Varazdin – Sa., 30.07.2022, 18:00

NK Varteks Varazdin vs NK Gaj Mace 4:2

Stadion Sloboda, 40 Zuschauer, Testspiel
Stressig sollte es heute nicht werden. Der Bus nach Varazdin sollte um 13:00 Uhr ablegen, da blieb noch Zeit für einen Spaziergang durch die Zagreber Altstadt und das Regierungsviertel, beides war bei den bisherigen Besuchen zu kurz gekommen. Allerdings musste ich die ursprüngliche Planung anpassen. Die Folge aus dem auf gestern Abend vorgezogenen Dinamo-Spiel war, dass der Auftritt von Hajduk in Varazdin auf den späteren der beiden möglichen Anstoßtermine gelegt wurde. Daraus resultierte wiederum, dass ich den späten Bus ab Varazdin nach Graz nicht mehr erreichen konnte. Ergo musste in Varazdin übernachtet werden, nicht weiter tragisch. Auf dem Weg zum Busbahnhof, der noch genauso abgewrackt aussieht, wie bei letzter Nutzung vor fast zehn Jahren, fing es an zu fisseln, zu nieseln, zu regnen und schließlich zu schütten. Die letzten 200 Meter reichten aus, um komplett durchnässt zu werden. Der 13:00-Bus fuhr dann auch tatsächlich ‚schon‘ um 13:45 Uhr – genug Zeit zum Trocknen. Beim Frühstück hatte ich auf dem Facebook-Auftritt des Heimvereins gelesen, dass die Haupttribüne bereits ausverkauft war und nur noch ein paar hundert Tix für die Gegentribüne verfügbar waren, daher führte der Weg nach dem Einchecken in einer kleinen Pension direkt zum Stadion Andelko Herjavec. Nach dem Ticketkauf fragte ich mal einen wichtigen Menschen, wo denn der Sektor für die Heim-Fans sei. Er zeigte sowohl auf die Haupt- als auch auf die Gegentribüne. Nee, mein Guter, ich meine die aktive Fanszene, die ‚White Stones‘. Er antwortete der NK Varazdin habe keine Fans, ich würde bestimmt den NK Varteks meinen, dieser spielt in einem anderen Stadion im Norden der Stadt und dann erläuterte er kurz die Entwicklung, die völlig an mir vorbeigegangen war, aber wen interessiert auch so ein recht unbedeutender Verein.
Ursprünglich spielte also der NK Varteks in diesem Stadion, der Verein wurde vom gleichnamigen Textil-Hersteller unterstützt. Als dieser vor gut zehn Jahren aus finanziellen Gründen absprang, geriet der Club umgehend in Liquiditätsprobleme. Varteks wurde aus dem Vereinsnamen gestrichen, aber ein neuer Geldgeber war dennoch nicht in Sicht. Aufgrund dieser Probleme kam es zum mehrfachen Nichtantritt und damit verbundenen Zwangsversetzung in die unterste Spielklasse. Der Club musste schließlich Insolvenz anmelden und als Nachfolgeverein wurde der NK Varazdin gegründet, der mit identischer Vereinsführung und Unterstützung der Stadt weitermachte. Von einem Formfehler des Verbands profitierend wurde der Verein in die Dritte Liga eingestuft und erreichte schon nach wenigen Spielzeiten wieder die Oberklasse. Die besagten ‚White Stones‘ machten bei der Nummer aber nicht mit und gründeten einen eigenen Verein unter dem alten Namen NK Varteks. In der letzten Liga beginnend – was in Kroatien sechstklassig bedeutet – spielt der Verein mittlerweile immerhin in der Dritten Liga. Neugierig geworden durchsuchte ich das soziale Netzwerk und siehe da, Varteks hatte für heute um 18:00 Uhr das erste Testspiel der Saison angesetzt. Also dackelte ich mal los, die Hauptstraße runter Richtung Altstadt. Die Abstecher nach rechts und links zwischen die Wohnblöcke machten dann die vermuteten Graffiti sichtbar. Die Altstadt von Varazdin ist recht hübsch, auch ein schönes Zuckerbäcker-Schloss gibt es. Nach einem guten Essen latschte ich die paar hundert Meter zum Stadion Sloboda rüber, wo dann auch tatsächlich gekickt wurde. Ein bisschen lief die Hoffnung mit, dass sich die Fanszene zeigte, aber von Weißen Steinen war hier aber nix zu sehen. Außer mir waren knapp 40 weitere Personen zugegen, die sich das recht flotte Spiel ansahen, das mit einem verdienten 4:2 für die Gastgeber zu Ende ging. Das Stadion Sloboda wird offensichtlich regelmäßig für Leichtathletik genutzt und verfügt über eine stattliche Tribüne.

