Samstag, 27.04.2019, 16:45

malaysia

Tun Razak FC vs Kuching FA 2:4

Mindef Stadion, 140 Zuschauer, Liga M3
Und um viertel nach fünf schon wieder daraus hervor. Mit dem Grab ging es für 30 Ringgit zum 30 Kilometer entfernten Flughafen. AirAsia beförderte mich erneut sicher und pünktlich. Dieses mal nach Ipoh, etwa 200 Kilometer nördlich von Kuala Lumpur gelegen. Eigentlich sollte es nun in die Cameron Highlands gehen. Sämtliche Unterkünfte dort waren mir aber nicht gut genug bewertet, manche Bewertungen enthielten teils fragwürdige Hinweise, und je mehr ich mich über das Ziel informierte, desto touristischer und uninteressanter kam mir die Geschichte vor. Daher wurde der Plan einen Tag vor dem Abflug nach Asien geändert und das neue Ziel hieß Pulau Pangkor, eine nur wenige Kilometer vor dem Festland gelegene Insel. Mit dem Grab fuhr ich zum Busbahnhof. Leider zum falschen, daher brauchte ich ein weiteres Grab zum richtigen Terminal. Dort verpasste ich dann den Bus nach Lumut um zehn Minuten und hatte zwei Stunden Wartezeit. Irgendwann konnte dann der Bus geboardet werden und ich schmiss mich in den breiten Sessel. Der kurz darauf erfolgte Griff in die Hosentasche jagte mir einen ordentlichen Schreck durch die Glieder. Smartphone weg! Ecuador reloadet, verdammte Scheiße, so blöd kann man doch nicht sein! Also Klamotten gerafft und wieder raus. An jedem verdammten Flecken im Terminal gefragt, wo ich mich aufgehalten hatte. Fehlanzeige. Mir fehlte auch die Erinnerung, wann ich den Knochen zuletzt in der Hand hatte. Als ich schon aufgeben und den Bus sausen lassen wollte, um in Ruhe nach dem Ding zu fahnden, fiel mir ein Geräusch ein, das ich wahrgenommen hatte, als ich mich in den Sitz warf. Also wieder rein ins Stangen-Taxi und da schaute es mich dann ganz unschuldig an, eingeklemmt zwischen Sitz und Buswand. War mir schlicht nur aus der Hosentasche gerutscht. Himmel, so ne Aufregung kann ich im Alter nicht mehr brauchen. Zweieinhalb Stunden später Ankunft in Lumut, kurz vor 14 Uhr. Zum Anleger sind es nur 300 Meter, die nächste Fähre nach Pulau Pangkor war für 14:30 Uhr angeschlagen. 14 Malayen-Dinger kostet das Ticket in dem die Rückfahrt direkt mit drin ist.
Gute 40 Minuten später legten wir auf der Insel an. Mit auf dem Boot war eine Tante im Traveller-Outfit, fortgeschrittenes Alter. Also in etwa so alt wie ich. MUAHAHA. Karin aus Kiel. Unser Zielort war derselbe, nämlich Teluk Nipah auf der anderen Seite des Eilands, der Ort mit der am ehesten auf Touristen ausgelegten Infrastruktur ohne dabei zu touristisch zu sein. Überhaupt ist Pangkor eher noch unentdeckt und etwas abseits der Touri-Ströme gelegen. Den Ottonormal-Touri-Dödel zieht es ja eher nach Langkawi und Co. Wir teilten uns also ein Taxi. Karin war bereits seit Oktober durch die Weltgeschichte unterwegs und hob sich bis auf die Optik angenehm vom Traveller-Affen-Volk ab. Wirkte recht clever und man konnte sogar eine vernünftige Unterhaltung mit ihr führen. Meine Unterkunft war das Nipah-Guesthouse, eine feine, kleine und gepflegte Anlage mit verschiedenen Behausungen. Ich hatte mich für eine kleine Hütte mit eigenem Bad entschieden. Die Besitzer waren Weltklasse und gaben einem das Gefühl, wirklich willkommen zu sein. Die Wahl stellte sich als Volltreffer heraus. Nicht lang rum eiern, ab zum Strand. Die Coral-Bay war das Ziel, fußläufig in zehn Minuten zu erreichen. Kaum jemand dort, so wie ich es erwartet hatte. Wassertemperatur ungefähr Badewanne, nicht wirklich erfrischend, aber doch entspannend. Als ich auf dem Handtuch dann was zu Lesen in die Hand nahm, die Sonnenbrille absetzte und die normale Brille aus dem Etui nehmen wollte, war das Mistvieh nicht da. Hatte ich wohl auf dem Bett liegen lassen, als ich mir mein hübsches Gesichtchen eingecremt hatte. Irgendwann zurück in der Unterkunft war die Dämels-Brille aber nicht aufzufinden. Das war heute wohl nicht mein Tag. Ich wusste, wann ich das Moped zuletzt in der Hand hatte und ab wann ich es vermisst hatte. Also lief ich den Weg dazwischen noch ein mal ab, aber die verdammte Brille war nicht zu finden. Für solche Fälle hab ich immer Ersatz dabei, aber nerven tat es mich trotzdem. Half aber nix, das Teil war wech. Erst mal zu Abend speisen, eine leckere gegrillte Goldbrasse wurde es. Aber die Brillengeschichte ließ mir keine Ruhe und ich war der Meinung, das Moped musste dort zu finden sein, wo ich mich am Strand aufgehalten hatte. Im Dunkeln noch mal dorthin und mit der Handy-Taschenlampe alles abgeleuchtet, aber nix war es. Damit war der Verlust dann akzeptiert. Und vielleicht war es genau das, was den Geistesblitz brachte. Auf dem Rückweg fiel mir ein, dass ich mich mit Betreten des Strandes gebückt hatte, um die Flippies auszuziehen. Ich konnte mich zwar nicht dran erinnern, aber ich klemme die Brille oft in den T-Shirt-Kragen, vielleicht war sie dabei raus gerutscht. Also an diese Stelle zurückgekehrt, aber nichts zu finden. Unmittelbar daneben war ein Restaurant, dort fragte ich mal nach. Die Bedienungen hatten schon Feierabend und saßen selbst beim Essen. Als ich mein Anliegen vortrug, sprangen alle auf, holten megafette Taschenlampen und suchten mit mir zusammen. Weltklasse, unfassbare Hilfsbereitschaft. Erfolg brachte das aber auch nicht, ich bedankte mich und wollte gehen. Aber einer gab keine Ruhe und fragte noch einmal genau nach. Ich erwähnte, dass sich an dieser Stelle eine Familie mit Kindern am Strand aufgehalten hatte und er meinte, vielleicht hätte diese die Brille gefunden. Er leuchtete die im Dunkeln stehenden Tische ab und da lag sie dann. Wusste gar nicht was mich mehr begeistern sollte – der Fund oder diese unglaubliche Freundlichkeit und Unterstützung. Was ich schon an Brillen verloren habe und zum Teil auch wieder gefunden habe, gibt bald Stoff für ein Buch her. Ein Minimarkt hatte noch ein paar Dosen Tiger parat und so konnte ich in der Unterkunft in einer Hängematte liegend die Reunion mit der Brille noch gebührend feiern.
