Rückblick: Wie alles begann – Die Liebe zum RWE

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Wie alles begann – Teil 1

Die Liebe zum glorreichen RWE

Ich bin ja eher ein Spätzünder. Für Fußball habe ich mich lange nicht interessiert. Als in der 5. oder 6. Klasse des Gymnasiums schon alle über Fußball fachsimpelten, hatte ich noch überhaupt keinen Plan und habe anderen nur nachgeplappert. HSV, 1.FC Köln, das waren Fußballvereine, das war mir klar, aber warum sollte man sowas gut finden?! Das einzige was ich früh gelernt habe ist, dass man den FC Bayern scheiße finden muss. Aus diesem Bewusstsein resultierte dann auch zunächst mal die Sympathie für den SV Werder Bremen. An einem Februar-Samstag im Jahre 1985 schaute ich mit meinem Vater die Tagesschau um 20:15 Uhr. Früher wurde am Ende der Nachrichtensendung ein kurzer Bericht vom Bundesliga-Topspiel des Tages gezeigt – in den heutigen Zeiten des Pay-TV undenkbar – und der SV Werder zog den Bayern die Lederhosen mit 4:2 aus. Damit wurde ich zunächst eher zufällig Anhänger der Bremer und erklärte die Dauerwelle der Nation direkt zu meinem Idol, denn Käthe Völler erzielte zwei Treffer. Da sich die Fußball-Begeisterung in meiner Familie in Grenzen hielt und ich mit gerade mal 12 Jahren noch ziemlich jung war, blieb ich zunächst überwiegend Sofa-Fan und hörte samstags die Fusek-Live-Schalte im Radio. Im September desselben Jahres konnte ich dann meinen Vater überreden, mit mir das Spiel des SV Werder bei Fortuna Düsseldorf zu besuchen. An einem nasskalten Freitag-Abend erlebten wir im Gästeblock des guten, alten Rheinstadions vor wenigen tausend Besuchern einen ungefährdeten 4:1 Sieg der Grün-Weißen. Zwei Wochen später traute ich mich dann auch ohne väterliche Begleitung ins Stadion. Einer meiner Klassen-Kameraden erwärmte sich ebenfalls für den SVW und so machten wir uns gemeinsam auf den krass weiten Weg zum Auswärtsspiel nach Bochum. Ich erinnere mich, dass er mit grün-weißem Strickschal und ich mit grünem Adidas-Shirt bekleidet die zwei Stationen mit der Bahn zum Ruhrstadion fuhren und sich erwachsene Leute nicht zu blöde waren, zwei in den falschen richtigen Farben gekleidete Kinder anzufeinden. Weil wir keinen Plan hatten, wohin wir mussten, landeten wir natürlich auch noch in der Ostkurve, verzogen uns – nach dem wir den Faux pas bemerkt hatten – an den Rand zur Geraden und jubelten dort leise über einen 3:2-Sieg.
Bis zum Besuch eines Spiels im Weserstadion sollte dann noch mehr als ein Jahr vergehen. Nach monatelangem Gezeter hatte ich meine Eltern dann endlich soweit und wir verbrachten 1986 Anfang November ein Wochenende in der Nähe von Bremen mit meinem persönlichen Höhepunkt, dem Besuch des Spiels des SV Werder gegen Bayer Uerdingen. Im strömenden Regen standen wir in der damals noch unüberdachten Ostkurve des alten, weitläufigen Weserstadions und wurden Zeuge eines deutlichen 5:1-Sieges mit drei Toren meines Idols. Irgendwann im Laufe des Spiels kamen zwei Kutten-Fans die Stufen runter gelatscht und rempelten alles und jeden an, während sie sich den Weg durch die Menge nach unten bahnten. Meinem Vater gefiel dieses Verhalten offenbar nicht ganz so gut und er trat dem hinteren der beiden satt in den Allerwertesten. Dieser drehte sich wie von der Tarantel gestochen streitlustig um und suchte seinen Widersacher. Aber er erblickte ja nur einen harmlosen schmächtigen Familienvater mit Frau und Kind unter einem Regenschirm. Dieser kam dennoch als einziger für den Arschtritt in Frage, was die Kutte wohl nicht mit dem soeben Erlebten in Einklang bringen konnte und verdattert von dannen zog. Die Bindung zu Werder Bremen ging nie verloren, der Verein ist heute nach dem RWE und neben der Sympathie für den Celtic Football Club aus Glasgow einer der drei Vereine, die mir wirklich am Herzen liegen und wenn es die Pläne zulassen supporte ich den SVW auch live in den Stadien der Republik.
