Sonntag, 23.02.2020, 14:30

oesterreich

TSV Hartberg vs SK Rapid Wien 2:2

TSV-Stadion, 5.024 Zuschauer, Bundesliga

200223hartberg-rapid

Die steirische Kleinstadt Hartberg wird nun in der zweiten Saison nacheinander durch den TSV in der österreichischen Bundesliga vertreten und der Rekordmeister aus der Bundeshauptstadt gab sich begleitet von 6-700 Fans die Ehre, was zu einem ausverkauften Stadion führte. Die Wiener Szene hatte eine kleine Choreo mitgebracht. Ein Rapid-Kämpfer mit Sturmhaube forderte vor grün-weißer Blockfahne zum Faustkampf heraus. Anschließend qualmte es grün aus dem Block. Rapid spielt ja wieder eine eher durchschnittliche Saison. Die Teilnahme an der Meisterrunde ist zwar gesichert, von Titelchancen ist man aber meilenweit entfernt. Es geht nur noch darum den Platz im internationalen Geschäft zu klären. Für den TSV ging es dagegen noch um elementare Punkte. Der kleine Verein ist kurz davor, überraschend ebenfalls das Ticket für die Meisterrunde zu lösen und sich auch der letzten kleinen Abstiegssorgen zu entledigen. Die TSV-Szene ist äußerst überschaubar und erinnerte mich an kleine deutsche Regionalliga-Szenen in ländlichen Regionen. Ein paar Fahnen, eine Trommel und zwei Dutzend Landeier, die ein paar Chants raushauten. Rapid mit dem gewohnt starken Support. Das wirkt zwar oft sehr einstudiert und erinnert beinahe an polnische Kurven, ist aber immer wieder gut anzuhören und anzusehen. In Hälfte zwei qualmte es dann wieder im Away-Bereich und mit grünen und weißen Rauchfackeln wurde bedingt durch das windige Wetter ein interessantes Bild gezaubert, einzelne Bengalos wurden immer mal gezündet und zur Rapid-Viertelstunde in der 75. Minute wurde auch ein ganzes Batallion Fackeln angerissen, was aber bei Tageslicht nicht sonderlich wirkte. Das Stadion ist ein zusammengeschustertes Teil und selbst einer österreichischen höchsten Spielklasse nicht würdig. Lediglich die Haupt- und die Gegentribüne sind gemauert, der Rest besteht aus viel, viel Stahlrohr – schön ist nun wirklich anders. Der Deutsche Meister von 1941 spielte zeitweise überlegen, bekam das Geschehen aber dennoch nicht in den Griff. Trotz Führung drehten die Gastgeber das Spiel und die Wiener konnten sich glücklich schätzen, dass der eben erst neu verpflichtete Stürmer aus der zweiten Liga in der Nachspielzeit noch einen Punkt sicherte. Neben mir stand ein Heini, der sich fleißig Notizen machte, sobald im Rapid-Block ein Pyro-Erzeugnis abgebrannt wurde und dieses auch jedes Mal fotografierte. Wie ein Teilnehmer der Bewegung sah er nicht aus, stattdessen entdeckte ich das Emblem des österreichischen Fußballverbandes an seiner Jacke und sprach ihn mal an. Der Tünnes war doch tatsächlich ein Verbandsspitzel, dessen Aufgabe es einzige und allein war, Pyro-Vergehen und beleidigende Doppelhalter und Transparente zu dokumentieren, auf dessen Fundament nachher die Strafe für den SK Rapid festgelegt würde. Toller Job und er konnte wohl froh sein, dass er mit mir nur an einen unbedarften Fußball-Hansel gekommen war. Aktive Mitglieder einer österreichischen Ultra-Szene hätten vielleicht zur intimeren Aussprache gebeten.