Wuppertal – Mi., 25.08.2021, 19:00

Wuppertaler SV vs Rot-Weiss Essen 0:1

Stadion am Zoo, 4.140 Zuschauer, Regionalliga West
Nach dem Heimdebakel gegen den SV Straelen war eine starke Reaktion zwingend notwendig. Schaffen auch nur die Rot-Weissen, sich schon am dritten Spieltag einer Drucksituation ausgesetzt zu sehen. Die Jungs aus dem Tal hatten sich gut verstärkt und waren ordentlich in die Saison gestartet, so dass von einem engen Spiel auszugehen war. Der WSV hatte ordentlich die Werbetrommel gerührt. Pausenclown Neururer, der ja in irgendeiner Funktion im Vorstand des Clubs rum mokelt, hatte sogar irgendwas von 10.000 Zuschauern gefaselt. Wird wohl langsam senil, der Pidder. De facto waren dann etwas mehr als 4.000 im Stadion, davon circa 800 bis 900 aus Essen. Beiderseits also nicht unbedingt überragend. Die aktive Szene des RWE hat sich zur aktuellen Lage nach meinem Wissen so positioniert, dass quasi jedem Gruppenmitglied die Entscheidung zum Spielbesuch selbst überlassen ist. Von den großen Gruppen haben sich nur die Vandalz offen zum Stadionbesuch bekannt, allerdings wird auf optische Aktionen und Zaunfahnen weiterhin verzichtet, bis für alle Fans wieder ein normaler Spielbesuch möglich ist. Viele Fanclubs schließen sich dieser Position an. Bei den ersten beiden Spielen wurde zwar supportet, aber mit deutlich angezogener Handbremse, weniger weil es gewollt ist, eher weil die ordnende und führende Position der großen Gruppen fehlt. Es sei vorweg genommen, dass es heute der bislang zurückhaltendste Auftritt war, eines Derbys nicht würdig.
Die Ultras Wuppertal verzichteten ebenfalls auf optische Bekenntnis, hatten aber zumindest das große Banner mit dem Vereinsnamen aufgehängt, standen am gewohnten Platz, waren damit als Gruppe zu erkennen und unterstützten ihr Team deutlich aktiver als es in der Gäste-Kurve der Fall war. Auf dem Spielfeld zeigten sich andere Kräfteverhältnisse. Die Roten übernahmen von Minute eins bis vierundneunzig das Kommando und der WSV kam nur in kurzen Phasen auf Augenhöhe. Die Überlegenheit sah zwar spielerisch nicht schön aus, mündete allerdings in insgesamt sieben oder acht sehr guten Einschussmöglichkeiten, von denen jedoch nur eine im ersten Durchgang genutzt wurde. Unstrittig, dass der Sieg hochverdient war. Allerdings fiel dieser zu niedrig aus und barg unnötig die Gefahr, am Ende eben doch nur mit einem Punkt oder gar ganz ohne dazustehen. Nachdem für den RWE über Jahrzehnte im Tal der fliegenden Messer wenig zu holen war, hat sich das in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Ein Sieg über den aktuell größten Rivalen ist natürlich immer ein Highlight, aber noch nie habe ich diesen so emotionslos hingenommen wie heute. Der Fußball ist halt lange noch nicht wieder da, wo er einmal war, das fällt mir besonders bei den Spielen des Herzensclubs auf. Unter dem Strich bleibt der wichtige Sieg, damit nicht früh in der Saison ein Rückstand zur Tabellenspitze aufgebaut wird. Um ernsthaft um den den Aufsteig mitzuspielen, muss sich die Mannschaft aber noch gewaltig steigern.

