Sonntag, 13.10.2019, 15:00

belgien

K. Houthalen VV vs FC Racing Boxberg 0:4

Mijnstadion, 250 Zuschauer, 3e Proviniciale Limburg A
Die Stadion-Landschaft Belgiens birgt immer noch reichlich alte Schätzchen. Nachdem ich mich mit Thomas auf den Sonntags-Ausflug verständigt hatte, wurde sondiert und die Wahl fiel auf Houthalen in der Provinz Limburg. Die sehenswerte Spielstätte trägt den Namen Mijnstadion. Übersetzt bedeutet das Mienenstadion, was in Bezug zur ehemaligen hiesigen Bergbau-Region steht. Auf die Kantine aufgesetzt, ist die alte, von Korrosion geplagte, überdachte Sitztribüne der Hingucker der kleinen Spielstätte. Die Hintertor-Seiten und die Gegenseite verfügen über Steh-Traversen, die sich mehr und mehr der Natur beugen müssen, denn diese ist stark bemüht sich die Flächen, derer sie einst beraubt wurde, zurück zu holen. Die Gegenseite kann sich mittig noch eines altersschwachen Wetterschutzes rühmen. Im Gegensatz zum Ausbau steht das Spielfeld. Ein noch ziemlich neuer Kunstrasenbelag steht zum Bespielen zur Verfügung. Dritte Provinzklasse wurde uns angedient – achte Liga bedeutet das. Ohne es zu ahnen hatten wir uns das Topspiel zwischen dem Zweiten und dem Ersten rausgesucht, was einige Zuschauer anlockte. Auf dem Plastik-Geläuf gab es dann auch ein ordentliches Spiel mit leichtem Übergewicht für die Gäste zu sehen, die das Resultat am Ende viel zu deutlich gestalteten, denn auch die Heim-Mannschaft hatte gute Tormöglichkeiten, die aber teilweise kläglich vergeben wurden.

