Mong Kok Stadium, 454 Zuschauer, Hongkong Premier League
Mit Bus und Metro klappte es so gerade eben, die Strecke bis Mong Kok rechtzeitig abzuspulen. Vor diesem Spiel wäre es auch möglich gewesen, anstelle des Spieles in Chai Wan ein Spiel in Macao zu besuchen. Das hätte aber einerseits den Po Toi-Ausflug unmöglich gemacht und zum anderen fanden an diesem Wochenende die Spiele der ‚Liga de Elite‘ Liga auf dem alten ‚Lin Fong Sports Ground‘ statt, der sich aktuell im Umbau befindet und beinahe komplett mit grünen Bau-Netzen abgehängt ist. Da es nicht meine Philosophie von diesem Hobby ist, auf Biegen und Brechen irgendwelche Spiele und Länder abzuhaken, wurde daher auf den Trip nach Macau verzichtet. Sonst wäre ich ja auch ein elender Groundhopper, aber tatsächlich bin ich ja ein entspannter Fußballtourist 🙂 . Als wir uns dem Eingang des hübschen ‚Mong Kok Stadium‘ und damit der Taschenkontrolle näherten, dachte ich noch, das Trikot des Typen ein paar Positionen vor mir, sieht einem RWE Trikot aber verdammt ähnlich. Spätestens als er sein Beutel mit dem Logo des glorreichen Deutschen Meisters von 1955 vorzeigen musste, war alles klar. Die Welt ist klein. Es blieb aber bei gegenseitigem Erstaunen und Shake Hands, man muss sich ja nicht gleich heiraten.
Das ‚Mong Kok Stadium‘ ist ein reines Fußballstadion mit vier separaten Tribünen, der Stadionform, die mir meist am besten gefällt. Die Tribünen auf den Geraden wurden mit Zeltdach-Konstruktionen überdacht und von der Hintertor-Tribüne aus bietet die Skyline von Mong Kok eine tolle Kulisse. Die Gastgeber wurden von gut zwei Dutzend Leuten unterstützt, die ordentlich angeflaggt hatten. Jeder Verein in Hongkong weiß ein paar aktive Anhänger hinter sich. Mal mehr, wie hier beim Eastern Sports Club, mal weniger, wie vorher bei dem ähnlich lautenden Club Eastern District, wo nur ein Tünnes auf eine Trommel eindrosch und sein Team verbal anfeuerte und selten von zwei, drei anderen gelangweilten Sinnesgenossen dabei unterstützt wurde. Der Tabellenletzte war zu Gast und völlig chancenlos. Es hätten auch mehr als die fünf Kirschen hinter dem überlangen Schnapper einschlagen können. Mit der Metro ging es nach Tsim Sha Tsui zu einem eher mittelmäßigen Abendessen. Kneipen sucht man vergebens, daher wurde das Verlangen nach Bier durch einen anschließenden überteuerten Irish Pub befriedigt und wieder ging es zu spät ins Bett.
Siu Sai Wan Sports Ground, 626 Zuschauer, Hongkong Premier League
Ich bin wirklich kein Fan vom Fliegen. Also nicht, dass es Ängste in mir auslösen würde, aber es langweilt mich einfach. Vom Lesen oder Filme schauen hab ich meist schnell die Nase voll, in den Schlaf finde ich über den Wolken aber auch selten gut. Dann sitzt man eingepfercht mit zu vielen anderen Menschen, die zum Teil unangenehm riechen und zum Teil nervige Gewohnheiten offenbaren auf engstem Raume für Stunden zusammen. Auf der Kurzstrecke geht das ja schnell vorbei, aber auf Interkontinentalflügen ist man dem halt eine gefühlte Ewigkeit ausgesetzt. Die kulinarische Versorgung ist meist auch überschaubar schön und in Ruhe einen schnasseln kann man auch nicht, weil einen die Stewardüse in der Regel spätestens bei der dritten oder vierten Nachfrage nach einer Cerveza schief anschaut. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel. Dennoch war es an der Zeit mal wieder in die Erdumlaufbahn gehen, um den Reis(e)-Horizont zu erweitern. Japan stand eigentlich nie weit oben auf meiner ‚Bucket List‘. Insbesondere Tokyo stand ich ablehnend gegenüber, da mich Städte eigentlich umso mehr abturnen, je größer sie sind. Aber dahingehend hat mich seinerzeit auch Mexico City positiv überrascht und da mein saarländischer Leibarzt derzeit für einige Monate im Land der aufgehenden Sonne und eben genau in Tokyo weilt, wurde die Chance beim Schopfe gepackt. Da man auf einem Land schlecht stehen kann, wurde Hongkong mit ins Portfolio aufgenommen, dass seinerzeit auf der Nordkorea-China-Tour fahrlässig links liegen geblieben war.
