Wolfsburg – Sa., 06.08.2022, 15:30

VfL Wolfsburg vs SV Werder Bremen 2:2

Arena Wolfsburg, 28.015 Zuschauer, Bundesliga
Jaja, ich hab es ja nicht so mit dem sogenannten ‚Vollmachen‘ von Ligen, was ja einem Großteil der Angehörigen unserer Bewegung sehr wichtig ist. Ergo fehlen mir auch in der Beletage des deutschen Fußballs noch ausgewählte Spielstätten, zumal ich mit dem ganzen Bundesliga-Klüngel auch schon seit Jahren nichts mehr anfangen kann. Die Wolfsburger Arena ist eines der Stadien, die ich noch nie besucht habe, ein Spielort, zu dem mich bisher nichts hingezogen hat und der auch nur mit einem Spiel gegen die Jugendliebe fallen konnte. Kumpel Malo, von identischen Vereinslieben geplagt wie ich, war mit von der Partie. Nach Eintreffen in der Autostadt sickerte über die sozialen Netzwerke durch, dass die aktive Szene nach Ankunft mit dem Zug in Wolfsburg direkt in einen Polizei-Kessel geraten war. Die ganze Gruppe wurde zunächst festgesetzt, viele mussten sich dann durchsuchen lassen und einer Personalienaufnahme unterziehen, einige als offenbar ‚harmlos‘ eingestufte Personen, durften den Kessel verlassen. Würde mich auch mal interessieren, auf welcher Basis zwischen ‚harmlos‘ und ‚gefährlich‘ unterschieden wurde – wie soll das aufgrund rein optischer Betrachtung fundiert geschehen sein. Als Begründung für die Maßnahme wurde die Gefahrenabwehr genannt, was irritiert, denn die übliche Abstimmung der beiden Vereine zu diesem Spiel ergab das Prädikat ‚risikoarm‘. Die Staatsmacht sah das anders und beide Polizeibehörden stuften das Aufeinandertreffen kurzfristig in die Kategorie ‚rot‘. Das Verhältnis der beiden Fanszenen zueinander sei ‚rivalisierend‘. Da weiß man bei so einem Hirnriss gar nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll. Abgesehen davon, dass die Wolfsburger Szene Deutschlandweit eher bescheidenen Ruf genießt, hat die Werder-Szene ganz andere Feindbilder als den ja doch eher niedlichen VfL Wolfsburg.
Immerhin gab die Polizei nachher zu, mit den Kontrollen präventiv gehandelt zu haben, um eventuell mitgeführte Pyrotechnik aufspüren zu wollen. Na wenn zum  Erreichen dieses Ziels diese gewählte Maßnahme Schule macht, dann gute Nacht. Und wie das dann bei solchen Maßnahmen so ist, nimmt die Schikane kein Ende. So wurde den stundenlang Wartenden sogar der Toilettengang verweigert. Weiterhin wurde ein Aufenthaltsverbot für die Stadt ausgesprochen und lediglich der Zugang zum Stadion in polizeilicher Begleitung in Aussicht gestellt. Der Großteil der aktiven Fanszene machte daraufhin das einzig richtige und entschied sich Prinzipientreu für die umgehende Heimreise. Es stellt sich mal wieder die Frage, warum eine ganze Gruppe kriminalisiert wurde, die sich an diesem Tage noch gar nichts hat zu Schulden kommen lassen. Und auch der letzten Polizeiführungshohlbirne muss doch auch klar sein, dass sich mit solchen Aktionen die Fronten noch weiter verhärten. Ist das wirklich gewollt? Während sich die Bullen-Ottos natürlich keines Fehlverhaltens oder einer überschätzten Lage bewusst sein wollen, finde ich die Reaktion der Vereinsführungen bemerkenswert. Der VfL sagte die Erstattung der nicht genutzten Tickets zu und die Werder-Führung verurteilte die Aktion aufs Schärfste und forderte ein generelles Umdenken.
Die Abwesenheit der Szene kostete natürlich den durchgehenden Support, aber insgesamt bekam es der Gästeblock doch noch einigermaßen hin. Auch die an den Away-Bereich angrenzenden Blöcke waren fest in Bremer Hand, der Verein ist ja in der Ferne eigentlich immer ‚well-supported‘. Über 5.000 Werder-Anhänger dürften es auf jeden Fall gewesen sein. Dass der harte Gäste-Kern fehlte, brachte auch umso deutlicher ans Licht, wie schwach die Wolfsburger Szene ist. Dass diese eine der schwächsten Kurven im deutschen Profi-Fußball ist, war mir ja klar, aber die Realität übertraf, oder besser ‚untertraf‘, meine Erwartungen noch deutlich. Himmel, da ist ja Maskottchen ‚Wölfi‘ noch beeindruckender als die gesamte Heim-Kurve. Wenn schon nicht die Kurve, dann hatte ich zumindest erwartet, dass der VfL deutlich überlegen auftreten würde. War aber auch nicht so, denn der SVW war spielbestimmend. Die ersten zaghaften Möglichkeiten wurden aber ausgelassen und die individuelle Klasse ermöglichte dem VfL mit dem ersten gefährlichen Angriff den Führungstreffer. Aber Werder zeigte sich mal überhaupt nicht geschockt und drehte die Partie per Doppelschlag binnen weniger Minuten. Auch danach wurde gefällig weitergespielt und mit der Führung ging es in die Pause. Nach dem Seitenwechsel passierte lange nichts Zwingendes, die Gäste hatten den Kick soweit im Griff, aber nachdem Werder-Schnapper Pavlenka eine 1:1-Situation noch stark entschärft hatte, reichte den Gastgebern kurz vor dem Ende erneut die individuelle Klasse zum Ausgleich. Das weckte den SVW noch mal auf und es gab tatsächlich Chancen auf den späten Sieg, aber es sollte nicht sein. Vor dem Spiel hätte ich den Punkt sofort unterschrieben, nach dem Spiel waren es aber tatsächlich zwei verlorene Zähler.