Aubstadt – Fr., 26.08.2022, 18.00

TSV Aubstadt vs 1.FC Schweinfut 05 1:0

Schulstadion, 1.444 Zuschauer, Regionalliga Bayern
In Begleitung des rot-weissen Gefährten Marco startete ich ins Un(gewisse)terfränkische. In der 700-Seelen-Gemeinde Aubstadt irgendwo im Nirgendwo wird seit ein paar Jahren Regionalliga gespielt, was der Höhepunkt einer steten Entwicklung des TSV ist. Zu Gast waren die ‚Schnüdel‘ aus Schweinfurt und aufgrund der überschaubaren Entfernung von 40 Kilometern wurde das Spiel zum Derby ausgerufen. Etwa 200 Leute waren aus der Stadt der Kugellager angereist und mit beinahe 1.500 Zuschauern war die Partie auch nicht schlecht besucht. Die Schweinfurter sind wieder mit Ambitionen in die Saison gegangen und befanden sich in Reichweite der Tabellenspitze, während sich der TSV bewusst sein dürfte, dass mehr als Regionalliga in der Provinz nicht gehen wird. Die Gäste waren also leicht favorisiert aber auf dem Spielfeld war davon nichts zu sehen. Während der Kick in der Anfangsphase noch ausgeglichen war, erarbeiteten sich die Gastgeber leichte Vorteile und gingen Mitte der ersten Hälfte nicht unverdient in Führung. Torschütze war ein gewisser Joshua Endreß, der vor zwei Jahren auch schon das göttliche Trikot des Deutschen Meisters von 1955 trug, aber in diesem allzu oft als Chancentod glänzte. In Aubstadt läuft es beruflich besser, denn dort hat er eine solide Trefferquote vorzuweisen.
Die Gäste verstärkten ihre Bemühungen, kamen aber selten gefährlich in die Box. Das änderte sich auch im zweiten Durchgang nicht und irgendwann war abzusehen, dass es wohl nicht zum Punktgewinn reichen würde. Es blieb beim historischen Heimsieg, dem ersten des TSV über den FCS in einem Ligaspiel. Zum Unmut der mitgereisten Anhänger natürlich, von denen 30-40 Mann versuchten das Stimmungsbarometer immer wieder mal hochzutreiben. Aber die Fan-Base der Schweinfurte ist halt überschaubar, da ist kein echter Brand zu entfachen. Auf Heimseite war kein organisierter Support zu vernehmen, lediglich einige vom Bier beseelte Kicker eines Nachbarvereins gaben ab und an peinliche Sprüche von sich. Das kleine Stadion ist ja eigentlich nicht wirklich eins, aber durch die Rasenwälle bekommt der Ground durchaus Charakter. Für die Bequemeren unter den Zuschauern steht eine Sitztribüne zu Verfügung, deren Überdachung etwas speziell ist. Vor Ort trafen wir auf weitere bekannte Gesichter, wenig überraschend vorrangig aus der rot-weissen Szene, so dass es nie langweilig wurde.

