Aspach – So., 01.11.2026, 16:30

SG Sonnenhof Großaspach vs Rot-Weiss Essen 0:1

Sportpark Fautenhau, 2.043 Zuschauer, 3.Liga
Großaspach away ist sicherlich nicht das Traum-Auswärtsspiel der Liga, aber auch diese Gegner gibt es nun mal. Die SG Sonnenhof ist in der vergangenen Saison als Aufsteiger aus der Oberliga durch die Regionalliga Südwest gerauscht und in die dritte Liga zurückgekehrt, wo der Verein in den späten Zehner Jahren schon sechs Spielzeiten erlebte. Damals trat sogar der RWE-Fan, -Liebling, -Ex-Spieler und 1860-Ikone Sascha Mölders ein halbes Jahr für den Dorf-Club vor die Kirsche. Dieser hat seinen Ursprung in einer Stammtisch-Truppe die vom heute erfolgreichen Unternehmer Uli Ferber ins Leben gerufen wurde. Aus der Thekenmannschaft wurde ein Freizeitliga-Verein, der aufgrund landesweiter Erfolge schließlich für den regulären Verbandsspielbetrieb gemeldet wurde. Stetig ging es nun aufwärts und durch Fusion mit dem Nachbarverein neue Möglichkeiten geschaffen. Was sich über die Jahre bis heute namensgebend hielt, ist das ‚Hotel Sonnenhof‘ aus dem Ortsteil Kleinaspach, denn dort wurde die Thekentruppe ins Leben gerufen. Der Erfolgsweg wurde geduldig weiter geebnet, bis sich der Verein schließlich auf Profi-Ebene etablierte. Das kleine, etwas außerhalb von Großaspach liegende Stadion, welches mehr Zuschauer fasst, als der Ort Einwohner hat, war zum Zeitpunkt des ersten Drittliga-Aufstiegs bereits fertiggestellt. Nun spielt der Club also erneut in der dritten Liga und zum allerersten Mal überhaupt kam es zum Kräftemessen mit dem glorreichen RWE. Die SG hat aber einige Mühe sich zurechtzufinden und muss sich aktuell eher nach unten orientieren. Das rot-weisse Lazarett hatte sich etwas gelichtet, Janssen und Dardari waren im Kader, aber nicht in der Anfangsformation. Unter den Augen von Andrea Berg, Ehefrau des angesprochenen Uli Ferber, war der RWE bemüht, die Regie in diesem Spiel zu übernehmen, was mit Verzögerung gelang.
Zunächst musste aber Golz aber gegen einen sonnigen Stürmer klären, danach nahmen die Rot-Weissen das Heft des Handelns in die Hand, so richtig zwingend wurde es aber erst einmal nicht. Am ehesten hätten Brumme, der eine scharfe Hereingabe von Hofmann nicht verarbeiten konnte, und Bouebari, der aus gut zwölf Metern halblinker Position einen Schuss völlig verzog, dieser aber durch ein Aspacher Bein an die Latte abgefälscht wurde, erfolgreich sein können. Das war dann aber in der folgenden Situation Abiama zehn Minuten vor dem Seitenwechsel. Der Nigerianer, der immer viel arbeitet, aber dabei aktuell oft übermotiviert und unglücklich wirkt, traf aus zehn Metern per Kopf mit Umweg über den Innenpfosten. Zur zweiten Halbzeit kam Janssen für Bätzner und der wuchtige Stürmer hätte mit seinem ersten Abschluss wenige Sekunden nach Wiederanpfiff das Ergebnis beinahe verdoppelt. Damit war es das dann aber auch schon mit der Gäste-Torgefahr in diesem Kick. Die Sonnigen kämpften sich ins Spiel und kamen zu Abschlüssen. Die Partie entwickelte sich mehr und mehr zu einem Abnutzungskamp zweier Teams, denen noch die DFB-Pokal-Spiele unter der Woche in den Knochen steckten. Die Gastgeber hatten in der zweiten Spielhälfte die Oberhand, und kamen zwanzig Minuten vor dem Ende zur größten Chance. Stürmer Janssen hatte in dieser Situation seine beste Szene und rettete für den geschlagenen Golz auf der Linie. Obwohl die Spieler vom Hofe der Sonne versuchten, den Druck aufrecht zu erhalten, fehlten die richtig gefährlichen Szenen. Letztlich brachte der RWE den Sieg mit einer konzentrierten Defensivleistung über die Linie. Defintiv etwas glücklich, aber auch nicht völlig unverdient. Vielleicht sind das die Siege, die man braucht, um bis zum Ende ganz oben im Tableau mitzumachen. 

