Donnerstag, 23.07.2020, 19:30

deutschland

BV Altenessen 06 vs SV Borbeck 2:6

Sportplatz am Kaiserpark, 40 Zuschauer, Testspiel
Ziemlich spontan entschied ich mich zum Spielbesuch am Kaiserpark, wo ich auf Marco und Frank, der eigens aus dem Westfälischen angereist war, traf. Am Kaiserpark – oder behördlich-offiziell Sportplatz Stankeitstraße – war ich bestimmt zehn Jahre nicht mehr. Sportlich hält sich der Reiz auch in Grenzen. Der BVA hat kann zwar auf eine regional recht erfolgreiche Historie zurückschauen, mit Beginn des Millenniums begann aber der Abstieg des Vereins, der diesen bis ganz nach unten in die C-Klasse spülte. Danach war man zwar zumindest wieder bis in die Kreisliga A aufgestiegen, hängt aber nun in der Kreisliga B fest. Hatte der BVA 2010 noch den Integrationspreis des DFB erhalten, kam der Club vor drei Jahren in die Negativ-Schlagzeilen. Da die Spieler der ersten Mannschaft wiederholt durch gewaltsames Verhalten gegen Schiedsrichter und gegnerische Spieler auffielen, solidarisierten sich die übrigen Teams der Liga miteinander und entschieden, gegen den BVA nicht mehr anzutreten. Daher bekam die BVA-Mannschaft beinahe in der gesamten Rückrunde für jedes Spiel drei Punkte am grünen Tisch und stieg kampflos auf. Allerdings war der BVA eh Tabellenführer – was das Verhalten der Spieler noch irrationaler erscheinen lässt – und hätte vermutlich auch aus eigener Kraft den Aufstieg erreicht. Der Verein räumte dann zwar in der Ersten ordentlich auf, aber noch im letzten Jahr schaffte es dann die zweite Mannschaft in die überregionale Presse, von der nach einer Attacke auf den Unparteiischen 13 Spieler gesperrt wurden. In beiden Fällen bestand die Teams zu einem großen Teil aus Spielern mit Migrationshintergrund, von denen viele an den Verfehlungen beteiligt waren. Da scheint ein großes Mentalitäts-Problem zu bestehen und der Verein wird Jahre brauchen, um das schlechte Image aufzupolieren. Der Platz am Kaiserpark bekommt durch die 1959 errichtete überdachte Tribüne einen ganz eigenen Charakter. Leider ist es um die Tribüne nicht gut bestellt, denn da die Bausubstanz des Daches arg in die Jahre gekommen ist, wurde sie im letzten Jahr für Zuschauer gesperrt und eingezäunt. Ganz frisch wurde vor wenigen Tagen die Meldung durch die Medien verbreitet, dass der Abriss der Tribüne beschlossen ist, da eine Sanierung deutlich über 300.000 Euro kosten würde. Damit würde wieder ein Platz seines sehenswerten Merkmals beraubt. Klassengefährte SV Borbeck erwies sich als zu stark für die BVA-Erste und siegte deutlich und verdient.

