Exkurs

griechenland

Insel-Fußball – Die Grounds von Santorini

Der Urlaub mit der Dame des Herzens führte mich im September vergangenen Jahres auf die traumhafte Kykladen-Insel Santorini. 17 Kilometer in der Länge und an der breitesten Stelle sechs misst das Eiland, dass seine Form durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vor 3600 Jahren erhielt. Fußball wird ja (fast) überall auf der Welt gespielt, also auch auf einer relativ kleinen Mittelmeer-Insel mit 17.000 Einwohnern. Zwei Vereine gibt es, die am Spielbetrieb teilnehmen – Panthariakos AO aus dem Hauptort Fira und AE Thyella aus dem Badeort Kamari. Diese Clubs verfügen jeweils über einen Kunstrasenplatz mit etwas Ausbau. Die Clubs nehmen an der viertklassigen Gamma Ethniki teil und sind dort der Gruppe 5 zusammen mit Vereinen aus dem Athener Großraum zugeordnet. Da es noch weitere Teams auf andern Inseln der Ägäis und auch auf Kreta gibt, erschließt sich mir nicht, warum diese nicht in eine Gruppe gesteckt werden, statt dass die Insel-Teams ständig die weiten Flüge auf das Festland absolvieren müssen. Sieben Fußballplätze gibt es auf Santorini, drei Kunstrasen- und vier Sandplätze. Letztere sind aber sämtlich nicht bespielbar und verfallen langsam. Schade, da es schöne Plätze mit einem ganz speziellen Charakter sind, die zum Teil auch durch die dahinter liegende Kulisse eine ganz eigene Aura bekommen.
Der nördlichste Platz der Insel liegt nahe des Ortes Vourvoulos an der Haupt-Durchgangsstraße Santorinis. Es ist ein Sandplatz, der sicher schon länger nicht mehr genutzt wird. Auf dem Spielfeld haben sich wohl schon vor einiger Zeit erste Pflanzen durchgesetzt. Das Schild am kleinen Kabinentrakt teilt mit, dass hier der Verein Asteras Vourvoulos – Asteras ist das griechische Wort für Stern – gespielt hat. Äußerlich wirkt das Gebäude unbeschädigt und in sehr gutem Zustand.
Fährt man die Insel-Hauptstraße in südlicher Richtung weiter, passiert man nach etwa drei Kilometern einen weiteren, von der Straße nicht zu sehenden Sandplatz nahe des Ortes Karterados. Hier bot sich eine etwas abstrakte Szenerie, denn der Platz wird aktuell als Lagerfläche für Müllcontainer genutzt. Auch hier wird sicher schon seit längerer Zeit nicht mehr gekickt, denn auch hier haben sich einige Pflanzen Terrain erobert. Eine kleine, grobe Tribüne befindet sich auf einer Längsseite. Es steht die Frage im Raum, ob der Platz reaktiviert werden soll. Denn zum einen wird neben der Tribüne ein kleines Gebäude neu errichtet. Und zum anderen wird das existierende Sozialgebäude derzeit renoviert, wie Farbeimer und Lösemittel-Geruch bewiesen.
Im Hauptort Fira befindet sich die Heimat des Clubs Pantheraikos, ein Kunstrasen-Feld mit einer Sitztribüne, die sich über etwa drei Viertel einer Längsseite zieht. Man sieht es dem Tribünchen nicht an, aber darin befinden sich tatsächlich die Kabinen für die Aktiven, was sicherlich eine recht beengte Angelegenheit sein wird. Die ganze Anlage ist in den Vereinsfarben blau und weiß gehalten.
Zwischen Fira und Karterados findet man den dritten Kunstrasenplatz. Dieser scheint zum Training für Jugend-Teams genutzt zu werden. Außerdem verrät ein Banner, dass sich die Real Madrid Foundation schon gezeigt hat, um unentdeckte Talente Santorinis aufzuspüren. Hinter dem dichten Maschendrahtzaun einer Längsseite findet man eine kleine  Tribüne mit ein paar lieblos hin gezimmerten Sitzschalen. Eine notdürftig angebrachte Plane soll vor der Sonne schützen.
In der Stadt Kamari an der flachen Ostküste der Insel befindet sich der Kunstrasenplatz des Vereins Thyella. Über eine gesamte Längsseite wurde eine Sitztribüne erbaut. An einer Kopfseite stehen Kabinentrakt und ein kleines Gebäude, in dem sich die Geschäftsstelle befindet.
Der am höchsten liegende Ort Santorinis ist Pyrgos, das sich zentral auf der Insel befindet. Auch hier gibt es einen verlassenen Sandplatz, der auf einer Längsseite über eine mehrstufige kleine Tribüne verfügt. Auch auf diesem Spielfeld, das ein recht starkes Gefälle hat, stoßen schon erste Grasbüschel durch. Hinter einem Tor bietet die Silhouette des Städtchens eine eindrucksvolle Kulisse. Als die Anlage noch aktiv genutzt wurde, ging hier der AO Pyrgos dem Ballsport nach, wie ein verblichenes Schild am Kabinengebäude beweist.
Im südlich liegenden Ort Emporio findet man den letzten Fußballplatz Santorinis, hinter dem sich die Ausläufer des Insel-Berges Profitis Ilias auftürmen. Auch hier wachsen bereits kleine Büsche auf dem Spielfeld, das in schlechtem Zustand ist. Insgesamt hebt sich die Anlage noch einmal von den anderen nicht mehr genutzten Plätzen ab. Von der alten Stahltribüne sind die meisten Bretter durchgefault und eingebrochen, das Stahlgerüst rostet vor sich hin. Das Innere des kleinen Kabinengebäudes ist völlig zerstört. Die Anlage versprüht den morbiden Charme des Verlassenen.