Flüge nach Fernost sind aktuell gar nicht mal so günstig zu haben. China Eastern bekam schließlich zu einem noch vertretbaren Preis den Zuschlag für die Gabel ab Frankfurt über Shanghai nach Hongkong und zurück ab Tokyo. Mein von einigen früheren Reisen erprobter Mitreisender Marcel aus meinem engsten RWE-Umfeld wurde eingesammelt und nachdem Köln passiert war, ging es über eine selten so leer erlebte A3 gen Frankfurt. Das Fahrzeug wurde für die nächsten zwölf Tage am bewährten Platz nahe des Raunheimer Bahnhofes eingelagert und die letzten Kilometer zum Airport mit der S-Bahn bewältigt. Das erste zehn Stunden währende Flugsegment bis Shanghai war dann recht gut zu ertragen, da wir eine Vierer-Mittelreihe für uns allein hatten und die Beinfreiheit daher entsprechend war. Die Nachfrage nach dem Gerstensafte wurde zwar nicht kritisch betrachtet, dafür waren die Biervorräte aber offenbar etwas knapp bemessen und früh aufgebraucht. Bei der dünnen China-Plörre jedoch auch nicht so tragisch. Insgesamt machte die Airline aber einen guten Eindruck auf uns. Das änderte sich mit dem zweiten Flug. Weit draußen von einer Außenposition auf dem riesigen Pudong-Airport, deren Anfahrt per mit dem Vorfeldbus beinahe so viel Zeit in Anspruch nahm, wie der darauffolgende Flug, ging es fast eine Stunde verspätet weiter. Der Flieger war voll und relativ eng, dazu kam die Müdigkeit. Als wir dann nach Landung in Hongkong nach gefühlt ewig dauerndem Taxiing zur Parkposition die Maschine endlich verlassen konnten, hatte ich von der Anreise die Schnauze auch komplett voll.
Bus A21 brachte uns fast vor die Hoteltür des ‚Cityview‘. Den Namen hätten hier ja eigentlich alle Häuser verdient. Die zentralen Stadtteile sind großzügig dimensioniert, irgendwo müssen sie ja hin, die knapp acht Millionen Einwohner, also geht es in die Höhe. Dann musste erstmal eine Octopus-Card besorgt werden. Das ist eine Bezahlkarte, die man in Hongkong für fast alles nutzen kann. Ob ÖPNV, im Supermarkt oder Restaurant, beim Straßenhändler oder im Taxi – Octopus rules. Dann mal auf in die Schlacht. Der angesteuerte Tempel war schon geschlossen, daher war als nächstes die ‚Avenue of Stars‘ unser Ziel, wo viele chinesische oder chinesisch-stämmige Promis, vorrangig Schauspieler, ihre Handabdrücke hinterlassen haben. Außerdem wird diese Promenade am ‚Victoria Harbour‘ auch gern für Selfies in allen möglichen Pannemann-Posen genutzt. Wir warteten noch den Sonnenuntergang ab, der mangels Sonne kein wirklicher war, aber in der Dämmerung einen guten Blick auf den Stadtteil ‚Central‘ mit all seinen Lichtern auf der der gegenüberliegenden Seite bot. Von dort latschten wir zum Food Market. Wie erwartet ziemlicher Touri-Mist. Food-Stände gab es nur auf den ersten 100 Metern, danach wechselte das Angebot auf Nippes, Kokolores, Klimbim, Schnickschnack, Killefit, Tinnef, Plunder… Dass der köstliche Octopus-Spieß mit der Octopus-Card bezahlt wurde, war natürlich obligatorisch. Für ein ausgiebigeres Abendmahl steuerten wir ein gut besuchtes Seafood-Restaurant am Straßenrand an. Ist ja immer ein gutes Zeichen, wenn auch viele Locals einkehren. Dementsprechend lecker war es dann auch. Ein paar Biere flossen auch und so ging der Abend später zu Ende als er nach der anstrengenden Anreise eigentlich hätte sein sollen.