Sonntag, 19.07.2020, 15:00

deutschland

TuS Hattingen vs SV Eintracht Dorstfeld 3:0

Stadion Wildhagen, 68 Zuschauer, Testspiel
Mit Marco nahm ich die Anreise nach Hattingen mit dem Fahrrad in Angriff. Unweit meiner Wohnung läuft einer dieser auf alten Güterbahn-Trassen errichteten Fahrradwege vorbei. Dieser hat direkten Anschluss an den Ruhrtal-Radweg, so dass die 25 Kilometer beinahe ohne Straßennutzung abgespult werden konnten, wie auf dem Rückweg dann natürlich auch. Nach einem kleinen Rundgang durch die Altstadt und einem fetten Gyros-Teller wartete dann das Stadion Wildhagen auf uns. Auch wieder ein Platz, der wenig bespielt wird. Ist jetzt auch nicht hochgradig spannend, aber mit einer mehrstufigen Traverse die mittig einige Sitzgelegenheiten bietet, auf jeden Fall über dem Durchschnitt. Ein interessantes Sicherheitskonzept hatte man sich hier überlegt. Am Einlass wurde darum gebeten, einen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen. Bei nicht allzu großem Andrang war am Eingang aber natürlich gar nix los. Der parallel zum Spielfeld verlaufende weg zum Vereinsheim und der Bierbude war dann sogar mit ‚Fahrspuren‘ abgekreidet, damit sich an- und abreisende Zuschauer nicht in die Quere kommen. Der einzige Ort an dem sich mehrere Menschen auf einem Fleck sammelten, war die Bierbude. Und ratet mal… kein Schwein hatte dort eine Maske in die Visage gespannt. Dabei wäre das bei manchen rein optisch schon ratsam gewesen. Zum Bierverkauf hatte man sich dann noch einen pfiffigen Kreisverkehr ausgedacht, damit sich keine Personen entgegenkommen, aber selbstredend hielt sich auch daran keine Sau. Zu Gast beim Bezirksligisten war A-Ligist aus Dortmund-Dorstfeld. Und der machte seine Sache in den ersten zwanzig Minuten ganz ordentlich, dann fiel der erste Treffer für den TuS, der sich dann eine Überlegenheit erspielte, die im zweiten Durchgang zu zwei weiteren Treffern führte.

Samstag, 28.07.2020, 14:00

deutschland

SV 20 Brilon vs SV Lippstadt 0:4

Stadion Jakobuslinde, 150 Zuschauer, Testspiel
Der SV Brilon verfügt mit dem Stadion Jakobuslinde über ein schnuckeliges kleines Stadion mit einer ansehnlichen Tribüne mit einem Giebeldach. Die Tribüne wirkt allerdings älter als sie letztlich ist – in den 80er Jahren wurde diese erbaut. Leider wird übelicherweise der benachbarte Kunstrasen für den Spielbetrieb genutzt. Diese ganzen Kunstrasen-Plätze sind echt Fluch und Segen zugleich. Klar ist der Untergrund einfach zu bespielen und verzeiht so manche technische Unzulänglichkeit und natürlich sind die Plastik-Halme einfach zu pflegen. Echter Fußball findet aber auf Rasen statt und die meisten Kunstrasen-Anlagen haben auch wenig Charme und wirken steril. Der SVB feiert in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum. Aus diesem Grunde finden einige attraktive Testspiele statt, die im Stadion ausgetragen werden, wo sonst – wenn überhaupt – noch die Jugend des Vereins spielt. Mit Thomas nutzte ich direkt die erste Gelegenheit und reiste zum Spiel gegen den Regionalligisten SV Lippstadt an. So konnte ich mir auch als Nebeneffekt einen Eindruck von einem Liga-Gegner des glorreichen RWE machen. Einige andere bekannte und unbekannte Szene-Gestalten hatten die Chance ebenfalls ergriffen. Der SVL zeigte sich aber dann doch mindestens eine Nummer zu groß für den Landesligisten, ging früh in Führung und baute diese bis zur Halbzeit bereits zum Endergebnis aus. In Hälfte zwei ließen die Gäste es etwas ruhiger angehen, die Gastgeber nutzten aber die wenigen Möglichkeiten zur Ergebniskosmetik nicht. Wir verließen die Jakobuslinde mit der Information, dass das Rasen-Spielfeld zeitnah in ein Kunstrasen-Feld umgewandelt wird. Das raubt dem Stadion zwar ein wenig die Idylle, aber dann wird es wohl immerhin wieder öfter genutzt.