Essen – Di., 23.08.2022, 19:00

SV Burgaltendorf vs Rot-Weiss Essen 0:5

Sportplatz An der Windmühle, 800 Zuschauer, Niederrheinpokal 1.Runde
Erste Runde des Verbandspokales und der glorreiche RWE musste in den Stadtteil Burgaltendorf. Der SVA – der Verein trägt mit Bezug auf den Wortteil ‚Altendorf‘ dieses Kürzel – ist in der vergangenen Saison aus der Landesliga abgestiegen und hat einen starken Kader für den Wiederaufstieg zusammengestellt. Überraschend gingen aber die ersten beiden Meisterschaftsspiele hoch verloren, weshalb vor dem Pokalspiel kleine Brötchen gebacken wurden. Schön, dass das Spiel auf der eigenen engen Anlage ausgetragen wurde, das ist ja sogar im Verbandspokal nicht mehr selbstverständlich. Interessanterweise wollte der Heimverein das aber in diesem Falle gar nicht, sondern hätte gern das Heimrecht getauscht. Der RWE lehnte aber aufgrund des notwendigen Aufwandes bei zu erwartendem geringen Interesse dankend ab. 800 Karten durften die Gastgeber verkaufen, davon wurden 200 an den Gastverein gegeben, die aber nicht mal komplett abgesetzt wurden, sondern an den Heimverein zurückgingen, der diese dann selber noch verkaufte. Voll war es also, denn viel Raum für Zuschauer gibt der Sportplatz ‚An der Windmühle‘ nicht her. Aus der Rot-Weiss-Szene waren die üblichen Gesichter zu sehen, die auch bei diesen eher belanglosen Kicks immer anwesend sind. Auf Heimseite machten die üblichen Jugendspieler ein wenig eher peinliches Theater – ist ja eigentlich immer so, wenn der große RWE auf irgendwo auf Bezirks-Ebene antreten muss. Die Veranstaltung lief dann so ab, wie solche Veranstaltungen eben oft ablaufen. Die Roten hatten nur den zweiten Anzug aufgeboten und dieser drängte sich nicht gerade auf, auch wenn ein deutlicher Klassenunterschied nicht zu übersehen war. Der SVA kämpfte redlich und verkaufte sich auch wirklich teuer, aber am Ende stand ein deutlicher Sieg für den Favoriten zu Buche, dass man unter ‚Pflichtaufgabe gelöst‘ abhaken darf.