Essen – So., 22.08.2021, 15:00

SpVg Schonnebeck vs ETB Schwarz-Weiss 5:0

Schetters Busch, 723 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Nur Nahverkehr sollte es am heutigen Sonntag nach der 20-Stunden-Tagestour am Vortag sein. Neben dem spontanen Vormittags-Spiel war das am ersten Spieltag der Oberliga Niederrhein stattfindende Derby zwischen den Schwalben von der Spielvereinigung Schonnebeck, die sich in den letzten Jahren ja zu Essens Nummer zwei hinter dem glorreichen Deutschen Meister von 1955 gemausert haben, und den Schwatten aus dem Essener Süden eingeplant. Marco traf ich dort natürlich auch wieder, ist ja schließlich sein Stammverein, für den er lange Jahre Bälle aus dem Giebel gefischt hat – oder manchmal eben auch nicht. Am Schetters Busch war ich zuletzt vor über zehn Jahren. Dass dieses Duell am ersten Spieltag stattfinden würde, sollte sicherlich noch ein paar Zuschauer mehr anlocken als üblich. Ist ja ne recht schöne Anlage auf der die Schwalben spielen, auch wenn eine gewisse Individualität fehlt. Die schöne Sitztribüne wertet den Platz aber natürlich auf und es ist sicherlich eine der schönsten Spielstätten der Stadt. Einlass und Catering waren hervorragend organisiert und man spürte auch dass die Spielvereinigung ein lebendiger Verein ist.
Über 700 Zuschauer waren zum Spiel erschienen, eine stattliche Kulisse für ein Oberliga-Match. An die 100 davon werden den Schwarz-Weißen die Daumen gedrückt haben. Vielleicht sollte sich der Verein aber besser in Grau-Weiß umbenennen, denn so wirklich was anfangen kann in Essen ja keiner mit diesem Verein, der sich als ewiger Oberligist spätestens in den letzten zwei Dekaden zur grauen Maus entwickelt hat. Dass der Verein nun vom ehemaligen Macher des FC Kray – einer doch eher streitbaren, polarisierenden und nicht überall beliebten Personalie – unterstützt wird, macht den Verein nicht unbedingt sympathischer. Aber auch die Spielvereinigung muss über großzügige Gönner verfügen, anderenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass einige der aktuellen Spieler für einen Oberligisten aufliefen. Im Kader findet sich schon ein gutes Stück Regionalliga-Erfahrung wieder. Die Gastgeber hatten auf jeden Fall den besseren Start für sich und übernahmen direkt die Regie des Spiels. Nach einer frühen schwarz-weißen Notbremse und daraus resultierendem Platzverweis wurde der Elfmeter zwar versemmelt, aber im Nachschuss gingen die Gastgeber dennoch in Führung. Die Gäste steckten nicht auf, hatten nach dem Gegentor vielleicht sogar etwas mehr vom Spiel, kassierten aber wenig später den zweiten Treffer. Zudem schwächten sie sich nach einer Tätlichkeit kurz vor der Pause ein weiteres Mal. Zu neunt war dann nicht mehr viel zu holen, die Schwalben zeigten sich sehr effizient und schnürten den Gästen im zweiten Durchgang ein schönes Päckchen.

