Budapest – Sa., 27.04.2024, 16:30

Csepel TC vs Testvériség-Újpalota SE 2:1

Béke téri Stadion, 200 Zuschauer, BLSZ I. osztaly
Der EC141 brachte uns am Samstag-Morgen von Wien nach Budapest. Irgendwann jedenfalls. Zunächst wurde eine Verspätung von 30 Minuten mitgeteilt, ergänzend muss dazu vielleicht noch erwähnt werden, dass der Zug in Wien startete, ergo eine echte Glanzleistung. Daraus resultierte eine Bahnsteigänderung. Als nächstes folgte die Info über ein verringertes Platzangebot, da der Wagen der 1.Klasse und einer der 2.Klasse nicht zur Verfügung standen. Kurz darauf wurde eine weitere Verspätung von zehn Minuten verkündet. Abfahrt also mit plus 40 Minuten, Ankunft letztlich mit plus 68 Minuten – die Deutsche Bahn wäre stolz auf diesen Zug gewesen! Zeit für einen entspannten Spaziergang am Donau-Ufer und über die Kettenbrücke blieb aber noch, bevor wir uns mit dem Vorortzug auf den Weg in den südlichen Stadtteil Csepel machten. Der Csepel Sportclub ist ein großer Verein aus dem Süden Budapests. In den 40er und 50er Jahren konnte die Fußballabteilung des Clubs mehrfach die ungarische Meisterschaft gewinnen und belegt aktuell immer noch einen der vorderen Plätze in der ewigen Fußballtabelle Ungarns. Ungarn-like wurde der Vereinsname gute zehn Male angepasst oder verändert, der Stadtteil-Name Csepel blieb aber immer Bestandteil. Die politische Wende Anfang der 90er brachte große finanzielle Probleme und wenige Jahre später dann den Abstieg. Mit der Jahrtausendwende wurde die Fußballsparte des Vereins gar aufgelöst und dann wurde es kompliziert und ein wenig schwer zu durchschauen.
Zunächst stand eine Spielbetriebsübernahme durch einen Kooperationsverein an, der aber bald nach Tatabanya umzog. Daraufhin entstand 2006 dann der Csepel TC, der die Historie des Csepel SC für sich proklamiert, indem die Startberechtigung eines Vereins namens Láng Vasas SC übernommen wurde. Der Verein spielte dann lange Jahre drittklassig, ehe es in die vierte Division herunterging. In derselben Spielklasse turnt auch mit mäßigem Erfolg noch ein erst seit wenigen Jahren bestehender Club mit dem Namen Csepel UFC unter Nutzung des identischen Wappens rum. Was es mit diesem Verein genau auf sich hat, erschließt sich aber nicht und ist nicht zu ergründen. Nach einigen Jahren in der Viertklassigkeit, die sich im Raum Budapest in einer reinen Stadt-Liga zeigt, konnte der Csepel TC aber bereits am vergangenen Wochenende sechs Spieltage vor Saisonschluss den Aufstieg in Liga drei feiern. Was immer geblieben ist, ist das wundervolle betagte Stadion, dessen Besuch schon lange auf der Wunschliste stand. Es handelt sich um ein weites Oval mit einer unkonventionell aussehenden Haupttribüne. Auf den ersten Blick sieht alles nach Gammel aus, was sich beim genaueren Hinsehen aber nicht bestätigen lässt. Zwar zeigt hier und da die Natur ihre Kraft, aber abgesehen vom Alter der Anlage, erscheint noch beinahe alles funktionstüchtig. Auch die Stufen des weiten Ovals sind weder gebrochen noch schief, gemessen am Alter ist die Bude in gutem Zustand. In der Kurve halten knapp 30 aktive Fans dem Club die Treue, die zum heutigen Spiel ein großes Banner mit der Aufschrift „Meistermannschaft“ am Zaun aufhingen. Ihr von ihnen verehrtes Team tat sich gegen einen früh in Unterzahl geratenen Gegner sehr schwer, der Druck war halt raus. Am Ende reichte es zu einem knappen Arbeitssieg.