Um halb acht stand ich auf. Self-cooked breakfast war angesagt. Alles was man brauchte wurde gestellt und dann konnte man sich nach Lust und Laune austoben, keine schlechte Sache. Gepäck in den Gepäckraum und dann nebenan einen Roller gemietet, um die Insel noch ein bisschen zu erkunden. War vorher noch nie mit so nem Ding gefahren, aber so ein Automatik-Teil sollte ja nicht die große Herausforderung darstellen. Gleichgewichtsgefühl hat man ja vom Radfahren. So war es dann auch. Die wenigen Straßen der Insel sind leer, lediglich im Hauptort Pekan wird es ein wenig busy. Ein Hindu-Tempel und die schwimmende Moschee waren die Ziele. Nach dem ich mir den Tempel angeschaut hatte und die Höllen-Maschine wieder bestieg, musste ich in einer engen Kurve wenden. Dabei rutschte ich mit dem abstützenden Fuß weg, riss dabei versehentlich am Gas und hüpfte, mich irgendwie auf dem Roller haltend, auf den Tempel zu, brachte das Viech aber zum Glück nach einigen Metern zum stehen. Alter Vadder, ich hab mich schon auf Shivas Schoß gesehen, da wäre mir die Titelseite der Insel-News aber mal sicher gewesen.
Auf dem Rückweg hielt ich noch an einem Strand, der Himmel verdunkelte sich dann, es begann ein wenig zu tröpfeln und ich dachte mir so, ich warte das mal ab. Aus Tropfen wurde ein gestandener Regen, daraus ein ausgewachsener Wolkenbruch. Ein kleiner Aussichtsturm bot Schutz. Und es wollte nicht aufhören, was deutlich im Widerspruch dazu stand, dass ich die Fähre um 13 Uhr erreichen wollte. Ein paar Arbeiter hatten sich unter nahen Bäumen untergestellt. Rüber gespurtet und mal nachgefragt, ob ich einen von diesen gelben Müllsäcken haben könne. Konnte ich und daraus ließ sich dann ein wunderbarer Regenponcho basteln. Terima Kasih! So gelangte ich halbwegs trocken zurück zum Vermieter. Taxi zum Anleger, Fähre pünktlich und der 14 Uhr-Bus nach Kuala Lumpur auch, wo ich um kurz nach sechs ankam. Theoretisch wäre heute Fußball bei Felda United in Bandar Tun Razak möglich gewesen, 140 Kilometer östlich von Kuala Lumpur, aber das hätte viel Aufwand bedeutet und mir war nicht nach Aufwand. Herr Grab fuhr mich zu erwählten Unterkunft, den Expressionz-Suites. Das sind zwei benachbarte 48-stöckige Türme, in denen einige kleine Apartments vermietet werden. Mit 47 Euro nicht ganz günstig, dafür hatte ich aus meiner Suite in der 35. Etage eine traumhafte Aussicht auf die Skyline von KL. Im obersten Stockwerk gibt es ein Pooldeck, von wo die Aussicht noch ein wenig besser war. Ich holte nur noch was zu essen und ein paar Dosen Tiger und verzog mich in das Luxus-Apartment, das keine Wünsche offen ließ. Man muss auch mal gönnen können. Vor allem sich selbst.
Ausschlafen war dann am Samstag angesagt. Dann stand zuerst der Hotel-Wechsel an, denn die Suite war leider nur für eine Nacht frei. Ab ins City-Comfort-Hotel, das auch keine Wünsche offen ließ. Das nächste Ziel waren die Petronas Twin Towers und als ich so aus dem Hotel trat und um die Ecke bog, blieb mir fast die Spucke weg. Kommt doch ein Typ mit einem RWE-Trainingsshirt auf mich zu. Der bemerkte natürlich, wie blöd ich ihn anstarrte, und blieb verunsichert stehen. War letztlich ein Schiedsrichter aus Düsseldorf, der die U19 einige Male gepfiffen und irgendwann dieses Shirt als Aufmerksamkeit erhalten hatte. Für Anhänger der Kommerz-Unternehmen aus München und Dortmund wäre diese Begegnung mit dem eigenen Club-Wappen nicht besonders ungewöhnlich gewesen, aber wenn einem als Fan eines durchschnittlichen Regionalligisten auf der anderen Seite des Erdballs ein Shirt des eigenen Gurkenvereins entgegen kommt, ist das schon ein Stück weit skurril. Für die Twin Towers hatte ich mir also ein Ticket gebucht. Ich schaue ja gern von oben auf die Welt, daher konnte ich mir den Blick aus 450 Metern Höhe nicht entgehen lassen. In ein paar Jahren ist das in KL noch aus deutlich größerer Höhe möglich, denn dann wird der PNB-Tower mit 650 Metern als höchstes Gebäude der Stadt und zweithöchstes der Welt fertig gestellt sein. Aber auch von den Türmen mit der Edelstahl-Fassade, dem höchsten Doppelgebäude der Welt, ist die Sicht auf die 8 Mio-Einwohner-Metropole schon gewaltig. Als mich der Erdboden wieder hatte, war es – wie könnte es anders sein – ein Grab, dass mich zum nächsten Ziel brachte, dem Merdeka-Platz. Es ist aber auch zu einfach und zu günstig mit der Grab-App. Da ist zumindest für die kurzen Strecken jeder ÖPNV-Aufwand einfach zu hoch. Am Merdeka, dem Ort an dem 1957 die Unabhängigkeit Malaysias von Großbritannien ausgerufen wurde, stehen einige historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Nur wenige hundert Meter sind es nach Chinatown, wo ich mich einmal durchtreiben ließ.
Rumgelatscht war ich nun schon wieder genug, daher machte ich mich zum Hotel auf, das fußläufig erreichbar war. Auf dem Weg dorthin die Klamotten aus der Wäscherei geholt, die ich morgens abgegeben hatte. Dafür musste der indische Waschbär erst einmal geweckt werden, indem die Metall-Rollläden massiv mit den Fäusten bearbeitet wurden. Im Hotel knallte ich mich ein Stündchen auf das Bett und wollte mich bis zum abendlichen Spiel auch eigentlich nicht mehr bewegen. Aber so richtig kam ich nicht zur Ruhe, also aufgerafft und mit dem Grab zum Mindef Stadium, wo ich zur Halbzeit des Drittliga-Kicks zwischen dem gastgebenden Tun Razak FC und den Gästen aus Kuching eintraf. Und dann war doch tatsächlich die Groundhopping-Polizei anwesend, die mich aber nur musterte und zum Glück nicht anlaberte. Wieder mal Schwein gehabt. Aber auch Latte. In die Statistik hält ein halbes Spiel eh keinen Einzug, ein paar Bilder will ich Euch aber trotzdem gönnen. Kuching – das liegt auf Borneo, schöne Anreise für ein Spiel der Amateur-Liga – führte bereits mit drei Toren und legte direkt nach Wiederanpfiff Treffer Nummer vier nach, so dass man Schlimmes für die Gastgeber befürchten musste. Diese besannen sich aber und taten etwas für die Ehre. In den Schlussminuten geriet Kuching sogar noch gewaltig unter Druck und ließ einige dicke Chancen für die Gastgeber zu, so dass der Ausgleich sogar möglich gewesen wäre.

