Gillingham – Mo., 26.12.2022, 15:00

Gillingham FC vs Colchester United FC 0:1

Priestfield Stadium, 4.970 Zuschauer, Football League Two
Auf der Suche nach ein wenig Fußball nach Weihnachten, fiel die Wahl auf Südwest-England, weil mir die Flüge zu teuer waren. Daher also Anreise mit dem eigenen Auto per Fähre. Ziemlich unerwartet wurde meine Schwester meine Begleitung für den Kurz-Trip. Am frühen Morgen des zweiten Weihnachtstages ging es los und mehr als 60 Minuten vor Fährabfahrt in Calais angekommen, mussten wir lernen, dass dies zu spät war. Keine Ahnung, ob das aktuell nach dem Brexit der Standard ist, aber da sowohl Ausreise aus der EU als auch Einreise ins Vereinigte Königreich im Abfahrtshafen stattfinden und sich die Abfertigung äußerst zäh gestaltete, verpassten wir das gebuchte Boot deutlich. Prinzipiell kein Problem, da wir unkompliziert den nächsten Pott entern durften. Dieser schwamm aber erst gute drei Stunden später los, was uns zum einen ein ordentliches Stück Zeit des eh schon kurzen Aufenthaltes auf der Insel raubte, und vor allem ein pünktliches Erreichen des geplanten Spieles unmöglich machte. Eine brauchbare Alternative gab es nicht, also wurde das verspätete Eintreffen am Spielort in Kauf genommen, was sich aufgrund großzügiger Auslegung der britischen Verkehrsregeln auf eine Viertelstunde begrenzte. Ein paar Minuten wurden noch für die Parkplatzsuche verschwendet, ehe sich am Stadioneingang das nächste Problem offenbarte – die Ticketschalter waren schon geschlossen. Die Lösung fand sich mit einer freundlichen Stewardine, die uns nach kurzer Erläuterung des Dilemmas einfach kostenneutral ins Stadion einließ. Das dürfte im vom Sicherheitswahn zerfressenen Königreich ein Sechser im Lotto gewesen sein.
Wir betraten das Stadion letztlich 25 Minuten nach Kick-off gerade noch rechtzeitig, um das Tor des Tages zu verpassen. Das Spiel des Letzten gegen den Vorletzten hätte die Tabellensituation nicht besser wiederspiegeln können. Viel gelang beiden Teams nicht und vor allem die ‚Gills‘ bewiesen, warum sie in 20 Meisterschaftsspielen ganze sechs Tore erzielt hatten. Eine hochkarätige Torchance für die Gastgeber gab es eigentlich gar nicht, aber auch die Gäste machten es nicht viel besser. Spätestens ab League One abwärts ist das auf der Insel auch eine ganz eigene Art Fußball. Sehr intensiv, sehr kampflastig, es wird jederzeit gradlinig versucht, den Ball in die Box zu befördern, meist erfolglos. Das Priestfield Stadium ist ein Mix aus Moderne und früherer Fußball-Epoche. Die unüberdachte, etwas marode wirkende Stahlrohr-Konstruktion hinter einem der beiden Tore wird offensichtlich gar nicht mehr benutzt. Charakteristisch ist die Lage mitten in einem Wohngebiet mit typisch britischen Reihenhäusern. I like it. Jubeln durften am Ende nur die knapp 500 Gäste-Fans aus der benachbarten Grafschaft Essex und ich behaupte mutig, dass die Gills, nach der abgelaufenen Saison erst unglücklich durch das schlechtere Torverhältnis aus der League One abgestiegen, die Klasse erneut nicht halten werden. Der Funke Hoffnung glimmt zwar, da es angeblich einen Investor aus den Staaten gibt, der das schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen soll, jedoch hört sich auch das ja eher nach Untergang als nach Aufschwung an, denn derartige Bücher wurden ja schon reichlich geschrieben.