Wien – Fr., 26.04.2024, 18:30

SV Donau vs Sportunion Mauer 1:3

Sportplatz Donau, 200 Zuschauer, Wiener Stadtliga
Budapest war das Ziel, denn die verehrte Gattin war noch nie Ungarns Hauptstadt und mir liegen dort noch ein paar verschrumpelte Spielorte auf der Fußballseele. Budapest scheint kein Billigflug-Ziel mehr zu sein, zumindest nicht wenn man nicht flexibel in der Terminwahl ist. Letztlich standen die angebotenen Direktverbindungen in keinem akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis, so dass eine Gabel über Wien zusammengebaut wurde. Mittags in der österreichischen Hauptstadt eingeflogen, blieb genug Zeit für einen Rundgang zu den historischen Spots in der City, bevor es raus ging nach Kaisermühlen auf die Donauinsel. Dort spielt der SV Donau auf Landesliga-Niveau in der Wiener Stadtliga, in Österreich bedeutet das viertklassig. Die Anlage des SV Donau ist räumlich ziemlich eng und daher recht kuschelig. Die Hauptseite bietet in fünf flachen Reihen betagte Sitzbänke und einen kleinen überdachten Stehbereich. Eine weitere Möglichkeit das Spiel zu verfolgen, befindet sich hinter einem Tor, während die andere Hintertor-Seite und die Gegenseite lediglich eine Reihe zur Spielbetrachtung bieten. Während die Gastgeber eine solide, sorgenfreie Saison spielen, sind die Gäste aus dem Wiener Südwesten stark aufstiegsgefährdet. Der etwas kurios anmutende Vereinsname der Gastmannschaft liegt übrigens schlicht in dessen Herkunft begründet, denn der Stadtteil, in dem der Club beheimatet ist, heißt Mauer. Über beinahe die gesamte Spielzeit zeigten die Teams ein Spiel auf Augenhöhe, aber in den entscheidenden Momenten war der Tabellenführer auf dem engen Platz cleverer und abgezockter und nahm letztlich nicht unverdient die drei Punkte mit nach Hause.

