Sportpark De Pampert, 1.200 Zuschauer, 2e Klasse Zondag G Oost
Nach dem Kick zwischen Stürmern und den Kitzlern führte der Weg über die Staatsgrenze, wo ein Steinwurf hinter dieser das Stadtderby in Coevorden auf dem Spielplan stand. In der zweiten Spielklasse auf Provinzebene empfing die Coevordense Voetbalvereniging Germanicus den Ortsrivalen Raptim. Die Gastgeber warnten vor dem Abbrennen von Pyrotechnik um Strafen durch den Verband zu vermeiden. Schade, dass auch diese auf Amateur-Ebene verbreitete Tradition erste Risse bekommt, und so beschränkten sich die Anhänger der Germanen darauf, ihre Anlage mit Transparenten zu schmücken. Die Gäste, so gerade eben von Abstiegssorgen befreit, versteckten sich vor 1.200 Zuschauern beim Tabellenzweiten nicht und hatten die eine oder andere Chance auf den Führungstreffer. Am Ende standen sie aber doch mit leeren Händen da, weil die Gastgeber in der Nachspielzeit zum Sieg einnetzten.
Ich weiß gar nicht mehr, wodurch ich vor Monaten schon über diese kuriosen Vereinsnamen gestolpert bin, aber es war mir sofort klar, dass ich zugegen sein musste, wenn die Waldstürmer und die Rasenkitzler um Punkte streiten. Fußball in der dritten Kreisklasse, die hier nicht einmal die unterste Spielebene ist, denn es geht tatsächlich noch eine Etage tiefer, ist selten schön, ich habe aber auch schon Schlimmeres gesehen. Die Heimat des Waldsturm im Grünen vor den Toren Nordhorns ist auch nichts Besonderes, abgesehen von einem kleinen Unterstand, der aber nicht wirklich als solcher genutzt wird, sondern eher als Wetterschutz für diverse Gegenstände, bietet die Platzanlage keine Merkmale. Dass ich an der Basis des Kreisfußballs angekommen war, merkte ich spätestens als ich im offenen aber verwaisten Vereinsheim an der Theke eine Person nach einem Kaffee fragte, diese aber nur antwortete „Keine Ahnung, ich bin hier nur Zuschauer und bediene mich immer selbst“. 90 plus ein paar Minuten später hatten die Kitzler das Spiel gewonnen. Von Bedeutung war diese Partie für beide Teams aber nicht mehr.
Showdown an der Donau. Der letzte Spieltag bot noch mal alle Optionen vom direkten Aufstieg bis zur verpassten Qualifikation für den DFB-Pokal. Um die Liga auf direktem Wege nach oben verlassen zu können, mussten die Energetiker aus dem Niedersorbischen verlieren und die Streifen-Ponys von der Wedau durften nicht gewinnen. Diese Kombination war von vornherein wenig wahrscheinlich. Mit einigen anderen Ergebniskonstellationen war aber zumindest das Erreichen der Relegation möglich. So oder so musste aber erst einmal die eigene Aufgabe gelöst werden und die hieß kurz und schmerzlos: Auswärtssieg! Obwohl der SSV nach seiner unglaublichen Rallye in den letzten Jahren bereits seit Wochen abgestiegen war, fehlte mir ziemlich der Glaube an einen Sieg, weil die Mannschaft in den letzten Wochen kaum Nervenstärke bewies und einige wichtige Leute verletztungsbedingt passen mussten. Auf Gedeih und Verderb das Heil im Angriff zu suchen, war auch nicht möglich, weil bei einer Niederlage und gleichzeitigem Sieg der Hansa-Kogge sogar der für die Pokal-Quali notwendige vierte Platz verloren ging. Leider hatte sich der glorreiche RWE in diese undankbare Lage gebracht, anstelle schon im siebten Himmel zu schweben. Drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen waren halt eine zu viel. Aber – und das ist mal klar – vermutlich jeder aus der rot-weissen Familie hätte unterschrieben, wenn vor der Saison gesagt worden wäre, dass der Deutsche Meister von 1955 am letzten Spieltag überhaupt noch im Rennen ist.