Freitag, 11.10.2019, 19:30

deutschland

Rot-Weiss Essen vs SC Fortuna Köln 0:1

Stadion Essen, 10.095 Zuschauer, Regionalliga West

19rwedauer

Da macht sich Ernüchterung breit. Die dritte Saison-Niederlage, gleichzeitig die dritte in Folge, bringt die rot-weisse Gemeinde endgültig auf den Boden der Tatsachen. Der phänomenale Saisonstart hat sicherlich größere Hoffnungen geschürt, als förderlich waren. Ein kleines Zwischen-Fazit… betrachtet man den bisherigen Verlauf detailliert, stehen zu Saisonbeginn glückliche Last-Minute-Siege gegen die Zweitvertretungen des BVB und des 1.FC Köln, ein Pflichtsieg beim Aufsteiger Homberg und ein gerechtes Remis in Rödinghausen. Die Siege gegen Wattenscheid, Bonn und in Lippstadt waren sicherlich verdient aber nicht restlos überzeugend. Richtig stark und annähernd unüberwindbar zeigte sich das Team nur in Oberhausen und beim Pokalsieg gegen den KFC. Die anspruchsvollen Aufgaben gegen Verl und beim Mönchengladbacher Nachwuchs wurden direkt vergeigt, wenn auch nicht zwangsläufig. Was ich mit dieser Auflistung ausdrücken will, ist dass der ziemlich optimale Saisonstart auch durch glückliche Wendungen begünstigt war. Dennoch wurden bei vielen, von der Erfolglosigkeit der letzten Jahre gebeutelten und nun nach besseren Zeiten dürstenden Anhängern große Hoffnungen geschürt. Erkennen zu müssen, dass die Nummer kein Selbstläufer wird, sorgt für lange Gesichter. Die aktuelle Heim-Pleite gegen die Kölner Fortuna war aber eigentlich – zumindest in Halbzeit eins – die erste wirklich schlechte Leistung. Die Mannschaft brauchte einige Minuten, um sich zu sortieren und ersten Druck auf die Gäste auszuüben. Ein vermeidbarer Freistoß aus 25 Metern oder mehr, ungefähr Mitte der ersten Halbzeit, brachte dann den Riss. Keeper Lenz stellte nur eine Zwei-Mann-Mauer. Kann man bei dieser Entfernung machen, um bessere Sicht zu haben, aber dann muss man das Ding auch schnappen. Stattdessen rutschte die nicht zu hart geschossene Kirsche flach ins Eck. Plötzlich ging gar nix mehr. Der Spielaufbau geriet völlig ins Stocken, viele Fehlpässe wurden gespielt, die sichere Überbrückung des Mittelfeldes klappte nicht mehr. Und kam man doch bis in den 16er, wurden dort die falschen Entscheidungen getroffen. In der zweiten Hälfte zeigten sich die Roten verbessert, aber bei weitem nicht zwingend. Auch in der Schlussphase, in der man vielleicht besser auf Brechstange umgestellt hätte, statt es weiter mit geordnetem Aufbau zu versuchen, bekam der Zuschauer nie wirklich das Gefühl, dass die Wende noch gelingen könnte. So waren auch zum ersten Male in der ’neuen‘ Ära Pfiffe zu hören. Auch die Ultra-Szene rollte nach dem Schlusspfiff wortlos ihre Fahnen ein und verließ die Westkurve. Ein Hauch von Resignation war zu bemerken. Dabei ist es dafür viel zu früh. Noch nicht einmal ein Drittel der Saison ist gespielt, alles ist noch völlig offen. Nachdenklich macht mich nur, dass Trainer und Mannschaft auf die im Spiel entstandene Situation unvorbereitet wirkten. Die Fortunen handelten im Rahmen ihrer Möglichkeiten geschickt. Die Stürmer liefen die Deckung hoch an und setzten diese unter Zeitdruck, was fruchtete, wie die vielen Fehlpässe vor allem nach dem Gegentreffer in der ersten Halbzeit bewiesen. Dazu wurden nach der Führung zwei homogene  Vierer-Ketten geschnürt, eine Mitte der eigenen Hälfte, eine unmittelbar vor dem Strafraum. Und dem RWE fehlten (zumindest heute) die Mittel durchzubrechen. Eine System-Umstellung wäre zwingend nötig gewesen, aber diese passierte nicht. Wollte man nicht oder konnte man nicht? Die Erkenntnis aus dieser Niederlage muss sein, dass man flexibler werden muss. Nur ein System zu beherrschen reicht nicht aus, wenn man mittelfristig erfolgreich sein will, darin sehe ich die Hauptaufgabe. Es steht zu befürchten, dass die Gegner nun genug Anschauungsunterricht genommen haben, wie gegen das ‚Titzsche System‘ zu spielen ist, dieses also sozusagen entschlüsselt haben. Auch an den Aussetzern in der Defensive muss weiter gearbeitet werden. Und dennoch bleibt es dabei, dass man sich einem Aufstieg natürlich nicht verwehren würde, dieser aber kein Muss darstellt. Das sollten sich die Zweifler und Skeptiker, die sich nun schon wieder im Recht fühlen, ins Bewusstsein rufen. Die Vereinsführung hat proklamiert, dass zwei Sommer-Transferperioden erforderlich sind, um ein schlagkräftiges Team zusammen zu stellen und eine Spielidee zu verinnerlichen. Wie schon ein Mal erwähnt, diese Zeit muss der Rot-Weiss-Anhang dem Verein zugestehen. Also gilt es weiter zusammenzustehen und Geduld zu haben, so schwer es vielen auch fällt.

Donnerstag, 10.10.2019, 19:30

deutschland

SSV Germania Wuppertal vs SV Union Velbert 3:3

Sportplatz Freudenberg, 70 Zuschauer, Bezirksliga Niederrhein Gruppe 2

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Oft läuft es so… am Wochenbeginn checke ich, was so auf Amateur-Ebene im Ruhrpott und im Umland unter der Woche angesetzt ist und mich möglicherweise interessiert. Dann peile ich ein Spiel an und hab da grundsätzlich auch Bock drauf. Dann kommt der entsprechende Tag. Weil ich aber auch vom Arbeitsplatz schon 60 Kilometer Heimweg zu fahren habe, entwickeln sich erste Zweifel. Wenig überzeugt fahre ich dann los und frage mich, was ich da eigentlich wieder mache. Gab auch schon eine Hand voll Situationen, in denen ich auf halber Strecke wieder umgedreht bin. Am Ziel angekommen, kehrt das Interesse dann im besten Falle wieder zurück. Manchmal hat man dann Glück und man bekommt ein vernünftiges Spiel zu sehen. Manchmal läuft es anders rum und man stellt beinahe das ganze Hobby auf den Prüfstand und fragt sich, warum man sich das antut, an einem unbeständigen Herbst-Tag den Feierabend für so einen Hafer zu opfern, statt der geschätzten Gattin Aufmerksamkeit zu schenken. Heute hatte ich aber Glück. In einem Nachholspiel der Bezirksliga empfing die Germania aus dem unteren Tabellendrittel den ambitionierten Tabellenzweiten aus Velbert. Die Gäste waren zwar flotter und mit der besseren Spielanlage unterwegs, aber die Gastgeber hielten kämpferisch mit vollem Einsatz dagegen. Früh gingen die Germanen in Führung. Union arbeitete hart und verdiente sich zu Beginn der zweiten Hälfte den Ausgleich, aber im Gegenzug schlug es schon wieder ein. Per Elfer schossen die Gastgeber sogar eine Zwei-Tore-Führung heraus, aber die Angst vor dem unerwarteten Sieg mündete im späten Ausgleich. War eine gut anzuschauende, spannende Partie. Auf der Sportanlage findet man auf einer Seite eine zehnstufige Tribüne, die mit einigen Sitzschalen ausgestattet ist. Das war übrigens die 1200ste Spielstätte, wo ich ein Spiel gesehen habe. Kommt schon einiges zusammen in den ganzen Jahren.