Um 7:45 schellte der Wecker. Das war nach der langen Anreise hart, aber wir hatten Termine. Das Wetter präsentierte sich weiterhin niederschlagsfrei bei 28 Grad, nur die Sonne ließ sich hinter der dichten Wolkendecke einfach nicht blicken. Per Metro und Bus über verwinkelte Straßen fuhren wir eine gute Stunde nach Stanley. Wenn man die quirligen Stadtteile um den Victoria Harbour verlassen hat, wird die Metropole deutlich ruhiger. Es gibt zwar auch dort hohe Häuser, aber deren Größe und Dichte nimmt deutlich ab. Stanley selbst wirkte schon fast beschaulich. Die Ruhe dort störte ich gekonnt, in dem ich den frisch erworbenen Coffee-to-go direkt durch die Kaffee-Bar fegte. Schon erstaunlich wie sehr sich gerade einmal 200 Milli-Liter auf dem Boden ausbreiten. Peinliche Nummer, aber außer mir regte es keinen auf und ich bekam einfach einen neuen hingestellt. Vom ‚Blake Pier‘ brachte uns die Personenfähre in einer halben Stunde nach ‚Po Toi‘. „Toi toi toi“ kann man da nur sagen. Po Toi ist die südlichste Insel Hongkongs und bietet den kompletten Gegensatz zur Millionen-Stadt. Nur wenige Einwohner leben auf der Insel und man fühlt sich beinahe wie in Südostasien. Unser Aufenthalt betrug leider nur eineinhalb Stunden, anders gaben es die Abfahrtszeiten der Fähre nicht für uns her. Wie liefen ein wenig in die eine, dann in die andere Richtung und nach einem Erfrischungsgetränk hieß es schon wieder „Bye bye Po Toi“. Ein etwas kurzer aber dennoch schöner Ausflug!
Zurück in Stanley brachte uns ein Light Bus, der mich mein Baseball-Cap kostete, nach Chai Wan. Schon lange mehr keine Mütze im Bus liegen gelassen, war wohl mal wieder Zeit. Am letzten Spieltag der Hauptrunde ging es im Spiel zwischen dem Eastern Districts FC und Tai Po um nichts mehr, denn es war schon klar, dass Tai Po in die Meisterrunde Einzug hält, während sich die Gastgeber in der Abstiegsrunde abplagen müssen. Diese Unterteilung wird aber auch nichts mehr an den finalen Entscheidungen ändern, denn der Kitchee SC wird sich wie so oft in den letzten Jahren als Meister krönen, während der Hongkong FC eine erbärmliche Saison spielt und mit nur vier Punkten abgeschlagen den Tabellensumpf ziert. Das sportliche Niveau der Liga ist schwer einzusortieren. Ich denke aber, jeder ambitionierte deutsche Oberligist könnte in dieser Liga mithalten. Die Teams bestehen aus Einheimischen sowie drittklassigen Spielern aus allen Teilen der Welt. Auch ein paar talentiertere Akteure lassen die Karriere hier ausklingen. Der ‚Siu Sai Wan Sports Ground‘ liegt direkt an der ‚Junk Bay‘ im Westen von Hongkong. Hinter dem Stadion ragt ein monströser Gebäudekomplex in den Himmel, ein etwas unwirklicher Anblick. Über 50 Stockwerke ragen in den Himmel.
