unvorteilhaftere Position brachte. Ein echter Top-Stürmer – und als das gilt er ja – macht den aber trotzdem. Daher meine Meinung (mit der ich im rot-weissen Umfeld nicht alleine dastehe): kann weg. Über 40 Prozent der Zusehenden waren aus der Ruhr-Metropole angereist und verbreiteten gute Stimmung. Das machten die Capos heute gut, zumal das kleine enge Stadion, welches ich persönlich gerne bereise, trotz Rundum-Überdachung nicht die beste Voraussetzung für einen guten Support bietet.

Nürnberg – So., 07.12.2025, 13:30

1.FC Nürnberg VfL vs SpVgg Greuther Fürth 2:2

Max-Morlock-Stadion, 47.150 Zuschauer, 2.Bundesliga
Durch die ausgedehnte Grenzkontrolle wurde beinahe eine halbe Stunde Verspätung aufgebaut, die aber bis zu meinem Ausstieg in Augsburg fast vollständig wieder aufgeholt wurde. Ankunft kurz vor sieben. Da ich sicherheitshalber etwas Puffer eingebaut hatte, blieb nun eine gute Stunde Zeit bis zur Weiterfahrt nach Nürnberg. Augsburg am frühen Morgen kann auch nix, die Straßenreinigung war damit beschäftigt, die Spuren der Feierwütigen zu beseitigen. Ein beinahe komplett leerer in München gestarteter ICE lieferte mich um kurz nach acht Uhr in der Franken-Metropole ab. Der Rucksack verschwand im Schließfach und dann gönnte ich mir das wirklich hervorragende Brunch-Buffet im ‚Alex‘ am Christkindelmarkt. Kugelrund wurde noch eine Verdauungsrunde durch die Altstadt gedreht, ehe mich die S-Bahn zum Max-Morlock-Stadion beförderte.
Die Einlass-Prozedur war eine wahre Frechheit und asiatisches Benehmen hätte unweigerlich zum Verpassen der Intros geführt, daher waren wieder mal Drängler-Qualitäten gefragt. Während der ‚Glubb‘ nach desaströsem Saisonstart nach einem Zwischenspurt im Tabellen-Mittelfeld angekommen war, zierten die ‚Kleeblätter‘ das Tabellenende. Derbys interessieren sich aber nicht für Tabellen, daher war die Hütte ausverkauft und das Feld bereitet. Die ‚Nordkurve Nürnberg‘ zeigte in ihrer Choreo eine Reminiszenz an die Stadt. Eine große Blockfahne zeigte sehr detailliert das vom Stadtnahmen flankierte mittelalterliche Stadtbild Nürnbergs, bei dem sich aus meiner Position nicht erkennen ließ, ob dieses gemalt oder gedruckt worden war. Wenn der Lappen gemalt wurde, hat das meinen höchsten Respekt. Am Zaun prangte ein verherrlichendes Banner. Rechts und links der Blockfahne wurden Fahnen mit den Stadtwappen Nürnbergs – es gibt deren zwei – geschwenkt. Etwas abenteuerlich mutete an, dass der Stadionsprecher Regieanweisungen gab, wann welche Fahnen eingesetzt werden sollen. Das sollten die Capos der Kurve doch wohl selber angeleitet bekommen. Die Gäste, unterstützt von Freunden des FSV Frankfurt, ehrten in ihrer Choreo das von 175 Jahren fertiggestellte Fürther Rathaus. Erschließt sich mir allerdings nicht richtig, wie man darauf kommt, sowas in die Choreo einzubauen. Hinter der Choreo wurden Folien in den Clubfarben präsentiert und hellgelbe Fackeln gezündet. Ein Banner am Zaun unterstrich die Abneigung zur Nachbarstadt.
