Göteborg – So., 08.08.2021, 15:00

BK Häcken vs Östersunds FK 5:0

Arena Häcken, 994 Zuschauer, Allsvenskan
Etwas angeschlagen krabbelte ich aus dem Bett. Am Abend hatte ich mich noch mit Romina und Daniel getroffen, die seit was weiß ich wie vielen Jahren in Stockholm leben und Anhänger von Hammarby IF sind. Nachdem wir uns mehrere Jahre nicht gesehen hatten, trafen wir uns am vergangenen Wochenende bei den Spielen in Linz und Steyr und nun schon eine Woche später bereits wieder. Manchmal schon absurd das alles. Jedenfalls flossen noch einige Biere und ich weiß nicht ob es an der Verkostung unterschiedlicher Brauarten lag oder ob mir einfach nur der Schlaf fehlte – jedenfalls hatte ich mich morgens schon mal fitter gefühlt. Nachdem im mittäglichen Schnürregen nicht viel möglich war, latschte ich dann mal eine halbe Stunde durch die Stadt, wobei ich die beiden Wahl-Stockholmer direkt wieder über den Haufen rannte. Nicht nur die Welt ist klein, Göteborg offensichtlich auch. Danach wechselte ich mal auf die Nordseite des die zweitgrößte Stadt des Landes durchschneidenden Flusses Göta älv, wo der BK Häcken der Fußlümmelei nachgeht. Häcken ist zwar nach dem IFK, Örgryte und GAIS der unbedeutendste der vier Profi-Clubs der Stadt, spielt aber in einem eigenen Stadion, während sich die anderen Vereine eine Spielstätte teilen müssen. Die kleine Arena in Häcken ist wahrlich nichts Besonderes, aber gefiel mir irgendwie dennoch. Sonderlich groß ist das Stadion, welche das ‚Rambergsvallen‘ vor einigen Jahren ersetzte, das am selben Ort stand, auch nicht. Aber da der Club sein wenig zahlreiches Publikum vermutlich eh nur aus dem Stadion-umgebenden Barrio rekrutiert, wird die Kapazitätsgrenze nur seltenst geknackt. Die abstiegsbedrohten Gäste aus dem weit entfernten Östersund kamen auf dem Kunstgrasgeläuf gehörig unter die Räder. 15 Mitgereiste ertrugen ihr Schicksal stumm und mit Fassung.

Halmstad – Sa., 07.08.2021, 17:30

Halmstads BK vs Malmö FF 0:0

Örjans Vall, 2.015 Zuschauer, Allsvenskan
Es blieb Zeit für einen kurzen Stopp am Strand, dann stand der nächste Kick an. Das Derby ist es nicht für Malmö FF, aber da Derby-Rivale Helsingborg eine Etage tiefer zu Werke geht, dürfte dieser Kick für die Südschweden nach den Duellen mit den großen Stockholmer Vereinen und dem gegen IFK aus Göteborg wohl der interessanteste sein. Das räumlich nächste ist es neben dem Spiel gegen Mjällby sowieso. Das Örjans Vall ist noch ein guter alter schwedischer Gammel-Ground, wobei das auch nicht so recht stimmt, denn die Hütte ist noch gut in Schuss, aber wenigstens kein Glitzer-Neubau, wie sie ja auch in Schweden überall aus dem Boden schießen. Zwei überdachte Tribünen auf den Längsseiten, ein wenig Stahlrohr für die Gäste hinter dem einen Tor, hinter dem anderen befindet sich außer eine Grillbude gar nichts. Die Gegenseite läuft in der unbebauten Hintertor-Seite in ein paar alten Stufen aus. Die Gäste befinden sich fett im Meisterschaftsrennen und sitzen AIK unmittelbar im Nacken. Der HBK musste dagegen zusehen, weiterhin Punkte im Abstiegskampf zu sammeln. Über eine große Fanszene verfügen die Gastgeber nicht. Gut zwei Dutzend Leute versammelten sich auf der Gegenseite in Höhe der Mittellinie hinter einer ‚Boys in Blue‘-Fahne und einem anderen kleinen Lappen und gaben ab und an mal was von sich. Malmö war dagegen mit einer ganz ordentlichen Kapelle angereist. Knapp 500 Leute fanden sich weitestgehend in Hellblau hinter dem Tor ein, von denen ein Stimmungskern von 100 Mann ganz gut Stoff gab und den Rest des Anhangs immer mal wieder mitriss. Das war auf jeden Fall mehr als ich erwartet hatte, denn auch in Schweden findet Fußball unter Corona-Bedingungen mit Zuschauerbeschränkung statt. Ein Teil der Stadionkapazität darf unter einem bestimmten Berechnungsmodell genutzt werden, ‚ausverkauft‘ war dieses Spiel aber lange nicht. Malmö war spielbestimmend, aber vor dem Tor zu einfallslos. Halmstad verlegte sich mangels Qualität aufs Kontern, hatte dabei aber sogar die besseren Chancen. Die zweite Hälfte war dann interessanter. Die Gastgeber bemühten sich mehr um Offensive. Das Spiel wurde abwechslungsreicher, es ergaben mehr Torchancen und das übertrug sich auf die Ränge, natürlich vor allem den Gästebereich. Das Salz kam aber nicht mehr in die Suppe, die Partie endete torlos, was den Gastgebern mehr brachte als den Gästen im Titelkampf. Nach dem Spiel ging es für mich noch weiter nach Göteborg.