Liège – So., 18.12.2022, 15:00

RFC Liége vs RAA La Louvière 2:0

Stade de la Rue de la Tonne, 2.000 Zuschauer, Nationale 1
Bei durch viele witterungsbedingte Absagen ausgedünntem Fußballprogramm war das Angebot nicht allzu hoch an diesem Sonntag. Ein wenig Stimmung erhoffte ich mir vom Topspiel der dritten belgischen Spielklasse, zwei Tage vor dem Spiel flatterte aber die Boykott-Ankündigung des Gäste-Anhangs ins Haus. Jene waren nicht zufrieden mit dem recht knappen Kartenkontingent von nur 150 Stück verbunden mit Personalisierung und verpflichtender Busanreise. Der Sicherheitswahn in Belgien nimmt auch immer groteskere Züge an. Vor ein paar Jahren war ich schon einmal in diesem Stadion in Rocourt, einem nördlichen Stadtteil von Liège. Bei dichtem Nebel war damals das gegenüberliegende Tor kaum zu erkennen, nun weiß ich also, wie es wirklich dort aussieht. Die Anlage ist natürlich zweckmäßig und sicher kein Vergleich mit dem riesigen ‚Stade Velodrome de Rocourt‘, in dem der Verein bis in die 90er Jahre kickte und das mir leider verwehrt blieb. Nach beinahe zwanzig Nomaden-Jahren in verschiedenen Stadien, fand der RFC schließlich zurück nach Rocourt und seinen Platz auf dieser relativ gesichtslosen Anlage unweit des Standortes des alten, leider abgerissenen ‚Velodrome‘. Die Heimkurve supporte einigermaßen konstant, mit allerdings überschaubar flexiblem Liedgut und brachial war das auch nicht gerade. Ich hatte gehofft, dass beim RFC mehr los sei, denn dieser hat aktuell gute Chancen, um den Aufstieg ein Wort mitzureden. Außerdem handelt es sich um einen alten Traditionsverein, der zudem im Jahr 1896 erster belgischer Fußballmeister wurde. Der Club trägt die Matrikelnummer vier des belgischen Fußballverbandes – diese Nummer wird an die Vereine nach Dauer der Zugehörigkeit im Verband vergeben. Recht ungefährdet konnten die Gastgeber den Sieg in einem unspektakulären Spiel gegen einen direkten Konkurrenten erlangen und den zweiten Tabellenplatz damit zementieren.

Velsen – Fr., 16.12.2022, 20:00

SC Telstar vs MVV Maastricht (abgesagt)

Telstar Stadion, — Zuschauer, Eerste Divisie
Der SC Telstar und sein schlichtes Stadion sind nicht unbedingt der Inbegriff fußballerischer Attraktivität in einem Land, in dem sehenswerte Spielorte und interessante Spiele eh schon rar gesät sind. Dazu liegt die Gemeinde Velsen aus Richtung Ruhrpott noch hinter Amsterdam, ist also ein gutes Stück entfernt. Aspekte, die mich bisher von einem Spielbesuch am Nordseekanal abgehalten haben, aber heute standen die Vorzeichen mal halbwegs günstig. Bock auf Fussi und Frituur, wenig Alternativen und mit dem MVV als Gast ein richtig schöner Asi-Verein mit entsprechendem Pöbel. Eigentlich ist der MVV chronisch erfolgloser Dauer-Zweitligist, der aber in der aktuellen Spielzeit bis dato ernsthaft um den Aufstieg mitspielt, daher wagte ich die Anreise, auf einen motivierten Gäste-Mob hoffend. Vor dem Spiel steuerte ich zuerst einen Frittier-Tempel an, um mir ein paar üble in Fett gebadete Gemeinheiten reinzuorgeln. Zwanzig Minuten vor Kick-off am Stadion aufzukreuzen, sollte mehr als ausreichen, aber dort angekommen wunderte ich mich schon, warum mehr Leute vom Stadion weggingen, anstatt dieses anzusteuern und eine böse Vorahnung beschlich mich. Diese wurde kurz danach bestätigt, denn obwohl der Verein die Ansetzung am frühen Nachmittag noch bekräftigt hatte, war es dem Referee offenbar zu kalt, was die kurzfristige Absage nicht einmal 30 Minuten vor Anstoß zur Folge hatte. Begeisterung machte sich bei mir nicht breit, auch nicht bei den mitgereisten MVV-Lads, die einigermaßen unbehelligt von der Staatsmacht vor die Haupttribüne zogen, ihrem Ärger Luft machten und ein wenig Protest-Pyro zündeten. Kein Wunder, die Jungs hatten sogar eine noch etwas weitere Anreise als ich. 450 Kilometer nur für einen Frituurbesuch hatte ich auch noch nicht absolviert. Diese unscheinbare Partie reihte sich mit dieser Absage in den kurzfristigen Ausfall prominenterer Spielpaarungen wie dem schottischen ‚Old Firm‘, dem Prestige-Duell der nordirischen Hauptstadt zwischen Glentoran und Linfield oder dem kroatischen Clasico zwischen Hajduk und Dinamo Zagreb ein. Mit Blick darauf hielt sich die Dramatik in Grenzen.