Während sich die Gäste um die ‚Horidos‘ danach auf ein dichtes Schwenkfahnenbild beschränkten und mit großem Banner die Rückbenennung in den traditionellen Vereinsnahmen Spielvereinigung Fürth forderten, rauchte und qualmte es in der Nordkurve während des gesamten Spiels. Leider wurden meist nur wenige Fackeln oder Rauchdosen auf einmal gezündet. Das ganze Material in einer Aktion zu opfern, sähe natürlich wesentlich eindrucksvoller aus. Die Nürnberger Kurve hatte Besuch von den Freunden vom IFK Göteburg, Rapid Wien und den Unterirdischen aus dem Ruhrgebiet. Zeit, das Geschehen in den Kurven zu beobachten, war ausreichend vorhanden. Das Geschehen auf dem Rasen war in der ersten Halbzeit schlicht desaströs. Kaum eine durchdachte Aktion war zu erkennen, alles eher dem Zufall überlassen. Ein strukturierter Spielaufbau war nicht zu sehen. Die ‚Glubberer‘ wirkten zwar selbstbewusster als das verunsichert auftretende und nach Stabilität suchende Tabellen-Schlußlicht, die optische Überlegenheit verhalf den Gastgebern aber nicht zu gefährlichen Torraumszenen.
Das änderte sich plötzlich und unerwartet mit Beginn des zweiten Durchgangs. Auf einmal war Musik drin. In einer völlig wilden Viertelstunde direkt nach dem Seitenwechsel konnten die Schwarz-Roten zwei Mal die Führung erzielen, die aber postwendend von den Grün-Weißen wieder ausgeglichen wurde. Auch danach kam das Spiel nicht mehr zur Ruhe, Tore fielen aber keine mehr. Auch wenn der FCN in der Schlussphase seine Bemühungen noch einmal intensivierte, konnten die Gäste einen schmeichelhaften Punkt über die Stadtgrenze entführen. Allerdings vergaben diese kurz vor dem Ende auch noch ein todsicheres Ding, als ein Spieler dem nach einem Pfostentreffer herumirrenden Torhüter die Murmel trocken in die Arme schoss. Damit ging eine richtig blutige Tour so langsam zu Ende. Das Gepäck aus dem Bahnhof geholt und mit der U-Bahn in den Westen der Stadt gefahren, stand auch schon die über Blablacar gebuchte Mitfahrgelegenheit bereit. Diese entsorgte mich nach regenreicher Fahrt in Düsseldorf. Die Bahn brachte mich – natürlich verspätet – nach Mülheim an der Ruhr, wo mich die beste Gattin der Welt einsammelte. 5.047 Kilometer wurden auf der Reise zurückgelegt, 2.070 mit dem Zug, 1.621 mit dem Flieger, 1.061 mit dem Auto, 294 mit dem Fernbus und einer mit dem Mietroller. Dazu kamen etliche Kilometer mit der Metro, dem Linienbus und den eigenen Füßen.

Zagreb – Sa., 06.12.2025, 15:00

GNK Dinamo Zagreb vs HNK Hajduk Split 1:1

Stadion Maksimir, 17.028 Zuschauer, Prva Hrvatska nogometna liga
Am Freitag ging es weiter nach Zagreb. Eigentlich ohne Stress, denn der Flieger sollte erst um Viertel nach eins starten. Eigentlich. Kollege Tim brachte mich noch zur Haltestelle. Als dort die Flughafen-Linie 1X direkt vor meiner Nase wegfuhr, hätte mir klar sein sollen, dass es eventuell doch noch interessanter wird. Der nächste Bus war verspätet, was das Zeitpolster schrumpfen ließ. Jedoch nicht besorgniserregend, da die Flightradar-App eine halbstündige Verspätung des Rainers anzeigte. Als nächstes war die Straße zum Airport von der Polizei gesperrt worden, was einen größeren Umweg über die Autobahn bedeutete. Malaka! Das Erreichen des Fliegers war aber kein Problem, letztlich ging es um 14:00 Uhr mit 45 Minuten Verspätung in die Luft. Aufgrund der Zeitverschiebung landeten wir um 14:15 Uhr auf dem ‚Medunarodna zracna luka Franjo Tudman‘ in Zagreb, oder besser in Velika Gorica, 10 Kilometer südöstlich der kroatischen Hauptstadt. Da unbedingt ein Bustransfer (der kroatische Rollfeld-Busfahrer an sich will ja beschäftigt werden) für die 100 Meter von der Parkposition des Fliegers zum Terminal nötig war, trat ich um 14:31 vor eben jenes. Früh genug, um den zu jeder vollen und halben Stunde verkehrenden Flughafenbus in die Stadt abfahren zu sehen. Eigentlich nicht so tragisch, da wenige Minuten später der den Flughafen passierende Linienbus 290 fuhr. Und wieder mit Betonung auf ‚eigentlich‘.
