
SpVgg Greuther Fürth vs Rot-Weiss Essen 2:0
Sportpark Ronhof, 16.126 Zuschauer, Relegation zur 2.Bundesliga

Der finale Akt der Saison, das Relegations-Rückspiel in Fürth. Nach reibungsloser Anreise trafen wir früh genug am Ronhof ein, um vor einem Lokal noch ein Bier zu schnappen. Dabei wurden wir mehrfach von Einheimischen angesprochen, alle freundlich, alle wohlwollend. Was soll das? Keine Ablehnung, kein Hass? Das ist nicht mehr mein Fußball 🙂 Früh ging es dann in den Block, den ganzen Mist mal in Ruhe aufsaugen. Die Ultras hatten eine simple aber schöne Choreo vorbereitet, die ich freilich nur von unten sah – das Vereinswappen zierte beinahe die gesamte Fläche des Stehplatz-Sektors. Die Kurve der Gastgeber beließ es bei einer Schalparade und einem identitätsstiftenden Banner am Zaun. Die Roten kamen dann gut in die Partie. Swajkowski hätte durch eine selbst erarbeitete Möglichkeit eigentlich schon früh die Führung erzielen müssen, kurz darauf prüfte Müsel den Fürther Schlussmann mit einer Bogenlampe. Dann rissen die Gastgeber aber das Geschehen langsam an sich. Neben ein paar halbgaren Torraumszene senkte sich eine abgerutschte Flanke auf die Querlatte, Golz wäre aber da gewesen. Safi traf dann nach einem Konter auf links freigespielt mal wieder eine falsche Entscheidung, sodass eine weitere aussichtsreiche Situation verpuffte. Nach einer halben Stunde durfte Hrgota recht unbedrängt in den Sechzehner dribbeln, ein paar Rot-Weisse standen einfach nur Spalier. Die Kirsche kam über Umwege zu Futkeu, der das Teil dann halb im Liegen über den Innenpfosten in die Maschen bugsierte. Im Torjubel gab er Hüning noch ein paar Worte mit, die beiden hatten sich schon im Hinspiel intensiv beharkt.
Futkeu also, der sich durch sein unsauberes Verhalten im Spiel vor vier Tagen in Essen wenig beliebt gemacht hatte. So war es auch heute. Dabei ist er ein Essener Jung‘, in der Ruhrmetropole geboren und auch mit zwei Einsatz-Jahren für den RWE, aber er soll schon damals nicht einfach gewesen sein. Wie sich der Mann heute wieder auf dem Platz verhielt, war auch für neutrale Beobachter eine Zumutung. Arroganz gepaart mit dreckigen Aktionen – ein Witz, dass dieser Hampelmann auch heute wieder ohne Verwarnung davonkam. Manche nennen sowas heutzutage vielleicht ‚abgezockt‘, unfaires Verhalten soweit auszureizen, wie der Referee es zulässt, ich empfand es annähernd unerträglich. Als Highlight gab es in der Schlussphase ein Schauspiel par excellence, als er sich nach einem Allerweltsfoul tödlich getroffen meterweit abrollte – ich dachte schon er rollt bis in die Kurve. Wenn irgendwann mal ein Film über den noch zweifelhafteren brasilianischen Nationalspieler Vini Junior gedreht wird, bietet sich Futkeu jedenfalls für die Hauptrolle an. Das reicht dann auch dazu, er wird die Quittung in Zukunft hoffentlich bekommen. Bis auf eine weitere, aber vergebene Chance war von dem Schauspieler auch nix mehr zu sehen. Erst nach dem Abpfiff trat er wieder unrühmlich in Erscheinung, als er einige Rot-Weisse provozierte, anstelle sich in der eigenen Gutmenschen-Kurve für seine ‚Glanztaten‘ feiern zu lassen.