Ratingen – So., 11.12.2022, 15:00

Ratinger SV Germania 04/19 vs SSVg Velbert 02 1:0

Stadion Ratingen, 320 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Velbert statt Belfast. Eigentlich sollte es an diesem Wochenende mit der Gattin in die nordirische Hauptstadt gehen. Wenn denn nicht der Eurowings-Flug am Freitag knapp 45 Minuten vor Abflug gestrichen worden wäre. Dieses wurde von diesem fantastischen Luftfahrt-Dienstleister beiläufig per SMS mitgeteilt, als wir gerade am Security Check warteten. Irgendwie hielten sich Aufregung und Dramatik in Grenzen. Das eigentlich anvisierte Spiel, das konfessionelle Derby zwischen Cliftonville und Linfield, wurde bereits vor Wochen aus mir unbekanntem Grunde verlegt. Nun hätte ein erneuter Besuch im traumhaften ‚Oval‘ von Glentoran angestanden und auch diesen hätte ich schon gern gemacht. Tatsächlich wurde aber auch das Glentoran-Spiel am Samstag-Morgen wegen eines „frozen pitch“ abgesagt. Ironie des Schicksals. Nerven wird am Ende nur der Aufwand um Erstattung und Entschädigung zu erlangen, aber da zahlt sich dann Geduld am Ende ja aus. Eine lose Überlegung für Samstag einen Tagestrip nach Luxemburg und Wallonien zu unternehmen, wurde dann wegen fehlender Motivation wieder verworfen. Die Witterung hielt mich davon ab, mich aufzuraffen.
So erhob ich mich dann zumindest am Sonntag von der Couch, um mit Kumpel Malo zum Oberliga-Kick nach Ratingen zu eibeln. Dort gab sich der Tabellenführer aus Velbert die Ehre und eigentlich hat diese Spielpaarung ja auch Derby-Charakter. Dass das weite Rund dann nicht aus allen Nähten platzen würde, war mir klar, aber dass sich nur etwas mehr als 300 Nasen einfanden, empfand ich doch als mager. Diejenigen, welche der trüben Kälte trotzten, wurden mit einem recht ansehnlichen und schnellen Spiel belohnt, das aber Tor-Chancen vermissen ließ. Je eine Groß-Chance hüben wie drüben waren in Hälfte eins auch nicht der Aufreger, sondern ein Platzverweis für die Gastgeber kurz vor dem Pausenpfiff, von dem so richtig keiner wusste, wofür es ihn gab. Vermutlich lag eine verbale Entgleisung zu Grunde. Die Gäste traten nach dem Pausentee dann zunächst sehr druckvoll auf, aber die Ratinger fanden sich in der Unterzahl schnell zurecht und fuhren sehr schnelle und gefährliche Konter. Da der Tabellenführer aus der numerischen Überlegenheit kein Kapital schlug, kam es wie es kommen musste, und die Germania netzte ein. Zwar verstärkten die Niederbergischen nun ihre Bemühungen aber mit untauglichen Mitteln. Die Gastgeber waren dem zweiten Treffer bei weiteren Kontern jedenfalls näher und brachten den Sieg nicht unverdient über die Zeit.