Der Bus war pünktlich, da aber bestimmt 30 Leute zustiegen und jeder umständlich mit Bargeld herumhantieren musste, um einen Fahrschein zu erwerben dauerte es ohne Übertreibung eine Viertelstunde bis wir ablegten. Damit war der anvisierte Zug nach Koprivnica endgültig unerreichbar. Auch nicht so schlimm, denn der Erstliga-Kick vom dort beheimateten Club Slaven Belupo war eher Lückenfüller als Herzenswunsch. Da ich bisher weder den Transfer dorthin noch ein Hotel gebucht hatte, beschloss ich den Druck aus dem Tag zu nehmen und in Zagreb zu bleiben. Der Blick in die üblichen Buchungs-Apps ließ mich aber ratlos zurück, denn es waren nur wenige Angebote vakant und diese (bis auf Dorms, aber aus dem Alter bin ich lange raus) ab 200 Euro aufwärts. Was da abging wird auf ewig ungeklärt bleiben. Also erneute Planänderung und mit dem nächsten Zug doch nach Koprivnica. Das hätte eine knappe Ankunft und das wenig ehrenhafte, aber auch wenig tragische Verpassen der ersten Spielminuten bedeutete. Eigentlich!! Als ich dann im Zug saß, der DB-like sechs Minuten zu spät von seinem Startbahnhof losfuhr, sprangen schon in Sesvete, in der Peripherie von Zagreb, wieder alle auf und verließen das Gefährt.
Die Auflösung: Schienenersatzverkehr – kann man sich nicht ausdenken! Damit machte das so alles keinen Sinn mehr. Also ab in die nächste Kiste zurück nach Zagreb und in Ruhe gecheckt, wo es in der Umgebung eine halbwegs bezahlbare Übernachtungsmöglichkeit gab. Die Kompromiss-Lösung aus Preis, Leistung und Bequemlichkeit ergab ein Hotel in Velika Gorica, für das mit Frühstück immer noch ein knapp dreistelliger Betrag zu entrichten war. Hvala. Zumindest konnte ich mit dem Bus ohne Umstieg dorthin reisen. Mittlerweile war es obligatorisch, dass auch dieser fast eine halbe Stunde Verspätung hatte. So erreichte ich knapp viereinhalb Stunden nach Landung mein gerade eben zwei Kilometer vom Flughafen entferntes Nachtquartier. Es klappt halt auf so ner Tour nicht immer alles – es ist das Leben, das wir wählten. Ein üppiges Abendmahl um eine gefüllte Pljeskavica verbesserte die Stimmung maßgeblich. Dann kurz auf dem kleinen Weihnachtsmarkt einer völlig schrägen Folklore-Band gelauscht und den Kroaten beim hemmungslosen Suff zugeschaut und anschließend mit zwei ‚Karlovacko‘ vonne Tankstelle ins Bett gekuschelt. Insgesamt eigentlich ein versöhnlicher Tagesabschluss. Aber sich alles schönzureden gehört zu diesem Hobby ja beinahe zwangsläufig dazu.
Gegen zehn Uhr verließ ich am nächsten Morgen das Hotel und fuhr mit dem Bus zurück nach Zagreb. Der Fahrkartenkauf wurde erledigt, indem der Fahrer mich einfach durchwinkte. Manchmal blitzt er noch auf, der alte Balkan. Gepäck ins Bahnhofsschließfach und ab zum ‚Stadion Maksimir‘, um die Ticketfrage zu klären. Stellte sich letztlich einfacher dar als befürchtet, auch wenn ich mehr Währungseinheiten für den Erwerb der Haupttribünen-Karte einsetzen musste, als ich eigentlich gewillt war. Auch hier nahm ich mir dann erst einmal Zeit für die Graffiti-Umgebung, bevor ich noch mal mir der Tram in die Stadt fuhr.