Samstag, 05.10.2019, 19:00

niederlande

RKSV ROHDA Raalte vs VV Heino 2:1

Sportpark Tijenraan, 1.500 Zuschauer, 1e Klasse Zondag E

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In der niederländischen Gemeinde Raalte in der Provinz Overijssel, ist das bedeutsamste Duell das Sallandse Derby, das zwischen dem RKSV ROHDA und dem VV aus dem Ortsteil Heino ausgetragen wird. In der sechstklassigen Eerste Klasse gehen beide Teams zu Werke. Im Amateurbereich existieren ja einige für deutsche Ohren recht seltsam klingende Vereinsnamen. Rooms Katholieke Sportvereniging „Recht op het doel af“ bedeutet das Vereinskürzel der Gastgeber vollständig ausgeschrieben – wild übersetzt bedeutet das „Direkt auf das Tor zielen“. Bei den unterklassigen Derbys in den Niederlanden rotten sich oft ein paar Leute zusammen, um das eigene Team zu unterstützen. Während auf Gäste-Seite nur ein paar Jugendspieler desinteressiert mit Fähnchen rum hantierten, schickten die Anhänger der Heim-Mannschaft eine Rauchwolke in den Himmel und zündeten einen Blinker und eine Fackel. Akustischen Support gab es dann annähernd keinen. Überhaupt schien sich die Rivalität in Grenzen zu halten, beziehungsweise diese trat erst in der Schlussphase zu Tage, nachdem ROHDA den späten Siegtreffer erzielte und die Heim-Fans ein paar Spottgesänge in Richtung der Gäste absendeten.

Samstag, 05.10.2019, 14:30

niederlande

FC Dinxperlo vs Veensche Boys 0:1

Sportpark ‚t Welink, 120 Zuschauer, 2e Klasse Oost Zaterdag G
Dinxperlo ist eine niederländische Grenzstadt, die mit dem Ortsteil Suderwick der Stadt Bocholt  auf deutscher Seite zusammengewachsen ist. Wenn man das eher unscheinbare Schild übersähe, das auf die Landesgrenze hinweist, würde man den Grenzübertritt gar nicht bemerken. Keine 200 Meter von der Grenze entfernt liegt der Sportpark ‚t Welink. Hier ist der FC Dinxperlo beheimatet. FC steht hier aber nicht für Fußballclub, sondern für Fusie Club, denn der Verein entstand erst in diesem Sommer durch den Zusammenschluss aus dem SV Dinxperlo und dem DZSV. Auf siebtklassigem Niveau wird hier in der Tweede Klasse gebolzt und zwar weder herausragend gut noch herausragend schlecht. Erst der dritte Spieltag stand an und während die Gastgeber noch punktlos waren, konnten die Gäste am letzten Spieltag einen schlanken 13:1-Sieg gegen Lelystad verbuchen. Letztere zieren übrigens nach mittlerweile drei Spielen mit 1:29 Toren das Tabellenende. Schon beinahe peinlich, dass die Veensche Boys sich überhaupt einen Gegentreffer eingefangen haben. Die Gäste präsentierten sich in der ersten Hälfte stabiler und gingen mit der Führung in die Halbzeit. Zwar drängte der Fusie Club im zweiten Durchgang auf den Ausgleich, fallen wollte dieser aber nicht mehr.