Mannheim – So., 21.04.2024, 13:30

SV Waldhof Mannheim 07 vs Rot-Weiss Essen 0:2

Carl-Benz-Stadion, 14.764 Zuschauer, 3.Liga
Auf ein Auswärtsspiel in Mannheim darf man sich durchaus freuen. Waldhof ist Oldschool, Waldhof ist dreckig, Waldhof ist asozial. Es erinnert durchaus an Essen, Mannheim ist der Ruhrpott Süddeutschlands und aus meiner Perspektive sind sich die Anhänger beider Clubs näher als sie zugeben würden. Früh morgens aus Bergamo an den erschreckend verwaisten Baden-Airport eingeschwebt, ging es mit dem Airport-Shuttlebus zum Bahnhof Rastatt und von dort mit dem deutschen Vorzeige-Schienenverkehrsdienstleister mit Umstieg in Karlsruhe nach Mannheim. Einmal den Magen beim türkischen Frühstücksbuffet vollgeschlagen und dann ab zu Kalle Benz seinem Stadion, wo ich auf die Gefährten traf. Und wenig später wieder verließ, denn ich hatte mich entschieden heute mal auf den Besuch des Away-Sektors zu verzichten, um mal eine andere Perspektive zu haben. Am Ende war es anstrengend und in zwei, drei Situation war ich kurz davor die Selbstkontrolle zu verlieren und ein schmerzhaftes Outing zu erfahren, denn es stellte sich schnell heraus, dass mein Umfeld für mein Experiment nur bedingt geeignet war. Dass mein Verein polarisiert und bei den meisten gegnerischen Fanszenen auf tiefe Abneigung stößt, ist ja kein Geheimnis, gerade bei den Baracklern sollte das aber mit Verweis auf oben skizzierte Verwandtschaft im Geiste eigentlich nicht so sein. Umgekehrt finde ich den Waldhof jedenfalls eher sympathisch. War aber eben aus Blickrichtung schwarz-blau mal so gar nicht der Fall. Was da an Sprüchen unter der Gürtellinie kam, war teils tiefer Straftatbestand, und die Verhaltensweisen des Pöbels, machten schnell klar, dass etwaige meine Gesinnung entlarvende Äußerungen oder gezeigte Emotionen problematisch werden könnten. „Ruhrpott-Juden“ war da noch am harmlosesten. Bei der mit entsprechendem Tonfall geäußerten Hoffnung, irgendwo in der Stadt mit 100 Waldhof-Leuten auf einen Rot-Weissen zu treffen, um diesen dann „ins Jenseits zu stiefeln“, erwischte ich mich bei dem Gedanken, dieser eine besser nicht sein zu wollen.
Es soll keine Moralpredigt sein und die derben Sprüche schockten mich ja letztlich auch nicht wirklich. Ich war ja auch vorher schon mal beim Fußball, aber teilweise war das echt zum Fremdschämen. Bei der Überlegung, ob ich mich an der Hafenstraße in emotionalen Situationen wohl auch so verhielte, konnte ich das klar verneinen – für meine Person besteht also offensichtlich noch Hoffnung. Fußball ist kein Bällchenbad und ich lege am Eingang auch die guten Sitten ab, aber das war einfach unterste Schublade. Beim vermeintlichen Ausgleichstreffer rastete mein Nebenmann derart aus, dass er sich gar nicht lange mit der Freude über den Treffer aufhielt, sondern sich einfach mit gestrecktem Mittelfinger und irrem Blick am rot-weissen Anhang im Stakkato wild „Ihr Wichser!!“ schreiend abarbeitete. Und zwar so hingebungsvoll, dass mein wohlwollend gemeinter Hinweis auf die Abseitsposition des Waldhof-Stürmers auch erst nach der fünften Wiederholung realisiert wurde und er sich dann wortlos ernüchtert abwandte. Der RWE-Anhang startete mit einer zweigeteilten Geburtstags-Choreo zum 15jährigen Bestehen der „Rude Fans“. Zuerst wurde ein Meer von kleinen Fähnchen mit RWE-Logo geschwenkt und dann noch eine Blockfahne hochgezogen. Die ‚Ultras Mannheim‘ stürmten nach Problemen beim Einlass – im Eingangsbereich hatte sich zunächst eine Polizeieinheit in Kampfausrüstung positioniert, was die Waldhof-Ultras zum vorrübergehenden Boykott animierte – erst mit Spielbeginn in den Block. Der glorreiche RWE spielte eine starke Anfangsviertelstunde mit der Chance zur Führung, aber dann kam der Waldhof in die Partie und erarbeitete sich ebenfalls Möglichkeiten. Kurz vor dem Seitenwechsel gingen die Roten aber nach einem Durcheinander im Barackler-Strafraum in Folge eines Freistoßes in Führung.
Doch der SVW hatte direkt die Gelegenheit zum Ausgleich, aber Wintereinkauf Terrence Boyd, der den für Golz schwer zu haltenden Ball im Nachschuss über die Linie brachte, stand bei der Schussabgabe seines Kollegen im Abseits, so dass der Treffer nicht zählte. Das ging aber im tosenden Jubel erst einmal unter, was natürlich die Stimmung bei den Umsitzenden anfeuerte. Mein Vordermann beharrte darauf, dass es niemals Abseits gewesen sein könne, weil der Ball ja „vom Tormann kam“…. nun ja, was will man da noch sagen?! Nach dem Seitenwechsel wurde es schnell ein Spiel mit offenem Visier und der Waldhof drückte. Zwar wurden die Roten nicht gerade eingeschnürt und kombinierten sich selber immer wieder clever in Richtung Angriffszone, aber die besseren Möglichkeiten hatten die Gastgeber. Aber irgendein Abwehrbein, der wieder bärenstarke Golz, und Unvermögen der Mannheimer konnten den Ausgleich mehrfach verhindern. In der Schlussminute wurde der Ball dann nach einem schlecht ausgeführten Waldhof-Freistoß am Barackler-Sechzehner gewonnen werden und der nur 17 Sekunden vorher eingewechselte Leo Vonic traf zur Entscheidung. Nahe der Waldhof-Kurve eine Jubeltraube zu bilden, erwies sich als schlechte Idee, denn Voelcke bekam irgendeinen Gegenstand vor die Runkel und ging zu Boden, konnte aber nach kurzer Behandlung weiter machen. Mit dem Auswärtssieg besteht weiter die Option nochmal in den Kampf um Platz drei einzugreifen. Man fühlt, dass der RWE-Anhang mit der Saison zufrieden ist, Mannschaft und Fans bilden eine echte Symbiose. Alles was jetzt noch kommt ist Bonusmaterial, vielleicht ist die Unbefangenheit ein Trumpf, mit dieser kann aber auch mindestens der Mitbewerber aus Münster aufwarten. Coach Dabro bleibt für mich ein Rätsel. Irgendwie scheint der aktuell alles richtig zu machen, dabei gibt es in Sachen personeller Aufstellung und Auswechselungen immer noch Luft nach oben. Taktik und im Laufe eines Spiels erforderliche Systemumstellungen scheinen aber aktuell perfekt gewählt, in diesem Bereich hat er massiv an Erfahrung gewonnen. Ich bleibe weiterhin entspannt gespannt.