Zagreb – Fr., 29.07.2022, 21:00

GNK Dinamo Zagreb vs NK Istra 1961 4:1

Stadion Maksimir, 3.393 Zuschauer, Prva Hrvatska nogometna liga
Da der glorreiche RWE es nicht in die DFB Pokal Hauptrunde geschafft hatte, bot das Pflichtspiel-freie Wochenende die Möglichkeit, sich mal wieder anderweitig in Europa umzusehen. Die Wahl fiel auf eine Kroatien-Österreich-Kombi mit Hinflug nach Zagreb. Eurowings ab Köln hieß die Verbindung, aufgrund der organisatorischen Horrormeldungen in der Woche zuvor eigentlich ein doppeltes Ausschlusskriterium, aber es heißt ja immer ‚No risk, no fun!‘. Zunächst galt es also die aktuelle Herausforderung Konrad-Adenauer-Flughafen Köln/Bonn zu bewältigen. So früh wie an diesem Tage war ich für einen Kurzstreckenflug wohl noch nie an einem Airport. Die Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle des Terminal 1 reichte bis nach draußen vor Terminal 2, was mich kurz stocken ließ, aber insgesamt hatte sich die Situation im Vergleich zum vorherigen Chaos-Wochenende gebessert und ich war nach etwas mehr als einer Stunde durch. Der Flug war auch immer noch angekündigt und ich konnte bei einem kühlen Schöfferhofer mit Hotel- und Busbuchungen starten, auf die ich ob der ungewissen Abflugslage bis dato verzichtet hatte. Bei Planung des Ausflugs hatte ich heute noch einen spielfreien Tag. Bedingt durch Dinamos Europapokal-Termine wurde deren Heimspiel aber kurzfristig auf den heutigen Freitag vorgezogen.
Im Maksimir war ich zwar schon und der Gegner versprach nun auch kein Feuerwerk, aber irgendein Spiel ist ja besser als gar kein Spiel. Die riesige Bude ist natürlich genauso fett, wie sie hässlich ist. Die brutalen doppelrangigen Tribünen auf den Längsseiten und hinter dem nördlichen Tor harmonieren null mit der noch halbrunden Hintertor-Seite für die Gäste im Süden, die noch ein Relikt aus alten Zeiten ist. Der nachträglich in der Nordwestecke des Stadions angebaute Business-Bereich erforderte den Rückbau von einem der Flutlichtmasten, weshalb dort nun ein deutlich kleinerer Mast beinahe mitten im Stadion steht. Das wirkt wenig symmetrisch. Jegliche fehlende Überdachung kann an Niederschlags-Tagen auch unbequem werden. Spiele gegen normale Gegner ohne die ganzen Event-Fans, welche gegen Hajduk oder Rijeka aus ihren Plattenbau-Löchern gekrochen kommen, zeigen dann natürlich wie groß der Szene-Stamm tatsächlich ist. Etwa 800 Module versammelten sich hinter dem neuen Banner der ‚Bad Blue Boys‘, welches zwar ordentlich groß, aber natürlich dennoch nur ein Schatten des kürzlich bei einer außer Kontrolle geratenen Pyro-Aktion zerstörten riesigen alten Lappens ist, der ja die gesamte Fläche vom Handlauf der untersten Reihe bis zum Boden einnahm.
Aus Pula, von der Halbinsel Istrien, waren knapp zwei Dutzend Demoni mitgekommen, die ihr Team phasenweise unterstützten. Aber natürlich waren sie chancenlos gegen den kehlig-rauhen Dauergesang der BBB. Ebenso wie ihre Mannschaft auf dem Platz, die in der ersten Halbzeit vor dem Abonnement-Meister ehrfürchtig wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrte und zur Pause mit zwei Toren zurücklag. Das heimische Publikum außerhalb der Kurve wirkte insgesamt etwas gelangweilt. Kein Wunder ob des Dauererfolges des Vereins – in den letzten 15 Jahren ging die Krone 14 Male an Dinamo. Lediglich dem HNK Rijeka gelang es ein einziges Mal diese Dominanz zu unterbrechen und überhaupt gingen sämtliche Meistertitel in der Republik Kroatien an gerade einmal vier unterschiedliche Vereine. Die Liga bietet also ähnliche Spannung wie die Deutsche Bundesliga. Während sich aber die Bayern-Ottos ihren – wohl auch begrenzten – Spaß in der Champions League holen können, fehlt den Dinamo-Fans dieser Ausgleich eben. National ist der Club das Maß aller Dinge, international hat dieser aber eben gar nichts zu bestellen. Istra war im zweiten Durchgang aktiver, fing sich aber Treffer Nummer drei. Wenn es nicht eh schon durch war, dann spätestens jetzt. Der Ehrentreffer wurde mit dem Tor zum Endstand beantwortet, der in dieser Höhe auch völlig in Ordnung ging.