Mittwoch, 24.04.2019, 20:45

malaysia

Johor Darul Ta’zim FC vs Shandong Luneng Taishan FC 0:1

Tan Sri Dato‘ Haji Hassan Yunos Stadium, 13.960 Zuschauer, AFC Champions League

190424johor-luneng

Und zwar um viertel vor sechs. Kurzes Frühstück, Moped-Maxe zum Gambir und Damri-Bus brachte mich wieder zuverlässig zum Airport, wo ich dann zwei Stunden vor Abflug eintraf. Scoot sollte heute mein Carrier sein, die Lowcost-Sparte der Singapore Airlines. Die kleine verhüllte Scoot-Puppe bot mir freiwillig den Platz am Notausgang an, nimmt man ja gern. Um viertel vor zehn Ortszeit ging es los und Indonesien war schon wieder vorbei ohne dass ich Indonesien wirklich besucht habe, denn ein 40 Stunden-Aufenthalt in Jakarta steht wohl kaum stellvertretend dafür. Ist ja bekanntermaßen auch nicht meine Philosophie vom Groundhopping, zumindest nicht, sobald es aus unserem Kontinent hinaus geht. Die Länderpunkt-Fetischisten mögen das anders sehen, bei denen steht halt im Fokus irgendwann hinter die gesamte Welt einen Haken machen zu können. Natürlich freue auch ich mich über jedes Land, dass ich in meiner Statistik führen darf, aber das genießt halt keine Priorität und die Welt komplett mache ich eh nicht, dafür gibt es auch zu viele Ziele, die mich einfach überhaupt nicht interessieren. Der Persija-Kick passte aber perfekt in die Tour und da Jakarta von Malaysia aus stressfrei zu erreichen ist, war dieser Ausflug beinahe zwangsläufig. Mit Indonesien bin ich auch sicher noch nicht fertig, das stand eh schon vor der Tour-Planung fest. Dieses riesige Land hat für mich noch einiges zu bieten und auch an Stadien und Szenen gibt es da noch genügend Potential, daher werde ich mich irgendwann eh noch einmal her begeben und deutlich mehr Zeit investieren. Auf dieser Reise lag der Fokus aber eben auf Malaysia und zwei Stunden später setzten wir pünktlich um 12:45 Uhr Ortszeit auf dem Changi-Airport in Singapur auf. Die Einreise dauerte zähe und nervige 45 Minuten und dann wieder MRT. Mit dreimaligem Umstieg ging es wieder zur Kranji-Station. Dann wieder Bus, das schon bekannte Spiel. Auch dieses Mal war wieder nix los, macht natürlich Sinn außerhalb der Stoßzeiten den Übertritt anzustrengen. Am Larkin-Terminal endete dann die Reise, denn mein Hotel lag taktisch klug gewählt nur 200 Meter davon entfernt. War eine recht einfache Bude, aber für eine kurze Nacht war das okay. Der Orientierungs-Spaziergang konnte nur zum nahen Stadion führen. Dort schon mal ein Ticket geholt – Champions League für 10 Ringgit, also 2,15 Euro – fast wie in Europa…  Die Bude umrundet und ein paar Fotos geschossen. Machte erst mal einen ordentlichen Eindruck. Dann zurück zum Hotel, in dieser Affenhitze hält man es ja kaum aus. Wobei die Hitze gar nicht unbedingt das Problem ist, sondern diese unsägliche Feuchtigkeit, die in der Luft hängt.
Gegen 19 Uhr machte ich mich wieder auf, ein kurzes Abendmahl auf der Fan-Meile, zwei Tiger aus dem Supermarkt, die ich vorm Stadion schlürfte, und dann rein in das Rund. Ist ein bisschen absurd in Malaysia. Bier gibt es nicht überall zu kaufen, es ist ja schließlich ein mehrheitlich muslimischer Staat. Ich hatte auch eine Situation, in der in einem 7Eleven der Kassen-Muslim extra einen Gummi-Handschuh anzog, um den bösen Alkohol in die allgegenwärtige Plastiktüte zu packen ohne die Flasche direkt berühren zu müssen. Machen hier also mit dem Verkauf ein ziemliches Theater. Wo und wann sich man das Zeug dann aber in den Suffkopp rein schüttet, ist wiederum völlig egal, das stört keinen. Das Tan Sri Dato‘ Haji Hassan Yunos Stadium oder kurz Larkin Stadium ist ein rundherum zweirangiges Stadion mit überdachter Haupttribüne und einem Fassungsvermögen von 30000 Zuschauern. Über die Kurve von Johor hatte ich nur Gutes gehört, soll mit das Beste in Asien sein, in Malaysia sowieso. Gab auch neunzig Minuten gut was zu hören, auch wenn das Repertoire nur aus sieben oder acht Liedern besteht. Untermalt von einem stattlichen Trommel-Orchester und mit annähernd einhundert Prozent Mitmach-Quote taugt das aber mal richtig.  Auch eine Choreo wurde als Intro präsentiert – mit Animations-Star Kung Fu-Panda als zentralem Bild, der von der in ein Johor-Dress gekleideten Tigress ordentlich in den Allerwertesten getreten wird. Die Botschaft war klar, der Tiger, Wappentier Malaysias, versohlt den Panda, als Synonym für die chinesischen Gäste, nach allen Regeln der Kunst. Sollte auf dem Rasen aber anders kommen.
Aus China hatten zu diesem Gruppenspiel der asiatischen Champions League gut 400 Leute rüber gemacht, von denen man allerdings munkelte, dass es eine bezahlte Support-Gruppe war. Wundern würde es mich nicht, ist mir aber auch egal. Shandong Luneng aus Jinan hatte ich im Vorjahr auf der China/Nordkorea-Tour gesehen und die Kurve als bestbeflaggte bei den vier besuchten Spielen in Erinnerung. Immerhin einen schönen Lappen hatten sie mitgebracht, hatten aber gegen die Stimmgewalt der Johor-Kurve nicht den Furz einer Chance. Auf dem Platz sah das wie schon angedeutet anders aus, denn der malaysische Serien-Meister der letzten Jahre bekam von den deutlich besser ausgebildeten und durch Legionäre verstärkten Jungs aus dem Reich der Mitte – der belgische Topstar Fellaini kickt hier mittlerweile, wie ich feststellen musste – klar die Grenzen aufgezeigt. Allein Kampf und Wille reichten nicht aus, um die Punkte in Johor zu behalten, aber immerhin konnten sie die Partie dadurch relativ offen gestalten, nur Torchancen konnten kaum erarbeitet werden. Daher endete das Spiel mit dem minimalsten Sieg-Ergebnis verdient für die Gäste. Nach dem Abpfiff musste ich noch für einige Selfies herhalten, denn rundäugige Bleichgesichter verirren sich wohl doch nicht so oft hierher, und dann ging es ab ins Bett.

