
1.FC Schweinfurt 05 vs Rot-Weiss Essen 1:3
Sachs-Stadion, 3.877 Zuschauer, 3.Liga
Auf einem Dienstag Abend ging die Reise zum designierten Absteiger aus der Kugellagerstadt. Stark, dass unsere sechsköpfige Reisegruppe der üblichen Verdächtigen schon vor Wochen komplett meldete und mit drei Leuten aus dem erweiterten Kreise ein Neuner-Bus gefüllt wurde. Das aus der Zeit gefallene, mit einer Laufbahn ausgestattete Stadion verfügt über eine nicht zu große, gedeckte Haupttribüne. Die mehrstufigen Stehränge bieten dagegen keinerlei Wetterschutz. Um die Liga-Auflagen zu erfüllen, wurden Bereiche in den Kurven mit Stahlrohr-Sitztribünen bestückt, ansonsten hat sich zu meinem ersten Besuch vor langer Zeit nichts verändert. Diese auf ihre Art schöne Spielstätte hat einen besonderen Charme, der durch die Bäume und niedrigen Hecken, welche die Ränge einfassen, noch vertieft wird. Bis vor einigen Jahren hatte das Stadion noch einen Vornamen. Es büßte den Namen Willy, einem eher zweifelhaften Bürger der Stadt mit NS-Vergangenheit als SS-Mitglied, jedoch auf Betreiben einer Bürgerinitiative ein. Dass der Familienname dem Stadion mit etwas steifer Begründung aber erhalten blieb, kommt eher schildbürgerlich daher. Dass die Namensgebung überhaupt erst so spät hinterfragt wurde aber ebenso.
Was den unter der Woche von starken 1.100 Fans begleiteten RWE erwarten sollte, war nicht recht klar. Würde es eine gemäß Tabellenstand erwartbare Nummer werden oder sollten sich die ‚Schnüdel‘ mit allen Kräften wehren? Immerhin war das seit Ende Februar von Jermaine Jones trainierte Team daheim seit drei Spielen ungeschlagen. Der Spoiler sei erlaubt – nach einigen Startproblemen lösten die Roten die Aufgabe souverän. Die Gastgeber kamen allerdings gut in die Partie und bei zwei, drei scharfen Hereingaben von den Außen, hätte es auch durchaus hinter Golz einschlagen können. Vor allem der nach Ablauf seiner Gelb-Sperre ins Team gerutschte Kostka ließ sich im Minuten-Takt überlaufen, so dass der auf dieser Position starke, aber von einer kleinen Verletzung gerade erst wieder genesene Hofmann schon zum Aufwärmen entsendet wurde. Kostka fing sich aber und spätestens nach 15 Minuten hatte der glorreiche RWE die Geschichte im Griff. Abiama eröffnete mit einer Direktabnahme aus halblinker Position im Strafraum den Torreigen. Und nachdem Brumme eine hochkarätige Chance frei vor dem FCS-Tormann nach dessen Fehlpass auf ihn nicht nutzte, der Ball aber in Essener Reihen blieb, brachte der Torschütze den Ball klug und genau auf Müsel, der das Ding mit seiner feinen Technik volley von der Strafraumgrenze ins Tor drosch.
Auch im zweiten Durchgang behielten die Rot-Weissen die Oberhand und kreierten viele Chancen, aber lediglich der eingewechselte Obuz erzielte ein weiteres Tor, es wurde Chancenwucher betrieben. Mit Blick auf das Torverhältnis wären ein paar weitere Treffer nicht verkehrt gewesen, aber lediglich Kapitän Schulz traf noch, dummerweise ins eigene Netz. Drei Punkte gab es trotzdem und diese hochverdient, denn der RWE war bis auf die Anfangsphase hoch überlegen. Damit wurden die Unterfranken in die Regionalliga geschossen, der Abstieg steht sechs Spieltage vor Ende nun auch rechnerisch fest. Geschockt wirkte auf Heimseite keiner. Als die Mannschaft nach dem obligatorischen Kreis zu den Fans schlurfte, waren nur noch ein paar versprengte im Block verblieben. Im Away-Sektor wurde dagegen gefeiert. Nach dem nun sechsten Sieg in Serie lebt die Hoffnung auf den Aufstieg, zumal die Mannschaft unheimlich gefestigt und selbstsicher wirkt.