Essen – Sa., 23.07.2022, 14:00

Rot-Weiss Essen vs SV 07 Elversberg 1:5

Stadion an der Hafenstraße, 16.347 Zuschauer, 3.Liga
Am 07.08.2004 verlor der frisch in die Zweite Liga aufgestiegene RWE sein Heimspiel am ersten Spieltag mit 1:5 gegen Erzgebirge Aue. Am 23.07.2022 verlor der frisch in die Ditte Liga aufgestiegene RWE sein Heimspiel am ersten Spieltag mit 1:5 gegen die SV Elversberg. Wer damals dabei war, musste sich unweigerlich daran erinnert fühlen. Nach der damaligen Zweitliga-Saison stiegen die Roten direkt wieder ab. Ein Szenario, welches sich nicht wiederholen sollte und eigentlich auch nicht dürfte, wenn man den Meinungen vermeintlicher Experten vertraut, die in der Essener Mannschaft ausreichendes Potential sehen, eine entspannte Spielzeit zu verbringen. Der Mitaufsteiger aus dem Saarland zerlegte am heutigen Tage allerdings die rot-weisse Hintermannschaft und versetzte der Euphorie – fast 10.000 verkaufte Dauerkarten sprechen für sich – einen fetten Schlag in die Fresse. Natürlich hatten die Gäste zu beginn auch das Glück des Tüchtigen und was auf die Kiste von Jakob Golz kam war präzise und passte genau ohne dass der Schnappmann eine echte Chance hatte, aber Glück muss man sich ja auch ein Stück weit erzwingen.
Und das tat die von einem mickrigen kleinen Haufen von etwas mehr als 100 Leuten – was selbst für so einen kleinen Verein im ersten, nicht zu weit entfernten Auswärtsspiel nach einem Aufstieg absolut schwach ist – begleitete SVE. Nach Ballgewinnen wurde das Mittelfeld mit schnellem Direktspiel überbrückt und vorne legten zwei starke Stürmer einen Flächenbrand nach dem anderen. Es wirkte beinahe, als seien die Roten gar nicht richtig auf dem Platz, als wolle man erstmal naiv-gemächlich in die Saison starten. Oder das Team, welches in den letzten zwei Jahren kaum ein Spiel verlor, war sich der neuen Ausgangslage noch nicht bewusst, dass es nun an jedem Wochenende starker Gegenwehr und deutlich mehr Druck ausgesetzt sein wird. Innenverteidiger Heber holte sich schon nach drei Minuten den gelben Karton ab und wirkte danach bis zur Pause zurückhaltend, ängstlich und verunsichert. Sein Außen Plechaty hatte auch mal wieder einen seiner schwächeren Tage und schien der Herausforderung auch körperlich nicht gewachsen. Auf der anderen Seite wirkte das sonst verlässliche Duo aus dem erfahrenen Bastians und Herzenbruch völlig überfordert mit dem Pressing des Gegners. Der hochgelobte Neuzugang Rother auf der Sechs ließ eigentlich alles vermissen und auch bei meinem persönlichen Lieblingsspieler und Mittelfeldstaubsauger Tarnat war offensichtlich das Saugrohr verstopft. Und offensiv ging nicht viel, da die Mannschaft ständig damit beschäftigt war den Gegner zu bearbeiten, vom eigenen Tor wegzuhalten und daher für konstruktiven Aufbau kaum Raum blieb. Einigermaßen an Normalform kam zunächst nur der pfeilschnelle Isi Young.
