Dortmund – Do., 18.06.2026, 19:00

FC Hellweg Lütgendortmund vs FC Merkur 07 3:0 (Abbr.)

Sportplatz Blumenkamp, 105 Zuschauer, Relegation Kreisliga C/Kreisliga B Dortmund
Nun wird es an Rhein und Ruhr langsam dünne bei den Pflichtspiel-Terminen, daher muss man auch mal Kompromisse schließen und sich irgendeinen Hafer ansehen, wenn ein Fußballspiel gewünscht ist. Na ja, es ging ja um was, denn aufgrund einer Ligen-Reform im Kreis Dortmund gibt aus auf Kreis-Ebene haufenweise Absteiger, einige davon werden notwendiger Weise über eine etwas umständlich angelegte Relegation bestimmt. So standen sich heute zwei Tabellen-Achte aus B-Ligen gegenüber. Der Sieger aus dieser Partie hatte den Klassenerhalt sicher, während es für den Verlierer in die nächste Ausscheidungsrunde gehen würde. Gespielt wurde auf neutralem Boden. Bezirksligist Westfalia Huckarde stellte seine Platzanlage am Bahndamm zur Verfügung, die kürzlich um eine kleine Sitztribüne ergänzt worden war. Die Anlage ist sehr gepflegt und mittels Graffiti und anderen Accessoires wird deutlich unterstrichen, welcher Club hier seine Heimat hat. Das Catering war auch top organisiert, es wurde sogar ein Sparmenü bestehend aus Manta-Schale und Getränk angeboten. Das Restaurant zur goldenen Schwalbe lässt grüßen. Sportlich war es kein Leckerbissen. Die Mannen vom Hellweg, die natürlich kein Betriebssport-Team der Baumarkt-Kette sind, sondern sich auf die historische Handelsstraße beziehen, welche durch Dortmund führte, waren  das deutlich überlegene Team.
Das erste Ausrufezeichen setzten dennoch die Jungs vom kleinsten Planeten unseres Sonnensystems mit einem kapitalen Lattenkracher. Zwischen Minute 20 und 30 wurde die Partie allerdings in wilden zehn Minuten vorentschieden. Begünstigt durch eine missglückte Fuß-Abwehr des Merkur-Schlussmannes erzielten die Hellweg-Recken den ersten Treffer. Kirsche Nummer zwei wurde per Hacke erzielt und beim dritten Tor unterstützte ein Merkur-Verteidiger den Gegner, der die Murmel aus spitzem Winkel kurios in die eigenen Maschen schob. Bis zum Pausenpfiff beruhigte sich die Partie, wenn man von den lautstarken Zwischenrufen des Merkur-Trainers absieht, offensichtlich auch das einzige Mitglied seiner Mannschaft, dem der drohende Abstieg nahe ging. Recht ausgeglichen begann die zweite Spielhälfte. Und dann kam Tolga. In der achten Minute von Hälfte zwei bekam dieser wegen Meckerns die erste Gelbe Karte des Spiels gezeigt. So recht einverstanden war Tolga mit der Entscheidung aber nicht und verabreichte dem unaufgeregt leitenden Referee eine erfrischende Ohrfeige. Dieser tat das einzig richtige und brach den bis dahin völlig friedlich verlaufenen Bums kurzerhand ab. Große Aufregung blieb aus. Sämtliche Spieler nahmen die Entscheidung sachlich hin, Tolga fand sich offenbar weiterhin gut und grinste sich eins, der Merkur-Trainer blieb lange im Beisein eines Spielers auf der Bank sitzen und wirkte völlig konsterniert.
Mit dieser Aktion wurden einstudierte und ja nicht ganz weltfremde Vorurteile, dass Spieler mit Migrationshintergrund undiszipliniert und unbeherrscht sind, vollumfänglich bedient. Tolga erwies diesen Mitbürgern einen Bärendienst, denn es ist ja nicht die Mehrheit, sondern nur ein geringer Personenkreis, der sich nicht im Griff hat. Pikante Randnote ist, dass vor 14 Jahren schon einmal eine Partie zwischen diesen beiden Vereinen aufgrund einer angeblichen(?) Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter, deren Umstände nie ganz aufgeklärt wurden, abgebrochen wurde. Und natürlich stehen beide Fehlverhalten in keinerlei Sinnzusammenhang. Dass aber auch vor nur drei Jahren des Verhaltens eines Merkur-Akteures Grund für einen Abbruch war, wirft dann insgesamt kein gutes Licht auf diesen Verein, der aber immerhin in einer unmittelbar erfolgten, selbstkritischen Stellungnahme eine Aufarbeitung des aktuellen Falls ankündigte. Die einbestellte Polizei-Streife zeigte sich übrigens in Top-Form und dermaßen desorientiert, dass sich der Delinquent unbemerkt von der Anlage entfernen konnte. Auf der anderen Seite war aber die Bestellung der Staatsmacht aufgrund einer Allerwelts-Tätlichkeit, die natürlich nicht verharmlost werden soll, auch mindestens zwei Nummern zu groß.