Essen – So., 22.08.2021, 11:00

DJK Wacker Bergeborbeck vs NK Croatia Essen II 1:1

Sportplatz Cathostraße, 40 Zuschauer, Kreisliga C Essen Gruppe 1
Als mich nach dem Aufstehen und dem Aufbrühen eines Kaffee die Nachricht des RWE-Genossen Marco erreichte, dass er und der Teamchef das Vormittags-Spiel der DJK Wacker besuchen würden, wog ich kurz Faulheit gegen Interesse ab und entschied mich dann für die kurze Anreise. Ein Spiel hatte ich auf dem irgendwie kultigen Sportplatz an der Cathostraße, gelegen im Schatten des RWE-Stadions, tatsächlich noch nicht gesehen, sondern den Platz nur im Laufe der glorreichen Kreisliga-Karriere selber einige Male beackert. Wacker hat nie höher gespielt als in der Bezirksliga. Mit Beginn des Jahrtausend begann dann der endgültige Abstieg. Einige Spielzeiten hielt sich der Club in der Kreisliga A, mittlerweile ist man seit Jahren Stammgast auf der untersten Ebene der Ligen-Pyramide. In den letzten Jahren lief dann auch der Nachwuchs nach und nach weg. Natürlich wollen die Kinder und Jugendlichen lieber auf brandneuen Kunstrasenfeldern spielen, als in der zudem nicht sehr schön gelegenen Asche-Kuhle im Essener Zonenrandgebiet. Keine einzige Jugendmannschaft und nur noch eine Seniorenmannschaft nimmt am Spielbetrieb teil. Trauriger Niedergang eines beinahe 100 Jahre alten Vereins. Dabei hat die Anlage durchaus Charme mit den zwei betagten Überdachungen. Dennoch ist der Patient natürlich klinisch tot und wird nur noch durch den Einsatz einiger unermüdlicher Mitglieder künstlich am Leben erhalten. Sportlich war die Veranstaltung natürlich auch kein Leckerbissen und das Highlight eigentlich die Szene, als der Referee das Spiel mittendrin unterbrach und einem Wackeraner mit der Frage „Wo sind denn Deine Schienbeinschoner“ den gelben Pappkarton unter die Nase hielt.

Helgoland – Sa., 21.08.2021, 13:45

PSV Braunschweig vs SG Sengwarden/Fedderwarden 0:6

Fußballplatz Nordostgelände, 617 Zuschauer, Testspiel
Vor sechs Jahren weilte ich bereits einmal auf Helgoland, um ein Spiel auf diesem Platz mit der traumhaften Kulisse zu sehen. Der lokale Verein VfL Fosite veranstaltete gegen ein Team aus dem Hamburger Raum eins seiner seltenen Freundschaftsspiele. Also schnappte ich meine Dame, buchte ein schickes Hotelzimmer und schipperte von Cuxhaven rüber auf die einzige deutsche Hochseeinsel. Infos waren vorab nur schwer zu bekommen, lediglich die Absicht das Spiel auszutragen wurde seitens des VfL per Email bestätigt. Eine Uhrzeit hingegen nicht. Man müsse erst warten bis die Krabbenfischer zurück seien, Zoll und Post Dienstschluss haben, der Flugloste von der Düne zurück sei