Huddersfield – Sa., 12.02.2022, 12:30

Huddersfield Town AFC vs Sheffield United FC 0:0

Kirklees Stadium, 17.523 Zuschauer, Championsship
Gut drei Wochen vor diesem Wochenende bemerkte ich eine brauchbare Konstellation in South Yorkshire und erschwingliche passende Flüge ab Köln nach Manchester. Bei dem doch aktuell doch noch recht dünnen Flugplan gar nicht mehr so selbstverständlich. Der Barnsley FC, dessen Stadion auf meiner England betreffend recht überschaubaren To-do-list steht, sollte am Samstag-Abend antreten. Dazu passte das Mittagsspiel in Huddersfield und für den Nachmittag hatte ich einen regionalen Kick herausgesucht. Gegner von Huddersfield war Sheffield United, das einzige Team mit dem in England etwas anfangen kann. Vor über zehn Jahren weilte ich mit ein paar Getreuen beim Steel City Derby zwischen United und Wednesday. Beide waren sich länger nicht begegnet und entsprechend heiß waren beide Seiten auf die Partie. Ich hatte ein Ticket für die Heimtribüne, die proppevoll war. Niemand saß und da wir Pub-bedingt etwas getrödelt hatten standen wir nun im Aufgang zwischen den Stuhlreihen. Gesessen hat auf der Tribüne aber niemand und United ging schnell mit zwei Toren in Führung. Beim zweiten Treffer packte mich mein mir unbekannter Nebenmann unvermittelt exzessiv jubelnd und wir purzelten Arm in Arm – er hielt mich vor Freude fest und ich ihn in Todesangst – einige Stufen die Treppe runter. Nix ist dabei passiert und mein Jubelpartner half mir noch dabei, meine Brille wiederzufinden, die mir bei diesem Stunt von der Nase gefallen war. United spielte leidenschaftlich und obwohl der Kick letztlich noch mit einem Remis endete, blieben mir der Verein und sein Anhang positiv in Erinnerung.
Nach meiner Entdeckung kontaktierte ich Thomas, mit dem ich ja ab und an über Pläne austausche, von dem dann das Signal kam „längst gebucht“. Und zwar zusammen mit einigen mir bekannten anderen, was einen kurzweiligen Ausritt versprach. Die Reisegruppe hatte sich dem Dreier Huddersfield, Bradford und Barnsley verschrieben. Nur 24 Stunden nach der Flugbuchung war die Planung aber schon wieder Geschichte, da sich der TV-Sender plötzlich gegen die Übertragung des Barnsley-Matches entschied und die Partie wieder auf die übliche Nachmittags-Anstoßzeit wanderte. Aus der Perspektive des Fußballanhängers finde ich es ja stark, dass ein Großteil der Spiele im Königreich weiterhin klassisch am Samstag-Nachmittag um 15:00 stattfindet und der Spieltag nicht so zerfleddert wird, dem Fußballtouristen hilft das aber wenig. Nun gab es mehrere Optionen. Barnsley war eigentlich gesetzt, wäre damit aber auch einzige Partie geblieben, weil es von Huddersfield nicht rechtzeitig zum Kick-off erreichbar war. Dazu sind An- und Abreise trotz kurzer Entfernung relativ umständlich und zeitraubend. In Bradford war ich aber schon, es gab aber noch die Alternative am Nachmittag ein Cup-Spiel in Halifax zu sehen, das aber wenig versprach. So entschied ich mich für die Kombi aus Huddersfield und einem erneuten Besuch in Bradford. Das Stadion dort ist ja ein fettes Ding und so blieb ich bei der Reisgruppe, die am Ende auf Alex, Marc, Thomas und mich zusammenschrumpfte.
Ich mag mein Hobby ja echt, wenn nur nicht so oft dieses frühe Aufstehen nötig wäre. Am Gate traf ich noch die Kölner Genossen Tobi und Alex – die Fußballwelt bleibt halt überschaubar groß, auch wenn sich die Ziele nicht vollständig glichen. In Huddersfield reichte es noch für ein English Breakfast und zwei Pint Guinness. Der Huddersfield Town FC ist mir nicht sonderlich sympathisch ohne dass ich das wirklich begründen kann. United sah ich heute schon das vierte Mal. Neben dem Derby daheim und bei Wednesday hatte ich seinerzeit in Wembley das Playoff-Finale um den Aufstieg in die zweite Liga besucht. Gegner war… Huddersfield Town, das nach torlosen 120 Minuten in einem typisch englischen erbärmlichen Elfmeterschießen nach 22 Schüssen letztlich gewann. Vielleicht mag ich die Terrier auch deshalb nicht besonders. Das Kirklees Stadium weicht auch mal völlig vom typischen Stil – auch neuerer – britischer Stadien ab. Grundsätzlich sieht die Bude mit den gewölbten Dächern zwar ganz interessant und individuell aus, passt aber einfach nicht in die hiesige Stadionlandschaft. Der Away-Sektor war komplett gefüllt, etwa 2500 Blades dürften den Weg hergefunden haben. Dass wir dann das einzige torlose Spiel der Liga-Runde sahen, war mal beinahe erwartbar. Die Qualität der Partie war aber für ein zweitklassiges Spiel auch einigermaßen besorgniserregend. Ich kann mir auch diesen eklatanten Niveauabfall unterhalb der Premier League nicht recht erklären. Den Blades wäre kurz vor Ende beinahe noch der Lucky Punch gelungen, verdient wäre es nicht gewesen. Stimmung natürlich auch erwartungsgemäß verheerend. Die kleine Ecke mit den aktiven Town-Supportern, unverständlicherweise auf derselben Tribüne beheimatet wie der Gästeblock, brachte nicht viel zustande und der United-Anhang enttäuschte ebenfalls auf ganzer Linie. Mittlerweile bewahrheitete sich die Wettervorhersage und ein englischer Schnürregen begleitete uns hinaus.