Höganäs – Sa., 07.08.2021, 14:00

Höganäs BK vs Torslanda IK 3:0

Höganäs Sportscenter, 105 Zuschauer, Division 2 Västra Götaland
Am Freitag nach Feierabend direkt gen Skandinavien gestartet und halbwegs gut durchgekommen, nahm ich noch die Fähre ab Puttgarden nach Rodby. Dort fand ich einen brauchbaren Schlafplatz am kleinen Stadion, wo auch einige Wohnmobile standen. Die Entscheidung pro Kombi fiel im letzten Jahr nicht ganz grundlos. Bei umgeklappter Rückbank passt man da wunderbar hinten hinein. Der starke Regen störte zunächst, aber grundsätzlich hatte ich ganz ordentlich gepennt und sogar länger als erwartet. Die dynamische Covid-Lage macht das Reisen ja aktuell etwas anstrengend. Als Genesener mit einer Impfung habe ich in Deutschland alle Freiheiten. Dass diese Regelung in Schweden auch angewandt wird, konnte ich herausfinden, wie es in Dänemark gehandhabt wird, aber nicht. Also hatte ich am Donnerstag-Abend vorsichtshalber noch einen Test gemacht. Da dieser bei Wiedereinreise nach Dänemark auf dem Rückweg aber nicht mehr gültig sein würde, brauchte ich was Frisches. In Schweden kosten Antigen-Tests viel Geld, in Dänemark sind diese für Einheimische und Ausländer kostenlos. Also machte ich einen Autobahn-nahen Zwischenstopp in Kopenhagen, lies mich dort testen und erfuhr dabei dann aber auch, dass es unnötig war. Die Regelung wird auch in Dänemark analog zur Deutschen angewendet. Naja, schaden tat es auch nicht und das Zeitpolster war üppig. Um 14 Uhr wollte ich ein unterklassiges Spiel in Laholm sehen. Der Check, ob die Ansetzung so passt wie geplant, kam mir gerade noch rechtzeitig in den Sinn. Hauptplatz gesperrt, Anstoß sollte auf dem einfachen Kunstrasen erfolgen. Also Plan B und ab nach Höganas. Vierte Liga auf einer ganz brauchbaren, etwas sterilen Anlage mit einer ordentlichen überdachten Tribüne. Das Spiel war ganz gut anzusehen, wird mir aber sicher nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Steyr – So., 01.08.2021, 10:30