Die Ulmer Szene verabschiedete sich mit einer Choreo und Pyro-Einsatz von der dritten Liga. Prinzipiell schade, denn dieses auf seine Art schöne, traditionelle Stadion hat mehr verdient als Regionalliga-Fußball. Begleitet von gut 5.000 Anhängern legten die Roten dann los wie die Feuerwehr, machten von der ersten Sekunde an deutlich, dieses Spiel gewinnen zu wollen. Nach einem ersten langen Ball verschätzte sich SSV-Keeper Ortag, der noch eine Rolle in dieser Partie einnehmen sollte. Potocnik erreichte die Kugel vor dem Schlussmann der Ulmer Spatzen, spielte diese nach innen auf den blitzblanken Müsel, der nur noch einen Verteidiger zwischen sich und dem Ziel sah und nach 80 Sekunden überlegt zur frühen Führung einschob. Das gab Sicherheit und weiterhin rollte Angriff auf Angriff in Richtung des Ulmer Tores, Chance um Chance ergab sich, aber eben der angesprochene Ortag zeigte sich nun als unüberwindlich. Das alles bekam die Ultra-Szene der Roten noch nicht mit. Aufgrund von selbst provozierter Verzögerung traf diese erst nach einer Viertelstunde ein. Undankbare Situation, da die Kurve schon pickepackvoll war. Capo Basti fand nach Erklimmen des Zauns aber die richtigen einleitenden Worte und sowohl die Szene als auch die übrigen Fans verhielten sich verständnisvoll, so dass jede Zaun- und jede Schwenkfahne und auch jeder Ultra seinen Platz fand.
Die Gastgeber kamen überhaupt nicht zur Geltung und erst nach fast einer halben Stunde das erste Mal in die Essener Box. Zunächst musste Potocnik eigentlich den zweiten Treffer für den RWE erzielen. Den aus der vergebenen Chance entstehenden Konter versuchte Tobi Kraulich im eigenen Strafraum zu klären, stellte sich dabei aber zu plump an, brachte einen Ulmer zu Fall und der Gefoulte verwandelte den fälligen Elfer selbst. Ich bin immer wieder begeistert wie konsequent sich Golz für die falsche Ecke entscheidet. Es war der 14.(!) Strafstoß, der in der laufenden Spielzeit gegen RWE verhängt wurde, und 13 Male schlug es ein. Klingt beides rekordverdächtig. Doch damit noch nicht genug des Dramas. Der sonst immer stabile und sichere Hofmann spielte keine zehn Minuten später einen zu kurzen Rückpass auf Golz. Chessa bedankte sich artig, in dem er die Murmel erlief, Golz umkurvte und die Kirsche mitten ins Essener Herz schoss. Der SSV führte und niemand wusste warum, nicht einmal die Ulmer selbst. Da Hansa zeitgleich in Saarbrücken führte, war Rot-Weiss gerade dabei alles zu verspielen und auf den fünften Tabellenplatz abgerutscht. Aber die Rot-Weissen schüttelten sich und zeigten endlich das, was sie in den letzten Spielen vermissen ließen – Körpersprache und Mentalität! Sie rannten einfach weiter auf das Spatzen-Tor und Müsel, der ja ein wirklich feiner Fußballer mit exzellenter Schusstechnik ist, nahm Maß und traf unter Zuhilfenahme des Innenpfostens noch vor der Pause zum Ausgleich.
Ihrem Schnapper hatten die Gastgeber es zu verdanken, dass die Partie vor dem Seitenwechsel nicht wieder komplett gedreht wurde. Zu Beginn der zweiten Hälfte wurde erst einmal die eigentlich als Intro geplante Choreo in Form einer Blockfahne nachgeholt. Muss gut ausgesehen haben, meine Perspektive war allerdings etwas ‚bedeckt‘. Also ich wieder aufs Spielfeld sehen konnte, stellte ich fest, dass von Fünfer- auf Viererkette umgestellt worden war und die Offensive mit Abiamas Hereinnahme weiter befeuert wurde. Es ging also weiter nach vorne. Dann machte die Info über die Führung der Viktoria in Duisburg die Runde und die Hoffnung zumindest auf Platz drei wurde größer, zumal der RWE weiter Dampf machte. Aber das Tor der Ulmer blieb wie vernagelt. Ob Mizuta, Potocnik oder Abiama – Ortag hielt einfach alles. Zu diesem Zeitpunkt eigentlich ohne Not, löste Koschinat die doppelte Besetzung der Sechser-Position auf, es wurde als noch offensiver. Zwanzig Minuten vor Schluss rauschte der bereits verwarnte Mazagg in Hofmann rein und ging mit der zweiten gelben Karte schon mal duschen. Wie stand es inzwischen eigentlich auf den anderen Plätzen? Cottbus eilte dem sicheren Aufstieg entgegen, aber der MSV wankte, hatte zwar ausgeglichen, arbeitete sich aber am Remis gegen die Kölner Viktoria ab. Das Erreichen der Relegation war noch drin, aber dafür musste dieser verdammte Treffer her.