Donnerstag, 03.10.2019, 13:00

deutschland

VfL Borussia Mönchengladbach U23 vs Rot-Weiss Essen 3:2

Grenzlandstadion, 1.866 Zuschauer, Regionalliga West

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Da sind wir also in der angesprochenen Situation – früher als ich es befürchtet hätte. Nach furiosem Saisonstart kassierten die Roten bei den kleinen Fohlen die zweite Niederlage in Folge. Nach den Festwochen macht sich erste Katerstimmung breit. Gezeichnet von vielen erfolglosen Jahren kommen auch direkt die Kritiker und Dauer-Pessimisten wieder aus den Löchern gekrochen und reden den alljährlichen Herbst-Blues herbei. Die Euphorie hat in vielen rot-weissen Seelen einen spürbaren Dämpfer bekommen. Sicher, in den letzten Jahren war es regelmäßig der Fall, dass man mit viel Zuversicht in die Saison startete. Und ebenso regelmäßig war frühzeitig zu erkennen, dass es für große Sprünge nicht reichen wird. Mal war das nach fünf oder sechs Spielen ersichtlich, mal auch erst nach deren zehn. Nicht nur meiner Meinung ist der Sachverhalt dieses Mal aber ein gänzlich anderer. Der große Unterschied zu den letzten Jahren ist die runderneuerte Mannschaft. Das Potential ist weiterhin unübersehbar und auch die Art und Weise, wie diese Niederlagen zustande kamen, ist eine andere. Bei der Heim-Niederlage gegen Verl war ich urlaubsbedingt nicht zugegen und muss mich auf wenige bewegte Bilder und Medien-Berichte berufen. Aber ich kann daraus den Schluss ziehen, dass die Ostwestfalen ein starker Gegner waren, die Niederlage aber nicht zwangsläufig erfolgen musste. Es wurden ausreichend Torchancen kreiert und mit mehr Spielglück wäre Zählbares möglich gewesen. Und gegen die Borussen-Reserve spielte der RWE eine gute erste Hälfte, versäumte es aber nach dem frühen Führungstreffer nachzulegen und kam durch einen zumindest zweifelhaften Elfer kurz vor der Pause völlig aus der Spur und fand zu spät zurück in diese. Auch hier war mehr drin. Und nach wie vor ist die Defensive die Achillessehne. Die Abwehr erlaubt sich noch zu viele, meist individuelle Fehler, da muss weiter intensiv an der Abstimmung gearbeitet werden. Top-Teams, wie eben Verl oder Gladbach, die in dieser Spielzeit nicht zur sogenannten Laufkundschaft gehören und sicherlich im oberen Tabellendrittel zu erwarten sind, nutzen das gnadenlos aus. Wenn es dann eben die stark besetzte Offensive mal nicht zu richten vermag, sieht es direkt düster aus. Aber natürlich muss der Anspruch sein, auch solche Aufgaben erfolgreich zu bestehen, wenn man denn am Ende den Platz an der Sonne erreichen will. Wobei – will man ja, aber muss man auch? Klar, durch den erfolgreichen Start ist der Anspruch gestiegen, aber prinzipiell gilt es ja, in dieser Spielzeit eine Einheit zu formen und eine völlig neue Spielidee zu verinnerlichen. Gegen einen möglichen Aufstieg würde man sich kaum wehren, aber ist dieser auch Pflicht? Nach meinem Erachten nicht und der rot-weisse Anhang täte gut daran, dem gesamten Team und Stab Zeit einzuräumen. Daher empfand ich es auch als wohltuend, zu beobachten, wie die Ultra-Gemeinde nach dem Spiel die Mannschaft gerade zu an die Hand nahm, diese aufrichtete und den Zusammenhalt beschwor.  Zur Panik besteht auch überhaupt kein Grund, denn an der Tabellenspitze sind die Wege immer noch kurz. Nur der Druck ist höher geworden, denn das nächste Heimspiel gegen die Kölner Fortuna sollte schon gewonnen werden. Wird nicht einfach, denn die Domstädter sind sicherlich besser besetzt, als es der schlechte Tabellenplatz vermuten lässt. Wie ich schon mehrfach anführte – es wird nun spannend sein, zu erfahren, wie die Roten mit der ersten Druck-Situation der noch recht jungen Saison umgehen.

