Donnerstag, 08.09.2019, 19:15

deutschland

SV Adler Weseke vs SV Westfalia Gemen 2:3

Adler-Sportpark, 75 Zuschauer, Kreispokal Recklinghausen 2.Runde
Im Borkener Ortsteil Weseke forderten die heimischen Adler die Nachbarn aus Gemen zum Pokal-Duell. Bezirksliga gegen Landesliga. Den identischen Vergleich hatte es erst wenige Tage zuvor in der Stadtmeisterschaft gegeben, ob daher heute nur eine überschaubare Anzahl an Zuschauern zugegen war, entzieht sich allerdings meinem Beurteilungsvermögen. Scheint auf jeden Fall in diesen Tagen die alles beherrschende Spielpaarung der Region zu sein, denn auf dem benachbarten Kunstrasen trafen sich zeitgleich die U19-Teams der Vereine. Auf dem Naturrasen mit kleiner Tribüne zeigten sich die klassenhöheren Westfalen abgeklärter und gingen verdient in Führung, kassierten dann aber den überraschenden Ausgleich. Noch vor der Pause wurde die Führung aber wieder hergestellt. Im zweiten Durchgang konnten die Adler aber mit hohem kämpferischem Aufwand ein Übergewicht erreichen. Ein Konter brachte aber die Vorentscheidung zu Gunsten der Westfalia. Für die Gastgeber reichte es nur noch zum späten Anschlusstreffer. Hervorzuheben ist noch das abwechslungsreiche kulinarische Angebot. Neben Brezeln mit Frischkäsefüllung und herkömmlicher feiner Bratwurst, wurden Käsergriller und grobe Bratwurst zubereitet.

Sonntag, 04.08.2019, 16:00

schweiz

Xamax Neuchatel FCS vs FC Sankt Gallen 1:1

Stade de la Maladiére, 5.484 Zuschauer, Super League

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Unmittelbar am Neuenburger See oder auch Lac de Neuchatel liegt das Stade de la Maladiére. Eigentlich war ich mal wieder Jahre zu spät dran, denn das alte Maladiére, der Vorgänger dieses sterilen Neubaus mit seiner merkwürdigen Form, strahlte deutlich mehr Charme aus. Das neue Stadion ist in erster Linie eins: rot! Sitze rot, Wände rot, Bedachung rot. Ein bisschen mehr Kontrast wäre angenehmer für das Auge. Den Dächern der Geraden hat der Architekt ein Gefälle verordnet, mit dem Ergebnis, dass das Dach über dem Gästebereich niedriger ist, als das über dem Heimsektor. Ein Husarenstreich, denn so haben die Gäste den Akustikvorteil für sich. Gut 700 Away-Supporter waren aus der Nordost-Schweiz angereist und damit dem vielleicht 100-150 Leute zählenden Xamax-Mob sowieso schon verbal überlegen. Während das Spiel eher langsam in Fahrt kam, hatten beide Gruppen nach gut einer Viertelstunde beinahe zeitgleich ihren großen Auftritt. Während der FCSG-Anhang das Ultra-Leben beschwor und dazu ein paar Fackeln anriss, wurde im Heimbereich ein überdimensionaler Joint angezündet und ein Transparent mit dem Slogan „Unis dans la fumée“ präsentiert, was in etwa „Im Rauch vereint“ bedeutet. Ob der Zeitpunkt der Aktion nun mit den Gästen abgesprochen war, bleibt reine Vermutung. Der Sinn einer zweiten von Spruchbändern unterlegten Pyro-Aktion der Gäste erschloss sich mir nicht. Der FCSG war mittlerweile verdient in Führung gegangen, denn Xamax bekam annähernd gar nichts auf die Reihe. Das änderte sich nach der Halbzeit. Die Gastgeber versprühten direkt mehr Drang und Willen und kamen schnell zu Ausgleich. Obwohl die Partie nun mehr Elan versprühte, gab es aber nur noch wenige gute Chancen und es blieb beim letztlich gerechten Unentschieden, das so richtig keinem weiter hilft.

