Shenzhen – So., 12.04.2026, 20:00

Shenzhen Xinpengcheng FC vs Yunnan Yukun FC 3:4

Shenzhen Stadium, 16.354 Zuschauer, Chinese Super League
Auf dem Weg nach Shenzhen lag dieser Kick wie auf dem Silbertablett, war aber eben nur ein Zwischenstopp. Nur eine Station mit der Metro war es nun bis zum ‚Lo Wu Border Crossing Point‘. Wenn man von dem ganzen Gewusel vieler Menschen absieht, war der Grenzübertritt noch einfacher als erwartet. Die Ausreise war nur Formsache und bei der Einreise, für die man an einem Automaten seinen Pass scannt und dann fehlende Angaben ergänzt, stand eine freundliche chinesische Beamtin zur Unterstützung bereit. Top Service! Wenn ich daran denke, was es mit Visa-Antrag und Grenz-Prozedere vor Jahren noch für ein Aufwand war, das Reich der Mitte zu bereisen, ist die heutige Abwicklung kaum zu fassen. Ein paar chinesische Yuan wollten getauscht werden und per Metro, die sich null von der in Hongkong unterscheidet, fuhren wir in Richtung Stadion. Die Ticketbeschaffung hatte einer der chinesischen Lieferanten meines Arbeitgebers übernommen, da diese für Nicht-Chinesen ein paar Hürden in den Weg stellt. Die Zutrittsermächtigungen kamen letztlich sogar als Geschenk daher. Heißen Dank dafür, auch wenn der Kollege das Geschmirgel hier nicht lesen kann und wird. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch in Onkel Xi’s Riesen-Reich hatte ich nun den Eindruck, dass alles noch strukturierter und organisierter abläuft, als damals. Auch die Überwachung wurde freilich perfektioniert. Das war später bei der Ausreise zu erkennen, als ich den Posten vor meinem Mitfahrer passierte und auf den Bildschirm des Grenzbeamten schielen konnte. Fotos in diversen Situationen auf den Straßen waren von ihm auf einem Splitscreen zu sehen. Die Gesichtserkennung der omnipräsenten Überwachungskameras, die überall auf den Straßen installiert sind, scheint gut zu funktionieren. Big Brother is watching you – der Staatsapparat scheint den Roman ‚1984‘ von George Orwell aufmerksam studiert zu haben.
An seinem heutigen Standort ist der Shenzhen Peng City FC oder Shenzhen Xinpengcheng FC, wie der Club aus dem Mandarin in lateinische Schriftzeichen übertragen heißt, ein echter Traditionsverein. Schon seit 2024 ist der Verein in Shenzhen beheimatet. Ursprünglich hieß der Club Sichuan FC und erlebte einige Namensänderungen, Auflösungen und Neugründungen und wurde schließlich 1.350 Kilometer Luftlinie nach Shenzhen verlegt. Der Club gehört zur ‚City Football Group‘ aus Abu Dhabi die weltweit einige ‚Citys‘ und auch weitere Vereine aus allen Teilen der Welt unter ihrer Kontrolle weiß. Zugpferd der Gruppe ist Manchester City. Das 1993 erbaute ‚Shenzhen Stadium‘ wurde von 2020 bis 2025 offiziell renoviert, de facto aber komplett neu erbaut. Aus einem Stadion mit Laufbahn wurde ein hochmodernes reines Fußballstadion, welches von außen aussieht, als wäre ein UFO gelandet. 16.354 Zuschauer sahen ein wildes Spiel. Die ihren chinesischen Mitspielern überlegenen Ausländer geizten nicht mit Arroganz und Exzentrik, machten aber halt auch den Unterschied aus. Bis auf ein Tor wurden auch sämtliche Treffer von diesen erzielt. Nach ausgeglichenem, aber wildem Start gingen die Gäste im ersten Durchgang mit 3:0 in Führung. Das freute die etwa 400 Gäste-Fans natürlich. Wie viele davon tatsächlich die Reise aus dem über 1.000 km entfernten Yuxi in der südchinesischen Provinz Yunnan auf sich genommen hatten, bleibt fraglich. Auch der Gastverein trieft vor Tradition, wurde dieser doch schon 2021 gegründet.
Die heimische ‚Curva Sud‘ belegte den ganzen Unterrang eben jener Tribüne und bot optisch und auch akustisch einen ordentlichen Auftritt. Das Liedgut beider Szenen orientierte sich in den Melodien schon stark an europäischem Material, während das Einsingen hinter der Kurve und der folgende Einmarsch an Südamerika erinnerte, wie auch die tiefe Basstrommel, die von Snare drums begleitet wurde. Etwas künstlich wirkte das Fahnen- und Zaunbanner-Equipment, kein Wunder, wenn der Verein erst seit zwei Jahren in der Stadt spielt. Da dürfte Temu ganze Arbeit geleistet haben. Das in der ersten halben Stunde äußerst effektive Gäste-Team war dann drauf und dran, den komfortablen Vorsprung zu verspielen. Noch vor dem Seitenwechsel durfte der erste Treffer der Gastgeber bejubelt werden, die unmittelbar nach der Pause auch den schnellen Anschluss herstellten. Die etwas krampfhaften Versuche, den Ausgleich zu erzielen, wurden jedoch nicht belohnt und die Gäste konterten eine Viertelstunde vor dem Ende zum Sieg. Der erneute Anschluss per Elfer in der Nachspielzeit kam zu spät. Mit dem Abpfiff verließen wir das Stadion, fuhren mit der Metro zur Grenze und nach einem kurzen Snack war der China-Exkurs eine knappe Stunde nach dem Spielende auch schon wieder vorbei. Eine weitere Stunde dauerte es, bis wir schließlich in den Hotel-Federn lagen.