Auf einem Dienstag Abend ging die Reise zum designierten Absteiger aus der Kugellagerstadt. Nicht optimal und daher umso bewundernswerter, dass unsere sechsköpfige Reisegruppe der üblichen Verdächtigen schon vor Wochen komplett meldete und mit drei Leuten aus dem erweiterten Kreise ein Neuner-Bus gefüllt wurde. Das aus der Zeit gefallene, mit einer Laufbahn ausgestattete Stadion verfügt über eine nicht zu große, gedeckte Haupttribüne. Die mehrstufigen Stehränge bieten dagegen keinerlei Wetterschutz. Um die Liga-Auflagen zu erfüllen, wurden Bereiche in den Kurven mit Stahlrohr-Sitztribünen bestückt, ansonsten hat sich zu meinem ersten Besuch vor langer Zeit nichts verändert. Diese auf ihre Art schöne Spielstätte hat einen besonderen Charme, der durch die Bäume und niedrigen Hecken, welche die Ränge einfassen, noch vertieft wird. Bis vor einigen Jahren hatte das Stadion noch einen Vornamen. Es büßte den Namen Willy, einem eher zweifelhaften Bürger der Stadt mit NS-Vergangenheit als SS-Mitglied, jedoch auf Betreiben einer Bürgerinitiative ein. Dass der Familienname dem Stadion mit etwas steifer Begründung aber erhalten blieb, kommt eher schildbürgerlich daher. Dass die Namensgebung überhaupt erst so spät hinterfragt wurde aber ebenso.
Was den unter der Woche von starken 1.100 Fans begleiteten RWE erwarten sollte, war nicht recht klar. Würde es eine gemäß Tabellenstand erwartbare Nummer werden oder sollten sich die ‚Schnüdel‘ mit allen Kräften wehren? Immerhin war das seit Ende Februar von Jermaine Jones trainierte Team daheim seit drei Spielen ungeschlagen. Der Spoiler sei erlaubt – nach einigen Startproblemen lösten die Roten die Aufgabe souverän. Die Gastgeber kamen allerdings gut in die Partie und bei zwei, drei scharfen Hereingaben von den Außen, hätte es auch durchaus hinter Golz einschlagen können. Vor allem der nach Ablauf seiner Gelb-Sperre ins Team gerutschte Kostka ließ sich im Minuten-Takt überlaufen, so dass der auf dieser Position starke, aber von einer kleinen Verletzung gerade erst wieder genesene Hofmann schon zum Aufwärmen entsendet wurde. Kostka fing sich aber und spätestens nach 15 Minuten hatte der glorreiche RWE die Geschichte im Griff. Abiama eröffnete mit einer Direktabnahme aus halblinker Position im Strafraum den Torreigen. Und nachdem Brumme eine hochkarätige Chance frei vor dem FCS-Tormann nach dessen Fehlpass auf ihn nicht nutzte, der Ball aber in Essener Reihen blieb, brachte der Torschütze den Ball klug und genau auf Müsel, der das Ding mit seiner feinen Technik volley von der Strafraumgrenze ins Tor drosch.