Das Wetter war ungemütlich, daher verbrachte ich die Zeit bis zum Spiel in einer kleinen Kneipe, wo ich mit dem Wirt und seinem Kellner ins Gespräch kam. „Most ugliest stadium in the world“ nannten Sie das ‘Maksimir‘. Ganz unrecht hatten Sie da nicht. Ist schon ne ordentliche Gammelbude, die auch völlig unvollkommen daherkommt. Ohne jedes Dach, die Tribünen irgendwann und in verschiedenen Bauphasen uneinheitlich erneuert, die Gegentribüne aber längst gesperrt, die Flutlichtmasten im Innenraum – das ganze Ding ist irgendwie einfach nur zusammengeschustert und abgeranzt. Aber es tut sich was. Das alte ‚Stadion Kranjceviceva‘, Heimstadion von Lokomotiva Zagreb, wurde dem Erdboden gleichgemacht und wird komplett neu gebaut. Danach wird es mit einem Fassungsvermögen von knapp 12.000 Zuschauern den beiden Erstligisten Dinamo und Lokomotiva, aber bis auf Weiteres auch der Nationalmannschaft als Heim-Spielstätte dienen. Zumindest so lange bis ein neues ‚Maksimir‘ errichtet wird, denn dieses soll nach dem Umzug von Dinamo in das neue Stadion in Angriff genommen werden. Also dann rein ins ‚Vjecni derbi‘, das ‚ewige Derby‘, wie das bedeutendste Spiel Kroatiens analog zum ‚Veciti derbi‘ in Belgrad bezeichnet wird.
Als ich das Stadion-Innere betrat, bekam ich erst einmal einen Schreck. Im Gästeblock verloren sich keine 50 Leute und ich glaubte schon an ein Verbot oder einen Boykott. Der Blick vom Oberrang der Haupttribüne nach rechts brachte Entwarnung. Polizei und Ordner hatten einen restriktiven Einlass-Parcour aufgebaut, der zwei Kontrollpunkte beinhaltete und wahnsinnig Zeit kostete. Das hatte zur Folge, dass der letzte ‚Hajduke‘ erst mit dem Halbzeitpfiff im Stadion war. Schikane allez! Gut 1.000 Anhänger des dalmatischen Aushängeschildes werden es letztlich gewesen sein. In der Heimkurve wurde heute auch der Oberrang geöffnet, das ist bei den übrigen Gegnern in der Regel nicht der Fall. Absoluter Blickfang ist ja dieses fette ‚Bad Blue Boys‘-Banner, welches vor drei Jahren bei einer etwas aus dem Ruder gelaufenen Pyro-Aktion ein Raub der Flammen und schließlich erneuert wurde. Die ‚Torcida‘ flaggte im Gästebereich am Zaun zum Spielfeld nur das große Banner der Hauptgruppe aus Split an. An der Absturzsicherung des Blocks wurden ein paar kleinere Banner befestigt, unter anderem jenes der ‚Torcida Zagreb‘ – ein kleiner Nadelstich gegen die Gastgeber.
Die Partie benötigte auf dem Spielfeld und auf den Rängen etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen, unter anderem, weil es ja dauerte bis sich der Away-Sektor füllte. Im Heimbereich wurde hier und da mal eine Fackel gezündet, das Pyro-Arsenal wurde offenbar für die Dunkelheit geschont. Solange es noch Tageslicht gab, wurde von den ‚Bad Blue Boys‘ aber eine stattliche blaue Rauchwand in den Himmel abgesendet. Dazu schallten die balkan-typischen, dunklen, kehligen Schlachtrufe und Gesänge durch das Stadion. Auf dem Rasen übernahmen die Gastgeber die Regie und ließen Hajduk kaum zur Entfaltung kommen. Während Hajduk zuletzt einige Punkte hatte liegen lassen, konnten die Gastgeber den kleinen Rückstand auf die Tabellenspitze wettmachen und diese gar übernehmen und offensichtlich hatten sie vor für klarere Verhältnisse zu sorgen. Ein Tor für Dinamo Mitte der ersten Hälfte hielt der VAR-Überprüfung nicht stand. Trotz drückender Überlegenheit ging es torlos in die Pause.