Unglaubliche 38 Abschlüsse hatte der RWE in diesem Spiel zu verzeichnen und genauso unglaublich war es daher, dass es erst zwei Mal im SSV-Gehäuse eingeschlagen hatte. Ortag schien nunmehr unbezwingbar. Und dennoch, mich beschlich das Gefühl, dass das Mistding irgendwann noch reinrutschte. Als ein erneuter schöner Strahl von Müsel fünf Minuten vor dem Ende nur das Aluminium traf und Jansen kurz danach eine dicke Chance nicht nutzen konnte, zweifelte ich noch mal etwas, aber irgendwie war ich mir fast sicher, dass es noch ein gutes Ende geben wird, der RWE war einfach mal dran. In der Schlussphase setzte ein Hagelschauer ein – welch passendes Wetter für diese Spielphase. In der vierten Minute der Nachspielzeit flog mal wieder eine Ecke in den Ulmer Sechzehner. Kraulich kam nicht entscheidend zum Abschluss, aber Hüning fiel der Ball vor die Füße und dieser pflasterte das Dingen dann endlich, endlich, endlich unter die Latte in die Maschen. Ich nehme Tore für den glorreichen RWE natürlich mit Freude, aber doch oft relativ sachlich zur Kenntnis. Ich freue mich mal etwas ausgelassener, mal etwas gesetzter, aber die Unbekümmertheit der späten 80er und der 90er Jahre ist lange vorbei, der Verein hat mich in all den Jahren und Jahrzehnten einfach gelehrt, demütig zu sein. Aber jetzt? Explosion! Ekstase! Ausrasten! Welch ein Torjubel. Drei Reihen runter, vier wieder hoch, von links nach rechts geschubst und wieder zurück. Wildfremde Leute im Arm, der Typ hinter mir hat mich in seiner Freude beinahe erwürgt. Das sind die Momente, für die wir den Fußball lieben!
Was lief in Duisburg? Dort war nun Schluss, es war beim Unentschieden geblieben. Noch zwei Minuten mussten hier rumgebracht werden, aber es war einfach klar, dass sich die Roten die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließen – hier und heute brannte nix mehr an, der Fußballgott hatte sich für diesen Tag endgültig auf die rot-weisse Seite geschlagen! Der Schlusspfiff provozierte dann natürlich bei Mannschaft und Anhang Jubelszenen, als wäre der Aufstieg schon beschlossen. Dazu qualmte und leuchtete es ununterbrochen an allen Ecken und Enden. Befreundete Ultras der Wiener Austria hatten offenbar sämtliche Pyro-Reste vom letztwöchigen Derby-Sieg gegen Rapid dabei und fackelten ab, was die Bestände hergaben. Was kann es Emotionaleres geben, als einen so entscheidenden Treffer in der Nachspielzeit zu feiern!? Erst recht, wenn man damit einen der größten Rivalen ins Aus befördert. Damit gibt es nun also zwei Zugaben. Für mich hat diese Saison aber bereits einen versöhnlichen Abschluss gefunden, ich bin absolut zufrieden mit dem, was mir die Mannschaft geboten hat. Dabei wurde noch gar nix erreicht und dennoch ist das nicht Erreichte sensationell, erst recht nach der Entwicklung in den letzten Wochen. Was jetzt noch kommen mag, betrachte ich als Bonus. Die Relegation mit positivem Ende zu überleben wird hart und ich sehe den Zweitligisten im Vorteil, aber in zwei Spielen ist natürlich alles möglich, das wurde in den vergangen Jahren von anderen Drittligisten mehrfach bewiesen. Sensation loading?