undsoweiter. Also einfach mal zum Platz gehirschelt und da man mit diesem Hobby ja nie alleine ist, saß tatsächlich schon ein Angehöriger der Bewegung auf den Stufen dieser wunderbaren Anlage und wartete. Nach seiner Aussage war es sein dritter Versuch ein Spiel auf Helgoland zu sehen und er würde nicht weichen, damit der Anpfiff nicht verpasst wird. Passte mir gut, Handy-Nummern ausgetauscht – er würde sich melden, sobald sich was tut. Irgendwann gegen 17:00 wurde dann das Feuer eröffnet und neun gegen neun oder zehn gegen zehn kickten vor sich hin, genau kann ich mich nicht erinnern. Nach 70 Minuten wurde die Nummer beendet, da man entschied, nun besser Bier trinken zu können. Keine schlechte Entscheidung, aber unter dem Strich war das keine wirklich befriedigende Geschichte für einen aufrechten Fußballtouristen.
Ergo kam mir die heutige Veranstaltung ganz gelegen und so wurde wiederum die Dame eingepackt und ab ging es gen Norden nur dass es dieses Mal ein blutiger Tagesausflug war. Ein paar findige Jungs aus Braunschweig, der Bewegung selber nicht abgeneigt, hatten schon im letzten Jahr ein Spiel im für den Fußball nicht mehr genutzten Motodrom Halbemond organisiert und sich nun dem Sportplatz auf dem Nordostgelände verschrieben. Für dieses Spiel wurde für den Polizeisportverein aus der Löwenstadt ein Club aus der Gegend um Wilhelmshaven als Gegner begeistert. Helgoland geht sowieso mehr als ein Mal, das ist schon ein besonderer Flecken. Prinzipiell halte ich mich von derartigen Szene-Aufläufen ja fern, das ist nichts für ich, aber heuer freute ich mich irgendwie drauf, weil klar war, dass man neben Dutzenden Groundhoppingmistvögeln auch auf einige richtig gute Leute treffen würde, was entsprechenden Spaß versprach. So war es dann auch und das Spiel wurde bei (zu viel) Bier völlig verquatscht, so dass ich vom sportlichen Teil kaum Notiz nahm oder nehmen konnte. Es reichte aber um zu registrieren, dass die Norddeutschen den Polizisten deutlich überlegen waren und sechs Dinger verhafteten. Was eigentlich überraschte, da beide Teams in der 2.Kreisklasse zu Werke gehen. Aber für sämtliche Beteiligten war das Spiel selber ja auch nur zielführende Nebensache. Eigentlich unglaubliche 617 Zuschauer und wohl auch die Aktiven empfanden sicher die Location als eigentlichen Star des Nachmittags. Die Felswand hinter der mehrstufigen Tribüne bietet natürlich eine absolut geniale Kulisse. Nach dem Spiel reichte es noch für einen Spaziergang über die Insel und einen Snack, bevor die ‚Fair Lady‘ für die Rückfahrt als letzter Passagier (O-Ton des Matrosen: „Nu is aber auch höchste Oisenboohn“) betreten wurde.