SK Vorwärts Steyr vs FC Blau-Weiß Linz 0:4

Vorwärts-Stadion, 1.900 Zuschauer, 2.Liga
Bei der Überlegung was ich am Sonntag zum Tour-Abschluss schauen sollte, blieb ich nach letztlich bei diesem kleinen Derby in Steyr hängen. Zweiter Besuch dort, vor einigen Jahren sah ich schon ein Pokalspiel gegen Innsbruck. Zwar hatte ich hier vor ein paar Jahren schon mal ein Pokalspiel gesehen, aber vorn diesem Vergleich mit den Nachbarn aus Linz erhoffte ich mir ein bisschen Action. Um es vorwegzunehmen – ein Kracher wurde es nicht. Blau-Weiß Linz ist ein recht junger Verein, gegründet im Jahre 1997. Allerdings beruft man sich auf die Geschichte des Traditions-Werksvereins VÖEST, der nach dem Ausstieg des Namensgebenden Stahlkonzerns zunächst in FC Stahl Linz und später FC Linz umbenannt wurde, welcher 1997 mit dem LASK fusionierte. Blau-Weiß wurde als Nachfolger des Stahl-Clubs gegründet. Etwa 120 Anhänger waren dem Club ins nahe Steyr gefolgt, von denen etwa die Hälfte supportete. Da hätte ich insgesamt schon mal mehr erwartet. Der aktive Teil der Steyrer Kurve umfasste etwa 80 bis 100 Köpfe. Optisch wurde auf beiden Seiten leider nichts geboten und auch die Zuschauerzahl von unter 2000 blieb deutlich unter den Erwartungen. Sportlich war es eine einseitige Geschichte, denn die Gäste gewannen klar und verdient mit 4:0 Toren.

Pasching – Sa.,31.07.2021, 17:00

Linzer ASK vs SK Rapid Wien 1:1

Waldstadion, 6.087 Zuschauer, Bundesliga
Der LASK spielt seit sieben Jahren im selbst gewählten Exil im benachbarten Pasching. Eigentlich ist das Linzer Stadion oder auch Gugl-Stadion die Heimat des LASK. Der Verein hatte aber seit Mitte der 90er Jahre eine äußerst wechselhafte finanzielle Geschichte durchlebt und sich 2013 entschlossen das größere Linzer Stadion aus Kostengründen zu verlassen und wechselte nach kurzem Intermezzo in Schwanenstadt ins Paschinger Waldstadion. Die LASK-Szene hat sich mit diesem Schritt natürlich nie angefreundet, aber nun ist ein Ende des Exils in Sicht. Nachdem Pläne für einen kompletten Neubau nicht realisiert werden konnten, befindet sich das Linzer Stadion aktuell im Umbau zu einem reinen Fußballstadion und wird voraussichtlich 2023 bezogen werden können. Verlierer der Geschichte ist Ortsrivale Blau-Weiß, der in der zweiten Liga dem Leder nachhetzt. Blau-Weiß nutzte das Gugl-Stadion nach der Flucht des LASK, wird nun aber sein eigenes Donauparkstadion wieder beziehen, welches aktuell für diesen Anspruch hergerichtet wird. Daher muss Blau-Weiß bis zur Fertigstellung derzeit die Anlage des Oberösterreichischen Fußballverbands für die Heimspiele nutzen. Es besteht also die kuriose Situation, dass beide Profivereine der Stadt Linz derzeit keine echten Heimspiele austragen können. Gegen den Rekordmeister meldete der LASK in Pasching ausverkauft. Auch der Gästesektor sendete mit 700 Personen komplette Auslastung. Von dort wurde als Intro erst einmal das Stadion eingenebelt. Stimmung dann auf beiden Seiten sehr stark. Die LASK-Szene ist mit zunehmendem Erfolg des Clubs in den letzten Jahren stark gewachsen und kann nun auf eine ansprechende Masse bauen. Sportlich hinkte das Spiel der Akustik auf den Rängen hinterher, aber da darf man in Österreich auch nicht zu hohe Ansprüche stellen, das ist fußballerisch halt auf europäischer Ebene eine zweitklassige Nation. Umso besser geht es bei den größeren Vereinen auf den Rängen zu. Es gab zwar auch zwei, drei flachere Phasen, aber grundsätzlich konnte das gute Anfangsniveau über die gesamte Spielzeit gehalten werden. Die Wiener machten zur Rapid-Viertelstunde dann noch mal Licht im Block an. Die frühe Führung des Deutschen Meisters von 1941 glichen die Gastgeber spät aus und so endete die Partie auf dem Feld wie auf den Rängen unentschieden.