Von einer kleinen Erkältung etwas geschwächt und eingeschränkt, verlief der Start in den Freitag gemächlich. Nach einem Besuch des für den ‚Blautopf‘, eine sogenannte Karstquelle, wiederum eine Bezeichnung für eine trichterförmige Quelle ohne oder nur mit geringer Fließbewegung, bekannten kleinen Örtchens Blaubeuren mit seinen vielen Fachwerkhäusern, war das Ziel am Abend Riedlingen an der Donau, wo wir auf weitere Gefährten trafen.
Zum Abstiegskracher empfing der TSV vor gut 300 Interessierten auf seiner schönen Anlage mit der schmucken Holztribüne den FC Serbija aus Ulm. Nach etwas verhaltenem und ausgeglichenen Beginn, konnten die Gastgeber per Foulelfmeter in Führung gehen. Die Gäste ließen sich davon nachhaltig verunsichern, bis zur Pause hatte das Ergebnis aber Bestand. Im zweiten Abschnitt agierte der TSV zielstrebiger und machte frühzeitig alles klar. Ein durch den Gäste-Schnapper zu kurz abgewehrter Freistoß, fand im Nachschuss in die Maschen und bis zur 20. Minute der zweiten Spielhälfte erhöhte der TSV auf 4:0. Zu viel für die Nerven des Gäste-Trainers der sich nach einem verwehrten Elfmeter in einem Schwall serbischer Flüche ergoss, was der Referee mit den Worten „Ich verstehe Serbisch“ und dem roten Karton trocken quittierte. Treffer Nummer fünf war dann nur noch Kosmetik. Die Riedlinger ergatterten damit wertvolle Punkte im Abstiegskampf, während bei den Serben kaum noch Hoffnung auf den Klassenerhalt besteht.
Der Feiertag lud zu einer kleinen Tour mit finaler Zielrichtung Ulm ein und im Umkreis der Donaustadt wurde auch das Lager aufgeschlagen. Der Donnerstag führte die kleine Reisegruppe über die Landesgrenze. Die Austria aus dem Vorarlberger Lustenau klopfte am letzten Spieltag deutlich an das Tor zum österreichischen Fußball-Oberhaus. Mit einem Sieg würde die Austria sicher aufsteigen, die Gäste aus Niederösterreich waren aber sicher keine Laufkundschaft, die sich einfach als Party-Gäste präsentieren würden. Ein ausverkauftes Haus durfte ‚Loschnou‘ vermelden. Das gab es nicht einmal beim Derby gegen Bregenz zwei Wochen zuvor, was da aber vorrangig an den den wenigen Gäste-Anhängern lag. Da der Gastverein für heute auf sein Kontingent verzichtete, wurde der Away-Sektor in diesem letzten Saisonspiel mit Austria-Anhängern geflutet und damit das volle Haus ermöglicht. Die Lustenauer Fanszene, innig befreundet mit den Anhängern des FC Augsburg und auch heute von diesen unterstützt, wie ein Überhänger über dem eigenen Gruppen-Banner zeigte, präsentierte zum Intro kleine Fähnchen in den Vereinsfarben. Rechts und links neben dem zentralen Spruch-Banner am Zaun wurden Fackeln ebenfalls in den Farben Grün und Weiß gezündet.
Vom Support wurde ich positiv überrascht. Natürlich trug auch die Bedeutung der Partie dazu bei, dass sich gute 300 Supportfreudige hinterm Tor versammelten, ich hatte jedenfalls mit maximal 100 Leuten gerechnet. Die Heim-Elf nahm das Zepter sofort in die Hand und so ließ der Führungstreffer auch nicht lang auf sich warten. Auch wenn die Niederösterreicher danach besser in die Partie kamen war die Pausenführung verdient. So ganz wach war die Austria dann nach dem Wiederanpfiff nicht, denn mit dem ersten Angriff der Amstettener fiel der überraschende Ausgleich. Davon ließ sich der Aufstiegsanwärter aber nicht beirren, spielte geduldig weiter und erzielte bald die erneute Führung, die bis zum Schluss Bestand haben sollte. Die Kurve wagte den üblichen Platzsturm und entzündete dabei einige Freudenfeuer. So werden in der kommenden Saison, Rapid, der SK Sturm und Co im kleinen Stadion direkt am Alpenrhein vorstellig. Das vorher aus viel Stahlrohr bestehende ‚Reichshofstadion‘ wurde in den letzten Jahren zu einem schmucken reinen Fußballstadion ausgebaut. Das Bergpanorama bietet einen schönen Hintergrund, von dem heute lieder nicht viel zu sehen war. Merkmal der Bude sind sicher die spacigen Flutlichtmasten, die wie Porree-Piepen in den Himmel ragen. Außen etwas Betonlastig zeigt das Stadion innen viele Holzelemente. Nicht optimal für Pyro-Exzesse, aber das erste Jahr nach der Fertigstellung im letzten Sommer hat der Bau ja schon mal überlebt.