Freitag 17.07.2020, 19:30

deutschland

SV Duissern 1923 vs SV Scherpenberg 0:5

SVD-Platz, 150 Zuschauer, Testspiel
Und weiter geht der Testspiel-Terror. Mal sehen wann der Fussi-Nachdurst gesättigt ist und man die Schnauze voll hat von dem Test-Geknüppel. Wird wohl noch was dauern. Auch der SV Duissern gibt aktuell seinem Rasenplatz eine Chance. Ansonsten finden die Spiele des Clubs beinahe ausschließlich auf dem benachbarten Asche-Hartplatz statt. Ich setzte mal einen der in der Lockdown-Phase gefassten Vorsätze um und reiste mit dem Rad an. Da nicht der direkte Weg, sondern der entlang des Rhein-Herne-Kanals gewählt wurde, waren es zumindest 18 Kilometer. Nach der ganzen Radtourerei der letzten Wochen aber eine leichte Übung. Da ich kurz vor dem Ziel feststellen musste, dass die Luft aus dem Vorderrad entwich, sollte es beim Hinweg bleiben. Der günstige Termin an einem lauschigen Freitag-Abend zog dann einige lokale Koryphäen der Bewegung an. Pils wurde reichlich ausgeschenkt und so wurde es eine äußerst kurzweilige Veranstaltung. Das Spiel zog meine Aufmerksamkeit nur am Rande auf sich, aber das reichte, um zu bemerken, dass A-Ligist gegen den Landesligisten aus Moers überraschend gut mithielt. Dass das Ergebnis am Ende doch recht deutlich wurde, lag eher an der letztlich doch höheren Qualität der Gäste-Offensive als an spielerischer Überlegenheit. Der Rasenplatz der SVD-Anlage verfügt mit einer zehnstufigen Traverse über einen Ausbau, von dem sich vernünftig Fußball schauen lässt. Nach dem ganzen Bier war ich beinahe froh, dass dem Rad die Luft ausgegangen war, denn der Heimweg wäre wohl schwerer gefallen. Die Gattin war so freundlich mich und das lädierte Stahlross abzuholen.

Donnerstag, 16.07.2020, 19:30

deutschland

FSV Gevelsberg vs FC Gevelsberg-Vogelsang 2:0

Stadion Stefansbachtal, 130 Zuschauer, Testspiel
Mit RWE-Genosse Marcel steuerte ich das Bergische Land an. Der FSV Gevelsberg ist prinzipiell ein ehemaliger Drittligist. Der Verein entsprang einer Fusion aus den Sportfreunden Eintracht und dem VfL Gevelsberg und eben jener VfL verbrachte einige Spielzeiten in der Oberliga Westfalen und zwar zu Zeiten, als die Teilnahme am Oberliga-Spielbetrieb Drittklassigkeit bedeutete. Einst hatte der VfL hehre Ziele, die den Club im bezahlten Fußball sahen. Wie so oft mündete diese Absicht aber in Misswirtschaft und dem tiefen Fall bis in die Kreisliga. Der Fusionsclub FSV hat es nun zumindest wieder bis in die Bezirksliga geschafft. Zu Gast zum zweiten Testspiel nach dem Lockdown war der Stadtrivale aus dem Ortsteil Vogelsang zu Gast im Stadion Stefansbachtal, einer weitläufige Anlage mit einer überdachten Sitz- und einer großen Naturtribüne.  Und der B-Ligist schlug sich im Nieselregen nicht übel, allerdings fehlte das Fortune. Das Higlight dieser Veranstaltung war aber defintiv die leckere, crosse Bratwurst vom Grill.

