Stadion Am Hohen Busch, 500 Zuschauer, Relegation Klassenerhalt Bezirksliga Niederrhein
Bei meinem ersten Besuch am Hohen Busch, trat noch der Deutsche Meister von 1955 gegen den 1.FC Viersen an. Anfang der 90er Jahre war das in der Oberliga Nordrhein, damals dritte Ebene im Lande. Seitdem ist viel Zeit vergangen, der Verein rutschte ab bis in die Bezirksliga und heute drohte der Abstieg in die Kreisliga A. Ein schleichender Niedergang. Für größere Aufgaben könnte dagegen das ‚Stadion Am Hohen Busch‘ herhalten, welches nach dem benachbarten Höhenzug benannt ist. Prunkstück der Mehrzweck-Anlage ist die stattliche Sitztribüne, welche nach kürzlich erfolgter Generalüberholung 1.200 Personen Platz bietet. Umschlossen werden Laufbahn und Spielfeld von begrünten Rängen und dichtem Baumbestand. Die Gäste aus dem Remscheider Stadtteil Lennep wurden von einer Busladung Fans unterstützt, die beflügelt vom Bierkonsum ordentlich supporteten. Bei mehr als hochsommerlichen Temperaturen machte der 1.FC 05 das Spiel und erspielte sich Chancen, konnte daraus aber nicht mehr als einen Abseitstreffer ernten. Die Gäste gingen dagegen nach einer halben Stunde mit der ersten Torchance in Führung. Das erschwerte die Aufgabe für die Niederrheiner nach der 1:0-Hinspielniederlage nun deutlich. Mutig kamen die Gastgeber aus der Kabine und blieben dominant. Der Ausgleich fünf Minuten nach Wiederanpfiff ließ Hoffnung keimen, doch eiskalte Hackenberger gingen 20 Minuten vor dem Ende erneut in Führung. Die Hausherren gaben nicht auf und kamen zehn Minuten vor Schluss wieder zum Ausgleich. Der Kick stand nun auf Messers Schneide, die Viersener erarbeiteten sich gute Möglichkeiten und drückten auf Treffer Nummer drei, welcher eine Verlängerung bedeutet hätte. Aber die Gäste aus dem Bergischen konnten sich immer wieder befreien und machten mit ihrer dritten Führung in dieser Partie kurz vor Schluss alles klar. Der 1.FC Viersen stieg damit erstmals in der Vereinsgeschichte in die Kreisliga ab, während die Gäste zusammen mit ihren Anhängern den Klassenerhalt feiern durften.
FC Hellweg Lütgendortmund vs FC Merkur 07 3:0 (Abbr.)
Sportplatz Blumenkamp, 105 Zuschauer, Relegation Kreisliga C/Kreisliga B Dortmund
Nun wird es an Rhein und Ruhr langsam dünne bei den Pflichtspiel-Terminen, daher muss man auch mal Kompromisse schließen und sich irgendeinen Hafer ansehen, wenn ein Fußballspiel gewünscht ist. Na ja, es ging ja um was, denn aufgrund einer Ligen-Reform im Kreis Dortmund gibt aus auf Kreis-Ebene haufenweise Absteiger, einige davon werden notwendiger Weise über eine etwas umständlich angelegte Relegation bestimmt. So standen sich heute zwei Tabellen-Achte aus B-Ligen gegenüber. Der Sieger aus dieser Partie hatte den Klassenerhalt sicher, während es für den Verlierer in die nächste Ausscheidungsrunde gehen würde. Gespielt wurde auf neutralem Boden. Bezirksligist Westfalia Huckarde stellte seine Platzanlage am Bahndamm zur Verfügung, die kürzlich um eine kleine Sitztribüne ergänzt worden war. Die Anlage ist sehr gepflegt und mittels Graffiti und anderen Accessoires wird deutlich unterstrichen, welcher Club hier seine Heimat hat. Das Catering war auch top organisiert, es wurde sogar ein Sparmenü bestehend aus Manta-Schale und Getränk angeboten. Das Restaurant zur goldenen Schwalbe lässt grüßen. Sportlich war es kein Leckerbissen. Die Mannen vom Hellweg, die natürlich kein Betriebssport-Team der Baumarkt-Kette sind, sondern sich auf die historische Handelsstraße beziehen, welche durch Dortmund führte, waren das deutlich überlegene Team.
Das erste Ausrufezeichen setzten dennoch die Jungs vom kleinsten Planeten unseres Sonnensystems mit einem kapitalen Lattenkracher. Zwischen Minute 20 und 30 wurde die Partie allerdings in wilden zehn Minuten vorentschieden. Begünstigt durch eine missglückte Fuß-Abwehr des Merkur-Schlussmannes erzielten die Hellweg-Recken den ersten Treffer. Kirsche Nummer zwei wurde per Hacke erzielt und beim dritten Tor unterstützte ein Merkur-Verteidiger den Gegner, der die Murmel aus spitzem Winkel kurios in die eigenen Maschen schob. Bis zum Pausenpfiff beruhigte sich die Partie, wenn man von den lautstarken Zwischenrufen des Merkur-Trainers absieht, offensichtlich auch das einzige Mitglied seiner Mannschaft, dem der drohende Abstieg nahe ging. Recht ausgeglichen begann die zweite Spielhälfte. Und dann kam Tolga. In der achten Minute von Hälfte zwei bekam dieser wegen Meckerns die erste Gelbe Karte des Spiels gezeigt. So recht einverstanden war Tolga mit der Entscheidung aber nicht und verabreichte dem unaufgeregt leitenden Referee eine erfrischende Ohrfeige. Dieser tat das einzig richtige und brach den bis dahin völlig friedlich verlaufenen Bums kurzerhand ab. Große Aufregung blieb aus. Sämtliche Spieler nahmen die Entscheidung sachlich hin, Tolga fand sich offenbar weiterhin gut und grinste sich eins, der Merkur-Trainer blieb lange im Beisein eines Spielers auf der Bank sitzen und wirkte völlig konsterniert.