Sportanlage ‚Zum Michael‘, 600 Zuschauer, Bezirksliga Westfalen Gruppe 11
In Raesfeld in Westmünsterland ging kurz vor Saisonschluss das Topspiel der hiesigen Bezirksliga-Staffel über die Bühne. Der TSV und die Gäste aus Stadtlohn standen punktgleich an der Tabellenspitze, der SuS hatte aber eine Partie weniger ausgetragen. Mit etwa 600 Zuschauern war die Veranstaltung angemessen besucht. Die Stadtlohner fanden besser ins Spiel und der TSV-Schlussmann musste einige Male sein Können zeigen. Da die Gastgeber sich aber im Laufe der ersten Halbzeit verbesserten, ging es torlos in die Kabinen. Niemand hatte vermutlich erwartet, was dann im zweiten Durchgang geschehen sollte. Der Führungstreffer für den TSV war eine Art Dosenöffner, denn der SuS brach völlig in sich zusammen und verspielte mit dem knackigen Fünfer-Päckchen, dass er kassierte, auch das bessere Torverhältnis gegenüber dem neuen Tabellenführer. Spannung ist an den letzten Spieltagen garantiert.
Stadion an der Hafenstraße, 19.517 Zuschauer, 3.Liga
Es galt, den letzten Strohhalm zu ergreifen und dass sich für diese Aufgabe der SC Verl an der legendären Hafenstrasse vorstellte, war keine besonders günstige Ausgangslage. Nicht nur, dass es ich um einen absoluten Angstgegner handelte, sondern auch dass es für die Ostwestfalen noch um etwas ging, verlieh der Partie eine Bedeutung für beide Teams. Mit einem Auswärtssieg in Essen-Bergeborbeck, für den Sportclub in den letzten Jahren beinahe Routine, wäre dieser am glorreichen RWE auf Platz vier und damit in die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal vorbeigezogen. Der Gästeblock erstrahlte heute in den schönsten Farben der Welt. Die RWE-Führung hatte sich mit den Verantwortlichen aus Verl geeinigt, dass diese nur den Gäste-Sitzplatzbereich zur Verfügung gestellt bekommen. Dabei kam es zwar wohl zu einem Missverständnis beim Sportclub, denn die aktive Szene glänzte nun mit Abwesenheit, da diese gerne den üblichen Platz im Steh-Sektor eingenommen hätte. Natürlich reichte die Kapazität des Sitzplatzbereiches für den aus etwa nicht einmal 700 Köpfen bestehenden Gästeanhang aber mehr als aus. Der Heimbereich war dagegen erneut restlos ausverkauft. Der RWE ging auf fünf Position verändert ins Spiel. Die Defensive wurde dabei komplett umgebaut, nur Rios Alonso blieb aus dem Verbund der Vorwoche übrig.
Die Gäste versuchten in der Anfangsphase das Tempo der Partie extrem niedrig zu halten, wollten dem RWE keinen druckvollen Beginn ermöglichen. SCV-Schlussmann trieb es auf die Spitze, als er eine halbe Minute den Ball am Fuß hielt ohne eine Anspielstation finden zu wollen und ernannte sich damit früh zur Hassfigur. Dass die RWE-Stürmer nicht angriffen war eine andere Geschichte, aber zu früh durfte das Risiko einer Überzahl des Gegners in der eigenen Spielhälfte und damit ein möglicher Gegentreffer nicht in Kauf genommen werden. Ein Rückstand hätte die Sache stark verkompliziert. So entwickelte sich eine Art Abnutzungskampf ohne große Torchance. Brumme und Safi hatten die einzigen beiden guten Abschluss-Chancen für die Roten, die Gäste fanden einmal in Golz ihren Meister. Die Verler zeigten sich etwas abgeklärter und versuchten die Partie immer wieder zu beruhigen, während der RWE es mit mutigen und schnellen Vorstößen versuchte. Das junge Eigengewächs Swajkowski, ebenfalls neu in der Stratelf, sah früh die gelbe Karte. Eine zu harte Entscheidung des durch die rot-weisse Brille betrachtet, insgesamt anstrengend pfeifenden, aber den RWE auch nicht maßgeblich benachteiligenden Referees, die für Entrüstung im aufgeheizten Publikum sorgte. Aber es war mir zu wenig Aufruhr. Es ist einfach nicht mehr die alte Hafenstraße. Früher hätte danach kein Schiedsrichter mehr auch nur irgendwas gegen den RWE entschieden.