Der Treffer bewirkte nun ein deutliches Übergewicht der Fürther, aber plötzlich lag die Kirsche in deren Maschen. Mizutas Treffer wurde jedoch aufgrund einer knappen Abseitsstellung von Flankengeber Potocnik umgehend die Anerkennung verweigert, leider zurecht. Bis zum Pausenpfiff blieben die Gastgeber am Drücker, hatten noch ein paar zum Teil gefährliche Abschlüsse. Das ging nach dem Seitenwechsel auch so weiter. Was Koschinat sich auch immer überlegt hatte, es griff nicht. Abiama war für den wieder mal schwachen Safi gekommen, leistete sich aber im Verbund mit Kostka direkt einen Aussetzer und machte am Sechzehner-Eck die Bahn frei für Hrgota, der nach innen zog und den Ball zur Zwei-Tore-Führung herrlich ins lange Eck schlenzte. Nun wurde es natürlich ganz schwer und die Gastgeber blieben dran, daran änderte auch eine zwischenzeitliche Chance für Kostka nichts. Die Kleeblätter verzeichneten einige Abschlüsse und die Roten drohten den dritten Treffer zu fressen. Aber dann fingen sich die Recken des glorreichen RWE und nach knapp 70 Minuten traf Potocnik nach einer perfekten Flanke von Hofmann zum Anschluss. Welch ein Torjubel, der ganze Block flog durcheinander, die Zeit blieb kurz stehen, aber alle hatten sich gerade noch rechtzeitig wieder sortiert, um vom Schiri zu vernehmen, dass der Treffer der Video-Überprüfung nicht standgehalten hatte. Potocniks Arm war im Abseits. Bitter – was für ein Dreck! Und so wurde mir mit meinem Hauptargument gegen den Aufstieg eindrucksvoll bewiesen, warum mir die Zweite Liga einfach nicht so wichtig ist. Der Fußball lebt im Publikum von spontanen Emotionen, der Videobeweis beraubt diesen wunderbaren Sport aber genau dessen. So einen Coitus Interruptus braucht absolut niemand.
Der RWE war nun aber geweckt, warf alles rein und blieb dran und von der Spielvereinigung war nicht mehr viel zu sehen. Aber es wurde wieder einmal Chancenwucher betrieben. Nachdem ein Abiama-Kopfball von der Strafraumgrenze im hohen Bogen am Pfosten landete, brachte Müsel den Abpraller auf das fast leere Tor nicht über Linie, köpfte dem zurückeilenden Prüfrock das Streitobjekt in die Arme. Distanzschüsse von Jansen und Mizuta verfehlten das Ziel ebenfalls knapp. Die Zeit rann und rann, aus sieben Minuten Nachspielzeit wurden durch Fürther Schauspiel deren zehn, aber dann ertönte die unerbittliche Pfeife des Referees zum letzten Mal. Des einen Freud, des anderen Leid. Die Roten sanken auf den Boden, frustriert, enttäuscht. Mizuta war kaum zu trösten, aber nachdem die erste Leere verdrängt war, kamen die Spieler durch die völlig überzogen Kette von Ninja Turtles in die Kurve, die eine überragende Reaktion zeigte. Kein einziger der über 2.500 Essener Anhänger war verärgert, stattdessen wurde die Mannschaft für eine insgesamt bärenstarke Saison zurecht minutenlang gefeiert. Die Jungs in Rot und Weiss blieben länger auf dem Rasen als die Sieger, die RWE-Gemeinschaft wusste trotz des fehlenden Erfolges, dass heute etwas Besonderes erlebt worden war.
Und so musste ich den Spielausgang auch nicht sonderlich verarbeiten. Klar, ein wenig Enttäuschung verspürte ich und mit den vergebenen Chancen durfte man auch hadern, der Aufstieg wäre heute möglich gewesen. Aber nicht zuletzt das aberkannte Tor nach Video-Überprüfung macht mir den Verzicht leicht. Da schaue ich wohl lieber bis an mein Lebensende Drittliga-Fußball, bevor ich bei jedem Tor erst einmal abwarten muss, ob es Bestand hat. Eine Saison mit Höhen und Tiefen fand in einem intensiven Finish ihr Ende. Es war nicht alles top, aber auch absolut nicht alles schlecht. Vor allem sind Mannschaft und Fans schließlich eine echte Einheit geworden und nur so kann sich auch der Erfolg einstellen. Unabhängig davon wird die neue Saison in dieser unberechenbaren Spielklasse wieder eine Wundertüte. Zudem wird sich die Mannschaft verändern, die sportliche Leitung ist gefordert, erneut einen schlagkräftigen Kader zu formen. Nun heißt es aber erst einmal durchatmen bis der ganze Wahnsinn im August wieder von vorne beginnt. Nur der RWE!






