Gelsenkirchen – So., 21.08.2022, 11:00

FC Meineid 04 U19 vs Rot-Weiss Essen U19 5:0

Parkstadion, 300 Zuschauer, U19-Bundesliga West
Mit den Blauen hab ich ja ein begründetes Problem und versuche daher die Berührungspunkte auf ein geringstmögliches Maß zu reduzieren. Will mir auch eigentlich meinen Blog mit diesem fürchterlichen Vereinsnamen und nicht versauen und das Wappen dieser Missgeburt des deutschen Fußballs wird hier auch niemals klar ersichtlich erscheinen! Heute sprang ich aber mal über meinen Schatten und stattete dem umgebauten Parkstadion, oder dem was davon übriggeblieben ist, einen Besuch ab. Dafür gab es auch nur eine einzige Entschuldigung – es musste mit rot-weisser Beteiligung geschehen. Wer das alte Parkstadion kennt, dem kommt die überholte Anlage allerdings völlig verstümmelt vor. Da ist nichts mehr übrig von der Wucht dieser alten, hässlich-schönen Schüssel mit der brutalen doppelstöckigen Haupttribüne. Wenn ich mich richtig erinnere, war ich zwei Mal im Parkstadion zu Gast, natürlich mit dem glorreichen RWE. Ende der 80er war das, in der Zweiten Bundesliga. Besonders der zweite Besuch an einem nasskalten Herbst- oder Winternachmittag ist mir in Erinnerung geblieben. Es ist nicht die zu diesem Zeitpunkt erwartbare 3:1-Niederlage, sondern die äußeren Umstände und Erlebnisse, die mir den Kick in der Erinnerung halten. Es schiffte den ganzen Tag wie aus Eimern und jeder kann sich denken, was das in einem unüberdachten Stadion bedeutet hat. Schon auf dem Fußweg von der Bahnhaltestelle durch dieses gefühlt endlose Grüngelande, wo heute diese merkwürdige Turnhalle steht, wurde man völlig durchnässt und die Sportschuhe gaben dann bei jedem Schritt dieses charakteristische knatschende Geräusch von sich, das einem klarmachte, dass das Wasser bis zu den Knöcheln im Schuh steht.
Der Gästebereich des Parkstadions befand in der Südkurve in den beiden Nachbarblöcken der Haupttribüne. Das war nicht ganz optimal, denn die damals durchaus gut aufgestellte ‚Gelsenszene‘, also der erlebnisorientierte Teil der blauen Fanszene, machte sich das zu Nutze und hatte seinen Standort links vom Gästesektor im äußerten Block des Oberrangs der Haupttribüne mit bestem Blick und freier Schussbahn Richtung Away-Fans. Zur rechten gab es erst einmal einen Pufferblock und im Block daneben – damals liebevoll ‚Türkenblock‘ genannt – sammelten sich die osmanischen Freunde mit Bezug zum Ärger machen. Man war dann während des Spiels auch mehr damit beschäftigt die zahlreich von links oben und – anspruchsvoller – von rechts waagerecht abgesendete Leuchtspurmunition im Auge zu behalten, damit man halbwegs gesund wieder nach Hause kam. Natürlich abgesehen von der Lungenentzündung, die man sich mit durchnässten Brocken bei Temperaturen von vielleicht fünf oder zehn Grad und stetem Wind in der flachen Schüssel einfing. Das ganze Schauspiel stand bei annähernder Dunkelheit statt, denn damals wurde in Liga Zwei ja noch um 15:30 Uhr angepfiffen und bedingt durch die fortgeschrittene Jahreszeit und den fett wolkenverhangenen Himmel setzte die Dämmerung früh ein. Die Szenerie hätte aber auf die verbotene Stadt nicht besser passen können – grau, düster, feindselig! Jedenfalls konnte ich mich nach dem Abpfiff mit der durch den Regen zwanzig Kilo schwerer gewordenen Jeansjacke unversehrt aus dem Block schleppen.
Kein Vergleich zu den Bedingungen am heutigen Tage bei blauem Himmel und bestem Sommerwetter. Mit Marco und Marcel hatten zwei meiner Gefährten ebenfalls den Weg hergefunden, ebenso wie weitere Rot-Weisse. Was wir zu sehen bekamen war nicht so schön. Der Nachwuchs der blauen Brut ging früh in Führung und es war auch relativ schnell klar, dass hier heute für die Roten im Gegensatz zum ziemlich sensationellen Auswärtssieg in der letzten Spielzeit nix zu holen ist. Prinzipiell war das kein Wunder, denn der U-Bereich des FC Meineid verfügt natürlich über bessere Voraussetzungen, aber so deutlich untergehen, und dass auch irgendwie zwei Tore zu hoch, musste man ja nun auch nicht. Für die U19 des Deutschen Meisters von 1955 kann es aber auch nur um den Klassenerhalt gehen und es bleibt leider dabei, dass ich im Parkstadion keinen Sieg einer Rot-Weiss-Mannschaft gesehen habe.