Herne – Sonntag, 04.12.2022, 14:30

SpVgg Horsthausen vs Hombrucher SV 09/72 3:2

Bezirkssportzentrum Horsthausen, 200 Zuschauer, Landesliga Westfalen Staffel 3
Überragend motiviert war ich an diesem Wochenende in Sachen Fusek nicht, aber am Sonntag wollte ich unbedingt an die frische Luft in Verbindung mit einem lauen Kick. Lau war allerdings relativ, denn das sind aktuell einfach keine Temperaturen für mich. Ich schwitze ja lieber wie ein Schwein auf dem Schwenkgrill, als auch nur im Ansatz etwas zu frösteln. Sportlich sollte es schon ein wenig anspruchsvoller sein und so reiste ich bei – für mich – sibirischem Klima nach Herne. Im Landesliga-Topspiel empfing die Sportvereinigung aus dem Stadtteil Horsthausen den Tabellenführer aus dem Dortmunder Stadtteil Hombruch. Als ich kurz vor dem planmäßigen Anstoß um 14:30 Uhr eintraf, knüppelten schon zwei Teams auf dem Kunstrasen. Ich wunderte mich zwar, dass ein Landesliga-Spiel ohne vollständiges Schiedsrichter-Gespann gepfiffen wurde und der Spielleiter dazu noch eine beachtliche Kiepe vor sich her trug, brauchte aber dennoch einige Minuten um zu begreifen, dass es sich noch um das davor angesetzte B-Liga-Spiel handelte. Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf fing das Landesliga-Spiel eine halbe Stunde später an. Gruß an die Deutsche Bahn! Entschädigt wurde ich für die Wartezeit nicht nur mit einer brauchbaren Manta-Schale sondern auch mit einem unterhaltsamen Kick. Die Gastgeber verlangtem dem Tabellenführer alles ab und waren in Hälfte eins das bessere Team. Den frühen Rückstand konnte die Sportvereinigung bis zur Halbzeit in eine Führung drehen. Direkt nach dem Seitenwechsel dezimierten sich die Herausforderer bedingt durch eine Tätlichkeit dann selber, warfen aber alles in die Waagschale und erhöhten gar durch einen berechtigten Elfer. Der Anschlusstreffer gab dem Dortmunder HSV noch Hoffnung und vor allem beinahe eine halbe Stunde Zeit. Aber mit Glück, Kampf und Geschick brachte die Heimmannschaft das Ergebnis nach Hause und rückte die Tabellenspitze richtig eng zusammen.

Barcelona – So., 27.11.2022, 12:30

CE Europa vs UE Sant Andreu 3:0

Estadi Nou Sardenya, 3.350 Zuschauer, Tercera Federacion Grupo 5
Neben den beiden Platzhirschen der Stadt gibt es in Barcelona noch ein paar kleinere Vereine und Stadien, bei denen ein Besuch durchaus lohnt, und der Spielplangestalter spülte mir das kleine Derby der Stadt zwischen CE Europa und UE Sant Andreu ins Programm. Das kleine Stadion von CE Europa hatte ich eh für irgendwann mal auf dem Zettel, befindet sich dieses doch in enger Lage mitten in der Stadt. Vor allem das circa zwanzig Stockwerke hohe Gebäude direkt hinter der Gegengeraden erschlägt den Ground fast. Fantastische Szenerie. Dass es sich bei dem Spiel um die Partie des Ersten gegen den Zweiten handelte, zeigte mir die Tabelle auf. Dass beide Clubs über aktive Szenen verfügen und dieses Spiel bedingt durch die räumliche Nähe – die beiden Vereine trennen gerade einmal vier Kilometer Luftlinie – hohe Brisanz genießt und zudem großer Rivalität unterliegt, war aber neu für mich. Das waren natürlich traumhafte Voraussetzungen für diesem Partie, welche bei sonnigem Wetter knapp unter der 20-Grad-Marke viel Spaß bringen sollte. Einen ersten Vorgeschmack gab es schon beim Verlassen der Metro, denn zufällig war die Ultra-Horde der Gäste ebenfalls im Zug und ließ einige Gesänge durch Katakomben schallern. So durften wir dann auch noch den von gelbem Rauch begleiteten Corteo zum Stadion beobachten.
Deutlich über 3.000 Zuschauer fanden sich zu diesem Spiel ein. Die Gastgeber gehörten übrigens in den 20er Jahren zu den Gründungsmitgliedern des spanischen Fußball-Oberhauses. Die meisten Spielzeiten der letzten Jahrzehnte verbrachte der Verein aber in der viertklassigen ‚Tercera Division‘. Aus dieser stieg der Club nach der vorletzten Saison auf, blieb absurderweise aber dennoch vierklassig, da oberhalb der vierten Ebene eine weitere Spielklasse installiert wurde. Nach nur einer Saison war das Abenteuer wieder vorbei und der Rückweg in die nun nur noch fünftklassige ‚Tercera‘ musste angetreten werden, aus der es nun aber erneut wieder nach oben gehen soll. Die Gäste waren sind seit einigen Jahren durchgehend Teilnehmer der ‚Tercera‘, duften aber davor einige Spielzeiten drittklassige Luft schnuppern. Beide Kurven waren gut aufgelegt – die Szenen sind deutlich dem Antifa-Spektrum zuzuordnen – und hatten ein Intro zu bieten. Während die Gäste eine große Blockfahne mit einer grimmigen Comic-Figur und einem Banner mit dem Hinweis „Euer Albtraum ist zurück“ präsentierten, beschworen die Gastgeber die ewige Liebe zum Verein und ließen blaue Rauchwolken aufsteigen. Sah beides gut aus. Beim Studium der Zaunfahnen in der Heim-Kurve sorgte eine kleine Zaunfahne der Spielvereinigung Landshut für Erstaunen. Sachen gibt’s…
Danach erlebte ich über die gesamte Spielzeit die beste Stimmung, die ich bei den bisher paar Dutzend besuchten Kicks in Spanien zu hören bekam. Da muss man erst in die fünfte Liga hinunter, um bei Don Quichottes Nachfahren ein stimmungs- und emotionsgeladenes Spiel zu sehen. Aber der spanische Fußballkonsument ist halt in der Regel dem Opernbesucher näher als dem Kurven-Asi. Im ersten Durchgang fehlte es der Partie noch an Torchancen. Der Club Esportiu war das etwas aktivere Team und konnte auch einen Treffer erzielen, der aber mit fragwürdiger Abseitsentscheidung zurückgenommen wurde. In der zweiten Hälfte traten die Gastgeber aber dann deutlich druckvoller und zielstrebiger auf. Waren zuerst noch deutliche Zweifel berechtigt, dass auf dem engen, kleinen Kunstrasen überhaupt ein Tor fallen würde, waren es am Ende deren drei, die von der Heim-Kurve ausgiebig gefeiert wurden, wobei sich auch der eine oder andere Anhänger zum Jubeln kurzzeitig auf dem Spielfeld wiederfand. Europa baute mit dem Erfolg den Vorsprung an der Spitze aus. Klasse Erlebnis, hat Spaß gemacht und ich gewann daraus die Erkenntnis, das Derby auch mal mit Sant Andreu als Gastgeber zu besuchen, liegt das Stadion dieses Vereins doch in ähnlich charmanter Umgebung.