Während Hajduk mehrere große Schwenker zum Einsatz brachte, nachdem der Away-Bereich endlich vollbesetzt war, blieb die Heimkurve in Durchgang eins frei von optischem Material. Erst zur zweiten Halbzeit wurden die Schwenkfahnen ausgepackt und dem Block damit ein dynamischeres Bild verliehen. Zehn Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, als auf Foulelfmeter für Dinamo entschieden wurde. Aber erneut hatte der Video-Referee Einwände und die Entscheidung wurde kassiert. Dafür traf Hajduk gute 20 Minuten vor dem Ende komplett aus dem Nichts zur Führung. Bis das Tor aber endlich final anerkannt wurde, vergingen erneut mehrere Minuten, bis eine vermeintliche Abseitsposition überprüft war. Völlig unverständlich, warum das wieder so lange dauerte. Dieser VAR-Mist raubt dem Spiel echt sämtliche spontanen Reflexe und Emotionen. Das Gegentor nahm die Dinamo-Kurve zum Anlass, die Tribüne in rotem Bengalfeuer erstrahlen zu lassen. Kurz danach machten die Gäste dann richtig Ballett und rasteten komplett aus. Haufenweise Fackeln wurden gezündet und auf die Laufbahn geworfen und ein Dutzend Leuchtspurpatronen auf das Spielfeld geschossen. Das Ganze ging über mehrere Minuten und die Partie war für diesen Zeitraum unterbrochen. Aber wie auf dem Balkan üblich, wurde einfach geduldig abgewartet, bis das Feuer erloschen war und dann ging es ohne weitere Diskussion einfach weiter.
Die Gastgeber drängten natürlich auf den Ausgleich und schnürten die Dalmatiner (nein! nicht die Hunderasse) in der eigenen Hälfte ein. Die Situation, welche zum Tor geführt hatte, war auch annähernd der einzige brauchbare Angriff, den die Gäste bis dahin zustande gebracht hatten. 18 Minuten Nachspielzeit wurden aufgrund der ganzen VAR- und Pyro-Unterbrechungen ausgerufen und in der zwölften war es soweit. Hajduk konnte dem Dauerdruck einfach nicht standhalten. Nach einem schlecht gespielten Konter der Gäste konnte Dinamo im Gegenangriff noch den Ausgleich erzielen und damit zumindest die Tabellenführung retten. Vor beinahe 15 Jahren hatte ich dieses Spiel schon einmal gesehen, auch damals brannte es lichterloh, aber heute wurde die Nummer noch einmal getoppt, obwohl den Gästen nur noch ein halb so großer Bereich zugestanden wurde. Per Pedes ging es zurück in die Stadt und nach einem kleinen Abendessen zum Bahnhof. EN414 stand schon gestriegelt am Gleis 1. Einen Nachtzug hatte ich ewig nicht mehr genutzt und diese Verbindung passte perfekt in den Ablauf. Das gebuchte Vierer-Liegeabteil wurde auf der gesamten Strecke lediglich noch von einem jungen Serben belegt. Pünktlich ging es um 19:39 los, schon 23 Minuten später stand der erste Lok-Wechsel an der Grenze an. Die Kroaten wollten ihre Maschine nicht nach Slowenien entlassen. Ab Ljubljana bis zur Abfahrt aus Salzburg hab ich gut gepennt. War natürlich klar, dass lediglich die deutschen Grenzer eine akribische Kontrolle durchführten – alles Schwachsinn, dadurch hält man niemanden auf, der illegal einreisen will.