Essen – Sa., 20.08.2022, 14:00

Rot-Weiss Essen vs FC Ingolstadt 04 2:2

Stadion an der Hafenstraße, 13.507 Zuschauer, 3.Liga
Es bleibt intensiv, es bleibt anstrengend. Nach mehr als einem Jahrzehnt Regionalliga, in denen einem viele Spiele schlicht satt am Arsch vorbeigingen, muss ich mich erst einmal wieder daran gewöhnen, dass es nun in jeder Partie um was geht. Bin es gar nicht mehr gewohnt, über die gesamte Spielzeit unter Strom zu stehen. Schöne neue, alte Welt. Und es muss weiter richtig hart gearbeitet werden, damit diese Welt nicht am Saisonende wieder in die falsche Richtung verlassen wird. Mit dem inoffiziellen Audi-Werksclub reiste einer der Aufstiegsfavoriten an die Hafenstraße. Der Blick auf das eigene Torverhältnis und den Fakt, dass der FCI in vier Spielen noch kein Gegentor gefangen hatte, machte nicht unbedingt Mut, aber irgendwann platzt jeder Knoten. Die Zuschauerzahlen im Gästebereich heben sich in dieser Saison noch nicht von denen in der Regionalliga ab – gerade einmal 100 Leute verloren sich im Gästeblock. Ja es ist eine große Distanz, aber ungeschlagen ohne Gegentor und Anstoß am Samstag-Nachmittag… mehr muss man nicht sagen. Und es wird bei den nächsten Heimspielen zwar sicherlich voller, aber nicht so, wie es möglich wäre. Aue (über 500 Kilometer) auf einem Freitag und Saarbrücken (über 300 Kilometer) auf einem Montag bedeuten nun nicht gerade die glücklichste Terminplanung der Liga-Verantwortlichen.
RWE begann defensiv und stand recht tief. Halte ich für richtig, die bisherigen Spiele haben es gelehrt. Die Gäste hatten damit ihre Probleme und traten nicht sehr kreativ auf. Das Glück kam den Roten dann früh zur Hilfe, denn nach nicht einmal zehn Minuten entschied der Referee auf Handelfmeter. Eine harte Entscheidung. Ja es war ein Handspiel, aber wenn die Murmel aus nicht einmal zwei Metern am beinahe angelegten Ellbogen landet, kann kein Spieler der Welt den Arm so schnell wegziehen. Gut, dass es in Liga Drei keinen Videobeweis gibt, denn dann wäre die Entscheidung doch arg gefährdet gewesen. Letztlich gleicht sich über die gesamte Spielzeit sowieso (fast) alles wieder aus. Die Freude über den Pfiff wich aber zunächst schnell der Verzweiflung – wer zum Teufel soll das Ding denn verwandeln?! Mit den Elfern stehen wir auf Kriegsfuß. Dann die Erleichterung, denn Eisfeld war auf dem Platz, der vermeintlich einzige sichere Schütze… aber was war das…? Bastians schnappte sich den Ball! Er wird doch nicht… nein tat er nicht! Die Kugel schlug sauber geschossen rechts im Tor ein, während der Keeper nach links abtauchte. Die Führung! Unfassbar. Die TV-Bilder offenbarten nachher, unter welcher Spannung der Schütze bei diesem Elfer stand. Scheißegal, die Kirsche war drin.
Damit musste auch an der Grundeinstellung nichts geändert werden und die Bayern blieben weiter leicht auszurechnen. Bis auf zwei oder drei durchaus gefährliche Distanzschüsse, welche von Golz sicher gehalten wurden, kam da nicht viel. Zehn Minuten vor der Pause landete ein schön vorgetragener schneller Angriff nach präzisem Diagonal-Pass über den Kopf von Römling und den Fuß des perfekt einlaufenden Young bei Maschine Engelmann und dieser benötigte nur einen Kontakt, um das Spielgerät am herauseilenden Torwächter zum 2:0 in die Maschen zu schieben. Hat mir aber auch erst die Zusammenfassung verraten, denn zu diesem Zeitpunkt musste ich mal die Stauder-geplagte Blase entleeren. Schon ganz geil, wenn man in den Katakomben durch diese dumpfe Lautstärke den Jubel der Tribüne aufnimmt, aber sich doch nicht sicher sein will, dass der Treffer für die eigenen Farben war. War aber so und dieses auch der Halbzeitstand. Ich hatte den Eindruck, dass sich im zweiten Durchgang nicht viel veränderte, nur dass sich die Roten noch einmal fünf bis zehn Meter tiefer in die eigene Hälfte zurückzogen und das machte mir Sorgen. Ansonsten darf bemängelt werden, dass es noch zu viele einfache Ballverluste in der Offensive gibt, daran muss gearbeitet werden. Und die Mannschaft ist auf zu vielen Positionen körperlich zu schwach besetzt, das hätte bei der Kaderplanung mehr Berücksichtigung finden müssen.
Auch ich als Berufspessimist gewann aber irgendwann den Glauben daran, dass heute der erste Dreier eingefahren werden kann, aber auf der anderen Seite habe ich an der Hafenstraße schon viel erlebt. Und das sollte ich auch heute, denn der Anschlusstreffer ein paar Minuten vor dem Ende, bei dem der heute insgesamt sichere Golz unglücklich aussah, sorgte für neue Spannung. Für meinen Geschmack wurde in der Entstehung nach dem langen Ball in den Strafraum Herzenbruch klar gefoult. Und da sind wir wieder – es gleicht sich alles aus. Ich persönlich lebe lieber mit Fehlentscheidungen, denn dieser teilweise inflationäre Einsatz des VAR raubt dem Spiel die Spontanität, die Authentizität und vor allem die Emotionen. Daher hält sich mein Wunsch, irgendwann in die Zweite Liga und höher aufzusteigen, auch arg in Grenzen. Ich möchte keine Tore meines Teams mit fünf Minuten Verzögerung künstlich bejubeln müssen. Ich möchte spontan ein paar Stufen nach unten segeln können, ohne dabei mit bangem Blick auf den Referee zu prüfen, ob er über Funk möglicherweise eine Info aus dem Kölner Folterkeller bekommt. Daher lebe ich auch ohne Stress mit diesem Gegentor, welches ausreichend für Verunsicherung sorgte, so dass der eingewechselte und bisher schwache Plechaty kurz darauf ein Kopfball-Duell im Sechzehner verlor, welches sich dann leider als perfekte Vorlage für den Ingolstädter Doppeltorschützen Bech herausstellte, der von ‚Herze‘ nicht eingefangen werden konnte. Mehr gab es dann nicht und der FCI kam letztlich zu einem zwar schon verdienten aber glücklichen Punkt mit Sieg-Geschmack, während sich dieselbe Ausbeute für die Roten wie eine Niederlage anfühlte. Dennoch wurde heute viel richtig gemacht und die Tendenz zeigt nach oben. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Érezée – So., 14.08.2022, 16:00

