Sportpark Orderbos, 1.500 Zuschauer, Relegation zur 4e Divisie
Apeldoorn ist die größte holländische Stadt ohne Profi-Fußballclub. Der Verein AGOVV spielte in den frühen Jahren des neuen Jahrtausends einige Spielzeiten in der zweiten Liga, musste sich jedoch aufgrund finanzieller Probleme zurückziehen und gurkt nur noch auf regionalem Niveau. So ist der CSV aktuell der höchstklassige Verein der Stadt, das bedeutet gerade einmal höchste Regional-Spielklasse, landesweit sechstklassig. Heute bot sich zumindest die Chance, künftig „landelijk“ zu spielen – also landesweit. Mit einem Remis im Hinspiel gegen die Kolping-Brüder aus Alkmaar hatte der CSV das Tor zur ‚Vierde Divisie‘, die entgegen ihrer Bezeichnung nur die fünfte Spielklasse ist, weit aufgestoßen. Solche Spiele ziehen im Land der Grachten und Tulpen ja immer viele Leute an, zudem wird dem Vereinsleben eh eine höhere Bedeutung beigemessen als beispielsweise in Deutschland. Sportvereine sind in den Niederlanden auch deutlich mitgliedsstärker, es gibt dort halt weniger, dafür aber größere Vereine. 1.500 Leute hatten sich in den Sportpark aufgemacht, der aus zahlreichen Spielfeldern und Sportanlagen für mehrere Vereine und unterschiedliche Sportarten besteht. Spielfeld Nummer Sieben ist der Hauptplatz des CSV und dieser wurde zum Einlauf der Mannschaften ordentlich eingenebelt. Sportlich lief es dann aber nicht so für die Gastgeber. Nach dominantem Beginn, stellte sich der Gegner gut auf das Geschehen ein und übernahm mit einer konzentrierten Leistung das Kommando. Der Halbzeitstand von 0:2 bedeutete für Durchgang Zwei eine Mammutaufgabe, der sich die Gastgeber nicht gewachsen zeigten. Mit dem dritten Tor nach etwas mehr als einer Stunde war die Messe gelesen. Die Gäste siegten hochverdient, während es auf Seiten des CSV lange Gesichter gab.
Stadion an der Oststraße, 500 Zuschauer, Relegation zur Westfalenliga
Auch im Fußball-Westen ist die Relegationszeit ist angebrochen, wie nach jeder regulären Saison wird noch um freie Startplätze in allen möglichen Ligen gestritten. Einige Spiele finden auf neutralem Boden statt, so auch dieses. Natürlich kreuzt man dann auch oft an Orten auf, an denen man schon war, aber der entscheidende Charakter der Spiele macht ja den Reiz aus und es spricht ja auch nichts dagegen, brauchbare Anlagen nach einigen Jahren erneut und vor besserer Kulisse zu erleben, anstatt nur mit wenigen Zuschauern bei normalem Liga-Gebolze. In Meinerzhagen hatte sich sogar etwas verändert. Dass die größere der beiden Geraden inzwischen ein Dach spendiert bekommen hatte, war mir bis dato verborgen geblieben. Die Germania aus dem kleinen Ort Salchendorf im Siegerland und der VfL aus der für das oft zugestaute Autobahnkreuz berühmten Stadt stritten um einen Platz in der sechstklassigen Westfalenliga. Eine ausgeglichene erste Hälfte bot zwei frühe, gerecht verteilte Tore. In der Folge begegneten sich die Teams auf Augenhöhe, bis ein berechtigter Platzverweis wegen groben Foulspiels gegen die Siegerländer die Partie veränderte. Dass ausgerechnet der Spieler mit Namen Gelber sich eine Rote einfing, barg schon etwas Sarkasmus. So spielte der VfL im zweiten Durchgang überlegen, aber die Germania machte geschickt die Räume eng, so dass es dauerte bis die Überzahl in Zählbares umgemünzt wurde. Irgendwann wurde der Druck einfach zu groß und es klingelte zum zweiten Male hinter dem Salchendorfer Goalie. In den Schlussminuten wurde das Kräfteverhältnis durch eine Ampelkarte gegen den VfL wieder egalisiert. Zu spät jedoch, denn die Germania konnte sich keine zwingende Chance mehr erarbeiten.
