Hamburg – Fr., 04.02.2022, 19:30

SC Nienstedten vs SSV Rantzau Barmstedt 4:3

Sportplatz Quellental, 70 Zuschauer, Landesliga Hansa
Das Vorhaben, das Oberliga-Spiel zwischen dem WTSV Concodia und dem USC Paloma zu besuchen, kippte am Mittag, da Cordi mitteilte, aufgrund unbespielbaen Rasens auf die schmucklose Plastikwiese auszuweichen. Das löste bei mir nur begrenzte Begeisterung aus. Brauchbare Alternativen waren ein Bezirksligaspiel auf der neuwertigen aber ziemlich sterilen Anlage des SV Lurup, wo auch eine überdachte Tribüne entsprechenden Feuchtigkeitsschutz geboten hätte, oder Landesliga im Altonaer Elbvorort Nienstedten, wo die Spielstätte sicherlich größeren Charme, aber annähernd nicht vorhandenen Wetterschutz bot. Am Ende hieß es volles Risiko und nur vier S-Bahn-Stationen von meinem Rückzugsort, der Wohnung meiner Schwester in Ottensen, stieg ich aus und lief schwamm durch den Westerpark zum Quellental. Meine Hoffnung trog mich nicht und ein kleiner Pavillon bot Schutz vor dem Hamburger Schnürregen, dazu betrug der Weg zum Catering-Stand nur ein halbes Dutzend Meter. Die Gäste aus Barmstedt stammen ja eigentlich aus Schleswig-Holstein, aber warum auch immer reicht ja das Einzugsgebiet des Hamburger Fußballverbandes über die Grenzen der Hansestadt hinaus. Verfolger-Duell nennt man das dann wohl, was hier stattfand, auch wenn die Gäste als Fünfter des Ranking die Spitze schon nicht mehr ganz so arg verfolgten. Ambitioniert waren Sie dennoch und führten Mitte der zweiten Hälfte auch mit 3:1. Aber die Platzherren steckten nicht auf und drehten die Partie mit dem Siegtreffer in der Schlussminute komplett. Übrigens verheerend, dass es im Ausschank nur KöPi und Warsteiner gab. Da reise ich schon mal mit Öffis zum Spiel und dann sowas! Es gibt doch so schöne herbe Biere in Hamburg und Umgebung, da muss doch so eine Plörre nun wirklich nicht sein. Zum Glück hatte die Dame hinter dem improvisierten Tresen noch Havanna-Cola als Backup, so dass der Abend nicht nur äußerlich nasskalt verlief.

Essen – Mi., 02.02.2022, 19:30

FC Kray vs Rot-Weiss Essen 0:3

Krayarena, 600 Zuschauer, Testspie
Ein weiterer Spielausfall des Herzens-Clubs mündete in diesem Testspiel, denn diese Begegnung in der Krayarena wurde kurzfristig als Ersatz für die bereits zum zweiten Mal abgesetzte Partie in Ahlen vereinbart. In einem recht schnellen Kick hielt der Oberligist ganz ordentlich mit, musste sich aber letzten Endes der individuellen Klasse des Regionalliga-Tabellenführers beugen. Einige Stammkräfte wurden geschont, stattdessen durfte sich ein Mix Rückkehrern aus dem Lazarett, Ergänzungsspielern, Neuzugängen und U19-Kräften beweisen.

Dinslaken – So., 30.01.2022, 14:30

SuS Viktoria Wehofen vs SV Gelb-Weiß Hamborn 3:4

Hermann-Heuser-Kampfbahn, 100 Zuschauer, Kreisliga Duisburg-Mülheim-Dinslaken Staffel 2
Auf der Suche nach einem Spiel in der näheren Umgebung landete ich bei der Viktoria aus Wehofen. Obwohl es sich um einen Stadtteil Duisburgs handelt, befindet sich die Spielstätte auf Dinslakener Hoheitsgebiet. In die Hermann-Heuser-Kampfbahn habe ich mich durchaus etwas verliebt. Viel Vereinsliebe steckt in dieser Anlage, die viele Details zeigt und deren Asche-Spielfeld erst vor kurzer Zeit durch ein Naturrasen-Feld ersetzt wurde. Ein ungewöhnlicher Weg in einer Zeit, in der sich die Plastik-Spielfelder ähnlich schnell vermehren, wie die Corona-Infektionen. Mit viel Eigeninitiative wurde hier eine sehr schmucke und gepflegte Amateur-Anlage errichtet. Eine echte Kreisliga-Perle. Und zwar sehr wahrscheinlich bald nur noch eine Kreisliga B-Perle, denn die Gastgeber stecken mit großem Rückstand auf dem letzten Platz fest. Daran änderte auch die heute mit großem Kampf- und Einsatzwillen geführte Partie nichts. Bei ständig wechselnder Führung hatten die Gäste das bessere Ende für sich.