Puke – Sa., 20.04.2024, 15:00

KF Terbuni Puke vs KS Veleciku Koplik 4:1

Stadiumi Ismail Xhemali, 150 Zuschauer, Kategoria e dyta A
Wirkliche Eile hatte ich vormittags nicht und machte mich dann kurz vor Mittag mal auf den Weg. Das Ziel war Puke in der nördlichen Bergregion des Landes, welches ich mir auch wegen der landschaftlich schönen Strecke ausgesucht hatte. Es war dann eine schöne Gurkerei über eine bis auf wenige Teilstücke zwar gute, aber sehr kurvenreiche Strecke. Selten zitterte sich die Tachonadel über die 50 km/h-Marke und für die 90 Kilometer benötigte ich ohne zu trödeln beinahe zweieinhalb Stunden. So blieb vor dem Spiel nur noch Zeit für ein kleinen Rundgang durch das unspektakuläre Örtchen, wo man mit heller Haut und blonden Haaren schon ein wenig angesehen wurde, wie ein Außerirdischer auf Urlaub. Das kleine Stadion, welches nur über die überdachte Tribüne oder die ungedeckte Gegenseite betreten werden kann, liegt am Ortsrand. Alles ist ziemlich in die Jahre gekommen, die Sitze auf der Gegentribüne sind bedingt durch die Witterung, die im Winter sicher hart ist, und Vandalismus in erbärmlichen Zustand. Die Besucherzahl hielt sich wie erwartet in Grenzen.
Das war vor einigen Jahren ganz anders, als es der Verein versehentlich für ein Jahr in die höchste Spielklasse schaffte. Damals platzte das Stadion regelmäßig aus allen Nähten und eine Ultra-Gruppierung sorgte für Stimmung und optische Untermalung. Bis auf eine kleine Schmiererei an der Stadionmauer ist allerdings von dieser Gruppe nichts mehr übrig. Aktuell geht der Club nach letztjährigem Abstieg aus der zweiten Spielklasse nur in der Nordgruppe der zweigeteilten dritten Liga der Fußlümmelei nach. Obwohl der Feierabend-Sport mit teils wenig trainierten Körpern unübersehbar war, sah das aber spielerisch keinesfalls schlecht aus und auch Tempo war drin in der Partie. Blieb die erste Halbzeit noch torlos, wurden die Anwesenden im zweiten Durchgang mit einer wahren Tor-Flut überrumpelt. Die Gastgeber hatten dabei deutlich und hochverdient das bessere Ende auf ihrer Seite. Ich begab mich nun recht zügig in Richtung Tirana zum Airport, wo am Abend der Flug zum Umsteige-Drehkreuz und damit Nachtquartier Bergamo startete. Es wird ja gern die Floskel genutzt, Albanien sei das letzte Geheimnis Europas. Diese Behauptung hat zumindest für die einsameren Regionen abseits der Städte noch einen Funken Wahrheit, das stelle ich auch nach meinem vierten Besuch dort fest. Tolles Land.