Sportanlage am Schulzentrum, 850 Zuschauer, Landesliga Weser-Ems
Der BV Garrel hat als aktueller Tabellenzweiter zwei Spieltage vor Saisonschluss bei nur einem Punkt Rückstand auf Tabellenführer Vorwärts Nordhorn noch alle Chance auf den Oberliga-Aufstieg. Das zog zum letzten Heimspiel der Saison die Massen auf die kleine, hübsche Anlage mit massiver überdachter Sitztribüne. Das zeitgleich stattfindende Classic Car-Treffen, welches ein wenig zum Dorffest mutierte, trug sicherlich auch den einen oder anderen Besucher mehr auf den Sportplatz. Von einer kleinen Fan-Gruppe nach vorne getrommelt gingen die Gastgeber Mitte der ersten Hälfte verdient in Führung. Aber die Gäste vom Schüttorfer Autobahnkreuz wollten nicht nur den Sparringspartner geben, auch wenn es für sie um nichts mehr ging als die Ehre. Diese versuchten sie zu verteidigen und glichen kurz nach dem Wiederanpfiff aus. Der heimische Ballspielverein ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und brachte die Partie mit zwei weiteren Treffern sicher und verdient nach Hause. Kurz vor dem Ende sickerte die Nachricht eines 0:2-Rückstandes des Tabellenführers beim Abstiegskandidaten aus Brake durch und freudige Unruhe machte sich breit. Diese währte leider nicht lang, denn die Nordhorner (oder doch Nordhörner… 🤔?) hatten trotz fast 90minütiger Unterzahl das Spiel in den Schlussminuten noch in einen 3:2-Sieg gedreht. Im Fußball ist halt alles möglich. Die Garreler Fans feierten ihre Mannschaft dennoch für den gelungenen Auftritt mit einem kleinen Pyro-Einsatz.
Sportplatz Dorfstraße, 756 Zuschauer, Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord
Wenn man die A7 in Höhe Bad Bramstedt verlasst, die B206 in Richtung Bad Segeberg befährt und dann irgendwann nach rechts abbiegt, steht man nach wenigen Kilometern vor dem Eingangsschild des Ortes mit dem klangvollen Namen Todesfelde. Aus sportlicher Perspektive handelt sich um eines dieser gallischen Fußballdörfer, kleine Gemeinden, die, natürlich nicht ohne Sponsorenhilfe, aber natürlich auch mit Konsequenz und guter Arbeit, seit Jahren regional bis überregional eine gute Rolle spielen und die höheren Fußballmächte erfolgreich ärgern. Wobei diese im Holsteinischen ja auch nicht sehr zahlreich sind. Der SV Todesfelde pendelt seit Jahren zwischen Oberliga und Regionalliga, aller Ehren wert für einen Ort mit gerade mal etwas mehr als 1.000 Einwohnern. Der Verein kokettiert mit seinem etwas skurrilen Namen des kleinen Ortes – ‚Deathfield‘ steht überall zu lesen. Aktuell in der Oberliga agierend, hat der Club als Meister die Aufstiegsrunde zur Regionalliga erreicht, in welcher er mit den Meistern der Bremer und Hamburger Oberliga und dem Vizemeister aus Niedersachsen um zwei Regionalliga-Startplätze kämpft, denn nur der Niedersachsenmeister ist zum direkten Aufstieg in die Regionalliga Nord verdammt. Am ersten Spieltag der Runde stellte sich der Titelträger von der Weser im kleinen, aber schmucken und mit vielen Details individuell gestalteten Stadion vor. Eine Busladung aus Blumenthal war auch angereist. Die Todes-Jünger waren von Beginn an spielbestimmend und überlegen, der BSV zeigte sich nur selten in der Spielhälfte der Gastgeber und wurde dabei noch seltener gefährlich. So war das Endergebnis beinahe zwangsläufig, welches von der Heimmannschaft geduldig und konzentriert herausgespielt wurde.