Essen – Fr., 20.08.2021, 19:30

Rot-Weiss Essen vs SV Straelen 1:4

Stadion Essen, 7.500 Zuschauer, Regionalliga West
Das hatten sich 7.450 Personen unter den 7.500 im Covid-bedingt damit ausverkauften Stadion anders vorgestellt. 547 Tage nach der letzten Punktspiel-Niederlage in einem Heimspiel nahm die Mannschaft aus der Blumenstadt die Festung Hafenstraße einigermaßen locker ein. Ein konsequentes Defensiv-Konzept, welches konzentriert und diszipliniert umgesetzt wurde und vier teils etwas glücklich, teils souverän ausgespielte Konter reichten, um dem Titelaspiranten die an diesem Abend ziemlich stumpfen Zähne zu ziehen. Nun ist der SV Straelen natürlich keine Thekentruppe, sondern eine von einem Bauunternehmer unterstützte Mannschaft mit gestandenen Spielern, die zum Teil auch schön in höheren Ligen agiert haben und die sicherlich eher in der oberen als unteren Tabellenhälfte landen wird. Einen rot-weissen Sieg hat man dennoch erwarten dürfen. Die erste Hälfte verlief recht ereignislos. Der RWE war spielbestimmend, fand aber kaum ein Mittel, um in der Box des Gegners gefährlich zu werden. Torlos ging es in die Pause. Sicherlich kamen die Roten dann ambitioniert aus der Kabine, durften dann aber erst einmal die bittere Pille des ersten Gegentreffers schlucken. Isaiah Young verlor den Ball in der Offensivbewegung. Den Gegenzug konnte der ins leere grätschende Herzebruch nicht verhindern. Der hinterher eilende, pfeilschnelle Young holte den Straelener Stürmer ein, stand dann gar besser zum Ball, lies sich aber dennoch abkochen. Der danach folgende Pass erreichte den Gäste-Stürmer am Sechzehner. Heber kam zwar mit dem langen Bein noch an den Ball, stocherte diesen aber nur dem Stürmer ans Schienbein und dieser ließ sich dann nicht lange bitten. Eine Verkettung von unglücklichen Aktionen, die bezeichnend für die restliche Spielzeit sein sollte.
Wer nun von einem schlechten Gefühl beschlichen wurde, hatte jedenfalls nicht ganz unrecht, dennoch war ja noch alles drin. Diese Hoffnung schwand zehn Minuten später mit dem zweiten Gegentor, bei dem dieses Mal der sonst so starke Schnapper Davari nicht sehr gut aussah. Der Anschlusstreffer wenig später sollte eigentlich Auftrieb geben, aber so richtig kamen die Roten im gegnerischen Sechzehner nicht in Abschlusssituationen. Mit dem etwas fragwürdigen Elfer zwanzig Minuten vor dem Ende, war die Wiese dann gemäht. In der Entstehung war es dieses Mal Innenverteidiger Langesberg der patzte. Es war offensichtlich, dass die Roten an diesem Abend nicht in der Lage waren, die Partie noch einmal zu drehen. Richtig sauer machte mich aber nur Gegentreffer Nummer vier in der Schlussminute, der ohne große Gegenwehr fiel. Man kann auch mal ein Heimspiel verlieren, man kann auch mal beschissen spielen, aber man darf nie aufhören, sich zu wehren. Ziemlich unbehelligt durften die Gäste den letzten Konter fahren und vollenden. Das ging mal gar nicht. Alle rot-weissen Akteure, die an den vorherigen Gegentreffern ihren Anteil hatten, sahen erneut schlecht aus, als ob man den gebrauchten Abend bestätigen wollte. Der SVS wird nicht die letzte Mannschaft gewesen sein, die sich mit einem tief gestellten 5-4-1 und der Hoffnung auf erfolgreiche Konter an der Hafenstraße vorstellt. Da ist der Stab um Trainer Neidhardt gefordert, ein vernünftiges Gegenmittel anzurühren, sonst werden die Fans nicht nur ein Mal enttäuscht nach Hause schlurfen. Ballbesitz allein reicht nicht für einen Sieg. Mund abputzen, Krone richten, aufstehen und weiter arbeiten!