Thessaloniki – Do., 04.12.2025, 17:00

PAE Iraklis vs Panetolikos 0:0

Kaftanzoglio Stadio, 600 Zuschauer, Kypello Elladas Gruppenphase
Auch heute gab es keinen Grund für übertriebene Eile. Nach einem späten Frühstück begab ich mich auf eine Sightseeing-Runde. Das Zentrum der Stadt bietet eine ganze Menge Nachweise seiner römischen, byzantinischen und osmanischen Vergangenheit, die sich teils versteckt zwischen den mehrgeschossigen Häusern finden. Das heutige sehr geordnete Stadtbild ist einem großen Brand im Jahre 1917 geschuldet, bei dem große Teile der Stadt zerstört und dann neu aufgebaut wurden.
Da die Richtung stimmte, lief ich weiter bis zum ‚Kaftanzoglio Stadio‘, um bei Tageslicht die zahlreichen Graffiti des Iraklis-Anhangs unter die Lupe zu nehmen. 
Danach ging es wieder zurück zum Hotel. Die Körperpflege musste noch nachgeholt werden, da am Morgen aufgrund von Arbeiten der Stadtwerke kein Wasser verfügbar war. Was natürlich auch erst genau in dem Moment kommuniziert wurde – schade für jene, die gerade eingeseift unter der Dusche standen. Ein Uber brachte mich dann wieder zum ‚Kaftanzoglio‘, wo ich drei Stunden nach dem ersten Besuch erneut aufschlug. Überraschend betraten etwa 50 Gäste-Hinchas aus dem 400 Kilometer entfernten Agrinio die Kurve. Nicht übel für ein Spiel auf einem Mittwoch-Nachmittag. Im Heimbereich um Gate 10 sammelten sich gut 250 Leute, ansonsten stieß die Partie auf begrenztes Interesse, etwa 600 Leute insgesamt ‚füllten‘ den riesigen Kessel, der trotz seines schlichten Design Charme hat. Sowohl der Iraklis-Anhang, der eine Freundschaft zu den Ultras des FSV Mainz 05 pflegt, als auch der von Panetolikos ist dem linken Polit-Flügel zuzuordnen. Gegenseitige Sympathie ist nicht ausgeschlossen, war aber für mich final nicht gesichert festzustellen war. Von Gate 10 gab es dann schöne lang getragene Melodien zu hören. Auch der einsetzende, immer fieser werdende Regen konnte die Gruppe nicht stoppen. Ein unglaublich intensiv agierender Capo übertrug seine Energie auf die Kurve, die sich in einen wahren Rausch supportete. Das war echt nicht übel. Ein Tor gab es heute leider nicht zu sehen, aber Iraklis, Tabellenführer der Nord-Gruppe der zweiten Liga, verlangte dem Erstligisten alles ab, war dem Siegtreffer am Ende sehr nah, vergab aber beste Chancen. 
Nur zehn Minuten Fußweg waren es zur ‚Nick Galis Hall‘, die von außen wie eine Miniaturausgabe der Dortmunder Westfalenhalle wirkt, und welche der Basketball-Abteilung von Aris als Heim-Spielstätte dient. Dort traf ich wieder mit Tim zusammen. Etwas mehr als 4.000 der 5.100 Plätze fanden einen Nutzer, als Aris die leicht favorisierten Gäste von Universitatae Transsilvania Cluj aus Rumänien empfing. Ich habe mit Basketball nicht viel am Hut, aber wenn es ordentlich was auf die Ohren gibt, schöne Gesänge durch die Halle schallern, dann bin ich doch gern dabei. Anwurf war günstig eine gute Stunde nach Spielschluss bei Iraklis. Beim Basketball können sich Spielstände schnell ändern. Ein 8:0-Start der Gastgeber, war im dritten Drittel aufgebraucht und kippte in einen Rückstand, der letztlich zu einem finalen Resultat von 88:98 führte. Nach dem Spiel speisten wir gemeinsam noch mal ausgiebig, bevor es mal wieder viel zu spät in die Waagerechte ging.