Sabadell – Sa., 26.11.2022, 16:00

Centre d’Esports Sabadell FC vs SD Logronés 0:0

Estadi de la Nova Creu Alta, 4.087 Zuschauer, Segunda Divison, Primera Federación Grupo 2
Eigentlich sollte die durch diese fiese WM bedingte Zwangspause für den glorreichen RWE ja für eine Reise in weiter entfernt liegende Gefilde genutzt werden. Familiäre Ansprüche und schlechte Abstimmung mit den Arbeitskollegen vereitelten das Vorhaben aber schon frühzeitig absehbar. Daher müssen ein paar Wochenend-Trips ausreichen, um einen Ausgleich zum aktuell teils anspruchsvollen Alltag zu schaffen. Sofern man sich nicht für die nördlichen Landesteile entscheidet, ist Spanien immer ein brauchbares Ziel für die kalten Monate. Das passte auch dieses Mal und Barcelona empfing die Herzdame und mich beinahe wolkenfrei und mit moderaten Temperaturen. Stress und Zeitdruck sollten vermieden werden, daher stand am heutigen Samstag nur ein Spiel an und die Wahl fiel auf die Drittliga-Partie in Sabadell – mit dem Regionalzug gut erreichbar. Die besseren Zeiten des Vereins liegen schon länger zurück und in den letzten Jahrzehnten wurde mit kurzen Ausflügen auf zweitklassiges Niveau auf dritter Ebene gespielt. Beim Gastverein handelt es sich um einen Nachfolgeverein des Club Deportivo Logrones. Dieser Verein wurde von mehr als zehn Jahren liquidiert und hinterließ ein Vakuum in der Stadt. Neben der Sociedad Deportiva wurde auch noch die Union Deportiva ins Leben gerufen. Ob und inwiefern sich die beiden Clubs als Nachfolger des Club Deportivo sehen, erschließt sich mir nicht recht, jedoch scheint die SD näher dran am ehemaligen CD als die UD. Soweit verstanden? Ich auch nicht.
Das Stadion in Sabadell hat Ähnlichkeit mit einigen anderen Stadien dieser Größenordnung in Spanien. Nichts atemberaubendes, einfach ein nettes, kleines, reines Fußballstadion und wie so viele in Spanien ohne Rundum-Überdachung. Die kleine Ultra-Gruppe betrat die Kurve erst ein paar Minuten nach Spielbeginn und sang dann ein wenig lustlos vor sich hin. Spanien ist nun mal kein Stimmungsland, da geht es mehr um das Gesamtpaket. Auch fußballerisch war es eher zermürbend, denn die übertrieben auf Technik ausgelegt Spielweise führte dazu, dass sich die ballführenden Spieler in ihren Aktionen verzettelten und Torraumszenen absolute Mangelware blieben. Schon frühzeitig ein torloses Remis vorherzusagen, war bei dieser Veranstaltung keine Kunst uns so war der schöne Abendhimmel noch das Attraktivste an dieser Partie. Der einzig sinnvolle Weg nach dem Abpfiff konnte nur zurück nach Barcelona und auf direktem Wege in eine Taperia führen.

