Hongkong – Sa., 11.04.2026, 15:00

Eastern District FC vs Tai Po FC 1:3

Siu Sai Wan Sports Ground, 626 Zuschauer, Hongkong Premier League
Ich bin wirklich kein Fan vom Fliegen. Also nicht, dass es Ängste in mir auslösen würde, aber es langweilt mich einfach. Vom Lesen oder Filme schauen hab ich meist schnell die Nase voll, in den Schlaf finde ich über den Wolken aber auch selten gut. Dann sitzt man eingepfercht mit zu vielen anderen Menschen, die zum Teil unangenehm riechen und zum Teil nervige Gewohnheiten offenbaren auf engstem Raume für Stunden zusammen. Auf der Kurzstrecke geht das ja schnell vorbei, aber auf Interkontinentalflügen ist man dem halt eine gefühlte Ewigkeit ausgesetzt. Die kulinarische Versorgung ist meist auch überschaubar schön und in Ruhe einen schnasseln kann man auch nicht, weil einen die Stewardüse in der Regel spätestens bei der dritten oder vierten Nachfrage nach einer Cerveza schief anschaut. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel. Dennoch war es an der Zeit mal wieder in die Erdumlaufbahn gehen, um den Reis(e)-Horizont zu erweitern. Japan stand eigentlich nie weit oben auf meiner ‚Bucket List‘. Insbesondere Tokyo stand ich ablehnend gegenüber, da mich Städte eigentlich umso mehr abturnen, je größer sie sind. Aber dahingehend hat mich seinerzeit auch Mexico City positiv überrascht und da mein saarländischer Leibarzt derzeit für einige Monate im Land der aufgehenden Sonne und eben genau in Tokyo weilt, wurde die Chance beim Schopfe gepackt. Da man auf einem Land schlecht stehen kann, wurde Hongkong mit ins Portfolio aufgenommen, dass seinerzeit auf der Nordkorea-China-Tour fahrlässig links liegen geblieben war.
Flüge nach Fernost sind aktuell gar nicht mal so günstig zu haben. China Eastern bekam schließlich zu einem noch vertretbaren Preis den Zuschlag für die Gabel ab Frankfurt über Shanghai nach Hongkong und zurück ab Tokyo. Mein von einigen früheren Reisen erprobter Mitreisender aus meinem engsten RWE-Umfeld wurde eingesammelt und nachdem Köln passiert war, ging es über eine selten so leer erlebte A3 gen Frankfurt. Das Fahrzeug wurde für die nächsten zwölf Tage am bewährten Platz nahe des Raunheimer Bahnhofes eingelagert und die letzten Kilometer zum Airport mit der S-Bahn bewältigt. Das erste zehn Stunden währende Flugsegment bis Shanghai war dann recht gut zu ertragen, da wir eine Vierer-Mittelreihe für uns allein hatten und die Beinfreiheit daher entsprechend war. Die Nachfrage nach dem Gerstensafte wurde zwar nicht kritisch betrachtet, dafür waren die Biervorräte aber offenbar etwas knapp bemessen und früh aufgebraucht. Bei der dünnen China-Plörre jedoch auch nicht so tragisch. Insgesamt machte die Airline aber einen guten Eindruck auf uns. Das änderte sich mit dem zweiten Flug. Weit draußen von einer Außenposition auf dem riesigen Pudong-Airport, deren Anfahrt per mit dem Vorfeldbus beinahe so viel Zeit in Anspruch nahm, wie der darauffolgende Flug, ging es fast eine Stunde verspätet weiter. Der Flieger war voll und relativ eng, dazu kam die Müdigkeit. Als wir dann nach Landung in Hongkong nach gefühlt ewig dauerndem Taxiing zur Parkposition die Maschine endlich verlassen konnten, hatte ich von der Anreise die Schnauze auch komplett voll.
