
Rot-Weiss Essen vs SpVgg Greuther Fürth 1:0
Stadion an der Hafenstraße, 18.117 Zuschauer, Relegation zur 2.Bundesliga

Teil eins der Bonusrunde. Die Kleeblätter aus der Nürnberger Vorstadt stellten sich im Relegations-Hinspiel an der Hafenstraße vor. So richtig konnte ich nicht einschätzen, was den glorreichen RWE erwartete, ich rechnete aber mit einem technisch starken und temporeichen Gegner. Und das war der Punkt, der mir Sorgen bereitete. Die rot-weisse Defensive hatte schon in vielen Drittliga-Spielen ihre liebe Müh und Not – was sollte das erst gegen schnelleren Zweitliga-Fußball geben?! Zudem spielt mit Futkeu, der ja in jungen Jahren auch im rot-weissen Trikot zu sehen war, der Torschützenkönig der nun abgelaufenen Zweitliga-Saison bei den Kleeblättern und generell verfügt die Fürther Offensive über individuelle Qualität. Für mich persönlich blieb die Ausgangslage luxuriös. Alles was mir die beiden Relegationsspiele anboten war Zugabe. Sollte es nicht zum Aufstieg reichen, bleibt es für mich dennoch eine tolle und äußerst erfolgreiche Spielzeit. Die Vorfreude war aber natürlich schon da, so früh vor dem Spiel habe ich mich schon lange nicht mehr an die Hafenstrasse begeben. Als Intro eröffnete sich auf der Westtribüne ein wunderschönes Fahnenmeer über einem Zaunbanner über die ganze Breite der Tribüne, welches zum kämpfen und siegen aufforderte. Schon davor wurde eine Spitze an die Wedau abgesendet. Szene-Leute hatten in einer Nacht- und Nebelaktion einen Torpfosten aus dem ‚Wedaustadion‘ entwendet. Und zwar genau den Pfosten, der in der Nachspielzeit am letzten Spieltag den späten Siegtreffer des MSV verhinderte und damit dem RWE den Einzug in die Relegation ermöglichte. Damit hatte sich das Metall natürlich die Einladung zum Spiel mehr als verdient. Ehre wem Ehre gebührt.
Die Partie bildete dann ab, was ich erwartet hatte. Die Spielvereinigung übernahm die Kontrolle und ließ den Ball sicher laufen, während der RWE nach Ballgewinn mit schnellem Umschaltspiel das Heil im Angriff suchte, die Kirsche aber meist recht schnell wieder herschenkte. Aus der Feldüberlegenheit der Gäste konnten diese allerdings erst einmal keine Torgefahr kreiieren. Es dauerte fast 20 Minuten bis es zum ersten Mal interessant würde, dafür dann aber richtig. Dehm nagelte das Spielgerät aus 25 Metern an die Querlatte über Golz. Von Futkeu war dagegen nicht allzu viel zu sehen, der Topstürmer, dessen alleiniger Marktwert den des gesamten Essener Kaders übersteigen dürfte, lieferte sich intensive Zweikämpfe mit Ulm-Held Hüning, der den Fürther weitestgehend abmeldete. Ein paar Minuten vor der Halbzeit bekam Futkeu dann aber doch seine Szene, sein Fallrückzieher verfehlte aber das Ziel. Aus den Essener Vorstößen resultierte nicht viel Brauchbares. Ein Mizuta-Freistoß wurde gefährlich, weil niemand den Ball erreichte und dieser dann knapp am Tor vorbeirauschte und Swajkowski sendete das Ei mal in den zweiten Stock über dem Fürther Gehäuse, aber der RWE war nach einer längeren Anlaufzeit zumindest in der Partie angekommen. Mit einem torlosen Remis, das von der Spannung lebte und für den neutralen Zuschauer sicher kein Leckerbissen war, ging es in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel ging es erst einmal weiter wie zuvor, die Kleeblätter hatten mehr vom Spiel. Und wurden nun gefährlicher. Golz rückte nun mehr in den Mittelpunkt, musste sich bei einem Hrgota-Schlenzer strecken und eine weitere Dehm-Rakete flog links am Kasten vorbei. Nach einer knappen Stunde hätte Müsel das Spiel beinahe auf den Kopf gestellt. Einen krassen Fehlpass des Fürther Schlussmanns schickte er aus 25 Metern volley aufs Tor ab, aber der Schnapper kratzte das Ding noch von der Linie. Mit dem zweiten Ball suchte Mizuta dann erfolglos Potocnik in der Mitte, anstelle es selber zu versuchen. Der RWE wurde nun mutiger und stärker. Und die Hafenstraße noch lauter! Überhaupt war das heute eine brutale Lautstärke, wie ich sie selten erlebt habe und ich renne seit 1986 in den Essener Norden. Vielleicht war es beim denkwürdigen Pokal-Abend gegen Leverkusen vergleichbar laut oder beim Halbfinale gegen TeBe. Beides in den 90ern, beides lange her. Heute wusste jeder, was Sache ist und annähernd jeder haute auch alles raus. Jeder gewonnene Zweikampf wurde bejubelt, jede Grätsche gefeiert. Ich muss jedenfalls bis zum Rückspiel erst einmal meine Stimmer wiederfinden. Vielleicht ganz gut, dass ich die entscheidende Szene gar nicht gesehen habe, denn da war ich gerade Bier wegbringen und holen. Müsel erzielte nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit mit einem wunderbaren Freistoß in den Giebel den Treffer des Tages. Ich bin generell ganz gut darin, Tore zu verpassen, vielleicht sollte ich am kommenden Dienstag öfters mal raus aus dem Block!
Nun war es ein anderes Spiel, die Roten waren richtig on fire und kamen zu Abschlüssen, während den Gästen nicht mehr viel gelang. Lediglich das Eckenverhältnis von 1:8 sprach nachher eine deutliche Sprache für die Franken. Der eingewechselte Abiama war der erwartete Aktivposten und belebte das Essener Angriffsspiel. Es gab nun einige Möglichkeiten und am Ende muss man fast trauern, dass kein zweiter Treffer nachgelegt wurde, das wäre in der Gesamtbetrachtung allerdings auch etwas zu viel gewesen. Die Mannschaft holte sich nach dem Spiel den verdienten Applaus ab, aber am Dienstag wird es im Fürther Ronhof sicherlich ein wilder Ritt. Dann wird das Fürther Publikum vermutlich auch ein anderes Gesicht zeigen, als die traurige Vorstellung am heutigen Abend. Der Verein mit dem schlechtesten Auswärtsfahrer-Schnitt der zweiten Liga machte bei diesem wichtigen Spiel den Block nicht voll. Nur zwei Drittel der gut 2.300 verfügbaren Tickets wurden abgesetzt. Aktiv war auch meist nur die unten im Block positionierte Szene. Da wird sich der Away-Sektor im Rückspiel anders präsentieren, das ist sicher, ausverkauft waren die Tickets trotz Serverproblemen binnen einer Stunde. Sollte es schief gehen, bricht für mich keine Welt zusammen, aber zunächst hat der RWE den Trumpf in der Hand. Also am Dienstag-Abend nochmal alles geben! Nur der RWE!













