Dublin – Fr., 03.07.2026, 20:00

Shelbourne FC vs Dundalk FC 2:1

Tolka Park, 4.032 Zuschauer, Premier Division
Wenn im Sommer der Ball in den meisten europäischen Ligen ruht, reduzieren sich mögliche Reiseziele auf nur wenige Länder. Sofern man Pflichtspiele bevorzugt, denn Testspiele ohne rot-weisse Beteiligung konsumiere ich nur in Ausnahmefällen. Fehlender Wettbewerbs-Charakter und so… kann ich einfach nicht viel mit anfangen. Zum Glück lassen sich einige Fußballverbände auch von Welt- und Europameisterschaften nicht beeindrucken und ihre Kirmes-Ligen fröhlich weiterlaufen. Die grüne Insel in Europas Westen ist gut erreichbar, von Essen aus ist man in Dublin beinahe schneller als in Köln. Mit dem Auto nach Unterrath, eine Station mit der S-Bahn ins Terminal, 45 Minuten vor Abflug dort zu sein reicht dabei völlig aus, die online abrufbaren Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen muss man natürlich im Auge behalten. Pünktlicher Abflug, überpünktliche Ankunft. Mit dem Linien-Bus zur Unterkunft, die auf halbem Wege zur City lag. Beutel abgelegt, wieder in den Bus und etwas mehr als vier Stunden nach dem Verschließen der Wohnungstür stand das erste Pint Guinness vor mir. Neues gibt es in Dublin ja nicht mehr zu entdecken, aber ein ausgiebiger Rundgang war trotzdem wie immer Pflicht. Ich mag die Stadt, auch wenn diese in der Sommer-Periode arg überlaufen ist.
Nach Stärkung mit einem guten Stew mahnte König Fußball dann zum Aufbruch. Zur Auswahl standen die St.Patricks Athletics und der Shelbourne FC. Obwohl der ‚Richmond Park‘ der ‚Pats‘ für mich ein noch unbesuchter Spielort war, geriet dieser ins Hintertreffen. Mit der Entfernung des Daches über dem ‚Shed End‘ vor einigen Jahren, wurde mir dieser zu gewöhnlich und ich zog den Besuch des ‚Tolka Park‘ der ‚Shels‘ vor. In diesem Stadion-Fossil, in dem die Fußballzeit irgendwie stehen geblieben ist, hatte ich vor mehr als 30 Jahren während eines Urlaubs bereits ein Spiel gesehen, zusammen mit meinem ehrenwerten Vater. Damals war das Fußballreisen noch nicht so plattgelatscht wie heute und wir wurden wie exotische Gäste empfangen, man freute sich über unser Interesse. Im Vergleich hat sich das Stadion während dieser relativ langen Zeitspanne kaum verändert. Lediglich die überdachte Tribüne mit Namen ‚Drumcondra Stand‘ hinter dem westlich gelegenen Tor gab es damals noch nicht, diese wurde um die Jahrtausendwende errichtet und belegt nicht einmal die halbe Breite des Spielfeldes, da ein fremdes Grundstück einen größeren Ausbau verhindert. Ansonsten hat sich kaum was getan, bis auf dass sicherlich mal ein paar Sitze ausgetauscht wurden. Die ganze Bude ist völlig zusammengeschustert und die Korrosion hat sich auch ihr Season Ticket auf Lebenszeit gesichert. Im Bauche des gedrungenen Main Stand befindet sich eine wundervolle Ballerbude, die mich ein wenig an die Kneipe im alten ‚Georg-Melches-Stadion erinnerte. Auch von der Gesprächs-Lautstärke her, man schreit sich offenbar gern an.
Die aus verschiedenen Gruppierungen bestehenden Ultras der Shels haben ihren Platz auf dem ‚Riverside Stand‘, der Gegentribüne, deren Name natürlich vom dahinter fließenden ‚Tolka River‘ herrührt. Dort stehen sie aber noch nicht lange, bis vor wenigen Jahren war der ‚Drumcondra Stand‘ ihr Standort, ehe dieser für Renovierungsarbeiten zeitweise gesperrt wurde und ein Umzug nötig war. Optisch macht die Gruppe ganz gut was her, akustisch krankt es aber am britischen Problem, weder sonderlich kreativ noch konstant zu supporten. Aus Dundalk waren gut 350 Leute angereist, darunter etwa zwei Dutzend Mann hinter einem ‚Ultras Dundalk‘-Banner. Von dort war ebenfalls nicht viel zu hören. Auch wenn sich die Zuschauerzahlen verbessert haben und Ultra-Gruppierungen gegründet wurden, bleibt Irland noch ein Support-Entwicklungsland. Die Gäste gingen schon nach wenigen Minuten in Führung. Die Hausherren nahmen die Situation umgehend an, gaben Gas und erspielten sich Möglichkeiten, den Gäste aus dem Nordosten der Republik eröffneten sich aber auch einige gute Konterchancen. Ein Doppelschlag kurz vor der Pause drehte die Partie dann verdient zugunsten der Shels. Der zweite Durchgang blieb auf schwachem Niveau spannend. Die Gastgeber agierten nicht mehr ganz so zielstrebig und mussten sich in der Schlussphase gegen wütend am Ausgleich arbeitende Gäste wehren, was letztlich auch gelang. Den Abend schloss ich mit zwei Getränken in einem wunderschönen Pub im benachbarten Viertel. Ich liebe die Pub-Kultur auf den britischen Inseln, dort wird die gute, alte Kneipe noch geschätzt. Begibt man sich an eine belebte Kreuzung, kann man im besten Falle an jeder Ecke einen Pub vorfinden. In Essen gibt es dagegen im gesamten Stadtgebiet beinahe nur noch vier brauchbare Kneipen.