Auch im zweiten Durchgang behielten die Rot-Weissen die Oberhand und kreierten viele Chancen, aber lediglich der eingewechselte Obuz erzielte ein weiteres Tor, es wurde Chancenwucher betrieben. Mit Blick auf das Torverhältnis wären ein paar weitere Treffer nicht verkehrt gewesen, aber lediglich Kapitän Schulz traf noch, dummerweise ins eigene Netz. Drei Punkte gab es trotzdem und diese hochverdient, denn der RWE war bis auf die Anfangsphase hoch überlegen. Damit wurden die Unterfranken in die Regionalliga geschossen, der Abstieg steht sechs Spieltage vor Ende nun auch rechnerisch fest. Geschockt wirkte auf Heimseite keiner. Als die Mannschaft nach dem obligatorischen Kreis zu den Fans schlurfte, waren nur noch ein paar versprengte im Block verblieben. Im Away-Sektor wurde dagegen gefeiert. Nach dem nun sechsten Sieg in Serie lebt die Hoffnung auf den Aufstieg, zumal die Mannschaft unheimlich gefestigt und selbstsicher wirkt.
Der FC Dynamo Erkelenz heißt nicht zufällig so, denn es ist ein ukrainisch geprägter Verein. Besonders positiv wirkt sich das auf das Catering aus, angeboten wurden fette Schaschlik-Spieße vom Holzkohlegrill – lecker! Nicht so ein Leckerbissen war der sportliche Part der Veranstaltung, obwohl die Voraussetzungen gut waren. Die Gastgeber wollen in die Bezirksliga und rauschen gerade im Eiltempo durch die Kreisliga A. 20 Siege aus 20 Spielen sprechen eine klare Sprache. Gegen den Landesligist aus dem Schatten des NATO-Stützpunktes Geilenkirchen war dann auch kein großer Klassenunterschied erkennbar, leider aber nur auf bescheidenem Niveau. 90 Minuten lang gab es keine hochkarätige Torchance zu bestaunen. Drei Minuten Nachspielzeit zeigte der Referee an und in dieser nach einem Foulspiel im Strafraum zugunsten von Dynamo auf den Punkt. Die Gastgeber nutzten die Chance, zum Sieg reichte das aber noch nicht, da die Germania im Gegenzug noch ausglich. Fußball ist manchmal schon bescheuert. Dynamo gingen die Kräfte aber nicht aus und der zweite Treffer in der zweiten Hälfte der Verlängerung bedeutete dann doch noch den nicht unverdienten Final-Einzug.
Stadion an der Hafenstraße, 19.300 Zuschauer, 3.Liga
Lange war das Spiel gegen die Zebra-Herde aus Meiderich ein Derby zweiter Klasse. Da aber das einzig wahre Derby gegen den größten Rivalen aus der Stadt mit der höchsten Arbeitslosenquote Deutschlands zuletzt vor mehr als 30 Jahren stattfand, hat sich das Spiel gegen die Gurkentruppe von der Regattabahn zum aktuell wohl wichtigsten Duell gemausert. Auch dadurch begünstigt, dass die Klingen in den vergangenen Jahren ja häufiger gekreuzt wurden. Aufgrund der sportlichen Ausgangslage war heute noch mal ne Schüppe mehr Brisanz dabei, es brannte schon ziemlich die Luft. Die großen Ultra-Gruppen des RWE hatten gemeinschaftlich eine groß angelegte Choreo gefertigt. Auf einer die ganze Westkurve bedeckenden Blockfahne war ein martialisches Motiv unter der Überschrift ‚Schlachthof Hafenstraße‘ abgebildet. Zwar gut und detailliert gemalt, aber nichts für Moralapostel und zartbesaitete Gemüter. Der Gästeblock verzichtete heute auf jegliche Stilelemente. Jedoch wurde von der ‚Proud Generation‘ schon vor dem Display der RWE-Choreo ein Spruchbang präsentiert, das Bezug zu eben jener nahm. Immer wieder interessant, wie in den Ultra-Szenen Information durchsickern und Aktionen geleakt werden. In der Westkurve wurde noch ein Spruchband zur Rauch-Fernzündung im Spiel bei der Kölner Viktoria gezeigt, die ja nach meiner Meinung eine durchaus gelungene Provokation vor dem Derby war. Außerdem wurden die sexuellen Vorlieben eines ‚Kohorte‘-Mitglieds geoutet – schon eher eine fragwürdige Aktion, aber das muss man wohl abkönnen, wenn man einer Ultra-Gruppierung angehört.