RRC Mormont vs Hoogstraten VV 0:1

Stade du Mormont, 180 Zuschauer, Coupe de Belgique 3.Runde
Irgendwie kam mal wieder alles anders. Ich hatte mir einen schönen Doppler in Luxemburg zurechtgelegt, der problemlos machbar gewesen wäre. Dann fiel mir auf, dass in Mormont, im Luxemburgischen Teil der belgischen Wallonie gekegen, ein Pokalspiel angesagt war. In Mormont befindet sich ein kleiner charmanter Ground in malerischer Landschaft gelegen, der irgendwie in meinem Hinterkopf angehaftet war. Die Fahrzeit zwischen diesem Spiel und dem zweiten in Luxemburg anvisierten Kick war knapp bemessen, aber nicht unlösbar, daher entschied ich mich zunächst nach Mormont zu reisen und eine ordentliche Frituur-Schlemmerei in den Ablauf einzubauen. Die Spielstätte in Mormont war dann tatsächlich so schön gelegen, wie es Bilder versprachen, auch die Anfahrt durch die wunderschönen Ardennen war ein Träumchen. Der gastgebende Royal Racing Club empfing als Fünftligist die zwei Klassen höher spielende Voetbalvereniging aus dem flämischen Teil des Landes. Ein paar Zuschauer mehr hatte ich schon erwartet und diejenigen, die dem Spiel fernblieben verpassten ein enges Match mit nur leichten Vorteilen für den Favoriten. Diese Vorteile reichten aber doch aus, um das für den Sieg notwendige Minimal-Resultat zu erreichen. Der intensive Kampf des Underdog wurde nicht belohnt. Irgendwann im Laufe der Veranstaltung ging mir dann mal auf, dass es sich ja um ein Pokalspiel handelt und eine Verlängerung möglich ist. Das hätte den sofortigen Tod des eigentlichen Plans bedeutet. Da aber schon zu spät begonnen wurde, die erste Halbzeit wenig nachvollziehbar mehrere Minuten Nachspielzeit aufgebrummt bekam, Trinkpausen nicht fehlen durften und die Partie im zweiten Durchgang ständig von Verletzungspausen unterbrochen wurde, war frühzeitig klar, dass ich die Landesgrenze nach Luxemburg heute sowieso nicht mehr zu queren brauchte. Schon irgendwie amüsant, dass ich von den ursprünglich anvisierten Spielen nicht eins gesehen habe. Aber ich mache das ja auch noch nicht so lang, da kann so ne grobe Fehlplanung schon mal passieren…