Bonn – So., 15.08.2021, 15:15

SV Beuel 06 vs SV Bergheim/Sieg 1:3

Franz-Elbern-Stadion, 140 Zuschauer, Bezirksliga Mittelrhein Gruppe 2
Weil es am Vortag so schön in Bonn war, fuhr ich direkt wieder hin, verblieb dieses Mal aber auf der Schäl Sick. Dort steht das idyllische Franz-Elbern-Stadion des SV Beuel 06, ein wunderbarer Ort um in angenehmer Atmosphäre entspannt ein Fußballspiel zu schauen. Immerhin 140 Leute wollten dieses Bezirksliga-Spiel sehen, davon bestimmt 50, die den Gästen aus dem nur fünf Kilometer entfernten an der Mündung der Sieg in den Rhein gelegenen Bergheim zugetan waren. Ging also schon als Derby durch der Kick. Ich hatte mich mit einem Pilsken noch gar nicht ganz auf den Stufen der Stehtraverse niedergelassen, da stand es schon 1:1. Der jeweils erste Angriff der Teams führte zum Erfolg. Danach war es lange ein ausgeglichenes Spiel und roch nach Remis, aber die Gäste entschieden das Ding noch mit zwei späten Toren.

Bonn – Sa., 14.08.2021, 14:00

Bonner SC vs Rot-Weiss Essen 0:3

Stadion Bonn im Sportpark Nord, 1.895 Zuschauer, Regionalliga West
Anfang März 2020 war es zum letzten Male möglich, ein Liga-Auswärtsspiel des glorreichen RWE vor dem ersten Corona-bedingten Lockdown zu sehen. Beim Bonner SC gelang ein 3:1-Sieg. Nachdem sich die Situation beruhigt hatte und teilweise wieder eine kleine Zahl an Zuschauern zugelassen wurde, gelang es mir exakt ein Auswärts-Ligaspiel vor Zuschauern zu besuchen. Es musste zwar beim Online-Ticketing ein wenig getrickst werden, aber letztlich durfte ich einen 1:0-Erfolg der Roten erleben. Absurderweise war es wiederum ein Spiel beim Bonner SC. Dass nun das erste Meisterschaftsspiel, bei dem auswärts wieder Zuschauer erlaubt waren, beim Bonner SC über die Bühne ging, war also nur konsequent. Ebenso wie der erneute Auswärtssieg – vielleicht besuche ich einfach nur noch die Auswärtsspiele in Bonn. Alles gewohnte Wege ohne Stress und drei Punkte sind auf dem Rückweg auch immer im Gepäck. Gut 1.500 Rote unter den knapp 1.900 Zuschauern machten die Partie zu einem Heimspiel, auch wenn die Stimmung natürlich (noch?) nicht an die Vor-Covid-Zeit erinnerte. Die Hygiene-Regeln wurden seitens der Zuschauer zwar etwas großzügig ausgelegt, durch das Ordnungspersonal aber geduldet. Sinnvoll, wie ich finde, denn alles andere hätte nur Stress bedeutet. Und schließlich sah man auch bei Ordnern und Polizisten, dass es mit den Regeln nicht immer genau genommen wird. Insgesamt zwar schwierig, den richtigen Weg zu bestimmen, grundsätzlich bin ich aber aufgeschlossen, langsam und mit etwas Achtsamkeit in gewohnte Bahnen zurückzukehren, sonst wird man auf Dauer ja nur paranoid.
Der BSC hatte nicht vor, sich dem Favoriten zu ergeben und versuchte den Spielaufbau der Roten durch hohes Anlaufen zu stören. Das gelang auch phasenweise sehr gut, so dass der RWE zwar überlegen war, aber nicht zu großen Chancen kam. Die beste Möglichkeit hatten im ersten Durchgang eigentlich die Gastgeber, aber auf der Gegenseite reichte einer Maschine wie Simon Engelmann eine halbe Chance, um einen Treffer zu erzielen. Die Halbzeitführung war daher zwar knapp, aber dennoch nicht in Gänze unverdient. Nach dem Wechsel entwickelten der RWE dann mehr Druck, was im zweiten Treffer durch Chancentod (diesen Beinamen kann ich hoffentlich bald ad acta legen, denn der Junge macht sich) Isaiah Young mündete. Starke Einzelaktion. Den Gastgebern war danach der Zahn etwas gezogen und diese arbeiteten sich eher am Schiedsrichter ab. Der dritte Treffer durch den eingewechselten Routinier Janjic entschied die Partie dann spätestens und das Ergebnis hätte in der Folge auch noch höher gestaltet werden können, aber das wäre dem mutigen Auftritt der Ex-Hauptstädter auch nicht gerecht geworden. Erfreulicher Saisonauftakt also, aber zunächst sind das auch nur drei Punkte, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Göteborg – So., 08.08.2021, 17:30

