Sonntag, 18.08.2019, 15:00

deutschland

SG Eintracht Gelsenkirchen 07/12 vs DJK Arminia Ückendorf 0:0

Südstadion am Haidekamp, 54 Zuschauer, Kreisliga A Gelsenkirchen Gruppe 2

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Wenn man der verbotenen Stadt eins lassen muss, dann dass es dort wirklich einige schöne Spielstätten zu sehen gibt. Eine besonderes herausragende ist das Südstadion am Haidekamp. Über 20.000 Zuschauer sollen einmal hinein gepasst haben in diese traumhafte Bude der traditionellen Stadion-Baukunst. Geboren wurde das weite Runde in den 60er Jahren, dabei wirkt es irgendwie älter. Lediglich die überdachte Haupttribüne weist den üblichen schlichten, aber angenehmen Stil der in den 60ern und 70ern entstandenen Stadien auf. Ein Hingucker ist der groß an die Tribünen-Rückwand gepinselte Vereinsname. Zuletzt kursierten Meldungen, dass das Stadion durch einen teilweisen Rückbau stark verändert werden soll. Die Gegentribüne soll auf das Niveau des Geländes amputiert, die Ränge begrünt und damit unbefestigt angelegt werden. Die Arbeiten sollten im Spätsommer beginnen, so dass der Entschluss reifte, dort vorher noch einmal ein Spiel zu besuchen und ‚den Ground zu bestätigen‘, wie es im Szene-Sprech ja so schön heißt. Am Südstadion angekommen, fiel mir dann zunächst mal die Kamera runter. Nicht, dass dieses nicht schon mehrfach vorgekommen wäre, aber dieses Mal quittierte das Ding endlich seinen Dienst. Neun Monate alt, kann man mal machen, und war ja klar, dass das in Gesindelkirchen passieren musste. Zum Glück machen ja Smartphones auch halbwegs brauchbare Fotos. Nach Betreten der Anlage, war auch klar, warum der Stadtsportbund die Umbauarbeiten anstrebt. Zwar waren bei meinem ersten Besuch vor etwas mehr als einem halben Dutzend Jahren die Stehstufen auch schon schief und krumm, mittlerweile sind diese aber wahre Stolperfallen. Sofern man sie noch sieht – faszinierend, was die Natur in wenigen Jahren so veranstaltet. Mannshohe Pflanzen steigen aus den Fugen hervor, an einigen Stellen so dicht, dass man Ränge und Wellenbrecher kaum noch sieht. Das Südstadion entwickelt sich zu einem wahren Relikt der Stadion-Landschaft. Leider verschandeln Bauzäune, welche die Zuschauer am Betreten der Stehränge hindern sollen, den Gesamteindruck. Die Nachfrage beim Kassierer ergab, dass der Baubeginn zwar in diesen Tagen sein sollte, mittlerweile aber wieder alles ganz anders ist. Einer der Gründe ist, dass der Fokus zunächst auf der Sanierung der Stehränge im Horster Fürstenbergstadion liegt. Wann es nun im Südstadion los geht, weiß niemand. Lediglich die Nordkurve wurde vor einiger Zeit bereits ein Stück beschnitten, um Platz für ein Kleinspielfeld zu schaffen. Die Eintracht spielte in den 60er und 70er Jahren in der Regionalliga West, damals zweithöchste Spielklasse der Republik unter der Bundesliga. Gegen den glorreichen RWE, den WSV und den VfL Bochum bevölkerten 15.000 Zuschauer das Stadion. Die heutige SG Eintracht, deren Wappen Ähnlichkeit mit dem des blauen Un-Vereins der Stadt aufweist, hat mit dem damaligen Verein interessanterweise gar nichts mehr zu tun. Die Eintracht ging Anfang der 70er durch Fusion in der traditionsreichen STV Horst-Emscher auf und die neue SG Eintracht entstand erst Ende der 90er Jahre durch Namensänderung aus  Fortuna Gelsenkirchen. Kurioserweise sieht sich der neue Verein aber ohne geschichtlichen Bezug in der Tradition der alten Eintracht. In der Kreisliga A wird heutzutage im Südstadion geknüppelt und das war großenteils schwere Kost. Da hab ich schon deutlich bessere Spiele auf noch niedrigerem Niveau gesehen und folgerichtig endete die Partie mit dem einzig logischen Ergebnis.