Kukes – Fr., 19.04.2024, 15:00

FK Kukesi vs KF Skenderbeu Korca 0:2

Kukes Arena, 250 Zuschauer, Kategoria Superiore
Es muss im April noch alter Urlaub weg und zu Hause bleiben ist keine Lösung. Für einen noch überraschend schmalen Kurs konnten wenige Tage zuvor Flüge für einen Kurz-Trip nach Tirana gebucht werden. Die beste Gattin der Welt – da war der Herrgott echt mal in Top-Form, als er mir diese Frau zugelost hat! – unterbrach ihren Schlaf, um mich zu früher Stunde zum Düsseldorfer Flughafen zu bringen und Eurowings brachte mich überpünktlich in die albanische Hauptstadt. Beziehungsweise bis kurz davor, denn der generalüberholte Flughafen liegt ja deutlich außerhalb. Beim aus früherer Buchung bekannten lokalen Mietwagenanbieter meines Vertrauens wurde drei Tage zuvor noch ein Fahrzeug per Whatsapp gebucht und gegen Barzahlung ohne Kaution übernommen und dann ging es mit Kurs Kukes auf die Piste. Von vorherigen Aufenthalten hatte ich Nordalbanien in lebhafter Erinnerung, so dass die sich bietenden wunderbaren Landschaftseindrücke mehr als nur Rahmenprogramm sein sollten. Ich ließ das Tagesziel im wahrsten Sinne erst einmal links liegen und steuerte weiter gen Norden, um die Straße durch die Schlucht ‚Gryka e Vanave‘, die erst vor wenigen Jahren asphaltiert wurde, zu befahren. Ich fuhr dann weiter als ich eigentlich wollte, nämlich bis in die Hochebene um Shishtavec auf 1300 Metern und stand plötzlich vor dem Grenzposten zum Kosovo, wo aber dann der Punkt zur Umkehr gekommen war.
Kukes ist eine Stadt von gerade einmal 16tausend Bewohnern, damit aber unbestrittenes Zentrum der Region. Da Bergbau und daraus resultierende Verarbeitung stark an Bedeutung verloren haben, hat die Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen und vermittelt irgendwie eine unterschwellige Stimmung der Perspektivlosigkeit. Die Chance für die Zukunft liegt eindeutig im Tourismus, der aber noch in den Kinderschuhen steckt. Die ‚Kukes Arena‘ wurde vor etwas mehr zehn Jahren fertiggestellt und in den vergangenen Jahren noch einmal aufwendig umgebaut und modernisiert. Auf den ersten Blick sieht das kleine Stadion ganz schick aus, beim genaueren Hinsehen offenbarten sich aber einige Missstände, es fehlt der finale Feinschliff. Erstliga-Fußball wird es dort im kommenden Jahr auch nicht mehr zu sehen geben, denn der FK Kukesi befindet sich auf Abschieds-Tournee. Der Meister von 2017, danach noch Pokalsieger und drei Mal Vizemeister, steht mit schwacher Punktzahl am Ende der Tabelle. Das ist aber nicht der Grund für das überschaubare Zuschauerinteresse, denn in Albanien erreichen nur sehr selten Spiele abseits des Hauptstadt-Derbys zwischen Partizani und FK Tirana eine vierstellige Zuschauerzahl.
Diese Spielpaarung bietet die aktuell (noch) größtmögliche Entfernung in der höchsten Spielklasse Albaniens. Zwar sind es bei Wahl des längeren aber bequemeren Weges über Tirana nur 300 Kilometer, wer aber in Albanien schon unterwegs war, weiß, dass die Langsamkeit regiert. Der Gastverein – benannt nach dem Nationalhelden des Landes – hat eine sehr erfolgreiche Zeit hinter sich, in der er zwischen 2011 und 2018 sieben Mal den Landestitel einheimste. Bedingt durch nachgewiesene Spielmanipulation kam der Club dann ins Trudeln und stieg vor zwei Jahren sogar aus der höchsten Spielklasse ab, kehrte aber postwendend zurück und spielt heuer eine solide Saison. Heute wurde Skenderbeu seiner Favoritenrolle gerecht und fuhr ohne große Mühe einen Sieg ein. Bei insgesamt äußerst schwachem Spielniveau, boten die Gastgeber eine Leistung zum Abgewöhnen. Damit dürfte die Messe mit zwölf Zählern Rückstand auf den rettenden Platz bei nur noch vier ausstehenden Spielen gelesen sein. Der Tag wurde mit einer kleinen Wanderung zum verlassenen Skelett des ‚Albturist-Hotel‘, das in bester Lage über dem See nie fertiggestellt wurde, und schließlich zu einem Restaurant, das mir von einer früheren Reise noch in Erinnerung war, abgeschlossen.