Die Roten waren von Beginn an drin in der Partie und überließen dem Gegner nicht einen Millimeter Rasen zur Entfaltung. Hüning setzte mit einem Kopfball nach wenigen Minuten ein erstes Zeichen und nur das Aluminium verhinderte die frühe Führung. In der Folge kontrollierte der RWE die Partie, die Abschlüsse waren aber ungefährlich. Die Meidericher kamen aus dem Spiel heraus überhaupt nicht zur Geltung, konnten nur bei Eckbällen im rot-weissen Sechzehner Präsenz zeigen. Als man eigentlich davon ausgehen konnte, dass es torlos in die Pause geht, gingen die Rot-Weissen doch noch in Führung. Mizuta, der ein Riesen-Spiel machte, war einmal mehr der Ausgangspunkt. Seine Flanke von links fand zwar keinen Abnehmer, aber die Kirsche querte den gesamten Strafraum und landete bei Brumme. Dieser ließ einen Gegner aussteigen und passt quer wieder auf Mizuta, der sich in den Rückraum geschlichen hatte, mutterseelenallein war und per Direktabnahme zur Führung rechts unten einlochte. Wird schwer den Japaner, dessen Vertrag ausläuft, zu halten, dafür muss wohl schon mindestens der Aufstieg her. Der Treffer fiel zum richtigen Zeitpunkt, denn nach einem Sanitäter-Einsatz in der Westkurve hatten beide Seiten gerade erst wieder den Support aufgenommen. Kurz nach Wiederanpfiff zirkelte Brumme einen direkten Freistoß aus halblinker Position links an der Mauer vorbei und die Kugel klatschte ans Aluminium. Danach gab es weitere Möglichkeiten, aber auch der MSV nahm nun ein wenig am Spiel teil und Golz musste den Ausgleich mit einer Fußabwehr verhindern.
Zwanzig Minuten vor Schluss hätte Müsel für etwas mehr Gewissheit sorgen können. Von Gjasula mit einem fantastischen Steilpass eingesetzt, schabbelte er das Spielgerät etwas bedrängt an MSV-Schnapper Braune vorbei und zum dritten Mal war der Torpfosten der beste Duisburger Verteidiger. Dann wurde es hektisch auf dem Grün. Nach dem üblichen Gerangel nach einem Eckball für die Gäste, ließ sich Casar zu einer Tätlichkeit hinreißen und trat den vorzeitigen Gang unter die Dusche an. Und plötzlich war es ein anderes Spiel. Ich stehe eh nicht so auf Platzverweise für den Gegner. Die Ordnung geht durch die geänderten Kräfteverhältnisse oft völlig verloren und die Mannschaft in Unterzahl macht auf einmal zusätzliche Kräfte frei. So war es auch heute, denn die Roten kamen total aus dem Tritt und der MSV noch zu zwei recht ordentlichen Chancen. Das konnte aber am hochverdienten Sieg nichts mehr ändern, auch im siebten Spiel in Folge gegen die Gestreiften blieb der RWE ohne Niederlage und die Hafenstraße versank im Jubel. Und der RWE beißt sich richtig in der Spitzengruppe fest. Fünf Siege in Serie führen dazu, dass selbst ein Pessimist wie ich plötzlich an den Aufstieg glauben mag. Aber alle sind gut beraten von Spiel zu Spiel zu denken. In dieser Liga kann sich alles ganz schnell wieder drehen. Denn wer hätte nach den beiden ganz schwachen Auftritten in Osnabrück und Rostock schon diese Siegesserie erwartet. Next Stop Schweinfurt.