Sonntag, 29.09.2019, 15:00

griechenland

Panthiraikos AO vs Ilisiakos AO 1:0

Panthiraikos Stadio, 200 Zuschauer, Gamma Ethniki Gruppe 5

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Erholungsurlaub muss ja auch mal gemacht werden und dieser fand mit der Herzdame auf den wunderschönen Kykladen-Inseln Anáfi und Santorini statt. Ganz ohne Fußball lief das natürlich nicht. Während Anáfi mit seinen gerade mal 270 überwiegend älteren Einwohnern eine Fußball-freie Zone ist, gibt es auf Santorini zwei Clubs, die am Spielbetrieb teilnehmen. Die unteren Klassen beginnen mit dem regulären Betrieb erst zum Herbstanfang, was den bis in den Spätsommer herrschenden hohen Temperaturen geschuldet ist. Am zweiten Spieltag der viertklassigen Gamma Ethniki lud der Panthiraikos Athlitikos Omilos zum Heimspiel. Der Vereinsname bedeutet frei übersetzt so viel wie Allgemeiner Sportclub von Santorini, wobei der mittlere Teil des Club-Namens auf die Insel hinweist. Thira ist der altgriechische Name der Hauptinsel des Archipels. Zu Gast war mit Ilisiadakos ein Club aus Athen. Die vierte Liga spielt in acht Gruppen, die geographisch einigermaßen sinnvoll festgelegt sind, es ist aber nicht zu vermeiden, dass auch Vereine vom Festland auf die Inseln reisen müssen. Das Stadion verfügt nur über ein Drittel einer Längsseite über eine Tribüne für etwa 1000 Zuschauer. Um die 200 Leute fanden den Weg auf diese. Zum Intro wurde tatsächlich eine kleine Rauchwolke in den Himmel entsendet und Papierschnipsel in den Vereinsfarben geworfen. Eine kleine Gruppe bemühte sich dann an und an um etwas akustischen Support, unterstützt von einer frisierten Pressluft-Fanfare, die alles übertönte. Mit vielen Toren war nicht zu rechnen – am ersten Spieltag waren in sieben Spielen gerade mal derer acht gefallen. Das dann zu beobachtende spielerische Niveau offenbarte auch den Grund für die Torflaute. Schwere Kost. Allerdings würde ich bei diesen Temperaturen auch nicht kicken wollen. Ohne jede Bewegung saß ich auf der unüberdachten Tribüne klamm im eigenen Saft. Mit dem minimalsten Sieg-Resultat fuhr Panthiraikos verdient den zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel ein und setzt sich damit erst mal oben fest.

Freitag, 20.09.2019, 19:30

deutschland

Rot-Weiss Essen vs Bonner SC 4:1

Stadion Essen, 11.009 Zuschauer, Regionalliga West

19rwedauer

Ich lief nach dem Spiel die Hafenstraße entlang in Richtung Kreuzung Bottroper Straße. Einige Meter vor mir ging ein Mann mit einem Sohn. Der vielleicht fünf- oder sechsjährige Filius fragte seinen Vater: „Papa, kann RWE die Bayern schlagen?“. Papa überlegte zwei oder drei Sekunden und antwortete dann mit einem lockeren und überzeugendem „Klar!“. Ist das nun schon das neue RWE-Gefühl? Die Saison ist noch jung, es sind noch keine zehn Pflichtspiele absolviert, und doch ist man langsam geneigt zu glauben, dass diese Mannschaft bereit dafür ist, um die Vergabe des Relegations-Platzes ein wichtiges Wort mitzureden. Die erste Halbzeit war nicht berauschend. Das sind diese Spiele, wo schon nur noch darüber diskutiert wird, wie deutlich der Gegner am Ende aus dem Stadion geschossen wird. Der BSC dachte aber nicht daran, nur die Opferrolle zu übernehmen, spielte ordentlich mit und hätte mit etwas Glück in Führung gehen können. Glück hat aber meistens das Team, das oben steht, und so kam es auch. Nach einem Freistoß durfte Kapitän Hahn die Murmel nach einer guten halbe Stunde aus kurzer Distanz in die Maschen befördern. Läuft also doch, dachten wohl die meisten, aber nur wenige Zeiger-Umdrehungen später gab es Strafstoß für die Ex-Hauptstädter. Dieser wurde sicher verwandelt und es hieß ‚Zurück auf Los‘. Der Pausenpfiff kam dann sogar eher den Roten gelegen, als den Gästen, denn der RWE fand einfach nicht richtig in die Spur. Das änderte sich nach Wiederanpfiff und nur kurz darauf fiel der erneute Führungstreffer. Ein psychologisch wertvolles Signal an die Bonner, dass es hier nix zu holen gibt. Und dann setzte sich dieser unwirkliche Lauf fort, dass die eingewechselten Spieler ihre Tore machen. Zunächst traf der zur Halbzeit gekommene Selishta und dann – nur Sekunden nach seiner Einwechselung auf die Reise geschickt – wieder Adetula mit beinahe seiner ersten Ballberührung. Der BSC war geschlagen, sicherlich ein oder sogar zwei Tore zu hoch. Eine vorsichtige Euphorie ist nun wohl erlaubt, aber – auch wenn ich mich wiederhole – die mentale Stärke des Teams wird sich wohl erst zeigen, wenn die Erfolgsserie mal einen Riss bekommt. Trotzdem – die aktuelle Situation darf durchaus genossen werden und dann ist auch mal die Überlegung erlaubt, ob man wohl die Bayern schlagen kann.