Böblingen-Dagersheim – So., 01.11.2026, 12:30

TSV Dagersheim II vs TSV Waldenbuch II 5:2

Waldstadion, 40 Zuschauer, Kreisliga B Stuttgart/Böblingen Staffel 8
Spiele von Reserve-Teams schaue ich mir ja nicht allzu gern an, aber irgendwie wollte die Zeit bis zum Haupt-Akt des Tages ja überbückt werden. Etwas überraschend bestätigte sich tatsächlich die Ankündigung, dass die ‚Zwote‘ des TSV Dagersheim im Stadion spielte. Dieses ist mit einer ordentlichen Tribüne mit einer stylischen Zeltdach-Konstruktion geschmückt. Das Spiel, mit dem Auftritt des Tabellenzweiten gegen den Vierten durchaus ein Spitzenspiel der Liga, war dann auch recht unterhaltsam und abwechslungsreich. Die zweimalige Führung des gastgebenden TSV konnte der Gäste-TSV jeweils ausgleichen, der dritte Treffer der Gastgeber bedeutet die Halbzeitführung. In einem insgesamt ausgeglichen Spiel war die Heimmannschaft im zweiten Durchgang dann vor dem Tor abgeklärter und brachte die Punkte mit einem zu hohen Ergebnis unter Dach und Fach.