Samstag, 03.08.2019, 19:00

schweiz

FC Sion vs FC Zürich 3:1

Stade de Tourbillon, 9.800 Zuschauer, Super League

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Die Schweiz ist schon rein landschaftlich immer ein reizvolles Ziel. Darüber hinaus lohnt sich eigentlich auch jeder Besuch eines Spiels, an dem einer der Clubs mit  größerer Fan-Szene beteiligt ist. Nach meiner individuellen Einschätzung sind das die Zürcher Vereine, natürlich der FC Basel und dann noch YB und der FC Sankt Gallen. Leider ist die Schweiz aber auch ein Reiseziel mit hohen Lebenshaltungskosten, so dass sich längere Aufenthalte beinahe verbieten. Aus diesem Grund habe ich bei gut einem halben Dutzend Schweiz-Trips auch nur ein einziges Mal kostenpflichtig auf eidgenössischem Gebiet übernachtet. Um aber die aktuelle Tour nicht stressiger zu machen als nötig, war eine Übernachtung dieses Mal unumgänglich und umso entzückter war ich darüber, dass ich zu fairem Preis eine Nacht im Ibis-Hotel in Sion erwerben konnte. Sion liegt im bildschönen Rhone-Tal in Kanton Wallis. Schon die Fahrt dorthin entschädigt für den Aufwand. Beide Clubs waren nicht gut in die Saison gestartet und daher schon ein Stück unter Zugzwang. Die Gastgeber gingen durch eine verunglückte Flanke früh in Führung. Da sieht ja auch jeder Schnapper immer schön scheiße aus, wenn die Kirsche lang und länger wird und schließlich im Toreck einschlägt. Der FCZ ließ sich aber nicht irritieren, fing sich schnell und kam auch zum verdienten Ausgleich. Nach dem Seitenwechsel verflachte die Partie etwas, wobei die Zürcher die tonangebende Mannschaft blieben. Eigentlich sah es aus, als ob der Kick ohne große Aufreger zu Ende gehen sollte, aber eine Viertelstunde vor Schluss, gab es Penalty für die Gäste. Mehr als ein Schuss an den Außenpfosten kam aber dabei nicht heraus. Fast zumindest, denn ein Sion-Akteur war mit der Entscheidung noch immer nicht zufrieden und kassierte durch die zweite Gelbe Karte einen Platzverweis. Wie so oft profitierte aber nicht das nun in Überzahl spielende, sondern das scheinbar benachteiligte Team davon. Reine Psychologie. Zehn Minuten vor Schluss ging Sion erneut in Führung und torpedierte alle Ausgleichsbemühungen der Gäste mit einem Konter, der zum dritten Treffer führte. Fand der Zürcher Block dann nicht ganz so gut und der eigenen Truppe wurde nach dem Abpfiff ordentlich die Meinung gegeigt. Gut 1.000 Gäste werden es schon gewesen sein, die zu Spielbeginn blaue Papierschlangen warfen und ein großes FCZ-Transparent vor den Block zogen. Nach dem Ausgleichstreffer wurde ein wenig Pyro gezündet, dass aber bei noch vorhandenem Tageslicht nicht gut zur Geltung kam. Die Anhänger der Gastgeber verzichteten gänzlich auf optische Stilmittel. Der Heim-Support war stark französisch geprägt – nicht weiter verwunderlich, da Sion im französisch-sprachigen Teil der Schweiz nahe zur Grenze nach Frankreich liegt. Das Stade de Tourbillon, benannt nach der auf einem benachbarten Felsen liegenden Burgruine, ist ein eher schlichtes Stadion. Es besteht aus vier einzelnen Tribünen, von denen lediglich die etwas höhere Haupttribüne von abweicht. Die Bergkulisse, die sich im Panorama erhebt macht diesen Spielort trotzdem zu einem besonderen.