Nachdem die SVE mit dem ersten Torschuss nach sieben Minuten bereits in Führung gegangen war, ergab sich schon drei Minuten später die Chance zum schnellen Ausgleich. Neuzugang Berlinski setzte den SVE-Schnapper, der sich viel Zeit beim Aufnehmen der vor ihm liegenden Kugel ließ, unter Druck, berührte diese aber gar nicht, kam stattdessen jedoch in leichten Kontakt mit dem Keeper, der die Murmel fallen ließ und sich nur noch mit einem Foul zu helfen wusste. Ein Strafstoß mit viel Diskussionsbedarf, aber er wurde nun mal gegeben. Doch das rot-weisse Elfer-Problem setzt sich fort. Der einzig sichere Schütze Eisfeld saß auf der Bank und Harenbrock zeigte mit einem schwachen Schuss Nerven. Dass der Nachschuss aus zwei Metern sein Ziel nicht fand, ist ebenso unerklärlich wie unfassbar. Quasi im Gegenzug erhöhten die Gäste aus beinahe unmöglichem Winkel und die RWE-Verteidigung zeigte sich auf der rechten Seite erneut nicht Drittligatauglich. Wieder nur drei Minuten später konnte Berlinski nach feiner Leistung von Young zum Anschluss abstauben und nun dachte man der RWE wäre drin in der Partie. Aber gefährlich blieben nur die Gäste und dann wollte auch die linke Essener Abwehrseite beweisen, dass es noch nicht für Liga Drei reicht und ermöglichte den Gästen mit einem Doppelbock die Treffer Nummer drei und vier. So blieb es bis zum Wechsel und es war Jakob Golz zu verdanken, dass es nicht längst ein Desaster war. Nach der Pause lief die Geschichte dann ausgeglichener, was eher an nun zurückhaltenderen Gästen lag, als an aufkommenden Rot-Weissen. Wirkliche Torgefahr konnte nicht vermittelt werden und auch bei den nun deutlich weniger Offensivaktionen waren die Saarländer deutlich näher am nächsten Treffer. Dieser fiel dann auch noch kurz vor Schluss und trotz fünf Gegentreffern, war Golz am Ende wohl der beste Rot-Weisse und verhinderte noch Schlimmeres.
Ich habe vor der Partie gesagt „heute verzeihe ich alles“. Das bleibt auch dabei und die Höhe der Niederlage stört mich auch gar nicht besonders, sondern die Art und Weise, wie diese zustande kam. Ich bin aber nach wie vor noch überzeugt, dass die Qualität der Mannschaft hoch genug ist, eine vernünftige Rolle in dieser Liga zu spielen. Es war am Ende ein Spiel in dem für den RWE nichts zusammenpasste und welches in dieser Höhe völlig verdient verloren wurde. Kann auch ein heilsames Erwachen sein, wenn zügig die richtigen Schlüsse aus dieser desolaten Vorstellung gezogen werden und entsprechend reagiert und gearbeitet wird. Das Publikum zeigte sich nachsichtig und spendete aufbauenden Beifall. Es war auch nur das erste von 38 Spielen, in denen die nötigen Punkte für den Klassenerhalt geholt werden müssen, Panik ist da noch nicht angebracht. Es müssen halt vier Teams gefunden werden, die es über die ganze Saison schlechter machen, als der RWE. Auf den nächsten Auftritt beim Derby an der Wedau in zwei Wochen bin ich schon jetzt gespannt.

