
SC Preußen Münster vs Rot-Weiss Essen 3:3
Preussen-Stadion, 13.945 Zuschauer, 3.Liga

Auch wenn das Duell mit den Gummi-Adlern natürlich kein Derby ist, liegt seit jeher eine gewisse Brisanz in diesen Spielen. Die Preußen sortiere ich direkt hinter den echten Erzrivalen aus dem direkten Rhein-Ruhr-Umfeld ein. Oder anders ausgedrückt – man mag sich absolut nicht. Die Gastgeber waren nicht ganz so gut in die Saison gestartet wie erhofft und vor allem nicht, wie vom westfälischen Umfeld erwartet, denn durch den steilen Aufstieg in der jüngeren Zeit ist die Erwartungshaltung in Münster ordentlich gewachsen. Auch die Art und Weise wie die eher durchschnittliche Punktzahl erreicht worden war, schmeckte dem Großteil der Preußen-Fans nicht. So war die Stimmung dort etwas angespannt und ein latenter Druck auf der Mannschaft nicht von der Hand zu weisen, was für den glorreichen RWE in der Theorie von Vorteil hätte sein sollen. Nachdem sich der Pyro-Nebel auf der Baustelle Preußen-Stadion verzogen hatte, den beide Seiten reichlich produzierten, die rot-weisse Ultra-Szene exzessiver als die Anhänger der Adler-Träger, durfte ich erkennen, dass die Roten die Kontrolle übernahmen. Eine von Marvin Obuz kläglich vergebene Abschlussmöglichkeit nahmen die Gastgeber dann nach zehn Spielminuten nicht nur zum Anlass aktiv am Geschehen teilzunehmen, sondern die Spielgestaltung direkt ganz an sich zu reißen. Von Verunsicherung nix mehr zu sehen, stattdessen trugen die Preußen einen mustergültigen Angriff vor, der mit einem absoluten Traumtor abgeschlossen wurde. Auch danach spielten nur die Hausherren, vom RWE war nichts mehr zu sehen.
Einige Minuten vor dem Seitenwechsel bekam die rot-weisse Abwehr einen langen Einwurf nicht geklärt, der Ball flog erneut in den Strafraum und Alonso war es vorbehalten, die Führung der Gastgeber mit einem unglücklichen Eigentor zu verdoppeln. Damit hingen die Trauben im zweiten Durchgang natürlich hoch. Warum dennoch mit unverändertem System und Personal in diesen gestartet wurde, war nicht nur mir ein Rätsel. Worauf hofft ein Trainer in so einer Situation eigentlich, auf ein Wunder? Denn die Westfalen machten weiter, wo sie aufgehört hatten, die Roten vermittelten nicht eine Sekunde lang, eine Wende herbeiführen zu können. Und doch kam diese. Witzigerweise in dem Moment, als endlich zwei rot-weisse Akteure zur Einwechslung bereitstanden, erkämpfte sich Celebi den Ball, flankte butterweich in den Sechzehner und Janssen köpfte die Kirsche nach exakt einer Stunde Spielzeit wuchtig zum Anschluss in die Preußen-Maschen. Danach passierte eine Viertelstunde lang wenig, auch wenn der glorreiche RWE nun überlegen agierte. Doch dann eröffneten sich den Münsteranern direkt nacheinander zwei Konterchancen, die von Golz beide stark entschärft wurden. Im Eins-gegen-Eins ist der Mann einfach eine Maschine! Kurz darauf flog nach einem abgewehrten rot-weissen Eckball eine zweite Flanke in den Preußen-Strafraum, die den Kopf von Alonso fand, der seinen Fauxpas nun wettmachte und auf Remis stellte. Ein schon verloren geglaubtes Spiel war nun wieder völlig offen.
Doch der Wahnsinn ging noch weiter, denn nur zwei Minuten später zeigte sich der Schlussmann der Gastgeber unsortiert, kam bei einem langen Ball zu spät und faustete anstelle des Spielgerätes Janssens Rübe weg. Das wurde ergo mit einem Strafstoß für den RWE belohnt, den Telalovic vor dem Gästeblock zur Führung verwandelte und diesen im Freudentaumel versinken ließ. Auf diesen Wahnsinn folgte allerdings noch mehr Wahnsinn. Zunächst war Koschinat wahnsinnig genug, den defensiven Reisig für Janssen einzuwechseln. Was sollte das? Der Mannschaft damit das Zeichen zu geben, in einem Spiel, in dem Polen gerade offen war, nun ordentlich Beton anzurühren, erschien wenig sinnhaft. Zudem konnte sich nun auch die Preußen-Defensive in die wütenden Angriffe einschalten, denn hinten gab es ja nichts mehr zu tun. Ich bin absolut kein Uwe-Gegner, aber mit seiner Wechsel-Philosophie werde ich nicht warm. Nun wurde es also wieder ungemütlich vor dem Essener Tor und bei einem langen Einwurf war die Zuordnung wahnsinnig mies, so dass ein Münsteraner Stürmer gar nicht mehr anders konnte, als die Murmel mit seiner Murmel zum Ausgleich zu versenken. Nun ging es noch ein bisschen hin und her, das Ergebnis zeigte sich nun jedoch haltbar. So stand abschließend die Wahnsinns-Frage im Raum, ob man sich nun über den gewonnenen Punkt freuen oder über die beiden verlorenen ärgern sollte. Die Antwort lautete eindeutig „Ja!“.