Sportpark Ronhof, 16.126 Zuschauer, Relegation zur 2.Bundesliga
Der finale Akt der Saison, das Relegations-Rückspiel in Fürth. Nach reibungsloser Anreise trafen wir früh genug am Ronhof ein, um vor einem Lokal noch ein Bier zu schnappen. Dabei wurden wir mehrfach von Einheimischen angesprochen, alle freundlich, alle wohlwollend. Was soll das? Keine Ablehnung, kein Hass? Das ist nicht mehr mein Fußball 🙂 Früh ging es dann in den Block, den ganzen Mist mal in Ruhe aufsaugen. Die Ultras hatten eine simple aber schöne Choreo vorbereitet, die ich freilich nur von unten sah – das Vereinswappen zierte beinahe die gesamte Fläche des Stehplatz-Sektors. Die Kurve der Gastgeber beließ es bei einer Schalparade und einem identitätsstiftenden Banner am Zaun. Die Roten kamen dann gut in die Partie. Swajkowski hätte durch eine selbst erarbeitete Möglichkeit eigentlich schon früh die Führung erzielen müssen, kurz darauf prüfte Müsel den Fürther Schlussmann mit einer Bogenlampe. Dann rissen die Gastgeber aber das Geschehen langsam an sich. Neben ein paar halbgaren Torraumszene senkte sich eine abgerutschte Flanke auf die Querlatte, Golz wäre aber da gewesen. Safi traf dann nach einem Konter auf links freigespielt mal wieder eine falsche Entscheidung, sodass eine weitere aussichtsreiche Situation verpuffte. Nach einer halben Stunde durfte Hrgota recht unbedrängt in den Sechzehner dribbeln, ein paar Rot-Weisse standen einfach nur Spalier. Die Kirsche kam über Umwege zu Futkeu, der das Teil dann halb im Liegen über den Innenpfosten in die Maschen bugsierte. Im Torjubel gab er Hüning noch ein paar Worte mit, die beiden hatten sich schon im Hinspiel intensiv beharkt.
Futkeu also, der sich durch sein unsauberes Verhalten im Spiel vor vier Tagen in Essen wenig beliebt gemacht hatte. So war es auch heute. Dabei ist er ein Essener Jung‘, in der Ruhrmetropole geboren und auch mit zwei Einsatz-Jahren für den RWE, aber er soll schon damals nicht einfach gewesen sein. Wie sich der Mann heute wieder auf dem Platz verhielt, war auch für neutrale Beobachter eine Zumutung. Arroganz gepaart mit dreckigen Aktionen – ein Witz, dass dieser Hampelmann auch heute wieder ohne Verwarnung davonkam. Manche nennen sowas heutzutage vielleicht ‚abgezockt‘, unfaires Verhalten soweit auszureizen, wie der Referee es zulässt, ich empfand es annähernd unerträglich. Als Highlight gab es in der Schlussphase ein Schauspiel par excellence, als er sich nach einem Allerweltsfoul tödlich getroffen meterweit abrollte – ich dachte schon er rollt bis in die Kurve. Wenn irgendwann mal ein Film über den noch zweifelhafteren brasilianischen Nationalspieler Vini Junior gedreht wird, bietet sich Futkeu jedenfalls für die Hauptrolle an. Das reicht dann auch dazu, er wird die Quittung in Zukunft hoffentlich bekommen. Bis auf eine weitere, aber vergebene Chance war von dem Schauspieler auch nix mehr zu sehen. Erst nach dem Abpfiff trat er wieder unrühmlich in Erscheinung, als er einige Rot-Weisse provozierte, anstelle sich in der eigenen Gutmenschen-Kurve für seine ‚Glanztaten‘ feiern zu lassen.
Der Treffer bewirkte nun ein deutliches Übergewicht der Fürther, aber plötzlich lag die Kirsche in deren Maschen. Mizutas Treffer wurde jedoch aufgrund einer knappen Abseitsstellung von Flankengeber Potocnik umgehend die Anerkennung verweigert, leider zurecht. Bis zum Pausenpfiff blieben die Gastgeber am Drücker, hatten noch ein paar zum Teil gefährliche Abschlüsse. Das ging nach dem Seitenwechsel auch so weiter. Was Koschinat sich auch immer überlegt hatte, es griff nicht. Abiama war für den wieder mal schwachen Safi gekommen, leistete sich aber im Verbund mit Kostka direkt einen Aussetzer und machte am Sechzehner-Eck die Bahn frei für Hrgota, der nach innen zog und den Ball zur Zwei-Tore-Führung herrlich ins lange Eck schlenzte. Nun wurde es natürlich ganz schwer und die Gastgeber blieben dran, daran änderte auch eine zwischenzeitliche Chance für Kostka nichts. Die Kleeblätter verzeichneten einige Abschlüsse und die Roten drohten den dritten Treffer zu fressen. Aber dann fingen sich die Recken des glorreichen RWE und nach knapp 70 Minuten traf Potocnik nach einer perfekten Flanke von Hofmann zum Anschluss. Welch ein Torjubel, der ganze Block flog durcheinander, die Zeit blieb kurz stehen, aber alle hatten sich gerade noch rechtzeitig wieder sortiert, um vom Schiri zu vernehmen, dass der Treffer der Video-Überprüfung nicht standgehalten hatte. Potocniks Arm war im Abseits. Bitter – was für ein Dreck! Und so wurde mir mit meinem Hauptargument gegen den Aufstieg eindrucksvoll bewiesen, warum mir die Zweite Liga einfach nicht so wichtig ist. Der Fußball lebt im Publikum von spontanen Emotionen, der Videobeweis beraubt diesen wunderbaren Sport aber genau dessen. So einen Coitus Interruptus braucht absolut niemand.