Bielefeld – So., 14.04.2024, 16:30

DSC Arminia Bielefeld vs Rot-Weiss Essen 1:1

Stadion Alm, 23.748 Zuschauer, 3.Liga
29 Jahre ist es her, dass der glorreiche RWE auf der Bielefelder ‚Alm‘ antrat und damals stand noch nicht eine der heutigen Tribünen, die Spielstätte hat seitdem ein komplettes Lifting erhalten. Ich mag dieses Stadion, welches ja leider von einem Türen- und Fensterhersteller adoptiert wurde und aktuell dessen Namen trägt. Die Bude ist ein richtig schön enges Ding und hat mit der doppelstöckigen Haupttribüne, die sich damit von den übrigen Tribünen absetzt, ein eigenes Gesicht. Mit seiner klaren, kompakten Architektur und der Lage mitten im Wohngebiet, erinnert es an britische Fußballstadien. Kaum jemand dürfte wissen, wie die ‚Alm‘ zu ihrem Namen kam. Ich bisher auch nicht, aber das Internet kann ja über fast alles Auskunft zu geben. Als die Arminia in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Fläche für das Stadion suchte, wurde sie auf den Ländereien eines Landwirts fündig. Ein damaliger Spieler soll beim ersten Anblick gerufen haben „Hier sieht’s ja aus wie auf der Alm!“. Ob wegen der idyllischen Lage oder des unebenen, einer Kuhweide gleichenden Untergrundes, ist nicht überliefert. Nur konsequent ist vom Verein, dass ein Stier als Maskottchen gewählt wurde. Dieser trägt den Namen Lohmann, den Namen des Bauers, der dem Verein das Gelände für die Spielstätte zur Verfügung stellte. Als ‚Westschlager‘ wurde die Partie im Vorfeld bezeichnet, ein reichlich überfrachteter Begriff. Die Arminen (der Vereinsname leitet sich vom sagenumwobenen Cherusker-Fürsten Hermann ab – Arminius ist der römische Name Hermanns) haben sich zwar etwas Puffer zur Abstiegsregion aufgebaut, benötigen aber zur finalen Rettung weiterhin Zählbares.
Der Deutsche Meister von 1955 hat dagegen immer noch Optionen auf den Relegationsrang vorzurücken, auch wenn die Wahrscheinlichkeit angesichts fünf Auswärtspartien bei noch sieben Spielen eine geringe ist. Eine entsprechend intensive Partie hatte ich erwartet, wurde aber zunächst enttäuscht. Die Gastgeber gewannen schnell die Spielkontrolle, die Roten fanden sich aber nach einer Viertelstunde. Torraumszenen gab es auf beiden Seiten nicht, selten passte die Floskel „die Teams neutralisierten sich im Mittelfeld“ besser. Nach etwas einer halben Stunde kamen die Ostwestfalen dann zum ersten Mal gefährlich in den Sechzehner von RWE-Schnapper Golz und direkt klingelte es im Karton. Es sollte Team-übergreifend die einzige gefährliche Torchance der ersten Hälfte bleiben. Der RWE kam dann verbessert aus der Kabine, störte die Arminia nun früher, erzwang Ballverluste der Gastgeber. Dennoch muss eigentlich nach wenigen Minuten Treffer Nummer zwei für die Gastgeber fallen, aber das aus fünf Metern abgesendete Spielobjekt flog am langen Eck vorbei ins Toraus. Auch der RWE bemühte sich nun mal mehr in der Offensive und wurde nach einer Stunde durch einen Harenbrock-Schuss aus halblinker Position mit dem Ausgleich belohnt. Trotz Bemühungen auf beiden Seiten, wurde es dann nicht mehr wirklich brenzlig, am ehesten hätte Obuz zum Helden werden können, dessen Schuss aber geblockt wurde, nachdem er schon fünf Spieler ausgetanzt hatte. Das war es und der Punkt hilft den Gastgebern letztlich mehr als den Gästen, was aber deren Anhang maximal am Rande störte, denn die wirklich gute Saison kann das nicht mehr ins Wanken bringen.

