Sonntag, 19.01.2020, 12:15

niederlande

VV Venlo vs PSV Eindhoven 1:1

Stadion De Koel, 7.059 Zuschauer, Eredivisie

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Aufgrund der Nähe zu meinem Heimatort ist in den Niederlanden ja nicht mehr viel zu holen. Erst recht nicht in den oberen Spielklassen und in der Eredivisie gar nix mehr. Die Spielbesuche dort sind aber mittlerweile auch so lange her, dass es legitim erscheint, den einen oder anderen Ground mal aufzufrischen, zumal seit einiger Zeit zu beobachten ist, dass es in den niederländischen Fanszenen mehr Leben gibt und immer öfter Bilder von ansprechenden Choreografien und Pyro-Aktionen einiger Gruppen über die Grenze schwappen. Die Szenen des VVV und des PSV gehören da zwar nicht wirklich zu, aber aufgrund eigener kurzer Anfahrt und der räumlichen Nähe beider Vereine, hielt ich den Besuch dieser Partie für eine gute Idee. Am Stadion wurde in den deutlich über zehn Jahren nach meinem Besuch rein gar nichts verändert. Kann aber bald passieren – es ist wohl der Neubau der Hintertor-Tribüne für die VVV-Fans geplant, wie ein Plakat vor dem Stadion verkündet. Das Stadion De Koel – die Kuhle – wirkt mit der abstrakt angelegten Haupt- und der westlichen Hintertor-Seite also so speziell wie zuvor. Eigentlich ein ziemlicher Schrott-Ground, aber eben auf individuelle Weise. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Gäste-Sektor, der sich das Prädikat ‚besonders beschissen‘ mehr als verdient. Toll war es da oben im Eck wohl nie, aber mit der Plexiglas-Wand davor ist dem ganzen nun die Klobrille aufgesetzt worden. Vor allem die Sicht aus dem Block ist absolut indiskutabel, wie ein aus dem Block gepostetes Foto auf einem sozialen Netzwerk zeigte. Da die Glaswand den engen Sektor fast bis oben abschließt, drang auch der Support des PSV-Anhang kaum nach draußen. Gift für die Atmosphäre, was die da gebaut haben, eine echte Frechheit. So brachte auch der mit 550 PSV-Fans ausverkaufte Away-Sektor nicht den erhofften Support. Außer einem dumpfen Getrommel, dass mich an Dschungel-Filme erinnerte, kam nicht viel an. Die aktive VVV-Seite hat leider rein gar nichts drauf, das war mehr als schwach und so war es dann doch das übliche Holland-Feeling. Aber wenn sich die Entwicklung fortsetzt, werden die Veränderungen irgendwann in jede Fan-Szene Einzug halten, alles eine Frage der Zeit. Falls der Verband nicht dazwischen grätscht, denn auf die zunehmende Anzahl an Pyro-Shows wird jedenfalls schon kritisch geschaut. Ich war erstaunt, wie viel Deutsche im Publikum waren. Und damit sind nicht die Angehörigen der Hopping-Szene gemeint, von denen aber auch genügend identifiziert werden konnten, sondern tatsächlich Leute mit VVV-Fanartikeln, die am Verein interessiert sind. Auch unter Berücksichtigung der Grenznähe – die Kuhle liegt gerade mal ein paar hundert Meter von der Landesgrenze entfernt – schwer nachvollziehbar. Denn da bietet der Niederrhein oder das nahe Ruhrgebiet doch attraktivere Alternativen, um Fußball zu schauen. Beide Teams begannen mit drei Deutschen in der Anfangsformation, bei den Gastgebern befinden sich drei weitere im Kader. Der PSV war in der ersten Hälfte klar spielbestimmend und die Führung schien nur eine Frage der Zeit, aber beste Gelegenheiten wurden ausgelassen. Der VVV hatte nicht viel dagegen zu setzen, wurde aber mutiger und bekam im zweiten Durchgang einen Elfmeter zugesprochen, der für die Führung genügte. Der Philips‘ Sport Vereniging – immer noch Werksverein des Philips-Konzerns – fiel nicht mehr allzu viel ein, aber als alle mit dem Außenseiter-Sieg abgeschlossen hatten, kam der PSV mit der letzten Aktion in der Nachspielzeit zum Ausgleich.