Samstag, 27.04.2019, 16:45

malaysia

Tun Razak FC vs Kuching FA 2:4

Mindef Stadion, 140 Zuschauer, Liga M3
Und um viertel nach fünf schon wieder daraus hervor. Mit dem Grab ging es für 30 Ringgit zum 30 Kilometer entfernten Flughafen. AirAsia beförderte mich erneut sicher und pünktlich. Dieses mal nach Ipoh, etwa 200 Kilometer nördlich von Kuala Lumpur gelegen. Eigentlich sollte es nun in die Cameron Highlands gehen. Sämtliche Unterkünfte dort waren mir aber nicht gut genug bewertet, manche Bewertungen enthielten teils fragwürdige Hinweise, und je mehr ich mich über das Ziel informierte, desto touristischer und uninteressanter kam mir die Geschichte vor. Daher wurde der Plan einen Tag vor dem Abflug nach Asien geändert und das neue Ziel hieß Pulau Pangkor, eine nur wenige Kilometer vor dem Festland gelegene Insel. Mit dem Grab fuhr ich zum Busbahnhof. Leider zum falschen, daher brauchte ich ein weiteres Grab zum richtigen Terminal. Dort verpasste ich dann den Bus nach Lumut um zehn Minuten und hatte zwei Stunden Wartezeit. Irgendwann konnte dann der Bus geboardet werden und ich schmiss mich in den breiten Sessel. Der kurz darauf erfolgte Griff in die Hosentasche jagte mir einen ordentlichen Schreck durch die Glieder. Smartphone weg! Ecuador reloadet, verdammte Scheiße, so blöd kann man doch nicht sein! Also Klamotten gerafft und wieder raus. An jedem verdammten Flecken im Terminal gefragt, wo ich mich aufgehalten hatte. Fehlanzeige. Mir fehlte auch die Erinnerung, wann ich den Knochen zuletzt in der Hand hatte. Als ich schon aufgeben und den Bus sausen lassen wollte, um in Ruhe nach dem Ding zu fahnden, fiel mir ein Geräusch ein, das ich wahrgenommen hatte, als ich mich in den Sitz warf. Also wieder rein ins Stangen-Taxi und da schaute es mich dann ganz unschuldig an, eingeklemmt zwischen Sitz und Buswand. War mir schlicht nur aus der Hosentasche gerutscht. Himmel, so ne Aufregung kann ich im Alter nicht mehr brauchen. Zweieinhalb Stunden später Ankunft in Lumut, kurz vor 14 Uhr. Zum Anleger sind es nur 300 Meter, die nächste Fähre nach Pulau Pangkor war für 14:30 Uhr angeschlagen. 14 Malayen-Dinger kostet das Ticket in dem die Rückfahrt direkt mit drin ist.
Gute 40 Minuten später legten wir auf der Insel an. Mit auf dem Boot war eine Tante im Traveller-Outfit, fortgeschrittenes Alter. Also in etwa so alt wie ich. MUAHAHA. Karin aus Kiel. Unser Zielort war derselbe, nämlich Teluk Nipah auf der anderen Seite des Eilands, der Ort mit der am ehesten auf Touristen ausgelegten Infrastruktur ohne dabei zu touristisch zu sein. Überhaupt ist Pangkor eher noch unentdeckt und etwas abseits der Touri-Ströme gelegen. Den Ottonormal-Touri-Dödel zieht es ja eher nach Langkawi und Co. Wir teilten uns also ein Taxi. Karin war bereits seit Oktober durch die Weltgeschichte unterwegs und hob sich bis auf die Optik angenehm vom Traveller-Affen-Volk ab. Wirkte recht clever und man konnte sogar eine vernünftige Unterhaltung mit ihr führen. Meine Unterkunft war das Nipah-Guesthouse, eine feine, kleine und gepflegte Anlage mit verschiedenen Behausungen. Ich hatte mich für eine kleine Hütte mit eigenem Bad entschieden. Die Besitzer waren Weltklasse und gaben einem das Gefühl, wirklich willkommen zu sein. Die Wahl stellte sich als Volltreffer heraus. Nicht lang rum eiern, ab zum Strand. Die Coral-Bay war das Ziel, fußläufig in zehn Minuten zu erreichen. Kaum jemand dort, so wie ich es erwartet hatte. Wassertemperatur ungefähr Badewanne, nicht wirklich erfrischend, aber doch entspannend. Als ich auf dem Handtuch dann was zu Lesen in die Hand nahm, die Sonnenbrille absetzte und die normale Brille aus dem Etui nehmen wollte, war das Mistvieh nicht da. Hatte ich wohl auf dem Bett liegen lassen, als ich mir mein hübsches Gesichtchen eingecremt hatte. Irgendwann zurück in der Unterkunft war die Dämels-Brille aber nicht aufzufinden. Das war heute wohl nicht mein Tag. Ich wusste, wann ich das Moped zuletzt in der Hand hatte und ab wann ich es vermisst hatte. Also lief ich den Weg dazwischen noch ein mal ab, aber die verdammte Brille war nicht zu finden. Für solche Fälle hab ich immer Ersatz dabei, aber nerven tat es mich trotzdem. Half aber nix, das Teil war wech. Erst mal zu Abend speisen, eine leckere gegrillte Goldbrasse wurde es. Aber die Brillengeschichte ließ mir keine Ruhe