Karlsruhe – Sa., 31.10.2026, 20:30

Karlsruher SC Mühlburg-Phönix vs 1.FC Heidenheim 1846 2:1

Wildparkstadion, 28.453 Zuschauer, 2.Liga
Eigentlich lag mir dieser Spielbesuch gar nicht sonderlich am Herzen, es war aber die einzig sinnvolle Option, um am Abend einen Kick zu sehen. Also entschied ich mich, die Gelegenheit wahrzunehmen und ich wurde letztlich dafür belohnt. Das ‚Wildparkstadion‘ hatte ich länger nicht von innen gesehen und, nun ja, dieses gibt es ja auch nicht mehr. Das wundervolle in die Jahre gekommene, nostalgische Stadion, welches trotz der Leichtathletik-Laufbahn einen immensen Charm versprühte, wurde mittlerweile durch einen kompletten Neubau ersetzt. Dieser hat allerdings auch eine Geschichte zu erzählen, denn Pläne für eine moderne Spielstätte für den KSC gab es schon seit annähernd 15 Jahren ehe mal einer einen Spaten in die Hand nahm. Im laufenden Spielbetrieb nahm dann eine moderne Arena nach und nach den Platz des altehrwürdigen Ovals ein. Mit dem 1.FC Heidenheim war dann auch nicht gerade der Wunschgegner angereist, den ich mir für den Spielbesuch gewünscht hätte. Zu meiner Überraschung waren dann aber knapp mehr als 2.000 Fans aus der Schwäbischen Alb angereist, mit maximal einem Drittel hatte ich gerechnet. Und diese hatten sogar eine Choreo im Gepäck. Auf einen wilden Mix von kleinen blauen und roten Schwenkern, folgte eine Fackelnummer, durch welche ein durchscheinendes Banner mit dem Auftrag „Giftig sein“ von hinten durchleuchtet wurde. Sah insgesamt gar nicht so übel aus und übertraf meine Erwartungen an den Gäste-Mob um ein Vielfaches.
Wusste die Karlsruher Kurve aber locker zu toppen. Mit dem Einlauf der Teams wurde hinter dem Tor eine dreistellige Anzahl an Bengalen gezündet und die Tribüne in gleißend rotes Licht getaucht. Das sah mal richtig fett aus und der entstehende Nebel verzog sich bei der nasskalten Witterung, die schwer über dem Stadion lag, erst Mitte der ersten Halbzeit. Dann wurde der Blick auf ein schönes Schwenkfahnen-Bild frei. Überhaupt ist der KSC-Kurve ein guter Auftritt zu attestieren, da kam der Gäste-Anhang absolut nicht mit, aber in diesem waren auch einfach zu viele ‚Neckermänner‘ vertreten. Die Ultras des gastgebenden Bundesliga-Gründungsmitglieds hatten ein paar Spruchbänder parat, die sie an die Staatsorgane richteten. Zunächst wurde Stellung zum unverhältnismäßigen, eskalativen Polizeieinsatz beim letzten Heimspiel gegen die anreisenden Darmstädter Fans genommen. Auch die Feuerwehr Mönchengladbach bekam Aufmerksamkeit geschenkt. Und schließlich wurde die Freundschaft zum Anhang der Berliner Hertha betont. Auch das Spiel meinte es gut mit mir und den anderen Zuschauern, zumindest wenn sie Anhänger des Karlsruher SC Mühlburg-Phönix waren, wie der Club mit vollständigem Namen heißt, was kaum jemandem bekannt ist, der nicht Fan dieses Vereins ist. Die Mannschaft, die sich ja eine Schwächeperiode erlaubt hatte, welche sie auf den vorletzten Tabellenplatz spülte, legte völlig entfesselt los, als würde gar keine Drucksituation existieren. Der erste frühe Treffer wurde noch vom VAR kassiert, nach 20 Minuten gingen die Gastgeber dann aber hochverdient in Führung. Und auch danach spielte lange nur eine Mannschaft und diese hatte sich lediglich eine desaströse Chancenverwertung vorzuwerfen. Es dauert bis in die Schlussphase bis mit dem zweiten Tor vermeintliche Klarheit geschaffen wurde. Nach einem späten Treffer geriet der verdiente Sieg noch unnötig in Gefahr, blieb aber bestehen.