Dienstag, 23.04.2019, 15:30

indonesien

Persija Jakarta vs Ceres-Negros FC 2:3

Stadion Gelora Bunk Karno, 26.923 Zuschauer, AFC Cup

190423persija-ceres

Da ich um viertel vor sieben wieder raus musste. Zu Fuß zum Busbahnhof und der Starmart-Express brachte mich wie prognostiziert in zweieinhalb Stunden zum Kuala Lumpur International Airport. Wovon ich aber nicht viel mitbekam, weil ich die komplette Fahrt verpennte. Zeit bis zum Abflug war nun noch reichlich. Dummerweise verbrachte ich die unter anderem damit, beim Inder etwas zu essen. Leck die Ziege, war das scharf. Was stimmt mit diesen Menschen nicht? Ich esse ja gerne spicy, aber irgendwo gibt es eine Grenze, dann ist es einfach nicht mehr lecker, sondern brennt einem einfach nur noch alles weg. Irgendwann schwollen Lippen und Gaumen aber wieder ab und ich erklärte mich für flugfähig. AirAsia übernahm die Aufgabe, mich unaufgeregt in knapp zwei Stunden nach Jakarta zu fliegen. Mit Damri-Bus fuhr ich zur Gambir-Station, dem zentralen Bahnhof von Jakarta unmittelbar neben dem Nationaldenkmal Indonesiens. 40000 Rupiah kostet der 60minütige Bus-Trip, 10000 sind gut 60 Euro-Cent. Auf Schusters Rappen legte ich die knapp eineinhalb Kilometer zum Ashley-Hotel zurück. Mit dem Ding landete ich einen Treffer. Guter Standard mit Frühstück für zwei Nächte kosteten insgesamt 66 Euro. Mittlerweile war es beinahe 18 Uhr Ortszeit. Ein Appetit-Gefühl meldete sich. Ein Nasi-Goreng-Straßengrill bekam den Zuschlag. Das haben sie ja drauf hier, schmeckte wieder vorzüglich. Mit Getränk für gerade mal 35000, also 2,10 Euro. Mit dem Bier-Genuss ist es in diesem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit nicht ganz so einfach. Gibt es nicht überall und wenn, dann oft zu einem recht hohen Kurs. Auf dem Weg vom Gambir zum Hotel war ich aber durch das Backpacker-Viertel gelaufen und dort wurde ausgeschenkt. Damit war das Ziel klar. Das 0,64L-Bintang-Gebinde gab es für 46000, kein Schnäppchen, aber der Durst… Auf der Facebook-Seite von Persija Jakarta hatte ich gelesen, dass es nur einen Online-Verkauf für die morgige Partie geben sollte. Zwar gibt es ja immer noch die Back up-Lösung, aber ich bat den Rezeptions-Mokel mal zu checken wie es damit aussieht. Doch dessen Info war nur, dass er die Partie im System zwar anwählen, aber keine Plätze auswählen kann. Dachte ich mir aber nix weiter bei.
Gegen 9 Uhr wurde ich wach. Das Frühstück im Asia-Style ist ja eher nicht so mein Ding. Warme asiatische Gerichte bekomme ich morgens nicht durch den Schlund. Warum das in England mit Würstchen, Speck und Co funktioniert, kann ich nicht wirklich begründen. Als ich so die etwas magere Website von Persija Jakarta durchscrollte, blieb ich an einer Meldung hängen, die mir komisch vorkam. Das, was der Google-Übersetzer rausschmiss, reichte um zu verstehen, dass die Polizei eine Zuschauersperre erwirkt hatte. Einen Tag vor dem Spiel! Kann mal machen. Damit erschloss sich auch, warum online keine Tickets mehr für die Partie gewählt werden konnten. Ich blieb aber erstaunlich ruhig. Ich sehe es ja so, dass mich Dinge, die ich nicht ändern kann, eigentlich nicht mehr aufregen, wenn es sich nicht grad um eine Vollkatastrophe handelt. Ja ich weiß – für viele wäre ein Zuschauerausschluss im einzig besuchbaren Spiel die Vollkatastrophe. Aber was hilft es. Einfach abhaken. Für die erste Tageshälfte stand eine kleine Jakarta-Erkundung an. 10 Mio Menschen leben in der Stadt, in der Metropol-Region sind es wahnsinnige 25 Mio. Und diese bekommen ein großes Problem, denn Jakarta versinkt im Meer, wie ich im letzten Jahr in einem Bericht im Spiegel gelesen habe. Bis zu 25 Zentimeter jährlich(!) sacken manche Teile der Stadt ab, die schon bis zu vier Metern unter dem Meeresspiegel liegen. Und die Schuld dafür trägt die Stadtverwaltung, die für einen großen Teil der Bewohner keine ausreichende Infrastruktur geschaffen hat. Es fehlt an Zugang zu Leitungswasser, weshalb tausende illegale Brunnen gebohrt wurden. Der Boden unter der Stadt wird also quasi wie durch Strohhalme leer gesogen, verdichtet sich, trocknet aus und sackt zusammen. Und da die Stadt annähernd zu betoniert ist, kann der viele Regen nicht im Boden versickern und den Grundwasserspiegel ausgleichen, sondern fließt ins Meer ab. Wissenschaftliche Untersuchungen geben der Stadt nur noch wenige Jahre Zeit, um Maßnahmen zu treffen. Eine davon soll der Bau eines riesigen Deiches sein, womit aber die Ursache ja nicht bekämpft wird. Die Angst vor der Entwicklung führt sogar dazu, dass potentielle Kandidaten als neue Hauptstadt geprüft werden, falls Jakarta nicht zu retten ist. Nebenbei hat Jakarta ein riesiges Abwasserproblem, da auch hier das Kanalnetz nicht im Ansatz ausreicht und Abwasser ungereinigt in die Wasserläufe und dann ins Meer gelangt. Bleibt letztlich noch die Luftverschmutzung. Stau ist in Jakarta nahezu immer und die Feinstaub-Belastung eklatant, das kann man auf der Zunge schmecken und wenn man sich mal die Nase mit dem Taschentuch reinigt, weiß man spätestens Bescheid. Ich habe die Stadt als interessant empfunden – leben möchte ich dort aber sicherlich nicht.
Ohne Ziel lief ich los, tauchte ein in Nebenstraßen und Gassen auf der Suche nach dem echten Jakarta. Zwangsläufig kommt man dann auch mal durch Viertel, in denen man definitiv fehl am Platze ist. Ist aber in Asien ja beinahe immer unproblematisch. Man wird eigentlich nur mit Verwunderung angeschaut, erntet eher ein „Hello Mister“ als dass einem jemand ans Leder oder an die Penunsen wollen würde. Das wäre in Lateinamerika sicherlich etwas anders. Das „Hello Mister“ würde man dort vielleicht auch noch ernten, aber ernten würde auch der Grüßende. Und zwar sämtliche Wertsachen, die man bei sich trägt. Da mich der Durst übermannte – eigentlich musste man ständig Flüssigkeit oben rein kippen, weil alles sofort wieder durch die Poren nach außen drängte – blieb ich eine Cola schlürfend stehen und beobachtete das Geschehen. Ist ja ein wenig wie Live-Kino, denn ständig gibt es irgendwo eine für europäische Augen ungewohnte Szene zu