und ich war der Meinung, das Moped musste dort zu finden sein, wo ich mich am Strand aufgehalten hatte. Im Dunkeln noch mal dorthin und mit der Handy-Taschenlampe alles abgeleuchtet, aber nix war es. Damit war der Verlust dann akzeptiert. Und vielleicht war es genau das, was den Geistesblitz brachte. Auf dem Rückweg fiel mir ein, dass ich mich mit Betreten des Strandes gebückt hatte, um die Flippies auszuziehen. Ich konnte mich zwar nicht dran erinnern, aber ich klemme die Brille oft in den T-Shirt-Kragen, vielleicht war sie dabei raus gerutscht. Also an diese Stelle zurückgekehrt, aber nichts zu finden. Unmittelbar daneben war ein Restaurant, dort fragte ich mal nach. Die Bedienungen hatten schon Feierabend und saßen selbst beim Essen. Als ich mein Anliegen vortrug, sprangen alle auf, holten megafette Taschenlampen und suchten mit mir zusammen. Weltklasse, unfassbare Hilfsbereitschaft. Erfolg brachte das aber auch nicht, ich bedankte mich und wollte gehen. Aber einer gab keine Ruhe und fragte noch einmal genau nach. Ich erwähnte, dass sich an dieser Stelle eine Familie mit Kindern am Strand aufgehalten hatte und er meinte, vielleicht hätte diese die Brille gefunden. Er leuchtete die im Dunkeln stehenden Tische ab und da lag sie dann. Wusste gar nicht was mich mehr begeistern sollte – der Fund oder diese unglaubliche Freundlichkeit und Unterstützung. Was ich schon an Brillen verloren habe und zum Teil auch wieder gefunden habe, gibt bald Stoff für ein Buch her. Ein Minimarkt hatte noch ein paar Dosen Tiger parat und so konnte ich in der Unterkunft in einer Hängematte liegend die Reunion mit der Brille noch gebührend feiern.
Um halb acht stand ich auf. Self-cooked breakfast war angesagt. Alles was man brauchte wurde gestellt und dann konnte man sich nach Lust und Laune austoben, keine schlechte Sache. Gepäck in den Gepäckraum und dann nebenan einen Roller gemietet, um die Insel noch ein bisschen zu erkunden. War vorher noch nie mit so nem Ding gefahren, aber so ein Automatik-Teil sollte ja nicht die große Herausforderung darstellen. Gleichgewichtsgefühl hat man ja vom Radfahren. So war es dann auch. Die wenigen Straßen der Insel sind leer, lediglich im Hauptort Pekan wird es ein wenig busy. Ein Hindu-Tempel und die schwimmende Moschee waren die Ziele. Nach dem ich mir den Tempel angeschaut hatte und die Höllen-Maschine wieder bestieg, musste ich in einer engen Kurve wenden. Dabei rutschte ich mit dem abstützenden Fuß weg, riss dabei versehentlich am Gas und hüpfte, mich irgendwie auf dem Roller haltend, auf den Tempel zu, brachte das Viech aber zum Glück nach einigen Metern zum stehen. Alter Vadder, ich hab mich schon auf Shivas Schoß gesehen, da wäre mir die Titelseite der Insel-News aber mal sicher gewesen.
Auf dem Rückweg hielt ich noch an einem Strand, der Himmel verdunkelte sich dann, es begann ein wenig zu tröpfeln und ich dachte mir so, ich warte das mal ab. Aus Tropfen wurde ein gestandener Regen, daraus ein ausgewachsener Wolkenbruch. Ein kleiner Aussichtsturm bot Schutz. Und es wollte nicht aufhören, was deutlich im Widerspruch dazu stand, dass ich die Fähre um 13 Uhr erreichen wollte. Ein paar Arbeiter hatten sich unter nahen Bäumen untergestellt. Rüber gespurtet und mal nachgefragt, ob ich einen von diesen gelben Müllsäcken haben könne. Konnte ich und daraus ließ sich dann ein wunderbarer Regenponcho basteln. Terima Kasih! So gelangte ich halbwegs trocken zurück zum Vermieter. Taxi zum Anleger, Fähre pünktlich und der 14 Uhr-Bus nach Kuala Lumpur auch, wo ich um kurz nach sechs ankam. Theoretisch wäre heute Fußball bei Felda United in Bandar Tun Razak möglich gewesen, 140 Kilometer östlich von Kuala Lumpur, aber das hätte viel Aufwand bedeutet und mir war nicht nach Aufwand. Herr Grab fuhr mich zu erwählten Unterkunft, den Expressionz-Suites. Das sind zwei benachbarte 48-stöckige Türme, in denen einige kleine Apartments vermietet werden. Mit 47 Euro nicht ganz günstig, dafür hatte ich aus meiner Suite in der 35. Etage eine traumhafte Aussicht auf die Skyline von KL. Im obersten Stockwerk gibt es ein Pooldeck, von wo die Aussicht noch ein wenig besser war. Ich holte nur noch was zu essen und ein paar Dosen Tiger und verzog mich in das Luxus-Apartment, das keine Wünsche offen ließ. Man muss auch mal gönnen können. Vor allem sich selbst.