Torlos ging es in den zweiten Durchgang. Auch in diesem zeigten sich die Westfalen selbstbewusst und ballsicher, mit der Absicht sich aus Drucksituationen in der Defensive immer spielerisch zu befreien. Dauerhaft spielerische Lösungen finden zu wollen ist aber ein Risiko. Swajkowski erkannte das fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff, war einen Schritt schneller als ein Gäste-Akteur, fackelte nicht lange und jagte die Murmel von der Strafraumgrenze ins rot-weisse Glück. Das Gesicht des Spiels änderte sich dadurch aber nicht maßgeblich. Der Sportclub wirkte etwas sicherer, gelang aber kaum mal in die Gefahrenzone. Erst in der Schlussviertelstunde war das der Fall, als die Gäste das Risiko erhöhten, aber eigentlich wurde es nur einmal richtig brenzlig, als Taz vom Sechzehner abzog und Golz den minimal abgefälschten Ball mit einer Glanztat an den Pfosten lenkte. Die Roten vergaben dagegen jede Konterchance leichtfertig und überhastet. Die Offensive war heute kein Trumpf. Potocnik, der für Jansen ins Team gerutscht war, konnte keine Akzente setzen, ebenso wenig wie die später eingewechselten Schmidt und Obuz. Dass die Führung bis zum Ende bestand hatte, war eine defensive Willensleistung, denn dort wurde Schwerstarbeit geleistet, kein Ball aufgegeben, beinahe jeder Angriff der Gäste aufopferungsvoll wegverteidigt. Der RWE lebt noch, hat es aber weiter nicht in der eigenen Hand. Der Glaube an ein Wunder fehlt mir weiterhin, die Hoffnung ist aber da. Next and last Stop Ulm am kommenden Wochenende!
Es gab keine Ausreden mehr, heute musste alles rein in die Waagschale wenn die Chance, den Aufstieg aus eigener Kraft zu erreichen nicht aus der Hand gegeben werden sollte. Aber wenn man glaubt, man hat mit dem Verein seines Herzens schon alles erlebt, wird man von Zeit zu Zeit doch noch eines Besseren belehrt. Auf alle Eventualitäten eingestellt, übertraf dieses Spiel alle Szenarien, die so im Kopf herumgeisterten – eigentlich war ich auf alles Denkbare vorbereitet. Eine recht schwache Saison der Schwaben konnte mich nicht täuschen, die Mannschaft ist durchaus stark besetzt. Die Roten übernahmen dann aber sofort die Spielkontrolle, ließen den Ball sicher laufen. Im gegnerischen Sechzehner fehlte aber die Präsenz, weil die VfB-Reserve konzentriert verteidigte und die Räume clever eng machte. Die nominellen Gastgeber in ihrem selbst gewählten Exil in Andrea Bergs Heimat, dem Stadion der SG Sonnenhof, versuchten über schnelle Konter gefährlich zu werden, erste Warnschüsse wurden aber geblockt oder verfehlten das Ziel. Die wenigen Versuche des RWE waren allesamt zu ungestüm und ungenau. Mitte der ersten Hälfte nahm das Schicksal dann seinen Lauf. Der für den (wieder mal) gelbgesperrten Gjasula agierende Reisig brachte Sessa knapp an der Strafraumgrenze, aber eben innerhalb dessen dämlich und ungestüm zu Fall. Der Gefoulte trat selber an. Golz, der ja eigentlich nie auch nur ansatzweise suggeriert, mal einen Elfer zu halten, war dann am gut geschossenen Ball dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern.