Stuttgart – Sa., 31.10.2026, 14:00

SV Stuttgarter Kickers vs VfR Aalen 0:1

Stadion auf der Waldau, 5.360 Zuschauer, Regionalliga Südwest
Vor fast 30 Jahren war ich zum bisher einzigen Mal in Stuttgart-Degerloch. Damals verbrachten wir das Wochenende bei der Freundin eines Kumpels in Mainz und reisten von dort zum Auswärtsspiel des glorreichen RWE auf die Waldau. Mit dem Einser Golf-Cabrio des Mädels fuhren wir zu sechst(!) ins Schwabenland. Es war früh im Jahr und die Dame nutzte das sonnige Wetter um offen zu reisen. Bei sechs Fahrzeug-Insassen saß einer im Kofferraum und es war reines Glück, dass wir nach Ankunft nicht dessen steifgefrorene Leiche aus dem Heck bergen mussten. Leck mich am Arsch, das war ja schon auf der Rückbank arschkalt. Ich weiß auch gar nicht, warum ich mir so lange Zeit gelassen habe, mal wieder nach Degerloch zurückzukehren. Eigentlich ist das der Fußball, den ich mag. Ein einfaches, reines Fußballstadion ohne viel Schnickschnack, zwei gedeckte Geraden, zwei ungedeckte Hintertor-Tribünen. Natürlich, der Haupttribüne ist irgendwann mal ein Businessbereich zugelaufen, ohne diesen geht es heutzutage ja nicht mal mehr in der Regionalliga, zumindest wenn der Nutzer des Stadions ambitioniert ist. Aber sonst ist das der Fussi, der noch nicht komplett vom Kommerz und Marketing versaut worden ist und die ‚Blauen‘ sind auch nicht kaputtzubekommen, schaffen es, sich trotz der erdrückenden Übermacht aus Bad Cannstatt in der Stadt zu behaupten und haben ihr Stammpublikum nie verloren. Allerdings ist der Stadtteil Degerloch, in dem sich das Stadion befindet und welcher zusammen mit den umliegenden Orten das Haupt-Einzugsgebiet Kickers-Anhänger ist, auch nicht so richtig Stuttgart, sondern eine ganz eigene Hood.
Die guten Zeiten unterm Fernsehturm sind aber lange vorbei. Dass der Club seit jeher im Schatten des in der Region alles überstrahlenden VfB steht, ist kein Geheimnis. Um den Dekadenwechsel der 80er in die 90er Jahre kam der Stadtteilverein dem Platzhirschen aber verdammt nah und schaffte es zwei Male in die Bundesliga. Beide Ausflüge endeten allerdings mit dem umgehenden Wiederabstieg. Es ging dann über die Jahre mit kurzzeitigen Höhenflügen runter bis in die Oberliga und die Blauen mussten sich bis zur Rückkehr auf Regionalliga-Ebene etwas gedulden. In vier Jahren wurde der Verein drei Mal Vizemeister ehe im fünften Jahr der Aufstieg erreicht wurde. Beinahe wäre dann der Durchmarsch in Liga Drei gelungen, am letzten Spieltag leistete man sich aber den entscheidenden Aussetzer. Es gibt Parallelen beim heutigen Gegner, zumindest in jüngerer Vergangenheit, denn eine Bundesliga-Historie kann dieser nicht vorweisen. Der VfR Aalen war bis Ende der 90er Jahre überregional nicht in Erscheinung getreten, qualifizierte sich dann aber für die Regionalliga und schließlich für die eingleisige dritte Liga. Von dort ging es dann sogar für drei Spielzeiten in die zweithöchste Spielklasse, eher der Verein den Rückwärtsgang einlegte und sich schlussendlich in der Oberliga wiederfand. Der erste Versuch zumindest die Regionalliga wieder zu erreichen schlug noch fehl, aber im vergangenen Sommer wurde der Aufstieg dann souverän erreicht. Und es läuft aktuell mehr als gut, denn VfR belegt momentan den Platz an der Sonne. Das hat natürlich auch die Szene beflügelt, die zahlreich an den Neckar reiste. Insgesamt fanden sich circa 400 Leute um einen etwa 150 Personen starken aktiven Block im Gästesektor ein. Die Ultras hatten sechs große, gleichgestaltete schwarz-weiße Schwenker aufgezogen, was ein gutes Bild ergab.
Im Fan-Block der Kickers waren etwa 200-250 Köpfe aktiv, so dass dem Topspiel ein angemessener Rahmen verliehen wurde. Auch im Kickers-Block gab es ein schönes Schwenkfahnen-Bild zu sehen. Die Gastgeber waren bemüht, die Kontrolle zu übernehmen, verkrampften und verhedderten sich aber irgendwie in diesen Ambitionen. Zwar waren die Stuttgarter das aktivere Team, aber die Gäste wirkten irgendwie abgezockter und sie blieben vor allem ruhig und geduldig. Viele Torraumszenen gab es auf beiden Seiten nicht zu sehen, einem Treffer am nächsten waren zunächst die Kickers, das Aluminium rettet den VfR. Und auch nach dem Seitenwechsel benötigten die Gäste die Hilfe des Torgestänges, um die Null zu halten, denn ein Kickers-Schuss von der Sechzehner-Linie klatschte an die Querlatte. Das rächte sich, denn wenige Minuten später erzielten die Aalener den Treffer des Tages. Alle Bemühungen brachten dann nichts mehr, die Gastgeber fanden keine Lösungen und der VfR vergab seine Konterchancen fahrlässig. Die Kickers müssen daher den Kontakt zur Tabellenspitze ein wenig abreißen lassen, während die Gäste diese behaupten konnten.