Sonntag, 12.07.2020, 17:00

litauen

FK Zalgiris Vilnius vs FK Suduva Marijampole 4:0

LFF stadionas, 1.000 Zuschauer, A Lyga

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Der heutige Weg führte in die Hauptstadt Vilnius. Vorher strebten wir aber den Schlenker über Trakai mit seiner beeindruckenden Wasserburg an, einem der sehenswertesten Bauwerke des Landes. Dazu verließen wir irgendwann die Autobahn und weiter ging es über Land. Der Bordcomputer unseres gemieteten Dacia Duster, dem Statussymbol für alle die kein Statussymbol brauchen, zeigte noch 80 Kilometer Reichweite bei zu fahrenden 55 Kilometern an. Okay, Dacia ist natürlich die Günstig-Marke des französischen… *hust*… ‚Createur d’Automobile‘. Aber dass bei einer neuwertigen Karre mit gerade mal 3700 Kilometern auf der Uhr einfach mal einen ganzen Tag die Klima ausfällt oder sich nach einem Tankvorgang die digitale Füllanzeige nicht aktualisiert, ist schon eine pikante Randnotiz. Dass aber ab 50 Kilometeren Restreichweite, diese einfach nur noch in Form von drei Strichen, also „—“ angezeigt wird, brachte mich aber etwas auf die Palme. Welcher Vollidiot hat sich denn diesen Scheißdreck ausgedacht?! ‚Createur d’Schrotthaufen‘ würde wohl besser passen! Dass ich die Tankstellen-Dichte außerhalb der litauischen Großstädte, wo die Besiedlung ja auch zugegebenermaßen dünn ist, völlig unterschätzt habe, ist natürlich mein Ding. So rollten wir mit dem gefühlt letzten Tropfen Sprit an die Zapfsäule. Der Wasserburg Trakai winkten wir dann einmal nett zu und fuhren weiter nach Vilnius. Völlig überfüllt der Spot. Damit hatte ich selbst an einem Sonntag nicht gerechnet. Parkraum ist im gleichnamigen Ort auch knapp, weshalb einem alle paar Meter Omma oder Oppa mit selbstgemalten blauen P-Schildern vor die Motorhaube springen, um einen zum Parken in deren Vorgarten zu animieren. Dessen spärliche Quadratmeter werden zum Stundenpreis mit der Absicht vermietet, die vermutlich nicht allzu üppige litauische Rente aufzubessern. So schauten wir uns also lieber die schöne Altstadt von Vilnius an und aßen in Ruhe ein spätes Mittagsmahl, bevor wir uns auf zum LFF stadionas bewegten.
In diesem stand ich vor zehn Jahren schon mal. Damals fand aber etwas Entscheidendes nicht statt, nämlich ein Fußballspiel. Heute wurde zum Topspiel geladen – der Verfolger Zalgiris empfing den Tabellenführer und Meister der letzten Spielzeiten, FK Suduva aus Marijampole, zum Tanz. Beim gestrigen Spiel war ich mit einem Schweizer Angehörigen unserer Bewegung ins Gespräch gekommen, der von einem Online-Vorverkauf zu berichten wusste. Abends hatte ich dann die Eingebung, einfach mal zwei Tix auf Verdacht zu sichern – bei einem Kurs von je EUR 2,70 eine überschaubare Investition. Für litauische Verhältnisse herrschte dann am Stadion ein reger Andrang. Da ich der Meinung war, dass die Online-Tickets nur in der Printversion Gültigkeit erlangten, stellten wir uns etwa 40 Minuten vor Kick-off an der noch geschlossenen – kam mir einigermaßen merkwürdig vor – Biglietteria an. Ich habe ja auch immer gern ein Original-Ticket und unser Vordermann war zuversichtlich, dass der Verkauf bald startet. Tat er nicht. Schließlich kam ein Ordner angelatscht und klärte die auf gut 60-70 Leute angewachsene Warte-Crowd auf, dass es keine Tageskasse mehr geben wird. Da die Online-Tickets auch auf dem Handy gültig waren, wie ich dann feststellte, war das für uns unproblematisch. Im Gegensatz zu den Mitwartenden, die nun hektisch das Smartphone zückten und den Online-Shop nach Tix durchforsteten. Die Scanner am Drehkreuz sind wohl aus russischer Produktion, denn die Registrierung der Barcodes nahm in etwa so viel Zeit in Anspruch, wie die Reise von Vilnius nach Moskau mit der russischen Staatsbahn. Egal – zehn Minuten vor Beginn des Spektakels waren wir drin. Erster Akt war die Übergabe des Autoschlüssels an meine Herzdame, denn die Bierbuden waren geöffnet. Danach wurde kurz Hopping-Koryphäe Teamchef abgegrüßt und ein kleines Quätschken gehalten. Die Schlange vor den zwei halbwegs funktionierenden Scannern (von knapp zehn um das gesamte Stadion) nahm bedrohliche Ausmaße an, wie wir über die unbebaute Hintertor-Seite beobachteten. Diese Bedrohung erkannten wohl auch die Verantwortlichen, denn die Tore wurden geöffnet und es durfte nun einfach jeder rein, ob mit Ticket oder ohne. Auch Litauen ist und bleibt halt Osteuropa.
So waren dann letztlich gut 1.000 Leute im Stadion, davon wohl insgesamt 50 oder 60 aus Marijampole, von denen sich ein Dutzend zu einem kleinen Stimmungsblock formierte. Den gab es auch auf Heimseite mit gut 50 Personen. Zalgiris ist der einzige Club Litauens, der über eine nennenswerte Szene verfügt. Die Jungs im Eckblock hinter dem Tor taten in ihrem Rahmen das Mögliche und unterstützen ihr Team über die gesamte Spielzeit nach Kräften. Auf der Gegengerade positionierte sich auch eine Gruppe, welche anflaggte und ab und an zart mitsupportete. Nach dem ersten Tor wurden gar ein paar dünne Rauchtöpfe in den Vereinsfarben gezündet. Pyro-Hölle Vilinius! Grund zur Freude hatten die Heim-Fans ausreichend, denn Zalgiris – das zu Sowjet-Zeiten elf Saisons in der russischen Elite-Liga mitspielte – zerlegte den bis heute ungeschlagenen und souveränen Tabellenführer regelrecht und packte diesem vier Eier ins Nest. Ein verdienter Sieg, vielleicht etwas zu hoch, aber bitter nötig, um der Saison wieder einen Hauch Spannung zu gönnen, denn Suduva war vor dieser Veranstaltung schon acht Punkte enteilt. Das LFF stadionas ist das Stadion des litauischen Fußballverbandes, welches aktuell auch für die Spiele des Nationalteams genutzt wird. Es ist ein reines Fußballstadion mit einer teilweise gedeckten Haupttribüne und zwei weiteren unüberdachten Tribünen. Eine Hintertorseite ist unbebaut. Der fußballerische Teil unseres Trips war damit beendet. Wir verbrachten noch zwei Tage im wunderschönen Masuren, bevor es von Szymany wieder zurück in den Pott ging.