Freitag, 02.08.2019, 19:30

deutschland

TuS Frankweiler-Gleisweiler-Siebeldingen vs  SV Südwest Ludwigshafen 3:3

Sportplatz Dagobertstraße, 250 Zuschauer, Bezirksliga Vorderpfalz

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Kurs Süd stand auf dem Kompass und der Übernachtungs-Stopp wurde natürlich mit einem Spielbesuch gekoppelt. Bezirksliga in der Vorderpfalz – sicherlich nicht das Spielniveau, was ich bevorzuge, aber die örtlichen Gegebenheiten der Platzanlage waren für die Wahl ausschlaggebend. Frankweiler, ein – man möchte fast sagen, gottvergessenes Kaff – kleiner Winzer-Ort, liegt an den sänften Hängen, wo sich die rheinische Ebene in den Pfälzerwald erhebt. Ich frage mich oft, ob ich nicht zu viel sinnlosen Mist schaue, aber genau solche Spielorte bestätigen mich in meiner Auswahl. Ausbau gib es nur auf einer Seite des Spielfeldes und dieser wird durch die Topographie bestimmt. So entstand eine Naturtribüne in der einige Sitzgelegenheiten angelegt wurden. Von dort blickt man nicht nur über das Spielfeld, sondern auch weit in die Rhein-Ebene. Der gastgebende Verein, der durch den spielerischen Zusammenschluss dreier benachbarter Ortschaften zu einem schönen Namensmonster mutierte, ist zu dieser Saison erst von der Kreis- in die Bezirksebene aufgestiegen. Dementsprechend hoch war das Interesse am ersten Heimspiel und es kam eine ganz ordentliche Anzahl an Zuschauern zusammen. Die erfolgreichen Zeiten des leidlich namhaften Gastvereins sind lange vorbei. Spätestens seit Mitte der 90er Jahre befindet sich der Club im sanften Sinkflug. Beide Mannschaften boten ein emotional geführtes und abwechslungsreiches Spiel, welches mit einem gerechten Remis endete.