Dortmund – Sa., 13.08.2022, 14:00

BV Borussia Dortmund U23 vs Rot-Weiss Essen 1:0

Westfalenstadion, 11.079 Zuschauer, 3.Liga
Es lief die 22. Spielminute und ich wollte meinen Gefährten gerade mitteilen, dass wir nun gleich die beste Anfangsphase der Saison gespielt haben, da wir schon über zwanzig Minuten kein Gegentor gefangen haben, als der sonst so solide und sichere Schnapper Golz der Meinung war, er müsse nach einem Rückpass den angreifenden Dortmunder ausspielen, anstatt die Murmel humorlos wegzudreschen. Ging schief. Der Dortmunder bedankte sich und schob das Spielgerät zum Treffer des Tages in die Maschen. Das war zwar zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht klar, aber man konnte ahnen, dass es so sein würde, denn das passt einfach zur aktuellen Situation. Tatsächlich hatte der RWE ja noch 89 andere Minuten dieses Spiels Zeit, ein eigenes Tor zu erzielen. Zwar war ein Aufwärtstrend im Vergleich zu den bisherigen Auftritten zu erkennen, aber insgesamt muss attestiert werden, dass das (noch) nicht reicht. Der BVB-Nachwuchs riss jetzt auch keine Bäume aus und hatte auch nur zwei selbst kreierte gute Torchancen, aber auf der rot-weissen Seite kam da eben auch nicht viel mehr und die wenigen Möglichkeiten, die sich vor allem in der Schlussphase ergaben, wurden völlig überhastet, übermotiviert und daher unkonzentriert vergeben.
Es wurde eine deutlich defensivere Grundeinstellung gewählt, als in den bisherigen Spielen. Das war richtig, denn es geht darum erst einmal sicher zu stehen und nicht mit Hurra-Fußball dem Gegner die Räume zu öffnen. Dennoch schienen mir die Abstände zu den Gegenspielern noch zu groß, das gibt dem Gegner zu viel Zeit für den eigenen Spielaufbau. Es muss einfach früher gepresst werden, um die gegnerischen Spieler unter Zeitdruck zu bringen und damit Fehler zu provozieren. Der eigene Spielaufbau war dagegen weiter zu behäbig. Beides besserte sich im Laufe der zweiten Halbzeit, als die Mannschaft mehr Spielanteile und damit sichtlich an Selbstvertrauen gewann. Unter dem Strich bleibt aber eine weitere Niederlage und nun der Platz am Tabellenende. Es muss dringend etwas passieren und bis dahin darf nicht mehr viel Zeit vergehen, damit der Abstand auf die rettenden Plätze darf nicht zu groß wird. Es ist noch immer zu früh für Panik, aber sollte sich das Blatt nicht kurzfristig – und ich meine kurzfristig! – wenden, darf vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückgeschreckt werden. Es wäre fatal, das, was in den letzten Jahren mühsam aufgebaut und schließlich erreicht wurde, direkt wieder umzustoßen.
Gespielt wurde im großen Dortmunder Stadion, da die planmäßigen Umbauarbeiten an der ‚Roten Erde‘ länger andauern, als erwartet. 11.000 Zuschauer sind für diese Partie zwar eine gute Zahl, aber in einem 80.000er sieht das natürlich dennoch mau aus. Zudem hatte der BVB für den rot-weissen Anhang den bei Bundesliga-Spielen üblichen Away-Bereich vorgesehen, was bedeutete, dass der Großteil der Rot-Weissen im ungünstig gelegenen Eckblock des Oberrangs mit unterirdischer Sicht auf das Geschehen untergebracht war. Wäre sicher kein Akt gewesen, den zentralen Bereich der Hintertor-Tribüne zu öffnen. So konnten die 5.000 Mitgereisten nicht die maximal mögliche Lautstärke entwickeln, aber ich bezweifle auch, dass das etwas am Spielverlauf geändert hätte. Zumindest ein kleiner Aufwärtstrend ist aber erkennbar und es bleibt die Hoffnung, dass dieser Faden weiter gesponnen wird.