Bonn – Sa., 29.01.2022, 14:30

Bonner SC vs SC Wiedenbrück 0:0

Stadion im Sportpark Pennenfeld, 469 Zuschauer, Regionalliga West
Das Spiel des Herzens-Vereins konnte nicht stattfinden, weil Omikron den Kader des Gegners aus der Domstadt ausgedünnt hatte. Ärgerlich, da die rot-weisse Brust nach dem Sieg gegen den WSV natürlich ordentlich breit war. Stattdessen wurde die Chance ergriffen, ein Spiel im Bonner Sportpark Pennenfeld zu sehen. Da die Infrastruktur im Sportpark Nord eine Sanierung erfährt, kann der BSC seine reguläre Spielstätte in den nächsten Monaten nicht nutzen und spielt die Heimspiele stattdessen im Süden der ehemaligen Hauptstadt. Die Anlage ist mindestens zwei Nummern kleiner als der Sportpark Nord, reicht aber natürlich für den Anhang des BSC mehr als aus. Unter den heute anwesenden 469 Zuschauern waren bestimmt 50 Leute der Bewegung zuzurechnen. Bekanntermaßen nicht mein Ding und so wurden beinahe alle bekannten und unbekannteren Gesichter gekonnt umschifft. Das Spiel zweier grauer Regionalliga-Mäuse endete dem Wetter angepasst mit einem tristen torlosen Remis.

Essen – So., 23.01.2022, 14:00

Rot-Weiss Essen vs Wuppertaler SV 2:1

Stadion an der Hafenstraße, 750 Zuschauer, Regionalliga West
Ich habe noch nie etwas Besonderes gewonnen. Okay auch in der letzten Saison wurde während der Phase der Zuschauerbeschränkung meine Dauerkarte für ein Spiel gezogen, welches ich dann nicht wahrnehmen konnte, weil ich im Urlaub weilte. Aber ansonsten ist mir als spektakulärster persönlicher Gewinn ein Frühstückskorb in Erinnerung, den ich im Alter von elf oder zwölf Jahren beim Pfarrfest von St.Josef in Essen-Frintrop gewann. Daher war ich vor diesem Spiel nicht sehr optimistisch, als um die Auslosung der 750 Auserwählten ging, und umso überraschter, als ich die positive Nachricht bekam. Natürlich hatte dieses Spiel vor einer derart eingeschränkten Kulisse nicht den Stellenwert eines Stimmungskrachers in einem annähernd ausverkauften Stadion, denn das wäre es ja unter normalen Bedingungen gewesen. Aber dennoch hatte das Privileg, bei diesem so wichtigen und richtungsweisenden Spiel dabei sein zu dürfen, individuell einen sehr hohen Wert. Die 750 Aufrechten, gaben dann auch alles, um etwas Atmosphäre zu erzeugen. Auch der Autor dieser Zeilen bemühte seine Stimmbänder über Gebühr, das geschieht im hohen Alter ja nur noch selten.
Die Anreise war heute etwas weiter als sonst, denn mein Wecker schellte ja in Madrid. Der 8:40-Flug nach Düsseldorf ließ mir aber genug Zeit, jeden Stress zu vermeiden. Mein Verein hat mich Demut gelehrt und obwohl ja seit mehr als zwei Jahren ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen ist, kann ich meinen Pauschalpessimismus nicht ablegen. Dementsprechend skeptisch war ich, was einen erfolgreichen Spielausgang anging. Zu oft hatte der glorreiche RWE in ähnlich wichtigen Begegnungen gepatzt, zudem spielt der WSV eine unerwartet starke Saison. Die Roten bestanden die Prüfung aber deutlicher als es das Ergebnis vermuten lässt. Von der ersten Sekunde an machten Georg Melches‘ Erben klar, wer hier der Hausherr ist und wer diese Partie gewinnen wird. Den Gästen aus dem Tal der Finsternis war der Respekt und die Anspannung dagegen deutlich anzumerken. Das führte zu Fehlern und ermöglichte dem Deutschen Meister von 1955 einen frühe 2:0-Führung nach nicht einmal einer Viertelstunde. Weiter gute Möglichkeiten blieben leider ungenutzt und so kam der WSV mit der ersten guten Chance zum Anschluss kurz vor Pause. Schlussmann Diva sah dabei nicht überragend aus, die Murmel rutschte unter dem Körper durch, war aber auch mit Mach 2 vom Sechzehner abgesendet worden. Nach dem Wechsel hatten die Roten den Kick weiter unter Kontrolle, versäumten aber die Führung auszubauen, weshalb bis zum Abpfiff die latente Gefahr in der Luft lag, den Ausgleich zu kassieren. Passierte aber nicht und drei ganz wichtige Zähler waren im Sack.

