Zagreb – Fr., 29.07.2022, 21:00

GNK Dinamo Zagreb vs NK Istra 1961 4:1

Stadion Maksimir, 3.393 Zuschauer, Prva Hrvatska nogometna liga
Da der glorreiche RWE es nicht in die DFB Pokal Hauptrunde geschafft hatte, bot das Pflichtspiel-freie Wochenende die Möglichkeit, sich mal wieder anderweitig in Europa umzusehen. Die Wahl fiel auf eine Kroatien-Österreich-Kombi mit Hinflug nach Zagreb. Eurowings ab Köln hieß die Verbindung, aufgrund der organisatorischen Horrormeldungen in der Woche zuvor eigentlich ein doppeltes Ausschlusskriterium, aber es heißt ja immer ‚No risk, no fun!‘. Zunächst galt es also die aktuelle Herausforderung Konrad-Adenauer-Flughafen Köln/Bonn zu bewältigen. So früh wie an diesem Tage war ich für einen Kurzstreckenflug wohl noch nie an einem Airport. Die Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle des Terminal 1 reichte bis nach draußen vor Terminal 2, was mich kurz stocken ließ, aber insgesamt hatte sich die Situation im Vergleich zum vorherigen Chaos-Wochenende gebessert und ich war nach etwas mehr als einer Stunde durch. Der Flug war auch immer noch angekündigt und ich konnte bei einem kühlen Schöfferhofer mit Hotel- und Busbuchungen starten, auf die ich ob der ungewissen Abflugslage bis dato verzichtet hatte. Bei Planung des Ausflugs hatte ich heute noch einen spielfreien Tag. Bedingt durch Dinamos Europapokal-Termine wurde deren Heimspiel aber kurzfristig auf den heutigen Freitag vorgezogen.
Im Maksimir war ich zwar schon und der Gegner versprach nun auch kein Feuerwerk, aber irgendein Spiel ist ja besser als gar kein Spiel. Die riesige Bude ist natürlich genauso fett, wie sie hässlich ist. Die brutalen doppelrangigen Tribünen auf den Längsseiten und hinter dem nördlichen Tor harmonieren null mit der noch halbrunden Hintertor-Seite für die Gäste im Süden, die noch ein Relikt aus alten Zeiten ist. Der nachträglich in der Nordwestecke des Stadions angebaute Business-Bereich erforderte den Rückbau von einem der Flutlichtmasten, weshalb dort nun ein deutlich kleinerer Mast beinahe mitten im Stadion steht. Das wirkt wenig symmetrisch. Jegliche fehlende Überdachung kann an Niederschlags-Tagen auch unbequem werden. Spiele gegen normale Gegner ohne die ganzen Event-Fans, welche gegen Hajduk oder Rijeka aus ihren Plattenbau-Löchern gekrochen kommen, zeigen dann natürlich wie groß der Szene-Stamm tatsächlich ist. Etwa 800 Module versammelten sich hinter dem neuen Banner der ‚Bad Blue Boys‘, welches zwar ordentlich groß, aber natürlich dennoch nur ein Schatten des kürzlich bei einer außer Kontrolle geratenen Pyro-Aktion zerstörten riesigen alten Lappens ist, der ja die gesamte Fläche vom Handlauf der untersten Reihe bis zum Boden einnahm.
Aus Pula, von der Halbinsel Istrien, waren knapp zwei Dutzend Demoni mitgekommen, die ihr Team phasenweise unterstützten. Aber natürlich waren sie chancenlos gegen den kehlig-rauhen Dauergesang der BBB. Ebenso wie ihre Mannschaft auf dem Platz, die in der ersten Halbzeit vor dem Abonnement-Meister ehrfürchtig wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrte und zur Pause mit zwei Toren zurücklag. Das heimische Publikum außerhalb der Kurve wirkte insgesamt etwas gelangweilt. Kein Wunder ob des Dauererfolges des Vereins – in den letzten 15 Jahren ging die Krone 14 Male an Dinamo. Lediglich dem HNK Rijeka gelang es ein einziges Mal diese Dominanz zu unterbrechen und überhaupt gingen sämtliche Meistertitel in der Republik Kroatien an gerade einmal vier unterschiedliche Vereine. Die Liga bietet also ähnliche Spannung wie die Deutsche Bundesliga. Während sich aber die Bayern-Ottos ihren – wohl auch begrenzten – Spaß in der Champions League holen können, fehlt den Dinamo-Fans dieser Ausgleich eben. National ist der Club das Maß aller Dinge, international hat dieser aber eben gar nichts zu bestellen. Istra war im zweiten Durchgang aktiver, fing sich aber Treffer Nummer drei. Wenn es nicht eh schon durch war, dann spätestens jetzt. Der Ehrentreffer wurde mit dem Tor zum Endstand beantwortet, der in dieser Höhe auch völlig in Ordnung ging.