Sonntag, 28.07.2019, 14:00

deutschland

FSV Zwickau vs 1.FC Magdeburg 0:0

Stadion Zwickau, 8.858 Zuschauer, 3.Liga

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Zwickau hieß das heutige Ziel. Vor ein paar Jahren bezog der FSV das neue Heim im Stadtteil Eckersdorf. So einfach dieses Stadion auch gebaut ist, mir gefällt es ganz gut. Ich bin ja eh ein Fan von Stadien mit vier einzelnen, baulich voneinander getrennten Tribünen. Unverständlich finde ich nur, dass für die Hintertor-Tribünen nicht die gesamte Spielfeldbreite genutzt wurde, die Ränge also schmaler gebaut wurden, als möglich. Der Ground liegt auf leicht abschüssigem Gelände, daher ist die Gegentribüne auf Höhe des obersten Niveaus zu betreten, während die Haupttribüne ebenerdig erbaut ist. Die Fan-Szene des FSV steht dem Hobby des Stadionhüpfens nicht allzu aufgeschlossen gegenüber. Oder etwas deutlicher ausgedrückt – man hat schon einige Geschichten gehört, dass orts- und vereinsfremde Besucher bedroht oder ganz am Spielbesuch gehindert wurden. Das finde ich insofern zu verurteilen, als dass jeder, der sich regulären Zutritt verschafft, auch das Recht hat dem Spiel beizuwohnen. Nun gibt es sicher einige Angehörige der Groundhopping-Gilde, die es mit dem Fotografieren übertreiben. Daher habe ich auch Verständnis, wenn Fanszenen auf Leute allergisch reagieren, die unablässig und aufdringlich mit der Kamera vor der Kurve rumspringen und wild den Auslöser betätigen. Auch hier sollte dann aber eine deutliche Ansage das Maß sein. Auf der anderen Seite ist ja den Gestalten, die dem Hobby ungehemmt und respektlos nachgehen, auch nicht mehr wirklich zu helfen, erst recht nicht, weil die Voraussetzungen in Zwigge bekannt sind. Ich hatte prinzipiell wenig Sorge, dass wir angelabert werden, da wir eben nicht mit den typischen Merkmalen eines Vollblut-Hoppers ausgestattet sind. Wir sind nicht mit dicken Kameras oder Bauchtasche behangen, tragen weder überwiegend dunkle Kleidung, noch szenetypische Funktions-Klamotten wie Jack Wolfskin oder North Face und wir machen zwar ein paar Bilder aber eben nicht unablässig und vor allem mit Zurückhaltung. Ich halte es da, wie bei Auslandstouren. Bring den Völkern die Du besuchst Respekt entgegen und zeige Dich freundlich, sei umsichtig und nimm Dir Ratschläge zu Herzen, dann wirst Du nur selten in Schwierigkeiten geraten. Trotzdem wurde die Parkplatzsuche von einer gewissen Paranoia geprägt, bis ein geeigneter Stellplatz gefunden wurde. Ansonsten war alles entspannt und lief nicht anders ab, als andere Spielbesuche auch. Die FSV-Kurve eröffnete mit einem schönen Fahnenmeer und Protest-Spruchbändern für die Vereinsfarben und gegen die Gestaltung des neuen Ausweichtrikots in neongelb. Danach wurden zur Bestätigung Rauchtöpfe in den Clubfarben gezündet. Obwohl die Schwaden auf das Spielfeld zogen, reagierte der Referee äußerst angenehm und ließ einfach weiterspielen, anstatt die Akteure panisch in die Kabine zu bitten. Ein Eintrag in den Spielbericht wird aber unumgänglich erfolgt sein. Der 1.565 Köpfe starke Gäste-Anhang zeigte sich gewohnt lautstark aber ohne optische Untermalung. Ich zieh ja immer wieder den Hut davor, dass die FCM-Kurve mit beinahe 100%iger Mitmachquote und extrem laut auftritt, kann aber mit diesem statischen, polnisch geprägten Support-Stil nicht viel anfangen. Gegen die akustische Macht hatte die Heimkurve trotz starker Bemühung nur selten eine Chance, sich vokal in Szene zu setzen. Auf dem Rasen sah das anders aus, denn die Schwanenstädter brannten in der ersten Hälfte ein wahres Feuerwerk ab, schafften es aber trotz zahlreicher Chancen nicht die Kirsche zu versenken. Nach dem Seitenwechsel konnte die Elf von der Elbe den Kick dann offener gestalten. Torchancen gab es auf beiden Seiten nur noch wenige und der FCM hätte die Partie kurz vor dem Ende um Sackhaaresbreite beinahe noch gekippt und das Spiel damit ziemlich auf den Kopf gestellt. Torlos ging es zu Ende, womit die Bördestädter wohl besser leben konnten als die Sachsen.