entdecken. Ein Moped-Taxi musste nun her, also lief ich zum nächsten Anbieter, die ja an jeder Straßenecke auf Kundschaft warten, und offenbarte mein Ziel. Er meinte erst einmal, er hätte mich da vorn ganz allein stehen sehen. Ja gut, kommt schon mal vor, dass Leute allein irgendwo rumstehen. Aber er war ganz okay, der kleine Indonesier, und verschätzte sich völlig bei der Benennung des Fahrpreises von 15.000 Rupiah zur großen Istiqlal-Moschee. Als ich nach Ankunft dann ein wenig aufrundete, übermannte ihn der Stolz und er lehnte ab. Konnte ihm dann aber doch noch ein paar Rupiah-Dinger mehr aufzwingen. Die Moschee ist die größte in Südostasien und bietet 120.000 Muslimen Platz. Schon ein mächtiger Bau, der aber eher durch die Dimensionen als durch Schönheit besticht. Als Kuffar darf man überall rumschnüffeln, außer im großen Gebetssaal, den man nur vom oberen Umlauf betrachten darf, sofern man die Schuhe auszieht und sich so nen komischen Büßer-Kittel überwirft, der kostenlos gestellt wird. Direkt gegenüber der Moschee ist die katholische Kathedrale. Christus und Mohammed stehen sich also in Rufweite gegenüber. Von dort lief ich zum Gambir und engagierte wieder einen Moped-Fuzzi, der mich zum Hotel brachte.
Kurz unter die Dusche und wieder los. Transjakarta beförderte mich in den Süden der Stadt. Das ist ein Schnellbus-System, das autark vom übrigen Verkehr auf eigenen Busspuren verläuft – ähnliche Systeme sind aus Lateinamerika bekannt. Etwas mehr als eine Stunde vor dem Spiel sprang ich am Stadion Gelora Bung Karno aus dem Bus. Einige Jugendliche fuhren mit Schals und Fahnen behangen auf Mopeds herum, auch einige mit Fahnen geschmückte Busse mit Persija-Fans waren zu sehen. Hatten wohl von der Zuschauer-Sperre noch gar nichts gehört oder wollten ihr Glück einfach mal versuchen. Die magische Plastikkarte ebnete mir den Weg an den ersten beiden Polizei-Sperren. Das Gelände um das Stadion, von den Einheimischen kurz GBK genannt, ist ja riesengroß. Als ich dann so langsam gelangweilt dem eigentlichen Stadion-Terrain entgegen schlurfte, sah ich wie die Fans ins Stadion strömten. Die Zuschauersperre war tatsächlich keine zwei Stunden vor dem Anstoß wieder aufgehoben worden! Grund für die Sperre war übrigens die Präsidentschaftswahl, die einige Tage zuvor stattgefunden hatte. Die Staatsmacht hatte Sorge, dass die Leute noch zu emotional seien und sich ans Leder wollen. Super Plan! 24 Stunden vor einem Spiel einen Zuschauerausschluss auszurufen beruhigt die Gemüter sicherlich ungemein!
Also rein in die mächtige Bude. Zwei durchweg geschlossene, rundherum überdachte Ränge umschließen das Spielfeld mit Laufbahn und bieten 80000 Zuschauern Platz. Knapp 27000 sollten es noch werden, trotz der sehr kurzfristigen Freigabe. Gäste von den Philippinen waren nicht auszumachen. Bis letztendlich alle drin waren, dauerte es beinahe bis zur Halbzeit. Beide Kurven waren dann rappelvoll und in beiden Kurven befanden sich auch die aktiven Gruppen. Die Curva Nord machte dabei den etwas geschlosseneren Eindruck. Ich weiß nicht, wie sie es so kurzfristig hin bekommen haben, aber beide Kurven zauberten je eine Choreo hervor. Kann eigentlich nur alles schon vorbereitet worden sein, bevor die Sperre ausgerufen wurde. Die Curva Nord hatte sogar eine Wende-Choreo am Start. Zunächst waren nur weiße Pappen zu sehen, die dann nach Wendung einen Schriftzug ergaben, der aus meiner Perspektive nicht zu identifizieren war. Ständiges Anheben und Absenken ergab dann noch zusätzlich einen schönen Effekt. Die andere Kurve präsentierte ihre Vorführung erst zur zweiten Hälfte. Auch hier wurde ein für mich nicht zu identifizierender Schriftzug erzeugt und mittig ein großes Transparent hochgezogen, das eine Kreatur darstellte, die ich am ehesten als Alien oder riesiges außerirdisches Insekt interpretierte. Beide Kurven geizten auch nicht mit lautstarken Gesängen, das war hier alles schon tiptop – guter Sound! Vor allem, wenn man bedenkt, wie knapp der Schalter erst wieder umgelegt werden konnte. Einer torlosen ersten Spielhälfte ohne besondere Aufreger, folgte dann ein wahres Feuerwerk. Persija ging durch zwei schnelle Tore nach Wiederanpfiff verdient in Führung und hatte die Geschichte unter Kontrolle, brach aber dann mit dem Anschlusstreffer zwanzig Minuten vor Ende völlig zusammen. Unerklärlich, aber es spielten plötzlich nur noch die Gäste, die fünf Minuten vor Schluss ausglichen und in der Schlussminute auf Sieg stellten. Bei Ceres sind einige Doppelstaatler im Kader, bei denen ein Elternteil philippinischer Abstammung ist. Man verfolgt offenbar die Strategie, das Team durch international erfahrene Spieler zu verstärken ohne dabei irgendwelche Kontingent-Plätze zu verschwenden. So spielt dort unter anderem Stephan Schröck, der ja schon für die glorreiche TSG und die Eintracht in der Bundesliga vor den Ball getreten hat. Auch weitere Spieler, die in Deutschland auf zweit- bis viertklassiger Ebene gekickt haben und Leute aus der Schweiz spielen dort. Zudem sind diese auch in der philippinischen Nationalelf aktiv. So waren Schröck als Vorbereiter und der ehemalige Nürnberger Ott als Last Minute-Torschütze auch maßgeblich für den heutigen Auswärtserfolg verantwortlich.
Da der Kick ja schon nachmittags über die Bühne ging, bestand nun kein Grund zur Eile. In aller Ruhe ging es mit dem Transjakarta zurück und in die Nasi-Goreng-Bude meines Vertrauens – die Wiedersehensfreude ist nicht in Worte zu fassen. Beinahe wären Tränen geflossen. Dann musste ich mal die Sachen aus der Wäscherei abholen, die ich am Vormittag abgegeben hatte. Als ich dort mein Anliegen vorgebracht hatte, die Klamotten abends schon zurück haben zu müssen, machte der Waschbär ein ernstes Gesicht und stammelte was von Express-Service. Wäre teurer, da bräuchte er schon 50000 Rupiah… also drei Euro. Mein Gott, ja mach doch. Nächste Aufgabe: Bierdurst löschen. Dazu ging es wieder in die Schmierbude vom Vorabend, dort wusste man, was der weiße Mann braucht. Zwei Röhren sollten heut reichen, denn am nächsten Morgen krähte der Hahn wieder früher.

