Freitag, 13.12.2019, 19:30

deutschland

Rot-Weiss Essen vs VfB Homberg 0:2

Stadion Essen, 8.495 Zuschauer, Regionalliga West

19rwedauer

Mit dem VfB Homberg stellte sich ein Gegner an der Hafenstraße vor, der eigentlich nur die Punkte abzuliefern hatte. So einfach wie die Ausgangslage schien, so kompliziert war sie auch. Zu erwarten war ein tief stehender Gegner, dessen Defensiv-Riegel erst einmal geknackt werden wollte. Ich erwartete dennoch einen ungefährdeten Sieg, unkte vor dem Spiel aber vorsichtshalber erst einmal einen Gegentreffer in der 17. Minute herbei. Ich liege mit meinen Prognosen ja grundsätzlich daneben, daher schlug schon in der 16. Minute ein Sonntagsschuss im Kreuzeck des rot-weissen Tores ein – übrigens das erste Mal, dass die Gäste am Essener Sechzehner auftauchten. Bis dahin gab es zwei oder drei halbherzige Gelegenheiten für die Roten. Das änderte sich auch in der Folgezeit nicht. Der RWE drückte die Gäste in Ihre Hälfte, Angriff auf Angriff rollte auf das Homberger Tor, aber richtig zwingend wurde es selten. Immer wieder war ein Abwehrbein dazwischen oder die Flanken fanden ihre Abnehmer nicht. Kurz vor der Hälfte fiel der zweite Gäste-Treffer nach einer desaströs verteidigten Freistoß-Flanke und der VfB hatte bei seinem erst zweiten Vorstoß vor das RWE-Tor sein zweites Erfolgserlebnis. Ich hätte erwartet, dass sich nach dem Seitenwechsel etwas ändert, das Spielsystem variabler gestaltet wird, aber dem war nicht so. Ein Stück weit fühlte ich mich an das Heimspiel gegen Fortuna Köln erinnert, als der RWE nach dem Rückstand ebenfalls nicht in der Lage war, die Defensivordnung des Gegners durcheinander zu bringen. So blieb es bei bestimmt 75 oder 80% Ballbesitz ohne die nun ernsthaft drohende Heimniederlage abwenden zu können. So wurde spätestens ab der 70. oder 75. Minute auch dem letzten Stadionbesucher klar, dass hier und heute keine Wende mehr zu erwarten war. Absurderweise hätten sich die Roten kurz vor dem Ende durch die erst dritte Torchance der Gäste beinahe noch einen weiteren Treffer gefangen. Aber auch so durfte sich der Duisburger Stadtteil-Verein über einen unerwarteten Sieg freuen. Damit ist der RWE gegenüber den Mitkonkurrenten um Platz eins erst einmal leidlich deutlich ins Hintertreffen geraten. Aber was heißt das? Zwar zeigen sich die Dorf-Clubs aus Westfalen erstaunlich konstant und konnten eine dauerhafte Schwächephase bisher vermeiden, aber dennoch besteht überhaupt kein Grund zu Unruhe, denn die Saison ist noch lang. Und sollte es am Ende nicht reichen, muss man eben anerkennen, dass andere besser unterwegs waren. Womit ich leben könnte, wenn an der Hafenstraße weiterhin eine klare Handschrift und ein überlegter aber erkennbarer Aufbau eines Teams vollzogen wird. Handlungsbedarf sehe ich allerdings in der Flexibilität. Es scheint eine gewisse Ratlosigkeit zu herrschen, wenn sich der Gegner auf die rot-weisse Spielidee gut eingestellt zeigt. Daran muss gearbeitet werden, sonst kann das am Ende der ausschlaggebende Aspekt sein, der den Unterschied zum Platz an der Sonne ausmacht. Also Krone richten, weiter machen, niemals aufgeben! Auch wenn man nun mit dem Negativ-Erlebnis in die Spielpause geht. Ende Januar folgen direkt vorentscheidende Spiele gegen starke Gegner und Mitbewerber. Danach wissen wir mehr.