Radzionków – Sa., 30.04.2022, 17:00

KS Ruch Radzionków vs KP Warta Zawiercie 3:2

Stadion Szkoly Mistrzostwa Sportowego w Radzonkowie, 200 Zuschauer, IV liga grupa slaska I
Weiter ging es nach Radzionkow, einer kleinen Industriestadt nördlich von Bytom. Um die Jahrtausendwende erlebte Ruch seine erfolgreichste Zeit, spielte einige Jahre in der höchsten polnischen Spielklasse. Das ganze damals noch im alten Stadion am Rande der Stadt. Leider wurde diese alte Kampfbahn vor zwei oder drei Jahren geschlossen und Ruch bolzt seitdem auf einer flatschneuen Plastikwiese mit ein paar teilweise überdachten Sitzschalen auf einer der Längsseiten. Also prinzipiell nichts, was den Besuch rechtfertigen würde, aber es gibt zumindest eine kleine Szene, die für ein wenig Stimmung sorgt. Fünfte Liga war angesagt, die höchste regionale Spielklasse, und die Gastgeber haben noch eine reelle Chance auf den Aufstieg. Gegen den Sechsten der Tabelle war es dann aber mühsam und es müsste einiges investiert werden, um die drei Punkte zu erreichen.

Zabrze – Sa., 30.04.2022, 13:00

Górnik Zabrze vs MKP Carina Gubin 3:1

Stadion MOSiR Sparta Zabrze, 83 Zuschauer, III liga grupa III
Kleiner Polen-Trip mit drei weiteren Süchtigen. Direkt nach Ankunft am Flughafen Katowice brachte uns ein Uber-Fahrer nach Swietochlowice, wo eine dieser wundervollen, alten, schlesischen Stadion-Schüsseln steht. Der dortige Verein spielt oft samstags um 11:00 Uhr, was wunderbar hinter die frühe Flug-Ankunft aus Dortmund passt. Hatte mir das schon einige Male vorgenommen, heute sollte es soweit sein. Aber obwohl man schon ewig für den Fußball durch die Gegend eibelt, lernt man nicht aus. Dass die alten Stehränge mittlerweile renaturiert wurden, war bekannt. Nicht aber, dass die Haupttribüne saniert und umgebaut wird. Daher fanden wir auf dem Grün nur U14-Mädels vor – nicht meine Sportart. Also brachten war die Klamotten ins Hotel in Katowice und fuhren von dort in den Norden Zabrzes, um die Reserve von Gornik im Stadion von Sparta Zabrze zu sehen. Die Gäste aus Gubin, an der Grenze zu Deutschland, nahmen die lange Anreise auf sich, um dann relativ chancenlos zu verlieren. Harter polnischer Viertliga-Alltag. Das betagte Stadion ist ein schönes altes Rund, die Rasenfläche ist von den Rängen durch einen dreifarbigen, alten Metallzaun getrennt, die Stufen sind teilweise etwas unfreiwillig begrünt.