Samstag, 27.07.2019, 18:00

deutschland

1.FC Lichtenfels vs FC Coburg 2:3

Karl-Fleschutz-Stadion, 400 Zuschauer, Landesliga Bayer Nordwest

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Nächster Halt Lichtenfels, nur wenige Kilometer weiter. Hier konnte schon  eher von einem Derby gesprochen werden. Der FC Coburg war zu Gast und insgesamt gut 400 Kiebitze waren gekommen, auch wenn die offizielle Zuschauerzahl nur mit 280 benannt wurde. Das Lichtenfelser Stadion ist ein absoluter Traum für jeden Liebhaber ergrauter Spielstätten. Auf der Hauptseite befindet sich das Warmgebäude mit darüber liegender Vereinsgaststätte, von deren Terrasse man dem darunter abgelieferten Gegurke  aus erhöhter Perspektive beiwohnen kann. Der absolute Vorteil dieses Standortes  ist, dass der Weg zum Zapfhahn nur ein paar Meter beträgt. Mittig auf der Hauptseite befindet sich, flankiert von Stehrängen, eine in den Vereinsfarben gehaltene Sitztribüne, neben der sich ein altes, brachliegendes Produktionsgebäude eines Möbel-Herstellers befindet. Auf der Gegenseite wurde über die gesamte Spielfeld-Länge eine überdachte Stehtribüne errichtet, welche die besten Jahre hinter sich hat. Auf der westlichen Hintertor-Seite befindet sich eine ungedeckte Stehtribüne und lediglich hinter dem gegenüber liegenden Tor sucht man Ausbau vergebens.  Ich finde das ja super, aber es  stellt sich doch die Frage, warum für diesen Verein eine derart überdimensionierte Spielstätte errichtet wurde. Auch wenn der Verein bis in die frühen 70er Jahre latent erfolgreich war, konnte dieser aber damals, wenn einige Male auch nur knapp am Aufstieg gescheitert, nie höher als drittklassig agieren. Seitdem hat man sich auf Landesliga-Niveau und zeitweise darunter eingependelt. Man konnte aber spüren, dass der Club über einen gewissen Rückhalt verfügt. Das lag aber weniger an der kleinen Supportgruppe. Bei dieser handelt es sich Menschen mit Trisomie 21, auch als Down-Syndrom bekannt, die von einem Betreuer begleitet wurden. Die mitgeführte Zaunfahne weist auf die Herkunft aus einem Heilpädagogischen Zentrum hin. Mitunter gaben diese typische Fußballmelodien mit etwas merkwürdig anmutenden, dem Spielverlauf individuell angepassten Texten von sich. Da konnte man sich einer gewissen Belustigung nicht erwehren, aber ich finde es stark, dass vermeintlich benachteiligten Menschen solche Möglichkeiten eröffnet werden. Der in dieser Saison bisher sieglose 1.FCL konnte auch im vierten Spiel nichts Zählbares einfahren und die mitgereisten Gäste-Anhänger durften sich über einen Dreier im Derby freuen.

Samstag, 27.07.2019, 15:00

deutschland

VfL Frohnlach vs SV Memmeldorf 1:4

Willi-Schillig-Stadion, 180 Zuschauer, Landesliga Bayern Nordwest

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Dominik konnte für einen kleinen Ausflug gen Oberfranken und Sachsen gewonnen werden. Zunächst ging es nach Frohnlach. Der in diesem nur 2.000 Einwohner zählenden Ortsteil von Ebersdorf ansässige VfL verbrachte den Großteil der letzten 30 Spielzeiten in der Bayernliga, war also in früheren Jahren sogar drittklassig. Vor zwei Jahren musste man sich letztmalig vom Oberliga-Niveau verabschieden, so dass aktuell Landesliga-Fußball angesagt ist. Der Verein verfügt über ein sehr idyllisch zwischen Wäldern und Feldern gelegenes kleines Stadion mit einer überdachten Tribüne und einer kleinen Stehtraverse auf der Gegenseite. In solcher Umgebung macht die Spielbeobachtung ja immer Laune. Die Partie gegen Memmelsdorf, einem Vorort von Bamberg, wurde trotz beinahe 50 Kilometern Entfernung zart als Derby benannt. Nach Derby-Rivalität sah es dann aber in der Tat aus, denn beide Clubs schenkten sich nichts und insgesamt wurde satte zwölf Mal der gelbe Pappkarton aus der Hosentasche des Schiedsrichters befreit und in die frische Luft gereckt. Die Gäste spielten clever und fügten dem VfL nicht unverdient die erste Heim-Pleite seit 339 Tagen zu.