Zaragoza – Sa., 22.01.2022, 16:00

Real Zaragoza vs Real Valladolid CF 0:0

Estadio la Romareda, 14.795 Zuschauer, Segunda División
Es wäre heute auch der Doppler Levante und Atletico in Liga eins machbar gewesen, aber das hätte viel Aufwand und Zeitdruck bedeutet und aus dem Alter für viel Aufwand und Zeitdruck bin ich halt irgendwie raus und nur noch selten dazu bereit. Es hätte mich auch jeder Möglichkeit beraubt, abseits des Fußballs etwas aufzusaugen, wie zum Beispiel den Palacio de la Aljaferia oder die sehenswerte Basílica de Nuestra Senora del Pilar, die größte Barockkirche Spaniens. Daher vermied ich die blutige Hopping-Nummer und stieg am Vormittag in den Hochgeschwindigkeitszug AVE und kurz nach Mittag, nach nur etwas mehr als einer Stunde und zwanzig Minuten Fahrzeit 300 Kilometer weiter, wieder aus. Bei zwar kühlen Temperaturen aber sonnigem Wetter konnte ich mir die Stadt dann etwas ansehen bis der Grund der Anreise seine Aufmerksamkeit erforderte. Das La Romareda ist ein schöner betagter Brocken. Alles wirkt etwas angenagt und die Patina der vorherigen Fußball-Epoche liegt wie ein sanfter Schleier über diesem Stadion. Als ich vor dem Spiel eine Runde um das Stadion drehte, geriet ich in den Protest der Hinchada der Gastgeber, die sich hinter der Haupttribüne sammelte und ihren Unmut über den nun schon Jahre schwelenden sportlichen Stillstand des stolzen ehemaligen Europapokalsiegers und mehrfachen spanischen Pokalsiegers, der seit beinahe zehn Jahren in Liga Zwei rumdümpelt, äußerte. Das missfällt dem treuen Anhang, der Taten vom Präsidium fordert. So blieb der Block dann auch die ersten fünfzehn Minuten leer, ehe die Anhänger diesen stürmten und das Team unterstützten. Aus Valladolid warten etwa 140-150 Leute gekommen. Der Verein hat gute Chancen den Abstieg der vergangenen Saison zu korrigieren. Beide Teams neutralisierten sich ziemlich und das Spiel bekam sein gerechtes Ergebnis, denn gute Torchancen waren Mangelware. Der AVE brachte mich dann in Spaniens Hauptstadt, wo am nächsten Morgen der Rückflug anstand.