Ausschlafen war dann am Samstag angesagt. Dann stand zuerst der Hotel-Wechsel an, denn die Suite war leider nur für eine Nacht frei. Ab ins City-Comfort-Hotel, das auch keine Wünsche offen ließ. Das nächste Ziel waren die Petronas Twin Towers und als ich so aus dem Hotel trat und um die Ecke bog, blieb mir fast die Spucke weg. Kommt doch ein Typ mit einem RWE-Trainingsshirt auf mich zu. Der bemerkte natürlich, wie blöd ich ihn anstarrte, und blieb verunsichert stehen. War letztlich ein Schiedsrichter aus Düsseldorf, der die U19 einige Male gepfiffen und irgendwann dieses Shirt als Aufmerksamkeit erhalten hatte. Für Anhänger der Kommerz-Unternehmen aus München und Dortmund wäre diese Begegnung mit dem eigenen Club-Wappen nicht besonders ungewöhnlich gewesen, aber wenn einem als Fan eines durchschnittlichen Regionalligisten auf der anderen Seite des Erdballs ein Shirt des eigenen Gurkenvereins entgegen kommt, ist das schon ein Stück weit skurril. Für die Twin Towers hatte ich mir also ein Ticket gebucht. Ich schaue ja gern von oben auf die Welt, daher konnte ich mir den Blick aus 450 Metern Höhe nicht entgehen lassen. In ein paar Jahren ist das in KL noch aus deutlich größerer Höhe möglich, denn dann wird der PNB-Tower mit 650 Metern als höchstes Gebäude der Stadt und zweithöchstes der Welt fertig gestellt sein. Aber auch von den Türmen mit der Edelstahl-Fassade, dem höchsten Doppelgebäude der Welt, ist die Sicht auf die 8 Mio-Einwohner-Metropole schon gewaltig. Als mich der Erdboden wieder hatte, war es – wie könnte es anders sein – ein Grab, dass mich zum nächsten Ziel brachte, dem Merdeka-Platz. Es ist aber auch zu einfach und zu günstig mit der Grab-App. Da ist zumindest für die kurzen Strecken jeder ÖPNV-Aufwand einfach zu hoch. Am Merdeka, dem Ort an dem 1957 die Unabhängigkeit Malaysias von Großbritannien ausgerufen wurde, stehen einige historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Nur wenige hundert Meter sind es nach Chinatown, wo ich mich einmal durchtreiben ließ.
Rumgelatscht war ich nun schon wieder genug, daher machte ich mich zum Hotel auf, das fußläufig erreichbar war. Auf dem Weg dorthin die Klamotten aus der Wäscherei geholt, die ich morgens abgegeben hatte. Dafür musste der indische Waschbär erst einmal geweckt werden, indem die Metall-Rollläden massiv mit den Fäusten bearbeitet wurden. Im Hotel knallte ich mich ein Stündchen auf das Bett und wollte mich bis zum abendlichen Spiel auch eigentlich nicht mehr bewegen. Aber so richtig kam ich nicht zur Ruhe, also aufgerafft und mit dem Grab zum Mindef Stadium, wo ich zur Halbzeit des Drittliga-Kicks zwischen dem gastgebenden Tun Razak FC und den Gästen aus Kuching eintraf. Und dann war doch tatsächlich die Groundhopping-Polizei anwesend, die mich aber nur musterte und zum Glück nicht anlaberte. Wieder mal Schwein gehabt. Aber auch Latte. In die Statistik hält ein halbes Spiel eh keinen Einzug, ein paar Bilder will ich Euch aber trotzdem gönnen. Kuching – das liegt auf Borneo, schöne Anreise für ein Spiel der Amateur-Liga – führte bereits mit drei Toren und legte direkt nach Wiederanpfiff Treffer Nummer vier nach, so dass man Schlimmes für die Gastgeber befürchten musste. Diese besannen sich aber und taten etwas für die Ehre. In den Schlussminuten geriet Kuching sogar noch gewaltig unter Druck und ließ einige dicke Chancen für die Gastgeber zu, so dass der Ausgleich sogar möglich gewesen wäre.