Plzen – Sa., 31.07.2021, 10:15

SK Petrin Plzen vs FK Hvezda Cheb 2:1

Stadion Velodrom TJ Dynamo ZCE, 70 Zuschauer, Divize A
Die Nacht hätte länger sein dürfen. Aber der Ground wartete nicht, daher ging es um halb acht los und in Bayreuth wurden die beiden Mitreisenden eingesammelt. Über Land ziehen sich ja auch eher überschaubare Strecken immer ziemlich, aber ein paar Minuten vor dem Anstoß trafen wir am ersten Ziel des Tages ein. Und dieses hatte es durchaus in sich, handelte es sich doch um die alte Radrennbahn im tschechischen Plzen. Die offenen Radrennbahnen sind ja eine aussterbende Art und daher durchaus etwas Selektives. Klar, dass so eine herrliche Spielstätte auch noch weitere Mitglieder der Bewegung anzog. Astronaut und Astronauten-Dame hatten es ebenfalls hergeschafft und Maik aus Osnabrück lief mir auch über den Weg. Die Anlage ist insgesamt gut gepflegt. Die Haupttribüne ist gut in Schuss, die grasbewachsenen Stufen in der Kurve und auf der Gegenseite sind gut gepflegt, auch die alte manuelle Anzeigetafel sieht noch gut aus, auch wenn diese nicht mehr genutzt wird. Selbst die Radrennbahn sieht noch gut befahrbar aus. Wieder einmal ein entspanntes Fußballerlebnis bei wunderbarem Wetter. Eine Frühstücks-Klobasa brachte die Stärkung für den weiteren Weg.

Weismain – Fr., 30.07.2021, 19:00

SpVgg Bayreuth vs SV Wacker Burghausen 2:3

Waldstadion, 1.035 Zuschauer, Regionalliga Bayern
Am heutigen Freitag boten sich mehrere Optionen und als Groundhopper wäre die naheliegendste gewesen, den FC Coburg zu besuchen. Ich bin aber glücklicherweise ein Fußballtourist und fand die Chance, das wunderschöne Waldstadion in Weismain ein weiteres Mal zu bestaunen, deutlich attraktiver. Die Spielvereinigung aus Bayreuth wich dorthin aus, da der Rasen im Hans-Walter-Wild-Stadion noch etwas Ruhe benötigte. Da auch Kumpel Astronaut dieses Spiel mit seiner Dame ansteuerte und wir zufällig dasselbe – weil einfach günstigste Option mit brauchbarem Standard – Hotel in Kulmbach gebucht hatten, eröffnete mir das die Möglichkeit, das Spiel zu erwandern. Man muss auch mal neue Wege gehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Also fuhr ich mit der Wald-und Wiesen-Bimmelbahn nach Mainroth. Dass man endgültig in der Provinz angekommen ist, merkt man daran, wenn man in der Regionalbahn sitzt und zwei Minuten vor dem angestrebten Halt die Durchsage kommt, dass der Triebwagen nur hält, wenn man einen Haltewunsch äußert. Das überforderte mich als Bahn-Amateur kurzzeitig, aber unter Mithilfe eingeborener Stammesmitglieder brachten wir den Wagen noch rechtzeitig zum Stehen. Zehn Kilometer über den Berg waren eher ein ausgedehnter Spaziergang als eine Wanderung, aber dennoch ganz nett. In Weismain traf ich dann nicht nur den Astronauten und seine Astronautin, sondern auch Seb und Christian, die für die weitere Tour meine Begleiter sein würden. Das ganz besondere Waldstadion ist Heimat des von einem örtlichen Bauunternehmer ‚mäzenierten‘ ehemals aufstrebenden Dorfvereins SC Weismain und heute des nach Insolvenz des alten Clubs neu gegründeten SCW Obermain. Dieser traumhafte Ground verfügt über eine beachtliche Naturtribüne und zwei weitere überdachte Tribünen. 17.000 Zuschauer finden Platz und bei der Eröffnung gegen den die Region beherrschenden FCN war das Stadion tatsächlich auch ausverkauft. Heute wurde nur ein Siebzehntel der Kapazität benötigt. Die Spielvereinigung hat in dieser Saison was vor und war auch gut gestartet. Aber auch die Wackeraner hatten ohne große Ziele einen guten Start in die Spielzeit hingelegt. Und das bestätigten sie auch und es entwickelte sich eine offene Partie, in der die Gäste vor dem Tor einfach kaltschnäuziger waren, was eine 2:0-Halbzeitführung bedeutete – zur Freude von 22 mitgereisten und dauersupportenden Fans. Die etwa 50 Köpfe starke Bayreuther Oldschdodd-Szene war natürlich auch vor Ort und unterstütze im Oldschool-Stil. Nach dem Wechsel gelang den Schwarz-Gelben recht schnell der Ausgleich, aber die Gäste hatten noch einen Nachschlag im Gepäck und erzielten zwanzig Minuten vor dem Ende den Siegtreffer.