Das machte sichtbar etwas mit der Mannschaft, die Verunsicherung war nun greifbar. Mizuta hatte zwar die Chance zum Ausgleich, der VfB-Schlussmann hielt aber stark. Es war zu spüren, dass die Elf in Rot und Weiss nun gehemmt agierte, auch wenn das Bemühen sicherlich nicht abzusprechen war. Dem Team ist durch die jüngste Ergebnis-Entwicklung aber jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen. Das größte Manko ist jedoch, dass die Truppe einfach nicht aus ihrer Haut kommt. Ein Spitzenteam ist in der Lage – und die aktuellen Kontrahenten aus Cottbus und Duisburg können das – in ausweglosen Situationen, jegliche taktische Ausrichtung und alle guten Manieren abzulegen und mit dem Herz in der Hand einfach Gas zu geben und den Instinkten zu folgen. Diese aktuelle RWE-Mannschaft kann das nicht. Es sind sicherlich alles gute Fußballer, aber es fehlt Wut und Feuer, in scheinbar ausweglosen Lagen mit dem Rücken zur Wand ums Überleben zu kämpfen. Das ist auch der entscheidende Faktor, warum es am Ende wahrscheinlich nicht reichen wird. Dabei blieb der RWE das aktivere Team, aber eben völlig ineffizient. Dem Gegner wurde dagegen kurz vor der Halbzeitpause noch mal zu viel Raum gewährt und Sessa dankte es mit seinem zweiten Treffer, indem er die Kirsche aus über zwanzig Metern ins lange Eck zirkelte. Nichts zu halten für Golz, aber zu dieser Situation darf es ja gar nicht erst kommen!
Interessant übrigens, dass die VfB-Spieler bei den Toren kaum Freude zeigten, als ob es sich um ein Trainingsspiel handelte. Mitleid mit den Roten wird es kaum gewesen sein, da kann man schon eher glauben, dass es den Profi-Reserven eh scheißegal ist, ob sie siegen oder verlieren, es geht ja auch irgendwie um nix für diese überflüssigen Liga-Teilnehmer. Nun hingen die Trauben natürlich umso höher. Vermutlich wird sich Coach Uwe für Durchgang Zwei auch irgendwas überlegt haben, zu sehen war davon aber nichts. Blutleer ergaben sich die Roten in ihr Schicksal, welches nun zum völligen Debakel geriet. Spätestens mit dem dritten Gegentor zehn Minuten nach Wiederanpfiff war die Nummer endgültig durch. Sämtliche vier Gegentore des zweiten Durchgangs ähnelten sich, die RWE-Defensive war den schnellen Kontern durch fehlendes Stellungsspiel überhaupt nicht gewachsen und wirkte wie festgebunden. Golz war die ärmste Sau, sah sich vier Mal allein einem heranrauschenden Stürmer gegenüber. Arevalo, ein junger technisch starker Spanier, der perspektivisch für die erste Mannschaft verpflichtet wurde, netzte gleich drei Mal ein. Einmal wurde dieser brillant unterstützt durch einen verheerenden Rückpass von Kapitän Schulz, der sich seiner Aufgabe in den vergangenen Spielen nicht mehr gewachsen zeigt. Der einzige RWE-Treffer von Potocnik in der Nachspielzeit war natürlich nicht mehr interessant.
Es war auf eine Art beeindruckend, wie die Mannschaft in so einem wichtigen Spiel in sich zusammenfallen konnte. Die Abwehr war quasi nicht mehr existent, es ist schwer nachzuvollziehen, was da passiert ist. Knapp 3.000 mitgereiste Fans stellten die Unterstützung dann nach dem vierten Treffer ein. Unmut wurde geäußert, Beleidigungen blieben aus, vereinzelt wurden Sinnlos-Gesänge angestimmt, eine nachvollziehbare Reaktion mancher enttäuschter Anhänger. Das Team kam nach dem Schlusspfiff schweren Schrittes und durchaus nicht angstbefreit in die Kurve, die Szene zeigte aber eine gute Reaktion und versuchte die Truppe etwas aufzubauen. Der Capo holte die völlig zerstörten und recht weit vor dem Block stehenden Spieler an den Zaun und beschwor den Zusammenhalt für die verbleibenden Partien. Alles anderes wäre auch der finale Todesstoß gewesen. Wenn noch irgendwie das Wunder – und das wäre es ja nun – geschafft werden soll, geht es nur gemeinsam. Der Glaube ist nicht mehr da, aber es ist erst vorbei wenn es vorbei ist.