Wenn der Verein, bei dem man selber aktiv war, in einem so geschichtsträchtigen Brett von Stadion antreten darf, ist die Anreise ja quasi Pflicht. Vor nur wenigen Tagen mehr als genau 40 Jahren nahm an dieser Stelle das ‚Wunder von der Grotenburg‘ seinen Lauf, als Verein noch unter dem Namen Bayer 05 nach einer 0:2-Hinspiel-Niederlage und einem 1:3-Halbzeitrückstand gegen Dynamo Dresden im Viertelfinale des europäischen Pokalsieger-Wettbewerbs in der zweiten Spielhälfte noch unglaubliche sechs Treffer erzielte und das Halbfinale buchte. Ich persönlich habe dort auch mal Mario Basler für Rot-Weiss Essen in einem DFB-Pokal-Spiel treffen sehen. Verdammt lange her. Die schillernden Zeiten unterm Bayer-Kreuz sind auch schon in den Chroniken verschwunden. In den letzten Jahren ist der Bayer-Rechtsnachfolger KFC 05 zur absoluten Skandal-Nudel verkommen. Fünf Insolvenzen in 20 Jahren und diverse fragwürde Vorstands- und Sponsoringgeschichten trüben das Erbe des eigentlich stolzen Vereins. Geld ist natürlich trotz großer Versprechen vermeintlicher Gönner auch nie vorhanden und so ist selbst die Eintrittskarte nur ein trauriger Schwarz-Weiss-Druck.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage kam ich also in den ‚Genuss‘ eines KFC-Spiels. So wird man Allesfahrer! Aus Essen-Frintrop waren ob des besonderen Gegners und Spielortes einige Leute mehr angereist, als sich sonst zu den Auswärtsspielen aufraffen. Die üblichen Verdächtigen stimmten gelegentlich etwas beseelt vom Gerstensaft auch mal einen Gesang an. Gegen den Uerdinger Mob kamen sie natürlich nicht an, denn dieser spulte sein Programm unterstützt von ein paar Freunden vom Grazer AK souverän ab, für die Oberliga ist das schon absolut überdurchschnittlich. So richtig hatte sich noch keiner sortiert und schon lagen die Hausherren in Führung. Da konnte man schon Schlimmeres befürchten, aber dazu kam es nicht. Zwar machte der KFC gegen den Underdog das Spiel und ließ diesen auch gar nicht zur Entfaltung kommen, richtig gefährlich wurden sie in der Box aber selten. Und wenn die Gastgeber zum Abschluss kamen, stand Adler-Schnapper Nils Reiners im Weg, der einen absoluten Sahnetag erwischt hatte. So blieben die Gäste im Spiel ohne wirklich im Spiel zu sein. Zu spät legten die Raubvögel dann auch den völlig unnötigen Respekt ab und gingen in den letzten zehn Minuten auf Beutejagd. Leider erfolglos, auch wenn die Uerdinger Deckung in einigen Situationen schwer ins Schwimmen geriet. Unter dem Strich steht aber ein völlig verdienter Heimsieg. Die fehlenden Punkte für den Klassenerhalt müssen die Adler gegen andere Gegner sammeln.