IFK Göteborg vs Hammarby IF 0:0

Ullevi, 9.337 Zuschauer, Allsvenskan
Mit dem Abpfiff aus dem Stadion von Häcken gestürmt und nach fünfzehn Minuten Fahrt den vorher auskundschafteten Parkplatz eingenommen, traf ich eine Viertelstunde vor Spielbeginn am ‚Ullevi‘ ein, wo ich auch wieder auf meine beiden Hammarby-Fans traf. Die identische Spielpaarung hatte ich 2015 bereits gesehen, allerdings 400 Meter weiter westlich. Dort steht das ‚Gamla Ullevi‘, die reguläre Heimstätte des IFK, erbaut im Jahre 2007. Obwohl also neu gebaut, ist der Ground als ‚altes‘ Ullevi bezeichnet, während das größere Stadion aus den 50er Jahren den Beinamen ‚Nya‘, also ‚neu‘, trägt. Die Erklärung ist prinzipiell simpel – oder auch nicht. Anstelle des heutigen neuen Stadions stand der mit ‚Ullevi‘ benannte Vorgänger, der nach dem Bau des benachbarten großen ‚Nya Ullevi‘ den Beinamen ‚Gamla‘ erhielt. Der Neubau des alten Stadions übernahm diese Bezeichnung. Das ‚Nya Ullevi‘ trägt heute übrigens nur noch Namen ‚Ullevi‘. Soweit so einfach, wie kompliziert. Dass der IFK im großen Stadion spielte, war den Corona-Beschränkungen geschuldet. In das große ‚Ullevi‘ durften einfach mehr Zuschauer, als das im ‚Gamla Ullevi‘ möglich gewesen wäre. Gut für mich, denn dieses beeindruckende Stadion stand schon lange auf der Wunschliste. Zwar finden ab und an noch Testspiele darin statt, aber um Punkte wurde dort schon lange nicht mehr gespielt. Die Architektur in Form eines Sattels ist zwar nicht einmalig in der Welt, aber das ‚Ullevi‘ ist sicherlich eines der bekanntesten Vertreter dieser Bauform. So flach der Unterrang ist, so steil erhebt sich der Oberrang. Da brauchte ich fast ne Bergsteigerausrüstung um meinen Platz zu erreichen.
Errichtet wurde der schmucke Bau für die Weltmeisterschaft 1958. Im Halbfinale schlugen die Schweden die deutsche Elf in einem Spiel, welches als ‚Schlacht von Göteborg‘ in die Geschichte einging. Schon Stunden vor dem Spiel fielen die schwedischen Zuschauer durch feindliche Parolen und aggressive Gesänge auf, zusätzlich eingepeitscht durch organisierte Einheizer mit Megaphonen. Zudem wurde dem Großteil der deutschen Fans der Zutritt zum Stadion verweigert. Nach einem Platzverweis gegen Juskowiak und verletzungsbedingtem Ausscheiden von Fritz Walter – Auswechselungen waren damals noch nicht erlaubt – brachte Deutschland das Spiel zu neunt zu Ende und verlor durch zwei später Treffer 1:3. Die Ansetzung eines Ungarn als Schiedsrichter war zudem sicher nicht die glücklichste Entscheidung, nachdem die Elf um Puszkas vier Jahre zuvor gegen Deutschland das Finale in Bern verloren hatte. Sei’s drum. Man würde sich wünschen, dass auch heute bei einem Länderspiel der deutschen Elf mal wieder solche Emotionen frei würden, aber bei dem, was diese gesichtslose Nationalelf heutzutage abliefert, pennt man ja eher ein. Wenn man überhaupt wahrnimmt, dass ein Länderspiel stattfindet. Kann ich überhaupt nix mehr mit anfangen, die Nationalmannschaft ist mir schlicht und ergreifend völlig egal. Das haben der unsägliche Verband und die kommerzielle Entwicklung des Fußballs bei mir jedenfalls gut hinbekommen. Aber das ist ein anderes Thema.
Knapp zehntausend Zuschauer waren gekommen, davon etwa 700 aus der Hauptstadt. Wenn ich nicht fehlinformiert bin, war das Spiel damit ausverkauft. Der IFK-Anhang sammelte sich auf der Gegenseite, etwa 100 Aktive waren da zu erkennen, was natürlich bei Weitem nicht dem Potential der IFK-Szene entspricht, ebenso wenig wie die vielleicht 60-70 aktiv supportenden Gäste-Fans die Kraft des Hammarby-Anhangs widerspiegeln. Die Gäste hatten sogar ein paar Fackeln dabei, das alles war unter den aktuellen Bedingungen schon in Ordnung. Auf dem Spielfeld neutralisierten sich die Teams weitestgehend. Hammarby mit mehr Spielanteilen, ohne dabei vor dem Tor gefährlich zu werden. Etwas spannender verlief dann die zweite Spielhälfte. Beste Minute war wohl die siebzigste, als das Leder erst hüben dann drüben ans Aluminium klatschte. Hammarby vergab dann in der Schlussphase den Sieg, als sich noch zwei gute Einschussmöglichkeiten ergaben. Mit dem Schlusspfiff musste ich mich von Romina und Daniel verabschieden und für mich begann damit auch die Heimreise. Für drei erholsame Tage machte ich aber noch Stopp auf Fehmarn, wo Eltern und Schwester im Urlaub weilten.