Essen – Fr., 29.04.2022, 19:30

Rot-Weiss Essen vs FC Wegberg-Beeck 3:1

Stadion an der Hafenstraße, 11.450 Zuschauer, Regionalliga West
Seit dem vergangenen Wochenende habe ich den Aufstieg offiziell abgeschrieben. Der einzige verbliebene Kontrahent, die Preußen aus Münster, liegen zwei Punkte vorn und wirken gefestigt und dem Druck gewachsen. Objektiv gesehen muss man die ja nicht mögen, aber ich erkenne an, dass diese Mannschaft seit Wochen konstant ist und die gestellten Aufgaben meist souverän löst. Kann man leider von den Roten nicht sagen, die nun mal zu viele Punkte unnötig liegen ließen. Der FC Wegberg sollte eine lösbare Aufgabe sein, aber das ist ja auch so eine Sache mit der Erwartungshaltung und dem was man dann angeboten bekommt. Und natürlich läuft auch kein Gegner an der Hafenstrasse auf, um sich bereitwillig verprügeln zu lassen. Ein paar Tore zu erzielen, wäre aber nicht verkehrt, denn sollte der Tabellenführer doch noch mal straucheln, kann das Torverhältnis entscheidend sein. Die Gäste bemühten sich, ordentlich mitzuspielen und das gelang auch leidlich. Mit viel Laufbereitschaft erschwerten sie den Roten den Spielaufbau. Die Führung gelang dann dennoch nach einer guten halben Stunde durch Kampfschwein ‚Herze‘ und kurz darauf legte Isi Young mit einem tollen Strahl nach. Lief also und Torgarant ‚Engel‘ verstolperte vor dem Wechsel den dritten Treffer, was die Geschichte wohl frühzeitig entschieden hätte.
Mal wieder kam der RWE dann nicht gut aus der Kabine und die Gäste erspielten sich Chancen im Minutentakt. Die vierte war dann auch drin und es wurde wieder unnötig spannend. Von rot-weisser Seite blieb die Leistung überschaubar. Wir haben ja echt gute Leute im Kader, aber es fehlen einfach ein paar Drecksäcke im Team, die in solchen Situationen dass Messer zwischen die Zähne klemmen, beziehungsweise diejenigen, die in Frage kämen, erhalten zu wenig Einsatzzeiten. Da fehlt Coach Neidhart nach meinem Erachten etwas das Fingerspitzengefühl. Die Wegberger schwächten sich dann aber eine Viertelstunde vor Ende durch einen Plattenverweis selbst und ‚Engel‘ machte den Deckel drauf. Es hätten ein oder zwei Tore mehr sein dürfen, ja müssen, aber die Chancenverwertung ist ja schon länger ein Thema. Die Gäste sind durch die Niederlage so gut wie abgestiegen, die Chance auf den Klassenerhalt ist nur noch theoretischer Natur. Da die Preußen zeitgleich mit ähnlichem Resultat siegten, lebt weiter nur das Prinzip Hoffnung.

Lotte – Fr., 29.04.2022, 19:30

VfL Sportfreunde Lotte vs Rot-Weiss Essen 0:3

Stadion am Lotter Kreuz, 2.129 Zuschauer, Regionalliga West
Das Auswärtsspiel am Autobahnkreuz stand an und die Vorgabe war eindeutig. Nichts anderes als ein Sieg zählte und dieser sollte auch möglichst deutlich ausfallen, wer weiß ob nicht am Ende doch das Torverhältnis den Ausschlag gibt. Gut 2.000 Mann und Frau waren aus dem Ruhrgebiet angereist und die Mannschaft ließ von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, wer hier als Sieger vom Platz gehen wird. Nur etwas mehr als eine Minute dauerte es, bis der Ball zur Führung im Netz von Tante Lotte lag und auch danach ging es weiter nur in eine Richtung. Schon zur Pause stand das Endergebnis fest und das ist der einzige Kritikpunkt. Hätten die Roten so weitergemacht wie in Durchgang Eins, wären sicher noch ein paar Einschläge im Netz der Gastgeber zu zählen gewesen, aber wie so oft zuletzt fehlte nach der Pause für Konsequenz. Die Sportfreunde stiegen durch die Niederlage in der Oberliga ab und sind damit wieder dort angelangt, wo sie vor 13 Jahren herkamen. Größenwahnsinnige Projekte auf dem Dorf sind eben selten nachhaltig.

Essen – Di., 19.04.2022, 19:30

Rot-Weiss Essen vs SV Lippstadt 08 4:0

Stadion an der Hafenstrasse, 10.123 Zuschauer, Regionalliga West
Nachholspiel gegen Lippstadt unter Flutlicht. Es sollte eine Frage der Höhe des Sieges werden, auch ohne überheblich zu sein. Die Gäste versuchten mitzuspielen, das war löblich, konnte aber eigentlich nur schief gehen. Zu groß war der individuelle qualitative Unterschied auf die einzelnen Positionen bezogen. RWE spielte druckvoll und blieb auch nach sicherer Führung endlich mal dran. Der Lohn war, dass der kleine Rückstand im Torverhältnis zu Tabellenführer Münster nun egalisiert ist. Gut möglich, dass dieses am Ende noch Bedeutung erlangt. Der SVL konnte auf seine kleine Szene bauen, die ihr Team nach Kräften supportete. Ich finde das ja gut, was die machen. Mit der Perspektive, in der Regionalliga maximal einen sicheren Mittelfeldplatz erreichen zu können, stehen die Jungs und Mädels Saison für Saison stabil hinter ihrer Mannschaft, das hat meinen Respekt.