Sonntag, 21.04.2019, 21:00

malaysia

Melaka United SA vs Kedah FA 1:0

Hang Jebat Stadium, 7.000 Zuschauer, Liga Super Malaysia

190421melaka-kedah

8 Uhr schellte der Wecker. Bis ich aber mal los kam, war es beinahe halb zehn. Zu Fuß zur Metro, mit dieser gute 45 Minuten gen Norden bis zur Station Kranji. Dort in den grenzüberschreitenden Bus Nummer 170. Dieser fährt für 1,70 S-Dollar bis zum Bus-Terminal Larkin in Johor, der Grenzstadt auf malaysischer Seite. Funktioniert so… am Woodlands-Checkpoint springt man auf singapurischer Seite raus aus dem Bus für die Ausreise. Dort ging es schnell, in einer Minute war ich durch. Dann nimmt man den nächsten Bus, kann derselbe sein wie vorher, muss aber nicht, denn es kann auch alles mal länger dauern. Die Dinger fahren alle paar Minuten, man kann jeden x-beliebigen Bus der Linie nehmen. Über die Brücke mit Namen Johor-Causeway geht es auf die malaysische Seite. Dort dann dasselbe Spiel. Übrigens einer der meist frequentierten Grenzposten der Welt, da viele Malaysier in Singapur arbeiten und täglich pendeln. Daher hatte ich hier auch ne gute Stunde einkalkuliert. De facto war aber gar nix los und nach fünf Minuten saß ich schon wieder im Bus. Am Larkin-Terminal zunächst mit einheimischer Währung (10 Ringgit sind 2,15 Euro) und einer SIM-Card versorgt und dann den nächsten Bus nach Melaka geentert. Die besseren Busse sind im Südamerika-Style ausgestattet (oder sind die südamerikanischen Busse im Südostasien-Style ausgestattet? – man weiß es nicht), bedeutet nur drei tief nach hinten klappbare Sitze pro Reihe mit viel Beinfreiheit. Die gut zweieinhalb Stunden und 200 Kilometer kosteten in diesem Gefährt unverschämte 20 Ringgit, also 4,30 Euro.
Damit traf ich schon um 15 Uhr am Melaka-Sentral ein. Dort direkt das Ticket für den nächsten Tag klar gemacht. Die bekannte Info war eine Fahrtdauer von circa zwei Stunden zum KLIA, Kuala Lumpur International Airport, aber ich wollte das vorsichtshalber bestätigt haben. Daher mal den Schmierlappen am Info-Schalter gefragt und der antwortete allen Ernstes „Five hours“ und selbst dieses „depends on the traffic“. Is klar Mister, ab zum Ticketschalter, der Kumpel dort wirkte auch etwas heller in der Rübe und meinte, zwei Stunden sollten klar gehen, maximal zweieinhalb. Keine fünfzehn Minuten Fußweg später checkte ich im JW-Boutique-Hotel ein. Hört sich gut an, aber Nomen ist nicht immer Omen. Aber es war alles da, was man braucht, Bett und eigenes Bad mit Handtüchern, ein wenig mangelte es an Sauberkeit, aber das ist ja so ein Südostasien-Fetisch, sauber ist da eben nicht immer sauber. In der Regel findet man selbst in den besser aufgestellten Hotels immer das eine oder andere Haar. Auch bei der Bettwäsche bin ich mit nicht immer sicher, ob ich wirklich der erste bin, der sich da rein schmeißt, aber okay. Ich werde halt im Alter etwas anspruchsvoller. Die Butze war unter dem Strich okay, noch weniger Komfort kann ich aber auch nicht mehr vertragen. Wenn ich daran denke, in was für Löchern ich früher gehaust habe, kann ich mich über meine heutige Bequemlichkeit nur wundern. Für 19 Euro ging das jedenfalls klar. Ein Stündchen ausgeruht, dann wurden wieder die Schuhe geschnürt. Eine gute halbe Stunde Fußweg waren es ins historische Zentrum. Melaka stand mal unter holländischer Knute, daher sind Straßen- und Gebäudenamen dort entsprechend benannt. Das Stadhuys, das Rathaus, entspricht 1:1 dem in Hoorn am Ijsselmeer. Dann noch nen Tempel angeschaut und ab auf den Jonker-Walk, der sich zum späten Nachmittag in eine Fressmeile verwandelt. Da kam ich ja grad recht.
Drei Spieße schwerer, war es dann an der Zeit die Grab-App (natürlich von „to grab“ angelehnt) zu testen. Funktioniert genau wie Uber. Innerhalb von fünf Minuten saß ich in einem Fahrzeug mit Zielvorgabe Hang Jebat Stadium. Der Fahrer-Mokel fragte allen Ernstes, warum ich da hin wollte. Hm, mal überlegen, Fußball vielleicht? Der Ground liegt weit außerhalb der Stadt, die Fahrt für 19 Ringgit, vier Euro, dauerte eine halbe Stunde. Etwas mehr als eine Stunde vor Kick off traf ich ein. Viel war noch nicht los, mit mehr als 5-8tsd Zuschauern rechnete ich auch nicht. Vor der Haupttribüne trafen sich zwei Fangruppen, die sich sangesmäßig einstimmten und dann in ihre Kurven zogen. Also ging ich auch rein und joa – fettes, feines Teil musste ich anerkennend feststellen. Stadion mit Laufbahn, ein durchgehender Unterrang und Haupt- und Gegentribüne mit einem großen Oberrang und jeweils noch einem kleinen Dachgeschoss. Die Haupttribüne ist komplett durch ein gewölbtes Dach geschützt. Sehr schickes Stadion. In den Kurven hatten sich die beiden Ultra-Gruppen von circa je 50 Leuten niedergelassen und es ging mir erst einmal auf den Sack, dass zwei recht überschaubare Gruppen es nicht hin bekamen, sich zu vereinen. Im Verlaufe der ersten Hälfte kamen mir die jeweils gezeigten Emotionen dann aber merkwürdig vor. Aber es musste nach einer guten Stunde erst das einzige Tor des Tages fallen, bis ich schnallte, dass eine der Kurven von den Gästen bevölkert wurde. Hätte mir zwar auffallen dürfen, da bei genauem Hinsehen die einen in grün-weiß und die anderen in grün-gelb gehüllt waren, aber bei weiß gegen rot auf dem Rasen kam ich nicht auf die Idee. Kedah ist in Alor Setar beheimatet, immerhin 500 Kilometer entfernt, an der Grenze zu Thailand, da hatte ich mit Gästen gar nicht gerechnet. Eine gesamte Kurve gehörte Kedah, dort befanden sich etwa 750 Leute, aber es waren vermutlich auch genug Exil-Kedahner darunter. Auch noch am späten Abend war die Luftfeuchtigkeit fast unerträglich. Es wirkte fast, als ob Nebel aufgezogen wäre. Spielerisch war es typischer Asien-Kram. Die einzelnen Akteure viel zu ballverliebt und vor dem Tor wollen sie den ganz Großen raushängen lassen, was natürlich meist zum Scheitern verurteilt ist.
Gegen 23 Uhr war dann Feierabend und es ergab sich die befürchtete Situation. Der Ground ist wirklich in der Pampa. ÖPNV war Fehlanzeige und Grab meldete mir „too busy“. Nun war also wieder die klassische Nummer gefragt… Leute anquasseln und um den Lift in die Stadt bitten. Was gar nicht so einfach war, da viele Vereine in Malaysia die ganze Region repräsentieren und die Zuschauer aus dem ganzen Umland kommen. Dazu war es auf dem Parkplatz stockdunkel und es war schwierig, überhaupt etwas zu erkennen. Deshalb quatschte ich aus Versehen auch ein paar Gäste-Fans an, die mich etwas irritiert ansahen. Der zehnte oder zwölfte war dann mein Mann. Am Busbahnhof schmiss er mich raus und Kohle wollte er auch nicht. Top Typ, dafür Terima Kasih! Halb zwölf war es nun durch und wenn ich vernünftig gewesen wäre, hätte ich den kurzen Weg ins Hotel eingeschlagen. Mit Vernunft-Entscheidungen habe ich aber auch im Alter von gefühlt 75 Jahren so meine Probleme, also rief ich ein Grab und ließ mich zum Jonker-Walk bringen. Drei Guinness gönnte ich mir noch im Irish Pub, einem der wenigen Schuppen, die noch geöffnet hatten. Bis ich letztlich das Licht aus machte, war es halb zwei durch. Nicht allzu clever. Gerade erst die Zeitschikanen des Hinfluges verwunden und direkt den nächsten Schlafmangel provoziert.