Samstag, 11.07.2020, 18:00

litauen

FK Panevezys vs FK Riteriai 2:1

Aukstaitijos stadionas, 680 Zuschauer, A Lyga

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Nach einer Nacht in einem schönen Landhotel an einem See vor den Toren Siauliais wurde zunächst der Berg der Kreuze angefahren. Es gibt eine wenig glaubhafte Sage zur Entstehung dieses sonderbaren Ortes. Realistischer wirkt da die geschichtliche Überlieferung, dass die ersten Kreuze zum Gedenken der während der Aufstände gegen die russische Zaren-Regime im 19.Jahrhundert getöteten Litauer aufgestellt wurden. Die Sowjetunion okkupierte dann während des zweiten Weltkrieges Litauen und deportierte Regime-Gegner in die Gulags Sibiriens. Die Rückkehrer stellten dann neue Kreuze zum Gedenken an die in den Arbeitslägern Umgekommenen auf. Auch weitere Unterdrückungs-Maßnahmen durch die Sowjets hatten immer wieder neu aufgestellte Kreuze zur Folge und der Berg, eher ein Hügel, wurde zum Symbol des Widerstands. Zwei Mal wurde der Hügel durch die Sowjets mit Bulldozern von den Kreuzen befreit, aber unmittelbar nach der Zerstörung wurden direkt wieder neue Kreuze aufgestellt. Heute ist er Berg auch religiöser Wallfahrtsort. Die Zahl der Kreuze ist nicht bekannt, aber es sollen über 100.000 sein. Von diesem ganz speziellen Ort fuhren wir über Nebenstraßen, die in Litauen meist gewalzte Sandschotterpisten sind, gemächlich ins nahe Panevezys. Dabei passierten wir kleine Ortschaften, die beinahe ausschließlich aus typisch litauischen Holzhäusern bestehen. Die Häuser wirkten zum Teil so verzogen und abgesackt, dass ein Bewohnen unmöglich schien, aber dieses offensichtlich doch der Fall war.
Am Zielort erwartete in der A-Lyga, der höchsten Spielklasse Litauens, der FK Panevezys den FK Riteriai aus der Hauptstadt Litauen. Die A-Lyga besteht in dieser Saison nur aus sechs Clubs, die mehrfach gegeneinander spielen. Bereits nach wenigen Spieltagen war das kleine Teilnehmerfeld ziemlich gestreckt. Die Gastgeber zierten mit nur einem Sieg das Tabellenende und begrüßten den Vorletzten FK Riteriai zum Kellerduell. Die Stadion-Landschaft Litauens ist recht überschaubar und bietet wenig spektakuläres. In Panevezys steht jedoch eines der wenigen Stadien Litauens die auf jeder Seite über Tribünen verfügen. Eigentlich ist es ein klassisches osteuropäisches Rund. Nur der zentrale Bereich der Haupttribüne, die etwas größer ist, als die übrigen Ränge, ist gedeckt. Mit 4.000 Plätzen ist es eines der größten und ansehnlichsten Stadien des Landes. Ein halbes Dutzend Leute machte von der Haupttribüne aus ein wenig Stimmung. Die Gastgeber spielten überlegen und steuerten mit einer 2:0-Führung einem verdienten und ungefährdeten Sieg entgegen. Ein Foulelfmeter eine Viertelstunde vor dem Ende machte die Nummer noch etwas spannend, gab der Partie aber keine Wendun, so dass die Kontrahenten die Tabellenplätze tauschten und die rote Laterne nun erst einmal in der Hauptstadt leuchtet.

Freitag, 10.07.2020, 19:00

litauen

Siauliu FA vs FK Panevezys II 4:0

Siauliu Savivaldybes stadionas, 500 Zuschauer, 1 Lyga

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Die zweite Auslands-Tour des CoVid19-Zeitalters führte mich gemeinsam mit meiner Herzdame nach Litauen. Dort werden aktuell Fußballspiele mit einer Zuschauerbeschränkung von 500 Personen durchgeführt. Das Land hat die Corona-Situation sehr gut in den Griff bekommen, die Neuinfektionen schwanken zwischen eins und fünf täglich bei einer Bevölkerung von drei Millionen. Überschaubares Risiko also. Die Anreise erfolgte über den polnischen Flughafen Olsztyn-Mazury nahe Szymany. Die Lage in Polen ist zwar nicht so stabil wie in Litauen, nicht einmal wie in Deutschland, aber eben doch unter Kontrolle. Erstes Ziel war Siauliai, eine 100.000-Einwohner-Stadt im Norden des Landes. Hier ging am Abend die Partie des Tabellen-Mittelfeldes der Zweiten Liga zwischen dem gastgebenden FA Siauliai und der Zweitvertretung des A-Ligisten FK Panevezys über die Bühne. Das Savivaldybes stadionas gibt ein für Litauen ziemlich typisches Stadionbild ab. Gegenüber einer recht repräsentativen Haupttribüne mit einem überdachten Bereich befindet sich eine kleine bestuhlte Tribüne ohne Wetterschutz. Offiziell wollten 500 Zuschauer diese Partie sehen, die Wahrheit lag wohl deutlich darunter. Das Resultat wurde einseitiger, als das Spielgeschehen war, aber die Gastgeber wussten ihre Chancen zu nutzen und gewannen auch sicherlich verdient. Stimmung völlige Fehlanzeige, aber Fußball ist in Litauen, wo Basketball die mit Abstand der beliebteste Sport ist, auch eher eine Randsportart.