Vreden – Mi., 12.08.2026, 18:45

SpVgg Vreden vs SC Preußen Münster 0:3

Hamalandstadion, 3.000 Zuschauer, Westfalenpokal 1.Runde
Da sich mein Arbeitsplatz ja seit einigen Jahren im Westmünsterland befindet, gibt es ab und an mal die Möglichkeit in der Region nach Feierabend noch ein brauchbares Spiel zu besuchen. So auch heute, wo sich Preußen Münster, das sich nach dem Zweitliga-Abstieg wieder im Verbandspokal herumquälen muss, nahe der Grenze zu den Niederlanden vorstellte. Aufgrund der Lichtverhältnisse wurde die Partie recht kurzfristig um eine Viertelstunde vorgezogen. Vor ziemlich genau zehn Jahren hatte ich exakt dieselbe Spielpaarung am selben Ort schon einmal gesehen. Auch damals wurde es voll, heute war die Anlage aber annähernd überfüllt. Für mein Empfinden wurden mehr Tickets verkauft, als es den Zuschauern möglich war, auch einen vernünftigen Blick auf das Spielgeschehen zu werfen. Die Leute, die keinen Platz mehr auf den Tribünen oder in erster, zweiter, dritter Reihe am Stankett fanden, schleppten schließlich alles ran, was dazu taugte, um aus erhöhter Position über die Köpfe der anderen hinwegzuschauen, Tische und Bänke, Holz- und Bierkisten. Unsinnigerweise gab es Fantrennung. Dabei ist der SC Preußen im Westmünsterland fest verwurzelt und Platzhirsch. Nicht wenige Zuschauer kamen in Preußen-Trikots angeradelt oder auch per pedes. Die Ultra-Szene hatte sich die gedeckte Tribüne unter den Nagel gerissen. Die Stimmung war während der ersten Halbzeit geprägt vom selbstverliebten Geträller, viel zu langatmige Gesänge mit komplizierten Texten raubten den normalen Fans die Motivation, deren Bereitschaft mitzusingen, nahm spürbar ab. Der Capo schien aber in der Pause die richtige Lehre daraus gezogen zu haben und so wurde die zweite Halbzeit deutlich intensiver. Es war wie überall – die einfachen, gradlinigen Gassenhauer und Schlachtrufe laufen am besten und machen es den Umstehenden einfacher einzusteigen.
Die Gäste traten mit dem zweiten Anzug an, was dem Oberligisten die Option bot, die Partie mitzugestalten. Über die gesamte Spielzeit war zwischen den Strafräumen kein großer Klassenunterschied zu bemerken. Die Adlerträger hatten meist die Spielkontrolle, die Spielvereinigung schaltete aber nach Ballgewinn schnell um. Den Unterschied machte das Verhalten im Sechzehner aus. Die Gäste gingen mit der ersten Chance in Führung, gleichzeitig der Halbzeitstand. Der zweite Durchang machte den Klassenunterschied schon deutlicher, nur wenige Möglichkeiten benötigten die Preußen, um das Ergebnis in ein standesgemäßes zu verwandeln. Der schnelle zweite Treffer stellte die Signale deutlich auf Favoritensieg. Danach plätscherte die Partie im Schummerlicht der Sonnenfinsternis vor sich hin, der dritte Torerfolg in der Schlussphase war nur noch Kosmetik. Insgesamt war es ein unaufgeregtes Spiel ohne große Spannung. Die Preußen-Ultras eröffneten den zweiten Durchgang mit einer netten Pyro-Show. Überhaupt lud die geringe Polizei- und Ordnerpräsenz zum Pyro-Gebrauch ein und diese Einladung wurde auch ausreichend genutzt. Selbst als drei Ultras das Tribünendach bestiegen, um von dort oben zu zünden, regte sich keine ordnende Hand, lediglich der Stadionsprecher ließ erhöhten Puls vermuten. Auch das Schiedsrichterteam ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, obwohl dem Linesman auf der Seite der Preußen-Anhänger die Fackeln auf der engen Anlage ja fast das Ohrläppchen ansengten. Dass der Schiedsrichter natürlich dennoch einen Bericht anfertigen und dem SC Preußen eine Rechnung in die Buchhaltung flattern wird, ist wahrscheinlich.