Kaiserslautern – So., 17.04.2022, 14:00

1.FC Kaiserslautern vs 1.FC Saarbrücken 3:1

Fritz-Walter-Stadion, 46.895 Zuschauer, 3.Liga
Den Betzenberg habe ich ja schon einige Male besucht, aber wenige Stadien begeistern mich bei Rückkehr so sehr wie das Stadion vom Walter-Fritz. Schon die Lage macht unglaublich was her, wie der Tempel hoch über der Stadt thront und diese bewacht wie eine Burg im Mittelalter. Kann was, absolut. Der Aufstieg von der Stadt hoch zum Stadion ist für die Fans der Roten Teufel unabdingbar mit dem Spielbesuch verbunden, das wirkt schon beinahe rituell. Kaiserslautern gegen Saarbrücken, dieses Duell war eben nicht nur ein Derby, sondern zieht seinen Reiz, seine brutale Brisanz daraus, dass es dieses Spiel auf dem Betze seit beinahe 30 Jahren nicht gab, vom Geisterspiel in der letzten Saison mal abgesehen. Die Saarbrücker Szene reiste mit mit mehreren Regelzügen und einem Entlastungszug an. 5000 Karten hatte der FCS erhalten, die natürlich sämtlich weggingen. Auch von der befreundeten AS Nancy war eine Abordnung angereist. Beim FCK war der Andrang ebenfalls riesig und auch hier waren mit einer Gruppe von Hellas Verona Freunde angereist. Letztlich wurde ausverkauft gemeldet – ein starkes Zeichen für die Dritte Liga, aber natürlich dem unglaublichen Lauf der Pfälzer geschuldet, die im ersten Viertel der Saison noch tief in der Abstiegsregion gefangen waren. In den letzten 20 Spielen gab es aber nur noch eine Niederlage, was den Club auf einen direkten Aufstiegsplatz führte. Auch die Gäste waren lange in Reichweite zu der Aufstiegsregion, zuletzt ging aber etwas die Luft aus.
Vor dem Spiel traf ich noch mit dem alten FCK-Gefährten Seb, der mir auch bei der Ticketbeschaffung behilflich war – dafür noch einmal Danke! Am Bahnhofsplatz schnasselten wir noch ein Bier bevor es hoch ging auf den Berg. Kaiserslautern hatte um das Stadion einen Alk-freien Ring gezogen – völlig sinnlos, wenn sich die Meute dafür in der Stadt die Hucke vollsaufen kann. Aber Behörden-Maßnahmen stellen ja oft die Sinnfrage. Im Stadion stolperte ich dann direkt über andere Bekannte, so ein Spiel zieht die Schaulustigen halt an. Der Blick in den Kasten ist ja auch immer wieder beeindruckend. Der Betze hat seinen absolut eigenen Charakter und die Tribünen ragen so steil in den Himmel, wie es die Verordnung erlaubt. Die Westkurve des FCK eröffnete mit einer Choreo für einen Ex-Capo, der Tage zuvor den Freitod gewählt hatte. Die Kurve wurde mittels farbigen Ponchos in Rot und Weiß getaucht und das Konterfei des Verstorbenen unter das Dach gezogen. Der FCS hatte den Block gut beflaggt und sogar das riesige ‚Virage Est Saarbrücken‘-Banner mitgebracht, das normal im heimischen Ludwigspark unter dem Kurven-Dach hängt und die ganze Breite des Gästeblocks beanspruchte. Zum Einlauf der Teams landete aus dem FCS-Block abgesendete Leuchtspur auf dem Platz, da konnte man schon ahnen, wo die Reise in den nächsten 90 Spielminuten hingeht. Das wiederholte sich mehrfach, auch die Lauterer Westkurve konnte das übrigens ganz gut. Anschließend qualmte und leuchtete es etwas im FCS-Block, sah aber im Sonnenlicht natürlich nicht ganz so prall aus. Aus dem Away-Sektor flogen im Spielverlauf immer wieder teils fette Böller, bestimmt zwei oder drei Dutzend. Halte ich ja nix von, macht nur Lärm und ist gefährlich, ich wurde ja jüngst in Essen daran erinnert, was daraus entstehen kann. Zum durch den Referee mehrfach angedrohten Spielabbruch kam es natürlich nicht.
Nach nur einer Viertelstunde gingen die Roten Teufel durch einen dummen aber dennoch eher zweifelhaften Elfer in Führung und das auch erst glücklich im Nachschuss. Bis zur Halbzeit war es dann eine relativ offene Nummer, die aber für den FCK noch einen Negativ-Höhepunkt bereithielt. Kurz vor dem Pausenpfiff gab es nämlich glatt Rot für einen FCK-Spieler nach einer sicherlich unbeabsichtigten aber ungestümen üblen Aktion. Kurz nach dem Seitenwechsel fiel dann der Ausgleich und der FCS hatte das Momentum nun auf seiner Seite, nutzte es aber nicht. Der FCK schüttelte sich, zeigte wahnsinnige Moral, Mentalität und Willen und kaufte dem in Überzahl agierenden Kontrahenten damit den Schneid ab. Beim FCS war überhaupt keine Körpersprache mehr zu sehen und die Gastgeber trafen binnen zehn Minuten zwei Mal und stellten damit auf Sieg. Ein wichtiger Erfolg für den FCK, der damit den Aufstiegsplatz behauptet.