Der RWE war nun aber geweckt, warf alles rein und blieb dran und von der Spielvereinigung war nicht mehr viel zu sehen. Aber es wurde wieder einmal Chancenwucher betrieben. Nachdem ein Abiama-Kopfball von der Strafraumgrenze im hohen Bogen am Pfosten landete, brachte Müsel den Abpraller auf das fast leere Tor nicht über Linie, köpfte dem zurückeilenden Prüfrock das Streitobjekt in die Arme. Distanzschüsse von Jansen und Mizuta verfehlten das Ziel ebenfalls knapp. Die Zeit rann und rann, aus sieben Minuten Nachspielzeit wurden durch Fürther Schauspiel deren zehn, aber dann ertönte die unerbittliche Pfeife des Referees zum letzten Mal. Des einen Freud, des anderen Leid. Die Roten sanken auf den Boden, frustriert, enttäuscht. Mizuta war kaum zu trösten, aber nachdem die erste Leere verdrängt war, kamen die Spieler durch die völlig überzogen Kette von Ninja Turtles in die Kurve, die eine überragende Reaktion zeigte. Kein einziger der über 2.500 Essener Anhänger war verärgert, stattdessen wurde die Mannschaft für eine insgesamt bärenstarke Saison zurecht minutenlang gefeiert. Die Jungs in Rot und Weiss blieben länger auf dem Rasen als die Sieger, die RWE-Gemeinschaft wusste trotz des fehlenden Erfolges, dass heute etwas Besonderes erlebt worden war.
Und so musste ich den Spielausgang auch nicht sonderlich verarbeiten. Klar, ein wenig Enttäuschung verspürte ich und mit den vergebenen Chancen durfte man auch hadern, der Aufstieg wäre heute möglich gewesen. Aber nicht zuletzt das aberkannte Tor nach Video-Überprüfung macht mir den Verzicht leicht. Da schaue ich wohl lieber bis an mein Lebensende Drittliga-Fußball, bevor ich bei jedem Tor erst einmal abwarten muss, ob es Bestand hat. Eine Saison mit Höhen und Tiefen fand in einem intensiven Finish ihr Ende. Es war nicht alles top, aber auch absolut nicht alles schlecht. Vor allem sind Mannschaft und Fans schließlich eine echte Einheit geworden und nur so kann sich auch der Erfolg einstellen. Unabhängig davon wird die neue Saison in dieser unberechenbaren Spielklasse wieder eine Wundertüte. Zudem wird sich die Mannschaft verändern, die sportliche Leitung ist gefordert, erneut einen schlagkräftigen Kader zu formen. Nun heißt es aber erst einmal durchatmen bis der ganze Wahnsinn im August wieder von vorne beginnt. Nur der RWE!
Jahn-Kampfbahn, 230 Zuschauer, Kreispokal Kempen-Krefeld Finale
Der Kreispokal-Finaltag des Fußballkreises Kempen-Krefeld bot die Möglichkeit, das Jahnstadion im Nettetaler Ortsteil Kaldenkirchen zu besuchen. Oft bespielt wird das kleine Stadion mit seinen grasbewachsenen Stufen nicht, der ansässige Verein nutzt meistens den benachbarten Kunstrasen. Von Bäumen gesäumt liegt die kuschelige Anlage im Grünen beinahe nur einen Steinwurf von der Grenze zu den Niederlanden entfernt. Brachial war das Zuschauerinteresse an dieser Partie nicht gerade, dass Leben spielte sich hauptsächlich am etwas abseits platzierten Bierstand ab. Zwischen einem durchschnittlichen Landes- und einem guten Bezirksligisten ist kein großer Unterschied zu erwarten und so machte der OSV dem Favoriten aus dem Schwalmtaler Ortsteil das Leben auch ziemlich schwer und kam zu einigen Möglichkeiten. Die Tore machte aber dennoch der Landesligist, der zur Halbzeit viel zu hoch mit drei Toren führte, aber kurz vor der Pause auch einen Akteur per Ampelkarte einbüßte. Dadurch schöpfte der Underdog noch einmal Mut, ein Treffer gelang aber erst 15 Minuten vor dem Ende und damit etwas zu spät. In der Schlussphase machten die VSF – das Kürzel steht für Vereinigte Sportfreunde – mit Tor Nummer vier den Deckel drauf und schleppten den Pokal schließlich nach Hause.