Essen – Sa., 13.04.2024, 16:00

Rot-Weiss Essen II vs SV Preußen Eiberg II 13:1

Bezirkssportanlage Mitte II, 350 Zuschauer, Kreisliga B Essen Gruppe 1
Die Ausgangslage, auch mal sinnvolle oder länger aufgeschoben Aufgaben im erweiterten Haushalt erledigen zu müssen, ermöglichte am heutigen Tage nur Nahverkehr. Also schwang ich mich am Nachmittag auf den Drahtesel und fuhr zur Bezirkssportanlage Essen-Mitte II, wie das Nachwuchsleistungszentrum des glorreichen RWE kuschelig-romantisch offiziell bezeichnet ist. Fünf Jahre nachdem die damalige U23 vom Spielbetrieb abgemeldet wurde, hob der Verein 2019 eine neue Zwote aus der Taufe. Diese rauschte in ihrer ersten Saison direkt durch die Kreisliga C, hing seitdem aber in der B-Klasse fest, dabei war zumindest in der vergangenen Saison der Aufstieg fest eingeplant. Nun sollte in dieser Saison nichts mehr dem Zufall überlassen werden, das Team wurde punktuell noch einmal verstärkt und dem Anspruch dann mehr als gerecht. 21 Siege aus 21 Spielen und über 130 geschossene Tore sprechen eine eindeutige Sprache. So konnte bereits acht Spieltage vor dem Saisonende der Aufstieg in trockene Tücher geschossen werden, was auch eindrucksvoll geschah. Aufgrund der klaren Lage, war natürlich nur noch der Zeitpunkt des Aufstiegs relevant und der ganz enthusiastische Jubel blieb nach dem Schlusspfiff aus. Spannend wird nun die kommende Saison zu beobachten sein, denn vor einigen Tagen wurde bereits bekannt, dass mit den rot-weissen Urgesteinen Marcel Platzek und Kevin Grund zwei gestandene Regionalligaspieler verpflichtet werden konnten.