Mit dieser Aktion wurden einstudierte und ja nicht ganz weltfremde Vorurteile, dass Spieler mit Migrationshintergrund undiszipliniert und unbeherrscht sind, vollumfänglich bedient. Tolga erwies diesen Mitbürgern einen Bärendienst, denn es ist ja nicht die Mehrheit, sondern nur ein geringer Personenkreis, der sich nicht im Griff hat. Pikante Randnote ist, dass vor 14 Jahren schon einmal eine Partie zwischen diesen beiden Vereinen aufgrund einer angeblichen(?) Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter, deren Umstände nie ganz aufgeklärt wurden, abgebrochen wurde. Und natürlich stehen beide Fehlverhalten in keinerlei Sinnzusammenhang. Dass aber auch vor nur drei Jahren des Verhaltens eines Merkur-Akteures Grund für einen Abbruch war, wirft dann insgesamt kein gutes Licht auf diesen Verein, der aber immerhin in einer unmittelbar erfolgten, selbstkritischen Stellungnahme eine Aufarbeitung des aktuellen Falls ankündigte. Die einbestellte Polizei-Streife zeigte sich übrigens in Top-Form und dermaßen desorientiert, dass sich der Delinquent unbemerkt von der Anlage entfernen konnte. Auf der anderen Seite war aber die Bestellung der Staatsmacht aufgrund einer Allerwelts-Tätlichkeit, die natürlich nicht verharmlost werden soll, auch mindestens zwei Nummern zu groß.
Grunewald-Kampfbahn, 1.300 Zuschauer, Aufstiegsrunde zur Landesliga Niederrhein
Um einen Platz in der Landesliga wurde im Duisburger Stadtteil Hochfeld gekämpft und 1.300 Zuschauer waren an den Grunewald gekommen, etwa 200 davon aus Meerbuscher Stadtteil Osterrath. Die Ausgangslage war kompliziert. Da die beiden bisherigen Spiele dieser Dreier-Gruppe mit einem Remis geendet hatten, gab es verschiedene Szenarien, bei denen alle drei Teilnehmer, auch der heute spielfreie MSV Düsseldorf, noch eine Chance auf den Aufstieg wahrten. Die ungünstigste Position hatte der OSV inne – dieser musste auf jeden Fall gewinnen um den Traum von der Landesliga zur realisieren. Dem DFV reichte jedes Unentschieden ab einem 2:2 aufwärts. Der zur Untätigkeit verdammte MSV aus der Landeshauptstadt schied recht früh aus dem Rennen aus. Diesem hätte lediglich ein torloses Remis zwischen dem DFV und dem OSV zum direkten Aufstieg verholfen, bei einem 1:1 hätte dieses ein Entscheidungsspiel gegen die Duisburger bedeutet. Die Gäste durften früh jubeln, denn bereits in der zweiten Minute erzielte ihr Team den Führungstreffer. Die Freude währte nur kurz, denn der DFV schüttelte sich schnell, glich nur vier Minuten später aus und ging nach einer Viertelstunde in Führung. Der MSV Düsseldorf war damit raus aus dem Rennen.
Aber auch der OSV zeigte Nehmer-Qualitäten und stellte kurz darauf wieder auf Remis. Die Partie blieb wild und der DFV konsequent. Bis zur 30. Spielminute führten zwei weitere Treffer zum 4:2, gleichzeitig der Halbzeitstand. Wer nun aber glaubte, die Messe wäre schon gelesen, sah sich schnell getäuscht, denn kurz nach Wiederanpfiff durften die Gäste nach dem schnellen Anschluss noch einmal Hoffnung schöpfen. Damit war es aber dann bald vorbei, denn zwanzig Minuten vor dem Ende erhöhte der DFV mit einem Doppelschlag auf 6:3 und nahm dem OSV damit endgültig den Glauben. Der – auch wenn es abgenutzt klingt – altehrwürdigen ‚Grunewald-Kampfbahn‘ wurde mit der Sanierung vor vier Jahren leider völlig der Charme entrissen. Lediglich die Stehtribüne am Bahndamm blieb unberührt. Die Stehstufenanlage auf der Straßen-Seite wurde dagegen komplett zurückgebaut. Dort wurden die neuen Sozialgebäude errichtet, die sehr clean und steril wirken und dieser traditionsreichen Spielstätte den Charakter rauben. Der DFV, der bis zur Jahrtausendwende eigentlich immer in den höheren regionalen Ligen spielte, dann aber einen Niedergang bis in die Kreisliga B erlebte, ist mit diesem Aufstieg auf dem Wege an alte Zeiten anzuknüpfen.