Offenbach – Do., 29.07.2021, 19:00

Offenbacher FC Kickers vs Rot-Weiss Essen 1:4

Stadion am Bieberer Berg, 2.051 Zuschauer, Testspiel
Mit den attraktiven Testspielen des Herzensvereins ist es so eine Sache. Daher löste die Ansetzung des freundschaftlichen Vergleichs mit dem OFC schon beinahe eine Euphorie aus, erst recht, als bekannt wurde, dass Zuschauer und Gäste-Fans erlaubt sein würden. Konnte man dann auch noch prima ne Wochenend-Tour dranhängen. Nach dem Home-Office mittags gestartet, war ich früh in Offenbach am Main und checkte im Hotel ein. Mit zwei Hülsen bewaffnet, spazierte ich dann in Ruhe den Bieberer Berg hoch. Meine Rot-Weissen Gefährten trafen auch kurz vor Anpfiff ein und so war die Vierer-Kombi nach langer Zeit mal wieder in der gewohnten Formation bei einem Auswärtsspiel des glorreichen Meisters von 1955 zugegen. Schon der fünfte Besuch auf dem Berg. Zweimal noch mit dem RWE auf der guten, alten Stahlrohr-Tribüne, das dritte Mal auf dem neuen Berg, Führt im Pokal, Relegation gegen Magdeburg und nun heute. Obwohl das Stadion ja durchaus individuell ist, gefällt es mir nicht richtig gut. Die Lösung mit den Stützpfeilern, welche Sichtbeschränkungen für die oberen Reihen bedeuten, halte ich für wenig zeitgemäß und die Gestaltung des oberen Bereiches der Haupttribüne mit dieser merkwürdig anmutenden und trotz stilisierter Fankulisse einfalls- wie hilflos wirkenden grauen Wand empfinde ich auch als unpassend. Dafür ist die Akustik dank geschlossener Ecken sehr gut.
Etwas mehr als 2.000 Zuschauer waren gekommen, darunter gut 80 aus Essen. Von beidem hätte ich mehr erwartet, aber es blieb halt ein Spiel ohne entscheidenden Charakter. Die Roten kamen direkt gut uns Spiel und gingen schon in Minute zwei in Führung – Chancentod Isaiah Young hatte einen seiner wenigen lichten Momente. Der OFC nahm dann aber auch sehr ordentlich teil, hatte zeitweise auch mehr Ballbesitz, aber es fehlten die zündenden Ideen. Der RWE wirkte dagegen sehr abgezockt und vor allem effektiv und mit einem 2:0 ging es in die Pause. Die Kickers kamen dann entsprechend motiviert aus der Kabine und waren die erste Viertelstunde durchgehend am Drücker, nur klare Chancen konnten sie kaum erwirtschaften. Mit dem dritten Treffer, gleichzeitig dem zweiten von Simon Engelmann, beendete der RWE dann die Offensive der Gastgeber. Danach zeigte sich wieder das Bild aus Hälfte eins. Der OFC markierte zehn Minuten vor Ende den mehr als verdienten Ehrentreffer, aber die Roten schlugen durch Janjic noch mal zurück und gewannen etwas zu hoch, aber sicher nicht unverdient. Auf dem Rückweg in die Stadt machte mir eine am Wege liegende Kneipe, in welcher sich auch OFC-Fans aufhielten, Lust auf ein Bier. Da ich ein Trikot des glorreichen RWE trug, erntete ich erst einmal ungläubige Blicke, aber das Eis war schnell gebrochen. Die noch relativ zahlreiche Kuttenszene der Kickers hat dort offensichtlich ihr Hauptquartier und so wurden das noch ganz lustige zwei Stunden. Der Abend wird mir gut in Erinnerung bleiben und der OFC ist mir sowieso ein sympathischer Verein, was auch daran liegen dürfte, dass sich der RWE und die Kickers sehr ähnlich sind. Triefend vor Tradition mit recht ansehnlicher Vergangenheit, mit guter Fanbase und Rückhalt in der eigenen Stadt, immer bemüht wieder bessere Zeiten anzustrengen und dabei doch chronisch erfolglos. Mal sehen, ob es einem von beiden Vereinen in einem Jahr besser geht.