Essen – Mi., 10.04.2024, 19:30

Rot-Weiss Essen vs Ratinger SV Germania 04/19 3:1

Stadion an der Hafenstraße, 5.081 Zuschauer, Niederrheinpokal Halbfinale
Der Niederrheinpokal hechelt dem DFB-Pokal dabei hinterher, seinen eigentlichen Reiz zu verlieren, nämlich den, dass kleinere Vereine die namhafteren Clubs daheim begrüßen dürfen, immer mehr hinterher. Eigentlich gilt die Regel, dass der klassentiefere Verein das Heimrecht ausüben darf. Nun ist die Ratinger Spielvereinigung Germania auch kein ganz kleiner Verein, sondern immerhin ein gestandener Oberligist mit einem vernünftig ausgebauten Stadion. Umso mehr verwundert es, dass Sicherheitsbedenken den Ausschlag für die Entscheidung gaben, das Heimrecht zu tauschen und die Partie an die Hafenstraße zu verlegen. Man kann nur vermuten, dass die räumliche Nähe zur Fortuna aus der Landeshauptstadt, zu welcher der RWE-Anhang nicht unbedingt ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, die Entscheidung begünstigte. Allerdings war dieser Umstand ja in vergleichbaren Partien des diesjährigen Wettbewerbs in Runde eins gegen Dinslaken – Einzugsgebiet für den MSV –  und in der zweiten Runde in St. Tönis – Uerdinger Gebiet – auch nicht relevant. Also machte ich mich eher gelangweilt auf an die Hafenstraße, denn eine Überraschung war annähernd ausgeschlossen. Auch die aktive Szene sah das wohl ähnlich, denn entgegen der selbst auferlegten Vorgabe, im Niederrheinpokal erst ab dem Halbfinale organisierten Support zu liefern, wurde genau darauf verzichtet. So entwickelte sich bei einigermaßen übersichtlichem Zuschaueraufkommen ein lauer Frühlingskick mit Geschmacksrichtung ‚Pre Season Friendly‘.
Ab und an wurde von der Stehtribüne mal ein Chant angestimmt, aber grundsätzlich war von Hafenstraßen-Stimmung nichts zu spüren. Die etwa 200 angereisten Gäste bemühten sich auch ein wenig um Atmosphäre und hatten für die Optik zwei überdimensionale Schwenker und ein Spruchband mitgebracht. Für den Favoriten sind diese Spiele ja immer eine undankbare Aufgabe, erst recht im eigenen Stadion. Jeder erwartet eine dominante Vorstellung gepaart mit deutlichem Ergebnis, dabei ist das ja immer so eine Sache, wenn zur Hälfte der zweite Anzug aufläuft und das eingespielte Team damit auseinandergerupft wird. So habe ich auf dem Weg zum Stadion noch zu meinem Kumpel gesagt, dass mir die Roten heute nicht auf den Sack gehen, sondern einen ungefährdeten Sieg einfahren sollen. So ging es auch los, denn bereits nach drei Minuten führte der RWE und blieb auch danach auf überschaubarem Niveau am Drücker, aber klarste Möglichkeiten wurden vergeben. So passierte dann, was ja eigentlich immer passiert. Die Gäste näherten sich nach über einer halben Stunde mal dem rot-weissen Gehäuse und einen satten Distanzschuss später stand es auch schon Remis. Aber der RWE ließ sich nicht von seinem Weg abbringen und erzielte noch vor dem Seitenwechsel den erneuten Führungstreffer. Mit dem dritten Tor zehn Minuten nach Wiederanpfiff war der Drops dann auch gelutscht. Zwar blieben die Gäste ausschließlich bei zwei, drei Fernschüssen gefährlich, aber sie waren weit davon entfernt nochmal ins Spiel zurückzukommen und nun dürfen sich alle auf die Neuauflage des Vorjahres-Endspiels freuen.