Sportplatz unter dem Rosenberg, 200 Zuschauer, Bezirksliga Rheinland Mitte
Ein Ausflug an die Mosel, mit dem Besuch der Festung Ehrenbreitstein gegenüber dem Deutschen Eck, wurde mit einem Spielgenuss in Kobern-Gondorf abgerundet. Das Moseltal mit seinen steilen Weinbergen ist ja wunderschön und es bietet dem Sportplatz des SV Untermosel eine wirklich malerische Kulisse. Die Platzanlage selber ist eher so der typische Dorfsportplatz mit Vereinsheim, nörgelnden Oppas und ein paar Stehstufen auf einer Längsseite des Platzes. Dafür hat es die Kulisse in sich, denn es baut sich ein mächtiger mit Weinreben bepflanzter Hang hinter der dem Fluss abgewandten Seite des Platzes auf und hinter einer Kopfseite linst der Bergfried der ‚Niederburg‘ aus der Ferne auf das Spielfeld. Die Gastgeber standen bereits als Meister und Aufsteiger fest, für den Gastverein aus dem Koblenzer Stadtteil Metternich ging es als Tabellendritter ebenfalls um nichts mehr. Der SVU nahm nach ein paar Anlaufschwierigkeiten und einem torlosen Halbzeitstand Fahrt auf und erspielte eine Drei-Tore-Führung ehe den Gästen noch der späte Ehrentreffer gelang.
Stadion an der Hafenstraße, 18.117 Zuschauer, Relegation zur 2.Bundesliga
Teil eins der Bonusrunde. Die Kleeblätter aus der Nürnberger Vorstadt stellten sich im Relegations-Hinspiel an der Hafenstraße vor. So richtig konnte ich nicht einschätzen, was den glorreichen RWE erwartete, ich rechnete aber mit einem technisch starken und temporeichen Gegner. Und das war der Punkt, der mir Sorgen bereitete. Die rot-weisse Defensive hatte schon in vielen Drittliga-Spielen ihre liebe Müh und Not – was sollte das erst gegen schnelleren Zweitliga-Fußball geben?! Zudem spielt mit Futkeu, der ja in jungen Jahren auch im rot-weissen Trikot zu sehen war, der Torschützenkönig der nun abgelaufenen Zweitliga-Saison bei den Kleeblättern und generell verfügt die Fürther Offensive über individuelle Qualität. Für mich persönlich blieb die Ausgangslage luxuriös. Alles was mir die beiden Relegationsspiele anboten war Zugabe. Sollte es nicht zum Aufstieg reichen, bleibt es für mich dennoch eine tolle und äußerst erfolgreiche Spielzeit. Die Vorfreude war aber natürlich schon da, so früh vor dem Spiel habe ich mich schon lange nicht mehr an die Hafenstrasse begeben. Als Intro eröffnete sich auf der Westtribüne ein wunderschönes Fahnenmeer über einem Zaunbanner über die ganze Breite der Tribüne, welches zum kämpfen und siegen aufforderte. Schon davor wurde eine Spitze an die Wedau abgesendet. Szene-Leute hatten in einer Nacht- und Nebelaktion einen Torpfosten aus dem ‚Wedaustadion‘ entwendet. Und zwar genau den Pfosten, der in der Nachspielzeit am letzten Spieltag den späten Siegtreffer des MSV verhinderte und damit dem RWE den Einzug in die Relegation ermöglichte. Damit hatte sich das Metall natürlich die Einladung zum Spiel mehr als verdient. Ehre wem Ehre gebührt.