Freitag, 26.07.2019, 19:30

deutschland

Rot-Weiss Essen vs BV Borussia Dortmund U23 2:1

Stadion Essen, 14.497 Zuschauer, Regionalliga West

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Ganze fünf Spiele der Roten hatte ich in der vergangenen Rückrunde gesehen, das letzte Anfang April, ebenfalls gegen die Back-up-Truppe des BVB. Und nach der wieder mal enttäuschenden Saison und dem Fußball zum Abgewöhnen unter Trainer Carsten Neitzel, ohne jeden Sieg in den letzten acht Pflichtspielen, hatte ich mir nun vorgenommen, die Hafenstraße erst einmal zu meiden und vor allem kein Spiel zu besuchen, bei dem Herr Neitzel noch das Amt der Trainierers inne hat. Nun ja, Neitzel wurde seines Amtes zwei Wochen nach Saisonende enthoben, so dass diese K.O.-Voraussetzung schnell eliminiert war und mit Christian Titz wurde ein leidlich prominenter Mann an die Linie gestellt. Außerdem fand der große Umbruch statt. Alte Zöpfe wurden abgeschnitten und damit Zeichen gesetzt. Mit jeder Spielerverpflichtung wuchs das Interesse wieder und schlussendlich war es vor dem 1.Spieltag wie immer – ich hatte Bock!! Auch wenn ich da keine Illusionen mehr habe. Meine Erwartungshaltung ist gering und der Glaube an eine erfolgreiche Spielzeit quasi nicht mehr existent. Aber was halt im Untergrund immer wieder schwelt, ist die Hoffnung, die ja zu jedem Saisonbeginn wieder stärkere Keime treibt. Und die in den letzten Jahren in der Regel nach dem ersten Saison-Drittel durch die mäßig talentierten Kicker wieder nachhaltig kaputt getreten wurde. Mal sehen, was die neue Spielzeit für Enttäuschungen zu bieten hat. Fast 15.000 Leute bildeten eine großartige Kulisse und zeigten, welche Begeisterung durch die Veränderungen erneut provoziert wurde. Die Anfangsphase war nur kurz von gegenseitigem Respekt geprägt, dann übernahmen – am Alter gemessen – erstaunlich abgeklärte, disziplinierte und körperlich präsente Gäste die Initiative. Zwei wegen Abseitsstellung aberkannte Treffer der Dortmunder kann ich nicht verlässlich kommentieren, da ich vom Geschehen zu weit weg war. Große Proteste gab es zwar nicht, aber knapp war es wohl auf jeden Fall. Ein drittes Mal schlug die Kirsche dann ein und dieses Mal zählte der Treffer. Chancen für den RWE, der nicht unbedingt schlecht agierte und eher von starken Borussen in der Entfaltung behindert wurde, waren Mangelware. Der BVB-Nachwuchs ging mit einer verdienten Führung in die Pause. Das Titzsche Spielsystem bindet ja den Torhüter ein, der bei Ballbesitz weit aufrückt und sich mit dem Ziel, eine Überzahl zu schaffen, als zusätzliche Anspielstation anbietet. Eine riskante Nummer, die ich kritisch sehe, die aber am heutigen Tage keine nachteilige Wirkung hatte.
Die Roten kam mit neuem Mut aus der Kabine und übernahmen das Zepter, da der BVB nun auch die Gebietsansprüche des ersten Durchgangs vermissen ließ. Das Feld wurde – eigentlich unerklärlich – weitestgehend den Gastgebern überlassen. Großartige Torgefahr wurde dennoch nicht herauf beschworen, der Glaube beim Publikum schwand und die Nachwuchs-Borussen bekamen eine Viertelstunde vor dem Ende die große Chance, den Deckel drauf zu machen. So endete die Partie mal wieder typisch rot-weiss, da vor großer Kulisse, die Chance eine breite Euphorie loszutreten, nicht genutzt und stattdessen eine Heim-Pleite zum Saisonauftakt kassiert wurde. Das hätte der Schlusssatz sein können. Der BVB nutzte aber die angesprochene Konterchance nicht und fünf Minuten