Samstag, 20.04.2019, 17:30

singapur

Hougang United FC vs Geylang International FC 4:1

Jalan Besar Stadium, 400 Zuschauer, Singapore Premier League

190420hou-gey

Südostasien sollte es also werden. Wie es dazu kam ist wieder eine etwas merkwürdige Geschichte. Der Plan, dieses Ziel in Angriff zu nehmen, stammt eigentlich noch aus dem letzten Jahr. Irgendwann klopfte aber der als Partner für Fernreisen erprobte Daniel an, ob wir was zusammen machen. In Südostasien hat er aber schon alles angetischt, so dass der Fokus schnell auf Afrika lag. Durch betriebliche Veränderungen ergab sich für ihn dann aber eine etwas undurchsichtige Situation am Arbeitsplatz, so dass die Planung nur zäh voran schritt. Und an dem Tag an dem wir den auserkorenen Gabelflug dann endlich buchen wollten, waren die Preise dafür in utopische Höhen geschnellt. Da macht man erst einmal ein langes Gesicht. Zwar war noch eine Alternative möglich, aber die Zeit war fortgeschritten und die Kommunikation geriet etwas ins Stocken. Da ich aber die Osterzeit unbedingt für eine Reise nutzen wollte, um möglichst wenig Urlaubstage aufwenden zu müssen, entschied ich mich, den Asien-Plan wieder aus der Schublade hervor zu kramen, denn dorthin bekommt man ja oft auch recht kurzfristig noch halbwegs günstige Flüge. Lieferte mir dann zwar nicht ganz die erhoffte Verbindung, aber für 600 Eusen konnte der Return ab Frankfurt via Abu Dhabi nach Singapur mit Etihad über Flugladen.de geschossen werden. Nicht grad der Ultra-Schnapper auf dieser Destination, aber neun Tage vor dem Abflug sicher okay. Die verbleibenden Tage wurden genutzt, um den Reiseverlauf festzulegen und Unterkünfte zu buchen. Auch die erforderlichen Kurzstrecken-Flüge wurden gebucht, die sind ja in Asien glücklicherweise auf beinahe jeder Verbindung günstig zu bekommen, wenn man nur mit Handgepäck unterwegs ist. Ich hab es mir ja abgewöhnt mit großem Gepäck zu reisen. Die Hälfte der Brocken bringt man eh ungenutzt zurück und davon ab kann man beinahe überall in der Welt seine Sachen günstig waschen lassen. Ein paar Infos las ich mir auch noch an, aber insgesamt startete ich so unvorbereitet in den Trip wie nie zuvor.
Am Morgen konnte ich es entspannt angehen lassen, denn der Dreamliner von Etihad hob erst um viertel nach elf planmäßig mit mir ab. Um knapp sechs Stunden später in Abu Dhabi zu laden. Beide Flüge waren komplett voll, das machte vor allem den Nachtflug ja nicht grad angenehm, aber zumindest blieb ich von schreienden Kindern verschont. Pünktlich um 9 Uhr Ortszeit setzten wir auf dem Changi-Airport in der 6 Mio-Metropole Singapur auf. Die Einreise dauerte etwa 20 Minuten, dann ließ ich mir alle Zeit und machte mich mit der MRT, Mass Rapid Transit, so ist das teilweise fahrerlose Metro-System bezeichnet, ins Zentrum auf. Im Stadtteil Bencoolen lag mein Hotel. Die Metro ist zwar relativ günstig, insgesamt ist Singapur aber ein teures Pflaster. Vor allem gescheit wohnen geht ins Geld. Ich bin aber mittlerweile nur noch selten in der Lage bei der Wahl der Unterkunft Kompromisse einzugehen. Ich muss einfach halbwegs vernünftig wohnen, aus dem Dorm-Alter bin ich eh lange raus und auch einfache Einzelzimmer kann ich nur noch für kurze Nächte vertragen. Ich entschied mich für das Hotel-G für 142 Singapur-Dollar, mit gut 90 Euro damit auch schon die mit Abstand teuerste Unterkunft der Tour. Das Zimmer war um kurz vor elf noch nicht bereit, daher gab ich mein Gepäck ab, machte mich auf und lief eine große Runde mit Ziel Chinatown. Singapur hat schon gut gefallen. Besonders das berühmte Marina Bay Sands-Hotel mit seiner Pooldeck-Brücke macht ordentlich Eindruck. Von der Skybridge des Pinnacle@Duxton gönnte ich mir auch den Blick von oben, ist schon ein ziemliches Häusermeer, dieser Stadtstaat von knapp sechs Millionen Einwohnern. In einem Foodmarkt nahm ich den ersten Kontakt zum lokalen Essen auf. Das Chili-Hühnchen mit Nudeln war schon mal nicht schlecht. Und brannte später auch ein zweites Mal. Der einsetzende Regen trieb mich zum Hotel. Das extrem feuchte Klima bei über 30 Grad hüllt den Westeuropäer in eine schön klamme Hülle, daher nahm ich direkt eine Dusche. Bringen tut das nur kurzzeitig etwas, da man sofort wieder matschig ist, wenn man die klimatisierten Gebäude verlässt. Dabei ist es gar nicht unbedingt der eigene Schweiß, der einem zu schaffen macht. Viel mehr legt sich die feuchte Luft auf die Haut, als befände man sich in einem Dampfbad.
Dann mal langsam los in Richtung Jalan Besar Stadium, fußläufig vom Hotel in 20 Minuten erreichbar. Die Massen zwängten sich nicht gerade in das recht nette Stadion, aber das war auch nicht zu erwarten. Mit 400 Zuschauern wurden meine Erwartungen sogar noch übertroffen. Eine doppelstöckige Haupttribüne, mit einem langen gewölbten Dach versehen und eine ungedeckte Gegentribüne gibt es. Hinter den Toren wurde kein Ausbau errichtet. Hougang gegen Geylang – hört sich ja auch etwas kuschelig an, diese Begegnung. Besser konnte man diesen Länderpunkt wohl kaum machen, als mit solch einer brühwarmen Spielpaarung. Es wurde munter drauf los gekickt, mal sah es okay aus, mal war es eher Kreisklasse. Beide Teams konnten sich sogar über Unterstützung freuen, denn jeweils knapp 15 bis 20 Leute gaben alles für das eigene Team. Während das bei Geylang eher im Family-Style ablief, bestand der Hougang-Mob aus etwas rustikaleren Klienten. Die Gesänge waren am englischen Support-Stil angelehnt und die Hougang-Ultras waren sich auch nicht zu blöd den Schönwetter-Fans aus Geylang ein „You’re shit and you know you are“ und „Wankers“-Rufe entgegen zu schleudern. In der Halbzeit latschte ich mal zum Chinesen gegenüber, um ein Tiger-Bier zu schlürfen, worauf der Himmel sintflutartig die Schleusen öffnete. Abartig was dann in kurzer Zeit herunter kam und es war vollkommen aussichtlos, die 100 Meter zum Stadion-Eingang ohne Schwimmweste zurückzulegen. Daher verpasste ich die ersten zehn Minuten von Durchgang zwei, was die durchaus anwesende Groundhopping-Polizei aber zum Glück nicht bemerkte. Schwein gehabt. Der Kunstrasen hatte an den Wassermassen auch schwer zu schlucken und die Drainage verweigerte fortan die Mitarbeit. Weshalb sich einige witzige Situationen ergaben, wenn die Murmel mal wieder abrupt in einer Wasserlache hängen blieb. Irgendwie ging es aber zu Ende und Hougang fuhr einen verdienten wie deutlichen Sieg ein.
Den Rückweg wählte ich durch Little India. Das einzige was da indisch wirkt, waren aber die ganzen schwatten Köppe und die teilweise extremen Gerüche. Ansonsten sieht das Viertel eher aus, wie ein pakistanisch oder indisch geprägter Stadtteil Londons. Mit der MRT fuhr ich wieder nach Chinatown, da ich dort am Nachmittag aufgrund des Regens nicht viel gesehen hatte. Einmal quer durch geschlurft, stand ich plötzlich wieder vor dem Food Market. Ich hatte zwar in Little India schon gegessen, aber die Sate-Spieße beim Chinesen meines Vertrauens waren mir beim Erstbesuch schon positiv aufgefallen, deshalb wurden die direkt mal getestet. Dann ging es in einem weiten Bogen an der Marina Bay vorbei zurück zum Hotel. An der Bay gibt es abends immer eine Lichtshow, davon nahm ich noch die letzten Minuten mit. Dann ging es endgültig ab in die Federn. Der Akku war leer.

