Rückblick: Wie alles begann – Groundhopping

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Wie alles begann – Teil 2

Die Faszination der Fußball-Reisen

Grundsätzlich glaube ich, dass der Grundstein meiner Begeisterung für das Reisen und mit dem Fußball als Leitfaden die Welt zu entdecken, bereits in frühester Jugend entstanden ist. Schon früh habe ich mich für den internationalen Fußball interessiert und die Tabellen der europäischen Ligen im Print-Medium Kicker aufgesogen. Ein weiterer Schritt war eine Reise mit meinen Eltern und meiner Schwester nach Rom. Während der Woche unseres Aufenthaltes fand die Serie A-Partie der AS Roma gegen die SSC Napoli statt. Das Stadio Olimpico befand sich für die WM 1990 im Umbau, daher wurde im Stadio Flaminio gespielt, das in erster Linie Rugby-Spielort ist bzw war. Da die Partie ja zu den Klassikern des italienischen Fußballs gehört und das Stadio Flaminio deutlich kleiner ist als das Olimpico, schwor der Portier unseres Hotels, dass wir natürlich kein Ticket mehr bekommen werden, legal sowieso nicht und auf dem Schwarzmarkt auch nicht.
Da hatte er die Rechnung aber nicht mit meinem Vater gemacht. Der sah nämlich in die hoffnungsvoll glühenden Augen seines Sohnes und entschied zum Stadion zu fahren. In der U-Bahn-Station in Zielnähe machte mein geschätzter Patron direkt Nägel mit Köppen und erwarb zwei Kurven-Tickets für zusammen umgerechnet knapp 90 Deutsche Mark, wie ich mich zu erinnern glaube. Gedanken an eine Fälschung, die heutzutage mehr als begründet sind, machten wir uns wohl nicht und die Tickets stellten sich ja auch als echt heraus. Das Stadion war offiziell ausverkauft. Unser Standort war in der in der Curva Nord. Der Settore Ospiti, der Gäste-Block, lag direkt in der Ecke links neben uns und war mit etwa 1000 Napoli-Tifosi besetzt. Und obwohl vor uns auf dem Rasen mein Kindheits-Idol Völler zusammen mit Berthold und den italienischen Top-Stars Desideri und Rizzitelli gegen Fußballgott Maradona und die Brasilianer Alemao und Careca spielten, war ich mehr damit beschäftigt, das Geschehen auf den Rängen zu bestaunen.
Mitte der 90er wurde es dann endgültig ernst. Da ich mir selbst noch etwas unbedarft schien, schaltete ich eine kostenlose Anzeige in einem Fußballmagazin, ob jemand aus dem Ruhrgebiet Interesse an gemeinsamen Fußball-Touren ins benachbarte Ausland hat. Daraufhin meldete sich Michael aus Herne, Fan der SG Wattenscheid 09, und in Szenekreisen damals wie heute als ‚Captain‘ bekannt, der zu dieser Zeit schon einige Reisen hinter sich hatte. Kurz danach verabredeten wir, gemeinsam zum Spiel des FC Utrecht gegen Ajax Amsterdam zu fahren. Weitere gemeinsame Fahrten folgten, nach Eindhoven, nach Lens, und auch innerdeutsch. Über den Captain lernte ich dann eine weitere bekannte Person der Szene kennen, Dirk aus Braunschweig, glühender Eintracht-Fan, und sicherlich vielen eher als ‚Teamchef‘ ein Begriff.
Nicht nur die Spiel-Planung, auch der Kontakt zueinander war damals etwas aufwendiger als heute in den Zeiten von Smartphone und Internet. Außer über das Festnetz-Telefon lief das tatsächlich zum Teil so, dass man sich von besuchten Spielen Stadion-Postkarten schickte und darauf seine nächsten Spielbesuche ankündigte. Ich traf die beiden dann mal hier und da, reiste auch zu Spielen nach England, aber nach zwei oder drei Jahren ließ das Interesse erst einmal ein wenig nach und ich nutzte nur noch Urlaubs- oder Wochenend-Reisen mit der Freundin, um im Ausland mal ein Spiel zu schauen. Das änderte sich dann erst im neuen Jahrtausend wieder. Die Planung war durch das Internet mittlerweile deutlich einfacher geworden, das Reisen durch das Billigflug-Angebot ebenfalls, die Fortbewegung wurde dadurch weniger zeitaufwendig und vor allem günstiger.
So nutze ich die Wochenenden als häufig für Spielbesuche im In- und Ausland. Außerdem finden – soweit es die Urlaubstage – hergeben auch immer einige längere Touren statt. Die Faszination nimmt nicht ab, je exotischer das Ziel, je mehr tritt der Fußball in den Hintergrund und Land und Leute zu erleben gewinnt an Gewicht. Aber klar – ohne Fußballspiel geht es nie. Die Reise-Ideen gehen nie aus und neue Inspiration sammelt man ständig. Ich sehe es selbst mit Spannung, wohin es mich noch alles führen wird.