Helmut-Rahn-Sportanlage, 425 Zuschauer, Bezirksliga Niederrhein Gruppe 6
Da sich das eigentlich auserwählte Spiel in den Kunstrasen-Nebenplatz-Unsinn flüchtete, entschied ich mich, das nur einen knappen Kilometer von meinem Headquarter stattfindende Bezirksliga-Topspiel zwischen dem VfB Frohnhausen und der Zwoten des glorreichen RWE zu besuchen. Der Stamm-Platz des VfB auf der aus dem alten Stadion und zwei Kunstrasenplätzen bestehenden ‚Helmut-Rahn-Sportanlage‘ ist Platz 3, der untere Kunstrasen, der den Zuschauern nur auf einer Seite und in einem kleinen Bereich hinter einem Tor den Aufenthalt gestattet. So war die Platzanlage mit offiziell 425 Besuchern gut besucht. Dass dieses Spiel erhöhtes Interesse genießen würde, war vorher bekannt, dass ich fünf Minuten nach Anpfiff eine der letzten Bratwürste im Brötchen bekam und nach dem Verzehr dieser vergeblich versuchte, ein ‚Stauder‘ zu erwerben, war deshalb unverständlich, denn im Catering hätte der VfB heute gute Kohle machen können. Das ersehnte Bier wurde dann zwar noch hektisch nachbeschafft, aber ungekühlt ist das ja auch keine Freude. Auf der Plastikwiese gingen die Gastgeber früh in Führung. Die Roten um die ‚Alt-Internationalen‘ Platzek und Grund behielten aber die Ruhe und glichen durch einen fragwürdigen Handelfmeter schnell aus. Die beiden alten RWE-Recken waren dann auch der feine Unterschied. Beide lassen natürlich eh die Klasse erkennen, die sie in unzähligen Regionalliga-Spielen erlernt haben. Zunächst besorgte Grund kurz nach dem Seitenwechsel mit einem seiner gefährlichen direkten Freistöße die Führung. Und nach dem das Aluminium den Ausgleich für die ‚Löwen‘ verhinderte, erhöhte Platzek im Gegenzug per Kopf. Die weiteren Treffer fielen einigermaßen zwangsläufig mit wachsender Überlegenheit der ‚Zwoten‘. Die Zuschauer bekamen ein gutes Spiel zu sehen und dass diese Bezirksliga-Gruppe zu einer der stärkeren gehört, kann man ja auch am spannenden Kampf um die Tabellenspitze ablesen, in dem die Roten nun in Vorleistung gegangen sind.
SG Grevenstein/Hellefeld-Altenhellefeld vs SG Beckum/Hövel/Mellen 4:0
Wiesengrund-Stadion, 100 Zuschauer, Kreisliga A Arnsberg
Mit der werten Gattin unternahm ich einen kleinen Ausflug ins Sauerland, der zunächst einen Rundgang durch die Altstadt von Arnsberg brachte, die viel altes Fachwerk zu bieten hat. Die Inschriften an vielen Häusern offenbaren deren Erbauung im frühen 18. Jahrhundert nach einem Großbrand im Jahre 1709, dem viele Gebäude der damaligen Stadt zum Opfer fielen. Weiter ging es dann nach Grevenstein. Der 800 Einwohner-Ort ist eine sogenannte ‚Titularstadt‘. Dieses sind Orte, die berechtigt sind, den Titel ‚Stadt‘ zu führen ohne Stadtrechte zu besitzen. In der Regel gilt das für ehemals eigenständige Städte, die dann in einen anderen Stadtkreis eingemeindet wurden. Zweifelhafte Berühmtheit erhält der Ort als Standort der Veltins-Brauerei. Als Fan der Rot-Weissen hätte ich mich fernhalten müssen von dieser Brutstätte schlechten Bieres, die ja dem FC Meineid aus der der verbotenen Stadt sehr wohlgesonnen ist. Dass ich diese Gegend nicht mied, wie der Vampir das Sonnenlicht, war einzig dem schnuckeligen Sportplatz geschuldet, der unterhalb des Ortes liegt vor eine malerischer Kulisse liegt. Das Catering war mit Bratwurst vom Holzkohlegrill und frischen Waffeln auch nicht so schlecht, nur der Biergenuss verbot sich halt von selbst. Der Dorf-Kick zwischen den beiden Spielgemeinschaften mit äußerst sperrigen Namen war dann gar nicht so schlecht anzuschauen. Die Gastgeber setzten ihre Überlegenheit in einen deutlichen Sieg um. Natürlich wurden wir als Fremde enttarnt, aber direkt in die Dorfgemeinschaft integriert und von den beiden Rentnern Wolle und Didi mit einigem Hintergrundwissen und ein paar Ausflugs-Tipps für die Umgegend versorgt. Fußball verbindet halt Menschen.