Hage-Halbemond – So., 20.11.2022, 12:30

SG Sengwarden/Fedderwarden vs SV Astederfeld 2:1

Motodrom Halbemond, 874 Zuschauer, 2.Kreisklasse Jade-Weser-Hunte 1
In Ostfriesland, nahe der Stadt Norden, steht mitten auf dem Feld ein riesiges Stadion mit einem Fassungsvermögen von über 30.000 Zuschauern. Dieses Stadion ist allerdings primär für den Speedway-Motorsport errichtet worden und es ist auch das größte reine Speedway-Stadion Europas. Da diese Sparte des Motorrad-Sports in Deutschland ja noch nicht einmal ein Schattendasein führt, sondern eigentlich überhaupt keine öffentliche Wahrnehmung erfährt, ist das schon ein erstaunlicher Fakt. Da Freunde von uns in der Gegend um Norden wohnen, war mir dieses Stadion schon bekannt und ich hatte es mir vor Jahren schon einmal in Ruhe angesehen. In der Mitte der weiten Sandbahn befindet sich ein Rasen-Spielfeld, welches jedoch in den letzten Jahrzehnten nicht mehr für den Spielbetrieb genutzt wurde. Bis Mitte 1999 trugen die Fehner Fußballfreunde ihre Spiele in dieser stattlichen Schüssel aus, bis sie ein Rechtsstreit mit dem Eigentümer MC Norden vertrieb und die Spielfläche fortan brach lag. Ein Groundhopping-affiner Fußballclub, der PSV Braunschweig, verwirklichte vor zwei Jahren dann eine fixe Idee, mietete das Stadion und trug unter schwierigen Corona-Bedingungen mit entsprechender Zuschauerbeschränkung ein Freundschaftsspiel gegen ein lokales Team aus. Diese Veranstaltung war dann der Grundstein für weitere Spiele der Braunschweiger in interessanten Spielstätten, die nicht mehr regelmäßig genutzt werden, und boten der Groundhopping-Szene damit Besonderes.
Eines dieser Spiele fand im letzten Jahr auf Helgoland statt – Groundfever berichtete 🙂 – und der Gegner des PSV in diesem Spiel mit dem sperrigen Namen SG Sengwarden/Fedderwarden aus der Nähe Wilhelmshavens ließ sich inspirieren und verlegte nun ein Meisterschaftsspiel in das Motodrom. Es war klar, dass dieses Spiel zur inoffiziellen Jahrestagung der Bewegung ausarten würde und sowas ist ja eigentlich nicht mein Ding, da ich mich lieber in relativer Anonymität bewege, anstatt mich in Rudeln von Hopping-Ottos zu bewegen, denn dieses zeigt zu oft die Schattenseiten des Hobbys. Um ein Spiel in diesem fantastischen Stadion zu sehen, musste ich aber nun die eh etwas inkonsequent gelebten Prinzipien großzügig auslegen und reiste unterstützt von der Gattin an. Natürlich traf ich viele Bekannte und es gibt ja auch richtig gute und sympathische Leute, die der Bewegung angehören. Und da ich mich von den Horden auf der Hauptseite des weiten Ovals fernhielt, die eh mehr mit Suff und einschlägiger Laberei beschäftigt waren, anstatt dem zugegeben überschaubar attraktiven Kreisklasse-Kick die Aufmerksamkeit zu schenken, ließ sich auch ganz gut steuern, wem man begegnen wollte und wem nicht. Star dieser Veranstaltung war eh einzig und allein das Stadion mit seinen teils durch Erdverschiebungen verschobenen Stufen. Während dann mit dem Schlusspfiff beinahe sämtliche Besucher fluchtartig den Spielort verließen, um irgendeine der umliegenden Nachmittags-Ansetzungen zu erreichen, nahm ich mir die Zeit, noch in Ruhe ein paar Bilder zu schießen. Egal, welches Spiel man nun anvisiert hätte, wäre man erneut auf viel zu viele Angehörige dieser eigenartigen Szene getroffen und eine Veranstaltung dieser Art am Tag reicht mir dann doch vollkommen.