Bus A21 brachte uns fast vor die Hoteltür des ‚Cityview‘. Den Namen hätten hier ja eigentlich alle Häuser verdient. Die zentralen Stadtteile sind großzügig dimensioniert, irgendwo müssen sie ja hin, die knapp acht Millionen Einwohner, also geht es in die Höhe. Dann musste erstmal eine Octopus-Card besorgt werden. Das ist eine Bezahlkarte, die man in Hongkong für fast alles nutzen kann. Ob ÖPNV, im Supermarkt oder Restaurant, beim Straßenhändler oder im Taxi – Octopus rules. Dann mal auf in die Schlacht. Der angesteuerte Tempel war schon geschlossen, daher war als nächstes die ‚Avenue of Stars‘ unser Ziel, wo viele chinesische oder chinesisch-stämmige Promis, vorrangig Schauspieler, ihre Handabdrücke hinterlassen haben. Außerdem wird diese Promenade am ‚Victoria Harbour‘ auch gern für Selfies in allen möglichen Pannemann-Posen genutzt. Wir warteten noch den Sonnenuntergang ab, der mangels Sonne kein wirklicher war, aber in der Dämmerung einen guten Blick auf den Stadtteil ‚Central‘ mit all seinen Lichtern auf der der gegenüberliegenden Seite bot. Von dort latschten wir zum Food Market. Wie erwartet ziemlicher Touri-Mist. Food-Stände gab es nur auf den ersten 100 Metern, danach wechselte das Angebot auf Nippes, Kokolores, Klimbim, Schnickschnack, Killefit, Tinnef, Plunder… Dass der köstliche Octopus-Spieß mit der Octopus-Card bezahlt wurde, war natürlich obligatorisch. Für ein ausgiebigeres Abendmahl steuerten wir ein gut besuchtes Seafood-Restaurant am Straßenrand an. Ist ja immer ein gutes Zeichen, wenn auch viele Locals einkehren. Dementsprechend lecker war es dann auch. Ein paar Biere flossen auch und so ging der Abend später zu Ende als er nach der anstrengenden Anreise eigentlich hätte sein sollen. 
Um 7:45 schellte der Wecker. Das war nach der langen Anreise hart, aber wir hatten Termine. Das Wetter präsentierte sich weiterhin niederschlagsfrei bei 28 Grad, nur die Sonne ließ sich hinter der dichten Wolkendecke einfach nicht blicken. Per Metro und Bus über verwinkelte Straßen fuhren wir eine gute Stunde nach Stanley. Wenn man die quirligen Stadtteile um den Victoria Harbour verlassen hat, wird die Metropole deutlich ruhiger. Es gibt zwar auch dort hohe Häuser, aber deren Größe und Dichte nimmt deutlich ab. Stanley selbst wirkte schon fast beschaulich. Die Ruhe dort störte ich gekonnt, in dem ich den frisch erworbenen Coffee-to-go direkt durch die Kaffee-Bar fegte. Schon erstaunlich wie sehr sich gerade einmal 200 Milli-Liter auf dem Boden ausbreiten. Peinliche Nummer, aber außer mir regte es keinen auf und ich bekam einfach einen neuen hingestellt. Vom ‚Blake Pier‘ brachte uns die Personenfähre in einer halben Stunde nach ‚Po Toi‘. „Toi toi toi“ kann man da nur sagen. Po Toi ist die südlichste Insel Hongkongs und bietet den kompletten Gegensatz zur Millionen-Stadt. Nur wenige Einwohner leben auf der Insel und man fühlt sich beinahe wie in Südostasien. Unser Aufenthalt betrug leider nur eineinhalb Stunden, anders gaben es die Abfahrtszeiten der Fähre nicht für uns her. Wie liefen ein wenig in die eine, dann in die andere Richtung und nach einem Erfrischungsgetränk hieß es schon wieder „Bye bye Po Toi“. Ein etwas kurzer aber dennoch schöner Ausflug! 
Zurück in Stanley brachte uns ein Light Bus, der mich mein Baseball-Cap kostete, nach Chai Wan. Schon lange mehr keine Mütze im Bus liegen gelassen, war wohl mal wieder Zeit. Am letzten Spieltag der Hauptrunde ging es im Spiel zwischen dem Eastern Districts FC und Tai Po um nichts mehr, denn es war schon klar, dass Tai Po in die Meisterrunde Einzug hält, während sich die Gastgeber in der Abstiegsrunde abplagen müssen. Diese Unterteilung wird aber auch nichts mehr an den finalen Entscheidungen ändern, denn der Kitchee SC wird sich wie so oft in den letzten Jahren als Meister krönen, während der Hongkong FC eine erbärmliche Saison spielt und mit nur vier Punkten abgeschlagen den Tabellensumpf ziert. Das sportliche Niveau der Liga ist schwer einzusortieren. Ich denke aber, jeder ambitionierte deutsche Oberligist könnte in dieser Liga mithalten. Die Teams bestehen aus Einheimischen sowie drittklassigen Spielern aus allen Teilen der Welt. Auch ein paar talentiertere Akteure lassen die Karriere hier ausklingen. Der ‚Siu Sai Wan Sports Ground‘ liegt direkt an der ‚Junk Bay‘ im Westen von Hongkong. Hinter dem Stadion ragt ein monströser Gebäudekomplex in den Himmel, ein etwas unwirklicher Anblick. Über 50 Stockwerke ragen in den Himmel.