Salmtal – Mo., 18.04.2022, 15:30

FSV Salmrohr vs FC Speyer 2:0

Salmtalstadion, 250 Zuschauer, Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Platzierungsrunde
Nach 25 Jahren mal wieder zu Gast im Salmtal. Nicht weil ich es unbedingt wollte, aber so konnte ich Daniel ein Stück mitnehmen, der am Abend von Luxemburg gen Spanien flog und es passte zum Heimweg. Und schließlich ist es ja ein sehenswertes kleines Stadion auf dem Dorf. Fünfmal so viele Einwohner wie der kleine Ort hat, passen in das Rund hinein. Seine beste Phase hatte der Verein Mitte der 80er Jahre, als der Club es sogar für ein Jahr in die zweite Liga schaffte. Das war auch der Grund, warum die überdachte Haupttribüne errichtet wurde. Dumm nur, dass kurz nach Fertigstellung der direkte Wiederabstieg folgte und der FSV nie wieder so hochklassig spielen sollte. Bis zur Jahrtausendwende hielt sich der Verein auf drittklassigem Niveau, danach ging es weiter abwärts, heute wird immerhin noch in der fünftklassigen Oberliga gespielt. Dass es dazu kam, war auch der Vernunft geschuldet, denn in den 90ern setzte man sich mit der Trierer Eintracht zwecks Kooperation an einen Tisch, da diese strukturschwache Region nur einen höherklassigen Verein vertragen konnte und wohl auch heute noch kann. Natürlich konnte der Standort für gebündelte Kräfte nur Trier lauten und der FSV Salmrohr geriet ab da zur zweiten Kraft in der Moselregion. Das erkennt auch die ausgebaute der beiden Kurven neidlos an und gibt sich nach und nach wieder der Natur frei. In der Platzierungsrunde mussten dringend Punkte gegen den Abstieg gesammelt werden, was mit einem verdienten 2:0-Sieg gegen den FC Speyer auch gelang. Eine Handvoll biertrinkende Leute versammelte sich hinter einer großen Fahne mit einer Kuh und genoss den Erfolg schweigend. Ein besseres Symbolbild hätte hier auch nicht gewählt werden können.