Donnerstag, 18.04.2019, 21:00

deutschland

SG Eintracht Frankfurt vs Sport Lisboa e Benfica 2:0

Waldstadion, 48.000 Zuschauer, UEFA Europa League Viertelfinale

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Prinzipiell war das schon der Start in die Tour.  Am Donnerstag-Nachmittag nahm ich die Herzdame zum Abschied in den Arm und fuhr zunächst mal in den Düsseldorfer Süden, um Eintracht-Fan Alex einzusammeln. Die Frankfurter Eintracht ist mir nicht unsympathisch und was die SGE derzeit im Europapokal auf dem Rasen  und auf den Rängen abliefert, ist sicherlich nicht verkehrt. Beflügelt durch die Europa League-Euphorie ist die Eintracht-Szene ja derzeit absolut on fire und nach meiner Meinung auf unserem Kontinent derzeit mit die beste Kurve, wenn nicht sogar ganz führend. Eine gute Show nach der anderen wird momentan ins ehemalige Waldstadion gezaubert und das Viertelfinal-Rückspiel gegen Benfica passte perfekt zu meinem Anschluss-Vorhaben. Daher wurden die bekannten Eintracht-Kontakte mal angestochen und entgegen meiner Erwartung konnte Alex mir am Tag vor dem Spiel die frohe Botschaft verkünden. Ein Hotel wurde auch noch schnell gebucht, hatte gar nicht erwartet, dass man in Frankfurt in Bahnhofsnähe so günstig übernachten kann. Wir kamen gut durch, so dass ich vor dem Spiel noch schnell einchecken und dann den Wagen im Stadtteil Niederrad abstellen konnte, wo er auch die nächsten zwei Wochen bleiben sollte. Das Hotel stellte sich dann zwar als schöne Russenbude heraus, aber der Laden ging schon klar. Am Stadion durfte ich dann von einem Fanclub-Kumpel von Alex die Karte entgegen nehmen. Ein paar Biere wurden auch noch geschlürft und dann ging es rein. Vorher verabschiedete ich mich aber, da wir Tickets für unterschiedliche Blöcke hatten – Alex zog es in die Kurve, mich an den Rand der Haupttribüne. Das Intro traf dann meine Erwartung. UF97 hatte wieder eine schöne Choreo im kompletten Stadion aufgezogen. Kleine Fähnchen in den Vereinsfarben und mit dem Wappen waren verteilt worden. Auf der Gegentribüne ergab das den Schriftzug „Eintracht vom Main“, untermalt von zwei Spruchbändern „Nur Du sollst heute siegen, weil wir Dich alle lieben“. In der Kurve prangte ein überdimensionaler Wimpel, auf dem der UEFA-Pokal abgebildet war und auf  dem Übergang von Ober- zu Unterrang war ein riesiges Banner „Im Herzen von Europa“ aufgezogen worden. Sah schon top aus. Support zu Beginn und eigentlich auch das ganze Spiel über bärenstark. Einige kleine Durststrecken gab es, die aber nicht der Rede wert waren. Das Gästekontingent war von Benfica komplett genutzt worden. Der halbe Unterrang war aktiv dabei, hatte aber akustisch keine Chance gegen die Armee in der Nordkurve. Die Eintracht nahm sich die Aufforderung aus der Choreo zu Herzen und siegte in einem packenden Spiel exakt mit dem für den Halbfinal-Einzug notwendigen Resultat. Die Jubel-Szenen nach dem Spiel waren schon eines Final-Siegs würdig. Ein unüberlegter Affekt-Platzsturm durch die Ultras konnte durch klug handelnde Ordner noch soeben abgewendet werden. Eilig hatte ich es nicht, also lief ich, wie gekommen, zum S-Bahnhof Niederrad zurück und fuhr eine Station bis zum Hauptbahnhof. Mit einem Verteidigungsbier in der Hand ging es dann aber direkt zum Hotel.

Sonntag, 14.04.2019, 14:00

deutschland

SSV Buer 07/28 vs VfL Kemminghausen 3:1

Stadion Löchterheide, 112 Zuschauer, Landesliga Westfalen Staffel 3

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Heute nur Nahverkehr, da ich etwas kränklich war und keinen Nerv auf lange Anreisen hatte. Die Wahl fiel auf die ‚Löchterheide‘ in der verbotenen Stadt. Da aber die Rasen-Ansetzung nicht immer zu stimmen scheint, wurde etwas Zeitpuffer eingebaut, um notfalls noch ausweichen zu können. Beim Eintreffen machten sich die Mannen aber auf dem Rasen warm – passte also. Das ‚Stadion Löchterheide‘ ist ein großes Oval, das von einigen Stufen beinahe vollständig rundherum geschlossen wird. Auf einer Seite wurde einige Sitzschalen montiert, die offensichtlich woanders ausrangiert wurden. Vermutlich stammen diese aus dem Parkstadion und gammeln hier nun vor sich hin. Der gastgebende SSV spielte gegen den Heimat-Club von Streitfigur Großkreutz eine überlegene erste Hälfte und legte zwei Kirschen vor. Das Aufbäumen der Gäste nach der Halbzeit wurde mit dem dritten Treffer erstickt. Lediglich für den späten Anschluss reichte es noch.

Samstag,13.04.2019, 15:00

deutschland

Rot-Weiss Essen vs BV Borussia Dortmund U23 0:0

Stadion Essen, 5.200 Zuschauer, Regionalliga West

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Ein Spiel, das ich gar nicht besucht hätte, wenn mein bester Kumpel es nicht für angebracht gehalten hätte, seine dreieinhalb Jahre alte Tochter, mein Patenkind, mal in das Grauen der Hafenstraße einzuführen. Mehr als 4tsd Besucher werden sich nicht auf den Rängen verloren haben, auch wenn sich die Zuschauerzahl aufgrund der verkauften Dauerkarten anders liest. Im Gästeblock fanden sich auch nur 50 Leute ein, da die Profis des BVB ja am Abend auch noch spielten. Auch den Aktiven war deutlich anzumerken, dass die Saison in der Endphase ist und es um nichts Wildes mehr geht. Das Gesamtgefühl war ‚lauer Sommer-Testkick‘. Der glorreiche RWE wusste aus seinen leichten Vorteilen und den wenigen Chancen nichts Zählbares zu schlagen und daher endete die Partie mit dem Ergebnis, das sie verdient hatte. So muss das sein, bei einem ersten Spielbesuch an der Hafenstraße, dann weiß man auch direkt wie der Hase läuft.