Essen – Di., 09.08.2022, 19:00

Rot-Weiss Essen vs FC Viktoria Köln 1:4

Stadion an der Hafenstraße, 15.006 Zuschauer, 3.Liga
Ich sag mal ‚Puuh!‘. Der RWE kommt nicht in die Spur. Nur wenige Tage nach der Aufholjagd beim MSV, welche ja die Hoffnung gab, dass verstanden wurde, wie diese Liga zu spielen ist, setzte es eine erneute schallende Ohrfeige vor eigenem Publikum. Dabrowski hatte bis auf eine Position die Elf aufgestellt, welche das Spiel in Duisburg beendete. In den ersten zwanzig Minuten sah das auch ganz gut aus. Die Viktoria hatte sich entschieden, erst einmal zu schauen, was die Gastgeber so auf den Rasen bringen. Sehr präzise war das dann zwar nicht, aber zumindest gab es zwei Abschlüsse, die allerdings auch nicht brandgefährlich waren. In dem Moment, in dem die Gäste beschlossen mitzuspielen, war es vorbei mit der rot-weissen Überlegenheit. Auch die neu formierte Defensive, die in der Schlussphase in Duisburg so stabil wirkte, bekam Probleme, und zwar meistens dann, wenn es schnell ging. Weiterhin gab es erneut zu viele unbedrängte Ballverluste, von denen einer über Umwege mit der ersten Gäste-Chance zum 0:1 führte. Wie gegen Elversberg schon waren die Defensiv-Leute – man muss leider sagen: in diesem Fall erneut Kapitän Heber – in der entscheidenden Szene zu weit vom Gegenspieler entfernt. Schnappmann Golz ist momentan die ärmste Sau. Das was drauf kommt sieht gar nicht mal so unhaltbar aus, aber es fehlen dann doch ein paar Zentimeter, um die Kugel noch zu erwischen. Einen Vorwurf kann man dem Mann aber sicher nicht machen. Mit dem Pausenpfiff stand es dann 0:2 nach einem berechtigten Elfer und erneut war Daniel Heber der Hauptdarsteller.
Mit dieser Hypothek ging es dann wieder auf den Rasen, ohne dass der Trainer einschneidende Veränderungen vornahm. Lediglich die unglücklich spielenden Young und Ennali tauschten die Seiten. So wie das Spiel vor der Pause lief, war das zu wenig. Unverständlich. Das rot-weisse Spiel wurde nicht besser. Das war zu langsam, zu ungenau, zu unflexibel, zu drucklos. Es gab kein zwingendes Pressing, die Gegner hatten viel zu viel Raum. Es wurde den Gästen zu einfach gemacht, die zaghaften rot-weissen Spielaufbauversuche zu stören und zu zerstören und auf der anderen Seite hatte die Viktoria viel Zeit eigene Vorstöße aufzubauen. Und es wurde dem Gegner auch zu leicht gemacht, seine eigenen Angriffe zu initiieren. Die ersehnte Doppelspitze Berlinski und Engelmann konnte gar nicht zeigen, ob dieses eine Option für die Anfangself sein kann, da sie viel zu wenig in Situationen gebracht wurde. Obwohl es sichtlich keine Besserung im Spiel der Roten gab, verzichtete der Trainer auf Wechsel. Auch hier noch einmal: unverständlich! Es wirkte als ob der gesamte RWE-Tross ratlos war, was zu tun sei. Noch bevor dann weiterer Einfluss genommen wurde, hieß es 0:3. Bezeichnenderweise durch ein Eigentor. Bastians sei hier kein Vorwurf gemacht, er lenkte die Murmel nach einer Ecke per Kopf unglücklich ins eigene Netz. Engels zweiter Saisontreffer eine Viertelstunde vor Schluss gab Hoffnung, mehr aber auch nicht. Bei einem schnellen Angriff unmittelbar nach diesem Treffer hätte womöglich sogar direkt der Anschluss fallen können, aber auch dieses Mal wurde eine falsche Entscheidung getroffen und der Vorstoß verpuffte. Der vierte Treffer Marke abgefälschter Sonntagsschuss in der Schlussminute fiel nicht mehr ins Gewicht.
Es ist noch zu früh für Panik, gleichwohl besteht großer Anlass zur Sorge, denn die Personalie Dabrowski auf der Trainerposition wirkt verfehlt, und der Trainierer ist, auch wenn (natürlich!) von offizieller Seite dazu kein Ton hören ist, bereits angezählt. Es sind auch gar nicht die beiden deftigen Heimniederlagen selber die mich stören, auch wenn neun Gegentreffer in zwei Spielen schon heftig sind. Ein Punkt nach drei Spielen, das kann einem Aufsteiger nach drei Spielen passieren. Stören tut mich die Art und Weise wie diese entstanden. Die Idee des Trainers geht nicht auf und taktisch erscheint das viel zu invariabel, vor allem wenn es darum geht, unmittelbar im Spiel zu reagieren. Aus dem Gefühl raus würde ich sagen, dass der Dabrowski maximal noch zwei Spiele Schonfrist bekommt, sollte sich dann nichts zum Positiven entwickeln, wird – nein – muss reagiert werden, bevor schon alles zu spät ist. Am Publikum liegt es nicht. Unmut war während der gesamten Partie wenig zu vernehmen und nach dem Abpfiff wurde der Mannschaft Mut zugesungen und Aufbauhilfe gegeben. Aber auch dieser Kredit, den das Team durch den ersehnten Aufstieg erarbeitet und verdient hat, wird nicht ewig währen. Es müssen dringend Punkte her, bevor die Harmonie umschlägt und Unruhe aufkommt. Und mal wieder bin ich gespannt, was uns das nächste Spiel bringen wird.