Kaiserslautern – So., 17.04.2022, 14:00

1.FC Kaiserslautern vs 1.FC Saarbrücken 3:1

Fritz-Walter-Stadion, 46.895 Zuschauer, 3.Liga
Den Betzenberg habe ich ja schon einige Male besucht, aber wenige Stadien begeistern mich bei Rückkehr so sehr wie das Stadion vom Walter-Fritz. Schon die Lage macht unglaublich was her, wie der Tempel hoch über der Stadt thront und diese bewacht wie eine Burg im Mittelalter. Kann was, absolut. Der Aufstieg von der Stadt hoch zum Stadion ist für die Fans der Roten Teufel unabdingbar mit dem Spielbesuch verbunden, das wirkt schon beinahe rituell. Kaiserslautern gegen Saarbrücken, dieses Duell war eben nicht nur ein Derby, sondern zieht seinen Reiz, seine brutale Brisanz daraus, dass es dieses Spiel auf dem Betze seit beinahe 30 Jahren nicht gab, vom Geisterspiel in der letzten Saison mal abgesehen. Die Saarbrücker Szene reiste mit mit mehreren Regelzügen und einem Entlastungszug an. 5000 Karten hatte der FCS erhalten, die natürlich sämtlich weggingen. Auch von der befreundeten AS Nancy war eine Abordnung angereist. Beim FCK war der Andrang ebenfalls riesig und auch hier waren mit einer Gruppe von Hellas Verona Freunde angereist. Letztlich wurde ausverkauft gemeldet – ein starkes Zeichen für die Dritte Liga, aber natürlich dem unglaublichen Lauf der Pfälzer geschuldet, die im ersten Viertel der Saison noch tief in der Abstiegsregion gefangen waren. In den letzten 20 Spielen gab es aber nur noch eine Niederlage, was den Club auf einen direkten Aufstiegsplatz führte. Auch die Gäste waren lange in Reichweite zu der Aufstiegsregion, zuletzt ging aber etwas die Luft aus.
Vor dem Spiel traf ich noch mit dem alten FCK-Gefährten Seb, der mir auch bei der Ticketbeschaffung behilflich war – dafür noch einmal Danke! Am Bahnhofsplatz schnasselten wir noch ein Bier bevor es hoch ging auf den Berg. Kaiserslautern hatte um das Stadion einen Alk-freien Ring gezogen – völlig sinnlos, wenn sich die Meute dafür in der Stadt die Hucke vollsaufen kann. Aber Behörden-Maßnahmen stellen ja oft die Sinnfrage. Im Stadion stolperte ich dann direkt über andere Bekannte, so ein Spiel zieht die Schaulustigen halt an. Der Blick in den Kasten ist ja auch immer wieder beeindruckend. Der Betze hat seinen absolut eigenen Charakter und die Tribünen ragen so steil in den Himmel, wie es die Verordnung erlaubt. Die Westkurve des FCK eröffnete mit einer Choreo für einen Ex-Capo, der Tage zuvor den Freitod gewählt hatte. Die Kurve wurde mittels farbigen Ponchos in Rot und Weiß getaucht und das Konterfei des Verstorbenen unter das Dach gezogen. Der FCS hatte den Block gut beflaggt und sogar das riesige ‚Virage Est Saarbrücken‘-Banner mitgebracht, das normal im heimischen Ludwigspark unter dem Kurven-Dach hängt und die ganze Breite des Gästeblocks beanspruchte. Zum Einlauf der Teams landete aus dem FCS-Block abgesendete Leuchtspur auf dem Platz, da konnte man schon ahnen, wo die Reise in den nächsten 90 Spielminuten hingeht. Das wiederholte sich mehrfach, auch die Lauterer Westkurve konnte das übrigens ganz gut. Anschließend qualmte und leuchtete es etwas im FCS-Block, sah aber im Sonnenlicht natürlich nicht ganz so prall aus. Aus dem Away-Sektor flogen im Spielverlauf immer wieder teils fette Böller, bestimmt zwei oder drei Dutzend. Halte ich ja nix von, macht nur Lärm und ist gefährlich, ich wurde ja jüngst in Essen daran erinnert, was daraus entstehen kann. Zum durch den Referee mehrfach angedrohten Spielabbruch kam es natürlich nicht.
Nach nur einer Viertelstunde gingen die Roten Teufel durch einen dummen aber dennoch eher zweifelhaften Elfer in Führung und das auch erst glücklich im Nachschuss. Bis zur Halbzeit war es dann eine relativ offene Nummer, die aber für den FCK noch einen Negativ-Höhepunkt bereithielt. Kurz vor dem Pausenpfiff gab es nämlich glatt Rot für einen FCK-Spieler nach einer sicherlich unbeabsichtigten aber ungestümen üblen Aktion. Kurz nach dem Seitenwechsel fiel dann der Ausgleich und der FCS hatte das Momentum nun auf seiner Seite, nutzte es aber nicht. Der FCK schüttelte sich, zeigte wahnsinnige Moral, Mentalität und Willen und kaufte dem in Überzahl agierenden Kontrahenten damit den Schneid ab. Beim FCS war überhaupt keine Körpersprache mehr zu sehen und die Gastgeber trafen binnen zehn Minuten zwei Mal und stellten damit auf Sieg. Ein wichtiger Erfolg für den FCK, der damit den Aufstiegsplatz behauptet.

Ansbach – Sa., 16.04.2022, 14:00

SpVgg Ansbach 09 vs SV Seligenporten 5:1

Sportpark Ansbach, 380 Zuschauer, Bayernliga Nord
Das Saarland sollte mich in den kommenden zwei Nächten beherbergen und als ein passendes Zwischenziel bot sich Ansbach an. Oberliga wird dort gespielt und die gastgebende Spielvereinigung hat eine durchaus realistische Aufstiegschance an einer verdammt engen Tabellenspitze. Die Gäste aus Seligenporten konnten die Ambitionen der Ansbacher auch nicht bremsen. Der SVS, jahrelang gestandener Regionalligist, wird am Ende der Spielzeit sang- und klanglos in die Landesliga absteigen, das steht bereits fest. Zumindest ein wenig ärgern konnten die Gäste den Favoriten, denn zwischenzeitlich schafften sie den unerwarteten Ausgleich und hatte auch noch weitere Einschussmöglichkeiten. Im zweiten Durchgang nahm das Spiel aber seinen erwarteten Verlauf. Die Spielvereinigung kann auf eine kleine Anhängerschaft von einem guten Dutzend Köpfen zählen, die das Team über die gesamte Spielzeit ununterbrochen unterstützte.