Landsberg am Lech – Sa., 16.07.2022, 14:00

TSV 1882 Landsberg vs VfB Hallbergmoos 2:1

Sportpark Landsberg, 620 Zuschauer, Bayernliga Süd
Das Ziel unserer einwöchigen Reise war das große Mittelalterfest und Ritterturnier am Schloss Kaltenberg in der Nähe von Landsberg am Lech. Der Zufall wollte es, dass der bekennende RWE-Fan und Ex-Spieler und ja auch ehemalige 1860-Identifikationsfigur Sascha Mölders beim TSV Landsberg zu dieser Saison als Spieltrainer angeheuert hat und da der TSV an diesem Samstag heimspielte, war es ja quasi ein Muss sich vom Zustand der ‚Wampe von Giesing‘ zu überzeugen. Wie so oft in den bayrischen Amateurligen anzutreffen, kann auch der TSV eine schicke Anlage vorweisen. Dass das Vereinsrestaurant von Asiaten geführt wird, war aber etwas gewöhnungsbedürftig. Neben der Halbzeitwurst konnten auch Halbzeit-Mie-Nudeln und ähnliches erworben werden, passt nicht recht zum Freistaat. Der TSV war den Gästen über die gesamte Spielzeit überlegen, rannte aber ewig dem kurz nach Seitenwechsel erzielten Gäste-Treffer hinterher. Mölders muss sich mit seinem eher minimalistischen Spielstil in der Oberliga wohl erst akklimatisieren, große Akzente konnte er nicht setzen. Dennoch holte er den Strafstoß raus, der zwei Minuten vor Ende zum Ausgleich führte. In der Nachspielzeit konnten die Gastgeber dann noch den umjubelten, zwar glücklichen aber verdienten Siegtreffer setzen.

Buchbach – Do., 14.07.2022, 19:00

TSV Buchbach vs SpVgg Unterhaching 1:3

Jahnstadion, 1.860 Zuschauer, Regionalliga Bayern
Das Eröffnungsspiel zur neuen Saison der Regionalliga Bayern im oberbayrischen Buchbach passte wunderbar in den Plan. Der kleine Ort mit seinen etwa 3.000 Einwohnern, gelegen im Landkreis Mühldorf am Inn, genießt so einer Art Gallisches Dorf-Status. Seit mittlerweile zehn Jahren hält sich der Verein in der Regionalliga und ärgerte dabei so manchen Großen. Zum Auftakt stellte sich die Spielvereinigung aus Unterhaching vor, immerhin früherer Bundesligist – heutzutage unvorstellbar. Die Münchner Vorstädter gelten als Mitfavorit auf den Meistertitel und reisten entsprechend ambitioniert an. Die Partie war dann aber zunächst ausgeglichen, auch wenn die Gäste dabei mehr Torgefahr ausstrahlten. Am sechsten Tag der Reise mit nahezu ununterbrochenem Sonnenschein und ohne jeden Regentropfen war es dann beinahe logisch, dass der Himmel seine Schleusen dann öffnete, wenn man einen unüberdachten Platz in einem kleinen Dorfstadion belegt. Mitte der ersten Hälfte ging ein Platzregen vorm Herrn nieder, der die Brocken beinahe komplett durchnässte. Schön! Die Spielvereinigung zeigte sich davon so erfrischt, dass sie noch vor dem Seitenwechsel die Führung erzielte. Nach der Pause traten die Vorstädter mit der Führung im Rücken dann dominanter auf und setzten die Überlegenheit in weitere Treffer um, bei denen sich die TSV-Verteidigung schlecht positioniert zeigte. Im Gefühl des sicheren Sieges kann man sich dann zwei Minuten vor dem Abpfiff auch mal einen zu kurzen Rückpass erlauben, der zum Ehrentreffer genutzt wurde. Die Hachinger wurden von etwa 100 Leuten begleitet, die aktive Szene war mit etwa 30 Leuten vor Ort und unterstützte ihr Team ohne Luft zu holen. Das war natürlich nicht brachial, nötigte mir aber dennoch Respekt ab. Finde es grundsätzlich gut, wenn kleine Szenen von auf der Langstrecke chancenlosen Vereinen ihr Ding machen. Ob die angegebene Zuschauerzahl eine Huldigung des in München wohl beliebteren der beiden großen Clubs war, wird sich nicht mehr klären lassen.