Hannoversch Münden – So., 07.08.2022, 15:00

TuSpo Weser Gimte vs TSV 08 Groß Schneen 0:1

Sportanlage Rattwerder, 40 Zuschauer, Kreisliga Göttingen-Osterode
Quer durch den Harz ging es nach Hannoversch Münden, der Stadt, in der sich Werra und Fulda küssen und sie ihre Namen dafür büßen müssen. Ab hier heißt dieser Wasserlauf Weser. Vor längerer Zeit hatte ich mal ein Bild der Tribüne der Sportanlage Rattwerder gesehen und diese war mir als ‚besuchenswert‘ in Erinnerung geblieben. Das bestätigte sich vor Ort dann auch, allerdings verliert sich die Tribüne ein wenig in der weitläufigen Anlage. Vielleicht hätte man bei Temperaturen von deutlich mehr als 30 Grad lieber den Eintritt für das benachbarte Freibad entrichten sollen, denn auch von dort ließ sich das Spiel wunderbar verfolgen, was sich auch einige Sonnenanbeter zu Nutze machten. Überragend war das von den Akteuren angebotene nicht gerade, aber das war von einem eher provinziell geprägten Kreisliga-Spiel auch nicht zu erwarten. Dass Fußball nicht immer gerecht ist, zeigte sich auch mal wieder, denn die Gäste fuhren als Bezirksliga-Absteiger einen schmeichelhaften Auswärtssieg ein.