Mein erstes Stadion-Liveerlebnis gehörte allerdings dem glorreichen RWE, nur war mir damals noch nicht klar, welche Beziehung sich einmal entwickeln sollte. Genauer gesagt war mir dieser Spielbesuch im April 1984 sogar ziemlich egal, weil ich mit Fußball noch nichts anfangen konnte. Mein Klassenkamerad Olli hatte anlässlich seines Geburtstags zu diesem Spiel geladen, Fortuna Köln war zu Gast und obwohl die Roten die Partie für sich entschieden, ließ mich das Erlebnis ziemlich kalt. Stattdessen übte ich mich mit ein oder zwei anderen, die ähnlich desinteressiert waren, im Weit-Rotzen über einen Wellenbrecher, bis uns der Ordnungsruf von Ollis Vater stoppte. Klick gemacht hat es dann im Sommer 1986. RWE spielte in der Nord-Gruppe der Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga und ich erinnere mich, dass ich damals immerhin schon auf die Ergebnisse der Roten achtete. Nach schwachem Start in dieser Gruppe mit vier anderen Teams, hatten sich die Rot-Weissen gefangen und kletterten im Tableau nach oben. Am ersten Spieltag der Rückrunde war der VfB Oldenburg zu Gast und besagter Kumpel Olli fragte mich, ob ich Lust hätte, mit zur Hafenstraße zu kommen. Hatte ich und weil wir zu klein waren, um uns zwischen die Erwachsenen auf die Tribüne zu stellen, platzierten wir uns unten vor der mächtigen Gegengerade am Zaun zum Spielfeld. Damals stiefelte noch ein Verkäufer mit einer Sackkarre der Spielfeldseite des Zaunes auf und ab und verkaufte Cola aus Dosen. Gute alte Zeit. Ich meine, der einzige Treffer des Spiels fiel spät, ich habe irgendwie die 80. Minute in Erinnerung, und brachte Rot-Weiss den Sieg. An den brachialen Torjubel erinnere ich mich noch heute und genau dieser war mein Schlüsselerlebnis – der RWE hatte mich am Kragen gepackt und ich ihn in mein noch so unschuldiges Fußballherz geschlossen. Ich hatte mich Hals über Kopf verliebt! Einige Tage später war am vorletzten Spieltag der Runde der SC Charlottenburg zu Gast. Der FC St.Pauli war schon durch und zwischen den Roten und dem Verein aus der heutigen Hauptstadt ging es nun in diesem vorentscheidenden Spiel um den zweiten Platz in dieser Gruppe, der auch zum Aufstieg berechtigte. RWE gewann knapp mit 3:2 und damit stand das Tor zur Zweiten Liga nun weit offen und die Roten ließen nichts mehr anbrennen und marschierten ein paar Tage später mit einem fulminanten 5:1 Auswärtssieg im Münsteraner Preußenstadion gegen den ASC Schöppingen – heute ein Kreisliga-Club – hindurch. Meine Liebe zum glorreichen RWE hält an, vermutlich bis dass der Tod uns scheidet. Ende der 90er hatten wir beide für zwei oder drei Saisons mal weniger Kontakt und sahen uns nur wenige Male im Jahr, aber diese Phase hat uns gut getan und nun lieben wir uns wieder wie am ersten Tag. Manchmal Meistens stellt mein Verein unsere Beziehung ziemlich auf die Probe, aber grundsätzlich schweißt uns das ja nur noch mehr zusammen. Eine echte Liebe kann halt nichts erschüttern. Der RWE wird immer mein Herzens-Club bleiben, egal was auch geschieht!