Winklarn – Di., 12.07.2022, 18:30

TSV Winklarn vs SpVgg Pfreimd II 1:4

Frauensteinstadion, 70 Zuschauer, Kreispokal Cham/Schwandorf 1.Runde
Kreispokal im Fußballkreis Cham/Schwandorf und das wirklich nicht gut ansehbar. A-Klasse gegen Kreisklasse hieß es und irgendwann dachte ich darüber nach, mir ein paar Schuhe zu leihen und mich selber einzuwechseln. Ich hätte auch mit fast 50 Lenzen egal welchem der beiden Teams noch helfen können, davon bin ich überzeugt. Fehlendes Talent war Trumpf in diesem Kick, bei den Gastgebern war die fehlende Begabung noch etwas deutlicher zu erkennen als beim Gäste-Team. Das Dargebotene war so dermaßen unvollkommen, dass es zum Teil schon wieder unterhaltsam war. Lichtblick war eigentlich der adipöse Torwart des TSV, der seine Sache recht gut machte, auch ein gutes und ‘artgerechtes’ Torwartspiel zeigte, aber mit 120 Kilo auf der Waage ist man halt nicht beweglich genug und fischt die Murmel irgendwann aus den Maschen. Auch die Reserve-Spieler der Gastgeber fanden ihre Rolle und wurden vom Platzsprecher wiederholt über das Mikro angemahnt, den Spielstand an der manuell zu bedienenden Anzeigetafel aktuell zu halten. Star dieser zweifelhaften Vorstellung war aber die schicke und sehr schön gelegene Anlage, die aber etwas mehr Pflege verdient hätte. Unter dem Strich ein richtig schön schrulliger Provinz-Event.

Luhe-Wildenau – So., 10.07.2022, 17:30

SC Luhe-Wildenau vs ASV Burglengenfeld 1:1

Michael-Höhbauer-Stadion, 120 Zuschauer, Testspiel
Eine Woche Urlaub mit der verehrten Gattin am Weißwurst-Äquator und der Fußball durfte natürlich nicht fehlen. Den Anfang machte dieses Testspiel im Ortsteil Oberwildenau in der Kommune Luhe-Wildenau. Dass ich auf Testspiele nicht sonderlich scharf bin, erst recht, wenn der eigene Herzensverein nicht beteiligt ist, erwähnte ich ja schon mehrfach. Dieser Kick passt aber ganz gut und das wirklich nette, kleine Stadion außerhalb des Ortes, direkt am Waldesrand gelegen, hatte auch einen Besuch durchaus verdient. Prunkstück ist die überdachte Sitztribüne. Für einen Bezirksligisten ist die Anlage definitiv überdurchschnittlich, aber daran erkennt man wieder, dass der Fußball und das dazugehörige Vereinsleben auf dem Dorf meist einen höheren Stellenwert genießt, als in größeren Städten. Landesligist Burglengenfeld stellte sich vor und eine recht stattliche Anzahl an Zuschauern fand sich zu diesem Test ein. Nach dominanten Beginn konnen die Gastgeber die Partie ausgeglichen gestalten und sogar in Führung gehen. Im Verlaufe der zweiten Hälfte gewann der klassenhöhere ASV immer mehr die Oberhand und glich folgerichtig aus. Ein lauer Kick war das nicht gerade, die Akteure schenkten sich nichts und das Spiel hatte mehr Feuer als so manches Pflichtspiel. Einen Sieger sollte es in dieser ansehnlichen Partie aber nicht mehr geben.

Essen – So., 03.07.2022, 15:00

ETB Schwarz-Weiß vs Rot-Weiss Essen 0:2

Stadion Uhlenkrug, 2.295 Zuschauer, Testspiel
Alle Jahre wieder steht in der Saisonvorbereitung das geliebte, gehasste Testspiel gegen den traditionellen Stadtrivalen aus dem Essener Süden an. Wenn es nicht der gute alte Uhlenkrug wäre, der trotz Umbaumaßnahmen immer noch einen Besuch wert ist, würde ich wohl auf den Murks verzichten. Eigentlich kann sich das klassenhöhere Team in so einem Spiel eh nur blamieren. Das war heute nicht so, die Roten waren neunzig Minuten drückend überlegen und vergaben ein Dutzend glasklarer Chancen, so dass am Ende ein aus schwarz-weißer Sicht moderates Endresultat an der Anzeigetafel stand. Da das Uhlenkrug-Stadion in diesem Jahr sein Hundertjähriges feiert, versuchten die Gastgeber unter dem Motto „Macht den Krug voll“ mehr Zuschauer anzulocken, als sonst zu diesem Ereignis erscheinen. Dieses gelang leidlich, aber mit offiziell gut 2300 Zuschauern – es schienen eher ein paar hundert mehr zu sein – war die Kulisse für einen Test-Kick letztlich doch ganz ordentlich.