Die Partie bildete dann ab, was ich erwartet hatte. Die Spielvereinigung übernahm die Kontrolle und ließ den Ball sicher laufen, während der RWE nach Ballgewinn mit schnellem Umschaltspiel das Heil im Angriff suchte, die Kirsche aber meist recht schnell wieder herschenkte. Aus der Feldüberlegenheit der Gäste konnten diese allerdings erst einmal keine Torgefahr kreiieren. Es dauerte fast 20 Minuten bis es zum ersten Mal interessant würde, dafür dann aber richtig. Dehm nagelte das Spielgerät aus 25 Metern an die Querlatte über Golz. Von Futkeu war dagegen nicht allzu viel zu sehen, der Topstürmer, dessen alleiniger Marktwert den des gesamten Essener Kaders übersteigen dürfte, lieferte sich intensive Zweikämpfe mit Ulm-Held Hüning, der den Fürther weitestgehend abmeldete. Ein paar Minuten vor der Halbzeit bekam Futkeu dann aber doch seine Szene, sein Fallrückzieher verfehlte aber das Ziel. Aus den Essener Vorstößen resultierte nicht viel Brauchbares. Ein Mizuta-Freistoß wurde gefährlich, weil niemand den Ball erreichte und dieser dann knapp am Tor vorbeirauschte und Swajkowski sendete das Ei mal in den zweiten Stock über dem Fürther Gehäuse, aber der RWE war nach einer längeren Anlaufzeit zumindest in der Partie angekommen. Mit einem torlosen Remis, das von der Spannung lebte und für den neutralen Zuschauer sicher kein Leckerbissen war, ging es in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel ging es erst einmal weiter wie zuvor, die Kleeblätter hatten mehr vom Spiel. Und wurden nun gefährlicher. Golz rückte nun mehr in den Mittelpunkt, musste sich bei einem Hrgota-Schlenzer strecken und eine weitere Dehm-Rakete flog links am Kasten vorbei. Nach einer knappen Stunde hätte Müsel das Spiel beinahe auf den Kopf gestellt. Einen krassen Fehlpass des Fürther Schlussmanns schickte er aus 25 Metern volley aufs Tor ab, aber der Schnapper kratzte das Ding noch von der Linie. Mit dem zweiten Ball suchte Mizuta dann erfolglos Potocnik in der Mitte, anstelle es selber zu versuchen. Der RWE wurde nun mutiger und stärker. Und die Hafenstraße noch lauter! Überhaupt war das heute eine brutale Lautstärke, wie ich sie selten erlebt habe und ich renne seit 1986 in den Essener Norden. Vielleicht war es beim denkwürdigen Pokal-Abend gegen Leverkusen vergleichbar laut oder beim Halbfinale gegen TeBe. Beides in den 90ern, beides lange her. Heute wusste jeder, was Sache ist und annähernd jeder haute auch alles raus. Jeder gewonnene Zweikampf wurde bejubelt, jede Grätsche gefeiert. Ich muss jedenfalls bis zum Rückspiel erst einmal meine Stimmer wiederfinden. Vielleicht ganz gut, dass ich die entscheidende Szene gar nicht gesehen habe, denn da war ich gerade Bier wegbringen und holen. Müsel erzielte nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit mit einem wunderbaren Freistoß in den Giebel den Treffer des Tages. Ich bin generell ganz gut darin, Tore zu verpassen, vielleicht sollte ich am kommenden Dienstag öfters mal raus aus dem Block!
Nun war es ein anderes Spiel, die Roten waren richtig on fire und kamen zu Abschlüssen, während den Gästen nicht mehr viel gelang. Lediglich das Eckenverhältnis von 1:8 sprach nachher eine deutliche Sprache für die Franken. Der eingewechselte Abiama war der erwartete Aktivposten und belebte das Essener Angriffsspiel. Es gab nun einige Möglichkeiten und am Ende muss man fast trauern, dass kein zweiter Treffer nachgelegt wurde, das wäre in der Gesamtbetrachtung allerdings auch etwas zu viel gewesen. Die Mannschaft holte sich nach dem Spiel den verdienten Applaus ab, aber am Dienstag wird es im Fürther Ronhof sicherlich ein wilder Ritt. Dann wird das Fürther Publikum vermutlich auch ein anderes Gesicht zeigen, als die traurige Vorstellung am heutigen Abend. Der Verein mit dem schlechtesten Auswärtsfahrer-Schnitt der zweiten Liga machte bei diesem wichtigen Spiel den Block nicht voll. Nur zwei Drittel der gut 2.300 verfügbaren Tickets wurden abgesetzt. Aktiv war auch meist nur die unten im Block positionierte Szene. Da wird sich der Away-Sektor im Rückspiel anders präsentieren, das ist sicher, ausverkauft waren die Tickets trotz Serverproblemen binnen einer Stunde. Sollte es schief gehen, bricht für mich keine Welt zusammen, aber zunächst hat der RWE den Trumpf in der Hand. Also am Dienstag-Abend nochmal alles geben! Nur der RWE!