Cornellà de Llobregat – Fr., 21.01.2022, 21:00

RCD Espanyol de Barcelona vs Real Betis Balompié 1:4

Estadi Cornellà-El Prat, 17.637 Zuschauer, Primera División
Ich musste mal raus den heimischen Gefilden, wo ja eigentlich alles nur noch nervt. Ein derzeit geeignetes Ziel ist Spanien, wo die Stadien in fast allen Regionen zu 75% ausgelastet werden dürfen. Um nicht weitere Flüge zu kaufen, die ich letztlich aufgrund sich kurzfristig ändernder Voraussetzungen nicht antreten würde, wartete ich mit der Buchung bis 48 Stunden vor Abreise und konnte für einen noch recht moderaten Kurs zuschlagen. Die Hauptstadt Kataloniens war das Ziel des Hinfluges. Dort empfing der im Schatten des großen FC Barcelona stehende RCD Espanyol seine Gäste von Real Betis aus Sevilla. Betis steht etwas im Schatten des erfolgreichen Stadtrivalen Sevilla FC, dürfte aber der beliebtere der beiden Clubs sein, denn die Anhänger der Grün-Weißen finden sich im ganzen Land. Das hat zur Folge, dass Betis zu den Clubs gehört, welche die besten Auswärtsfahrer-Zahlen aufweisen. So war auch hier der Gästeblock gut gefüllt und weitere Anhänger ließen sich im Stadion verteilt nieder. Der Gästeblock vermochte sich aber nicht recht entfalten, was durch die undankbare Lage im Eck des Oberranges begründet war, dort waren die Beticos im Halbdunkel sogar optisch kaum wahrzunehmen. Die Ultras des Reial Club Deportiu Espanyol de Barcelona zeigten sich erstaunlich sangesfreudig. Das überraschte mich, denn Fußballspiele in Spanien bieten ja normal eher Operetten-Atmosphäre. Ich fand es jedenfalls gar nicht übel, aber auch hier – in einem zahlenmäßig dann doch noch überschaubaren Fanblock – meinten zwanzig Schlaumeier etwas abseits ihr eigenes Ding machen zu müssen. Sinnlos. 
Betis spielt als aktueller Dritter eine bärenstarke Saison und war technisch überlegen aber Espanyol, das in seiner 121jährigen Geschichte in nur vier Spielzeiten besser abschnitt als Lokalrivale Barca, biss sich rein und ging nicht unverdient in Führung. Dann sprang aber einem Espanyol-Spieler im äußersten Eck des Strafraums unabsichtlich aber deutlich an den unglücklich ausgestreckten Arm. Das Spiel lief zunächst jedoch weiter und das bestimmt zwei Minuten, bis der Referee einen Hinweis aufs Ohr bekam und den imaginären Bildschirm andeutete. Es gab dann tatsächlich den Elfer. Klar war die Entscheidung korrekt, aber genau diese Situationen sind es doch, die dem Spiel die Seele und Emotion rauben. Das will doch nun wirklich keiner, da nimmt man doch eher die Fehlentscheidung in Kauf. Betis glich aus, spielte danach seine Klasse aus und drehte die Partie völlig unaufgeregt in einen klaren Auswärtserfolg. Mit zunehmender Siegesgewissheit waren dann auch die Anhänger der Andalusier immer besser hören.

Geilenkirchen-Teveren – Sa., 15.01.2022, 14:00

FC Germania Teveren vs SC Fortuna Köln 0:5

Heidestadion, 511 Zuschauer, Mittelrheinpokal Achtelfinale
Das einzige Pflichtspiel weit und breit wurde für den Besuch ausgewählt. Zwar kein neuer Ground, aber einer mit Charme, der einen erneuten Besuch durchaus verdient hatte. Eine kleine überdachte Sitztribüne sieht sich einer großen Natur-Stehtribüne mit Wellenbrechern gegenüber. Als ich mich für den Spielbesuch entschied, galt noch eine maximale Zuschauerzahl von 240, da allen Besuchern Sitzplätze bereitgestellt werden sollten. Das hätte bedeutet, dass alle Anwesenden auf der Tribüne hätten Platz nehmen müssen, anstatt sich auf der großen Anlage verteilen zu können. Macht Sinn, so wäre dann wenigstens eine hohe Ansteckungsgefahr gewährleistet. Wenn jemand diese Maßnahme einleuchtend erläutern kann, möge er sich melden. Aufgrund der Änderung der Schutzverordnung wurde die Vorgabe aber einige Tage vor dem Spiel hinfällig. Die Fortuna gab sich im Verbandspokal beim Landesligisten an der Bundesgrenze direkt neben der NATO-Airbase keine Blöße. Prinzipiell lief die Partie ab, wie diese Verbandspokal-Spiele eben meistens ablaufen.
Der Underdog kämpfte im Spiel des Jahres um jeden Grashalm und der Favorit tat sich erstmal schwer. Spätestens mit dem ersten Tor nahm die Nummer dann den erwartbaren Verlauf. Gefreut hat mich, dass ich nach langer Zeit mal wieder Sjoerd aus den Niederlanden traf, mit dem die erste Halbzeit verquasselt wurde. Ein kleiner Fehler war mir bei der Kleidungsauswahl unterlaufen. Zum Schutz vor der Kälte trug ich Handschuhe mit einem RWE-Emblem auf dem Handrücken. Das blieb einem vermutlichen Aachener nicht verborgen, der dieses zum Anlass nahm mir Auge in Auge seine Meinung über meinen Verein mitzuteilen. Es blieb beim Wortwechsel, aber das war mal wieder ein Weckruf. Es macht durchaus Sinn, die ungeschriebene Regel zu beachten, beim Hoppen keine Vereinsklamotten zu tragen. Außerdem hatte ich gar nicht in Erwägung gezogen, dass der Kreis Geilenkirchen zum Alemannia-Einzugsgebiet gehört, da hätte ein Blick auf die Landkarte geholfen. Eigener Leichtsinn also und kein Vorwurf an den Kontrahenten – wenn sich ein Dödel in den falschen Klamotten in der feindlichen Hood zeigt, darf man diesen durchaus mal zurechtweisen.