später gab es auf der Gegenseite eine aussichtsreiche Freistoßchance aus halblinker Position. Lange habe ich an der Hafenstraße keinen direkten Freistoß mehr einschlagen sehen, aber Neuzugang Condé, von Wolfsburgs Nachwuchs gekommen, erledigte das eindrucksvoll. Der irgendwie doch unerwartete Ausgleich war gefallen und als ich in der Nachspielzeit meinen Kollegen mitteilte, dass ich mit dem Remis gut leben kann, da es sich wie ein Sieg anfühlte, segelte ein letzter langer Ball in den schwarz-gelben Sechzehner. Einen dem Spielgerät entgegeneilenden Marcel Platzek und einen ungeschickten Körperseinsatz eines BVB-Verteidigers später, pustete der Referee in die Piepe und zeigte tatsächlich auf den ominösen Punkt. Elfmeter! Für Rot-Weiss! In der Nachspielzeit! Bedingt durch die vielen Negativ-Erlebnisse der letzten Jahre, erwartete man derartiges doch eher andersrum. Meine angeborene Skepsis über die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Umsetzung der anspruchsvollen Aufgabe wischte der aus Homburg verpflichtete Alexander Hahn unfassbar selbstsicher mit einem trockenen Schuss ins linke untere Eck vom Rasen! Schluss, Ende, Aus – der Spielleiter pfiff gar nicht mehr an und drei unfassbar glücklich erlangte Punkte blieben an der Hafenstraße. Hammer, was nun eine Stimmung in der Bude herrschte, überhaupt in der Schluss-Viertelstunde. Dabei war, vor allem aus meiner Perspektive, dem Away-Sektor näher als der Westkurve,  über weite Phasen nur der gut 1.500 Köpfe starke Gäste-Anhang zu hören. Der rot-weisse Anhang hatte stark begonnen. Es war zum Fahnentag aufgerufen worden, was ein von mir persönlich sehr geliebtes, wildes Kurvenbild ergibt, und zwei große motivierende Spruchbänder schworen die rot-weisse Elf ein. Eins davon, über die gesamte Länge der Rahn-Tribüne gespannt, lautete: Niemals aufgeben! Wer hätte vor dem Spiel geahnt, dass dieser Slogan so schnell an Bedeutung gewinnen würde. Laut war es während der Anfangsphase, aber nach einer halben Stunde wurde es immer ruhiger und während der zweiten Spielhälfte habe ich mich zwischendurch gefragt, ob etwas vorgefallen war und der organisierte Ultra-Support daher eingestellt wurde. Dass die Hafenstraße nur noch selten zu einer echten Support-Hölle mutiert, ist ja kein Geheimnis, und auch in diesem Falle konnte das heute vielköpfige Potential über eine lange Phase offensichtlich einfach nicht mobilisiert werden. Anspannung wohl zu groß, habe keine andere Erklärung. Oder ich selber war zu angespannt oder hatte zu tief und zu oft in den Stauder-Becher geschaut und daher einfach nix mehr richtig wahrgenommen. Am Ende ist das alles scheißegal – was zählt ist der Sieg, auch wenn man meinen könnte, dass das gesamte Saisonglück schon in einer einzigen Partie verbraucht wurde. Dieser Last-Second-Win muss nicht, aber kann etwas lostreten. Eine Eigendynamik wie vor einigen Jahren in der NRW-Liga-Saison nach dem insolvenzbedingten Zwangsabstieg. Die Wortkreation ‚Thammsche Initialzündung‘ machte schon die Runde, denn Verteidiger Alexander Thamm war es, der damals nach richtig guter Teamleistung im ersten Saisonspiel in der Schlussphase quer in der Luft lag und mit einem Traumtor den Sieg bescherte. Ich will den Erfolg gegen den BVB nicht überbewerten, aber für die Moral und den Glauben an ein Ziel (das ja eigentlich nur ‚Orientierung nach oben‘ heißt, aber remember: Stichwort Hoffnung) war der Erfolg ein absolutes Schmiermittel. Ich bin gespannt!