
B-67 Nuuk vs N-48 Ilulissat 3:1
Qeqertarsuaq Stadion, 550 Zuschauer, Arsaalluni Pissartannqoriunneq
Die Partie um Platz drei ‚schwänzten‘ wir, denn auch wenn das Ziel wirklich exotisch ist und der Platz eine einzigartige Kulisse bot, waren mir drei Spiele in Folge auf ein und demselben Geläuf dann doch zu viel der Fußlümmelei. Pünktlich zum Finale um die grönländische Fußballmeisterschaft zwischen B-67 aus der Hauptstadt Nuuk und N-48 aus Ilulissat waren die männlichen Mitglieder unserer kleinen Reisgruppe wieder da und der recht hohe Andrang überraschte mich etwas. Über 500 Leute waren gekommen, um dem ‚Final-Spektakel‘ beizuwohnen. Nicht unbegründet vermutend, dass die einzelnen Teams nicht allzu viele eigene Unterstützer mitgebracht hatten – aus dem ‚nahen‘ Ilulissat hatten es immerhin ein paar Dutzend herübergeschafft – war also die Hälfte der Population Qeqertarsuaqs zur Plastikwiese am Ortsrand gepilgert. Timersoqatigiiffik Sportsklub Nagdlunguak 1948 ist der vollständige Name des Vereins aus Ilulissat – welch eine wild anmutende Aneinanderreihung von Konsonanten und Vokalen. Mit diesen beiden Final-Teilnehmern waren auch die beiden Clubs mit den meisten gewonnenen Meisterschaften im Endspiel vertreten. B-67 trat vor allem bei den in der letzten Dekade ausgetragenen Turnieren dominant auf, heimste Titel um Titel ein und ist nun mit 14 Meisterschaften Rekordhalter vor N-48 mit zwölf Gewinnen. Das Niveau der Partie war durchaus gehobener im Vergleich zum Mittag. Einige schöne Spielzüge und Kombinationen gab es zu sehen und B-67, zeigte die reifere Spielanlage. Vor allem im ersten Durchgang war der amtierende Meister stark überlegen, nutzte aber die Chancen nicht und gegen Ende der ersten Hälfte hätte N-48 durch zwei sehenswerte Konter in Führung gehen können. Das hatte dem Außenseiter wohl Mut gemacht, denn die zweite Hälfte sah in weiten Phasen etwas ausgeglichener aus, allerdings entschied B-67 die Partie hochverdient für sich. Gerührt schauten wir uns noch die Siegerehrung an und schlichen uns dann in die Unterkunft zu den Damen, die sich nützlich gemacht hatten und fürsorglich mit dem Essen auf uns warteten.













Den kommenden Tag verbrachten wir noch in Qeqertarsuaq, machten eine kurze Wanderung in Richtung eines Wasserfalls und eine etwas längere über Stock und Stein – mehr Stein – zu einer kleinen Bucht, in die sich strömungsbedingt immer ein paar Eisberge verirren. Offenbar war aber Ferienzeit im Eisbergkalender, denn der erhoffte Anblick war eher dürftig.











Am folgenden Morgen brachte uns die 9:00 Uhr-Fähre zurück nach Ilulissat. Auf das teuerste Fish ’n‘ Chips meines Lebens folgte das teuerste Bier meines Lebens. Umgerechnet 14 Euro für den gezapften halben Liter verliehen diesem einfachen Rezept aus Hopfen, Malz und Wasser eine würdevolle Exklusivität. Davon beflügelt machten wir uns auf zum ‚Isfjord‘, einem UNESCO-Welterbe, was eine Wanderung von etwa einer Stunde bedeutete. Der ‚Isfjord‘ ist die Mündung des äußerst produktiven Gletschers ‚Sermeq Kujalleq‘. Etwa 10% des jährlich in Grönland kalbenden Festlandeises werden durch diesen Gletscher in den Atlantik abgeleitet. Der Fjord ist ca 50 Kilometer lang und an der Mündung vier Kilometer breit, was ein beeindruckendes Bild bietet. An der Gletscherkante ist die Eisdecke noch 700 Meter dick – im Inland ist der Eisschild bis zu drei Kilometer stark – und nur etwa 100 Meter liegen oberhalb des Meeresspiegels. Mit einer Fließgeschwindigkeit von 19 Metern am Tag ist der Gletscher einer der aktivsten der Erde.







Der Dienstag sollte dann der letzte volle Tag in Grönland sein und wir ließen ihn ruhig angehen. Am frühen Nachmittag machten wir uns dann auf zum Hafen, wo uns Captain Jens in Empfang nahm. Mit einem kleinen Boot, das stark an den kleinen Kahn aus dem Klassiker „Der weiße Hai“ erinnerte, schipperten wir einige Seemeilen nach Norden. Ziel war eine große Bucht, in der sich aktuell mehrere Gruppen Buckelwale auf Nahrungsfang befanden. Als der Capitano das Boot noch gar nicht ganz gestoppt hatte, kreuzten schon drei Buckelwale wenige Meter vor uns das Fahrwasser. Die folgenden zwei Stunden sollten uns faszinieren, denn es verging keine Minute, in der nicht irgendwo ein Buckelwal zu sehen war. Dieser Ausflug war jeden Cent wert. Gegen Mittag des folgenden Tages nahmen wir Abschied von Grönland und flogen nach Reykjavik, wo noch Nachmittag und Abend verbracht wurden, ehe es am frühen Donnerstag-Morgen zurück in die Heimat ging.







